Montag den 8. August. 1804 ST IIP W 4 ■ Kill angenehmes Kröe. Humoristischer Roinan. Von Victor von Reisner. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Erlia, in allen Künsten, von denen sie eigentlich am „enigsten verstehen sollte, am sattelfestesten, erbot sich natürlich sofort dazu, und wenn nicht die Mama ein sehr energisches Veto dagegen eingelegt hätte, so würde sie es wohl vom Fleck weg ausgeführt haben. Schließlich benutzte Erich Len Bauer als Bock und schwang sich i'<> * dessen, Rücken hinweg in den Hof. Aber auch Mt dauerte es noch eure geraume Weile, ehe sie einfahren konnten, weil niemand den Schlüssel haben wollte, und da sich diefaer trotz allen Suchens und Nachfragens nicht finden ließ, fo blieb tatsächlich nichts übrig, als das Schloß zu sprengen. Außer Erna waren natürlich alle über diesan erneuten Zwischenfall empört. An Schlaf war nach dieser Aufregung nicht so bald zu denken, und so ließ man sich im Wohnzimmer nieder, um die Erlebnisse des wirklich ereignisvollen Tages Revue passieren zu lassen. J-rau von Höchstfeld, die in der Eile erst alle Schränke und Fächer untersucht hatte, ob sie nicht mittlerweile erbrochen worden seien, fragte endlich ihren Gatten, was er zu den: Pfarrer sage. „Ich werde aus ihm nicht recht klug", entgegnete dieser nach längerem Ueberlegen, „wenn nicht die verjmaledeite Geschichte zwischen uns stände, könnte er mir eigentlich ganz gut gefallen, . . ." „Aber, Erwin, ich begreife Dich! nicht", unterbrach sie ihn ganz entsetzt, „ein Geistlicher, der sich! so benimmt, wäre doch bei uns geradezu undenkbar! Hast Du denn gesehen — sogar getanzt hat er — getanzt!" . „Na, darin können wir nichts so schreckliches finden. Warum soll denn ein älterer Herr nicht auch, einmal ein Tänzchen wagen,?" meinte er, „ich habe es doch, gleichfalls getan." „Du — das ist doch auch etwas anderes — Du List ja kein Geistlicher." „Habe die Güte, liebe Eveline", bat er sie, „und fange nicht wieder mit Deinen Uebertreibungen an. Du weißt ganz gut, wie ich von ihm denke, versuche mich nicht erst noch mehr aufzureizen." „Habe ich denn je so etwas getan", wehrte sie, „das ist mir doch nie im Traume eingefallen." „Nun, dann verstehe ich nicht, was Du mit diesen Bemerkungen bezweckst! Tanzen ist doch schließlich keine Sünde — warum sollte also nicht auch ein Geistlicher,, und noch dazu im engeren Bekanntenkreis . . ." „Und das nennst Du einen engeren Kreis!" unterbrach sie ihn, die Hände vor Staunen zusammenschlagend. „Ich denke, daß da nahe an fünfzig Menschen herumtollten!" „Es war aber doch zu himmlisch", lispelte Erna in seliger Erinnerung. „Mit Dir werde ich morgen abrechnen", versprach iHv die Mutter, „Du hast Dich wieder in einer Weise benommen, daß es wohl am besten sein wird, Dich ins Pensionat zurüötzuschicken." „Aber, liebe Mama, ich habe doch nicht mehr getan als alle anderen. . ." „Schweig", rief die Mutter ernvört, „ich, will mich heute nicht noch mehr erregen, als ich es ohnehin schon bin. „O, mein Gott", stöhnte sie, „daß meine Nerven oas aushalten konnten, ist mir fast unbegreiflich." Herr von Höchstfeld legte chr beruhigend die Hände auf die Schulter. „Nun ja, liebe Eveline, daß Deine Nerven heute rebellierten ist freilich kein Wundep", meinte er, „indes . . „Heute?" unterbrach sie ihn gekränkt. „Willst Du damit vielleicht sagen, daß ich sonst keine Nerven habe?" „Ich wollte, ich! könnute es sagen", brummte er undeutlich in den Bart, worauf für eine Weile eine kleine Pause einttat. „Und welcher Ton und welche Anschauungen in dieser Gesellschaft herrschen", fing Frau von Höchstfeld von neuem an, „ich weiß wirklich nicht, ob wir das Kind überhaupt noch mitnehmen können!" „Na, weißt Du, Maina", meinte Erna schnippisch und ohne im Moment zu bedenken, wie viel sie schon auf dem Kerbholz hatte — „ich glaube, an so etwas gewöhnt man sich." Frau von Höchstfeld war einfach sprachlos —■, allerdings nur für einen Augenblick, denn alsbald ergoß sich, über Erna ihr ganzes Sündenregister. Der Major ging indes kopfschüttelnd auf und nieder^ endlich wurde es ihm doch zu viel, und er erinnerte seine Frau, daß sie sich ja diese Predigt für morgen