1904 »U «M (Nachdruck verboten.) Im Unfall der Yajaß. Roman von B. M. Croker. Genehmigte Uebertragung von A. Vischer. (Fortsetzung.) „Und bald mußt Du meine Befehle ausführen, denn Ibrahim fängt au ungeduldig zu werden, und droht mir, die Perlen wieder mit fortzunehmen. Sie haben großes Aufsehen an allen indischen Höfen erregt, und er behauptet, daß er noch andere Liebhaber dafür habe. Er ist eine gar schlaue Ratte... Du wirst also mit dem Regieruugsbevollmächtigten über die Sache reden, und wenn er sein Versprechen gegeben hat, so kann der Kauf sogleich abgeschlossen werden, die Makler find schon im Palast, und die Perlen gehören dann uns." Ein Ausdruck der Verzückung huschte einen Augenblick über d-as eulenartige Gesicht, dann versank die Alte in tiefes Sinnen. Ohne Zweifel sonnte sie sich bereits in zukünftigen Triumphen. „Menn Mr. Thorold sich nun aber ein für allemal weigert?" unterbrach ich ihre Gedanken mit heiserer Stimme, denn Kehle und Lippen waren mir wie ausgedorrt. „Dann", sie wandte sich nach mir um, und schien mich mit einem langen, stechenden Blick durchbohren zu wollen, „dann komme sein Blut über sein eigenes Haupt und ... . ja, und auch über Dich! Du kannst ihn warnen" —. sie hielt inne, und ihre Augen sahen aus, wie zwei von Pechfackeln beleuchtete Tintenkleckse — „es gibt noch mehr Regierungsbevollmächtigte in England!" Taumelnd erhob ich mich von den Kissen und lehnte mich, nach Atem ringend, an die Wand. Das war also ein Kampf auf Tod und Leben. Deutlich las ich es in diesen entsetzlichen Augen. „Eure Hoheit", stammelte ich, „ich weise Ihr Geschenk zurück. . . und ich habe auch keine Macht, Mr. Thorold zu bewegen, daß er seine Worte zurücknimmt." „Nun, er kennt mich! Sagte er nicht neulich zu Dir, daß er meine Wege durchkreuzt habe, und daß uns beiden noch einmal ein heftiger Kampf bevorstehe? Ich habe schon manchen Kampf ausgefochten, und bin noch niemals erlegen. Sagte er nicht auch, ich hätte Krallen, und daß die Krallen einer alten Katze gefährlich seien? Bald wirst Du ihm gegenüberstehen, Miß Sahib, dann sage ihm alles, auch von Deinen Aengften; vor allem aber sage ihm, daß die Ktallen einer alten Frau den Tod bringen. Nun gehe!" <Äe klatschte in die Hände, worauf Begur, die Spionin, lautlos eintrat, und mich mit großer Vorsicht in meine Wohnung zurückführte. * Mel Schlaf fand ich nicht in dieser Nacht. Während ich Mich unruhig von einer Seite auf die andere wälzte. war es mir, als höre ich eine eintönige Stimme, gleichmäßig wie das Ticktack einer Uhr, die Worte wiederholen: „Die Perlen oder sein Leben! Die Perlen oder sein Leben!" Das dunkle Zimmer, die seltsamen Laute draußen, die entsetzlichen Worte, die ich vernommen, und die mich verfolgten, und die wie Bienen in meinem Kopf herumsurrendeit schwarzen Gedanken und Vermutungen, verscheuchten den Schlummer. Es bestand kein Zweifel, die Rani Sundaram würde ihr Vorhaben um jeden Preis ausführen. Was galt ihr das Leben eines weißen Mannes? Nichts, gar nichts. Auch nicht an Wegen, Mitteln und Werkzeug fehlte es ihr. Mar Mr. Thorold erst einmal unschädlich gemacht, so lag immerhin die Möglichkeit vor, daß sein Nachfolger nachgiebiger sein, sich eher in Verhandlungen einlassen und zu einem Vergleich bereit erklären würde. „Sie wagt es nicht", redete mir dann wieder die Vernunft ein. „Du siehst zu schwarz; die Einsamkeit und Einschließung hinter den hohen Mauern üben einen Druck auf Deine Nerven und Dein Gemüt aus. Du hast keinen Mut und kein Selbstvertrauen mehr." Endlich dämmerte der Morgen. Ich erhob mich, ging im Zimmer umher und badete meinen glühenden Kopf in frischem Wasser. Denen betete ich zu Gott mit König David in den beiden letzten Versen des 140. Psalms: „Behüte mich vor dem Strick, den sie mir legen, und vor den Fallstricken der Uebeltäter. Die Gottlosen werden in sein Netz fallen; ich bleibe