1904 p v BTjTäyH MI kW GSJ Aus Ließe. Roman von M. t). Eschfttruth. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Jutta nahm diese Verkündigung regungslos auf; sie schien nicht einmal überrascht, vielleicht hatte sie etwas' dergleichen geahnt — und war während der Stille und Ruhe dieser Tage Mit all den widerstreitenden Empfiud- üngen in ihrer Seele zur Ruhe gefotttirrten, in sich selbst stiller geworden. „Nein, Harro braucht nicht daruw zu wissen", erKärte sie, als MaMa, die auf die Nachricht von der Erkrankung zu der Tochter geeilt war, eine diesbezügliche Mage stellte. Leise fügte sie dann noch etwas' hinzu, das Aber niemand verstand. Nur soviel ward klar, daß Jutta zu ihrem Millen hielt, und daß inan sie nicht mit anderen Meinungen behelligen durste, wozu auch weder Mama noch Hildegard jetzt eine Veranlassung wahrnahwen. Ilußer- Lem aber zeigte ,e§ sich bald, daß Jutta eine andere geworden wär. Sie sprach sich hierüber nicht aus, iw Gegenteil. Sie konnte jetzt ost stundenland dafitzen, schweigend, phne Wort, ohne ,Laut, die Augen geradeaus gerichtet, regungslos, als sei sie weit, weit allem, was um sie her porging, entrütkt. Nur eine kleine krause Falte, die ab' und git auf der feinen, weißen Stirn erschien, ein Zucken, das über die jetzt so blassen Züge lief, zeugten von dew Leben, das sich um so intensiver in dew Innern der jungen Frau abspielen Mochte, als sie sich nach, außen still verhielt, daß sie Aber etwas nachzudenken schien, das alb ihre Kräfte in Anspruch nahm. Tann aber auch, wieder konnte sie ein andermal mit sorgfältig achtsamem Blich gerade erst recht auf alles merken, Was ihre Umgebung und die Verhältnisse betraf. Mama wußte zu den Töchtern zurück, die Einladungen zu Rose Mariens Hochzeit waren bereits abgesandt. „Du aber bleibst bei mir?" bat die hilflose kleine Frau die Cousine. Und Sildegard, ob ihr auch eine schöne, unersetzliche Zeit für r Studium und zukünftiges Leben verloren gehen mußte, das hochherzige Mädchen fand nur die eine Ant'tvort dafür: >,So lange Du mich brauchst." So blieben die beiden zusammen und waren tvieder allein. Jetzt aber mit dem nun einmal geschärften Blick für ihre Umgebung begann die junge Frau mehr und mehr einzusehen, was Hildegard' um ihretwillen auf sich genommen hatte. Ein warmes Gefühl von Dank, zu dem sich 'ein leises Empfinden, wie Beschämung, gesellen Mochte, faßte in ihrem Herzen Wurzel. Nicht Müder erstaunte die kleine Frau ddnn, wie das jetzt Alles iw Haufe nur so aw Schnürchen ging. Die schönen; Möbel glänzten in gleichsaw erneuter Politur, die seidenen Farben leuchteten staub stet in wieder lichter Pracht. Alles hatte den rechten Matz, die rechte Zeit; das kostbare Silber, die feinen Gläser, das feine Porzellan) alles blinkte blitzes- Wank. Man äff gut und gesund, trotzdem die Krankheft eine Unsumme Geld gekostet hatte, mancherlei zu beschaffen, und Sophie — die Unersetzliche — entlassen war. „Du hast wohl einen Schatz gehoben, Garda?" fragte JUtta eines Tages, als sie merkte, daß Hildegard' trotz alledem ganz; vergnügt die Zahlen in dew Wirtschaftsbuch 'zusawwen> zählte, eine Operatton, an die sie nie ohne SchreeLn gedachst, die sie zuletzt aus leicht erklärlichen Gründen ganz unterlass en hatte. „Das weniger", erklärte darauf Hildegard „Ist auch nicht von nöten. Wir haben ja eine ganze Menge Geld." „Eine ganze Menge?" JNtta, die sich noch kaum um die Ausgaben gekümmert, schlug erstaunt die zierlichen' Händchen zusammen. „Wo denn her?" Und nun war es an Hildegard, zu erklären, daß Harra; doch vor seiner Abreise dafür Sorge getragen hatte, daß dis Zinsen seiner Kaution an Frau von Uran ausbezahlt wurden. „Hm —" Es war doch nett, daß er wenigstens, hierin sorgend an sie gedacht —■ doch JNtta mochte nicht daran denken. „Ein Butterbrot", meinte sie. „Nun, dann! aber ein ganz reichlich belegtes." — Hildegard lachte heiter auf. Jutta jedoch 'schüttelte das hübsche Köpfchen. „Nein, damit komwt man nicht weift, meinte sie bsttrübst „Es war zuweilen recht unangenehm, scheußlich", fuhr sie betrübter nach einer Weile fort. „Bis zuletzt dachten wir nicW mehr daran. .— Harro hatte ja dann auch'weist Geld'.", Die kleine Frau barg das Gesicht in den Händen. „Wer weiß, wenn wir mehr gehabt hätten", schluchzte sie. „Es war aber immer Ebbe." „Ja, einrichten will gelernt sein", tröstete Hildegard, die einzig nur an das dachte, was ihr hier für Jutta am Platze schien. „Und Du lernst es auch noch." „Ach nein." „Nun erst recht", erklärte dagegen; Hildegard schnell. „Denn ein Kind bedeutet eine Zukunft,, und Du hast die Zukunft vor Dir." „Wie gut Du bist, Garda", klang es unwillkürlich, lind wieder saß Jutta! weltentrückt da. Hildegard hatte währenddem ihre Wirjt» schastsrechnung beendet und eine Handarbeit ausgenommen. Ihre Gedanken mußten wohl einen guten Weg gehen, sie lächelte. ' ~ „Du bist glücklich, Garda?" fragte die junge Frau, als sie tweder nach, der Gefährtin sah. „Glücklich?!" Ein Schatten trat in Hildegards Züge. Die Täuschungen ihrer ersten Mädchenjahre stiegen auf vor ihrem Geist. — Sie gedachte ihres begonnenen Studiums, und vielleicht an anderes auch. Die großen grauen Augen, blickten dunkel. Tann endlich, fast unbewußt, als Schluß wahrscheinlich langjährigen und nicht ohne Schmerzen vollendeten Denkens) rang es sich über ihre Lippen': „Ob inan: gerade auf der Welt isst um glücklich zu sein.?!" „Aber Garda, warum denn sonst?" Und Garda senkte den Kopf: „Ich denke, um seine Kräfte zu regen, seine Anlagen zu entwickeln, um zu wirken iu,n6 zu schaffen. Denn Jutta", des Mäd- chens Ton klang weich, doch ernst, „auch das Glück, wie alles Gute und Schöne, selbst da, wo es aus den Wolken herein- gefallen zu sein scheint, läßt sich nicht einmal ohne Mühe behaupten." Die arme junge Frau, die wohl noch nie dergleichen im Zusammenhang vernommen, fuhr fast erschrocken 662 auf. „Ja, wirken und schaffen an dem Glück, allüberall", erklärte Hildegard noch einmal und mit sich selbst redend: „Aus Liebe." Jutta hatte Wohl nur dies Wort gehört und verstanden. „Aus Liebe — aus Liebe", wiederholte sie und ihre Lippen zuckten. — Merkwürdig, wie ihr Gatte vor noch nicht allzu langer Zeit, erklärte nun auch sie: „Und wir hatten einzig aus Liebe geheiratet." — Dann plötzlich bitter, zornig, grollend: „Ach, Garda. — Es ist nichts mit der Liebe." „Die Liebe ist alles", entgegnete Hildegard jedoch schnell und entschieden. Tann langsamer, wie ihre Gedanken während der Worte klärend: „Mit der Liebe scheint es mir jnst so zu gehen, wie mit dem Glück. Sie keimt in unseren Herzen, ohne daß wir es ahnen. — Sie ist da eines Tages, ohne daß wir uni ihr Kommen gewußt. Dann aber heißt es, sie hüten und pflegen, auf daß sie stark werde, groß und gut; sie hüten und pflegen, daß sie jeden Mißklang, jede Störung überwindet, in nie aussetzender Treue allen Forderungen gerecht wird, und mit immer lichterem Glanze das Leben erhellt — die ganze Welt umfängt." Wieder entstand eine Pause. Auch Hildegard sah, wie der Gegenwart entrückt, in eine blaue Ferne. „Garda", begann diesmal Jutta zuerst dem Augenblick wieder zuge- wandt; „Garda, ich werde ein Mädchen haben, ich weiß es ganz genau. Und, Garda, es soll werden wie Du." Ein wenig schrak Hildegard zusammen, sie zerdrückte eine Träne, die ihr in das Auge stieg. „Du sprichst ein großes Wort gelassen aus", scherzte sie dann. Jutta sollte heiter sein und heiter bleiben. „Wer weiß, ob das kleine Fräulein, vorausgesetzt, daß es ein Fräulein sei, also ob dieses kleine Fräulein damit zufrieden sein wird und nicht lieber blond und zart, harmlos und vergnügt, wie die Mutter, durchs Leben wandern möchte, statt als späte, späte Tante zu philosophieren." „Nein." Jutta sprang auf und legte liebevoll die Arme um der Cousine Nacken. „Nein, Garda, ich meine es im Ernst. Sie soll werden just so weise und so gut wie Du!" „Na, Töchter geraten gern nach der Mutter", lächelte Hildegard, doch ein ernsterer Ton klang dabei mit. Melleicht, daß Jutta ihn zu deuten gelernt hatte, denn: „Dann, Garda, will ich lernen von Dir", sagte sie einfach. Und von dem Tag an ging abermals eine Veränderung mit der jungen Frau vor. Sie gab sich Mühe, alle aufregenden, alle bitteren und quälenden Gedanken wie Erinnerungen beiseite zu lassen, ihr Wollen, ihre Persönlichkeit fiir ein Ziel zu sammeln. Sie wollte ruhig sein und gesund, damit ihr Kind gesund werden möchte. Sie wollte aber auch lernen, in allem zu Hause zu sein, damit sie ihrem Kinde sein konnte, was die Mutter sein soll, eine Leiterin und ein Beispiel in dem, was dem Menschen nötig ist ünd ihn beglückt. Und so begann die junge Frau, die das Leben bisher als ein tändelndes Spiel angesehen hatte, nunmehr Geist und Hände zu regen, mit regelmäßig ziel- büwußtem Fleiß und Ernst. Und die erste Handarbeit, die sie tadellos vollendet, war ein Hemdchen fiir den kleinen Weltbürger, oder — nafch- ihr — der kleinen Weltbürgerin in spe. Voll Liebe betrachtete die junge Frau den jede Frau entzückenden Gegenstand, das Werk ihrer Hände. In seliger Freude über sich selbst hob sich ihre Brust. Ebenso kam sie sich sehr groß vor, wenn sie am Herd stand, um in die Geheimnisse der Kochkunst zn dringen, damit sie dermaleinst ihrem Kinde eine'lSupPe bereiten könnte — wenn sie einen! Wäschezettel schrieb oder einen wirtschaftlichen Ueberschlag machte und gut damit abschloß. Es währte nicht lange, und Jutta fand dergleichen gar nicht so fatal. Im Gegenteil, sie- meinte jetzt sogar, eZ sei eine recht glückliche Ablenkung für allerlei liebel — und man fühle sich frei, himmlisch frei und unabhängig von allen bösen, tyrannischen Sophien. Zuletzt kam sie sogar dahinter, die Hausarbeit sei tote keine, gesund. Und auch in anderer Weise entwickelte sich JUtta als eine glückliche Schülerin Hildegards. Die beiden Damen lebten nicht einsam. Jutta sollte ja keine Nonne werden, sondern sich erst recht unter Leuten, in der Welt behaupten! lernen, war des hochherzigen, klugen Mädchens Wunsch. Dennoch blieb man ein gut Teil mehr zu Haus, sodaß die Geselligkeit jetzt mehr als eine angenehme Zerstreuung aber nicht als des Lebens Ziel gepflegt ward. So wärmte denn Hildegard ihre musikalische Fertigkeit wieder auf; die Cousinen MiUsizierten manch stilles Abendstündchen hindurch. Und wenil nun guch Jutta se-lbst- verstäudlich, namentlich jetzt, keine musikalischen Studien; machen konnte, so kam sie doch in Verständnis und Geschmack weit über den „Himmelblauen See", das „Edelweiß", die Walzer aus dem „Lustigen Krieg", der „Fledermaus" und der „Geisha" hinaus. Armer Harro, tote muß ich ihn damit gelangweilt haben, zuckte es ihr unwillkürlich manchmal durch den Sinn. Ach ja, sie würde später noch manches, überall noch nachholen müssen, das nahm sie sich vor. Ihr Kind aber, das sollte gleich einer ganz anderen Bildung aus jedem Gebiete teilhaftig werden, das setzte sich in der kleinen! Fratt fest, umsomehr, als sie sich selbst klar w-ard, tote unerfahren, ungeschult, ungenügend für alles, sie in die Ehe getreten war. Und sie wurde sich, darüber klarer, als ihr Gesichtskreis auch auf anderem Gebiete noch zu wachsen begann, was unter den veränderten Verhältnissen ziemlich- schnell von statten ging. Einmal hatten die Erlebnisse ihrer Ehe die arme kleine Frau um vieles ernster gestimmt tind verfloß ihr Leben ohne die Hast der verwirrenden Zerstrcuungen der großen Welt. Zum anderen aber auch war Hildegard, vorzugsweise mit dem den Frauen eigenen erzieherischen Talente begabt, hier besser am Platze, als ein lebenslustiger, lebensungeduldiger Offizier und feurig leidenschaftlicher Liebhaber. Hildegard verstand es gut, schlummernde Interessen zu Wecken, sozusagen verschüttete Anlagen wieder an den Tag zu fördern, ünd mit einem Geiste, der sich entwickeln will, zu ringen und zu arbeiten. So wurde manch eine Mußestunde, an denen das Leben der Frauen dieser Kreise so reich ist, zum Lesen guter! Bücher benutzt. Und das Leben selbst ward für Jutta eine Quelle immer neuer Interessen und wachsender Bildung, Dieser Wechsel von nützlicher Betätigung, anregender Erholung, eine stete Arbeit an sich selbst, bei welch allem Hildegard nirgend eine Ueberanstrengung, auch feilt etwa! träumeudes Grübeln duldete, vielmehr in rührender Sorge stets zur rechten Zeit mit einem Gang ins Freie oder einer anderen erheiternden Zerstreuung dazwischen trat, halsen Jutta ihren Kummer und ihr Leid um vieles ruhiger ertragen. Ja, sie halfen ihr auch über manche Unbequemlichkeit ihres Zustandes hinweg, die andere verwöhnte unix' unbeschäftigte Frauen zur Verzweiflung bringen. Wenn auch die seine Stirn nicht immer frei von jedem Schatten blieb, gar manchmal eine Träne in den sammetbraunen Augen perlte, int ganzen reifte Jutta an Gesundheit und an Kraft, wie das immer fein sollte, wenn die Fran einer Vollendung ihrer Bestimmung entgegengeht. Und als ihre Stunde kam, bewährte sie sich tapfer. ?lls dann das kleine Wesen seine erste Toilette bestanden hatte und der jungen Mutter in die Amte gelegt wurde, da war es wirklich ein Mädchen. Eitr Lächeln huschte über die wachsbleichen Züge der erschöpften fleinett Frau. Sie wollte utit dem Köpfchen nicken, aber das Köpfchert gehorchte noch nicht. So hobt und senkte sie die Wimpern zum Gruß. Galt es dem kleinen Geschöpfchen, galt es Hildegard. Tann tasteten dis zierlichen Hände über das Bündelchen Leben, das sie so beseligend wohltuend nahe dem Herzen empfand; Juttas Lippen bewegten sich leise. Hildegard meinte, sie habe den! Namen Harro verstanden. Da aber schon hatten sich die saurmetbraunen Augen geschlossen. Ruhig, vertrauensvoll ergeben in das Schicksal, wie ein Kind, lag die junge Mutter mit ihrem Kindchen da. Und nun hielt sich Jutta still, gehorsam still. Sie war lieb UNO sanft. Sie lächelte mit ihrem Kiitde, lächelte mit den anderen. Doch zuweilen auch erschien die kleine, krause Falte wieder auf der jetzt wachsfarbenen Stirn, zuckten die blassen Lippen, wandte die junge Fran, als wenn sie voll einer plötzlichen Müdigkeit überkommen wäre, den Kopfs gegen die Wand, fuhren die zierlichen Finger über die Augen, um eine Träne, welche die Wimpern feuchtete, fortzuwischen. Gewiß, sie hatte den Gatten verlassen, ihm geschrieben, sie komme nicht zurück. Wer ach — wenn er ihr nur ein Wort gegönnt hätte, sie würde alles verziehen, zu ihm gestanden haben, ihm gefolgt fein durch dick und dünn. Und wenn er sie nbch lieb gehabt hätte, — dann hätte er sich auch auf seine Liebe verlassen, hätte es' nicht über das Herz gebracht, so von ihr, seinem kleiiten, süßen Tinge, sortzngehett, ohne einen^ einzigen Versuch zur Versöhnung^ Nein, Harro -liebte sie nicht mehr — sie hatte es längst geahnt, gefürchtet — sie wußte es jetzt zu genau. Und so; war es ans zwischen ihnen — und ihr Kind blieb ihr allein^ Doch es tour so traurig, zu traurig, daß ihr Kind, ihr liebes' kleines, süßes, unschuldiges Kind keinen;Vater habeit sollte Ja, und im Grunde gehörte es diesem seinem Vater doch auch. 663 „Ich werde es mir überlegen", murmelte die junge Mutter in solchen Augenblicken leise, ganz leise, für sich. Es schien^ als ob sie in dem Gedanken eine leidlösende Beruhigung fände für etwaige Bedenken und Sorgen, die in ihr keimen mochten. (Fortsetzung folgt.) per Adler.») Von Elisabeth Gnauck-Kühne. Auf der breiten Talsohle, welche die Ostrach eilfertig durchströmt, liegt das freundliche Tors. Weiß schimmert feine breite Straße, weiß sind die steinernen Häuser, ziegelrot oder schieferblau die weit vorspringenden Dächer, .die Fensterläden aber leuchten srischgrün wie die saftigen Matten, welche das Dors umgeben. Auf diesen Matten unten im Tal hat das Gras gute Zeit, da wächst es wie von selbst, aber es ist auch rechts und links die Berge hinangeklettert, und das war ein saures Stück Arbeit. Erst lachten die grauen, grämlichen Felsenhäupter der Berge über das aufwärts strebende Gras. „Was für ein grünes Ge- krabbel ist denn das da unten?" rief der Iseler. „Es kitzelt auch meinen Fuß", gab die Axel zurück; „je kleiner, desto kecker!" Aber das Gras ließ sich nicht mehr irre machen. Lacht ihr nur zu, dachte es, wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ich weiß, was ich will, und mit kleinen Schritten kommt man am sichersten vorwärts. Es wuchs und wuchs, bis die Sache den Bergriesen über den Spaß ging und sie unwillig ihre Häupter schüttelten, daß Steingeröll niederging und dem Grase den Weg versperrte. Gleich kam auch das Moos herbei und sprach zum Grase: „Hier beginnt mein Reich, das Geröll will ich bekleiden, du hast die ganze Ebene für dich!" Aber wo das Geröll aufhört, kann auch das Moos nickst weiter, da ragen zerklüftete, unwirtliche Felsenwände empor, die kein grünes Kleid dulden wollen; stolz leiden sie nur dichte Wolkenschleier oder den königlichen Pnrpurmantel der Abmdröte, und ihr einziger Schmuck ist der goldene Sonnenschein. Tort oben horstete menschenfern ein Adler. Wenn der derbe Hauch der Morgenluft vor Tagesanbruch über sein Nest strich, schüttelte er sein braunes Gefieder, reckte die gewaltigen Schwingen und prüfte ihre Tragkraft, und wenn die Sonne aufging und die erwachende Erde ihr mit tausend Stimmen entgegenjauchzte, dann breitete er die Flügel aus, und kreiste in weitem Vogen über dem grünen Tal mit dem freundlichen Torfe. Erblickte er eine Beute, so schoß er wie der Blitz hinab, packte sie, und trug sie in sein Nest. So hauste der Adler, er wußte selbst nicht wie lange. Wenn der weiche, kühle Schnee durch die Luft wirbelte, oder wenn seine ausgebreiteten Schwingen einen dunkeln Schatten auf die weiße, schimmernde Tecke warfen, so wußte er, es war Winter. Im Frühling brauste der Tauwind, die Stare nnd die Schwalben kamen zurück, und das Gras sproßte lebensfroh hervor. Im Sommer waren Matten und Wälder grün, und Tag uttb' Nacht konnte er gedämpft in der Ferne das Geläut der Glocken auf der Alm hören; und im Herbst sah er, daß die jungen Gemsen und Rehe sich mutwillig tummelten, während die Kraniche in langen Zügen nach warmen Ländern fortzogen. Sein Leben blieb sich in diesem Wechsel immer gleich. Ta sah er eines Tages auf einer Matte in der Nähe des Torfes ein weißes Tierchen spielen, stieß hinab und brachte die leichte Beute in Sicherheit. Es war kein Hase und kein Kaninchen, kein Wiesel nnd kein Eichhörnchen, sondern ein zierliches weißes Kätzchen, das kläglich miaute. Ter Adler legte das klagende Tierchen vorsichtig in sein geräumiges Nest, wandte es hin und her nnd verspürte keine Lust, es zu töten. Beobachtend setzte er sich auf einen Felsenvorsprnng in der Nähe. Miczi war noch sehr jung nnd schien wenig Respekt vor dem Adler zu haben, in dessen Nest sie sich befand. Es dauerte nicht lange, da kroch sie darin umher, als fühlte sie sich zu Hause, und nahm von den Vorräten, was ihr schmeckte. Tann leckte sie sich mit dem roten Zünglein das Mäulchen ab, und putzte sich mit Wichtigkeit nnd Bedacht wie ein Jüngferchen, das tanzen will, — und als sie damit fertig war, stieg sie auf den Rand des Nestes nnd sah sich um. Ter Adler hatte ihr unverwandt zugesehen. Jetzt flog er zu ihr hin und sagte: „Wohin willst du? Ich lasse dich nicht fort." — Tas Kätzchen kroch zurück, machte einen Buckel, rieb sich an der Wand des Nestes und kauerte sich endlich zusammen. Ter Adler setzte sich auf den Rand des Nestes und beugte sich zu ihr hinab. Ta faßten zwei weiche Sammetpfötchen zutraulich seinen Kopf und krauten ihn, — und bald saß Miezi auf seinem Rücken, legte sich um seinen Hals, rieb sich an seinem Schnabel, kroch *) Entnommen mit Erlaubnis der Verlagsbuchhandlung G. A. v. Halem in Bremen aus dem soeben erschienenen Buche: „Goldene Früchte aus Märchenland", Märchen für jnng und alt, von Elisabeth Gnauck-Kühne. Tas mit 46 Illustrationen von Franz Stassen geschmückte Buch ist zum Preise von 2.80 Mark elegant kartoniert durch alle Buchhandlungen oder direkt vom Verlag zu beziehen. unter seinen Schwingen hindurch, krallte sich an seinen Rißen sest, kletterte wieder auf den Rücken und schnurrte leise vor Wohlbehagen. Ter Adler ließ sie gewähren. „Bist du zufrieden?" fragte er. — „Ja", schnurrte Miezi, „es ist lustig, mit einem Adler zu spielen!" — Am Abend schlief sie, dicht an ihn gekauert, ein. Dem Adler ward ganz eigen und träumerisch zu Mute. „Solange bin ich einsam gewesen", dachte er, „nun hege ich Plötzlich das weiße Kätzchen in meinem Horst; wie geht das zu?" Er saß lange still, um Miezi nicht zu stören; dann steckte er den Kopf unter den Flügel und schlief ebenfalls ein. So lebten die zwei ungleichen Freunde nun in einem Neste. Der Adler flog beim Morgengrauen weg, um Beute zu holen, und freute sich, wenn er, heimkommend, Miezi auf dem Nestrande hockend, fand. Wartete sie auf ihn? Er ließ ihr die besten Bissen und den besten Platz und glaubte, sie sei ganz zufrieden. Aber nach einiger Zeit fing Miezi an, übellaunig zu werden; sie miaute, wenn er kam, kraute nicht mehr seinen Kopf und war zu keinem Spiele aufgelegt. Tie Sammetpfötchen zeigten scharfe Krallen und statt des behaglichen Schnurrens ließ sie bei der geringsten Veranlassung ein böses Fauchen hören. Zuerst fand der Adler die Unarten des Kätzchens ergötzlich, dann verwunderte er sich über die große Bosheit in dem kleinen Tiere und endlich wurde er tief betrübt. Ernst und eindringlich sprach er zu Miezi: „Gefällt es dir denn nicht bei mir? Sieh dock, wie schön unser Leben ist! Wir wohnen hoch über den dunstigen Tälern der Menschen, wir trinken reine Luft und 6abeit_in lauter Licht. Meine Augen leuclsten wie die Sonne, mente Schwingen sind stark und können dich tragen. Komm mit mir, ich will dich im blauen Aether wiegen, ich zeige dir das unendliche Meer und den ewigen Schnee und die glühende Wüste, komm, meine Flügel sollen dich zur Sonne emportragen!" — Tas Kätzchen schwieg still und kauerte sich zusammen. . . Und wieder sprach der Adler: „Ist es nicht wunderbar, so hock über der Welt zu leben? Wenn in den Tälern noch Tunkelheit liegt, siehst du schon in der Ferne das Morgenrot, du siehst, woher das Licht kommt. Und wie gewaltig singt der Sturm hier oben, Ivo er frei ist! Packt dich nickst die Kraft dieses Liedes? In den Tälern kennt man die Freiheit nicht, da wohnen die Knechte und die Kleinen und die ewig Aengstlichen; sie alle würde der Schwindel packen, wenn sie hier oben horsten sollten. Ich aber kenne den Schwindel nickst, meine Schwingen sind stark und sie sollen dich zur Sonne tragen. Komm!" Aber das Kätzchen fing an zu miauen: „Was nützt mir das alles? Ich sterbe hier. Es ist düster und freudlos aus dieser Höhe, ich langweile mich, ja, und ich ftlrchte mich. Nicht einen einzigen Spielgefährten habe ich und keinen Kornboden, keine Milchkammer, keinen warmen Ofen. Was gibst du mir denn? Tie Wüste und das Eis mag ich nickst, und lieber als das Meer ist mir ein Topf mit Nahm. Wenn ich mit dir fliegen soll, schwindelt mir, ich habe keine Flügel. Ach, wäre ich doch wieder drunten im Tal!" Ter Adler fuhr zusammen, als habe ihn ein Pfeil getroffen, und kreischte einmal geUend auf; dann schlug er die Krallen in den Boden des Nestes und biß sich an dem Rande fest; mußte er sich halten, um Miezi nictst zu zerfleischen? Der Atem kam röchelnd und die Flügel zuckten. Endlich flog er weg und barg sich in eine dunkle Felsenspalte. Tort kroch er in den finstersten Winkel und schloß die Augen. Er achtete nicht auf Tag oder Nacht, auf Regen oder Sonnenschein: in sich versunken saß er wie leblos da, bis der nagende Hunger ihn weckte und hinaustrieb. Mühsam, denn sein Schmerz drückte ihn wie eine Zentnerlast, flog er zu dem Nest zurück, faßte Miezi und trug sie zu derMatte hinunter, wo er sie gefunden hatte. Kaum hatte er Miezi losgelassen, da eilte sie spornstreichs in das Gehöft, lief in das Haus und wieder heraus, schlüpfte in einen Stall, und war verschwunden. Ter Adler hatte sich auf einen Baum gesetzt, er konnte es nicht glauben, daß Miezi ohne Abfchied von ihnt gegangen sei; er kreiste über dem Gehöft, um sie noch einmal zu sehen. Ta krachte ein Schuß, — und mit gelähmtem Flügel sank der Adler in den Hof hinab und hockte mit verbissenem Schnterz auf einem Holzhaufen neben dem Stall, — „ein Adler! ein Wer!" rief der Bauer, der ihn getroffen hatte, und lockte mit diesem Ruf alle Hausbewohner herbei. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde, der L>epp habe einen Adler gefangen, und jung und alt strömte herzu, den stolzen Vogel zu sehen, der ihnen jetzt auf Gnade oder Ungnade preisgegeben war. Ter Sepp Jegte ihm Ring und Kette um den Fuß und fesselte ihn an den Holzstoß. Miezi hatte inzwischen auf dem Dache des Kornbodens gesessen und sich geputzt. Nachdem die Menschen sich verlaufen hatten, rief sie zu deut Freunde hinunter: „Habe ich's dir nicht immer gesagt, daß das Fliegen gefährlich sei? Aber du wolltest nicht hören. Tas hast du nun davon. Jetzt wirst du klug werden. Aber nimm die Sache nicht zu schwer, ich sauge Mäuse und bringe sie dir. Tu sollst einmal sehen, löte nett es ist, hier gefangen zu sein." Damit sprang sie zu ihm hinunter und legte ihm eine leckere Beute ihrer Mäusejagd vor. Er aß aber nicht, er sah das Kätzchen mit seinen durchdringenden Augen, die selbst die Sonne nicht blenden kann, voll an und in dem Blicke war etwas, das machte selbst das kleine Katzen- 664 gemüt stutzig. „Es tut mir leid!" sagte Miezi kleinlaut, ,-schmerzt dich der Flügel sehr?" — „Ich weiß nicht", antwortete der Adler, „der Schmerz rührt mich nicht, toemt ich nur fliegen könnte!" — „Ein Glück, daß dn's nicht kannst", rief Miezi; „ich hoffe, du gewöhnst es dir ab, ich habe nie fliegen können und verinifse es nicht. Tu inußt jetzt hier bleiben und wirst sehen, wie schnell du dich einlebst. Ich mag garnicht an die garstigen Felsenwände und die lautlose große Einsamkeit in der schwindelnden Höhe denken! Wenn dein Schmerz Vortiber ist, begleitest du mich auf den Kornboden und fängst selbst Mäuse, rind wenn du erst den Milchkeller siehst, willst du nicht wieder fort. Im Winter kauern wir dann zusammen in der warmen Stube, und im Sommer gehen wir zusammen in den hellen Mondscheinnächten spazieren, — auch aus den Tüchern, wenn du willst, denn dabei ist keine Gefahr!" Ter Adler saß still unter dem .Holzstoße, wo er nicht von dem stetig fallenden Regen, aber vor den Blicken der Menschen Schach gesucht hatte. Als er nicht antwortete, wurde Miezi böse und fauchte ihn an: „Denke nur nicht, daß du