W04 Wontag de« 6. Juni. [w WL W Ij-INW W (Nachdruck verboten.) Ilrüßtingsstürme. Roman von Paul Oskar Höcker (Fortsetzung.) Erst am dritten Tag danach ließ er sich wieder auf Sakuthcn blicken. Dieter Lotz hatte schon mehrfach beunruhigt nach ihm gefragt. Es herrschte tüchtiges Schneegestöber draußen. Der Pelz, dessen Erbschaft Zupitza aus Collenbergs Nachlaß übernommen hatte, war vom Kragen an bis über die Brust mit einer dicken Eiskruste bedeckt- Auf der geheizten Diele entledigte er sich unter Tirsells Beistand seiner Ueberkleider- Auch sein Kneifer war dick beschlagen- In seinem kurzen Haar hingen kleine Eiskristalle, seine Gesichtsfarbe war blaurot. Etwas unsicher begrüßte ihn Franze. Aber Zupitza schien bet bester Laune — schien an den hitzigen Disput von neulich gar nicht mehr zu denken- „Sind wir wieder gute Freunde?" fragte sie ihn leise, indem sie ihn bittend ansah. „Es wird mir nichts anderes übrig bleiben", sagte er lachend, „denn heute bin ich auf Sie angewiesen-" „Brauchen Sie Pferde? Ist was mit dem Schlitten?" „Nein, es handelt sich nur um einen guten Rat- Aber der ist zuweilen teuer, wie Sie wissen - - . Na, Dieter, Ihr grimmer Tyrann, soll die Sache auch mit anhören." Er hatte sich das Gesicht und die erklammten Hände tüchtig gerieben, brachte aber noch immer eine Menge Eisluft mit sich herein. „Doktor, das muß ja eine ruppige Kälte draußen sein", sagte Dieter, leicht zusammenschauernd. „Und ich kampierte heute in meinem Schlitten zusammengerollt wie ein Igel, konnte kaum die Füße unterbringen." Er wies nach der Straße. „Da — überzeugen Sie sich selbst." Die Fensterscheiben waren dick zugefroren. Nur durch einen schmalen Rand an der oberen Leiste vermochte Franze Ausschau nach dem Schlitten zu halten- „Mein Himmel, da haben Sie sich ja eine halbe Haustür aufgeladen?" „Ja, es war wieder einmal eine Gewaltkur nötig": ä. la Doktor Eisenbart " Und nun erzählte er: beim Fischer Kemeneit herrschte Scharlach, die ganze Familie bis auf den Hausvater war erkrankt, und sie wohnten in einem einzigen, seit Wochen nicht gelüfteten Raume neben dem Stall- Das starrköpfige Fischervolk war nicht dazu zu bringen gewesen, daß es ein Fenster öffnete; kurz entschlossen, hatte er ihm daher vorgestern den oberen Teil der Haustür selbst ausgehängt. Als er heute wiederkam und ihn an der alten Stelle fand und die Luft natürlich ebenso stickig wie zuvor, hatte er ihn im Schlitten mitgenommen- Dieter amüsierte sich köstlich über diesen Streich. „Das hätte Collenberg doch nicht fertig gebracht", meinte er- „Nein, in solchen Fällen ließ er lieber fünf gerade sein." „Ja, aber was nun weiter?" fragte Zupitza ärgerlich, lachend- „Luft haben sie jetzt zur Not. Aber Kemeneit läßt mich doch unter keinen Umständen mehr ins Haus hinein." „Das kann schon passieren!" gab Lotz zu. „Diese kuri- schon Fischer find hartknochige Dickschädel, störrisch wie die alten Ackergäule. Mit denen muß man eben zu reden verstehen." „Und wenn ich mir auf Ihren Befehl auch schon 'ne russische Grammatik angeschafft habe — ja, zum Geier, Kurisch und Litauisch kann ich doch nicht auch noch büffeln!" Fränze hatte in wirklicher Bewegung den Bericht übe« die Notlage der Fischerfamilie gehört- Sie empfand ihn nach dem Gespräch, das sie neulich mit Zupitza geführt hatte, wie einen Vorwurf- „Soll ich Ihnen als Dolmetsch dienen, Doktor?" fragte sie impulsiv- Er sah sie fröhlich an- „Das wäre lieb von Ihnen, Frau Fränze. Sie retten Kemeneits vor dem Typhus — und helfen einem vielgeplagten Medizinmann aus der nichtswürdigsten Klemme, in der er je gesteckt hat." „Aha, nun kriegt er Angst", scherzte Lotz- „Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Raub, Entführung — es ist eine nette Speisekarte." Fränze sah nach der Uhr. „Haben Sie Zeit, Doktor, gleich noch einmal mit zurückzufahren." „Ich — gewiß- Es liegt heute sonst nichts mehr vor. Aber es ist heute ein tolles Wetter-" Auch Dieter sah sie besorgt an- „Meinetwegen wäre keine Sorge", sagte sie- „Bloß, daß ich Dich dann so lange allein lassen müßte, Bär!" „Ja, amüsant wird's hier ja freilich nicht sein", erwiderte er unter einem trüben Lächeln- „Aber vielleicht kann Stojentin abkommen. Dann muß eben vor der äußersten Trübsal eine Partie