Vorbehaltes hatte. Sie sah ihn daraufhin mit einem bitterbösen Blick an, schwieg aber: „Na ja, liebe Alte, Du bist heute ein wenig zu streng", suchte er sie zu besänftigen, „vergiß doch nicht, daß sie hier ein paar Jahrhunderte zurück sind. Unsere Ahnen werden sich auch in einem freien Ton unterhalten haben, das ist doch weiter nicht so schlimm —f mit den Wölfen muß man eben heulen." „Du und Dein Sohn, Ihr mögt heulen, ich und Erna nie!" entgegnete sie pikiert. Erna hatte die Schelte schon längst wieder abgeschüttelt und erklärte keck: „Was Erich kann, kann ich auch!" —. doch als sie Mamas streng verweisenden Blick auf sich ruhen fühlte, fand sie es doch für angezeigt, klein beizugeben, und sich 'zaghaft an die Mutter hersnschmeichelnd, sagte sie: „Es war 466 ja gar nicht so schlimm, wie Du Dir das vorsteklst. Tie besten Witze, ber welchen am allermeisten gelacht wurde, machten die jungen Herren auf Kroatisch — sie müssen freilich ein bißchen toll gewesen sein, da sie mir nicht einmal Vladoj übersetzen wollte." „Vladoj?" Was für ein Vladoj?!" inquirierte Frau von Höchstfeld streng, „ich erinnere mich nicht, daß mir ein Herr dieses Namens vorgestellt worden wäre." „Aber, Mama, das ist ja der Leutnant, der mir so stark den Hof — der mit mir so nett war", verbesserte sich 'Me Meine errötend, „er meinte auch. . ." „Es ist genug", schnitt ihr Frau von Höchstfeld das Wort ab, „übrigens, hieß der nicht Bi-bi-stra-ma?" Erna hätte am liebsten vor Vergnügen aufgekreischt, doch sie traute dem Frieden noch nicht recht und rief deshalb nur, in verstohlener Freude tnit den Füßen trampelnd: „Siehst Du, Du rannst seinen Namen auch nicht aussprechen! Denke nur, er heißt: Bi-e-li-ma-ri-no-vitsch! Und weil ich das nicht so leicht über die Zunge bringen konnte, so meinte er, ich solle ihn einfache bei seinem Taufnamen „Vladoj" rufen, ihm würde es nur Spaß machen. Findest Du das nicht komisch?" „Allerdings, sehr komisch!" entgegnete die Mama, jedes einzelne Wort scharf betonend, „noch komischer finde ich es aber, -dgß meine Tochter . . ." Durch Erichs Eintritt, der so lange im Stall geblieben war, um die richtige Wartung der Pferde zu überwachen, und nun mitteilte, daß es stark auf zwei Uhr gehe, wurde Mamas Serrnon unterbrochen. Erna atmete erleichtert auf. ,>Du bist wohl recht müde, liebe Mama?" fragte Erich teilnahmsvoll. Diese nickte. „Das kannst Du Dir wohl denken, mein Kind. Ich glaube, heute werden wir alle ungewiegt einschlafen." Erna konnte nicht anders — und wenn es ein Kopf- stück kostete, sie mußte laut aufiichern. „Nu, was hast, Du denn schon wieder?" fragte der Water. „Oh nichts", erklärte Erna schmunzelnd, „ich dachte nur, wie drollig es wäre, wenn Mama beim Schlafengehen noch gewiegt werden müßte!" „Ungezogenes Kind", schalt die Mama, obgleich sie innerlich selbst lächeln mußte, „nun rasch zu Bett, hoffentlich hast Du morgen einen artigeren Tag." „Du meinst heute, Mama, es ist doch schon längst Mitternacht," Frau von Höchstfeld seufzte. „Ach ja, das war ein schwerer Tag. Die vielen, wildfremden Menschen mit ihrer beunruhigenden Herzlichkeit, dann dieser Pfarrer, von dem man nicht weiß, ob er es gut, oder schlecht meint, dann Du, Erwin, und auch Erich, die Ihr Euch als Säufer produziertet. . ." „Na, höre einmal!" PJäwohl, als Säufer", beharrte sie, „ich werde noch Jähr und Tag daran zuriickdenken — an dieses Bi-bi-bar- bonikum." „Mlikum", verbesserte Erna lachend. „Nun, laßt es für heute genug sein", machte Herr von Höchstfeld der Unterhaltung ein Ende, griff nach, einem Leuchter — Erich und Erna folgten seinem Beispiel — und nach kaum einer halben Stunde lagen die zwei alten E — Erwin und Eveline, und die zwei jungen E Erich und .Erna — im festen, gesunden Schlaf. Nach Verlauf einer weiteren halben Stunde erwachte Herr von Höchstfeld durch grellen Feuerschein, der von den Wirtschaftsgebäuden her in das Schlafzimmer drang. Lautes Stimmengeivirr und immer erneut heranrollende Wagen schienen ein Unglück nur zu bestätigen. Er hatte das Nötigste angezogen, als auch schpn Erich anklopfte, um die Eltern möglichst schonend von dem ausgebrochenen Feuer zu unterrichten, Frau von Höchstfeld, an