1904. L S KM inUnny. BW- AM (Nachdruck verboten.) Die Jerichoposaune. Mus den Erlebnissen eines russischen Gerichtsarztes. Von E. v. Trojanowsky. (Fortsetzung.) Nach kurzer Begrüßung veranlaßt der Untersuchungsrichter den Stanowoi, zum Kirchhof vorzueilen, sich vom Priester und den Wohl schon eingetroffenen Verwandten das Grab genau bezeichnen, den Grabhügel und die den Sarg bedeckende Erde Wegschaufeln und alles zur Sektion nötige beschaffen zu lassen, und ihm dann Nachricht zu senden, daß alles bereit sei. Daß der Stanowoi, ein schon ältlicher Herr, so eigentümlich besorgt aussieht, und offenbar dem Untersuchungsrichter noch etwas Besonderes Mitteilen möchte, scheint der letztere gar nicht zu bemerken. Der Stanowoi entfernt sich. Mit ihm geht auf Anordnung des Arztes auch der Feldscher, dessen Jnstrumentenkasten ein Ssotzki zu tragen übernimmt. Nach ihnen verlassen das Zimmer auch die Gemeindegerichtsglieder und die Schreiber. Den Arzt, der einen fragenden Blick auf den Untersuchungsrichter geworfen und dessen leichtes Kopfnicken verstanden hat, wandelt plötzlich, auch die Lust an, nach der langen Fahrt und der heute ihm obliegenden, unangenehmen Arbeit draußen noch ein wenig zu promenieren. Die Schwüle draußen ist fast noch ärger als' während der Fahrt hierher. Ein leichter Wind hat sich erhoben, in der Ferne hört man schwaches Donnern, am Waldrand sind eigentümliche gefärbte Wolken aufgestiegen. Mit der Mütze sich Kühle zusächelnd hat der Arzt den Schatten der alten Obstbäume tat Garten der Gemeindeverwaltung aufgesucht, und ergeht sich barhaupt aus den grasüberwucherten Wegen. Die höher heraufztehenden Wolken lassen ihn hoffen, baß das Gewitter sich! bald nähern und ein wohltuender Regen die Luft erfrischen wird. Die abendliche Rückfahrt zur Stadt verspricht dadurch weniger unangenehm zu werden, als die eben überstandene Herfahrt. In der Gemeindeverwaltung ist der Untersuchungsrichter mit dem Gemeindeältesten zurückgeblieben. In der Mitte der fünfzig stehend, mit gesunder, sonnengebräunter Gesichtsfarbe und graumeliertem Haar und Bart, macht der Gemeindeälteste in seinem ganzen Wesen einen sehr vertrauenerweckenden Eindruck. Der Untersuchungsrichter fordert ihn auf, sich zu setzen, spricht mit ihm über dies und jenes, Ernteaussichteu, Steuerrückstände, Pferdediebstahl. Dann erkundigt er sich bei ihm, was es mit der auffallend großen, zur heutigen Leich en aus grabung zusammengestromten Menschenmenge für ein Bewandnis habe, und »vorauf die unverkennbare Aufregung der Leute zu beziehen sei. Der Gemeindeälteste berichtet in knappen, vorsichtig gewählten Worten, worum es sich handelt und was heute zu befürchten sei, wenn das Sektionsergebnis den Vater des Toten und die übrigen, äußerst zahlreichen Verwandten und Freunde desselben nicht befriedigen sollte. „Vielleicht wird es sich doch empfehlen", schließt er zögernd, „durch einen sofort abzusendenden Boten den Jsprawnik*) zu ersuchen, sich telegraphische mit der Bitte um unverzügliche Herübexsendung von Militär an den Gouverneur zu wenden. Die Soldaten könnten schon morgen abend hier fein. Die Ausgrabung der Leiche ließe sich vielleicht bis übermorgen auffchieben." Der Untersuchungsrichter dankt dem Gemeindealtesten für seine Mitteilungen, die so ziemlich dem entsprächen, was er hier zu finden erwartet habe. Waren ihm doch sogar -— das erste Mal in seiner Dienstzeit! — in dieser Sache mehrere anonyme Warnungs- und Drohbriefe zugegangen. „Ich hoffe trotzdem", beruhigt er den Gemeindeältesten, „unter Mitwirkung der Gemeindeverwaltung, der vernünftig gebliebenen älteren Bauern und der örtlichen Polizei, mit den angetrunkenen Randaliften auch ohne militärische Hilfe auf meine eigene Manier fertig zu werden." Die Unterredung hiermit beendend, bittet er, daß ihm im Nebenzimmer ein Sofa angewiesen werde, auf dem er sich etwas ausstrecken könne. Nicht lange darauf verkünden ruhige, feiert schnarchende Atemzüge, daß der Untersuchungsrichter in jenem Zimmer fest Hingeschlafen. 5. Kapitel. Nach einer guten Stunde erst kommt vorn Kirchhof die Meldung, daß alles bereit sei. Der Arzt weckt den Schlafenden. Im schnellen Trabe ihres guten Dreigespanns sind die Herren bald zur Stelle. Der Pogost und namentlich der freie Platz vor dem Kirchhof bilden das Bild eines stark besuchten, ungewöhnlich lebhaften Dorfjahrmarktes. Nur mit großer Mühe bahnen die Landgendarmen und Ssotzkis den Herren einen Zugang zum Kirchhof und, quer durch beit ebenso menschenerfüllten Kirchhof, zum Grabe mit dem in seiner Tiefe schon bloßgelegten Sarge. In nächster Nähe des Grabes ist ein nur kleiner Raum freigeblieben, eingenommen von einem Tisch und kleinen Holzbänkchen für die beiden Herren, von einer breiten Bank zur Sektion der Leiche, von einigen Spännen kalten und heißen Wassers und einer zum Reinigen der Hände improvisierten Waschtoilette. Um diesen an sich schon sehr engen Raum drängen sich die dtengierigen in dichten Massen, ohne jegliche Rücksicht auf Gräber und Grabgitter und Grabkreuze. Manche Bäum? ßtb sogar bis über die Hälfte mit hinaufgekletterten Kin- rn besetzt. Aus dem niedrigen Kirchhofszaun, und vor! und hinter demselben, haben sich die bescheideneren Zuschauer postiert, darunter vornehmlich Weiber und Mädchen, *)Polizeichef des ganzen Kreises. — 406 — Neber der ganzen unruhigen Menschenmenge wogt ein ununterbrochenes, dumpfes, vorläufig noch etwas ver- haltenes Stimmengewirr. Nur als beim Erscheinen des örtlichen Priesters, eines hoch gewachsenen, aber schon ziemlich gebückt gehenden, eisgrauen Mannes der Untersuch- rmgsrichter diesem entgegentritt, mit einer gewissen Osten- tation den Segen erbittet und die segnende Rechte des Alten ehrfurchtsvoll küßt, wird es auf einige Augenblicke ringsum ganz still. Der Sarg wird aus der Gruft hervorgeholt, der Deckel entfernt und die Leiche vom Priester und mehreren der nächsten Angehörigen, die unter lautem Wehklagen näher herangetreten sind, rekognosziert. Nachdem das kurze Protokoll über die Lage des Grabes, Tiefe der Gruft, Beschaffenheit des Kirchhofgrundes und Sarges und über die Identität der Leiche von den dazu berufenen Anwesenden unterschrieben ist, zieht sich der Priester zurück, vorschützend, daß seine schwachen Nerven ihm nicht erlauben, bei der Leichenöffnung zugegen zu sein. Mittlerweile ist die Leiche schon entkleidet und auf der Sektionsbank plaziert worden. Zur nicht geringen Verwunderung der Umstehenden verbreitet sie durchaus nicht den starken Fäulnisgeruch, den man erwartet hatte. Wer sich anfanngs die Nase mit der Hand oder mit dem Taschentuch zu schützen versuchte, unterläßt dies Manöver bald genug. Denn nur ein eigentümlich muffiger Geruch macht sich bemerkbar, ein Geruch — wie der Arzt sich äußert — spezifisch unterirdisch und nicht von dieser Welt. Dank dem Umstande, daß der Verstorbene sofort in der kühlen Klete ausgebahrt und überhaupt schnell beerdigt worden war, hat die Leiche sich verhältnismäßig gut erhalten. Die Gesichtszüge sind gut erkennbar, die Haut des ganzen Körpers noch ziemlich hellfarbig. Nach Abscherung des dichten Haupthaares wird die Kopfhaut, Gesicht, Hals, Brust, Rücken, kurz der ganze Körper aufs sorgfältgste betrachtet. Hautabschürfungen, Kratzspuren, blutunterlaufene Flecke, die von Mißhandlungen herrühren könnten, finden sich nirgends, die Rippen sind durchweg unbeschädigt. Freilich Präsentieren sich auf dem Rücken und Nacken und aus der hinteren Seite der Arme und Oberschenkel große, teilweise ineinander übergehende, dunkelviolette oder bläulichrote Flecke. An ihnen ist aber beim Anschneiden mit dein Sektionsskalpell nicht die geringste Blutunterlaufung zu entdecken. Den bisherigen Befund dem Untersuchungsrichter in die Feder diktierend, fügt der Arzt ausdrücklich hinzu, daß diese Flecken, von denen ja auch an dem Verstorbenen am Morgen nach dem Tode gar nichts zu sehen gewesen, nicht durch Schläge oder sonstige Mißhandlungen hervorgerufen sein können, sondern daß sie als ganz gewöhnliche Totenflecke, tote sie sich an der Hinterseite dejs Körpers bei den meisten auf dem Rücken liegenden Verstorbenen zu bilden Pflegen, anzusehen sind. Bei dieser Aeußerung des Arztes verstärkt sich zn- sehends die Aufregung unter den am nächsten stehenden Zuschauern. Einige unter ihnen murren und zetern ganz ungeniert darüber, daß der Arzt diese Spuren, die doch vollständig den ihnen allen so wohlbekannten blauen Flecken nach tüchtigen Mißhandlungen glichen, plötzlich als natürliche Totenflecke zu bezeichnen wage. Warnende Zurufe des Stanotoot, der Landgendarmen ertönen: „Haltet Ruhe, — stört nicht dis Herren in ihrer'Arbeit! Ruhe da hinten, Rüge! Aber einige der frechsten jungen Kerle aus den vordersten Reihen, offenbar die Hauptanstifter des drohenden Krawalls, antworten höhnend: „Haltet nur selbst das Maul, ihr verdammten Polizeifratzen!" Andere Stimmen sekundieren ihnen: „Schweigen sollen wir? Oho! Klagen werden wir, beim Gouverneur, beim Minister'^ Der Untersuchungsrichter hält einen Augenblick im Sck>reiben inne. Scharf fixiert er die gegenüberstehenden Schrewr. Das scheint auf die Leute etwas ernüchternd zu wirken. Um ein weniges vermindert sich das wüste Lärmen. Zudem nähert sich das längst schon drohende Gewitter ziemlich rasch. Der Himmel hat sich dunkel bewölkt, das Grollen des Donners ist lauter geworden — auch eine Mahnung zur Ruhe! Arzt und Feldscher haben ihre Arbeit wieder auf- genommen, (Fortsetzung folgt.) Ire Kreischmann-Rrisfe. Auf den kürzlichen Aufsatz über die Enthüllungen eines französischen Offiziers, wonach preußische Truppen, darunter das 6. Magdeburg. Tragonerregiment die Stadt Sens arg mitgenommen hätten, verweist uns ein ehemaliger Angehöriger dieses Tragonerregiments auf die 1885 erschienene offizielle Regimentsgeschichte, worin folgendes berichtet wird: Wenn bislang der Marsch (von Metz aus) einem Friedensmarsch geglichen hatte, so änderte sich die Physiognomie des. Landes respektive der Charakter der Bevölkerung von Troyes ab wesentlich Am ersten Marschtag, welcher durch Kälte und Schnee beschwerlich fiel, bezog die 4. Eskadron Quartier in .Chennezy; hier war an demselben Tage morgens ein guartiermachender Offizier der Artillerie von den Einwohnern ermordet worden; auch die Eskadron mußte sich das Torf, welches Franktireurs besetzt hielten, erst erkämpfen. Am nächsten Morgen wurde auf Befehl des General-Kommandos ein Teil des Dorfes eingeäschert. Regimentsstab und 3. Eskadron lagen in Mesnil St. Loup, wo ein kleines Kloster vorhanden war, dessen Mönche nachts den Paroleschreiber (Dragoner Schmechten) der 3. Eskadron, als er den Befehl überbringen wollte, anfielcn; glücklicherweise hatte dieser den Säbel unter dem Mantel und konnte sich daher des Angriffs erwehren. Auch die Stadt Sens stand in dem Rufe, eine böswillige Bevölkerung zu haben. Deshalb wurde am 13. November Major v. Tresckow mit der 2. und 5. Eskadron des Regiments, 1 Kompagnie 9. Jäger, .1 Eskadron 12. Ulanen und der Batterie Heidtweiler abkommandiert, über Sens zu marschieren, um dort eine Requisition und ev. B e st r a f u n g auszuführcn, und gleichzeitig der 18. Division die linke Flanke zu decken. Tie renitente Stadt wurde mit Zahlung von 8000 Franks bestraft, und einige Ortschaften, in welchen sich Franktireurs zeigten, .wurden kanoniert. Am 14. November schlossen sich Me Eskadrons, nach einem sehr anstrengenden Marsche, dem Regiment wieder an. In diesen Gegenden fand nian überall die Chausseen durchstochen und Verhaue vorbereitet; in den Ortschaften klebten Proklamationen aufreizenden Inhalts, kurz Vorsicht war überall geboten. Danach ist die Besetzung der Stadt Sens durch diese Truppen, die auch der französische Offizier genau bezeichnet, mehr als eine Bestrafungsexpedition anzusehen. ,Taß bei den Gefahren, deren die Truppen bei den zahlreichen Franktireurs stets sich versehen mußten, die deutschen Soldaten manchmal gereizt und zu Vor- sichtsniaßregeln gezwungen waren, kann wohl niemand Wunder nehmen. Auf Seite 74 der Regimentsgeschichte heißt es weiter: Am 15. Nov. hatte die 3. Eskadron nebst einem Bataillon 11. Jnf.- Regts. und der Batterie Heidtweiler an einer Expedition teilzunehmen, bei welcher unter Befehl des Majors Schaumann vom 11. Regiment die zu Nemours gehörige Vorstadt Sanct Pierre niedergebrannt werden mußte, weil in derselben kurze Zeit zuvor eine halbe Eskadron 4. Ulanen - Regiments überfallen und teilweise niedergemacht worden war. Es war ein mit ergreifenden Szenen verbundenes Kommando, da hier die Unschuldigen mit den Schuldigen leiden mußten. Einige von den getöteten Ulanen wurden aufgesunden, .ausgegraben, die Leichen mitgeführt und im nächsten Quartier feierlich begraben. Es war ein angenehmer Augenblick, als der fatale Auftrag ausgeführt war und nach "den nächsten Marschquartieren aufgebrochen werden konnte. Kikder vom Kongreß der „Keiisarnree". London steht in diesen Tagen ganz unter den Eindrücken von dem großen Kongreß der „Heilsarmee", und die Blätter sind voll von Schilderungen des merkwürdigen bunten Treibens, das sich jda entfaltet. .Jeden Tag sammelt sich eine große Menge außerhalb der strahlenden Burg im Strand, Hunderte, die nur gekommen sind, um zu lächeln, bleiben und wundern sich über die Begeisterung, die von den Gesichtern der Männer und Frauen leuchtet, die aus der ganzen Welt herbeigeströmt sind, um zusammen zu singen und zu beten. „Rette Deine Seele", steht draußen am Saal angeschrieben. Am Dienstag .begann der Kongreß seine seelenrettende Tätigkeit. Er war der erste der ,,beiden Tage mit Gott". Immer von neuem wirkte ,in den drei.Versammlungen die Inbrunst, die allen Kriegern, den schwarzen, Weißen und gelben, die unter dem „Blut- und Feuer"-Banner marschieren, gemein ist. Man sah die höchste religiöse Ekstase, und die riesige Zuhörerschaft wurde von den gewaltigen Wogen der Begeisterung mit fortgerissen. .In jeder Versammlung kamen 60 bis 70 Männer und Frauen aus dem Publikum und knieten aus der „Büßer- bank", wobei ihnen Ne Tränen über Ne Wangen strömten. Tie Besucher waren Männer und Frauen aller Arten und Klassen, reiche Damen grnd elegant gekleidete Männer, Arbeiter und Arbeiterinnen und arme Leute, die ihre letzten Pfennige ausgegeben zu haben schienen, um sich eine Eintrittskarte zu erstehen, Ter Saal hallte wieder von Ausrufen und Bruchstücken von Gebeten. Aus dem babylonischen Sprachenwirrwarr hörte man.die Stimme des „Seelenretters", .der die Bußfertigen auf- — 407 — lief, hervorzutreten. General Booth führte den Vorsitz, unermüdlich und unbezwingbar. .In dem scharfen Gesicht und der geschmeidigen Figur sah man kein Zeichen der Ermüdung. Er stand auf der Plattform, hinter ihm Soldaten, fjie halb Europa und Asien vertraten, vor ihm im Saal 8000 bis 10 000 Menschen, die mit inbrünstiger Begeisterung an seinen Lippen hingen. In feurigen Aufforderungen ries er die Versammlung zur Rettung der Seele. Tann wandte er sich dem Orchester zu, und eine bekannte Melodie ertönte. Mit voller Energie sang die vielfarbige Menge eine Hymne. .Aber der General war nicht zufrieden. „Klatscht in die Hände", .rief er, und der Vers wurde wieder unter begleitendem Händeklatschen gesungen. Noch einmal wurde der Vers verlangt, und wieder füllten Hunderte kräftiger Lungen den weiten Saal mit ihrem Singen, während die nicht Englisch sprechenden mit Händen und Füßen den Takt schlugen. Ein dicker Australier erzählte die Geschichte seiner Bekehrung. Tie zuhörenden Soldaten warfen ständig Ausrufe dazwischen wie „Lobt den Herrn", .„Es ist wahr" „Ich glaube es". Jedes Volk zeigte nach seiner Weise seine Freude an dem Vortrag. Tie Schwarzen wiegten sich in Entzücken hin und her, die Deutschen strahlten, die Delegierten der Vereinigten Staaten lachten laut, und männiglich Ratschte donnernd: „Ich hin gerettet". Ter unermüdliche General ist überall. Jetzt legt er dem Sprecher den Arm um die Schulter, nun singt er ein Triumphlied vor, dann wieder nickt er dem Trommler zu, so laut wie möglich zu trommeln... » Tann kam der Höhepunkt der Ekstase. Eine unbeschreibliche Bewegung ging über das Meer von Gesichtern, wenn die Obersten riefen: „Preiset Gott, ein Mann kommt vor!" Ter erste Wüster trat taumelnd vor, ein Mann in mittleren Jahren, .der in seinem ganzen Wesen erschüttert schien. Im Angesicht der ganzen Menge sank er vorn auf die Knie und schluchzte wie ein Kind. Bald folgte eine Dame, die in dem Bemühen, ihre Gefühle. zu unterdrücken, zitterte. Als sie auf dem Büßeksitz niederkniete, und ihr Gesicht verbarg, (niete ein „Hallelujah- mädchen" mit einem süsten Gesichtchen neben ihr nieder, umschlang .sie und flüsterte ihr tröstende Worte zu. Tas Beten wurde dringender, bald folgten drei andere Bekehrte. . . „Will jemand in der Versammlung besonders für den Nächsten beten?" rief Oberst Lawley. Als dann eine Frau vorkatn, rief er: »Gott helfe Nr. 6!" und die Antwort ertönte: „Preiset den Herrn!" So ging es eine halbe Stunde lang fort, persönliche Ueberredung .unterstützte das gemeinsame Gebet; der Gesang eines Chores beschloß die Versammlung. . - Eine neue ALpeneiserröühn. Der Schienenweg durch den Simplon ist noch nicht vollendet, an der geplanten Elsenbahn von Nizza nach Coni, über die man zwischen Frankreich und Italien so viel verhandelt hat, ist noch kein Spatenstich s geschehen, und schon taucht ein neues Projekt auf, das nach einem Bericht des „Tour du Monde" ziemlich ernst zu nehmen ist, nämlich eine Eisenbahn zwischen Martigny in Wallis und Turin. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß der Ausführung dieses Planes erhebliche Schwierigkeiten entgegenstehen, einmal wegen der landschaftlichen Eigenart des zu durchmessenden Gebiets und dann auch, weil das interessierte Vorland beiderseits von^ beschränkter Ausdehnung zu sein scheint. Eine nähere Betrachtung lehrt jedoch, daß .die Schaffung eines Schienenweges auf der bezeichneten Linie eine große Zukunft haben könnte, vorausgesetzt, daß die Baukosten sich innerhalb erschwinglicher Grenzen halten. Ter Schöpfer des Projekts, der englische Ingenieur Radcliff Ward, hat alle einschlägigen Fragen sorgfältig studiert, und auf Grund eines ausführlichen Berichts hat sich bereits ein finanzielles.Konsortium gebildet, die Staatsbehörden und die Gemeinden von Piemont haben ihre Unterstützung zu- gesagt, und es steht zu hoffen, daß der italienische Minister der öffentlichen Arbeiten die Bauerlaubnis erteilen wird. Tie Strecke würde eine Länge von nur 157 Kilometer bei einer Steigung pon höchstens fünf Prozent besitzen. Ta sw fast in ihrem ganzen Verlauf durch Gebirgsgelände geht, so wird sie elektrisch betrieben werden müssen, umsomehr, als überall Wasserkraft zu verhältnismäßig billiger Lieferung der Elektrizität verfügbar ist. Ansetzend an der Linie, die Turin mit Modane verbindet, würde die neue Eisenbahn die Ebene von Kanatiefe bis Pont durchqueren Und tion~ dort in das Tal des Ronco eintreten. Ter Gran Paradiso müßte in einem Tunnel überwunden werden, worauf die Linie jenseits das Torf Segne an einem Nebenfluß der Tora Baltea erreichen würde. Weiter hätte sie aus halber Höhe das Tal von Aosta auf der linken Flanke auswärts zu verfolgen und die Ortschaften Morgex, Pro St. Tidier und Courmayeur zu passieren. Von letzterem Platz aus würde die Bahn mittels eines Tunnels durch dcn Col Ferret auf Schweizer Gebiet übersetzen und längs des Val Ferrex zur Trance und nach Martigny gelangen. Tie Eisenbahn Turin-Martigny würde gegenüber den bestehenden Linien einschließlich des Simplon eine Verkürzung des Reisewegs zwischen dem nordwestlichen Italien und den Ländern von Mitteleuropa herbeiführen, was an einer Reihe von Beispielen erwiesen wird. Diese Angaben sprechen scheinbar doch weniger zu gunsten des Projektes, als der Bericht seines Urhebers uns glauben machen will, denn es ergibt sich daraus, daß eigentlich nur der Verkehr zwischen dem nordwestlichen Italien und der westlichen Schweiz wesentlich dadurch gewinnen würde, während bei den großen Strecken Turin-Basel und Turin-Paris nur eine Ersparnis von 50 bis 60 Kilometern erzielt werden würde. Eine Sache für sich ist der Hinweis auf die großen Mineralschätze des in Betracht kommenden Alpengebiets auf italienischem Boden, deren Ausbeutung durch die Eisenbahn selbstverständlich eine wesentliche Förderung erfahren würde. In der Gegend von Cogne finden sich namentlich vortreffliche Lager von Magneteisen, die bereits die Aufmerksamkeit der Italiener in hohem Maße erregt haben. Tie Eisenbahngesellschaft könnte vielleicht wirflich gute Geschäfte machen, wenn sie diese Erzlager in ihre Hand brächte. Ob sich aber auch die Hoffnungen verwirklichen werden, die auf Ablenkung eines großen Teils des Personen- und Güterverkehrs von Mitteleuropa nach Genua oder gar der Post nach Indien auf die geplante Eisenbahnstrecke gesetzt werden, bleib* abzuwarten. vermischte». * Antialkoholisches vom kaiserlichen Hofe. Tie Behauptung der Alkoholfreunde, die Notiz, welche kürzlich durch die Blätter ging, daß der Kaiser auf seiner Mittelmeerreise nur alkoholfreie Getränke genossen habe, sei eine tendenziöse Erfindung der Alkoholgegner, ist unzutrefsend. Sie war überhaupt nicht von alkoholgegnerischer Seite ausgegangen. SBie wir von zuständiger Stelle erfahren, beruhte allerdings jene Nachricht völlig auf Wahrheit wenn sie auch .durch eine kleine Indiskretion in die Oefsentlichkeit gedrungen ist. Außerdein besteht die Tatsache, daß im Lause des letzten Jahres von einer bekannten Gesellschaft zur Herstellung alkoholfreier Traubensäfte inehrere 1000 Flaschen an die kaiserlichen Schlösser in Berlin, Wildpark, Wilhelmshöhe, Sabinen, Homburg und an das Prinzenhaus in Plön gesandt sind, daß ferner die Kaiserin ebenfalls seit längerer Zeit sich nur dieser Getränke bedient, daß ein Teil der an der Marschalltafel speisenden Hofdamen und Herren dem Beispiel der Kaiserin folgt, und daß z. B. Sr. Exzellenz der Wirkliche Geheimrat Prof. Dr. Schmidt, welcher seinerzeit die Kehlkopfoperation beim Kaiser vornahm, sich den alkoholfreien Traubensaft, den er an der kaiserlichen Tafel kennen gelernt, dort täglich .getrunken und sehr schmackhaft gefunden hatte, nach seiner Rückkehr nach Frankfurt ebenfalls bestellte. Ferner ist es Tatsache, daß der Kaiser vor Jahresftist eine Kollektion Ent- haltsamkeitsvorschristen dem Kriegsminister zur Prüfung überwiesen hat, daß dieser mit Interesse von denselben Kenntnis genommen hat, wie überhaupt seitens der Heeresverwaltung die Bestrebungen, gegen die Gefahren des Alkoholmißbrauchs an- zukampfen, gern anerkannt und in ihrer Wichtigkeit für das Bolkswohl gewürdigt werden. .Bezeichnend für die Bedeutung, welche der Bekämpfung des Alkoholismus von höchster Stelle aus besonders auch in den Kreisen der Marine beigelegt wird, geht daraus hervor, daß Prinz Heinrich zum vergangenen Weihnachtsgeschenk sämtlichen Mannschaften der kaiserlichen Marine nebst einem kleinen Soldaten - Kalender ein Enthalt- samkeitsslugblatt hat zugehen lassen. Dieses Interesse am kaiserlichen Hose für die Enthalt!amkeitsbewegung entspricht durchaus dem starken Interesse, welches der Kaiser mit weitem Blick an allem neuen, wirflich Guten, Großen und für die Nation Nützlichen nimmt. * Die Erziehung des Farbensinns wird als die Grundlage unserer materillen Wohlfahrt jetzt allgemein gefordert. Alfred Lichtwark hat in seinem Buche „Erziehung des Farbensinns" Wege gewiesen, wie „Farbe sich lernen läßt". Dabei gibt es interessante Mitteilungen über die Beeinflussung des Farbensinns durch.örtliche Einflüsse, die gerade jetzt beachtenswert sind für die vielen Sommerreisenden und für alle die, welche die Kunstausstellungen in Berlin, Dresden, Düsseldorf und St. Louis besuchen: Tie Erscheinung der Farbe in Venedig ist nicht dieselbe wie in Florenz. Sie tritt in London und Amsterdam, in Paris und Berlin jedesmal in deutlicher und nicht nur dem feinfühlenden Ange unterscheidbarer Eigenart auf. Ter Feuchtigkeitsgrad der Luft, der Sonne, .die unendlich kleinen Staubteilchen, die die mechanische Wirkung der Luft und des Lichtes von den Körpern loslöst und die in der Atmosphäre eines Kalkgebirges anders das Licht brechen als in der einer Granitformation ober am Salzmeer, bebingen sehr große Unterschiede. Tas Pariser Abendrot kann nicht mit dem von Berlin verwechselt werden, die Lichterscheinungen um Sonnenuntergang in Berlin, und Potsdam sind schon merflich verschieden, von Berlin und Hamburg nicht zu reden. Bilder französischer Landschaften können in Deutsch land nicht ganz verstanden werden. Erst ein Gang über die Seinekais in Paris, ein Ausflug nach Fontainebleau, Ssvres oder St. Cloud, ja die Eisenbahnfahrt von Belgien nach Paris pflegt dem Deutschen das Auge für die französische Landschaft zu öffnen. „Wer den Künstler will verstehen, muh in Künstlers Lande gehen", gilt am sinnfälligsten für alles, was mit dem Auge zu fassen ist. Beim Individuum läßt sich die Veränderung, die. das Auge durch .die Gewöhnung an ein fremdes Lokalkolorit — 408 erleidet, ott genug nachweisen. Ein deutscher Maler, der längere Zeit in Italien gelebt hat, .pflegt den Ton und die Farbe der heimatlichen Landschaft jahrzehntelang nicht mehr treffen zu können. .Selbst Claude Monet hat, wenn er eine Reihe grün gestrichener holländischer Häuser hinter Bäumen am Wasser festhält, das farbige Wesen der Seine-Ufer mit hineingemalt. * Weist Du, wieviel Sterne stehen? Mit der Zählung der Sterne beschäftigten sich neuerdings eifrig die Astronomen. J$ine ganze Reihe von Sternwarten arbeitet an der Aufnahme einer photographischen Himmelskarte, die nach ihrer Vollendung eine Nebersicht über den Sternenhimmel geben wird, wie sie nie zuvor ein Mensch besessen hat. Die photometrischen Listen an der Harvard-Sternwarte weisen die Zahl aller Sterne bis zur 6. Größenklasse lückenlos nach. Danach gibt es 38 Sterne bis zur Größe 2, 99 zwischen 2 und 3, 317 zwischen 3 und 4, 1020 zwischen 4 und 5 und 2865 zwischen 5 und 6, insgesamt also bis zur 6. Klasse 4339. Darüber hinaus ist keine vollständige Zusammenstellung mehr vorhanden, wenigstens nicht für den ganzen Himmel. Ueberhaupt wird die Zählung der Sterne begreiflicherweife dadurch erschwert, daß auf der südlichen Halbkugel der Erde nur sehr wenige Sternwarten bestehen. Jedenfalls weiß .man, daß auf dem Raum bis zu 130 Grad vom Nordpol gerechnet 7848 Sterne von einer Größe zwischen 6 und 7 vorhanden sind, was bei der Einnahme einer gleichmäßigen Verteilung auf die ganze Himmelskugel die Gesamtzahl von 9554 ergeben würde. Nach einer anderen Schätzung würde sich die Zahl der Sterne, die heller als die 7. Größenklasse sind, auf rund 13 400 belaufen. Weiterhin gerät man nun aber schon in eine große Unsicherheit. Tie Berechnungen für die Zahl der Sterne zwischen der 7. und der 9. Größenklasse beruhen noch immer auf der altberühmten „Bonner Durchmusterung". Man kommt danach für den ganzen Himmel zu dem Ergebnis, daß es etwa 177 000 Sterne gibt, die heller als die 9. Größenklasse sind. Was nun noch weiter jenseits liegt, wird für den Menschen immer weniger faßlich Tie neuesten und wohl auch zuverlässigsten Unterlagen bietet in dieser Hinsicht eine Veröffentlichung der Sternwarte in Greenwich, die eine Gesamtzahl von 229 426 Sternen angibt, aber nur für eine Zone von 5 Grad, zwischen plns 65 nnd plus 70 Grad der Deklination, also nur für den 60. Teil des ganzen Himmels. Tie kleinsten Sterne wurden dabei durch zweimalige Photographie bei einer Be'licht- ungszeit von 40 Minuten ausgenommen. Will man sich auch hier an eine Verallgemeinerung der bisherigen Beobachtungen wagen, so würde sich die mutmaßliche Zahl der Sterne von größerer Helligkeit als 15. Größe auf 8 325 000 stellen. Es tritt dabei die auffällige Erscheinung ein, daß sich die Zahl der Sterne von einer bis zur anderen Größenklasse immer ungefähr verdoppelt. . Während nämlich unter der 10. Größe 639 000 Sterne angegeben werden, sind es unter der 11. Größe 1214 000, unter der 12. 2 306 000 usw. Tiefe Ziffern erscheinen recht eindrucksvoll und werden wohl auch eine annahrend richtige Vorstellung geben können. Andererseits ist ihnen doch anzumerken, wie groß die Unsicherheit des Menschen in der Zählung der Sterne noch immer ist, und die Frage des alten Volksliedes von Wilhelm Hey. .„Weißt Tu, wieviel Sterne stehen an dem blauen Himmelszelt?" hat noch immer in dem Sinne des Dichters ihre Berechtigung. * Die Gesundheitspflege in der Barbierstube ist wieder einmal zum Gegenstand einer ärztlichen Auslassung gemacht worden. , Tr. Ullmaun hat vor der Wiener Gesellschaft der Aerzte darauf hingewiesen, daß.erfahrungsgemäß noch immer ziemlich häufig die Uebertragung von Hautkrankheiten durch das Rasiermesser, durch Scheren, Pinsel und andere Geräte des Barbiers erfolgt. Solche Ansteckungen sind durchaus nicht immer harmlos, auch nicht immer bloß unangenehm, sondern auch geradezu gefährlich, da auch Fälle bekannt geworden sind, daß Leute auf diesem Wege die Syphilis erworben haben. Man hat unzählige Mittel und Vorschriften erdacht, um solchen Gefahren vorzubeugen, und es darf ^wohl auch anerkannt werden, daß die Reinlichkeit und die Sorgsamkeit' in den Barbierstuben während der letzten Jahre zugenommen hat. Andererseits hat sich gezeigt, daß besonders strenge Verordnungen über die Desinfektion der zum Barbieren und Frisieren notwendigen Geräte weder zweckmäßig noch durchführbar sind. Sehr schwierig ist es schon, überhaupt ein brauchbares Desinfektionsmittel zu finden. .Entweder schadet es den Snstrumenten, oder es reizt die Haut, oder es hat einen starken eruch, und jede dieser Eigenschaften bedingt die Unverwendbarkeit. Am einfachsten wäre noch Alkohol zu gebrauchen, aber dieser Stoff ist einmal nicht wirksam genug und zweitens zu teuer. .Tr. Ullmaun vertritt daher den Standpunkt, daß die Gesundheitspflege in den Barbierstuben sich noch immer hauptsächlich auf äußerste Reinlichkeit aller Geräte beschränken muß. Zu empfehlen sind möglichst häufige Waschungen mit heißer Selfenlauge, gründliches Abwaschen der behandelten Hautteile, namentlich nach dem Rasieren, peinlichste Sauberkeit der Wäsche, an .deren Stelle zweckmäßig Papierservietten treten. Nochmals mag .hier auf die Schädlichkeit des Alaunsteins hingewiesen werden, durch dessen Anwendung gewöhnlich nach dem Rasieren der Hautreiz vermindert oder eine etwa aufgetretene Blutung gestillt werden soll. .Tiefe Steine werden nacheinander bei den verschiedenen Kunden gebraucht und inzwischen nur in Wasser getaucht. Sie sollten unter allen Umständen durch ein Älaun- vulver ersetzt werden, von dem für jeden Kunden die nötige Menge neu genommen wird. Literarisches. — Wir sind zwar an Ueberraschungen von Seite der Mode gewöhnt, daß sie jedoch gestattet, durchaus individuell zu sein oder wenigstens in her Toilette nur dem persönlichen Geschmack Rechnung zu tragen, das übertrifft wohl die kühnsten Erwartungen. jpeft 18 der „Wiener Mode" veranschaulicht im Modeteil in reizender Weife die vier charakteristischen Grundideen der herrschenden Mode, deren Varianten sich von dem strengen Stil der schönen Handarbeiten desselben Heftes doppelt lebhaft abheben. Diesen Modebericht entnehmen wir dem soeben erschienenen Heft 18 der „Wiener Mode", das in reichen Illustrationen die im Modebericht angeführten Toilettenarten öarstellt. —: Zwei große kürzlich dahingeschiedene Künstler feiert das soeben erschienene Juli-Heft von Velhagen u. Klasings Monatsheften: Franz von Lenbach durch die meistere hafte farbige Wiedergabe einer Anzahl besonders interessanter Porträts und W. Wereschtschagin durch einen reich illustrierten, auf persönliche Erinnerungen fußenden Artikel von Prof. Ludwig Tietsch. .Das Heft ist im übrigen, wie stets, außerordentlich mannigfaltig. Neben dem großen Roman von Ida Boy-Ed, „Ter Festungsgarten", und C. Schroeder, „Unter sengender Sonne", bringt es zwei abgeschlossene Novellen „Kaminfeuer" von M. Kyber und „Der kleine Peter Willaschek" von Manuel Schnitzer; ferner einer fesselnden Leitung über „Die Erfindung der Schrift" von Prof. Tr. Lotz und einen schön illustrierten'Artikel „Griechische Münzen" von Prof. Tr. Seeck, dem bekannten Greifswalder Historiker. Herr von Hesse-Wartegg plaudert anmutig über „Schwebende Gärten" in Newyork, und Freiherr von Fabrice steuerte einen feinsinnigen Essay über „Ermenonville", den Sterbeort Rousseaus, bei. .Wie immer, schließen eine kritische Bücherschau und eine kunstgewerbliche illustrierte Rundschau das Heft ab, aus dessen poetischen Beigaben besonders ein höchst eigenartiges Gedicht „Gräfin Rochlitz" von Alice Freiin v. Gaudy erwähnungswert erscheint. Musik. Tie in Stuttgart erscheinende „Neue Müsik-Zeit- U n g" .enthält in ihren drei letzten Nummern 16, 17 und 18 eine Fülle interessanter Aufsätze auf dem Gebiete der musikalischen Äesthetik, der Musikgeschichte und Pädagogik, .wie auch Erzählungen aus dem Leben unserer Künstler. Gleich der Aufsatz über die vor 50 Jahren gestorbene große Sängerin Henriette Sontag und ihre Verhältnis zu Ludwig Rellstab entrollt ein fesselndes Bild der musikalischen Zustände jener Zeit. Kurt Mey ist .mit einer gründlichen Studie: „Einrichtungen und Gebräuche der Meistersinger" vertreten, der französische Aesthetiker Edrnond Jalonx schreibt über das aktuelle Thema „Japanische Musik". Tie Rubrik: Vorstände deutscher Opernbühnen bringt diesmal die Wiesbadener Dirigenten. Neben zahlreichen Berichten über neue Opern und über die jüngst veranstalteten Mufikfeste bringt die Zeitschrift einen ausführlichen aktuellen Artikel (mit Porträt) zu Karl Reineckes 80. Geburtstage, dem in der Musikbeilage eine Komposition des greifen Tondichters bei- gegeben ist. Die drei Nummern enthalten 12 Seiten Musikstücke beliebter moderner Komponisten, außerdem als Kunstbeilage ein Bild Meyerbeers. Hermann Hehermans. Ter Verfasser des Schauspiels „Die Hoffnung auf Segen" hat zum Feuilleton eine hübsche Skizze „Das verhexte Klavier" beigesteuert. Das Vierteljahrsabonnement dieser populären Zeitschrift beträgt für 6 Nummern nur 1.50 Mark. Probenummern sind durch jede Buch- und Musikalienhandlung, sowie vom Verlag Carl Grü- ninger in Stuttgart kostenfrei zu beziehen. Telegraphenrätsel. Nachdruck verboten. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Pyramide in vor. Nr. r R A r Arm Amor Roman Marone Makrone Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck nnd Verlag der Vrülb'schen llniversttöts-Bnch- nnd Steindruckerei, R, Lange, Gießen.