Schach retten." Eine Viertelstunde später saß Fränze neben dem Doktor im Schlitten. Er packte sie warm in die Kniedecke ein und schlug ihr den Pelzkragen hoch, sodaß nicht viel mehr als ihre lichtblauen Augen und die Nase heraussahen. Eisig pfiff ihnen der Ostwind ins Gesicht- Die Augen tränten bald, die Haut spannte sich, daß es schmerzte- Jm Krug von Sangallen, der am Wege lag, hielten sie ganz steif gefroren eine kleine Einkehr- Zupitza überredete sie, einen Glühwein mitzutrinken, den die Wirtin vorzüglich! bereitete. Fränze taute dabei mehr und mehr auf, unterhielt sich lebhaft auf Litauisch mit der Nichte der Mrtin, schließlich ward sie mit dem jungen Ding Handelseins: sie sollte bei Kemeneits so lange die Wirtschaft führen, bis die Hausfrau wieder aus dem Bett heraus konnte. Zupitza freute sich darüber, daß sie gleich- so praktisch — 330 — gutes Frauchen, erbarmen Sie sich, wie soll man werden, wenn der Herr Doktor die ganze schöne „O gesund Würme hiuauslüßt?" .Zunächst ist die Hauptsache Luft und Wasser, zum zugriff. „Aber in puncto Bett muß ich einen Irrtum berichtigen, Frau Franze- Betten gibt es bei Kemeneits nicht- Nur Stroh und Lumpen." Fränzes Erwartungen schraubten sich bei seiner Darstellung auf der Weiterfahrt immer tiefer- Aber fo klägliche Zustände, wie sie hernach zu sehen bekam, hatte sie doch nicht für inöglich gehalten. Die Luft in dem elenden Raume war so schlecht, daß sie fast eine Uebelkeit ankam. „Hier, Frau Kollega, rasch ein paar Züge", sagte Zu- pitza, indem er ihr sein Zigarrenetui hinhielt- Es war das tiefe weibliche Mitempfinden, das sich schließlich über alles hinwegsetzte. Erstaunlich war's, wie sie den langsamen, schwerfälligen Fischer in Trab zu bringen wußte. Zuerst mußte er den anstoßenden Stall, der zwei Ziegen, ein Schwein und eine Anzahl Hühner beherbergte, reinigen und aufscheuern, damit man während der durchgreifenden Säuberung des Wohnraumes die Kranken dort vorläufig unterbringen konnte. Als die Aushilfe aus dem Krug von Sangallen eintraf, fand sie die Herrin von Sakuthen mit nufgeschürztem Kleide und zurückgestreiften Aermeln in voller Tätigkeit am Herd- Die Fischersfrau wagte nichts zu sagen, aber inan sah es ihren ängstlich flehenden Augen an, daß sie noch immer glaubte, es handle sich um einen feindlichen Ueberfall. Während Fränze flott wirtschaftete, die Sangalleriu anwies, nnd da und dort auch den Doktor anstellte, suchte sie die Hausfrau über ihre friedfertigen Absichten aufzuklären. Frost — um durch persönliches Vorstellen auf dem Land- ratsamt oder im Kreiskrankenhaus hier eine Hilfe durchzusetzen, dort eine Härte abzuwenden. In diesen arbeitsreichen Winterwochen lernte Zupitza den großen Reichtum ihres Gemüts erst recht kennen- Sie sahen einander fast täglich- Ermöglichte es seine Tour, so holte er sie im Schlitten ab, oder er traf mit ihr in dem oder jenem Fischerhause zusammen nnd brachte sie dann heim- Jede freie Stunde widmete er seiner Freundin- Am Stammtisch erschien er daher immer seltener. Die Anspielungen über seine „dicke F-reundschaft" mit den Sakuthanern blieben natürlich nicht aus- Herr von Gamering meinte einmal: „Es ist doch eine fatale Situation für das arme Luder, den Dieter- Stellen Sie sich einmal vor, meine Herren, Sie sitzen daheim, können beim besten Willen nicht aus der Bude 'raus, und Ihr verdammt appetitliches Frauchen karriolt da immerzu mit 'nem fremden -jungen Herrn in der Weltgeschichte herum- Das ist doch hanebüchen. Finden Sie nicht auch?" Der Amtsrichter verteidigte zwar seinen Freund — aber doch ausfallend lauwarm- Man besprach den Fall immer wieder, man debattierte, stellte Normen für die Moral im allgemeinen und im besonderen auf, man kam ins Klatschen- Mit Lotz selbst zu sprechen, das erschien den meisten bedenklich. Als Kranker verdiente er doch Rücksicht, eine Aufregung konnte ihm schaden- Bei Frau Fränze wollte sich aber keiner den Mund verbrennen- Der Rittmeister schon gar nicht- -Es könnte am -Ende wie Eifersucht aussehen, meinte er- So blieb alles beim alten- Nur, daß das lüsternlistige Schmunzeln am Stammtisch immer deutlicher ward, wenn jemand das „dreieckige Verhältnis auf Sakuthen" aufs Tapet brachte- Jnzwischen erlebten die drei Menschen, mit denen man, sich im „Löwen" so eingehend beschäftigte, eine große Zeit, die reich an erschütternden, aber auch erhebenden Momenten war. Für Zupitza war es etwas ganz Wunderbares. Seit seiner frühen Jugend war er ein Einsamer gewesen. Wie sehr ihm die Mitteilung gefehlt hatte, das empfand er erst jetzt- Der rege Gedankenaustausch mit Frau Fränze, diesem besonderen, großen Menschen, machte ihn von Tag zu Tag freier, zuversichtlicher, selbstbewußter und heiterer; der innige Freundschaftsverkehr mit ihr weckte geradezu etwas Sonniges in ihm- Aber Fränzes Mitarbeiterschaft fand eines Tages eine jähe Störung. Eine Depesche meldete aus Insterburg, daß Klein-Sascha hohes Fieber hatte, und der Arzt fürchtete, es' würde sich eine Infektionskrankheit daraus entwickeln- Scharlach grassierte diesen Winter in der ganzen Gegend und es trat recht schwer auf- Also fuhr Fränze mit dem nächst erreichbaren Zug zu dem kleinen Patienten- „Nehmen Sie sich meines armen Dieter an", schrieb sie in dem Billet, das sie für den noch auf seiner Tour befindlichen Freund zurückließ- „Wenn es nichts Gefährliches ist, so bin ich übermorgen wieder in Sakuthen-" Aber es war eine schwere Täuschung- (Fortsetzung folgt.) Mkder aus dem Lande der ausgehenden Sonne. Von Dr. L u d iv i g Rieß. Nachdruck verboten. VII. (Schluß der Serie.) Ein Tag in einer japanischen Häuslichkeit. Früh aufstehen ist die Regel in jedem japanischen Haushalt im Sommer und Winter. Nur die kleinen Kinder überläßt man dem ihnen fo nötigen Schlaf noch etwas länger, wenn das donnerartige Geräusch des Beiseiteschiebens der Holztüren, die rings uM die Veranda auf allen Seiten des Hauses Nachtluft und Regen abgewehrt haben, sie nicht von selbst munter macht. Der jüngste Schößling, der zwischen Vater und Mutter die Nacht verschlafen hat, wird von der Mutter, ohne sich stören zu lassen, auf den Arm genommen und in einer Ecke auf einem für ihn hingebreiteten kleinen Lager seiner Schlafsucht überlassen; ein kleines mit Gaze überspanntes Bambusgestell hält ihm die Fliegen und den Morgenwind ab, sodaß sich niemand um ihn zu kümmern braucht, bis er sich selbst durch Schreien bemerkbar macht. Für alle übrigen Familienmitglieder und für die Mägde in einem abseits gelegenen engen Gemach besorgt die Großmutter das Wecken, sobald die kleine amerikanische Weckuhr neben zhr das Zeichen gibt oder sie selbst Schockschwerebrett!" polterte Zupitza- „Erbarmen Sie sich! Wasser!" stöhnte die Fischers- frau. Entsetzt beobachtete sie die seltsamen Vorbereitungen, Die der Arzt in Gemeinschaft mit den fremden Frauen traf- Zupitza hatte einen Zuber mit warmem Wafser gefüllt- Es sollten zunächst die beiden Kleinsten gebadet wcrden- „Ach, liebstes, bestes Frauchen", flehte Frau Kemeneit, „wo wird man denn Wasser an die Kinderchen bringen, wo sie so krank sind! Achott, achott!" Auch die kleinen Patienten selbst stimmten ein Wehegeschrei an- Kemeneit blickte finster und feindselig drein. „Aber womit abtrocknen?" fragte Fränze plötzlich, nachdem sie überall herumgesucht und festgestellt hatte, daß die Familie nur ein einziges Handtuch in fragwürdiger Verfassung besaß- „Und Leibwäsche und Bettzeug ist auch nicht da! — Liebster Freund", wendete sie sich an Zn- pitza, „tun Sie mir die Liebe an und fahren Sie schleunigst zu Dieter zurück- Sagen Sie ihm, wie alles hier steht- Malchen weiß, wo die ausrangierte Wäsche liegt- Aus dem Boden stehen auch ein paar eiserne Bettstellen, die wir nicht brauchen - . ." Zupitza sah vergnügt, wie sie so voller Geschäftigkeit und Sorge für die struppige Gesellschaft war, von deren armseliger Existenz sie vor ein paar Stunden noch gar nichts gewußt hatte- „Ratürlich tu' ich alles, was Sie befehlen, Frau Frünze- Mer nur unter einer Bedingung-" „Ja?" fragte sie, etwas verwirrt von seinem eigen» tümlichen Ausdruck. „Daß ich zu Ihnen Prachtkerl sagen darf!" Es waren ein paar aufregende Stnnden, Zupitza war mit den Ergebnissen dieser Ausfahrt aber vollauf zufrieden- * Mit diesem Tage begann ein ganz neues Leben für Frau Fränze- Zupitza schien endlich den rechten Weg gefunden zu haben, aus dem sie wieder in Verbindung mit der Außenwelten bringen war- Mit einer wahren Passion opferte sie fortan — Temperamentsmensch der sie war — ihre ganze Freiheit dem guten Merk- Nach Tisch, wenn Dieter ruhte und das Bureau geschlossen war, kam sie gut für ein, zwei Stunden ab- Und es blieb nicht bei dem einen s^all, in dem sie mit jhrer werktätigen Hilfe als praktische Hausfrau dem Doktor beisprang- Sie scheute auch die weite, ermüdende Fahrt nach Utzditten nicht — trotz Schneegestöber und starrem — 331 - beim matten Licht der neben ihrem Lager ausgestellten Nachtlampe gesehen hat, daß die Zeiger bis zu der der Jahreszeit angemessenen Aufstehstunde vorgerückt sind. Daß es lange dauert, ehe die jungen Menschen Anruf und Rütteln bemerken und sich den Schlas aus den Augen gerieben haben, weiß sie aus Erfahrung und läßt sie gerne gelten. Weniger zufrieden ist sie mit ihrer Schwiegertochter, die sich erst noch liegend dem am Kopfende des Lagers harrenden Tabaksgerät zuwendct und ein paar winzige Füllungen des Morgenpfeischens mit sichtlichem Behagen durch Mund und Nase verpasst, ehe sie schnell aufspringt und in die Tagesordnung eintritt. Daß sie selbst früher, ehe das leidige Asthma sie zu plagen begann, sich ebenfalls diesem von den Japanerinnen so hochgeschätzten Rauchgenusse bei nüchternem Magen hinzugeben pflegte, hat sie beinahe ganz vergessen; jedenfalls gilt ihr dieses sich jeden Morgen wiederholende Bild einer jungen Frau, die in der Zeit, wo sich die meiste Arbeit zusammendrängt, zwei bis drei Minuten mit Rauchblasen vergeudet, als einer der vielen Beweise dafür, daß die Menschen immer schlechter werden. Das Lösen des grünen Moskitonetzes, das fast das ganze Zimmer füllt und die ganze Familie in seinem Schutz barg, das Zusammenlegen der Steppdecken und der Kopfkissen aus Holz und Sammet und das Fortpacken von beiden in den Wandschränken {unter den Schiebetüren mit goldbetupften Tapeten geschieht in chleunigem Tempo, da zwei Mägde, die Hausfrau, das älteste Fräuleiu uud die Großmutter wetteiferud Hand anlegen. Die männlichen Familienmitglieder, die gewaschen und gekämmt mit ihren Zahnbürstenkästen aus dem Badezimmer zurückkehren, das allen Hausbewohnern als Waschgelegenheit dient, finden schon die Matten frei, die kleinen Tischchen hingestellt, auf denen das Frühstück serviert werden soll, und die kleinen Sitzkissen an Ort und Stelle, auf denen sie Platz nehmen werden, wenn alles parat ist. Für die Kinder und Mägde ist in einem Nebenraum der meist sehr großen und hohen Küche der Apparat von Tischchen, Tabletts, Eßstäben und Kohlenbecken zurcchtgestellt, die in Japan zu der Hauptmahlzeit des Frühstücks gehören. Wenn die Magd den großen Kübel mit Reis hereinbringt, aus dem sie jedem, der ihr seine Schale reicht, ein paar Kellen der klebrigen weißen Körner auffüllt, beginnt das Schlürfen, Schlacken, Kauen und Stäbchenklappern in einem beneidenswert schnellen Tempo. Es geht in willkürlicher Abwechslung immer hin und her zwischen der heißen salzigen Misosuppe, den Bohnenpräparateu und Omelettes, den Fischen und Muscheln, dem Seetang und dem Reis, der eigentlichen Piece de rcsistance, bis die sauber geleerte Reisschale zum lebten Male der Magd auf das entgegengehaltene Tablett gestellt und statt des Reises Tee verlangt wird. Denn mit einem heißen grünen Aufguß das reichlich genossene Frühstück herunterzuspülen, ist in Japan eine so feststehende Sitte, wie das Gefegnetemahlzettwünschen nach einem deutschen Diner. Die Hausfrau hat aber auch höhere Pflichten nicht vergessen. Vor dem Familienschrein, auf dem die Glücksgötter thronen und über dem eine grotesk gezeichnete Darstellung des feuerumrahmten Fudosama als Hängebild an der Wand prangt, hat sie die Messingbecher frisch mit Reis gefüllt, eine Räucherstange angezündet und händeklaschend die Götter gerufen, damit sie sehen, wie sie hier hockt, sich tief verbeugt und emporblickend ihr Gebet hinaufschickt zu den Himmelshöhen. Ein Töchterchen unterstützt sie in der frommen Handlung, indem sie einige frisch gepflückte Blumen aus dem Garten in den Ständer tut, der zu den Altargeräten gehört. Nach dem Wegrüumen wird es Zeit, daß die Kinder, besonders die Töchter, Toilette machen für die Schule. Europäische Strümpfe, Kleider mit Aermeln ohne das altjapanische Gehänge, ein rotbrauner geteilter Rock mit Miederfortsatz über dem voluminösen Gürtel ist die