allen Gliedern zitternd, im Negligee und die Nachthaube auf dem Kopf, stürzte zur Tür hinaus. " „Ist das die Feuerwehr, die wir anfahren hörend" fragte sie bebend. . „Aber, Mama, hier gibt es doch gar keine Feuerwehr :; M3 werden wohl Dauern mit Wasserfässern, sein." Erich wollte davoneilen, aber der Vater hielt ihn noch Zurück. „Sorge Du dafür", schärfte er ihm ein, „daß falls oas Feuer herüberschlägt, unsere wichtigsten Sachen in Sicherheit gebrachst werden. _ „Mein Schmuck!" schxie Frau von Höchstfeld' entsetzt auf, und Erna, in Unterrock und Frisiermantel, flog nach ihrem Schlafzimmer zurück, um ihr — Tagebuch 'vor den gierigen Flammen zu retten. Der nächste Weg nach dem Hofe führte über die breite Treppe durch den Salon. Den Leuchter in der Hand, stürzte Erich voraus, der Major, gleichfalls mit einem Leuchter, hinterdrein, dann kam Mama Höchstfeld mit fliegenden Haubenbändern, und schließlich Erna, krampfhaft das Tagebuch an sich pressend und dabei immerzu gellend „Hilfe, Hilfe!" schreiend. Im Nu hatte Erich die Tür ausgesperrt. Mit einem Ruck stieß er sie weit auf, und mit einem zweiten blieb er wie angewurzelt auf der Bordschwelle stehen. „Was ist denn geschehen?" fragte die Mama, nahe am Weinen. Aber noch hatte sie nicht recht ausgesprochen- als ihnen schon vielmehrstimmiges Lachen und übermütige „Gute, Morgen!" entgegendröhnten. Die ganze Familie Höchstfeld stand wie versteinert da. Graf Stepenaz und der Pfarrer waren die ersten, die den Salon betraten. „Na, was sagen Sie dazu, ist das eine Ueberraschung?" wandte sich der Pfarrer vergnügt schmunzelnd an Frau von Höchstfeld. Diese sah ihn perplex an. „Wir dachten, es sei Feuer ausgebrochen", stotterte sie endlich, noch in voller Erregung. „Ach, was denn nicht noch, Feuer — das' sind ja unsere Fackeln", belehrte er sie. „Du großer Gott, und wir sind so schrecklich darüber erschrocken!" . ,,Das macht nichts, darin liegt ja eben der W! ", weinte er strahlend vor Vergnügen, „Sie werden erst nach und nach auf den richtigen Geschmack kommen." Hilflos sah sie um sich, da traf ihr Blick Erna, zu der sich bereits der „unaussprechliche" Leutnant gesellt hatte. Ohne auf den Pfarrer oder auf sonst jemanden zu achten, packte sie diese am Arm und zog sie im Eilschritt mit sich, aus dem Zimmer. „Schämst Du Dich denn nicht. Dich in einem solchen Auszug zu zeigen?" schalt sie dabei, „den beiden Jünglingen präsentierst Du Dich barfuß, und nun ziehst '$|ii Dich gar noch mehr aus!" „Aber, liebe Mama, was kann denil ich dafür?" wehrte sich Erna. ~ ' ' das ist stark, das ist geradezu schamlos!" rief diese empört. „Habe ich Dir vielleicht je solch ein Beispiel gegeben? Hast Du vielleicht je Deine Mama in derartiger Entkleidung vor fremden Leuten ... Wie darfst Du Dich unterfangen, noch zu lachen!" unterbrach sie sich. „Willst Du Deiner Taktlosigkeit am Ende noch gar . . .?" „Aber, liebe Mania, so sieh Dich doch nur selbst anl" ries Erna ausgelassen dazwischen. Verdutzt schaute Frau von Höchstfeld erst Erna, dann sich selbst an, „Herr, Du meine Giite", stöhnte sie auf, „ich bin ja wirklich ganz kopflos! Ist es denn aber auch ein Wunder? Erst d.ie schreckliche Angst, daß uns das Haus überm Kopf abbrennt und dann dieser rücksichtslose Ueberfall — das ist himmelschreiend!" Erna fand es eher himmlisch als himmelschreiend, aber sie hütete sich wohlweislich!, der Mama, die ohnehin schock genügend aufgeregt war, zu widersprechen, sondern schlupfte eilends nach ihrem Zimmer, um mit ihrer Toilette so schnell als möglich fertig zu werdest. Herr von Höchstfeld hatte mittlerweile entdeckt, daß Erich in Hemdärmeln' dastehe, und dieser hatte hinwieder den Vater auf dieselbe mangelhafte Bekleidung aufmerksam gemachst Obwohl sonst nicht so leicht aus dem' Gleichgewicht zu bringen, fühlte sich dieser als alter Militär doch nicht wenig vor den Damen geniert, und eine vollkommen unverständliche Entschuldigung stammelnd, verschwand er mit seinem Leuchter durch die rechte Tür und Erich ist demselben Augenblick mit dem seinen durch die linke. Die Gäste blieben im Finsterst. „Na, das muß ich sagen, dass ist ja ein recht netter Empfang", polterte Graf von