Areltag den 10. S«ni. E W U ■--;. - ■■■■ ■ (Nachdruck verboten.) Arühtingskürme. Roman von Paul Oskar Höcker. (Fortsetzung.) 7. Kapitel. Nun ging Fränzes Abwesenheit in die fünfte Woche. Man fing schon an, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß sie auch das Osterfest noch nicht auf Sa- kuthen verleben werde — da traf endlich die frohe Botschaft aus Insterburg ein, daß der Arzt in Anbetracht der milder gewordenen Witterung die lleberführung des kleinen Rekonvalezenten gestattete. Mittags gedachte sie von dort abzufahren, sie war dann um vier Uhr in Ußditten und konnte noch vor Dunkelheit das Delta erreichen. Die letzten Nachrichten über den Kleinen hatten durchaus günstig gelautet; nicht so befriedigend klangen die über Franze selbst. Pratje hatte sie kürzlich, ausgesucht. Er schilderte sie recht blaß und angegriffen. Der letzte Bericht stammte von Herrn von Gamering. Seine schwerenöterischen Absichten schienen nicht zur Ausführung gekommen zu sein. Im „Mikado" war er jedenfalls allein gewesen. Er sand, Frau Franze habe „riesig eingelegt, aber riesig!" In zitternder Ungeduld harrte Zupitza des ersten Wiedersehens nach, der langen Trennung. Pratje wollte das Paar abholen, er hatte beim Post- Halter auch schon die geschlossene Schlittenkutsche bestellt. „Wenn es meine Tour erlaubt", warf der Doktor hin, >,stelle ich mich gleichfalls auf der Bahn ein." „Es war sein fester Plan, das Tempo auf der Fahrt durchs Kaguller Moor, wo man ihn mittags erwartete, so zu beschleunigen, daß er Punkt vier Uhr in Ußditten sein konnte. Er geizte heute mit jeder Minute. Mitten auf der Tour gab's aber eine Störung, die eine harte Prüfung für ihn bedeuteter man rief ihn in einer dringlichen Angelegenheit nach Akischken und er mußte wenden. Akischken bildete den südwestlichen Zipfel der königlichen Moorvogtei. Der Wieg dahin war so schlammig, der Schnee so weich, daß man mit dem Schlitten nur im Schritt vorwärts kam. Das Wasser lief von den Kufen nach beiden Seiten in die Gräben, die Pferde strauchelten immer öfter auf dem nassen, glitschigen Grund, ihre schweißbedeckten Leiber dampften. Der plötzliche Umschlag der Witterung machte das Blut hitziger. Zupitza entledigte sich bald des Pelzes. Die Sonne stach, die Lust war fast schwül. Er hielt es schließlich nicht mehr im Schlitten aus, stieg ab und stampfte ein Stück Weges durch den Schnee. Mer das Gehen in den schweren Winterkleidern war lästig. Die ungewohnt schwüle Luft legte sich ihm auf die Lungen. Es war etwas seltsam Nervenerregendes in den warmen, feuchten Wind- wellen, die ihm entgegenstrichen. Als es vier Uhr ward, begleitete er in Gedanken! Fränze und ihren kleinen Schützling von der Bahn heim. Er wußte sich Fränze dabei so deutlich vorzustellen —■ er fühlte ihre Nähe fast — es war ihm, als höre er auf Schritt und Tritt ihre volle, warme Altstimme. Es ging schon auf sieben Uhr, als er sich, endlich wieder auf der Chaussee befand, die von Ußditten nach Gill sührte. In Akischken herrschte Typhus. In zwei Hütten lagen sämtliche Kinder im Fieber, in einer dritten waren auch die Erwachsenen infiziert. Das Elend war unsagbar. Er hatte seine liebe Not mit den Aermsten. Man hatte einen farbenschönen Sonnenuntergang gehabt. In langen schmalen Bändern, die der Wrnd vielfach zerrissen hatte, zogen sich rotglühende Federwolken nach dem Westen hin, wo ein matter, dunstiger Lichtschein die Stelle der entschwundenen Sonne bezeichnete. Der ganze übrige Horizont war gelblichgrau, die Wolken hingen, niedrig in schwerer, drohender Masse über dem Land. „Es wird noch Regen geben", meinte der Kutscher. Zupitza drängte zu größerer Eile, aber die Pferde, die bei jedem Schritt knietief in die weiche Schneeschmelz« eintauchten, waren von der schweren Arbeit fast erschöpft. Streckenweise stand schon das Wasser mitten aus dem Wege in den Schneegeleisen. Je tiefer man zur Niederung vorschritt, desto unwegsamer und mühsamer war die Bahn. Sie verließen das Gefährt schließlich beide, um den Tieren das Ziehen zu erleichtern. Als sie den großen Deich erreichten, hörten sie plötzlich ein seltsames