jetzt in allen japanischen Mädchenschulen eingeführte Uniform, weil bei dem viel betriebenen Turnen und Spielen nur diese Tracht ungenierte Bewegungen gestattet. Dann kommt die Plage des Haarmachens, bei der in kinderreichen Häusern fast alle Mägde Hand anlegen müssen und die Kinder sehr viele Wünsche Äußern über das Papier, die Bänder, den Kamm und die kleid- - samen Schmucknadeln, die sie zu tragen wünschen. Die Bücher werden in die sarbenprächtigen Tragetücher eingeschlagen, das Frühstück wird in Schächtelchen und Kästchen zierlich verpackt und in gestrickt« Behälter getan, an der Ausgangstür werden die Stiefel angezogen und fort geht's unter Verbeugungen und frohen Abschiedsgrüßen aus das Straßengewimmel, wo sie sich reden Tag mit Genossen treffen und . begegnen, den verschiedenen Schulen zu, wo die Kinder bis in den Nachmittag hinein fest- gehalten werden. Den ganz Kleinen, besonders, wenn sie noch in die Spielschule gehen, muß man auch noch eine Wärterin mitgeben, die immer zur Hand ist, wenn das Kind etwas verlangt, ihm beim Frühstück behilflich ist und es wieder heim geleitet, wo das Umkleiden in losere japanische Kleider die Einleitung zum Spielen im Garten und auf der Straße bildet. Hat der Hausherr sich zurecht gemacht und erhebt er sich nach den: Anziehen der Stiefel von der Bank am Haustor, fo ist der Abschied feierlicher. Die Hausfrau und die Mägde knien aus den Matten und rufen ihm unisono ein sayonara zu, indem sie ehrfurchtsvoll den Boden mit den flachen Händen und der Stirn herühren. Im Gefühl seiner Würde schreitet er zur Gartenpforte hinaus, um gewöhnlich in feinen von dem Wagenzieher des Hauses schnell fortbewcgten zweirädrigen Wägelchen (der Jinrickischa) den weiten Weg zu seinem Bureau oder Amtsgebäude zurückzulegcn. Dann wird es im Hause erst recht lebendig. Das jüngste Kind wird einer Dienerin auf den Rücken gebunden und ins Freie getragen, um dort zu schlafen, zn beobachten, zu schreien und zu spielen, wie es Lust hat. Ebenso müssen die Alten im Garten ein Unterkommen suchen. Denn nur geschäftige Personen duldet mau jetzt iu dem Haus. Die Papierschiebetüren werden jetzt ebenfalls herausgehoben, damit die Luft von allen Seiten bequem Zugang hat und cs beginnt das Fegen der Matten mit den vortrefflichen japanischen Besen, das Abstäuben der Wände mit den festen und rohen Papierwedeln, das Aufwischen der glatten Holzdielen der Veranda, das Abwaschen des Frühstücksgeräts iu der Küche und das Putzen der Lampen. Mit lose zum Schutz der Frisur um den Kopf geschlungenen Tüchern betreibt die japanische Weiblichkeit in lebhaftester Unterhaltung und unter vielem Lachen und Scherzen ihren Kampf gegen den Staub, dessen Allgegenwärtigkeit in Japan noch sinnfälliger ist als bei uns. Das Erscheinen der vielen Händler, die regelmäßig die Bedürfnisse des Hauses und der Küche bestreiten, des Reismüllcrs, des Oelverkäufers, des Fischhändlers, des Bohnenkäsefabrikanteu, des Schnapslieferanten und des Eierbringers ist eine ganz regelmäßige Unterbrechung zur festgesetzten Stunde; denn sic machen ihren Rundgang Tag für Tag bei derselben Reihenfolge ihrer Kunden. Hat man noch andere Bedürfnisse, so muß man entweder selbst schicken, etwa zum Gemüsehändler, oder man muß aufpassen, wenn die Ruse der herumzieheuden Gewerbetreibenden von der Straße hereinschallen. Bald ist es der Blumenhändler, bald der Muschelverkäuser, bald aber auch der Makulatur- käufer oder gar der Düngerabholer, dessen Anwesenheit erwünscht ist und dem man deshalb, wenn er vorbeikommt, einen Wink geben muß. So herrscht von 8 bis 10 Uhr vormittags eine stete Unruhe und klappernder Lärm in jeder japanischen Behausung. Wer darauf angewiesen ist, in dieser Zeit bei sich zu Hause zu studieren, muß ein ganz abseits gelegenes, eigens für diesen Zweck gebautes Zimmer, ein hanare-sashiki, das nicht zur eigentlichen Hausordnung einbezogen ist, zu seiner Verfügung haben. Wenn' in dem gesäuberten und so^fältig geschlossenen Südostzimmer das Baby gebadet und in Schlas gesunken ist, kommt endlich, der erste Ruhepunkt für das überhastete tägliche Morgenprogramm der japanischen Häuslichkeit. Die Hausfrau nimmt auf ihrem Ehrenplatz an dem Familienkohleubccken, das mit dem ewig wassergefüllten Kessel über den rauchfreien Kirschholzkohlen und den vielen Schächtelchen zum Untcrbringcn des am öftesten gebrauchten Kleingeräts ein wahrer Schatz des japanischen Haushaltes ist, auf ihrem samtbedeckten Kissen die ihr durch Gewohnheit bequem gewordene auf Knien und Hacken kauernde Stellung ein und raucht aus der für sie hingegen IVs bis 2 Fuß langen Pfeife, die zwar bei jeder Bewegung sehr störend ist, aus der aber der seingeschnittene japanische Tabak am besten schmeckt. Dann findet sie auch wohl Zeit, die Tageszeitungen zu lesen, nicht die mit Verwendung von 2500 chinesischen Zeichen gedruckte „Nichi Nichi Shimbun", auf die ihr Mann schwört, sondern ihre eigene, die billige und amüsante „Miyako", bei deren Lektüre man so gerührt wird. Tag sür Tag konnte man da von den bösen Verwaltern lesen, die ihren Herrn, den Grasen Soma, im allertiefsten Elend verkommen ließen und töten würden, — wenn nicht der wackere Nishiguro sich gegen diese Missetat ausgelehnt und sie ans Licht der Oeffentlichkeit gebracht hätte. Stellte sich auch die ganze Senfationsmär nachher als gemeiner Schwindel heraus, so hat sie doch ihre Schuldigkeit getan. In Taufenden von japanischen Häusern hat man die Morgenpause des Arbeitsplanes mit Furcht und Mitleid ausgefüllt und das geringe Anan- tum geistiger Nahrung zu sich genommen, das die japanische Werb- lichkeit des Mittelstandes nötig hat. Ein General soll in seiner Villa in Oiso seine Gemahlin mit dem Ehrensäbel, den ihn der Kaiser verliehen hat, erstochen haben, weil er sie beim Ehebruch mit entern Stallknecht ertappte; was sür Gedankenreihen über des Weibes Art und des Mannes Recht und Ehre, über soziale Schranken und ihre Durchbrechung kraft der Allgewalt der Liebe regt das nicht an! Es war ja von Anfang bis zu Ende erlogen; aber wie erleichterte es die Arbeit der Phantasie, daß statt imaginärer Verhältnisse gleich durch raffinierte Anspielungen wohlbekannter Namen, von denen man schon so viel gehört und gelesen hatte, eingesetzt waren. Von den Wallungen der Seele neu gestärkt, geht die Hausfrau jetzt an ihre weitere Arbeit, und wenn die Mägde es ihr recht machen, erzählt sie ihnen bei passender Gelegenheit des Zusammenseins diese hochinteressanten Skandalgeschichten zn ihrer Ergötzung und moralischen Läuterung. In den Mittagsstunden ist der Britnnen tm Hofe der Mittelpunkt der häuslichen Tätigkeit. Da hocken die Mägde vor niedrigen Kübeln und waschen und ringen aus, lachen und scherzen und schwatzen, denn das ist japanische Art. Die geschickteste von ihnen hat mit zwei Kesseln schwerere Arbeit; sie muß den Rets waschen und wieder waschen, bis das abgegossene Wasfer kcme milchige Färbung mehr zeigt und die einzelnen Reiskörner glänzen >vie Wachsperlen. Dazwischen drängt sich der von der Ausfahrt des Herrn zurückgekehrte Wagenzieher an den Britnnen, um in kräftigerem Takte die Eimer an der Rolle herauf- und herabzuziehen, bis die große Familienbadewanne, die er angezeigt hat. — 332 — gefüllt ist, und bis die tönernen Behälter daneben, aus denen man sich kalt übergießen kann, nur gerade noch die Schöpfkelle ohne Ueberlaufen fassen können. Wenn der Kanonenschuß vom astronomischen Observatorium her die Mittagsstunde der japanischen Zeit verkündet, läßt in ganz Japan alles die Arbeit liegen, um den gerade um diese Zeit unbezähmbaren Hunger zu stilleu. Wer in Japan für einen großen Betrieb die Hausordnung feststellt, ohne zwischen 12 und halb 1 Uhr das Essen in Bereitschaft zu stellen, ist ein unbrauchbarer Organisator. Die Nachmittagsstunden haben im japanischen Haushalte keine so straffe Ordnung. Da finden die Mägde Zeit, sich von der jeden vierten Tag erscheinenden Friseuse den Haaraufbau zurecht machen zu lassen, je nach ihrem Lebensalter, in drei Ringen oder Schmetterlingsform, wenn Jte noch recht jung sind oder scheinen wollen, gerundet, wenn sie ihrem Lebensalter nach schon Jütten verheiratet sein sollen oder es sind, bis herab zu dem urzgeschnittenen Haar, das sich Großmütter und greise Dienerinnen gestatten, die auf den in Japan dem Alter willig entgegengebrachten Respekt Anspruch haben. Zu Näharbeiten, Besorgungen, zum Einmachen und Pökeln für die Vorratskammer ist am Nachmittage leicht Zeit zu finden. Dann kommen die Kinder aus der Schule, bringen Leben und allerlei Berichte über wunderbares Gehörtes, Gelerntes und Gesehenes ins Haus. Die Schule, die der jungem Generation die.Elemente des an europäische Wissenschaft angeknüpften Bewußtseins-Materials unserer Zeit übermittelt, wird auch dem ganzen Haushalt ein geschätzter Born der Belehrung und Unterhaltung. Mit Schularbeiten plagen sich in Japan nur minderbegabte oder hervorragend ehrgeizige Kinder zu Hause länger als eine halbe Stunde. Es bleibt also für Mädchen reichlich Zeit, um Musik und Tanzbewegungen japanischen Stils im Hause zu erlernen. Knaben brauchen ihre Freistunden, um sich sportlich zu trainieren, damit sie ihrer Schule und ihrer Familie Ehre machen. Die Amerikaner in Pokohama haben sich schon ganz daran gewöhnt, daß sie in ihrem nationalen Base-Ball von den Schülern des ersten Gymnasiums in Tokio jahraus jahrein ' geschlagen werden. Wenn dann auch der Hausherr zwischen 5 und 6 Uhr heimgekehrt ist, es sich bequem gemacht und ein Bad genommen hat, wird von der vereinigten Familie die Abendmahlzeit wieder gemeinsam eingenommen. Dann nimmt die Unterhaltung einen lebhafteren Gang an. Der Vater, -der ja alles wissen muß, wird von. den Kindern ebenso eindringlich ausgefragt, wie er sich durch Examinieren und Einblick in die Schulhefte von dem Fortschritt seiner Pflegebefohlenen überzeugt. Dann wird es Zeit, das Bad zu nehmen; in feststehender Reihenfolge steigen Mutter, Kinder, Dienerinnen und Wagenzieher nacheinander in das heiße Wasser, das dem Hausherrn schon vor dem Abendessen zum Bad gedient hat, und das in der sorgfältig zugedeckten Holzwanne infolge des Nachschüttens von Kohlen seine Temperatur eher erhöht als vermindert hat. Aus dem Bademantel schlüpfen die Kinder, nachdem sie sich erholt haben, in ihre dunklen Nachtgewänder, wünschen auf den Boden gestreckt, ihren Eltern eine gute Ruhe und schlafen auf ihren Decken nebeneinander bald ein, wenn sie sich genug Geschichten erzählt und harmlos geneckt haben. Der Vater bringt wohl noch eine Stunde mit Lesen und Schreiben zu; die Mutter macht aus den Lieferungsbüchern der Händler und dem Gedächtnis ihre Eintragungen in das Haushaltungsbuch, das am Schluffe des Monats der Hausherr revidieren wird. Dann begeben auch sie sich geräuschlos auf das Nachtlager, gewöhnlich kurz nach 10 Uhr, und in dem verschlossenen, von Nachtlichtern matt erhellten Hause ist es still, bis die Morgensonne im Osten emporsteigt und die Holztüre der Außenwand vor ihren lebenbringenden Strahlen sich öffnet. vernr-schte». * Ueber die Familie gibt der „Ulk" „aus dem Aufsatzhefte des kleinen Fritz" folgende anschauliche Schilderung: „Die Familie ist ein aus Vater, Mutter, Kindern, Brautpaaren, Großeltern, Schwiegermüttern, Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen gebildetes Ganzes und kommt auf der ganzen Welt vor. Erst kommen Vater und Mutter und dann die Kinder und zu ihnen kommen die andern zu Besuch. Großeltern bringen den Kindern dann immer etwas mit- Wenn Tanten zu Besuch kommen, müssen Kinder Sonntagskleider anziehen. Das Familienoberhaupt, die Hauptperson von der Familie, ist der Vater, weil er das viele Geld verdient. Er geht dazu schon ganz früh morgens fort, nachdem er über seine Kragen und Oberhemden geschimpft hat und Kaffee getrunken. Die Mutter bleibt zu Hause und muß sich über die Dienstmädchen ärgern. Manchmal geht sie auch in die Markthalle. Die Dienstmädchen wohnen in derselben Wohnung, aber sie gehören nicht zur Familie, denn sie bleiben nie lange und es kommen meistens zweimal im Monat neue. Manchmal kommen Soldaten, die Mädchen besuchen. Der Vater gibt der Mutter das Geld, das er verdient, damit sie Essen und all so etwas emkaufen kann. Aber nicht alles Geld. Große Haufen legt er noch m den eisernen Geldschrank, der in der Stube steht. Das Geld darf sich die Familie erst nehmen, wenn er tot ist. Es gibt junge und alte Väter. Aus den ganz alten werden dann die Großväter gemacht. Wenn der Vater schläft, schnarcht er und dann darf ihn niemand stören. Zu seinen Kindern ist er gut. Die Mutter ist in einer Familie immer die Frau von dem Vater. Sie ist sehr gut und klug und haut selten. Sie näht alle abgerissen Knöpfe an, belegt das Schulfrühstück mit Wurst oder Schinken und hilft bei den Schularbeiten. Mütter haben niemals schlechte Zensuren gehabt. Die Mutter weiß alles. Sie weiß auch, wo die kleinen Kinder Herkommen, aber sie sagt es nicht. Die Mutter ist überhaupt furchtbar gut und immer weiblichen Geschlechts. Wenn die Mutter auch eine Mutter hat, so ist das die Schwiegermutter. Dieselbe ist außerdem die Großmama. Sie kommt meistens, wenn der Vater ausgegangen ist, das viele Geld zu verdienen. Tanten gibt es immer am meisten in einer Familie. Alte und junge. Blanche mit Männern sind netter. Die Männer von den Tanten sind die Onkel. Die Onkels sind groß und dick und spielen mit dem Vater Skat. Alle Kinder von Onkels und Tanten sind die Cousins und Cousinen. Mit Cousins haut man sich. Cousinen sind Mädchen und petzen immer. Und das tun auch Tauten häufig. Dann gibt es manchmal noch Brautpaare. Brautpaare sind sehr drollig und küssen sich immer, wenn man ins Zimmer kommt. Das sind so die hauptsächlichsten Merkmale und einzelne Teile einer Familie. Die Familie als ganzes betrachtet, ist ein notwendiges Nebel zur Erhaltung des Staates." * Die Fürstin Marie zu Erbach-Schönberg, ältere Schwester des einstigen Fürsten Alexander von Bulgarien, berichtet in der Frauen-Rundschau (Schweizer u. Co., Berlin und Leipzig) über eine Reise in Bulgarien, die sie zu Anfang der achtziger Jahre unternommen hatte. Bon einem Ausflug nach Bukarest zurückkehrend, äußert die Verfasseriu ihre Freude, wieder an Bord des „Alexander" und auf bulgarischem Boden zu sein, und fährt dann fort: „Die Rückreise ging gut von statten und gegen abend erblickten wir wieder das schöne blaue Meer. Die Bevölkerung von Barna empfing uns sehr zahlreich und mit großem Jubelgeschrei — sie hatten gefürchtet, unsere Abreise sei eine definitive gewesen. Sogar hinter den Gefängnisgittern erschollen wieder die Hurrarufe, die mich jedesmal wehmütig stimmten, und Sandro (Fürst Alexander) und ich gerieten dadurch in ein Gespräch über die große Schwierigkeit und Verantwortung, in einem solchen Lande das Gerichtswesen in Ordnung zu bringen. Es kommt ja leider im Orient beständig vor, daß Leute ungerechterweife angeklagt werden, und es ist oft entsetzlich schwer, alle diese Ränke zu durchschauen. Er erzählte mir, wie er einmal vor einigen Jahren hei einem seiner regelmäßigen Besuchen in den Gefängnissen einen alten Türken mit langem, weißen Bart, an Händen und Füßen gefesselt, in einer Zelle sand. Der Mann sah finster vor sich hin und antwortete nicht auf die wiederholte Frage, warum er im Kerker sei. Auf Sandros Erkundigungen bei dem Aufseher teilte man ihm mit, dieser Mann habe vor so und so viel Monaten in verschiedenen Ortschaften Mord gegen den Fürsten gepredigt und überall ausgerusen, er sei ein Schurke. Nun sei er auf sieben Jahre ins Zuchthaus verurteilt. Sandro ging auf den alten Mann zu, nahm ihm die Ketten ab und sprach: „Anstatt sieben Jahre im Zuchthaus zu sitzen, sollst Du nun sieben Jahre lang überall verkünden, daß Du Dich geirrt hast, als Du Deinen Fürsten einen Schurken nanntest." Der alte Mann hatte, wie die Aufseher erzählten, bei seiner Verurteilung und auch im Gefängnis nie einen Versuch gemacht, sich zu verteidigen. Jetzt, als er frei war, beteuerte er unter Tränen seinem Fürsten, daß er nur auf Verleumdung und falsche Anklage hin ins Gefängnis gekommen sei, und bei weiterer Untersuchung stellte es sich heraus, daß er das Opfer eines Racheaktes seiner Feinde geworden war." * Der schlaue Johnny. Johnni: „Großpapa, hast Du so Zähne?" Großpapa: „Nein, ich habe sie schon alle verloren. Johnny: „Dann kannst Du mir meine Schinkensemmel halten, lange ich spiele." („Jugend. "> Tauschrätsel. Nachdruck verboten. Wand, Messe, Reim, Wolle, Seife, Motte, Gedicht. Bon jeden: Wort ist durch Umtausch eines Buchstaben an beliebiger Stelle ein neues bekanntes Hauptwort zu Hilden und zwar derart, daß die neu eingesügten Buchstaben im Zusaminen- hang den Namen eines bekannten philanthrovischen Schriftstellers des 18. Jahrhunderts ergeben. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Magischen Dreiecks in vor. Nr. B A R 8 A ü E P 0 8 L I 0 H T Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäis-Vuch- und Steindrnckerei. R. Lange, Gießen.