Stepenaz, „diese Leute haben ja keinen Funken von Lebensart!" Der Pfarrer tqstete sich, deist Klang der Stimme sol- 467 gend, zu ihm hin und klopfte ihm beruhigend auf die Schulter. „Nur nicht gleich aus dem Häuschen, Hinko", sagte er gutmütig, „bedeute doch, daß sie keine Ahnung von unserem herzlichen Beisammenleben haben. Du mußt ihnen erst Zeit lassen, ihre sogenannte Kultur abzustreifen, dann werden sie sich schon anders geben. Einstweilen - sind sie eben noch zivilisierte Barbaren und verdienen als solche unsere volle Nachsicht." „Und um ihnen den Uebergang nit z'schmerzlich z'machen, wollen wir ihnen mit verdoppelter Liebenswürdigkeit entgegenkommen", schlug die Gräfin vor. (Fortsetzung folgt.) Om „glanzvolles" Kausframniverll. Wer wollte es leugnen, daß das schwierige Geschäft des Plättens der selbständigen Hausfrau schon manchen Seufzer, manchen Schweißtropfen, und es soll sogar schon Fälle gegeben haben .— manche Träne erpreßt hat. Die nicht ganz tadellos geplätteten Oberhemden sind gar oft die Quelle bittersten Verdrusses im Ehestand und in der Familie, denn es ist keine einfache ©tidje, das Platten, und manche arme Hand quält sich ihr ganzes Leben lang vergeblich, die Zufriedenheit von Gatten und Söhnen zu erringen. Nächst der Uebung kommt es so sehr auf Geschicklichkeit an und auf praktische Griffe, die wir incht kannten und die uns vorher nicht geahnte Vorteile und Erleichterungen schaffen. Wie man die Mühsal dieser wichtigen Hausarbeit in eine leichte, fast spielende Beschäftigung mit „glanzvollem" Erfolge ver- wandele, war der Fachlehrer I. Klaksbrunn aus Wien bemüht, in einem Vortrag, den er am vorigen Dienstag abend im Alhambrasaale hielt, seinen Zuhörerinnen und Zuschauerinnen verständlich zu machen. Wir haben bereits kurz den ersten Vortrag erwähnt, glauben aber unseren Leserinnen zu dienen, wenn wir eine möglichst ausführliche Inhaltsangabe, namentlich der praktischen Anleitungen und Winke des Vortragenden für diejenigen Hausfrauen hier wiedergeben, welche Herrn K. nicht zu hören Gelegenheit hatten. Das Bügeleisen, gleichviel welchen Systems, fei nur von mittlerer Schwere und habe abgeschliffene glattpolierte Kanten. Der Untersatz sei ein einfacher Eisenblechreifen, kein Ziegelstein, Flechtwerk oder Drahtgestell. Zum Einstärken von 6 Hentdcn, 6 Kragen und 6 Paar Manschetten nehme man 120 Gramm seine Reisstärke, 1 gestrichenen Teelöffel Albanin, 1 gestrichenen Teelöffel Borax (welch letzterer mit wenig Wasser aufkochen soll). Diese Ingredienzien werden mit SA Liter heißen: Wasser gemischt, und man durchweicht damit die Wäsche recht gründlich. Die Stärke muß die Stofffaser innig durchdringen, damit nicht beim Plätten die gefürchteten Blasen entstehen. Neue Wäsche erfordert mehrmaliges gründliches Reiben, bei alter genügt ein sanfteres Verfahren. Auch tut man gut, das Einstärken am Abend vor dem Plätten zu besorgen. Die Wäsche lasse man dann 2—3mal durch die Wringe gehen und reibe sie mit einem in Wasser getauchten Tuche güt ab. Die Plättunterlage soll wollig, aber fest gespannt sein. Mit Sorgfalt wird die Wäsche fadengrade gezogen und zuerst links, dann rechts geglättet. Beim Hemd nehme man das Bindchen zuerst vor, glätte es schön rund und stecke es mit einer Nadel zu. Dann stelle man das Eisen in die Mitte, ziehe das Chemisette gut nach unten glatt und plätte von der Mitte nach unten und nach oben und mit der Kante unter den: Bindchen fahrend hin, stoße es natürlich aber nicht um und glhre auf- und abfahrend mit dem Eisen fortwährend seitliche Bewegung .nach dem Rande des Chemisettes ans, bis die Fläche schön glatt unb trocken ist. Dann sehe man zu, daß „Knopfloch sich zu Knopfloch findet", stelle dies mit Nadeln fest, damit sich nichts verschiebe, und plätte in derselben Weise die andere Hälfte des Chemisettes. Um etwaige stumpfe Flecken zu ver- meioen, schiebe man ein Stück Pappdeckel unter das Wäschestück, befeuchte die Stelle mit feuchten Läppchen und bügle die stunrpfe Stelle weg. ,Die Knopflöcher durchstoße man, wenn sie ■. noch feucht sind, damit der Knopf später nicht die erhärtete Faser durchbreche. In derselben Weise wird mit der Behandlung