allein, bis ich hinübergehe." Wie konnte ich wohl den Schlingen dieser entsetzlichen Frau entgehen, die meine Hilfe zur Erreichung ihrer eitlen Stoecfe und zu weiterer Bedrückung der armen Steuerzahler verlangte? Wenn sie sich nun in ihren Erwartungen getäuscht sah, wenn ich keinen Finger rührte und kein Wort zu ihren Gunsten sprach, was würde dann mein Los sein? Cholera- und Fiebergift und der Tod? Ich weiß nicht, wie ich an jenem Tage meinen Verpflichtungen nachkam. Das Lesen, Schreiben und Sprechen .mit meinen kleinen Schülern wurde mir zur Qual, zudem war der kleine Rajah Kodappa ganz besonders lebhaft. Dann kamen die Klavier- und Guitarrestunden, und wenn die kleinen Mädchen auch ziemlich geschickte Fingerchen hatten, so ging ihnen doch jegliches musikalische Gehör abl Diese Mißtöne waren wahre Folterqualen für meine hochgespannten Nerven, sodaß ich mich mehr als einmal versucht fühlte, laut aufzuschreien und meinen Kopf gegen die Wand zu stoßen nach der Art der Eingeborenen. Endlich war alles überstanden, und die kleinen Quälgeister zogen ab. In der Nachmittagskühle flüchtete ich mich dann in den Garten, und zwar in den abgelegensten Teil, wohin sich die Damen des Palastes nur selten wagten. Ich habe ihn bereits beschrieben, jenen Zaubergarten mit seinen Marmorwegen, seinen blühenden Bäumen und Sträuchern und der Pracht der Rosen- und Granatbäume, jenen Garten, wo goldgelbe und purpurrote Schmetterlinge umherflatterten und blaue Tauben und — 274 — grüne Papageien sich auf den Zweigen wiegten. So schön dieser entzückende Zufluchtsort in seiner echt tropischen Pracht aber auch war, so hatte er doch einen großen Nachteil: er konnte bis in seine entfernteftei: Ecken vom Palaste aus übersehen iverden, und — der Palast hatte tausend Augen. Langsam schlenderte ich auf einen tveißen Pavillon zu, der, nach allen vier Seiten offen, ein Meisterwerk feiner Steinhauerarbeit war. Eine frische Prise wehte vor: den über der Stadt liegenden Hügeln hernieder, die schwertähnlichen Blätter der stolzen Palmen bewegten sich leise rasselnd und die Luft war vom Wohlgeruch der wächsernen Blüten des Korkbaumes getränkt, als ich mich niedersetzte und meinen Kopf an den kühlen Marmor lehnte. Ich glaube, ich war nahe daran, einzuschlummern, denn mein Geist war erschöpft vom Denken und Suchen nach einem Auswege a/us all dem Wirrsal. So schlaftrunken aber war ich doch nicht, daß ich das Geräusch sich nähernder Fußtritte überhört hätte. Als ich mich ausrichtete, stand Mr. Thorold vor mir, sie hatte ihn geschickt! „Guten Abend", sagte er, in den Pavillon eintretend. „Mir wurde gesagt" — er lächelte heiter — „daß Sie mich' in einer dringenden Privatangelegenheit zu sprechen j wünschen. Sollte sich die Regierung am Ende gar auf eine Kündigung Ihrerseits gefaßt machen müssen? . . . Sprechen Sie rasch", fügte er in plötzlich verändertem Tone hinzu. „Was gibt es? Sind Sie krank?" „Nein, ich bin nicht krank; ich bin überhaupt niemals krank, und ich schickte auch nicht nach Ihnen. Aber ich bin sehr froh, daß Sie gekommen sind, denn ich befinde mich in einer höchst schwierigen Lage." „Ans der ich Ihnen hoffentlich heraushelfen kann." „Ach nein, ich glaube es nicht." „Um was handelt es sich denn?" „Um Sie und die Perlen, die Jasra-Perlen." „Aber ich bitte Sie, meine liebe Miß Ferrars. . Er hielt einen Augenblick inne und fuhr dann fort: „Was haben Sie mit diesen Hofgeschichten zu tun? Die Ra ui Sundaram brennt darauf, die Juwelen wegen der Hochzeit in ihren Besitz zu bringen, ich habe mich aber bestimmt und in aller Form gegen den Ankauf ausgesprochen, und gottlob, mein Wille ist, wenigstens was die Einkünfte des Landes anbelangt, Gesetz." So sprechend, setzte er sich mir gegenüber auf das Geländer. Er sah hübsch und wohl aus in seinem kühlen weißen Anzug und hatte sich offenbar von der Malaria gänzlich erholt. „Wie kommt