1904. 1 DW Aw* SÄg ;Jto s (Nachdruck verboten.) Ire Jerichoposaune. Aus den Erlebnissen eines russischen Gerichtsarztes. Von E. v. Trojanowsky. (Fortsetzung.) 4. Kapitel. Der alte Prokofji war von seiner Ueberzeugung, daß Iwan infolge einer Mißhandlung gestorben, nicht abzu- brinaen. Nachträglich spürte er jetzt nach allen, selbst den unbeoeutendsten Vorkommnissen im Leben und Treiben seines Sohnes, namentlich während seiner letzten Lebenstage. Er ließ sich von den verschiedensten Leuten über alle Vorgänge am Abend des 15. August, und über die Teilnahme Iwans an dem Festtrubel, in allen Einzelheiten aufklären. Als er bei diesen Nachforschungen nun gar erfuhr, daß Iwan in! letzter Zeit gleichzeitig zwei Liebschaften gehabt, die eine mit der Tochter, die andere mit der Frau seines Todfeindes, — da stand es bei ihm unerschütterlich fest, daß der junge Mensch an jenem Abend bei seinen doppelten Liebesabenteuern vom alten Wassilji Kusmitsch und dessen Sohn Pawel ertappt und gründlich mißhandelt worden sei, natürlich aber in so schlau- berechneter Weise, daß äußerlich sichtbare Spuren auf der Haut dabei gänzlich fehlen mußten, ihm aber um so gefährlichere innere Verletzungen beigebracht wurden. Und infolge dieser inneren Verletzungen sei dann der Arme noch in derselben Nacht gestorben. Daß Iwan von diesen Mißhandlungen, da sie durch seine Liebesabenteuer veranlaßt totiren, seiner Mutter damals nichts gesagt, sand er ganz natürlich. Er hätte, an seines Sohnes Stelle, sich über solche Dinge ebenfalls ausgeschwiegen. Von sich auf andere schließend, war er außerdem völlig überzeugt, daß der alte Wassilji Kusmitsch wohl nicht versäumt haben würde, die ganze Landpolizei bis hinauf zum Stanowoi durch allerlei klingende Mittelchen sich günstig zu stimmen, für den Fall, daß die schwere Mißhandlung seines Sohnes doch noch einmal an den Tag kommen sollte. Aufs eifrigste suchte er nun seine Verwandten' und sonstigen zahlreichen Anhänger dahin zu beeinflussen, daß auch sie seinen Voraussetzungen Glauben schenken möchten. Bei vielen derselben gelang ihm das auch zur Genüge. Ja, er konnte zuletzt sogar auf eigens dazu präparierte Zeugen rächen, die jene Mißhandlung mit angesehen haben wollten, und nur aus Furcht vor der Rache des alten Wassilji bis jetzt geschwiegen hätten. Die lockende Aussicht, seinem Todfeinde und dessen Sohne jetzt ein für allemal einen gründlichen Denkzettel geben zu können, oder vielleicht gar ihre Verschickung nach Sibirien zu erleben, diese Aussicht erfüllte ihn mit so unheimlicher Freude, ja verjüngte den Alten dermaßen, daß er zuletzt den plötzlichen Tod seines einzigen Kindes fast wie einen besonderen Glücksfall zu betrachten anfing. In weiterer Verfolgung dieses Zieles reiste er zuletzt sogar in die Gouvernementsstadt und wandte sich an die Staatsanwaltschaft. Dort jammerte er in so lebhafter und glaubwürdiger Weise über das an seinem Sohne verübte Verbrechen und über die ohne vorherige gerichtsärztliche Untersuchung Beerdigung des Verstorbenen, und bat so nachdrücklich unk Wiederausgrabung und Sektion der Leiche, daß die Exhumation der Leichs tatsächlich verfügt und der örtliche Untersuchungsrichter von oieser Verftigung in Kenntnis gesetzt wurde. Nach des alten Prokofji Rückkehr aus der Gouvernementsstadt und nachdem es bekannt geworden, daß binnen kurzem die Wiederausgrabung und ärztliche Untersuchung der Leiche stattfinden werde, hatte sich die Stimmung der örtlichen Bevölkerung, die schon vorher in geschickter Weise bearbeitet worden war, erst recht zu guusten des seines' einzigen Sohnes beraubten Vaters entschieden. Mau schien eine große Genugtuung zu empfinden, ja sich ordentlich zu freuen darüber, daß der Tod des jungen, bei aller Welt beliebt gewesenen Menschen nicht ungerächt bleibenj sollte. Man sah in dem alten Wassilji Kusmitsch und seinem! Sohne fast schon überführte Verbrecher. Nur wenige Dorsinsassen wagten es, offen für den alten Wassilji, der ja! seit langen Jahren schon vom alten Prokofji angefeindet wurde, einzutreten. Nur wenige glaubten nach, den Versicherungen der beiden Verdächtigten, daß die schwere gegen sie erhobene Anschuldigung ganz aus der Luft gegriffen wäre. Auch die örtlichen Polizerbeamten, namentlich den Stanowoi beschuldigte man jetzt gauz offen grober Pflichtverletzung, weil die Beerdigung des plötzlich Verstorbenen ohne vorherige ärztliche Besichtigung von ihnen zugelassen worden war. Dabei nahm man es als ganz selbstverständlich, an, daß der Untersuchungsrichter und Arzt den durch Mißhandlung erfolgten Tod desselben, nach der Wiederausgrabung der Leiche, mit leichter Mühe sofort konstatieren würden. Die Herren würden sich überhaupt, so folgerte man, angesichts der jetzigen Lage wohlweislich hüten, die Todesursache als natürliche, durch irgend welchen innerlichen Fehler hervorgerufene zu bezeichnen. Denn in solchem Fall würden sie sich bei dem bekannten Reichtum des Wassilji Kusmitsch in ein eben solch schlechtes Licht setzen, wie es der Stanowoi getan. Nun, man werde ja schon beim Beginn dex UntersuchMg der ausgegrabenen Leiche sofort merken, wessen man sich von den Herren zu versehen habe! Man werde nötigenfalls vor keinem Mittel, vor keinerlei Selbsthilfe, ja selbst vor Gewalttätigkeiten nicht zurückschrecken, um die Wahrheit an den Tag zu bringen! — Passiert war die Sache im Amtsbezirk des Untersuchungsrichters, den wir schon zu Beginn dieser Aufzeichnungen kennen gelernt haben. Nach Empfang der Verfügung des Staatsanwalts hatte der Untersuchungsrichter den Stanowoi, die örtliche Ge- - 402 — meindeverwaktung und den Priester des Pogosts darüber benachrichtigt, an welchem Tage die Wiederausgrabung der Leiche stattfinden werde. Bei dem großen Interesse, das die Sache erregt hatte, war dieser Termin überall in der Gegend bekannt geworden. — Ein ungewöhnlich warmer, fast schwüler Tag in der zweiten Woche des September. Schon in den ersten Morgenstunden hat sich in der Nähe der Gemeindeverwaltung, im Pogost und beim Kirchhof eine merkwürdig große Menschenmenge, die noch, in stetem Zunehmen begriffen ist, ver- sammelt. Die beiden Schenken der Gegend machen brillante Geschäfte, der Konsum von Branntwein und Mer ist ein ungewöhnlich großer. Schon am frühen Vomittag sieht man viele mehr oder weniger Angetrunkene, unter ihnen auch notorische Vagabunden und Bettler, die sonst keinen Groschen übrig haben, heute aber zum Erstaunen vieler ihre Zeche am Schenktisch in klingender Münze bezahlen. Neberall in der Menge wird lebhaft diskuriert, hier laut und mit lebhaften Gestikulationen, dort mit gedämpfter Stimme oder scheu flüsternd. Ueberall bilden sich Gruppen, zerstreuen sich indes bald, um sich an anderen Stellen wieder zu sammeln. Auch zahlreiche Weiber und Mädchen siebt man, alle in Sonutagsneidern, als ob sie zu einem Feste gekommen seien. Und zwischen den Erwachsenen treiben ihr Wesen auch Kinder verschiedenen Alters. Zahlreiche Dorfpolizisten streifen durch die Menge, an der Kirch- hofspforte hallen Kwei Urädniks*) zu Pferde, ein dritter Üt postiert unweit des Eingangs zur Gemeiudevverwaltung. Die Vertreter der Polizei, sonst bei dem Landvolk eigentlich ziemlich populär, werden heute mit sehr unfreundlichen, ja drohenden Blicken betrachtet. Im Hauptzimmer der Gemeindeverwaltung befinden sich, außer dem Stanowoi und Gemeindeältesten, noch einige Glieder des Gemeindegerichts und zwei Gemeindeschreiber. Auf einem Seitentisch brodelt der Ssamowar, gefüllte Tee- Ser sind soeben den Anwesenden angeboten worden. Der scheint aber niemanden zu schmecken. Kein Scherzwort, keine Neckerei, kein behäbiges Auflachen. Es ist ihnen das sonderbare Verhalten der teilweise nicht mehr nüchternen, offenbar aufgewiegelten Massen da draußen nicht entgangen. Der Stonowoi spricht geradezu die Befürchtung aus, daß es heute zu mancherlei Exzessen kommen könnte, daß der Untersuchungsrichter und Arzt von trunkenen Schreiern an der Durchführung der Sektion und Protokollierung des Sektionsergebnisses gehindert werden könnten, falls der Arzt an der Leiche tatsächlich keinerlei äußere oder innere Zeichen eines gewaltsamen Todes finden sollte. Der Gemeindeälteste muh zugeben, daß der Zutritt der aufgeregten Volksmassen zum Kirchhof und in die nächste Nähe des Untersuchungsrichters und Arztes mit den wenigen, jetzt hier am Ort zur Verfügung stehenden Polizeikräften auf keinerlei Weise zu verhindern sei. Die Glieder des Gemeindegerichts bedauern es lebhaft, daß der heutige Termin zu allseitiger Kenntnis der hiesigen Bevölkerung gelangt sei. In Anbetracht der schon beträchtlich vorgerückten Tageszeit meint der ältere Schreiber, daß der Untersuchungsrichter und Arzt, vielleicht noch im letzten Moment, durch irgend etwas verhindert worden wären, heute herauszukommen, und daß man, wenn dem so wäre, eigentlich von Glück sagen könne. . . Da, helle Postglocken, Schellengobimmel, — ein Dreigespann fährt vor, da sind sie! Die uns schon bekannten Herren treten ins Zimmer, hinter ihnen dex Kreisfeldscher mit den Jnstrumenten- kasten. *) Berittener Landgendarm. (Fortsetzung folgt.) Maudereien aus der Kaiserstadt. (Nachdruck verboten.) Karlsbad in Berlin. — Nähnadelruh. — Berlin, das Philister darf. — „Adlige Damen." Daß es in Berlin eine Straße gibt, die den Namen des böhmischen Entfettungsbades ' führt, aber nicht etwa „Karlsbader Straße", sondern einfach „Karlsbad" heißt, weiß mancher. Und Wer's nicht weiß, dem passieren mitunter unliebsame Verwechslungen, wie seinerzeit dem Schreiber dieser Plauderei, der als Neuling in Berlin den Reuterforscher Karl Theodor Gädertz auf- suchen wollte, und auch der Königl. Bibliothek, wo Gädertz damals sein Amt .hatte, erfuhr, .er sei nickt anwesend: er Wohne in „Karlsbad". Ich hielt das natürlich für das Weltbad und wunderte mich. Wo der Gesuchte so schnell zu so bedenklichem Umfange gekommen sei, daß er mitten in der Arbeitszeit zum Sprudel abgeordnet werden müsse, bis sich später die Geschichte aufklürte. Aber es gibt noch ein anderes Karlsbad in Berlin, ein wirkliches, mit Sprudel, Kurmusik und dem nötigen dicken Kumpanen mit angemästeten Ränzlein und angeschoppten Lebern. Tas liegt an der Nordseite des Tiergartens, bei den Zelten. .Aber nur in aller Herrgottsfrühe. Am Nachmittag und Abend wimmelt dort wieder das altgewohnte, sich amüsierende Zelten-Berlin; von den Ticken ist nichts mehr zu erblicken, und statt d.r Sprudclbecher blinken die schäumenden Bierkelche. Man muß sich Berlin eben einmal um die Bäcker- und Zeit- ungsjungen-Stuude ansehn, dann bekommt man sonderbare Bilder vors Auge! In den Zugängen zu „Kisteumacher", dem größten der „Zelte", findet man allmorgendlich eine richtige Heine Völkerwanderung von Falstaffen und solchen, die es nicht werden möchten. Tort ist nämlich ein Ausschank von allerlei Mineralwässern, und die Ticken frequentieren ihn am meisten, einmal, weil sie es am nötigsten haben, außerdem, weil sie durchaus dabei lausen sollen! Ter Zuspruch dieser Herrschaften, denen ein Aufenthalt im wirklichen Karlsbad durch des Schicksals Ungunst versagt ist, hat sich derart gesteigert, daß der Wirt allmorgendlich eine Musikkapelle konzertieren läßt, um den Braven den salzigen Trank und die sauren Dauermärsche durch ein bischen Musik zu versüßen. Und wenn es aus der Orchesterhalle in die grünen schattigen Gänge hmabschallt „Schäumt der süße Wen» im Becher" oder „Trinke Liebchen, trinke schnell", so rutscht das „verdammte Zeich" noch einmal so gut. Diese Karlsbader Idylle spielt sich wie gesagt im dicksten Berlin bei Kistenmacher ab, dessen Etablissement den spöttischen Namen „Nähnadelruh" noch immer nicht losgeworden ist, wenn auch die große Menge sich sonderbarer Weise die triviale Erklärung ausgedacht hat, es hieße so, weil so viele Schneider dort verkehrten. In Wirklichkeit hatte sich ein reich gewordener Hofschneidermeister diesen schönen Platz zwischen Tiergarten und Spree zu seinem „Buen retiro" hergerichtet und Friedrich Wilhelm IV., der bekanntlich eine satirische Ader besaß, gab der Villa daraufhin zu des gekränkten Stichelhelden großen Aerger den ominösen Namen „Nähnadelruh". Unter den hier andächtig das gräßliche Sprudelwasser schlürfenden Ticken findet mau auch ab und zu Vertreterinnen des schwächeren Geschlechts, wenn man bei dem erstaunlichen Umfang jener holden Weiblichkeiten diese klägliche Bezeichnung noch anwenden darf. Gewichtige Persönlichkeiten, die keines männlichen Schutzes bedürfen, um ihr Recht auf das edle Naß geltend zu machen! So hat das große, hochherzige Berlin wenigstens einen Hafen für die „alleinstehenden Damen", die trotz aller Sprechsaalartikel und Vereins- und Kongreßbeschlüsse sich durch btc brutale Engherzigkeit gewisser überprüder Elemente in anständigen öffentlichen Wirtschaften noch immer behandeln lassen müssen, als wären sie Abenteuerinnen, weil sie nicht gleich einen Vater, Bruder oder Gatten aufweisen können, .während die offenkundigste Temimondaine, wenn sie nur ihren Galan an der Seite hat, tadellos als „gnädige Frau" respektiert wird. Alle Tage kann man dergleichen erleben, .wenn man gerade Unglück hat. Und erst jetzt wieder ist im Äusstellungspark, dem Restaurant der Großen Berliner Kunstausstellung, die doch von Tausenden alleinstehender Damen besucht wird, ein haarsträubend taktloser Fall dieses Genres passiert. Und dieses Berlin nennt sich Weltstadt! Und die Herren Gastwirte find die ersten, die Anspruch auf diesen Titel für ihr stolzes Berlin erheben! Solange jedoch derartige Tinge immer wieder geschehen und der Berliner Dickschädel, der sich für höllisch intelligent hält, nicht endlich damit aufräumt, solange bleibt die „Weltstadt" in mancher Hinsicht das schöne, alte seelentrockene Philisterweißbierdorf an der Spree. Amüsant ist cs wenigstens, Ivie dieselben Tugendhüter sich verschiedentlich von jenen weiblichen Elementen düpieren lassen, die sie durch ihre törichten Verordnungen zu treffen glauben. Tie Liste der Hochstaplerinnen, die sich unter hochtönenden Namen in Hotels einmieten, .dort als Gräfinnen die Höchsten Ansprüche stellen und durch ihre hochfahrendes und unnahbares Wesen leben Zweifel an ihrer Echtheit im Keime ersticken, ist nicht gering. Und immer von neuem tauchen dergleichen Existenzen auf, die ihre Karriere als Kammerkätzchen begonnen haben, und über die Bretter, so die Welt bedeuten, mit graziöser Frechheit in die feineren Gesellschaftskreise dringen. Ter Fall der Frau von Herway, vorher Baronin von Lützow, noch früher Fräulein Bellach mit all seinen Menteuerlichkeiten, hat viele Parallelen. Tas Aergste ist, daß heruntergekommene Edelleute ihren Namen diesen Schmarotzerpflänzchen auf dem Standesamte mit allen Rechten ausliefern und ihnen dadurch'nachher die tollsten Schwindeleien erleichtern. Wie manche der Baroninnen, die einem aus einem Jourfix zweiter oder dritter Güte begegnet, und durch kleine Auffälligkeiten sonderbar vorkommt, hat sich auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege, in den waschechtesten Adel hineingefunden und versteht es nun bei pseudovornehmen Leuten mit ihren Talmiefsekten eine Rolle zu spielen. Das ist übrigens die Sorte, .die auch der charaktervollste Wirt mit den strengsten Grundsätzen nicht zu belästigen wagt! Auf sie fällt er immer wieder herein — bis Berlin wirklich Weltstadt wird! A. R- , 403 — Der Kampf gegen die Motte. Winke für die Hausfrau von Lucie Andersen. Kurz vor der Uebersiedelung in die Sommerfrische pflegt sich die Hausfrau noch 'einer Arbeit zu unterziehen, die ebenso mühevoll itrie zeitraubend ist. .Sie sucht durch allerhand Vorsichtsmaßregeln sowohl Kleidungsstücke als auch Möbel vor dem sogenannten Mottensraß zu schützen. Ich will vorweg bemerken, daß diese ganze Umkrempelung des Haushalts mit den tausend Einzelheiten und Kleinigkeiten, das Bestreuen mit Pulvern oder Beträufeln mit Flüssigkeiten meistens nicht den mindesten Nutzen bringt, und zwar ans dem guten Grunde, weil die Mittel, die sich nach allgemeiner Anschauung eines ausgezeichneten Leumunds erfreuen, durchaus wirkungslos "sind. Vor allem jedoch pflegen sie viel zu spät in Anwendung z>c kommen. Ter Beginn der Reisezeit, oder richtiger gesagt: ihr mit einem Schlage eintretender Höhepimkt fällt doch in die Mitte des Juli, weil hier die Schulferien ihren Anfang nehmen. Tann aber ist jeder Kampf wider die Motte mehr oder weniger wirkungslos, wofern sie bisher Gelegenheit hatte, .sich in den ihr zusagenden Stoffen einzunisten und ihre Brut abzusetzen. Tas Zerstörungswerk ist bereits im vollsten Gange. Nicht etwa die Motten selber darf man dafür verantwortlich machen, sondern allein ihre Brut. Tie Motten sind kleine Falter von oft zierlichstem Bau und nicht selten allerliebstem Aussehen, die an sich nicht den geringsten Schaden verursachen. Sie gehören zur Familie der Nachtfalter, verlassen also mit Beginn der Tännnerung .ihre Schlupfwinkel und sc-wärmen herum. Ter Zweck dieses munteren Gaukelspiels ist, daß sie günstige Stellen suchen, wo sie ihre . Eier ablegen können. Wie man wcitz, bestehen solche Schlupfwinkel vorzugsweise aus Wollstofsen und Pelzwerk. Tie Flugzeit selber erstreckt sich ungefähr über den ersten Teil des Sommers bis zürn Anfang des Juli. Wer nun wirklich und entschieden jebeii Schaden von seiner Habe fernzuhalten trachtet, muß bis dahin des .Widersachers vollständig Herr geworden sein. Am sichersten geschieht dies durch nachfolgendes Verfahren: Man stellt sich ans weißem Papier, so gut es eben geht, einen Lampenschirm her. Tresen bestreicht man mit Leim oder einem anderen sich recht bewährenden Klebstoff. Darauf stülpt man ihn über die Lampe und zündet sie an. Tie Motten umflattern nun sofort das Licht und bleiben an dem Klebstoff hängen — genau so wie Fliegen an den Rohrstäbchen, die zuvor mit Leim getränkt wurden. Innerhalb weniger Abende vermag man auf diese Weise seine Wohnung von den so gefährlichen Schädlingen mit .ziemlich sicherem Erfolge zu säubern. Weit größer ist .die Mühe, wofern man es erst mit der Brut zu tun hat. Schon deswegen, wie ersichtlich, weil man jene ja in ihren Schlupfwinkeln aufsuchen muß. Sobald nämlich die Schmetterlinge ihre Eier abgelegt haben, sterc en sie kurze Zeit nachher an Ermattung. Aus den Eiern aber entwickeln sich Nunmehr die eigentlichen Schädiger, die sogenannten „Schaben". Es sind dies ganz winzige Räupchen von schier unglaublicher Gefräßigkeit — die stete Sorge der Hausfrau und darauf vollauf imstande, ihr jede Sommerreise zu verleiden. Tenn so viel steht fest: ein unfehlbar wirkendes Mittel, die Schaben aus Wollstoffen und Pelzwerk zu vertreiben, gibt es nicht. Rur wenn man bereits in der Zeit, Ivo die Motten noch nicht in ihre Flugzeit eingetreten waren, jene Sachen in dicht verklebte Kisten barg oder in Leinwand nähte — dann allein darf man überzeugt sein, daß sie keinen Schaden davontragen. Ferner sollte man nicht unterlassen, einen oder womöglich mehrere Töpfe mit Plectranthus fructicosus, jener Pflanze, die gemeinhin „Mottenkönig" genannt wird, in seinen Wohnräumen zu halten. Ter eigenartige, den menschlichen Gerüchsnerven durchaus nicht unangenehme Odem,. der ihr entströmt, hat die Wirkung, .Ungeziefer jeglicher Art, also anch den verheerenden Nachtfalter, sortzu- scheuchen. Ta sich diese Pflanze überdies ganz schmuck ausnimmt, .braucht kein Mensch Anstand zu nehmen, jhr einen Platz am Fenster oder am Blumentisch cinzuräunicn. Sie bezahlt diesen reichlich durch den großen Nutzen, den sie gewährt. Ter Mittel wider den Mottenfraß will nian nun beinahe eine Unzahl im Laufe der Zeit ausfindig gemacht habens zumal verspricht man sich gute Wirkung von lenen stark riechenden Stoffen, wie Kamphor und Petroleum, Naphthalin und Benzin. Viele Hausfrauen bestreuen Wollstoffe gern mit pulverisiertem Eisenvitriol; dann wird auch das Äusschwefeln mit recht heißen Dämpfen sehr gerühmt, oder das Anbringen eines offenen Fläschchens, .worin sich Schwefelkohlenstoff befindet. Ter ekle Geruch, der so entsteht, soll hinreichend imstande sein, dem so schädlichen Gewürm ohne weiteres den Garaus zu bereiten. Neuerdings hat Berthelot, .der große französische Chemiker, den Nachweis zu erbringen gesucht, daß die Mehrzahl dieser Maßnahmen der verhaßten Mottenbrut nicht nur nicht schadet, andern daß diese dabei umso besser gedeiht. Tatsächlich wirk- ain sollen sich nur Terpentin und Benzin erweisen; allein, elbst wenn sich Berthelots Behauptung nicht aufrecht erhalten ließe, wird die Hausfrau, .die all die Tinkturen und Essenzen einmal durchgeprobt, von ihnen keineswegs erbaut sein. Mal helfen sie, mal nicht. Tas erstere mag ja der Fall sein, wenn die Mischung, .oder überhaupt das Mittel besonders scharf gewesen; allein stets bleibt darum doch die Wirkung äußerst bedingt; auf sicheren Erfolg darf man niemals rechnen. Dazu der widerliche Geruch, der so eingemotteten Kleidungsstücken oder sonst Gegenständen anhastet! Oft bleibt er noch zurück, wenn sie bereits längst wieder in Gebrauch genommen wurden. Daß aber solche Methoden für den Menschen auch gesundheitsschädlich sein können, weiß .man aus den mehrfachen Vergiftungsfällen, die sich .eng an Eimnottungen mit Naphthalin anschlossen. Robuste Naturen mögen ja darunter weniger leiden, aber feinnervige ohne allen Zweifel, ivenn auch nicht immer so stark und offenkundig. Gerade heraus: ich halte von all jenen Maßregeln herzlich wenig. Ten Kampf wider die Nachtfalter freilich führe ich mit größter Entschiedenheit; dann aber beschränkt er sich in der Folge allein darauf, . daß in meinem Haushalte die denkbar größte Sauberkeit herrscht. Wenn ich verreise, gebe ich nicht einen einzigen Pfennig .für solche Pulver oder Mixturen aus. Tagegeil trage ich Sorge, daß auch während meiner Abwesenheit sämtliche Kleidungsstücke, Teppiche, .Möbel und sonstige Gegenstände genau so behandelt werden, als ob ich zu Hause bin. Also der Fußboden wird gefegt, gescheuert oder gelaugt, .durch Bürsten und Klopfen ein ebenso entschiedener, wie ununterbrochener Kampf gegen Staub und Ungeziefer entfacht. Leigt sich dennoch Mottenfraß — und in den Monaten Juli und August pflegen die kleinen Räupchen vorzugsweise ihr so gefährliches Unwesen zu treiben —; so wird mit einem heißen Plätteisen über die Stelle gefahren, wo sich der Tummelplatz der Brut befindet. Kehre ich dann heim, so stnde ich meine Wohnung in schönster Ordnung. Lein widerlicher Geruch belästigt die Nerven; niemand bei uns klagt über Uebelkeit oder Kopsschinerz — den notwendigen Folgen dieses gesundheitswidrigen Treibens, das die höhere Hausfrau mit der Bezeichnung Einmottung beschönigt. »Auf diese Weise spare ich vor meiner Abreise viel Zeit, Mühe und — Geld. Unter dem Mottenfraß leidet mein Hauswesen so gut wie garnickst; in jedem Falle aber sicherlich nicht mehr, als Wenn ich mich mit der so zeitraubenden und kostspieligen Einmottung befassen würde. vermischte». * W a s R n d l e r n n d R a d l e r i n bei längeren Radtouren an Gepäck mitzunehmen habeic, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Während die Damen im allgemeinen lieber etwas zu viel als zu wenig mitnehmen, treiben allzu eifrige Sportradler wieder die Bedürfnislosigkeit gar zu weit und möchten am liebsten ohne jede Belastung eine acht- bis vierzehntägige Radreise machen. .Auch hier liegt das Richtige in der Milte. —i Für längere Reisen enipfiehlt es sich sehr, eine feste leichte Pappschachtel mit dem Nötigen zu füllen, und an den Ort zu senden, nach dem man in etwa acht bis zehn Tagen gelangen will. In eine solche Schachtel packt man Strümpfe, Wäsche, sonstige Toiletten-Gegenstände, die dazu dienen, den äußeren Menlchen in zivilisiertem Zustand zu präsentieren; denn nichts diskreditiert die ganze Radelei mehr, als ein salopper Anzug. Was aber ist nötig, was überflüssig? — Für Damen ist zunächst die Kleidung sehr zu .beachten. Wer in einer Hellen Waschbluse oder auch einer Hellen Wollbluse mit dem mit Uurenst als besonders sportlich so beliebten Leinenkragen radreisen will, wird schon am zweiten Tage recht toeuig adrett mehr aussehern — Eine hübsche Wollbluse in kräftiger Farbe, mit bequemem Steh- Umlegekragen, oder nicht .hohem Stehkragen, dem ein schmaler weißer Vorstoß eingeheftet wird, ist praktisch und bleibt während der ganzen Reise präsentabel. Wäsche für Radfahrer läßt man sich aus allerleichtestem sogenannten Nessel anfertigen, — glatt, ohne Verzierung. »Außerordentlich'praktisch sind auch die lewsten, gewebten Kombinations. Msstlwäsche oder Kombinations, recht fest zusammeugelegt, wiegen sehr wenig und nehmen nur einen minimalen Raum ein. — Zur Not kann man sie abends im Waschbecken in warmem Wasser mit Leichtigkeit tadellos rein waschen, ausringen, und am andern Morgen anlegen. Auf Neiseii muß man sich eben zu Helsen wissen. Ein solches Wäschepaketchen. —. Kaum,, Zahnbürste, ein kleines Etui mit Haar-, Steck-, Nähnadeln und etwas Zwirn, .ein paar Strümpfe zum Wechseln, Flickzeug für das Rad und ein paar leichte weiche Pantosfelii, das genügt vollständig. »Dazu packt nian noch eine Tube mit Lanolin oder Myrrhen-Crcme, einen Streifen Verbandgaze nnd etwas Verbandwatte für alle Fälle. Für eine Radfahrt von etwa acht bis zehn Tagen ist damit genügend vorgesorgt. —- Für Herren ist neben Zahnbürste, Kamm und der kleinen Apotheke vor allem das Mituehmen einiger Paar allerdünnster baum- lvolleuer sogenannter Manöversocken zu empsehlen (Paar 12 bis 15 Psg.), die unter den Radelstrümpfen getragen und nach Benutzung fortgeworfen werden. Die wollenen Kniestrümpfe bleiben dadurch sauber und weich und der Fuß wird geschmeidig. Woll- Wäsche zum Wechseln mutz mitgehen, und zwar Nluß diese täglich gewechselt werden, während die am Tage getragene nachts gründlich gelüstet wird. »Auch leichte Pantoffeln werden oft sehr nötig sein. Hat man sich so acht Tage durchgeschlagen, so findet man feinen Pappkarton am bestiminten Ort vor, — kann feinen, äußeren Menschen dann völlig erneuern, packt alle gebrauchten Sachen ein, versieht' den Karton mit , der bereits fertig geschriebenen Adresse und befördert ihn heimwärts, von wo bann eventuell nach weiteren aclst Tagen wieder eine Sendung erfolgt. 404 — Bei großen Auslandreisen gibt es ja immer längere Stationen, wo man waschen lassen, oder Notwendiges einkaufen kann. Man bedenke immer, daß jedes überflüssige Lot Belastung, .nach 50 Kilometer zu einem Pfund, nach 100 Kilometer aber zu einem Kilo wird. .Je leichter das Gepäck, desto freier und früh- liefet ber tRcrbler 1 * Tie Tabakspfeife des Königs. Aus London wird uns geschrieben: Tie wenigsten Leute wissen, daß König Eduard, der in den letzten Jahren nur Zigarren, und zwar von der besten Sorte raucht, auch eine Tabakspfeife besitzt, und obendrein eine, die er nie gesehen hat. Wenn nämlich Zollbeamte Tabak oder Zigarren wcgnehmen, die Schmuggler einschwärzen wollen, so sagt der Volksmund, daß die Beamten den Tabak oder die Zigarren „für die Pfeife des Königs beschlagnahmt" haben. Tie königliche Pfeife, von der hier die Rede ist, sucht man aber vergeblich in einem der königlichen Schlösser oder Paläste. Sie befindet sich drunten an der Themse bei London in der Nähe der Biktoriadocks, da, wo die großen Zollspeicher sich befinden, in denen die aus dem Ausland eingeführten Tabake und Zigarren aufgespeichert werden, bis der Händler sie nach Erlegung der hohen Zollgebühren einlöst. Nicht alle von den Zöllnern beschlagnahmten Zigarren und Tabake wandern in die Pfeife des Königs. Tie besseren Tabaksorten werden von den Beamten an die Verlbalter der Irrenhäuser abgeliefert, in denen irrsinnige Verbrecher eingeschlossen sind, um dort von den Kranken geraucht zu werden. Auch für die Soldaten, die im Ausland dienen, fällt manche Zigarre ab, welche die Zollbeamten den Schmugglern abgenommen haben. Aber der Rest, wozu auch die in den Zollspeichern zusammengewischten Abfälle kommen, wandert in die königliche Pfeife, und so groß ist die Menge der auf diese Weise angehäuften Tabakblätter, daß die besagte Pfeife nie ausgeht. Tie königliche Pfeife ist nämlich ein kleines, aus roten Backsteinen gebautes Gebäude mit einem Tack aus Wellblech, aus dem ein riesiger Schlot emporragt, den Tag und Nacht, Sommer und Winter eine leichte bläuliche Rauchwolke umkrüuselt. Dieses Gebäude enthält zwei Gefeit, und in dem Hof sind die Tabak- abgänge aufgespeichert, die der Abwart von Zeit zu Zeit in den eilten oder anderen Ofen hineinschaufelt. Tabake aus Amerika, aus der Türkei, aus Aegypten mit toten Ratten und Katzen vermischt, liegen dort friedlich beisammen und wandern mit einander vermischt in die Oefen, wo die Blätter samt den Tierleichen in Asche verwandelt werden. Ter Abwart, der mit feinen Gehilfen im Hofraum seine Mahlzeiten kocht, und gelegentlich feine Pfeife mit den herumliegenden Tabakblättern anfüllt, hat die toten Ratten gezählt, die in 14 Tagen mit den Tabakabfällen in die Pfeife des Königs wanderHen; es waren über 200. Rings um das Gebäude erhebt sich titi weißer Aschenhügel, denn die Asche ist nicht wertvoll genug, um als Tünger verwendet zu werden. * Einfluß der Musik auf den Haarwuchs. Während sich in England die Leute mit deut Gedanken tragen, den Haarwuchs durch das Mschaffeir der Hüte zu verbessern, beschäftigt man sich in Amerika mit dem Einfluß der Musik auf den Haarwuchs. .In dem Schauspieler-Heim in Newyork wurde kürzlich ein Vortrag über dieses Thema gehalten, in dem es hieß, verschiedene Arten von Musik, resp. verschiedene Musikinstrumente übten einen verderblichen, andere wieder einen fördernden Einfluß auf den Haarwuchs aus. Zu den letzteren gehört vor allem das Violoncello, sowie die Harfe. Vielleicht ist daraus die Tatsache zu erklären, daß sich so viele Damen dein letzterwähnten Instrument zuwenden. Auch die Violine übt einen günstigen Einfluß auf den Haarwuchs aus, wenn auch nicht in demselben Maße, wie das Cello, dagegen hat das Klavier f p i e l en mässe eine vorzügliche Wirkung auf die Kopfhaut, wie ja auch die „Skalpe" der meisten modernen Klaviervirtuosen auf das schlagendste beweisen. Geradezu verheerend wirken dagegen die Blasinstrumente. Trompeter mit langen Haaren gibt es überhaupt nicht, mit Ausnahme des Trompeters von Säckingen, der auf der Bühne stets als blondgelockter Jüngling .erscheint und den Damen immer mehr gefällt. Er bildet die rühmliche Ausnahme, denn im übrigen gehen diese Herren entweder kurz .geschoren oder „mit noch weniger" auf dem Kopfe umher. Das gleiche gilt von allen Messingblasinstrumenten, während Flöte und Klarinette sich „neutral" verhalten. Eine eigentüinliche Wirkung üben aber die Oboe und das Fagott auf den ausübenden Musiker ans. Diese Instrumente verlangen eie sehr starkes Anblasen, aber eine ganz geringe Quantität vom v Wind, infolge des kleinen Mundstückes, sodaß die Luft, wenn ' man so sagen darf, dem Bläser fortwährend gegen den Kopf drückt. So kommt es, daß außerordentliche viele Oboebläser im Laufe der Jahre hervortretende Augen bekommen, und wie schon bemerkt, ihr Haarwuchs auch sehr viel zu wünschen übrig .läßt. Die Ausführungen des Redners 4ber das Thema wurden von allen anwesenden Musikern bestätigt. Literarisches. — „Des Kindes Chronik." Ein Merkbuch des Lebens, von Mutterhand begonnen, zur späteren eigenen Fortsetzung. das Pyramide. (Nachbildung verboten.) Vokal. e Maß. 0 Körperteil. @ 0 römischer Gott. 0 0 Werk der Dichtkunst. 0 0 0 eßbare Frucht. 0 0 0 süßes Gebäck. Auflösung in nächster Nummer. Aus praktischer Erfahrung zusammengestellt von Helene von Schrötter. Gebunden Mk. 5. (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt.) — Dies nach den Aufzeichnungen einer jungen Mutter und Hausfrau entstandene Familienbuch gibt ihren Mitschwestem eine sicherlich überall willkommen geheißene Anleitung zur Herstellung einer fortlaufenden Biographie für jedes Kind. Der gediegen ausgestattete Band umfaßt über zweihundert Seiten auf gutem Schreibpapier mit farbiger Einfassung und mit genügendem Raum zur Eintragung aller Daten und Notizen, die sich auf das Erscheinen des kleinen Weltbürgers und dessen weitere Entwicklung in körperlicher und geistiger Hinsicht beziehen, wie zum Eiukleben von Photographien, Zeitungsausschnitten usw. Hinzugefügt sind passende Gedichte, Denksprüche, Tabellen, die aus- gefüllt werden .müssen, hygienische und pädagogische Mahnungen, kurzum alles, was irgendwo geeignet ist, dieses „Merkbuch des Lebens" so vollständig.wie möglich zu machen und es zu einer Fundgrube an Erfahrung für die Nachkömmlinge zu gestalten. Tie Chronik beginnt natürlich mit der Geburt des Kindes, auf den folgenden Seiten sind dann bemerkenswerte Glückwünsche, die zu dem srohen Ereignis einliefen, einzutragen, weiterhin die Namen der Eltern und Großeltern. Es folgen Seiten zur Aufnahme einer Ansicht des Geburtshauses, eines Stammbaums und einer kurzgefaßten Familiengeschichte; später schließt sich alles an, was auf die Taufe des Kindes Bezug hat. Die Fortschritte im körperlichen Gedeihen wie die Regungen des erwachenden Seelenlebens werden verzeichnet, und in ähnlicher Weise geht es durch die Schulzeit weiter, wo auch die Lehrer und Gefährten nicht vergessen werden. Krankheiten lute frohe Ereignisse, Spiele und Liebhabereien, Lektüre, Reifen usw., alles wird eingetragen, bis zur Selbständigkeit des herangewachsenen Kindes oder zur Begründung eigener Häuslichkeit. Die in diesem hübschen Merkbuch erteilten Anweisungen sind ungemein praktisch und werden jede junge Mutter zur gewissenhaften Führung der Chronik anregen; dem Kinde aber wird ein solches Buch von Mutterhand ein Schatz fürs ganze Leben sein. — Aus der Werdezeit des Christentums. Von Professor Dr. I. Geffken. („Aus Natur und Geisteswelt". Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen.aus allen Gebieten des Wissens. 54. Bändchen.) Verlag von G. B. Teubner in Leipzig. Preis geh. "1 Mk., geschmackvoll geb. 1,2g Mk. -H Mit dem wachsenden religiösen Interesse unserer Zett tst auch das Interesse für die Entstehung und die weitere Entwicklung des Christentums ein immer größeres geworden. So darf ein Buch- lein, das unter dem Titel „Aus der Werdezeit des Ehristen- tums" in der bekannten Sammlung gemeinverständlicher Darstellungen „Aus Natur und Geisteswelt", von Professor Tr. I. Geffken verfaßt, soeben erschienen ist, von vornherein auf einen weiten Leserkreis rechnen. Ter Verfasser gibt in dein Bändchen eine Reihe von Bildern aus dem alten Christentum, Studien über Entwickelungen, Darstellungen von Persönlichkeiten aus den drei ersten Jahrhunderten der neuen Lehre. Das erste Kapitel behandelt den Eintritt des Christentums tn die griechisch-römische Welt, deren moralische Zustände, deren Gottesglaube geschildert werden. In den beiden folgenden Artikeln werden bedeutende enthusiastische Bestrebungen geschildert, die Apokalypsen und die Sibyllen, wobei die Johannes-Apokalypse eine eingehendere,Behandlung erfährt. Das dritte Kapitel behandelt die Christenverfolgungen, das vierte die literarischen Kämpfe; hier Ziehen die großen Kirchenväter Tertullian und Augussin tm Mittelpunkt der Darstellung. Den Schluß bildet eine Erörterung über „Orient und Occideut im alten Christentum", die das Christentum als F»ktor der großen Bewegung, die den Orient bis zu Muhammeds Zeit gegen den Occident drängt, auffaßt. Aus dieser Inhaltsübersicht ergibt sich, wie sehr das Bändchen geignet ist, eine Vorstellung von der Stimmung im alten Christentum und von seiner inneren Kraft zu geben und ein Verständnis für die ungeheure und vielseitige welthistorische kultur- und religionsgeschichtliche Bewegung zu schaffen. Ter außerordentlich billige Preis macht Bändchen auch leicht allen Interessenten zugänglich. Auflösung der Geheimschrift in vor. Nr.: Leidenschaft ist ein schlechter Ratgeber. Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lanae. Gicsten.