von Kragen und Manschetten verfahren. Beim Glanzplätten oder Polieren der Stärkewäsche, welche Arbeit stets den Schlußeffekt der Plätterei bildet, mische man sich .ein halbes Glas Wasser mit einem gestrichenen Teelöffel Albanin, welche Flüssigkeit vollkommen für den Glanz und Schimmer einer Wäschemenge von 6 Ob crhe mdcn-C hemisettes, 6 Kragen und 6 Paar Manschetten ausreicht. Alsdann bestteiche man mittels eingetauchten Läppchens in gleichen Längsstrichen die geplätteten Stücke und glätte (auf .harter Unterlage) mit drei bis vier leichten, .flotten Strichen den Glanz herbei. Mit der Kante des Eisens geht man an den Nähten hin, damit dieselben hübsch plastisch hervortreten. Um Ziernähte längs der Mitte her Manschette hervorzuzaubern, .legt man ein Lineal unter dieselbe und plättet daran .entlang fahrend eine Kante heraus. Derselbe Handgriff von der anderen Seite ausgeführt, bringt eine runde, saubere Rille auf der Manschette hervor, die ihr ein völlig neues Ansehen verleiht. Beim Polieren des Chemisettes zieht Herr K. mit der Spitze des Eisens einen hübsch ovalen Kreis und punktiert auf der Rückseite des Chemisettes, längs der Kreislinie, mit einem brennscherenartigen Instrument, Stab- fchere möchte man es nennen, einen Perlenstab, setzt solche Perlcn- eindrücke auch rings um die Knopflöcher und hat damit den Eindruck des schönsten Stickereimusters auf dem glänzenden Chemisette hervorgerufen. Seiner geübten Hand gelang es sogar, mittels Linienführung mit der Kante des Plätteisens, in Verbindung mit den Perleneindrücken durch die kleine Stabschere hübsche Sezeffionsblumeumuster auf das Chemisette zu zeichnen, über dessen elegantes Aussehen selbst unsere schwerst zu befriedigenden Brüder und Gatten in rückhaltlosen Beifall ausbrechen werden. Zur Erleichterung der großen Wäsche, dieser Haupt- und Staatsaktion im Haushalt, empfiehlt Herr K. zum Einweichen von etwa 30 Stück Wäsche einen Eßlöffel voll Universal-Wasch- pulver als Zusatz für das Einweichwasser und in den Kessel zum Auskochen der Wäsche neben Seife und Soda wiederum einen Eßlöffel Universalwaschpulver. In den Kessel setze man einen vom Spengler gefertigten Zinkeinsatz, Hohlzylinder mit gießkannenartigem Kopfstück, um welches herum die auszukochcnde Wäsche gelegt wird und welches den Zweck hat, daß das siedende Wasser in ihm aussteigt und selbsttätig die kochende Wäsche von oben her bezieht, so daß jedes Umrühren oder Unterdrücken der Wäsche im Kessel unnötig wird. Beim Blauen der Wäsche empfiehlt Redner eine kleine Quantität Gummiarabicum mit in den Blaubeutel zu binden, was eine gleichmäßigere Verteilung des Blaues zur Folge hat. Ein vereinfachtes Waschverfahren für Vorhänge, ,welch.'s das mühsame Plätten und das ruinierende Spannen der Vorhänge übrig macht, erläutert Herr K. auf folgende Weise: !/s Eßlöffel Albanin, 1 Pfund Weizenstärke werden (für 6 Schals Gardinen) in 3 Liter Wasser gekocht und damit die fertig gewaschencii Gardinen gestärkt, durch die Wringe genommen oder in grobem Leinentuch ausgerungen und der Länge nach auf die Seine gehangen, .wobei man die Vorhänge sorglich gerade zieht und alle Bogen und Spitzen auszieht. Noch feucht werden sie von der Leine genommen und aiffgentacht, wobei sie noch nach Wunsch und Willkür gezogen werden können. Das Reinigen von Wollstoffkleidern geschieht ebenfalls auf leichte Weise dadurch, daß V2 Eßlöffel Universalwaschpulver in 3 Liter Wasser gekocht wird, ,und die Wollsachen mit der eingetauchten Bürste tüchtig bearbeitet werben. Alsdann reibt man mit einem in reines Wasser getauchten Leinenlappen nach. Gewaschene Herrenrockkragen ziehe man sorgfältig in die alte Form und hänge sie über die Stuhllehne. Leichte Damenkleider müssen überplättet werden. Krirrnerungen an Mismarrk. Im Cottaschen Verlage ist eine Schrift erschienen, die den früheren württcmbergischen Ministerpräsidenten Tr. Frhrn. von Mittnacht znm Verfasser hat und, obwohl pur .86 Seiten stark, eine Fülle für die Beurteilung Bismarcks als Menschen und Staatsmann wertvoller Mitteilungen enthält. Frhr. ,v. Mittnacht hat vierzig Jahre zu Bismarck in amtlicher und persönlicher Beziehung gestanden. Als