es denn, daß Sie in den Kampf um die Perlen hineingezogen werden?" wiederholte er. „Ich will es Ihnen sagen. Gestern abend ließ mich die Rani in ihre Privatgemächer kommen. O, es war entsetzlich! Sie überschüttete mich mit Drohungen und sagte, ich solle Sie warnen, denn ihre Krallen seien gefährlich. Sie erinnern sich, daß sie unser Gespräch damals belauschte, als wir sie eine böse alte Katze nannten?" „Ja, aber was wollte sie denn von Ihnen?" „Die Perlen, die Jasra-Perlen." Er brach in lautes Lachen aus. „Das ist alles?" „O, lachen Sie nicht", sagte ich ungeduldig, „es würde Ihnen wahrhaftig vergehen, wenn Sie sie gehört hätten. Sie ist ganz auf die Perlen erpicht, ihre Seele würde sie dafür verkaufen." Er lachte. „Darum würde niemand viel geben. Hat sie überhaupt eine Seele?" „Bitte, lassen Sie mich ausreden!" Aengstlich schaute ich mich um, aber es befand sich weit und breit kein Mensch. „Die Rani glaubt, ich könne Sie beeinflussen, aber ich weiß natürlich sehr gut, daß das Unsinn ist." „Nein, nein, darin hat sie vollständig recht", gestand er mit großem Ernst, sodaß das Blut mir ins Gesicht stieg. „Sie befahl mir. Sie zum Kauf der Perlen zu bewegen. Ihre Familie, so behauptet sie, fange nun allmählich an, sich von den Kämpfen mit den Fremden zu erholen; Geschütze, Ansehen, alles sei dank ihrer Bemühungen zurückerobert. Das einzige, was ihr zur gänzlichen Wiederherstellung des früheren Glanzes noch fehle, sei der Besitz der Jasra-Perlen. Es könne Jahrhunderte ansteh en, bis sich der Familie wieder ein solcher Glückssall darbiete, und ich soll Ihnen sagen, daß, wenn Sie ihn vereiteln, Sie Ihren Lohn schon finden werden. Sie ist fest ent- Sen, die Perlen zu erwerben; voll Ungeduld wartet im auf die Antwort der Rani und auf die Ihrige." Mr. Thorold lachte nicht mehr. Hoch aufgerichtet starrte er mich an. „Und was versprach Sie Ihnen für den Fall, daß Sie mir eine günstige' Antwort abschmeicheln?" „Zehntausend Pfund." „Natürlich lachten Sie ihr ins Gesicht?" „Nein", antwortete ich nachdrücklich. „Mir war es gar nicht lächerlich zu Mute; ich zitterte am ganzen Körper." „Aber warum denn? Das begreife ich nicht. Was haben Sie zu befürchten?" „Ibrahim sagte mir, daß die Rani Sundaram imstande sei, jedermann aus dem Wege zu schaffen, der sich ihr so wie Sie hindernd entgegenstelle. Sie kenne Gifte, deren Wirkung so geheim sei, daß derjenige, dem sie beigebracht werden, anscheinend eines ganz natürlichen Todes an Fieber oder Cholera sterbe und kein Mensch Verdacht schöpfen könne. Ihr Verfahren mißglücke nie. Manchen Gläubiger habe sie auf diese Weise schon zum Schweigen gebracht, mancher Feind sei im Palast verschwunden, und keine Nachfrage habe danach verlautet." „Wenn Sie oder ich verschwinden würden, ginge es nicht ohne ernste Nachfragen ab, das dürfen Sie mir glauben!" rief er mit großer Entschiedenheit. „Jedermann fürchtet sie." „Nur ich nicht!" ®r sprang plötzlich auf. „Obschoü ich sehr gut weiß, daß ihr Leben eine einzige Kette von Bosheiten war, sie soll die Perlen doch niemals bekommen, selbst nicht über meinen Leichnam. Ibrahim ist ein Spitzbube, ein Ärzschurke, der so wenig ein Perser ist wie ich, sondern halb Portugiese, halb Singhalese, daher auch feilte Vorliebe für Edelsteine. Gr geht von einem vornehmen Hause zum andern, hängt närrischen Weibern seine Schmucksachen aus, bringt dadurch die verarmten Staaten vollends an den Bettelstab und vertut dann seinen Gewinn in gemeiner Verschlvendung und in Luxus. Ich glaube — obwohl man ihm sonst nichts glauben darf — daß er seine Erziehung zum Teil in England genossen; hat, dann aber mit Schimpf und Schande das Land hat verlasset: müssen. Er soll irgendwo zum Christentum übergetreten sein, gehört aber nach wie vor zu jener schlimmsten Gattung schlauer Betrüger, die, klug, reich und gewissenlos, vor keiner Schlechtigkeit zurückschrecken. Mit