Rauschen, das zu dem klagenden hohlen! Wind, der über .die weichen, durchsiebten Schneeselder von Westen her psiff, einen unheimlichen Grundton bildete. Das Rauschen ward mächtiger, je näher sie dem Karpaßstrome kamen. Bald mischte sich auch em Klirren, als ob Glas zerschellte, darein. Am Fährhaus standen ein paar Dutzend Menschen in unruhigen Gruppen beisammen. Einzelne Leute gingen! suchend mit Laternen hüben und drüben am Ufer des! Stromes hin und her. Man hörte Rufen und Schreien,, dazwischen deutsch und litauisch fluchen. Plötzlich, hielt Zupitza mitten auf der Straße inne. „Es ist ja Eisgang!" entfuhr es ihm voller Schreck. Der Kutscher blieb gleichfalls stehen und starrte vev-i blüfft aus den Strom. Trotz der Finsternis konnte man feststellen, daß in der Mitte des monatelang starr gewesenen Flußbettes eine reißende Bewegung stattfand. Die Eisdecke hatte sich von beiden Seiten nach der Mitte gesenkt, in der schmalen, osfenen Rinne brausten trübe Fluten, die mächtige Eisschollen mit sich wälzten, dem Haff zu. Zupitza erkannte in den gleich ihm vom Delta ab!«. — 338 — geschnittenen Einwohner von Gill und Sakuthen. Sie berichteten ihm, daß die Post aus Ußditten, die an den Vieruhrzug Anschluß gehabt hatte, als letzte übers Eis hinüber gekommen war. Vorsichtigerweise hatte man die Mitte des Stromes durch lauge Bretter gesichert. Gleich hinter ihr war dann der Durchbruch erfolgt. „Und die Schlittenkutsche vom Posthalter?" fragte er erregt. „Die erreichte die Insel noch knapp vor der Post", sagte der Fährmeister, der dazu gestoßen war, als er den Doktor bemerkte. „Wie werden wir nun aber hinüberkommen?" „Mit der Fähre, Herr Doktor. Die Fahrrinne muß bloß noch erst frei gelegt werden. Ich habe schon nach Ußditten telegraphiert, um Verstärkung gebeten. Sobald die Arbeiter da sind, geht die Sache fix. Morgen mittag, spätestens bis zum Abend ist die Ueberfahrt schon wieder flott im Gange." „Und vor morgen ist keine Möglichkeit?" „Keine, Herr Doktor. Die Decke bricht immer weiter ein — sehen Sie bloß, das Wasser hat ja eine solche Wucht — und wenn man sich jetzt auch nur um einen Schritt zu weit vorwagt, so gibt's sicher ein Unglück." „Ich muß aber hinüber — ich muß!" rief Zupitza trotzig. Er ging eine Strecke weit am Ufer hin. Das Bild war überall dasselbe. Zunächst die breite, sanft abfallende, schmutzig-graue Eisfläche, die stellenweise schon durchlässig war und auf der große Pfützen standen, weiterhin die rauschende Flut, in der sich die Eisschollen dicht zusammen- drängten, manchmal übereinanderschoben, sodaß krachend neue Stücke von deu Rändern mit fortgerissen wurden. Seit Wochen sehnte und bangte er sich. Franze wiederzusehen — nun kehrte sie heim und er war abgeschnitten von ihr — er sollte ihr nicht sofort jubelnd entgegeneilen, ihre Hände erfassen und stürmisch küssen, ihre Augen sehen, ihre liebe, warme, zärtliche Stimme hören. Klagend strich der laue Wind über ihn hin. Jetzt fing es auch sacht zu regnen an. Er hörte es zuerst aus die Planken der Fähre und aufs Eis rauschend niederprasseln, bevor er's im Gesicht und auf den Händen fühlte. Es war ein müder, warmer Regen; fast brachte es etwas Wohliges über ihn. Er atmete tief auf, sich voll dem Wind zuwendend, der ihn in den lauen Regen wie in weiche Schleier einhüllte. Unversehens stand er bald mitten unter den Arbeitern auf der Fähre, die mit Texten das Eis bearbeiteten, um das schwerfällige Transportfahrzeug bloßzulegen. Noch immer bezeichneten die mit den Rändern übereinander gelegten Laufbretter die Bahn, auf der als letztes Verkehrsmittel die Post die Ueberfahrt gemacht hatte. Die Rinne mitten int Strome, in der die Flur die mächtigen Eisstücke zum Haff trieb, war nur wenige Meter breit. Er wagte sich auf den Laufbrettern eine Strecke weit vorwärts. Darauf blieb er stehen, prüfte die Tragfähigkeit durch leichtes Wippen, wagte sich schließlich noch weiter, dann immer weiter. Hinter ihm schrie der Fährmeister, auch die Arbeiter sandten ihm erschrockene Warnrufe nach. Er achtete nicht darauf, trotzdem er am Schwanken der Bretter bemerkte, daß die Eisdecke, über die