württembergischer Minister vom April 1867 bis November 1900, als Mitglied des Zollparlaments, Bevollmächtigter zu bett Unterhandlungen in Versailles über die Gründung eines deutschen Bundes im Oftober und November 1870 und Über den Abschluß der Friedenspräliminarien mit Frankreich im Februar 1871, endlich als Mitglied des Bundesrats des Deutschen Reichs von seiner ersten Sitzung aut 20. Februar 1871 bis November 1900 hatte er vielfach Anlaß und Gelegenheit, mit Bismarck zu verkehren. Häufiger Gast in feinem Hause in Berlin und in Friedrichsruh besuchte er den Fürsten auch in Varzin, Kissiugen und Gastein. Nach Bismarcks Entlassung machte er int Mai 1890 einen Besuch in Friedrichsruh und int August 1893 einen weiteren in Kiffingcn. Tort sah er den Fürsten zum letzten Male. Nach dem Tode der Fürstin wechselten beide noch Briefe. Ein im Sommer 1898 auf den 6. August verabredeter .Besuch in Friedrichsruh 'ward durch die Erkrankung und den Tod les ■ Fürsten vereitelt. Diese engen Beziehungen des" Herrn v. Mittnacht zu Bismarck befähigen jenen und lassen ihn berufen erscheinen, ein Urteil liber die Persönlichkeit Bismarcks abzugeben, .das Beachtung verdient. Herr v. Mittnacht ist ein großer Bewunderer des ersten Kanzlers. Er sagt von ihm: „Wer das staatsmännischs Wirken Bismarcks zu verfolgen Gelegenheit und ihm auch außeramtlich persönlich näher zu treten den Vorzug hatte, kann ihm aufrichtige Bewunderung und warme persönliche Sympathie nicht versagen, .er hat in großer Zett einen Großen und Starken tn der Nähe gesehen." Daß .Bismarcks ganze Art dicht die eines zurückhaltenden, vorsichtigen, die Worte und Ausdrücke abwägenden, schweigsamen Diplomaten der alten Schule war, sondern daß er unter Wahrung der Form und Sprechweise des vornehmen Mannes offen, unumwunden und ohne Rücksicht auf Rang und Stellung der Person nach .seiner jeweiligen Stimmung sich auszusprechen und zu urteilen pflegte, ist bekannt. Ueber die Formen, in denen der persöw liche und der geschäftliche Verkehr zwischen dem Kanzler und 468 den übrigen Diplomaten in Berlin sich zu vollziehen pflegte, läßt sich der Verfasser der „Erinnerungen an Bismarck" wie folgt aus: „Den Ministern, insbesondere der größeren Einzelstaaten, deren Anwesenheit und persönliche Mitwirkung in Berlin in den ersten Zeiten des Reichsbestands häufiger war als später, kam Bismarck stets mit größter kollegialer Liebenswürdigkeit entgegen. Er sah sie häufig bei sich zu Tisch und pflegte dann nach der Tafel beim Kaffee über die aktuellen Tagesfragen und seine Auffassungen eingehend sich.ccuszufprechen. Dabei gaben die im Kreise umhersitzenden Gäste allerdings' hauptsächlich die Zuhörer ab, sie ge- waunen aber doch erwünichte Einblicke in die jeweilige politische Lage und die Wege, die der Reichskanzler einzuschlagen beabsichtigte. Sie hatten das Gefühl einer ihre Stellung im Bundesrat, in dem der Kanzler ja nicht häufig erschien, achtenden, informierenden, vertraulichen und häufig sehr offenen, wenn auch auf Bismarcks Seite autoritativen Aussprache, ,unb ihre gelegentlichen Bemerkungen und Bedenken in der betreffenden Angelegenheit wurden mit größter Höflichkeit entgegengenommen, wobei es sich nur empfahl, sie in einer dem Kanzler zusagenden Form und in Kürze vorzubringen. An diese Tischgespräche schlossen sich nicht selten die niemals vorher zu Papier gebrachten und ins' einzelne ausgearbeiteten, sondern der jeweiligen Situation im Parlament folgenden und des- halb so wirkungsvollen Reden des Kanzlers im Reichstag an, in einer Weise, daß, wer zuvor Gast des Fürsten war, ost im voraus bis auf Wort und Ausdruck wissen konnte, was nun folgen werde. ,Die Darlegungen vor den Ministern bildeten die vorbereitende Geistesarbeit für den Reichstag. Daß Bismarck, wo nicht tiefgewurzelte, eingeivöhnte, prinzipielle Ueoerzeugungen in Frage standen, an Meinungen und Maßnahmen nicht unabänderlich festhiell, was auch in einer mitunter wechselnden Beurteilung von Personen hervortrat, die er meist nach ihrer jeweiligen Brauchbarkeit für seine Pläne einschützte, ist bekannt. Sein Endziel hatte Bismarck unverrückt vor Augen. Darin schwankte er nicht. War die Zeit zur Verwirklichung noch nicht gekommen, so konnte er .warten. War es nicht sofort ganz und voll zu erreichen, so näherte er sich schrittweise. Erwies' sich ein Weg als'nicht gangbar, so schlug er einen anderen ein, und ging es mit diesen oder jenen Persönlichkeiten oder Parteien nicht vorwärts, so versuchte er es mit anderen. Er war, wie er schon oft genannt wurde, ein Realpolitiker von Grund aus. Ter geschäftliche Verkehr mit dem Kanzler war für Untergebene und wohl auch für Ministerkollegen kein leichter. Abgesehen von seinen Musigen Abwesenheiten von Berlin und seiner zeitweiligen Unnahbarkeit aus Gesundheitsrücksichten hatten ihn die unbestreitbare geistige Ueberlegenheit, die angeborene Selbständigkeit und Originalität seines Wesens, seine großartigen Erfolge, die unwandelbare Gunst seines Königs, die ihm gezollte Bewunderung und das Bewußtsein der Unentbehrlichkeit zu einer solchen Höhe erhoben, daß er weniger Rat und Mitarbeit als bereitwillige Folgeleistung suchte intb erwartete. Gewiß wußte auch er die besondere Sachkunde und Erfahrung anderer in einzelnen Zweigen und Ressorts zu schätzen und zu benützen und hatte auch wohl die Erfahrung gemacht, daß man mitunter bei solchen, denen man es gar nicht zugetraut hätte, überraschend richtige, aus neue Mittel und Wege hinweisende Gedanken trifft. Wo er aber den Anregungen und Vorschlägen anderer folgte, geschah es unter dem steten Vorbehalt, sie in voller Unabhängigkeit der Erwägung zu prüfen, zu modifizieren, umzugcstallen, nach Umständen wieder fallen zu lassen und im Falle des Mißerfolges wohl auch die Verantwortung von sich abzulehnen. „Daß Bismarck über die spezifische Art preußischer Geheim- und Ministerialräte, ihren Ressortpatriotismus und ihren Einfluß auf einzelne Chefs sarkastische Bemerkungen machte, war nicht leiten. Er schien mir auch, wenigstens seit ich ihn kannte (1868), Mm Mißtrauen geneigt zu sein und Intrigen, Konspirationen und Feindschaften auch da zu vermuten, wo sie in Wirklichkeit vielleicht nicht oder nicht in dem angenommenen Maße vorhanden waren. ,Tazu mögen unliebsame Erfahrungen mit früheren ver- sönlicyen und politischen Freunden, aus deren Genossenschaft er sich zu Überragerider Höhe emporgeschwungen hatte, auch seine Zurückgezogenheit aus dem größeren gesellschaftlichen Verkehr und Beschränkung auf einen kleinen Kreis von Personen, die er in leinein Hause sah, vielleicht auch Mißverständnisse und Zuträgereien beigetragen haben. . Auch! der weitblickende und kühl berechnende Staatsmann unterliegt mitunter Eindrücken und (Stimmungen des Augenblicks, und solchen gab Bismarck, der, von Natur temperamentvoll, stürmisch und stets kampfbereit, gern sich anssprach und in seinen Reden gehen ließ, unverblümten, do'chl aber als Produkt des Augenblicks aufzufassenden Ausdruck — vor Zuhörern, die nicht immer vorsichtig gewählt waren." ES ist gelegentlich das Wort von dem „Handlanger" des ersten Kapers gefallen. .Herr v. Mittuacht vernieidet, dieses Wort aus- zusprechen, untersucht aber die Frage, welchem von beiden Männern, dem Kaiser oder seinem Kanzler, der Ruhmestitel „Gründer des Reichs" genannt zu werden, gebührt. Ter Verfasser ent» und der wirft bei Vieser Gelegenheit ein treffliches Bild von dem gegenseitigen Verhältnis, in dem der Kaiser und Bismarck zu einander standen: Abstrichrätsel. Nachdruck verboten. - Abart, Bauch, Gast, Ostern, Baum, Kanone Heber, Meier, Gabel. Von jedem Wort ist ein Buchstabe zu streichen, so daß die stehen bleibeiiden Biichstaben wieder ein anderes Hauptwort bilden, während die abgestrichenen Buchstaben im Zusammenhang gelesen ein modernes Verkehrsmittel bezeichnen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rösselspriings in vor. Nr.: Nur allein der Mensch vermag das Unmögliche, Er unterscheidet, wählet und richtet, Er kämm dem Augenblick Dauer verleihn! Goethe. „Mit scharfen Waffen ist neuerdings unter deutschen Historikern ein Streit über die Frage ausgefochten worden: ioer als „der Begründer des Reichs" zu bezeichnen sei, Kaiser Wilhelm oder sein Kanzler Bismarck? Der regelmäßige Gebrauch jener Bezeichnung für den letzteren, während der Kaiser im Hinblick auf die erfochtenen großen Siege häufig.der „Heldenkaiser" genannt wird, mag eine gewisse Richtigstellung als an^ezeigt haben erscheinen lassen, obwohl ich glaube, daß die Berechtigung des Monarchen, in deren Namen und mit dessen Sanktion ja alles geschah, „Gründer des Reichs" genannt zu werden, ,als selbstverständlich "vorausgesetzt wurde. Es wäre aber unrichtig, bei dieser Berichtigung so weit zu gehen, daß das Mißverständnis entstehen könnte, als fei Bismarck mehr nicht gewesen als der.Vollstrecker längst durchgearbeiteter Gedanken, Ent- würfe und Pläne seines Herrn und ein Werkzeug) dessen ein übergeordneter, schöpferischer Geist sich bediente. Kaiser Wilhelm in _ seiner Ansprnchslosigkeit und Ritterlichkeit wäre der erste gewesen, .der gegen eine solche Verkleinerung seines Ratgebers Einspruch erhoben hätte, und daß Bismarck zu einer solchen der eigenen Initiative und schaffenden Kraft wenig Raum bietenden Stellung sich bequemt hätte, ist bei seinem Charakter ausgeschlossen. Es ist vollkommen wahr imd vielen aus der Seele gesprochen, was bei der Enthüllung des Kaiserdenkmals in Hamburg am 20. Juni 1903 gesagt wurde, daß ,,niemand sich dem Zauber der Persönlichkeit, der einfachen Bescheidenheit und der das Herz gewinnenden Liebenswürdigkeit des hohen Herrn entziehen konnte". Der Kaiser besaß aber auch große, nicht gewöhnliche Regenteneigenfchaften. Er hatte eine hohe Vorstellung von seinem Herrscherberufe, dem er sich mit äußerster Pflichttreue, .Gewissenhaftigkeit und Arbeitsamkeit widmete, er unterordnete sich keineswegs ohne weiteres den Ansichten und Vorschlägen- seiner Ratgeber, sondern mußte, bevor er sie genehmigte, von ihrer Richtigkeit und Zweckmäßigkeit überzeugt werden, er wußte nicht bloß hervorragende Männer als Berater um sich zu versammeln und Meinungsverschiedenheiten unter ihnen auszugleicheu, sondern er wahrte ihnen auch Treue und Dankbarkeit, gewährte ihnen auch in ungünstiger Zeit die Unterstützung, den festen Halt und die Autorität, welche sie zur Entfaltung einer gedeihlichen Wirksamkeit nötig hatten; in allen wichtigen Dingen hatte er die letzte Entscheidung, und seine Ratgeber konnte er nach Belieben wechseln. Somit war er in Wirklichkeit die oberste Spitze des Staates und .der Regierung und Zeigte auch das Selbstbewußtfein und die Würde des Herrschers. Schon die Tatsache, daß der Kaiser bis an sein Lebensende einen Minister ivie Bismarck ohne eine Regung von Eifersucht im Amte erhalten und.daß.letzterer über den Kaiser, so wie geschehen, sich ausgesprochen hat, indem er seinen starken und tapferen Geist, seinen klaren Verstand, sein Gerechtigkeitsgefühl, seine Furchtlosigkeit aus dem Wege der Pflicht und Ehre und seine königliche Vornehmheit rühmte, beweist .daß man einen Monarchen von ungewöhnlicher Begabung und .hoher Bedeutung vor sich hat. Mit vollem Recht kann derselbe Begründer des Reichs genannt werden, wie ja auch sonst große Erfolge in erster Linie denjenigen zugeschrieben werden, welche an der Spitze standen, wenngleich sie auch von anderen Unterstützung durch Rat und Tat erhielten. Die allgemeine Meinung und die Geschichtschreibung werden es sich nicht nehmen lassen, wenn auch dem Kaiser offiziell der Vortritt gebührt, auch Bismarck als Begründer des Reichs zu feiern, und diesen Ruhm ihm streitig.zu machen, ist ein vergebliches Bemühen. Tie richtige Antwort auf die oben gestellte Frage wird deshalb sein: Die Begründer des Reichs sind der große Kaiser und sein großer Kanzler. Statt, was ohnedem un- aussührbar ist, die .beiderseitigen Verdienste gegeneinander abzuwägen und hier dem Kaiser, dort dem Kanzler den Vorzug zu geben, sollte man zufrieden und dankbar sein, daß in entscheidender Zeit dem deutschen Volke zwei Männer beschieden waren, die in glücklichem Zusammenwirken getragen von den unvergleichlichen Leistungen eines .wohlorganisierten, wohlgeführten, tapferen Heeres und von der aufflammenden Begeisterung der Nation im Verein mit den deutschen Fürsten, Deutschland auf die Höhe gehoben haben, auf der es nach vollzogener Einigung jetzt steht." Redaktion: August.Goetz, Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießen.