Samstag den 6. Aevrrrar IWMr »äsäUBiasBEsnrfcflci Fun». Iää (Nachdruck verboten.) Wlla Jafconieri. Von RichardVoß. Zweiter Band. (Fortsetzung.) Aber der Dichter hatte nur Augen für die süße Tragödin, sod [j er mich nicht einmal bemerkte. . . Ich hörte jetzt, was sie sprachen. Tie Neri sagte gerade mit ihrer Müdesten Miene, ihrer müdesten Stimme: „Sie haben recht getan; tausendmal haben Sie recht getan! Liebe, Freundschaft, Kunst, Ruhm, Talent sind ja doch nur Illusionen, die der Mühe des Atemholens nicht wert sind." Ter lebensmüde Graf erwiderte: „Taß auch Sie so denken, finde ich trostlos." „Warum trostlos? Nichts ist trostlos als das Leben. Ja, und dann noch etwas." „Was ist das?" „Taß man das Leben ertragen muß." „Muß man?" „Selbstmord ist so banal. Uebrigens morde ich mich! fortwährend selbst." „Jede Vorstellung ist für mich ein Tropfen Gift. Und ich brauche es wiederum notwendig, um überhaupt leben zu können. Nur wenn ich auf der Bühne stehe, lebe ich; denn nur dann vibrieren meine Nerven. Ich stelle andere Frauen dar, erlebe also anderer Schicksale, anderer Verhängnis, anderer Untergang. Aber in allem Fremden erlebe ich doch nur mich selbst. Befragen Sie über mich einen Psychiatiker: „Verehrtester, was ist das eigentlich mit der Assunta Neri?" Ter gelehrte Mann wird Ihnen erwidern: „Mein Herr! Assunta Neri ist gar keine Schauspielerin; sondern ein pathologischer Fall." Uebrigens scheinen Sie dasselbe zu sein." „Demnach wären wir Kollegen." Und der arme verschollene Poet quälte sich ein mattes Lächeln ab . . . Jetzt sah er mich — endlich sah er mich! Tie Tragödin hielt für unnötig, ihn zu fragen: „Kennen Sie eigentlich! die Prinzessin?" Er grüßte mich jedoch, als wüßte er, wer ich wäre. Ich beachte stets, wie die Menschen grüßen. Bei der Frau ist der Gruß eines der wichtigsten Requisiten ihrer Toilette. Wie eine Königin allein durch die ihr mühselig eingelernte Art zu grüßen sich so sinnlos populär machen kann, daß ein ganzes Volk mit Wonne für sie sich tot« schießen läßt — ebenso kann ein Mann sich leidenschaftlich in eine Frau verlieben: nur, weil diese sehr anmutig tu grüßen versteht. Männer verstehen es nicht, mit Grazie und doch mit Würde zu grüßen. Sie grüßen entweder steif, oder geziert, oder burschikos; entweder zu dezent, oder zst herablassend, oder zu gleichgiltig. Und so weiter! Gras Campana grüßte micy, wie ich es bei einem Mannas selten beobachtet hatte. Sein Gruß war sehr ehrerbietige und doch voll von dem Bewußtsein einer eigenen stärkest Persönlichkeit, die sich niemals vor etwas Medrigem neigen würde. Aber auch niemals vor etwas nur sogenanntem Höheren oder Hohen. Sogar Grazie hatte der Mann, den ich mir alt und unförmlich vorgestellt hatte. Mer es wap die scheue, spröde Anmut einer streng verschlossenen, tief einsamen, heimlich leidenden Seele. Seine „große Leidenschaft" scheint ihn also wirklich nicht glücklich zu machen . . . Seltsam! Aber ich kann das verstehen. O, mein Gott, ich kann das verstehen! Nachdem er mich gegrüßt hatte, sah er mich an: gerade in die Augen, fest und tief. Er schien erstaunt zu sein. Mein schwarzes Spitzens tüchlein und mein schmales blasses Hexengesicht taten demnach ihre Wirkung. Sein verwundertes Auge forschte: „Was bist Tu?! Ein Kind oder ein Weib; ein uuschulds- voller Engel oder eine raffinierte Sünderin? . . . Auch ich sah ihn an und mein Blick antwortete dem seinen: „Ich weiß selbst nicht, was ich bin; aber ich werde es erfahren.! Und dann" — j Tann redete ich ihn an: „Ihr einsames Licht und meines sind längst gute Bekannte. Es war daher wirklich notwendig, daß auch wir uns kennen lernten." Ich weiß, daß meine Stimme das Reizendste an mir ist. Wenn ich wollte, so könnte ich allein mit meinet!' Stimme einen Zauber ausüben, stark wie Magie. Aber ich wollte niemals . . . Merkwürdig, daß es mich reizte, den weltfremden Einsiedler die Macht meiner Stimme fühlen zu lassen. Er machte denn auch dazu ein ganz sonderbares Gesicht. Ti? Tragödin merkte natürlich sogleich meine Absicht und schien empört zu sein. Wenigstens sah sie zum Unsinken müde? aus. Sie ist dann nämlich immer gleich zun: Sterben ermattet. Ter Graf hatte so hingehört, wie ich sprach, daß er überhört zu haben schien, w a s ich gesprochen. Ich mußte es daher wiederholen: „Wir sind seit Anfang März Nachbarn." „Sie sind unter mir der einsame Stern?!" „Kein Himmelslicht, nur eine trübselige Kerze." Er blickte mich wiederum an; und wiederum standen' wir uns Äug' in Auge gegenüber. Tie arme Assunta Neri wurde zusehends immer empörter, immer ermatteter,. Sie sagte: „Wir haben Scirocco." Ihre Worte schienen eine geheime tiefe Bedeutung zn <— 78 bin ich lediglich das Produkt einer gewissen gesellschaftlich faulen Ueberkultur? Aber wozu hierüber reflektieren? Ganz gleich, wodurch ich so geworden bin — da ich nun einmal so ward. Ich ließ die Neri der Madama gegenüber ruhig die anstrengende Rolle der grande charmeuse spielen und blieb mit dem Grafen zurück. Unsere Unterhaltung, die ich einleitete und sortführte, lautete ungefähr so: „Halten auch Sie einen Teil unseres heutigen Geschlechts: Männer sowohl wie Frauen, für früh gealtert und entnervt?" „Ich weiß nur, daß ein junges Geschlecht da ist, und daß ich selbst zum alten gehöre." „Wer sich noch für etwas begeistern kann, ist beneidenswert jung." „Meinen Sie mich?" „Sie leben ja beständig in Ekstase." „Ekstase, wofür?" „Für — sagen wir, für die Einsamkeit, für die Schönheit . . . Mir scheint unser heutiges Geschlecht eine sehr daseinsmüde Generation zu sein — wenigstens ist sie eines ehrlichen Enthusiasmus psychisch und physisch vollkommen unfähig. Unter der Sonne gibt es nichts, wofür diese neue junge Generation sich begeistern könnte. Es müßte denn sein, daß sie über sich selbst in Entzückung gerät." „Und Sie?" „Ich bin nur ein Typus des jungen modernen Frauengeschlechts." „Des jüngsten und modernsten?" „Allerdings gehöre ich zu jener Spielart, die der Emotionen bedarf, die ohne Emotionen gar nicht existieren kann. Und zwar müssen es sehr raffinierte Emotionen sein." „Was verstehen Sie unter „raffinierten Emotionen"? Ich muß wie ein Schulknabe fragen." „Raffinierte Emotionen nenne ich gewisse verfeinerte Seelenschwingungen, die wie Haschisch wirken. Sie erkundigen sich danach am besten bei der großen Tragödin, welch« die ganze Skala von Emotionen, soweit sie einer Frau überhaupt zugänglich sind, .bspielt wie ein Virtuos seine Bravourstücke. Ist sie doch felbst nichts anderes als, solche allersubtilste Nervensache, als Künstlerin sowohl wie als Weib." „Und das heißt man dann eine moderne Frau?" „Und eine moderne Frau heißt man die Selbstentwicke- lung des Weibes. Endlich entdeckte die Frau sich selbst — gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts! Es wäre dafür immer noch Zeit genug gewesen; denn viel wird dabei wohl nicht herauskommen. Schönheit gewiß nicht. Nur ein ewiger Wechsel, ein beständiger Kontrast, ein endloser Widerspruch Und das ist doch grade nicht sehr erquicklich." „Jedenfalls findet die moderne Frau sich selbst sehr interessant?" „Jedenfalls ist sie über sich selbst etwas erstaunt. Und dann — die lange, lange Ungewißheit hat wenigstens aufgehört." „Ungewißheit, worüber? Sie sehen, ich bedarf Ihrer Belehrung." „Ungewißheit über die wahre Bestimmung der Frau.^ „Ist dies die Emanzipation?" t 9Tbet nein !zz "Was nennen Sie dann die wahre Bestimmung der Frau?" „Vielleicht das ewig Weibliche. Also das ewig Zärtliche, das ewig sich Hingebende." „Also Liebe, Leidenschaft?" „Tas sind gar erhabene Worte! Halten Sie unser heutiges Geschlecht für fähig, Leidenschaft fühlen zu können? Tie große Leidenschaft!" „Sie zweifeln daran?" ,@ef)t.zz "Ihre ewige Weiblichkeit schließt demnach die Leidenschaft vollkommen aus?" „Sie ist nur für Götter; und da es keine Götter mehr gibt. . ." „So gibt es auch keine Leidenschaft mehr?" „Gott sei Tunk, nein." Nach diesem Geschwätz, das nur dazu dienen sollte^ um den Herrn über mich zu verwirren, entfernten wir uns. Tie impulsive Tragödin umarmte beim Abschied die Madama zärtlichst. Ich hatte kein Wort mit ihr gesprochen. haben: Scirocco! — Wüstenwind! Vielleicht spielte sie auf das Verhältnis des Grafen zu der Madama an, wovon ihr erzählt lvorden war. Aber die Anspielung hatte bei dieser Gelegenheit gar keinen Sinn. In demselben Augenblicke kam sie. . . Wie lächerlich neugierig ich war! Sie hatte sich, von einer Meute schneeweißer Wolfshunde begleitet, im Parke befanden, war unser nicht gewahr geworden, trat aus einem Gebüsch hoher Buchsbäume und sah sich plötzlich zwei fremden Tamen gegenüber. Sie trug ein hellgraues gutgemachtes Kleid. Mein Gott — nun ja! Sie ist recht schön. Vielmehr, sie war es einmal. . . Sie w a r es — mit welcher geheimen Genugtuung wir Frauen das sagen, sobald von einer sogenannten schönen Frau die Rede ist. Wir sind doch recht kleine Seelen! Aber die berühmte Schönheit der Madama ist in der Tat etwas passee — mais tout ä fait passee! Und diese Schönheit ist so schwermütig ... Wo bleibt denn aber die große Leidenschaft? Für den Mann kann diese zu groß sein. Tan Mann kann die Leidenschaft ersticken und erdrücken; jedoch die Frau — für uns Frauen gibt es in der Liebe nichts; aber gar nichts, was zu riesengroß und ungeheuer sein könnte. Wir Frauen spielen mit dem herrlichen vernichtenden Element wie Kinder mit Blumen. Wir Frauen sino nur dann Weib, ganz Weib, wenn wir ganz Liebe und Leidenschaft, ganz Seele und Empfindung, Hingabe und Auflösung sind. Was den Mann in einen Abgrund schleudert, hebt uns zu Alpengipfeln empor. Und diese Frau, diese wunderschöne Maria, ist mit ihrer großen Leidenschaft so schnell gealtert, so frühzeitig verwelkt. Wie konnte das nur geschehen? Ein Geheimnis! Aber auch dahinter werde ich kommen. * Von ihren wilden Wolfshunden begleitet, trat sie uns also aus den Buchsbäumen entgegen. Tie Meute stürzte aus uns zu, als wollte sie uns zerfleischen. Ein leiser, ganz leiser Ruf der Herrin hielt sie zurück. Winselnd sprangen die mächtigen Tiere an der Tarne in Grau empor. Es war ein Bild! Ich bin wirklich eifersüchtig, eifersüchtig auf diese Madama! Schön ist sie gar nicht mehr; aber sie hat eine Stimme, eine Stimme — die meine ist dagegen gradezu unmelodisch. Mir ist solche Frauenstimme noch nicht vorgekommen. Tie Tragödin hatte sich bei dem Anblick der schönen Maria plötzlich belebt. Sie war nicht mehr mürrisch und nicht mehr müde. Sie setzte sogar eines ihrer süßesten Frou-Frou-Gesichter auf, schmückte sich! mit dem allerliebsten Lächeln der „Locandiera", und rief mit samtweicher Stimme: „Ist das Ihre Frau? Aber sie ist ja wunderbar!" Ganz deutlich und ganz laut sagte sie: „Ihre Frau". Es war ein entzückender kleiner Coup! Ich fand ihn fast zu raffiniert und ärgerte mich darüber. Ter weltfremde Graf bewahrte vollkommen die Haltung eines verbannten Olympiers. Er antwortete nicht direkt, sondern sagte nur — und er sagte es sehr ruhig, sehr ernst: „Tos ist Maria." Ich fand ihn in diesem etwas bedenklichen Moment wundervoll distinguiert. Tie Neri in ihrer sublimen Rücksichtslosigkeit kehrte sich twn nun an überhaupt an nichts anderes mehr als an ihre plötzliche Caprice. Sie beschäftigte sich angelegentlich mit Der guten Maria, die allerdings ziemlich geschickt die Dame imitiert. Solche Künstlerin ist doch aus Jinpulsen zusammengesetzt! Ich begreife nicht, wie man impulsiv sein kann. Bei mir ist alles Reflexion und Berechnung. Ich kann — ich versichere Dich — ich kann nicht ein Wort sagen, mich nicht auf einen Stuhl setzen, mir nicht die Handschuhe zuknöpfen, ohne vorher nicht eisig kühl überlegt zu haben, was ich sagen, wie ich! mich setzen, wie ich mir die Handschuhe zuknöpfen soll. Wober kommt das? Mn ich so geschaffen worden oder 79 Ich habe auch den Grasen nicht aufgefordert, mich in der Villa Taverna zu besuchen. Vielleicht kommt er ohne Aufforderung. Tie Neri war sogleich wieder mürrisch und müde. Ich fragte sie lächelnd: „War ich sehr kokett gegen Ihren armen Poeten?" Sie würdigte mich gar keiner Antwort. Ich war aber auch wirklich sehr, sehr kokett. ; * Das eine will ich noch hinschreiben: Tie zwei einsamen Menschen in der Villa Falconieri sind zwei sehr unglückliche Menschen. Tie Frau empfindet für den Mann wirklich eine große Leidenschaft. Aber es ist jene Leidenschaft, die so hoffnungslos ist wie der Tod; denn: Er liebt sie nicht wieder! Also weiß seine einsame, lechzende Seele nichts von dem himmlischen Feuer? . . . Nein — noch weiß sie nichts davon. Aber es kommt der Tag, an dem sie davon wissen wird: so viel davon wissen, daß es sie umbringt! Tenn dieser Mann hat Augen, wie ein Mensch sie haben muß, der fähig ist, an einer großen Leidenschaft zu Grunde zu gehen. Und auch dieses sollst Tu noch erfahren: Es freut mich, daß er die Madama nicht liebt. I' Es freut mich von ganzem Herzen! l Tenn ich gönne dieser Frau nicht diesen Mann. i Weißt Tu, was ich bin? Nein! Aber idj weiß es. Ich bin nicht nur eine unverbesserliche grande mon- daine; ich bin vor allem eine herzlose, bösartige, fanatische grande coquette. Ich habe Dir gebeichtet. Deine Absolution will ich picht; denn: Ich will mich nicht bessern. Ter Herr sei meiner armen Seele gnädig. L (Fortsetzung folgt.) Deutsche Speisekarten. Schlimmer als sonst irgendwo macht sich das Fremdwort-Unwesen aus dem Gebiete der Küchensprache breit. Es ist ein wunderliches Gemisch von Deutsch, meist falschem Französisch, nebst einigen englischen, italienischen und anderen Brocken, das man da schauen kann. Die sogenannten Menus, wofür wir die treffenden Bezeichnungen Tafelkarte, Speisenfolge und andere haben, aber meist nicht benutzen, werden in vielen Häusern sogar noch ganz französisch abgefaßt trotz des rühmlichen Beispiers, das der kaiserliche Hof schon seit 1888 durch Einführung deutscher Wörter in seinem Haushalt gibt. Der Einwurf der Gegner, es sei unmöglich, die fremden Ausdrücke zu übersetzen, ist hinfällig. Das erste Verdeutschungsbuch des Allg. Deutschen Sprachvereins „Deutsche Speisekarte" von Hermann Dünger, das bereits in fünfter Auflage vorliegt, bietet eine Liste guter deutscher Bezeichnungen für sämtliche Fremdausdrücke der Küchensprachss und daneben eine reichhaltige Sammlung von deutschen Speisefolgen, die bei festlichen Gelegenheit, n an Fürstenhöfen und sonst verwendet worden sind. Daneben finden sich auch Speisekarten aus älterer Zeit, die beweisen, daß unseren Vorfahren deutsche Benennungen für ihre Gerichte ausreichend zur Verfügung standen. Daß die französische Sprache lange Zeit hindurch! für die Küche der ganzen Welt maßgebend war, ist zuzugeben; daß sie es bleiben muß, aber nicht. Es soll auch nichi geleugnet werden, daß die Rücksicht auf zahlreiche Ausländer viele Gasthofbesitzer nötigt, französische Speisezettel zu führen. Nur kann man verlangen, daß daneben deutsche Bezeichnungen gebraucht werden, kurz daß die Karten zweisprachig sind, denn die Mehrzahl der Reisenden in deutschen Gasthöfen besteht doch aus Deutschen, und diese können doch wohl die gleiche Rücksichtnahme beanspruchen wie die Ausländer. Tatsächlich ist aber die französische Speisekarte für die meisten Deutschen unverständlich. Dazu kommt, daß die Bevorzugung des Küchenkauderwelschs in Deutschland ein Kennzeichen der uns noch immer anhaftenden, aber gar nicht entschieden genug zu bekämpfenden Ausländerei ist. In drolliger und dabei wirkungsvoller Weise verspottete einst ein Freund des Sprachvereins diesen Unfug, indem er bei einem Mittagsmahl, zu dem nur Deutsche geladen waren, an den Schluß seiner „Speisenfolge" die Bemerkung setzte: „Für diejenigen meiner lieben Gäste, die der deutschen Sprache nicht genügend kundig sind, befindet sich ein französisches Menu auf der Rückseite." — Tie Karte einer kaiserlichen Hoftafel mag zeigen, wie gut sich auch feinere Speisen deutsch benennen lassen. Sie lautete: „Windsor- Supve. Zander in Rheinwein gedämpft. Burgunder Schinken mit Gemüsen. Pasteten von Rebhühnern mit Trüffeln. Hummer nach Ostender Art. Masthühner. Salat. Mehlspeise von Aepfeln. Butter und Käse. Gefrorenes. Nachtisch," Französisch hätte sie gelautet: „Potage ä la Windsor. Sandat (oder Sandre) au vin du Rhin. Jambon de Bourgogne garni de lsgumes (oder ü la jardiniöre). späte oder Tim- bale de perdreau aux truffes. Homard ä l'Ostende au naturel. Poulardes röties. Salade. Mets de Pommes: Beurre et ftomage. Glaces. Dessert." Was ist nun verständlicher ? F- W. VekMischte»4 * „Deutsche, laßt Eure Kinder nicht mehr prügeln!" Unter dieser Spitzmarke nimmt Georg Hirth in der letzten Nummer der „Jugend" mit Beziehung auf die Fälle Deditius und Warmuth sehr energisch gegen die Prügelmethode in der Erziehung Stellung. Hirth schreibt: „Es ist eine nichtswürdige Unsitte aus der „guten" alten Zeit, so alt, wie die Stillung des deutschen Durstes durch Alkohol. Einen sehr großen Teil der in unserem Volkstum steckenden Feigheit und Bosheit und anderer Entartungen des Charakters verdanken wir nur dem Prügeln. Denn ein stolzer Knabe, der von Lehrern aller Klassen und Disziplinen verhauen wird, erleidet entweder an seinem Mute oder an seiner Herzensgüte — oder an beiden Schaden. Auch am Mute zur Wahrhaftigkeit! Ta er aber in der Regel den Vorsatz, seine Rachsucht an dem prügelnden Lehrer zu kühlen, nicht aussühren kann, so haben in seinem spateren Leben viele andere, am meisten er selbst und seine Kinder, darunter zu leiden. Auch die Eltern sollten den Wahn aufgeben, ihre Kinder durch äußerliche Mrhhand- lungen innerlich zu bessern. Was an mir böses ist, schreibe ich den Prügeln zu, die ich vom Vater erhalten habe. Warum schlug er mich, da er mir doch einschärfte, jeden Schlag eines Fremden durch Gegenschlag zu rachen? Er schlug mich, weil auch er von seinem Vater geschlagen worden war, aus Ungeduld, aus Mangel an Erziehungskunst, in der verkehrten Meinung, daß die Furcht vor dieser barbarischen Strafe den Charakter dann nicht angrerfe, wenn sie vom eigenen Fleisch und Blut erteilt wird. Stumpfsinnige Gewohnheit, die in dem Bakel einen Zauberpab der Liebe zu erblicken wähnt. Aber dürfen wir uns der Roheiten wundern? Wird nicht die Verachtung des Fleisches als eine göttliche Satzung gelehrt? Wird nicht das nackte Ebenbild Gottes im Namen Gottes mit Füßen getreten? —. alles, was zum Heiligtum seiner Forterzeugung gehört, als Teuselswerk gebrandmarkt, ja schon das Erwachen der natürlichen Triebe für fluchwürdige Erbsünde, ausgegeben, die durch schmerzliche Selbstanklage und Buße gesühnt werden müsse? Wahrhaftig, zwischen der aUvpoustyeu und der asketischen Verrohung ist ein tieferer Zusammenhang, als sich die srömmelnden Nuditätenschnüffler und Kunstverächter träumen lassen!" Literarisches. Die Liebe in der dramatischen Literatur. „Was ist das Leben ohne Liebesglanz", seufzt Thekla. Wir können den Satz variieren und fragen,: „Was ist das Trama ohne Liebe?" Bildet sie doch saft in allen %uen von Bühnenstücken den belebenden Nerv, den Hebel zur Bewegung spannender Handlungen. Wie nun im rezitierenden Trama berühmte Autoren aller Zeiten und Lander die Herzensneigungen und erotischen Empfindungen ihrer Helden und mehr noch ihrer Heldinnen in Worten geklechet haben, das zeigt in anschaulicher Form das im Verlage von Ernst Hahn in Berlin erschienene Buch: „Tie Liebe in der dramatischen Literatur" von Jakob Lippmann. Einleitend hebt der Verfasser hervor, wie auf der Bühne „jedes große weltgeschichtliche Ereignis und jede Familienkatastrophe durch Gott Amor hervorgerufen wurde." Sodann folgt eine große Anthologie von die Liebe betreffen- 80 Kkeim praktische Ratschläge. — Chpressenöl gegen Keuchhusten. Wenn gegen eine Krankheit eine große Anzahl Heilmittel ange- triefen werden, so ist dies immer ein schlechtes Zeichen für die Heilbarkeit dieser Krankheit. Ties gilt auch für den Keuchhusten. Tutzende von neuen Medikamenten werden alljährlich von findigen Fabrikanten entdeckt, welche alle den Keuchhusten radikal beseitigen sollen. Toch noch keines hat sich bewährt und der Arzt darf schon zufrieden sein, wenn es ihn: glückt, mit feinen Mitteln die Anzahl der Keuch- hustenfälle herabzusetzen und die Schwere des Anfalles zu mildern. Luftveränderung hat sich immer noch in vielen Fällen als sehr günstig erwiesen; aber dabei besteht immer die Gefahr, daß der Keuchhusten in bisher freie Orte verschleppt wird, und wenn das Keuchhusten kranke Kind, daher nicht überall mit offenen Armen ausgenommen wird, so braucht man sich darüber weiter nicht zu wundern. Man hat daher neuerdings vorgeschlagen, spezielle Sanatorien für diese Kranke zu errichten. Allein trotzdem ist der Gebrauch von Linderungsmitteln unerläßlich und eine Mutter, die es unterlassen würde, ärztliche Hilfe beim Keuchhusten in k^ispruch zu nehmen, würde sich an ihrem Kinde schwer veri mdigen, denn oft schließen sich an den Keuchhusten schwere Nachkrankheiten an. Als Linderungsmittel gegen Keuchhusten hat jüngst Prof. Kobert in Rostock das Cy- pressenöl empfohlen. Tasselbe soll mit der fünffachen Menge Alkohol verdünnt aus das Hemd des Kranken Verden Zitaten aus der dramatischen Weltliteratur. Ter Weg Kben Verfasser von dem chinesisschen Trama des o-meihiang, von Sophokles, Euripides und Plautus zu Calderoii, Shakespeare, Racine und den deutschen Dich- tern und schließt mit den modernsten Erzeugnissen in- und ausländischer Dramatiker. Alle Arten von Liebes- zustäüden werden in dieser Zitaten-Sammlung berührt, die ideale aufopferungsfähige Liebe, die Qualen der unglücklichen Liebe und die sinnliche Erotik. Natürlich konnte der Verfasser nur eine beschränkte Anzahl von Zitaten berücksichtigen. So sind es also gleichsam Stichproben, die nns der belesene Verfasser in guter Auswahl bietet. Bei Shakespeare beschränkt er sich z. B. auf zwei Fälle, auf die berühmte Werbeszene Glosters um Anna in „Richard III." und aus die Liebesausbrüche der Geliebten Romnos. Hier, wie auch sonst noch des Oefteren, geht Livpmann auch aus psychologische Erläuterungen ein. Im allgemeinen jedoch hält er sich bescheiden, wie ein Regisseur hinter den Kulissen, zurück und läßt die Dichter, die Seeleumaler allein zu Worte kommen. Je mehr dieser literarische Streifzug der Neuzeit sich nähert, um so ausgiebiger und im gewissen Smne auch aktueller gestaltet sich natürlich der Stoff. Wer bei der Lektüre des Buches sich einen besonderen Reiz verschaffen will, dem raten wir, beispielsweise die Liebesschilderungen der deutschen Klassiker mit jenen der modernen Tagesdramatiker zu vergleichen. Man wird dann sehen, um wieviel komplizierter die Stoffe der Liebeshandlungen heutzutage ersonnen sind, wie die Beschreibung der psychologischen Motive der nun meist merkwürdig handelnden Charaktere zu einer Disserenzierungskunst gediehen ist, die zum Teil schon etwas Degeneriertes an sich hat. Mit interessanten Än- deutnngen über die Wechselwirkung von Bühnenstück und modernem Publikum schließt das gut ausgestattete Buch. — Schon im frühen Alter zeigt sich der W u n s ch n a ch z e i ch n e r i s ch e r H a n t i e r u n g und wenn auch das Kind nicht zu viel mit Unterricht geplagt werden soll, so werden verständige Eltern doch daraus bedacht fein, die zu tage tretenden Neigungen unbeschadet der kindlichen Freiheit in die richtigen Wege zu leiten. Hierzu bietet sich Vorlagenstoff und geschickte Anweisung in einer gediegenen Sammlung, die soeben unter dem Titel „Kinderzeichnen" als erste Serie von C. Hoffmanns „Zeichenkunst" im Verlag von Otto Maier in Ravensburg erscheint. (Preis 1 Mk.) Frische Darstellungen, Figuren mitten aus dem Leben heraus, keine langweiligen, peinlich abgezirkelten Zeichnungen finden wir in den ausgezeichneten Vorlagen. Tie Auswahl ist mit gutem Bedacht und großem Geschick getroffen. Allerhand Gegenstände, werden — mit weiser Beschränkung und steter BerÜcksichf- tigung des dem Kinde Erreichbaren — geboten. spritzt und dann eingeatmet werden. Tie Cvpresse ist eist altes Mittel bei Brustkrankheiten, denn in die duftenden Cypressenwälder schicken arabische Aerzte heute noch ihre; Brustkranken. Gegen Hühneraugen wird das Auflegen von Zwiebeln empfohlen, welche zuvor eine Stunde lang in Essig gelegt und dann fein zerschnitten wurden. Als Verband nimmt man reines Lemen. Tas Verfahren ist dreimal täglich zu wiederholen; gewöhnlich läßt sich das Hühneraugtz schon nach einigen Tagen mit einem Messer herausnehmen. Das Medium. Wir erhalten eben so viel poetische Grüße, als befänden wir uns im Wonnemonat. Einem unserer Leser fällt es ein, daß man über das Thema „Anna Rotbe" wieder mal etwas sagen könne, und dichtet nicht übel: Sie sitzt in niederer, enger Zelle Und durch das hohe Lustloch dringt Des Sonnenlichts getrübte Welle, Die wie ein Geisterschleier blinkt. Es legt sich hart auf ihre Glieder Ein grobes, härenes Gewand. O, sie erkennt sich nicht mehr wieder, Wie ging sie einst so elegant. Sie mußt zu ihrem größten Schrecke Ablegen Schmuck und Seidenkleid, Und auch bte bausch'gen Unterröcke — Und das tat ihr besonders leid- Jn diesen Unterröcken hingen Die schönsten Blumen weiß und rot, Die sie — berührt von Geistersschwingen — Den gläubigen Spiritisten bot. Telepathie und Okkultismus Sind unseren Gerichten fremd, Ihr armer Medium-Organismus Ward untersucht — pfui! bis aufs Hemd. Als man sie sah im Blumenkränze, Da rief die rohe Polizei: Das ist ja eine nette PflanzeI Und ach! es stand kein Geist ihr bei... Nun brummt fiel Und sie muß sich fassen, Bis abläuft ihres Kerkers Uhr, Doch wenn sie wieder freigelassen, Was wird sie dann beginnen nur? Wer wird noch trauen ihren Listen? Sie grübelt nach, dann lächelt sie: Sie baut aus ihre Spiritlsten, Denn alle werden die ja nie. __ Mg. Nie ruist Tu zurück mich Aus Tiefen des Todes. Was Du liebst, mußt Du lassen, Und das Leid nur ist lang. W i l h. Jordan. ^Sigfridsage.- * * s Nur wer erlöschend noch gedacht: „Ich habe treu und schön vollbracht Ein Dasein, reich an Segen", Nur dem vermag int Sterbekleid So rein verklärte Seligkeit Das Antlitz jung zu prägen. Wilh. Jordan. Preisräts e !♦*) Nachdruck verboten. 1—2 Ausdruck der Schnelligkeit. 1 2 3-4 weiblicher Vorname. ___ 1—3 Nahrungsmittel. o » 2—4 Fluß in Sibirien, ö 3—2 Baum. *) Lösungen sind mit Aufschrift: „Preisrätsel-LSsnng" versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion der Kamillienbräller" einzuscndcn. Auflösung des Logogriphs in vor.Nrt. Dotter, Otter, Redaktion! August Göb. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.