sie führten, schon vielfach geborsten war. Sein Blick klammerte sich an das jenseitige Ufer. Bloß ein paar Meter in der Mitte des Flusses schiedert ihn davon. Es kam ihm lächerlich und feige vor, daß er sich dadurch vom Uebergang abhalten lassen sollte. Jetzt, wo er der Rinne näher gekommen war, erkannte er, daß die einzelnen Schollen, die vorbeitrieben, von mächtiger Dicke waren; verschiedene hatten einen Umfang von mehreren Quadratmetern. Wenn sie sich stauten, bildeten sie zuweilen für mehrere Minuten eine dichte Brücke, die erst wieder ein neuer Ansturm der schwärzlichen Flut in sich zusammenstürzen machte. Den günstigeti Augenblick abwarten, sagte er sich, dann kaltes Blut — und flugs hinüber auf die nächste Scholle. Die am Ufer hatten erkannt, wer der Waghalsige war, sie riefen entsetzt seinen Namen. Auch am Strand von Gill sah er nun die Lichter eilig hin und her huschen. Man schrie und pfiff auf beiden Seiten, man fit elfte ihn durch Schwenken der Laternen zu warnen. Er war jetzt auf das letzte Brett gelangt und bückte sich, um dasjenige- das er eben verlassen hatte, zu sich vorzuziehen. In diesem Augenblick aber geriet er ins Schwanken, und gleichzeitig rauschte das Wasser über seine Stiefel hin. Von den Ufern aus erklang ein einziger Aufschrei: mau hatte bemerkt, daß die dunkle Gestalt auf dem Eise plötzlich mitsamt der Scholle, auf der sie stand, ins Treiben geraten war: wie ein schwankendes Floß ward sie von der Strömung mit fortgerissen. Zupitza hatte sich mutwillig in die kritische Lage begeben, ohne weitere Ueberlegung. Auch jetzt im erste» Schreck war das einzige, woran er dachte: er wollte hinüber, er mußte hinüber — er wollte und mußte zu Frünze, die drüben auf ihn wartete! Menn das Volk an beiden Ufern nur nicht so schrecklich schreien und kreischen wollte! — ging's ihm dabei durch den Sinn. Gleich darauf verlor er den Boden unter den Füßen, er strauchelte und tastete um sich, um das Gleichgewicht wieder zu finden. Aufrecht konnte er sich indessen nicht halten. Er war aufs rechte Knie gesunken — er suchte mit beiden Händen nach einem Halt. Das Wasser rauschte in kurzen Stößen übers Eis und machte rasch seine Finger erstarren. Knirschend und klirrend stießen andere Eisstücke gegen die ungleich beladene schwankende Scholle, die inmitten der Strömung zum Haff trieb. Hüben und drüben zogen die Laternen mit — Zupitza hörte das Schreien des Volkes. Es begann ihm zu schwindeln. Jetzt endlich übersah er die Gefahr. Es war möglich- daß die Scholle, auf der er sich befand, ins Haff trieb, auf die dunkle, vom Wind gepeitschte Flut, wo mächtige Eisblöcke schwammen, von den Strömungen regellos hin und her geworfen. Das war dann sein gewisses Ende. Für ein paar Sekunden kam ihn Todesfurcht an. Weshalb hatte er sich so waghalsig in Gefahr begeben? War's denn mehr als eine tolle Laune? Er dachte an Fränze — greifbar deutlich sah er ihre Gestalt vor sich. Eine jähe Erschütterung machte da das Floß kentern — es war bei einer Biegung links gegen den Rand der Strömung gestoßen — und die Last glitt der Länge nach auf die berstende Eisdecke. Sofort wollte er sich aufrasfen, aber er fühlte den Boden immer wieder unter seinen Füßen schwinden. Angstvoll tastete er um sich, klammerte er sich an ein großes Stück Treibeis,, eine Welle jagte ihm über den Kopf, klirrend zerbrach die Fläche, auf die die Flut ihn geworfen hatte, und er sank von neuem. Es rauschte und brauste in seinen Ohren. Er sah feurige Ringe in der Dunkelheit. Endlich hörte er wieder Stimmen — kreischende Stimmen. Kaum fünfzig Meter von ihm tauchte eine Laterne auf, die int Kreise geschwenkt wurde. „Hierher! Hierher!" schrie man ihm zu. Er wagte es, sich zur Hälfte aufzurichten. Erst langsam, dann schneller, immer schneller lief und glitt er dem Ufer zu. Ein Par atemlose, schreckhaft erregte Leute empfingen ihn. „Der Herr Doktor!" riefen sie überrascht; alle zugleich drangen sie mit Fragen in ihn. (Fortsetzung folgt.) I s W special. Der Rheinstrom ist als eine der ersten Touristenstraßen der Welt zur Sommerzeit zwar sehr belebt, allein Bahn und Schiff entführen die Reisenden so schnell, wie sie sie gebracht. In einem Tage fährt man mit dem großen Salonboot die große Völkerstraße Mainz—Köln hinunter oder hinauf. Der nevge- gründete Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs am Rhein bestrebt sich, die Zugvögel wenigstens für einige Zeit festzubinden, damit sie nicht bloß den Saum des gepriesenen Rheingebietes berühren, sondern inmitten seiner Herrlichkeit etwas länger sich niederlassen. Vor allem sind die stillen und naturschönen Nebentäler nicht bloß eines Besuches, sondern auch einer näheren Betrachtung und Würdigung wert. Es sei mir heute gestattet, dem Wisper tu le, seiner Beschaffenheit und seiner Geschichte einige Worte zu widmen. Nach dem einstimmigen Urteil aller mittelrheinischen Altertumsforscher gehört die Stelle der Wispermündung zu den ältesten Ansiedelungen im Rheingau. Der Streit, ob Lorch von den Römern oder erst von den Karolingern gegründet worden fei, ist — 339 — durch die durch historische Funde unzweifelhaft bewiesene Tatsache überholt, daß bereits die Kelten dem Orte Lorch, Lo- recho, Loricho Namen und Bewohner gegeben haben. (Richter, Ädes Rheingaukreises S. 7 ff.) Als Keltenwohnstätte war ündungsgelände der Wisper ein Treffpunkt wichtiger, wenn auch primitiver Straßen. Die Durchbruchsstelle des Rheines im Binger Loch bedingte als Notwendigkeit den Bau des später sogenannten „Kaufmannsweges" von der Wispermündung über den Kammerforst nach Rüdesheim. Schon zur Keltenzeit vermittelte dieser Weg den Verkehr von dem Unterland zum Oberland. Nicht Bacharach, sondern Lorch war auch später die große Umladestation. Gegenüber bei Diebach mündete ein Abzweigungsweg von der größeren Verbindungsstraße zwischen den altkeltischen Städten Trier und Bingen und fand rechtsrheinisch seine Fortsetzung in den Wegen von Lorecho nach verschiedenen Plätzen des Hinterlandes, so nach Weisel und Kemel. Wenn man von Koblenz nach Bingen geht und hinüberschaut nach den rechtsrheinischen Gebirgszügen, so sieht man auf der ganzen Strecke von der Lahn bis ins obere Rheingau keinen so tiefen und breiten Einschnitt, als der, welcher den Lauf der Wisper beschließt. Von Bacharach aus, welches nur eine halbe SLrmde rheinabwärts liegt, hatten die Römer genügend Gelegenheit, die günstige Uferstelle zu erspähen, die einerseits leicht von dem nahen linksrheinischen Stützpunkt erreicht und verteidigt werden konnte, anderseits den Zugang ins Hinterland erösfncte. In der Tat wurde das Wispertal und sein Hinterland die „Wisperstraße", die, 1856 bis 1870 bis über Gerolstein und später weitergebaut, Lorch mit Langenschwalbach verbindet und eine der besten Chausseen des Nassauer Landes und eine Freude der Radfahrer ist. Ein finsterer, trotziger Wächter steht in der Gestalt eines 1567 errichteten Turmes „Strunk" hart neben dem Eisenbahndamm an der Mündung der Wisper. Er ist als Ueberbleibsel der bedeutenden mittelalterlichen Befestigungswerke zu erachten. Zeitweilig diente er später als Gefängnis und Schießturm und wird jetzt noch als Warnungswarte verwandt bei drohendem Eisgang. Ein dort gelöster Böller kündet den Bewohnern des Städtchens an, daß das Eis auf dem Rheine sich in Bewegung gesetzt hat. Wenige Schritte oberhalb des Strunkes wölbt sich eine steinerne Brücke (1556 erbaut) in zwei wuchtigen Bogen über den Wisperbach. Mitten darauf thront das steinerne Bildnis des heiligen Johannes Nepomuk. Quer gegenüber füllt die „Teufclsleiter", ein Schieferberg, fast senkrecht in das Tal. Auf seinen steilen Wänden ritt einst der „Ritter von Lorch" mit seinem Roß verwegen hinauf, um sich die oben thronende Liebste zu gewinnen. Vor noch nicht 200 Jahren wurde der Zaum des Wunderpfcrdes den gläubigen Fremden auf dem Lorcher Rathause gezeigt. Den Gipfel der Teuselslciter, die „Bootsemannsley", von der Seite zu besteigen und kühn sich gerade über dem Abgrunde aufzustellen, gilt als eine der ersten Heldentaten der Lorcher Kinder. Sie rufen laut über die zu ihren Füßen malerisch sich lagernden Häuser hinunter: Bvotsemann, Brech' Hals und Ban, Komm' ewig mit meh Ham. Als 1666 die Pest die Hälfte der Lorcher Bevölkerung mit 434 Menschen dahinraffte, flohen manche Bewohner In die Berge. Von Zeit zu Zeit stieg ein Flüchtling auf die Bootsemannslay und fragte laut schallend hinunter in die Tiefe, ob der oder jener noch lebe. Ein Ruf hinaus gab Antwort. So ist's heute noch mündliche Ueberlieferung in Lorch. Etwa einen Steiuwurf weit von der Wisper entfernt, erhebt sich auf der linken Seite aus einer Terrasse die zweischiffige gotische Pfarrkirche St. Martin, der Stolz Lorchs und die Verkörperung seiner glanzvollen Geschichte. Der Hochaltar (von 1483), das Sakramentshäuschen, das Chorgcstühlc, der Taufstein, ein überlebensgroßer frühgotischer Kruzificus, sowie zahlreiche Grabsteine und Wappen berühmter Lorcher reichsbekannter Adelsgeschlechter sind Prunk- und Zierstücke der Kunst. Das Geläute ist das schönste im glockenreichen Rheingau. Das „vinum bonum" der großen St. Martinsglocke macht keine andere im Gau so volltönig nach. Von den Profanbauten Lorchs ist hervorragend das 1564—1548 von dem kaiserlichen Feldmarschall Johann Hilchen errichtete und nach ihm benannte Hilchenhaus, ein sechsstöckiger Renaissancebau, dessen Giebelfassade mit ihrer wuchtig-monumentalen Form noch unversehrt erhalten ist. Das Burghaus ist timt seinem neuen Besitzer, dem Grafen von Walder- dorff, restauriert worden. Ein Hilchen war es auch, der im dreißigjährigen Krieg nach der Sage von dem „Totenkampf zu Lorch" die noch übriggebliebenen Treuen auf dem mauerumwehr- ten Kirchplatz sammelte und so lange mit den schwedischen Horden kämpfte, bis fast alle die Seinen gefallen waren. Da in bitterer Not warf sich der Ritter tioi' dem Kruzifix auf dem Friedhöfe (Südseite der Kirche) nieder, umklammerte den Kreuzesbalken und rief aus : „Wir Lebende können uns nicht mehr helfen. So kommt denn ihr Toten, uns zu retten!" Und die alten Lorcher Geschlechter standen auf und schlugen die Schweden zurück und retteten die Kirche samt ihren tapferen Verteidigern. Die Greuel- taten der Schweden leben heute noch in der Ueberlieferung der alten Familien fort. „Ueber den Bach" im Distrikt „Rahm" sollen die dort wohnenden Wollweber in den Schornsteinen ihrer Häuser aufgchängt und zu Tyde geräuchert worden sein. Dann wurden all ihre Wohnstätten zerstört. Es ist Tatsache, daß die ganze Bevölkerung Lorchs nach Verwüstung ihres Heimatortes von Ostern bis August 1635 in den Schluchten und Wäldern des Wispertales sich verborgen hielt. Für jeden Lorcher hat darum das Wispertal als letzte Zufluchtsstätte der Altvordern in harten Kriegszeiten etwas Ehrwürdiges, Tragisch-Heiliges an sich. Sowohl dem Rheine als auch der Wisper zugewandt, erhebt sich auf einem Felsenvorsprung des Weiselberges gerade über Lorch die Ruine Nollich, auch Nollig oder Nollingen genannt. Sie war entweder ein Außenbollwerk der Lorcher Stadtbefestigung, oder, wie das Volk glaubt, ein Warte- und Spähturm der etwa eine Stunde landeinwärts über dem Tiefental ragenden Burgen Waldeck und Sauerburg. Letztere Meinung stützt sich auf die Sage, daß Nollich mit den genannten Burgen durch einen unterirdischen im tiefen Brunnen mündenden Laufgang verbunden gewesen sei. Die Ruine Nollich hat auch bereits ihre neueste romantische Geschichte. Bald nach dem Kriege 1870/71 kam ein fremder Graf mit Gemahlin, Sohn und Tochter nach Lorch, kaufte die Ruine mit dem umliegenden Gelände an und ließ gerade daneben aus schweren Länge- und Querbalken ein einfach gefügtes, räumliches Blockhaus zimmern und zu seiner Wohnung einrichten. Er begann auch das alte Gemäuer der Ruine zu restaurieren. Bald aber scheint sich Geldmangel eingestellt zu haben. Unter dürftigen Verhältnissen lebte die Frau Gräfin mit ihrer Tochter zuletzt noch allein im Blockhaus, bis sie eines Tages verschwunden waren. Nach geraumer Zeit ging das interessante Blockhaus in Flammen auf, wahrscheinlich angesteckt von einem ortsbekannten, zeitweilig irrsinnigen Manne. Am Ausgang ist das Wispertal eigentlich weder idyllisch, noch romantisch. Der dürre und kahle Weiselberg fällt zu viel auf. Fünfzehn Minuten von Lorch entfernt liegt die H ü t - tenmühle, jetzt eine Mahlmühle nebst Wirtshaus, früher ein Eisenhüttenwerk. Fünf Minuten weiter winkt die Kreuzkapelle, das Lieblingsheiligtum im unteren Gau. Dort ntiinbet der Tiefenbach in die Wisper. Wenn dieser^in früheren Zeiten anschwoll, so lagerte er im Mündungsgebiet Schlamm und Schutt auf den Wisperweg ab. Schweres Fuhrwerk konnte dann die Stelle nur mit Mühe passieren. Einst blieb ein Bauer mit seinem holzbeladenen Ochsenwagen hier stecken. Er schlug auf die Zugtiere und wetterte und fluchte. Und da er genug geflucht hatte, sing er an zu beten. Denn die Abenddämmerung war herein- gebrochen und der Fuhrmann fürchtete, die Raubritter des Wisper- oder Tiefentalcs könnten heraneilen und ihm seine Ochsen entführen. Zuletzt machte er das Gelübde, falls er loskomme, wolle er an dieser Stelle ein Heiligenhäuschen errichten. Aus dem Bildstock wurde eine kleine und später die jetzige große Kapelle. Der Ochs ist in einer Scheibe des unteren Fensters auf der Nordseite dargestellt. Wohl zehntausend Menschen wallfahren am ersten Sonntag im Mai an das Heiligtum. Von Wiesbaden geht ein Extrawallfahrtszug in der Frühe nach Lorch und nimmt unterwegs im ganzen Rheingau viele Gläubige auf, während andere aus altgewohnten Pfaden über die Waldhöhen zu Fuß uach der Kapelle pilgern. Unter großen Feierlichkeiten bewegt sich von Lorch eine glauzgeschmückte Prozession mit dem Allerheiligsten hierher. In dem hier ausgehenden Seitental der Wisper, das von dem forellenreichen Tiefenbach durchrauscht wird, liegen die früher schon erwähnten zerstörten Burgen Waldeck (bie schon 1315 bewohnte Stammburg betet: von Walbeck), unb bie S a u e r b u r g. In letzterer sollen sich bie grunblegenben Begebenheiten von Schillers „Räuber" abgespielt haben. Sie fiel 1670 an die Familie Sickingen. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts starb hier im Elend der Reichsgraf Franz von Sickingen, der „Letzte seines Stammes", wie der moosüberzogene Grabstein auf dem ärmlichen Torskirchhofe meldet. Diese Angabe wird jedoch bestritten. Eine Viertelstunde von der Kreuzkapelle aufwärts im Wispertale ragen die Schornsteine und die ungeheuren Holzschichten einer chemischen Fabrik, die hauptsächlich in Holz- und Kohlen- produkten arbeitet. .Bald dahinter am Pfaffental verengt sich das Tal mehr und mehr, die Wälder reichen auf beiden Seiten bis an die Wisper und treten nur hier und da zurück, um einer Wiesenfläche oder vorspringendem Ackerland Platz zu machen. Die Wisper rauscht über glatte Felsbänke, zackige Klippen und tiefgeschnittene enge Schluchten. Der brüchige Hunsrückschiefer, der, weil hier am meisten vertreten, von der.Wissenschaft anfänglich auch Wisperschiefer genannt wurde, hat dem Wildbach das Fortkommen nicht allzu schwer gemacht. Die steilen Gehänge haben 20 bis 40 Grad Neigung und stürzen teilweise fast senkrecht in den Talkessel. Grate, Zacken und nackte Felswände treten zerstreut aus den 200 bis 300 Meter hohen Bergen hervor. Man glaubt, sagt A. v. Stoltersoth, Ruisdael und Everdingen seien hier herumgewandert, um Studien zu ihren schönen aber melancholischen Landschaften zu sammeln. Die Nebenbüche des Wispertales tragen durchweg dasselbe Gepräge der waldeinsamen Romantik. Rechts nimmt die Wisper neben anderen unbedeutenden Bächen auf: den schon berührten Trimbach mit 8,5 Kilometer, den Ranselbach mit 3,5 Kilometer, den Werk rbach mit dem Dolsit- bach mit 10 Kilometer Laus, links den Grohlochbach mit 5,5 Kilometer, den Hüttentaler Bach mit 2,5 Kilometer, den Ellmach- bach mit 3,5 Kilometer Länge, dann den Ernkt- oder Ernsbach, — 340 — fünf Nebenbächen 24 Kilometer Länge hat, zuletzt den I tat zwischen Rhein und der Ltmesgrenze nicht zu bezweifeln, . Alle diese Nebentäler sind wie das Haupttal ganz mit zumal unS gerade bei der KammeÄerper Mühle von Ausgrab- der mit sind wie das Haupttal ganz mit Hektar Wald des Rheingaukreises singt: Dort auch die Herüberragend Und hier das Bilderrätsel« (Nachbildung verboten.) ungen von römischen Urnen und Ziegelsteinen mit Legionsstempeln, wie wenigstens Stolterfoth behauptet, häufig berichtet wird; altgermanische Grabhügel werden nicht selten in diesen Den Wisperwind, den Wisperwind, Den kennt bis Oestrich jedes Kind, Des Morgens früh von fünf bis zehn, Da spürt man allermeist sein Wehn. Von Nord durch Wald und Wiesengrund von dem Bergeskamm, Burgtor unter Eichenbüschen. Gladbach...... Wald bedeckt. Von den 15 610 (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Charade in vor. Nr»r Augenschein. Und kehrte heim erst mit dem Mendschimmer! Noch wie vor zwanzig Jahren kreist der Weih Hoch überm wilden Tal mit wildem Schrei. Des Mühlrads fernes Rauschen tönt dazwischen. alten Buchen, Stamm bei Stamm, Haucht ihn der Wisper kühler Mund. Auch A. v. Stolterfoth, spätere Baronin v. Zwierlein, welcher Familie bis vor etwa fünfzehn Jahren die Kammerberger Mühle mit allen jetzigen Hanielschen Besitzungen gehörte, hat den Wisperwind belauscht und besungen: Sag mir wohin, O Wisperwind, Geheimnisvolles Taleskind, Wo ziehst du hin? Ziehst du im Abendgold Zum Rhein hinab, der stolz vorüberrollt? Den Fischer würde sie freilich nicht mehr so leicht auf dem Forelllnfang in dem klaren Wasser sehen. Denn die fiskalische Fischerei wird streng bewacht und ist von der Mündung bis zürn Ernsibach (11,5 Kilometer) mit dem Tiefenbach und Groh- lochbach zusammen für 530 Mark mit der Verpflichtung verpachtet, jährlich mindestens 4000 Stück Forellenbrut einzusetzen. Der hier einfließende Werkerbach ist Laichschonrevier. Wenig über der Talsohle an der Stelle, an der das berühmte Rheingauer Gebück von Weißenturm herabkommend die Wisper überschritt, liegen die spärlichen Reste der Kammerburg, die um die Wende des 13. Jahrhunderts zeitweilig von dem Erzbischof Gerhard bewohnt wurde. Wichtiger ist die umfang- teLU Burgruine Rheinberg, jetzt gleichfalls der Familie Hamel gehörig. Sie wird schon 1170 als Mainzer Lehen genannt uno war eine der Hauptburgen, welche das Erzstift zur Verteidigung der Landesgrenze erbaute. Der Bergfried hat trapesförmigen Grundriß bei innerem Maße von 3,07 auf 2,50 Meter und eine Mauerstärke von 2,20 Meter. Ueber dem Verließ hatte er drei durch Balkenlagen getrennte Stockwerke, (cf. Luth- mer, Die Bau- und Kunstdenkmäler des Rheingaues, 1902.) Die langgestreckte Burganlage ist gegen die Angriffsseite durch einen breiten Halsgraben geschützt, in welchem noch der gemauerte Mittelpfeiler der Brücke erhalten ist. Eine Viertelstunde von der Kammerberger Mühle entfernt führt eine Brücke über die Wisper ins Ellmachtal. Weil sie vom Volke Hermannssteg genannt wird, so hat man an sie die Sage geknüpft, daß Hermann, der Cheruskerfürst, hier in Verfolgung der Römer die Wisper überschritten habe. Da der über die Kemeler Heide ziehende Pfahlgraben nahe genug lag, so ist die Anwesenheit von Römern in diesem Verbindungs- liegt bei weitem der größte Teil im Flußgebiete der Wisper. Alle Gemeinden des Rheingaues haben daran teil. Fast alle Ge- markungen, die man auf der Rheinreise von Lorchhausen bis zur Waldasfe (bei Walluf) berührt, trifft man auf ihren hinteren Teilen und Ausläufern im Wispertal, und so stellt eine Wisper- tonr ein Gegenstück zur Tour ins Rheingau dar. Auch die alten Adelsgeschlechter des Rheingaues haben hier ihre großen Waldungen. Etwa 90 Prozent des Waldbestandes sind Laubwald, 10 Prozent sind Nadelholzungen. Der Hochwald umfaßt etwa drei Viertel, der Niederwald, meist Eichenschälholz, etwa ein Viertel des Bestandes. Im Gebiete der Wisper wird der Haubergbetrieb noch geübt, und so kann der Tourist mitten im Waldgebiete einen abgetriebenen Hügel im Schmucke des Kornes ergrünen sehen. Da die Holzabfuhr schwierig ist, so hat man im Mittel- alter bei Hochwasser das Holz im Wispergebiet nach der Mündung geflößt, indem man die Klastcrscheitstücke einfach ins Wasser warf und auf den Holzfängen in Lorch auffischte. Jetzt schleift man auf Bergschlitten das Holz talwärts und fährt es sodann über die vorzügliche Wisperstraße bequem nach Haufe. Die chemische Fabrik im Wispertal transportiert ihre Zehntausende von Klaftern auf einer schmalspurigen Schienenbahn, die neben der Wisperstraße herläuft, durch vorgespannte Pferde an die Verarbeitungsstätte. Nach