seinem englischen Firnis, dem hübschen Gesicht und grenzenloser Frechheit hat er schon viel erreicht." „So verhält es sich also mit diesem Ibrahim!" rief ich „Und die königlich persische Abstammung, ist nur eine Fabel?" „Natürlich, die sogar auf recht schwachen Fußen steht. Schon seit einiger Zeit habe ich ein wachsames Auge auf diesen Herrn. Alles, was er Ihnen über die Rani vorschwatzte, hatte nur den einen Zweck, die Wege für den Ankauf zu ebnen. Das hübsche Paar arbeitet nämlich unter einer Decke. Sie wünscht vie Perlen zu haben, er, sie zu verkaufen. Wenn ich also nicht wäre, könnte die Sache recht glatt verlaufen; ich bin der den beiden im Wege, stehende dräuende Löwe." „Ja, das sind Sie allerdings", stimmte ich ihm mit trübem Ernste bei. „Die Rani Sundaram hat also diese Unterredung ins Werk gesetzt, und da Sie nun einmal ihre Gesandtin sind, so sage ich Ihnen, daß meine Antwort „nein" heißt, nein, jetzt und immer." „Ich wußte natürlich wohl, daß sie so lauten würde, und sagte es ihr auch, aber sie wollte mir nicht glauben." „Es ist einfach Ehrensache, so zu handeln, wie ich es. tue. Mein Posten ist alles eher, als nach meinem Geschmack. Nachdem aber die Regierung diesen Jungen nun einmal meiner Obhut anvertraut hat, so muß ich seine Rechte auch nach besten Krüftei: wahrnehmeit. Wir Staatsbeamten haben hier in Indien ebenso gut unsere Schlachten zu schlagen wie die Soldatetk, und ich glaube, ich darf saget:, daß wir stets mutig der Gefahr die Stirne geboten und allen Bestechungsversuchen, so verlockend sie auch sein mochten, stolz und nachdrücklich widerstanden haben. Ich bleibe unerschütterlich fest auf der Seite meines Schützlings und werde ihn mit aller Macht, die mir zu Gebote teht, beschützen: seine Person, sein Land und sein armes, chwer bedrücktes Volk. Es ist meine Pflicht, dem jetzigen lnheil der Steuern Einhalt zu tun, Gerechtigkeit zu üben 275 Vermischtes diel * 1000 Mark für ein großes Preis-Ausschreibeni setzt der Verlag der „Deutschen Moden-Ztg." m Leipzig aus. Gegenstand des Wettbewerbes ist eine Handarbeit, em- schließlich kunstgewerblicher Handarbeit, und 'dabei zulässig sowohl die sclbsterdachte, selbst entworfene und selbst angefertigte Arbeit, wie die nach freigcwählter Vorlage. * Eine Professur für den „Flirt", das hecht also für die Wissenschaft, die sich mit der erhabenen Lehre befaßt, tote ein weibliches Wesen es anstellen muß, um den Mannern zu gefallen, ist unlängst an der Universität von Chicago gegründet worden. Die Nachricht ist nicht ein Aprilscherz, sondern ganz ernst zu nehmen. James Tufts ist zum Inhaber ' 'eses Lehrstuhles berufen worden, wenn man so sagen darf, ohne iß man allerdings weiß, welche erworbenen Kenntnisse und welche Won der AüMdsrfer Aus,Messung schreibt uns ein Gießener, der die Ausstellung besucht hat: Auf demselben überaus schön gelegenen Gelände der Gartenstadt Düsseldorf, auf dem vor zwei Jahren die glänzende Industrie- Ausstellung stattfand, ist nun die internationale Kunst- und Gartenbau-Ausstellung erstanden. Einzig in ihrer Art, der Glanzpunkt der Ausstellung, fmd die Orchideen. In dem imposanten Pavillon, gegenüber dem Kunstpalast haben die kostbarsten Pflauzenschätze aller, Herren Länder Unterkunft gefunden. Hier ist so ziemlich alles zufammen- getragen, was es in dieser Pflanzenfamilie an schonbluhenden Arten auf der Erde gibt. Neben den prachtvollen in Hunderten von Abarten vorhandenen Cattlegen sind es besonders die lieblichen Phalaenopsis und Laelien, die den Beschauer fesseln, daun die wunderbaren Odvntvglvssum, die reichblüheuden Dendsobten und Hunderte anderer schöner, bisweilen bizarrer Blüten. Ein Belgier zeigte eine Pflanze, für welche ihm von einem Liebhaber 10 000 Mark geboten worden ist, ein anderer Ausländer machte ans ein neues Odontvglossum aufmerksam, das einen Wert timt 200 000 Mark repräsentiert. Der Wert der gegenwärtig tu Düsseldorf ausgestellten Orchideen wird von Sachtierstanbigen auf weit über 2 Millionen Mark geschätzt. Der größere Teil und den Wohlstand dieses zu gründe gerichteten Landes i möglichst zu heben, bis der junge Raiah einmal die Zugel der Regierung in seine eigene Hand nimmt. Vorläufig I aber bin ich hier Herrscher und König." Ja, jeder Zoll ein König! — so sah er aus, dieser 5 hochgewachsene, breitschulterige Engländer mit dem ernsten, entschlossenen Gesicht und der natürlich-vornehmen Haltung^ Erregt ging er ein paarmal im Pavillon aus und | ti6' ,/Das Volk ha/mein Versprechen, das Versprechen der I britischen Regierung. Glauben Sie, daß ich deren Ehre I verpfänden werde, um die tvahntvitzige Eitelkeit emer alten | Jezabel zu befriedigen, und ein Land um einer Perlen- | schnür willen ins Verderben zu stürzen?" ,Das habe ich selbstverständlich niemals gedachü, antwortete ich. „Allein ich bin fest überzeugt, daß, weriu Sie sich ihrem Willen widersetzen, sie alle Anstrengung machen wird. Sie zu vergiften." „Gut, ich will es darauf ankommen lassen und, wenn es sein muß, auf meinem Posten sterben. Uebrigens wird sie es weder wagen- Sie zu vergiften, noch Ihnen auch nur ein Haar zu krümmen, denn sie weiß, daß der Arm der englischen Gerechtigkeit lang ist, und so maßlos und unberechenbar sie auch in ihren ehrgeizigen Planen ist, ! so glaube ich doch, daß ich den Ränken eines wilden alten Weibes gewachsen sein werde." , .. „Ich hoffe es von ganzem Herzen, aber man soll nicht prahlen, das bringt Unglück." , „Prahle ich? Nein, ich stelle nur eine Tatsache fest. Glaubt übrigens die Rani wirklich, sie könne mich durch eine Versuchung, und wäre sie auch noch so verlockend, bewegen, zwanzig Lakhs Rupien auf Kosten des hungernden Volkes zu verschwenden und das Leben unzähliger Men- schen auf mein Gewissen zu laden?" , „Ich weiß nur etwas von einer Drohung, worm aber liegt die Versuchung?" fragte ich erstaunt, da ich nicht wußte, was er meinte. c „ „Sie sind natürlich die letzte, die darauf kommen könnte. Wer die Rani und ich, wir sind nicht tm Zweifel darüber." , , , , , Ueberrascht sah ich ihn an, und langsam fuhr er fort: „Die Rani Sundaram hofft, daß Ihre Drohungen, Ihre Angst, Ihre Bitten, und — darf ich hinzufügen — Ihr Liebreiz mich zum Nachgeben veranlassen könnten." „Sie weiß aber doch, daß ich Sie niemals bitten wurde, Ihr Wort zu brechen", stammelte ich verwirrt. „Und niemals käme es mir in den Sinn, daß meine Person beim Walten der Gerechtigkeit irgendwie in die Wagschale fallen konnte." , t „ ... „Es wäre nicht das erstemal, daß persönliche Dinge den Ausschlag gäben", versetzte er trocken. Ich zitterte am gauzeii Körper und vermochte nur zu murmeln: „Ich bin überzeugt, daß Sie tun werden, was recht ist . . . daß Sie gar nicht anders handeln konnten. Ich. . . ich werde Ihre Antwort überbringen." Trotz aller Anstrengung, sie zurückzuhalten, stahlen sich zwei dicke Tränen aus meinen Augen und tropften auf mein Kleid herab. (Fortsetzung folgt.) daß man allerdings wein, welche erworbenen Kenntnige uno wenpe abgelegten Examina ihn für diese hohe Ehre und Stellung würdig erscheinen lassen. Auch ist man sich in den ®9)cagoet Universitatskreisen noch nicht darüber emtg, welchen Titel der neue Professor von Amts wegen führen soll. In seiner ersten, sehr zahlreich besuchten Vorlesung verbreitete sich, „Promwr Tufts über das Thema, daß die weibliche Koketterie eine ganz besondere und eigenartige Gymnastik darstellt, die gewisse, für das menschliche Leben sehr nützliche Fähigkeiten auf das herrlichste zur Entwicklung bringt. Man dürse aber nicht aniiehmen, so schloß der Vortragende, daß durch die Koketterie die Energie des Menschen zu sehr in Anspruch genommen und zu anderen geistigen Befähigungen unbrauchbar gemacht weroe. ^m Gegenteil! Durch die Koketterie werde gerade die höhere Intelligenz ganz bedeutend erweitert und vergrößert. — Glückliches Land, >vo über derartige Nichtigkeiten ernsthaft debattiert und ernstyaft von den Zeitungen Bericht erstattet wird! * Eine treffliche Lektion hat der Kätner von Oesterreich einem hohen Wiener städtifchen Beamten erteilen lassen, dem die Angelegenheit der Straßenpflege obliegt. Eines Tages erhielt dieser Herr die Einladung, sich mittels eines seiner harrenden Hvfwagens in das Kaiserliche Schloß nach Lamz zu begeben. Er wirft sich sofort in das sestlicye Gewand, steigt dann in den offenen Hofwagen, um auf dessen lautlosen Gummirädern dem Kaiserlichen Schloß entgegenzurollen. Von den schönsten Träumen beseelt, merkt der Glückliche garnicht, tote m bei; Nahe des Lainzer Schlosses der Trab der prachtvollen Pferde immer schlanker wird, die Straße, die seiner Obhut in oberster Estanz anvertraut ist, timt Pfützen und Löchern immer mehr erfüllt ist. Jetzt, im Angesicht des Lainzer Schlosses, greifen die kaiserlichen Pferde weit aus. Wie in toller Jagd setzen die Gummiradex des Wagens über die Pfützen, deren Inhalt hoch aufspritztuni» sich auf Pferde, Wagen, den Beamten und seinen Frack ergietzr Endlich halten die dampfenden Pferde vor dem Schlosse. Unehe noch der Herr den geringsten Versuch machen kann, die Argumente von der Lainzerstraße zu entfernen, steht schon lamelnd dec derzeitige erzherzogliche Hausherr von Lamz und Schwiegerfohs des Kaisers vor ihm. Zerknirscht stammelt der Unglückliche seine Entschuldigung für sein kotbespcitztes Aeußeres und oie Frage nach war aus Belgien und England. Was aber die deutschen Gartner geleistet haben, steht mindestens auf gleicher Höhe. Das war nicht immer so. An Preisen wurden außer dem Kaiserpreise, einer riesigen Prunkvase von Meißener Porzellan und dem Ehrenpreise des Kronprinzen, einem wertvollen Silbergegenstande m dieser einen Abteilung gegen 12 000 Mark in bar verteilt. —: In der Hauptausstellungshalle fesselt besonders eme Palmenlandschast von Winter in Bordighera, der 14 Waggons Palmen nach Düsseldorf von der Riviera gebracht hat. Ferner Gruppen blühender Agaven und Palmenlilien, em Orangenham, merkwürdige Kaktusgewächse und andere Vertreter der Flora des sonnigen Südens. In der anderen Abteilung, die im Hintergrund mit einer deutschen Gebirgslandschaft von packender Wirkung abschließt, breitet sich ein bunter Teppich blühender Azaleen und neuer winterharter Alpenrosen aus. Betäubender Tu t entströmt den Tausenden von Maiglöckchen, die eine Hamourger Firma in Form ein.r riesigen, fast mannshohen Kaiserkrone gebracht hat, und blühende Sträucher und Bäume umrahmen das Ganze, sodaß man sich in eine ideale Parklandschast versetzt wähnt. — In den zahlreichen Gewächshäusern, soweit sie nicht, wie die Wasserpflanzenhäuser, für die Dauer der Ausstellung bepflanzt sind, wetteifern die Gärtner von weit und breit mit ihren Erzeugnissen an Blumen und Pflanzen, wie ste die Jahreszeit und die Mode bringt. Hortensien und Geraniem Lilien nnd Amaryllis, Blatt- und Blütenpflanzen, füllen auch die übrigen Hatten und Zelte, während im Freien die Blumen- selder der holländischen Tulpeuzüchter^ und der bunte Fruhlmgs- slor der Erfurter und Quedlinburger Gärtner sich eben zu entfalten beginnt. Es grünt und blüht auf den weiten Rasenslachen, in den Stauden und Baumquartieren, im buntesten Farlenwechsel. Die steilen Böschungen am Rhein sind zum Teil von geschickten Händen in reizenden Alpenpflanzen- und Blumengartchen, mit Händen in reizende Alpenpflanzen- und Blumengartchen, mit Teichen, Bachläufen und bergt, geziert, verwandelt worben, steber- all heiteres Leben, Betätigung von Kunst- und Schonheitchmn. — 276 — den allerhöchsten Befehlen. Und freundlich sagt der Erzherzog zum Meister der Wiener Straßen: „Nichts von Bedeutung. Aber genau so sicht immer Se. Majestät aus, wenn er nach Lainz kommt." Daniit war die Audienz zu Ende. ($d), wenn doch auch anderswo eine solche Einladung erginge! D. Red. des „Gieß. Anz.") * Eine Götterspeise nannte einst Nero den Champignon, und seine Hofleute nahmen keinen Anstand, sich dies Gericht mit allereigensten Händen selber zu bereiten. Die römischen Legionen teilten den Geschmack an dem ebenso nahrhaften wie billigen Gerichte den Galliern mit und diese verliebten sich dermaßen in den Champignon, daß sie sich bei Annahme des Christentums zwar dazu bequemten, die heidnische Götterspeise in ein christliches Teufelsbrot umzutaufen, im übrigen aber bei ihrer Pilzschüssel verharrten. Als Nationalspeise ging daher der Champignon auch aus die Tafel Ludwig XVI. und damit in die europäische Küche über. Ihre größte Ausdehnung erlangte die Champignonzucht in den Jahren 1840—1845 durch den Baron Hoogvorst, der nächtlicherweile sogar in den Stiefeln guter Freunde Pilzkulturen anlegte. Das Hoogvorstsche Verfahren wurde später nachgeahmt und seine Ausführung ist wohl heute noch mit weniger Abänderung dieselbe, wie es unsere Spezialzüchter anwenden. Die Kultur dieses so beliebten Edelpilzes hat sich, besonders in den letzten Jahren, weite Kreise erobert. Nicht nur Gärtner und Gartenbesitzer zählen zu den Interessenten, sondern in vielen anderen Ständen finden sich Liebhaber, welche mit Erfolg die Anzucht Von Champignons betreiben. Der Grund hierfür ist wohl ganz besonders in der Külturart des Pilzes zu suchen. Der Champignon ist eines der eigenartigsten Kulturgewächse, seine Anzucht ist an keine Jahreszeit und au fast kein Klima gebunden, denn in unserer gemäßigten Zone läßt er sich in geeigneten Räumlichkeiten zu jeder Jahreszeit mit Erfolg züchten. * Im Fremdenbuch d e r „K r o n e" zu Aßmannshausen hat ein vergnügter Sanitätsrat die folgenden hübschen Verse verzeichnet: Hier pfeif' ach auf Brom und auf Antipirin, Auf Pulver, auf Pillen, auf Jod und Chinin, Hier endlich war ich ein Weiser Und reiche als köstliche Medizin Den roten „Aßmannshauser". Darunter aber dichtete aber ein anderer: Du alter Herr, Du weiser Rat, Dein Rat, der kam etwas zu spat: Gerettet wär' manch' Menschenleben, Wenn Du immer nur Aßmannshäuser gegeben. Der weinfrohe Sanitätsrat scheint über die Veröffentlichung seiner Verse ein. wenig verschnupft zu sein und Besorgnisse zu hegen, daß seine Kollegen ihn ketzerischer Ansichten bezichtigen könnten. So schickt er denn, um diese Gefahren zu beschwören, einem Berliner Blatte und seiner mecklenburgischen Heimat folgende poetische Entschuldigung seiner medizinischen Entgleisung: Na, schönen Dank, Herr Redakteur! Gottsdunner, dat is grote Ehr', Dat mien Rezept von Rotwienschlucken Sei gar in bei Papieren drucken. Äs groten Kierl stah' ick nu da Bon 'n Nurdpol bet na Afrika! Man gaud', mien Nam' steiht nich dabie, Süns kämen bei Süpers all' na mie Wat seggt denn unser Magistrat? Un legen duhn hier up bei ©trat — Ne, up ben Wien-Vers kümmi 'n Klex, In Mecklenborg gelt anber Lex! „Wat, Körling, Du hast Koppweihbag? O, Liesch, Dien Diern het ’t in be Maag? — Denn Eriggt hei fixing — Aspirin, Un sör bei Lütt' biss' Mebizin. Na, rohr man nich. Du fällst mal seihn, De Diern kümmt Webber in be Bein. Un morgen hol Di nochmal Pillen Un helpen bei nich, bann lat — stillen!"*) — H So, Herr, bat is 'n annern Snack; Dat mit ben Wien, bas is son Saak. „Ne Dokterstuw, bat is kein Kraug, Un be Apteiker stähnt all naug. An 'n Rhein kann man ’t mal anners Hollen, In Mecklenborg — bliwwt allens bin ollen! R. Sanitätsrat Dr. I. *) stillen besprechen. KesundHettspflege. (Hw) Die Pflege zahnenber Kinber. Die Vorstellung vieler Mütter, welche bas Zahnen ber Kinber als Ursache aller möglichen Krankheiten beschulbigen, ist ein fchier unausrottbarer Bestandteil medizinischen Ä b e r g l a u b e n s. Der Arzt muß dieses Vorurteil immer wieder zurückweisen; immerhin verdient es Beachtung, daß das Zahnen des Kindes eine eingreifende Veränderung in seinem ganzen Dasein hervorruft. Denn in derselben Zeit, in welcher das Kind zahnt, beginnt das Kind herumzukriechen, es beschmutzt sich seine Finger und steckt diese in den Mund, teils aus Gewohnheit, teils um den Zahnschmerz zu betäuben. Auch die Mütter sündigen in dieser Hinsicht; um das Kind zu beruhigen, schieben sie ihm alle möglichen Dinge in ben Mund: Lutschbeutel, Zahuringe usw. Dabei muß man sich erinnern, daß das Zahnfleisch während der Zahnperiode aufgelockert und die Mundhöhle entzündet ist, so daß immerhin dem Wuchern ansteckender Keime sich Tür und Tor öffnen. Sehr verkehrt ist es daher, wenn die Mütter die Milchflasche probieren, das Brot im Munde vorkauen, ehe sie es ihrem Liebling reichen. Sicherlich kann dadurch Schwindsucht übertragen werden, wenn man auch hierbei nicht so weit zu gehen braucht, wie es Dr. Westenhöser jüngst in der „Berliner Med. Gesellschaft" tat, als er seine Ansicht verteidigte, baß die Hauptüber tragungs- guelle der Schwindsucht der Mund des Kindes b e i m Z a h n e n sei. Immerhin verdient die Mahnung Beachtung, daß man die Milch nicht auf derselben Stelle auf ihre Warme probieren soll, die man nachher dem Kinde in den Mund gibt. Man soll den Kindern möglich st häufig die Hände waschen; Dinge, die auf den Boden gefallen sind, soll man ihnen gar nicht mehr geben oder erst nach gründlicher Reinigung. Gegenstände den Kindern in den Mund stecken, die das Zahnen erleichtern sollen, ist zwecklos. Literarisches. Die Germanisierung der Frauenkleidung betitelt sich eine im Verlag der Frauen-Ruudschau zu Berlin SW. erschienene Broschüre (50 Pf.) von Josephine Gratz. Diese Dame berichtet über eine Unterredung mit dem leider so früh dahingeschicdenen Künstler, Professor Dr. Otto Eckmann, dessen Ansicht dahin ging, daß wir erst bann eine vollkommene künstlerische Frauentracht haben werben, wenn sich ber Künstler einen geistigen Ueberblick sowohl über bie Technik unb Bearbeitung ber Frauenkleidung, als auch über das reiche Material, aus dem sich diese zusammensetzt, verschafft hat. Sie fordert, daß sich die neue Frauentracht durch edle und vornehme Einfachheit auszeichnet und weist aus die Wiener Toiletten hin, welche sich von der Ueppigkeit der französischen Mode frei gemacht haben. Schon Michel Angelo, sagt sie, hat unter wahrer Schönheit „die Reinigung von allem Ueberflüssigen" verstanden. Die lesenswerte Broschüre klingt in den beherzigenden Worten aus: Edle Einfachheit ist wahre Schönheit! — Richard Voß, der bekannte Dichter und Verfasser des Romans „Villa Falconicri", der bei den Lesern der „Gieß. Fa- milienbl." ungewöhnlich starken Anklang gefunden hat, veröffentlichte kürzlich einen neuen Roman aus einem deutschen Herrscherhaus unter dem Titel „Ein Köuigsdr ama" (1. Bd. 183 S., 2. Bd. 164 S. Engelhorn Allgem. Romanbibliothek, 20. Jahrg. Bd. 1 u. 2). Der Dichter versucht hier in der Seele eines wahnsinnigen Königs zu lesen. So ist der Roman die Geschichte.von dem Unheil und Leib geworden, das auch durch Königspaläste schleicht, von dem Marasmus, an dem ein ganzes Geschlecht krankt, und von der Selbstverblendung des Wahnsinnes, der sich allein über ihn erhaben glaubt. Zahlenphramide. (Nachdruck verboten). 1 Vokal. 2 1 Nahrungsmittel. 2 13 Naturprodukt. 2 4 1 3 Altgriechische Landschäft. 2 4 18 2 Weiblicher Vorname. 3 114 2 5 Handwerker. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rösselsprungs in vor, Nr. r Wir schmähn auf unser Glück, Weil wir stets mehr begehren, Des Andern Weinstock ist's Der gute Trauben trägt. Das Unglück aber, das Den Nachbar niederschlägt, Ist nichts, ist gar nicht wert, Sich drüber zu beschweren. Redaktion: Anaust ®6b. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scken Uinrersttätk-Vuck- und Cteindruckerei. R. Lauae, Gießen.