deine üble Laune auch hier an mir auslassen kannst, du undankbarer, aufgeblasener Gesell! Lange genug habe ich deine langweilige Gesellschaft ertragen müssen, jetzt will ich nichts mehr von dir wissen." Damit sprang sie erbost fort und beglückte mit ihren Gunstbezeigungen ein anderes Kätzchen, das zu allerlei Kurzweil aufgelegt war. Acht Tage lang regnete es, und acht Tage lang starrte der Adler vor sich hin, die Kette am Fuße. Am neunten Tage endlich schien die Sonne wieder; der Adler setzte sich auf den Holzstoß und wärmte sich den ganzen Tag über. Gegen Abend, als die untergehende Sonne die Häupter der Berge vergoldete, dachte er an seine Heimat und da packte ihn plötzlich ein namenloses Weh, er hob und senkte die Flügel — und sieh —: die verletzte Sehne war ausgeheilt und spannte sich wieder! Er konnte es nicht glauben und bewegte sie tvieder und immer wieder, aber es war kein Zweifel mehr, die Schwingen waren so stark wie früher. Als diese Gewißheit über den Adler kam, da kreischte er auf, daß Miezi hinter dem Ofen erschrocken zusammenfuhr; ein Ruck, — und die Kette lag anr Boden. Tie Haut am Fuß war bis auf den Knochen abgeschimden, aber mit kraftvollem Flügelschlage stieg der Adler majestätisch hinan, der sinkenden Sonne entgegen. In schwindelnder Höhe ließ er sich auf einer Felswand nieder, seine Augen brannten und er atmete schwer. Tief unter ihm lagen nun die Täler, wo die Menschen wohnen, er sah hinab und er sah hinauf in den unendlichen Himmel. In tiefem Rot glühten noch die Spitzen der Berge. Tann schwebte lautlos die milde Dämmerung vorüber, die Winde und Wälder schliefen ein und Feierabendstille breitete sich über die Welt. Ta ward auch der Adler still. Nur einmal hörte er ein seltsames Stöhnen und stutzte, — aber aus seiner eigenen Brust hatte sich der schluchzende Schmerzenslaut losgerungen, den sein Ohr vernommen, dann umsing ihn wieder die erhabene Ruhe der verschwiegenen Nacht. Regungslos saß er da, und sah den Him- mclsbogen dunkler und dunkler werden, und die hellen Sterne aufleuchten und langsam ihre Straßen ziehen, während die lau- liche Luft sein brennendes Auge kühlte. Ihm war, als habe er geträumt. „Ta bin ich wieder in meiner Heimat", sagte er, -sich Einsamer!" VerMidchLss. * Aus dem Lager der Ve getarier. Aus Paris wird der „Boss. Ztg." geschrieben: Mit dem ziemlich erfolgreichen Kampfe gegen den Weingeist geht nun auch die Bekämpfung der Meischnahrung Hand in Hand. In jeder größeren Tischgesellschaft findet sich jetzt stets ein Pflanzenesser, der nur Gemüse, Früchte und Brot ißt, nur Milch trinkt, und, wie er behauptet, sich dabei wohler besindet als früher. Tie Pariser essen angeblich zu viel Fleisch, jährlich 93 Kilo auf den Kopf — so lehrt der amtliche Ausweis. Es befinden sich darunter: 70,14 Kilo Rindfleisch, 11,5 Kilo Schweinefleisch, 12,2 Kilo Geflügel und Wildbret. Hierzu kommen noch 242 Eier, 15,9 Kilo Fische, 8,9 Kilo Butter, 1,4 Kilo Wurst. Ter Pariser ißt mehr als doppelt so viel Fleisch als der Durchschnitt für ganz Frankreich ausmacht. Tiefer Durchschnitt beträgt jetzt 38 Kilogramm, gegen 20 im Jahre 1852. Daß die Gesundheit, Lebensdauer und Arbeitsleistung nicht im selben Maßstab gestiegen sind, tvie die Fleischnahrnng, ivird als Argument von den Vegetariern ins Feld geführt. Freilich kann das ein Trugschluß sein; wer stellt fest, wieviel anderweitige schädliche 'Einflüsse dieses Ergebnis bewirken! Ter jetzige Krieg, heißt es, muß auch für die pflanzliche Nahrung zeugen. Tie kleinen, schwächlich aussehenden Japaner essen fast gar kein Fleisch, leben hauptsächlich von Reis und widerstehen den Anstrengungen, Leiden und Entbehrungen des jetzigen furchtbaren Krieges meist besser als die Russen. Dr. Lucas- Championnisre und andere Aerzte führen auch an, daß Nonnen, Strafgefangene und andere Personen, die nur ausnahmsweise Fleisch essen, vor einer Menge Krankheiten bewahrt bleiben, welche der übrigen Menschheit stark znsetzen. Magen und Nerven leiden angeblich durch starke Fleischnahrung, welche auch Gicht, Zipperlein und Gliederreißen verursacht. Bohnen, Linsen, Erbsen enthalten ebensoviel Stickstoff als Fleisch, Eier und Austern enthaltest den nötigen Phosphor, Spargel, Spinat und Sauerampfer, führen dem Körper das nötige Eisen zu. Uebrigens hat die Pslanzenesserei auch schon bedeutend auf den Markt gettnrft Bananen werden jetzt massenhaft einpefüljit, ebenso Kakao, Datteln und Feigen, letztere besonders rnt trockenen Zustande. Bananen werden als die nahrhafteste Frucht gepriesen, die vollständig! genügt, um dem Körper alle Stoffe zuzuführen, die er brauchte Nur schade, daß sie nicht bei uns wachsen. Ein deutscher Gelehrter behauptet, die gesamte Menschheit könnte von Bananen leben, wenn sie überall gepflanzt würden, wo sie fortkommen. * Zur Erleichterung des Gehens dient eine merk-, würdige Erfindung des französischen Arztes Tr. Breuillard, die eine große Wohltat für Fußgänger fein soll. In einem Buch „Etüde physiologique et msdicale sur la manche" führt Tr/ Breuillard aus, daß das Gehen, wenn es ein Vergnügen sein und einen möglichst großen Nutzen bringen soll, weniger ermüdend sein müßte, als es jetzt der Fall ist. Dr. Breuillard hat daher die „Calcanettes", eine Art Sprungfeder, erfunden, die der Form des Fußes angepaßt und in dem Stiefel am Hacken getragen wird. Ter Name ist hergeleitet von „calcaneum" (Fersenbein).- Tr. Breuillard hat sich dabei von dem Gedanken leiten lassen,- daß beim Tragen dieser sinnreichen Einrichtung das Fersenbein nicht einen so starken Stoß erleide, wie es ihn sonst jedesmal infolge des Körpergewichts erfahre, wenn der Fuß den Boden berührt. Tr. Breuillard behauptet, dieser ständig wiederkehrende Stoß sei füx das Nervensystem schwächlicher Personen sehr schädlich. * Der erste Damenschneider in P aris hieß Romberg und war als junger Schneidergeselle aus seiner Heimat unweit München nach Paris gekommen. Im Jahre 1730 erregte er Auffehen, indem er einen Wagen in Paris herumfahren ließ,- auf dem Fingerhut, Schere usw. zu einer Art Wappen zusammengestellt waren. Romberg hatte ungemein viel Glück, aber auch Geschmack, und verstand es ausgezeichnet, körperliche Mängel zu verbergen. Dadurch schlug er denn auch die Kleidermacherinnest aus dem Felde, erwarb sich schnell ein großes Vermögen, da er nicht 50 Jahre alt wurde und dennoch '50 000 Frcs. Rente hinterließ. Ein Beweis, daß auch schon damals die Pflege der Eitelkeit eine ergiebige Goldgrube war. * Ehemänner leben länger als Junggesellen.- Tiese Tatsache ist jetzt durch die Statistik festgestellt worden. Tanach beträgt die Sterblichkeit bei Junggesellen im Alter von 30 bis zu 45 Jahren 27 Prozent, während sie bei verheirateten Männern des gleichen Alters nur 18 Prozent ausmacht. Auf 41 Unverheiratete, die ein Alter von 40 Jahren erreichen, kommen in demselben Alter 78 Verheiratete. Noch augenfälliger ist der Unterschied bei Personen im vorgerückten Alter. Von 60 jährigen Männerir kommen auf 22 Junggesellen 48 Ehemänner.- Ein Alter von 70 Jahren erreichen 11 Junggesellen gegenüber 27 Verheirateten; bei 80 Jahren steht das Verhältnis so, daß auf 3 Junggesellen 9 Ehemänner kommen. * Um das Alter der Eier fest zustellen, genügt es, wie C. Schinke in der „Nerthns" mitteilt, 120 Gramm reines Kochsalz in 1 Liter Wasser aufzulösen und einige Eier hineinzulegen. Frische, 1—3 Tage alte Eier sinken bis auf den Boden des Gesäßes hinunter; Eier, die über 3—5 Tage alt sind, bleiben schwebend unter der Oberfläche des Wassers. Ragen die Eier Mit der Spitze zum Teil über das Wasser heraus, so besitzen sie bereits ein Alter von 8 Tagen, während Noch ältere Eier sich schwimmend über Wasser halten und vom Wasser nur halb bedeckt werden. Weue Wucher. Festschrift zum Gedächtnis Philipps des Großmütigen,- grafen von Hessen, geb. am 13. Nov. 1504. Hrsg, vom Verein für Hess. Geschichte und Landeskunde. (IV. 358 S. mit 1 Porträt und 1 Facsimile.) Kassel; Georg Tufayel. 6 Mk. Lauch er, Med.-Rat, Tr. Karl, Die Provinzielle in Obersalzbrunn in Schlesien. (44 S.) Ereslau; Graß, Barth u. Co. Blu menthal, Oskar, Ter tote Löwe. Drama in viep Auszügen. 5. Ausl. (122 S.) Berlin, F. Fontane u. C. 2 Mk.- Wildenbruch, Ernst v., Semiramis. Eine Erzählung.- (320 S.) Berlin, G. Grote. Kart, mit Goldschnitt. Wilde, Oskar, Tie Herzogin von Padua. Eine Tragödie aus dem 16. Fahrh. Deutsch von Max Meyerfeld (aus Gießen).- Autor. Uebers. (176 V.) Berlin, Egon Fleische! & Co. Logogriph. (Nachdruck verboten.) Liebliche Klänge verleihen mit „o" wir dem Streichinstrumente. Willst du picanten Genuß, sehe statt o nur ein „a". Auflösung in nächster Nunnner. Atiflösung des Rätsels in vor. Nr.r Saat, Salat. Redaktion: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schenUniversitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.