zweistündiger Wanderung erreicht man von Lorch aus die K a m m e r b e r g e r Mühle, jetzt ein Gasthaus. Dort setzt man sich zur Rast bei einem Glase Wein oder Bier nieder und genießt in vollen Zügen alle Reize, welch« das Wispertal gewährt. Gerade über der Chaussee mündet das in eine Felsenschlucht auslaufende Werkerbachtal. Darinnen sprudelt eine starke Kohlensäurequelle von erquickendem Wohlgeschmack, wie ja auch schon eine Stunde unterhalb der Kammerburg eine ähnliche Quelle, die „Daubenau", hart neben dem Wispertal ihren Sprudel aussendet. Wenige Schritte unterhalb hat die bekannte Großschiffahrtsfamilie Haniel ein Jagdschlößchen an die Wisper gebaut. Im Sommer und Herbst erscheinen die Angehörigen der Familie zur Frische und Jagd in ihren ausgedehnten Wäldern ringsum, in denen schöne Fußwege und Waldhäuschen angelegt sind. Selbst im Juli und August strömt des Morgens stets ein erfrischender, kühler Zug durch's Tal, den Freiligrath also be- Gebirgen gefunden. Drei Stunden von Lorch und eine Stunde von der Kammer- burg aufwärts finden wir bei dem viel besuchten Gaßhaus! Laukenmühle fast dasselbe Natur- und historische Bild wie bei der Kammerburg. Auf einem kleinen Felsen, nur wenige Meter über dem Talgrunde, liegt als Ruine das kleine BurghauS Laukenmühle, von dem noch ein niedriger viereckiger Turm mit etwas altem Mauerwerk erhalten ist. Die Burg war bereits 1527 zerfallen. Ihre Geschichte ist in Dunkel gehüllt. Abermals eine Stunde Wanderung, und es winken uns die ärmlichen Häuser des Dörfchens Geroldstejn oder Gerolstein, schon zum Kreis Langenschwalbach gehörig, der jetzt die Wisper bis zur Quelle umgibt. Gerolstein ist das einzige Dorf im Wispertal, vier Stunden von Lorch und drei von Langenschwalbach entfernt. Schroffe Berge und dunkelgraue Schieferhalden umgeben hier den engen Talkessel. Auf einem fast unersteigbaren Felsen thront wie ein Adlerhorst die seit dem frühen Mittelalter erwähnte Burg Gerolstein. Im Jahre 1353 zog Erzbischof Balduin von Trier vor die Burg und belagerte sie vergebens. Bergfried, Umfassungsmauern, Treppenturm und die Reste einer Zwingmauer sind noch gut sichtbar. Auf einer niedrigen, von dem Burgfelsen sich abzweigenden Felsenstufe liegt eine zweite Ruine, die Burg Haneck oder die Junkernburg, die gleichfalls von einer Gerolsteiner Dynastenfamilie bewohnt wurde. Bald hinter Gerolstein verläßt die Wisperstraße den Lauf des Baches und sucht über die Höhen in langweiligen Windungen Lagenschwalbach zu erreichen, immer nur ziemlich sanft ansteigend. Die Wisper selbst wird in ihrem weiteren Oberlauf selten mehr besucht, obgleich die Naturreize nm ihr Ufer noch wenig verlieren. Ihre Quelle liegt auf der Kemeler Heide; bald erreicht sie das Dörfchen Wisper, das ihr den Namen gegeben. Merkwürdig ist, daß ein noch vor 150 Jahren häufig gebrauchter Nebenname für Wisper, „die Breisch", heute aus dem Bewußtsein des Volkes völlig verschwunden ist. Auch „Gladbach", von ihrem ersten größeren Nebenbach hergenommen, war damals noch eine gangbare andere Bezeichnung für die Wisper. Man hat das Wispergebiet nicht mit Unrecht die „rheinische Schweiz" genannt. Aber nur wenige einsame Wanderer nehnren ihren Weg durch die tiefgeschnittenen Windungen und Schluchten des wildromantischen, noch in jungfräulicher Frische sich dahinziehenden Wispertales. Fast wie durch menschenleeren Urwald schreitet man durch die endlosen Wälder, welche die Hänge und Schluchten bedecken. Weltabgeschlossenheit und Entsagung liegt über den rauschenden Wipfeln und steilen Felswänden, die vielleicht noch keines Menschen Fuß betteten hat, indessen die klaren Wellen der Wisper bald spielend dahinpläischern, bald rauschend über Felswände fallen. Ein stilles Heimweh überkommt mich nach diesem meinem Heimattale, und ich möchte der A. Stolter- soth nachsingen: Vor zwanzig Jahren über diesen Steg Wie gern zum wildverwachs'nen Felsenweg Zog ich hinauf ins graue Burggettümmer. Da sucht' ich Nüsse mir vom Haselsttauch, Wand Strauß um Sttauß und sang ein Lied Wohl auch, NM Redaktion - August Evtz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen.