Wr. 165. 1904. cw ! SM Bö KW M.!. . Aus Ließe. Roman von M. v. Esch st r u t tj. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Dann lenkte Hildegard die Unterhaltung auf ein anderes Gebiet. Er blieb noch ein wenig, und sie redeten allerlei. Und nach all der blendenden Konversation, wie sie Ellinor ins Tressen führte, dem zärtlich spielenden Getändel init Jutta in ihren guten Stunden, dem alles mit eleganter Glätte nivellierenden Ton des Salons, erschien' dein jungen: Offizier jedes Wort hier, wie es in gegenseitigem Vertrauen siir gegenseitiges Verständnis und Wohltnn gewechselt ward, erst die rechte Sprache für den Menschen zu sein. „Lebe wohl, Garda, und habe Tank", sagte er rind küßte diesmal herzlich die ihm zum Abschied gereichte Hand. Warum' er sie einst belächelt rind geschmäht, hatte er ganz vergessen. „Lebe wohl, Harro", entgegnete das Mädchen. „Gehe mit Gott und kehre'mit Gott zurück!" Als er dainr gegangen tvar, starrte sie auf die Stelle, da er zuletzt gestanden. Ihre Augen blickten trübe. Nicht lange jedoch, und es leuchtete darin aus, mild, rein, alles erhelleud, alles verklärend, wie des Mondes Licht, wenn er sich seinen Weg durch die vorn Sturme getriebenen Wolken bricht. „Mrs Liebe", flüsterte sie leise. , 21. Kapitel. Am andern Tage begab sich Hildegard in die Wohnung der Urans, wo sie Sophie mit einigen Freunden und Frerrrr- dirmen rrr dem Eßzimmer der Herrschaft beim Kaffee fand. Sophie war nicht sehr erbaut, aber auch nicht sehr erschrocken, grs' Hildegard eintrat. Sie nahm dergleichen leicht, im! Bewußtsein ihrer Unentbehrlichkeit. Fataler erschien schon) daß Hildegard erklärte, sie würde so lange hier abschließen, bis die gnädige Frau bestimmt habe, ob sie wiederkommen oder bei Mama bleiben (volle, so lange der Herr fortbliebe, und was dann init der Wohnung kund Köchin werden solle. Dann schrieb Hildegard pln die Cousine, sehr herzlich 'und sehr diskret. Sie nahm an, daß die junge Frau um die kriegerischen Absichten ihres Gatten wußte uud damit einverstanden war, und stellte sich ihr in allem übrigen zur Verfügung während ihrer Einsamkeit. Tie arme kleine Frau bekam jedoch einen fruchtbaren Schreck bei der Nachricht, die noch am selben Tage, aber mir ganz kurz uud sachlich, vou Harro bestätigt wurde. Der armen Jutta war in ihrer Familie weder die Teilnahme noch das Einverständnis geivorden, auf die sie selbstverständlich gerechnet hatte, als sie sich in ihrer Verzweiflung zu Mama geflüchtet. Denn ob sie auch diese, weinend über das unschuldige Opferlamm rmd vor Groll gegen den abscheulichen Mann, in die Arme schlloß — kauch die zärtlichste Mutter konnte doch nicht umhin, dein Kinde zu sagen, daß es sich, was die letzte Geschichte anging, mindestens taktlos benommen und einen Skandal heraufbeschworen habe, bemj man nur durch 'ein Wunderso schien es — entgangen sei, und daß es nun vor allem schweigen hieße. Darin stimmten auch die auderen sämtlich überein, denn einen Skandal wollte niemand in seiner Familie haben, auch der Kommandierende nicht. Selbstverständlich war dieser empört über den Sohn, aber je mehr er sich über ihn empörte, um so ärgerlicher! ward er auch über dessen Frau; denn des Mannes Schicksal, das Schicksal der Familie, ruht alleweil in den Händen der Frau, pflegte er nun erst recht jetzt mit Vorliebe seinemj einstigen Liebling zu bedeuten. Jin ganzen' hatte ja der tüchtige Offizier nicht pnrecht Mit diesem' Wort: „Das Unrecht hier liegt nur darin, daß so ziemlich jeder Mann und' jedermann immer das Höchste von dem „schwachen" Geschlechte verlangt und doch so wenige daran denken) dies schwache Geschlecht für solch hohe Aufgabe zu kräftigen.", Daß der ganzen Familie aber immer nur der Skandal die Hanptsache schien, das konnte Jutta nicht fassen. Jhrch- iuegeit hätte die ganze Welt Kopsstehen können, wenn nur Harro sie nicht so gekränkt, und — verlassen hätte. Daß sie selbst dabei ein Teil von Schuld traf, und' bei der letzten Geschichte erst recht, daran nur. zu denken, fiel der kleinen Fran gar nicht ein. Wohl hatte sie dem Gatten' geschrieben, wir sind geschieden; aber daß er sich für China! gemeldet hatte, bedeutete ihr, die ohne jede Ahnung der hier maßgebend gewesenen Vorgänge war, nur eiuen Entschluß mehr, sie zu kränken; — das böse Wort, das er ja gar nicht im Ernst hätte nehmen dürfen, wirklich im Ernst zu nehmen und wirklich wahr.zu machen. Ueberreizt, verwirrt von allen Erlebnissen und Erfahr- un.gen ihrer kurzen Ehe, konnte die arme, impulsive, in! Temperament und Ueberlegen noch so ungeschulte junge Frau jetzt, sozusagen, in einem Wem jammern um den geliebten Gatten, schelten auf den schlechten Menschen, schwören, baß er sie nie wieder zu sehen kriegen sollte, und zugleich angstvoll Nm die Nachricht sorgen, die ihr melden würde, daß — ja, daß es doch iöieber anders zwischen ihnen werden müsse. Mama, welche die einzige gewesen wäre, nm „mit nie ermüdender Geduld den Gemütszustand ihres Kindes zu begreifen, diesen Ausbrüchen stand' zu halten, war durch die. Vorbereitungen für Rose Mariens nahe Hochzeit zu sehr in Anspruch genommen, um sich der armen Frau in den: Maße widmen zu köunen. Darum schnitt denn auch das bräutliche Glück der Schwester Jutta nur noch tiefer in das Herz, als es schon so unter den Verhältnissen getan haben würde. Dazu kam, der gräfliche. Schwiegersohn gab, just tote einst Harro, das Entzücken von! Mama ab, und er schien, obwohl selbst viel sehr Kavalier, um das klipp Md klar zu sagen, nicht sehr entzückt von einer geschiedenen Frau, einer Frau, mit der immer noch ein Skandal in die Familie kommen konnte, als Schwägerin. Rose Marie, obwohl ein liebenswürdiges Mädchens und sehr chic ün allen Dingen, bekannte zuweilen ganz f- 658 offen, daß ihr dergleichen nicht mit Franz Friedrich passieren wiirde. Lidoy machte Lieder Pläne für die Zukunft, d. y. in erster Linie Mr gesellige Vergnügungen, als daß sie mit Jutta weinte öder sich mit ihr ärgerte. Sie war die süngste der Schßvefieru, und wie die Jugend immer schneidiger wird, mich die schneidigste von ihnen. Sie hielt demnach kurzer Hand dafür, daß die Sache nun mal nicht zu ändern sei, außerdem habe sich auch Jutta die Geschichte reichlich eingebrockt. Die Schwester Sack und Asche trauern sollte, wenn es ihr gerade so paßte. Denn sie, Liddy, mußte doch auch an sich denken, ja, sie war sich das sogar selbst schuldig. Alle Liebe Mamas konnte daran nichts ändern, die Aermste hatte es drei Töchtern recht zu machen, und das ist unter modernen Verhältnissen mit modernen Töchtern ein bißchen viel. So währte es keine 14 Tage, und JUtta zog es vor, wieder nach Kaltenburg zu gehen; hier wenigstens' war sie Bet sich und niemanden: im Wege. Mit dieser ihr ganz neuen Empfindung traf sie dann dort ein und wurde in ihrer einsamen Wohnung von Hildegard empfangen. Ueberwültigt von den mannigfachsten Empfindungen, schlug sie die Arme um den Hals der Cousine und barg, gleich einem verlorenen Vögelchen, ihr Köpfchen an deren Brust: „Bleibe Du wenigstens bei mir, Hildegard!" Hildegard/ dachte wehmütig!am ihr schlichtes, aber ungestörtes Stübchen, ihre Bücher, die Arbeit, die ihr Trost, ihr Halt, ihr bestes Gut gewesen. Doch „Aus /Liebe" flüsterte sie wieder, und quartierte sich bei JUtta. ein. Damit wurden ihre Tage nicht leicht.. Die arme kleine Fra:: war in einer ebenso verzweifelnden als ungleichen Stimmung. Einmal wollte sie niemanden sehen, von- der Lanzen Welt nichts wissen, lag apathisch auf der Chaiselongue und rührte sich nicht; dann wieder konnte sie durchs die Zimmer irren, ohne Rast und Ruh, verlangte' nach Menschen, wollte jedem ihr Leid, klagen, ihr Herz ausschütten — daß ihr leichter werde. Das aber durfte nicht sein. Hildegard ließ Jutta also nie allein, wein: Besuch kam, achtete auf sie und in Todesangst auf jedes unbesonnene Wort. Keine leichte Aufgabe. Denn, wie die Stäubchen in der Sonne, so flogen auch jetzt wieder Ahnungen und Mdanken über die junge Ehe und etwaiges weiteres in der Gesellschaft von Kaltenburg umher. Und gerade weil niemand etwas Bestimmtes erfahren konnte, spitzten sich W Ohren um so neugieriger, wenn man kam, um der kleinen Frau seine wärmste Bewunderung für test heroischen Entschluß ihres Gatten zu erklären, sich zugleich aber mit der wärmsten Teilnahme für die reizende Fran erging, der gegenüber solcher Entschluß doch recht schwer, fast unbegreiflich erschien. Hildegard jedoch hielt den: allen stand ; kau: immer zur rechten Zeit dazwischen, wenn sich JUtta einmal gehen lassen wollte, fand stets eine passende Asttwort auf diskrete, wie indiskrete Bemerkungen und gab der Unterhaltung eine Richtung, die möglichst weit ab von jedem gefährlichen Thema lag. Wofür sie dann freilich recht oft genug das Prädikat eines verflixt arroganten, selbstbewußten späten Mädchens erntete, ja sogar bei JUtta in diesem Punkte keine Gegenliebe fand. „Warum soll er denn imMer n:it der Glorie angetan dastehen?" rief JUtta auch eben mal wieder ärgerlich, weil Hildegard sie vor kargem verhindert, Ada von Boltin, einer der neugierigsten Klatschbasen, ihr Herz auszuschütten: „Darf ich denn nicht auch einmal Mein Schicksal beklagen? Darf denn niemand wissen, wie er ist?" Wie immer, so schnitt auch heute jedes dieser Worte Hildegard in das Herz. Melleicht litt sie, gerade sie, noch um ein gut Teil mehr unter der Veränderung ihres' einstigen Ideals, als dieses Ideales kleine Frau. Sanft, ruhig aber gab sie zurück: „Doch, Du kannst Dich aussprechen — । bei mir, bei allen, die Dich wirklich lieben. Aber Du darfst Deinen Mann nicht bloßstellen." Und wie sehr auch Hildegard den Punkt zu berühren scheute, so fuhr sie eben do,ch trotzdem, einer schnellen Antwort Juttas zuvorkommend, fort: „Außerdem bin ich ja erstaunt, daß — daß kein — keine Forderung stattgefunden hat. Möglich, daß das beste wäre, daß Dein — ihr Brief — gar nicht an die von Dir bestimmte Wresse gelangt ist, aber kämen solche Reden und Gerüchte zu Ohren von Greditz, so könnte er diese nicht ignorieren. Auf'geschoben ist Nicht immer Mfgehoben, Es kann jemand heil ustd gang aus einem/ Kriege zurückkehren und doch von d'er Mgek eines Kameraden getroffen werden. Nun erschrak Jutta aber doch kecht ordentlich! Daß ihr unbesonnener Schritt solche Folgen haben könne, das hatte sie selbstverständlich in jenem unglückseligen Moment nicht gedacht. Dann hatte sie sich nur zu gern, wie die ihren/,, mit dem Wunder beruhigt. Jetzt blieb sie eine Weile still und sah ziemlich geknickt drein. Dann ater, und vielleicht, wie um sich vor sich selbst zu entschuldigen, klang es': „Harro ist sehr schlecht zu mir gewesen, er hat mich arg betrogen!'< Dagegen ließ sich nun nichts sagen, wenn dem so war, wie es Jutta behauptete. Hildegard seufzte. Doch, löte eine Mutter strich sie der jungen Fran über das Haart, „Liebste, wir sind allzumal Sünder^ Und« List Du so sicher/ daß Tu ganz ohne Schuld bist bei dem, was — was alles zwischen Euch 'getreten ist?" „Na aber, Garda", fuhr die kleine Frau aus: „Ich habe stets nur meinen Mann geliebt,"- Nun mußte Hildegard doch "wieder lächeln, und lgchelwb küßte sie die dunklen Sammetaugen der trotz alledem so reizenden, kindlich gebliebenen Frau, lieber den Punkt wurde an diesem Tage nichts mehr von den beiden Cousinen gesprochen. Hildegard wußte nicht, waren ihre Worte auf eine fruchtbare Stätte gefallen oder nicht. Am anderen Morgen saß Hildegard mit Fenster mit einer Handarbeit. Jutha wanderte in fast wnhnsinnigtir Unruhe auf dem blauen, rosendurchwebten Teppich hin und' her. Ab und zu nahm sie eine lauschende Stellung ein. Vielleicht, daß' sie auf etwas wartete. Sie hörte jeden Tritt in dem großen Hause, und sie schreckte bei jeden:/ Laut zusammen. Endlich ließ sie sich auf dem kleinen! Sofa nieder und barg das Haupt in den Händen. Aber auch Hildegard ließ jetzt die Arbeit sinken, ihre Hände zitterten, ihre Augen blickten trübe, sie konnten keinen Stich länger, erkennen. Heute sollten die Schiffe nach China abgehen. Vielleicht, daß beide Frauen an das eine hier dachtem Da schlug die Uhr auf dem kleinen Zierschränkchen von Mahagoni und Bronze. In ihrer hochgradigen Erregung wurde Jutta der Schlag zu einem Schuß, der Salve, dem; Gruß, mit dem der „Bismarck" von dem heimatlichen Gestade schied. Sie schnellte in die Höhe. Leichenblaß, die Arme weit ausgebreitet, stand sie da: „Harro! Harro!" klang es plötzlich! von den bebenden Lippen. Dann nahm! eine Ohnmacht die Sinne der jungen Frau gefangen. Die Ohnmacht währte lange. Als Jutta daraus erwachte, schien sie nichts zu wissen, weder von dem, was dahinter lag, noch pon dem, was um sie her vor sich gtng.. Sie fieberte und wurde recht krank. Der Arzt hielt mit der Diagnose zurück. Erst als sich nach etwa 14 Tagen Jutta/ entschieden auf der Besserung befand, verkündete er die nun, je nachdem, erfreuliche und auch leidmütige Tatsache, daß Kau von Uran ein Kindchen haben würde. (Fortsetzung folgt.) . Maudsrelen aus der Aaiserstadt. (Nachdruck verboten.) Der Streit um test Wuuderkefsel. — Flüssige Luft. — Schillings Tierbilder. Wenn die Könige bauen, haben die Kärrner zu tun. Freilich sehn diese Kärrner viel eher wie Könige aus, wenn man sie bei der Arbeit sieht und umgekehrt. Es handelt sich nämlich um die Herren vom Brettl, die plötzlich wissenschaftlichen Ernst mar- markieren und mit tiefsinniger Grazie auf dem Podium jene überraschenden Experimente zum besten geben, die grübelnde Gelehrtenarbeit in Jahrzehnten errungen hat. • Wenn man den schneidigen Fex in Frack und Ballweste da oben mit seinem Wunderkessel herum hantieren sieht, muß man ihn wirklich für den König im Reiche der Wissenschaften selber halten. Nach köstlicher wird der Spaß, wenn man erfährt, daß sich ein Heißer Streit über die Superiorität dieser Erfindung entspannen hat. Um nicht mißverstanden zu werden: nicht ein Streit über die Erfindung, Luft flüssig zu machen, selbst, sondern um die viel genialere Idee, ' "diese Erfindung dem dickbretternen Boden der geistreichen Ba- risto-Künste dienstbar gemacht zu haben. Und so befehden sich um die Nummer des „Wunderkessels", die augenblicklich im „Wintergarten" auf dem Programm steht, Engländer und Deutsche mit fulminanten Zeitungserklärunqen und geberden sich dabei als Könige, obgleich sie doch nur dummschlaue Kärrner sind. Im übrigen sind die verblüffenden Erscheinungen der durch tiefgradige Abkühlung flüssig gewordenen Luft schon in der Industrie, die ihre Verwertung anstrebt, vielfach vorgeführt worden, und wer in Berlin der Gesellschaft für „Markt- und Kühlhallen" in der Trebbinerstraße einen Besuch macht, kann alle die seltsamen Sachen dort gratis genießen vom eingetauch- — 659 ten EifenstSbchen an, das spröde und zerbrechlich tote Glas wird. Bei einem großen Souper int Tiergartenviertel hätte unlängst sogar jeder der Gäste ein zierliches Gefäßchen mit flüssiger Luft vor seinem Platze stehen, um sich seine Getränke durch einen Zusatz ganz nach Belteben kiihlen zu können. Was diese kleine Extravaganz dem findigen Wirte gekostet hat, stand leider nicht mtf der Tafelkarte. Was die wirkliche Verwertung der flüssigen Lust anbetrifft, so ist dabei meist noch alles in den Anfängen. Man hat nach mühevollen Versuchen endlich den Weg gefunden, den Stickstoff vom Sauerstoff zu trennen und bringt nun bett komprimierten Sauerstoff in Stahlflaschcn in den Handel; auch den Stickstoff benutzt man zur Herstellung von wichtigen Stick- stofsverbindungen, wie Blausäure usw. Indessen ist das Verfahren noch imm zu kostspielig, um größere Vorteile aus dem gelösten Problem zu ziehen. Noch von einem anderen Zweig der Naturwissenschaften hat man in diesen Tagen Vorführungen auf die Bühne gebracht. Ter wegen seiner Gutachten über den „klugen Hans" des Herrn von Osten stark hervorgetretene Zoologe Schilling hat bei feilten Forschungsreisen in Afrika eine Reihe von photographischen Momentausnahmen gemacht, die wegen ihrer Originellität von ganz besonderem Interesse sind. Unsere Tierbilder aus der Wildnis, soweit sie nicht der mehr oder weniger lebhaften Phantasie des Malers entsprungen sind, zeigen uns die Bestien der Tropenivelt selten anders, als im Zustande der Ruhe. Aber Schilling hat sich, wie es scheint, das Wort Freytags zu Nutze gemacht, das vom Dichter verlangt, daß er das Volk Lei seiner Arbeit aufsuche. So hat nun Schilling auch die Tierwelt bei ihrer Arbeit aufgesucht und dabei ganz überraschende Bilder bekommen. Bisher waren diese für das große Publikum -nicht zu sehen. Sie wurden vor kleinen Kreisen von Geladenen oder in Vereinen vorgeführt. Nun hat sich die Gesellschaft „Urania", deren Vorstellungen aus der Geschichte der Erdentwicklung, usw. langsam zu einer Sehenswürdigkeit ersten Ranges, zu einem hochzuschätzenden Bildungsmittel geworden sind, auch dieser Bilder angenommen und bringt sie in ihrem alten Heim in der Znvalidenstraße zur Darstellung mit einem Vortrage, den der Direktor unseres zoologischen Gartens, Tr. L. Heck, versaßt hat. Unter diesen Bildern ist z. B. eines, in dem von der photographischen Platte ein Löwe festgehalten worden ist, just in dem Augenblick, wo er den Riesensprung auf seine Beute, in diesem Falle eine gefesselte kranke Ziege, ausführt. Ter Naturforscher hat diese nächtliche Ausnahme nur ausführen können, indem er sich mitten in der Wüste in einem sicher umgitterten Raume nicht weit von dem angebundenen ängstlich meckernden Opfer bereit hielt, und in dem ihm geeignet scheinenden Moment das bereit gehaltene Blitzlicht ausflammen ließ und bett Vorgang so auf die Platte bannte. Natürlich hat dieses unerwartete Zwischenspiel die gelbe Katze derartig erschreckt, daß ihr die Sache höchst unheimlich vorgekommen ist, was man in einer gleich hinter gemachten Aufnahme deutlich wahrnehmen kann. Da befindet sich nämlich der stolze König der Tiere auf dem Rückzüge und zeigt dem gewiß ebenso verdutzten Zicklein, daß der bessere Teil der Tapferkeit nicht nur bei dem wackeren Herrn Falstaff Vorsicht ist. Jedenfalls sind Bilder von derartigen, der Natur wirklich abgelisteten Situationen bisher noch nicht dagewesen, weshalb ihnen späterhin sicher auch anderwärts die größte Beachtung zu teil werden wird. Diesen Bildern aus dem deutschen Ostafrika, die von einer zielbewußten Eigenart ihres Erzeugers ein glänzendes Zeugnis ablegen, hat es Schilling nicht zum mindesten zu verdanken, daß man auf sein Gutachten über das intelligente Pferd des Herrn von Osten soviel Gewicht gelegt hat. Ob er sich in diesem Falle freilich nicht doch hat täuschen lassen, ist eine noch immer ihrer Lösung harrende Frage. Das Roß hat trotz der Zweifel, die von wissenschaftlicher Seite, u. a. van Tr. Moll, laut geworden sind, immer mehr gläubige Freunde gefunden. Einer unserer bekanntesten Dichter schreibt ihm ■ sogar in einem mir vorliegenden Brief den „Menschenverstand eines übermütigen Sextaners oder Quintaners" zu. Danach hätte „Hans" also auch „Humor". Es ist wirklich schade, daß sich Gedanken von Menschen wie Pferden nicht auch mit Blitzlicht photographieren lassen! A. R. Was kehrt das MrLfchafLs0uH? Alle Hausfrauen ohne Unterschied sollten sich daran gewöhnen, eilt Wirtschaftsbuch zu führen. Auch für den bescheidensten Haushalt erweist sich ein gewissenhaft geführtes Einnahmen- und Ausgabenbuch als ein außerordentlich zweckmäßiges und wirkungsvolles Mittel, die Finanzen in Ordnung zu halten und einen Anhalt zu gewinnen für die Schaffung solider Wirtschaftsverhältnisse. Die Hausfraueit unter unseren Leserinnen, die sich bereits durch jahrelange Führung eines Wirtschaftsbuches von dem Segen einer solchen Einrichtung überzeugt haben, werden stets mit Jnter- cife den Preisbewegungen folgen, die sich 'auf dem Warenmärkte vollziehen. Sie sehen sich dadurch in den Stand gesetzt, in ge- neten Fällen Vorsorge zu treffen, um günstige Konjunkturen r den Einkauf auszunützen. So wird jede Hausfrau — wenn anders sie dazu in der Sage ist — gewisse Verbrauchsartikel in größeren Mengen in der Zeit eines Preistief st an des einkaufen, während andere Hausfrauen, die der Bewegung der Marktpreise und der Gestaltung der wechselnden Konjunkturen nicht aufmerksam folgen, in Zeiten eines Preishochständes ihr Wirtschaftsgeld rascher knapp werden sehen, als ihnen lieb ist. Vielleicht hat manche Hausfrau im Oktober bemerkt, daß die Preisveränderungen auf dem Warenmarkt nicht erheblich genug waren, um auf die Haushaltskosten der arbeitenden Bevölkerung nachhaltig einzuwirken. Nach der Preissteigerung im Juli uno August und der Preisermäßigung im September folgte der Oktober als ein Monat, in dem sich die Preiserhöhungen und Ermäßigungen gegenseitig so ziemlich kompensieren. Ter Preis für Brotgetreide folgte in Deutschland nicht der Haussebewegung an beit amerikanischen Getreidemärkten, an denen vorübergehend beinahe Hungersnotpreise notiert wurden, sondern zeigte namentlich an den kleinen Landmärkten eine ausgesprochen sinkende Tendenz. An den großen Märkten dagegen hielt sich der Weizenpreis auf der Höhe des September, während der Preis für Roggen etwas nachgab. Tie Brotpreise folgen den steigenden oder sinkenden Getreidepreisen erst immer einige Zeit später nach. Oder da die Brotpreise bei uns das Feststehende zu sein pflegen, so soll das soviel heißen: Das Brot (Schwarz- und Weißbrot) wird erst immer einige Zeit nach dem Steigen oder Sinken der Getreidepreise kleiner oder größer. Sehr ungleich war wiederum die Bewegung der Kartoffelpreis e in den einzelnen Landesteilen. Immer mehr sollte sich heraus, daß die Kartoffelernte nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ weit mehr befriedigte, als man angenommen hatte. Allerdings schwanken die Erträge auch innerhalb kleiner Gebiete sehr beträchtlich. Im östlichen Teile der Provinz Sachsen z. B. kamen Ernten von 60, aber auch solche von 20 Zentner pro Morgen vor. Im Durchschnitt dürste sich noch mittlerer Ertrag ergeben. Unter dem Einfluß dieses relativ günstigen Ernteausfalls gingen die Preise vielfach auffallend zurück. In einzelnen Gebieten traten freilich auch im Oktober erneut Preissteigerungen ein. Gemüse ist gegen September billiger geworden. Was der September noch zur Reife brachte, ergab- ein so starkes Angebot, daß vor allem in späten Gemüsen die Preise sich auf demselben niedrigen Niveau hielten wie in normalen Jahren. Ta das Gemüse eine sehr gesunde Nahrung ist, so werden kluge Hausfrauen der günstigen Konjunktur Rechnung tragen. An den Schlachtviehmärkten ist die weichende Tendenz der Preise im Laufe des Oktober zum Stillstand gekommen, für Schweine und Kälber ist sogar eine Preis st eigerung eingetreten. Nennenswerte Erhöhungen bes Preises haben außer- bem noch für Butter und in den letzten Tagen des Oktober auch für Zucker stattgefunden. Sind nun auch gegenüber September keine starken Preis- Veränderungen vor sich gegangen, so ist doch g e genüb er d em Vorjahr das Preisniveau im allgemeinen noch 'immer wesentlich höher. Was aber hauptsächlich den Konsum im Oktober belastete, waren nicht erhöhte Warenpreise, sondern eine durch die Witterung bedingte Vermehrung des Konsum s: Tie Kosten für Beleuchtung und Heizung nahmen zu und belasteten auch 'das Budget der bescheiden lebenden Arbeiterfamilien. In neuerer Zeit ist von mehreren sich mit praktischer und theoretischer Nationalökonomie beschäftigenden Sozialpolitikern der hohe Wert der Haushaltungsbücher für die Erforschung der Verhältnisse der Handwerker und Arbeiter in das richtige Licht gesetzt worden. Tieser Gesichtspunkt lomiitt hinzu, um die Mahnung gerechtfertigt erscheinen zu lassen, daß jede Hausfrau ein Wirtschaftsbuch führen sollte. Es nährt den Sinn für Ordnung und schärft den Blick für die großen und kleinen wirtschaftlichen Vorgänge. VeviMchtes. * Von allem das Größte. Echt amerikanisch ist folgende Aufzählung: Die größte Universität der Welt ist Kairo mit 11000 Studenten; sie stammen aus allen Teilen der mohammedanischen Welt und studieren in Kairo das muselmanische Recht, Geschichte und Theologie. Der allergrößte Park der Welt ist der Tiergarten bei Kopenhagen, der ein Gebiet von 4200 Acres bedeckt und von einem,Flüßchen geteilt wird. Tie größte Gartenanlage in Amerika ist Fairmount Park in Philadelphia, ein Gebiet von 3740 Acres. Tie größte Streichholzfabrik der Welt ist bie Vulkan-Streichholzfabrik in Tibaholm in Schweden. Sie beschäftigt über 1200 Menschen und fabriziert täglich, 900 000 Schachteln Streichhölzer. Jährlich werden 600 000 .Kubikfuß Holz, 250 000 Pfund Papier und 40 000 Pfund Roggenmehl zum Kleben der Schachteln gebraucht. Die größte natürliche Höhle der Welt ist die Mammuthöhle in Edmonfon County, Kentucky. Tie unregelmäßigen Räume sind im ganzen sieben englische Meilen lang. In dem Wasser dieser Höhle findet man blinde Fische. Der längste Tunnel der Welt ist der Gotthardtunnel; er ist 14,9 Kilometer lang, 36si> Fuß breit und 20 Fuß hoch. Tie größte Bibliothek der Welt ist die Bibliothöque Nationale in Paris, die Ludwig XIV. begründet hat. Sie enthalt 1400 000 Bände, 600 000 Broschüren, 175 000 Manuskripte, 300 000 Atlanten und Karten, 150 000 Münzen und Mebaillen. Tas Gebäude, das diese Schätze birgt, ist 540 Fuß lang und 130 Fuß breit. Tie chinesische Mauer ist die größte Mauer der Welt. Sie führt über hohe Berge, durch tiefe Täler, über Flüsse und andere natür- 6t>U Tidje Hindernisse nnd ist 1250 englische Meilen lang. Mit Gin» schloß einer Vormauer ist sie 20 Fuß hoch, an der Basis 25 Fuß dick und oben 15 Fuß breit. Ter größte Käse, der je gemacht wurde, hieß „die kanadische Milbe"; er wog 22 000 Pfund, hatte einen Umfang von 28 Fuß und war 6 Fuß hoch. Er wurde zu einer Ausstellung in Ontario angeserligt; dazu wurden 207 200 Quart Milch verwendet, die Milcherzeugung von 10 000 Kühen in einem Tage. Ter größte Plumpudding der Welt wurde in Paignton, Tevon, im Jahre 1858 gemacht. Der Riesen- Vndding wog 30 Zentner, und zu seiner Herstellung wurden 573 Pfund Mehl, 191 Pfund Brotkrumen, 473 Pfund Korinthen und Sultaninen, 382 Pfund Nierenfett, 360 Quart Milch, 95 Pfund Zucker und Gewürze in geringeren Mengen gebraucht. Ten größten Laib Brot hat vor zwei Jahren ein Bäcker in Loudon zu einem Erntefest gebacken. Das Brot war 12 Fuß lang und 2 Fuß breit und hatte fast einen Zentner Mehl erfordert. Tie größte Glocke der Welt ist die große Glocke von Moskau am Fuße des Kreml. Sie hat einen Umfang von fast 68 Fuß und ist über 21 Fuß hoch. Ihre größte Ticke beträgt 28 Zoll, und ihr Gewicht wird auf 443 700 Pfund geschätzt. Sie tvar nie aufgehängt und wurde wahrscheinlich an der Stelle gegossen, wo sic jetzt steht. Den größten „schwarzen Diamanten" hat man in Rvsselyn gefunden. Tie Kohle ist 24 Fuß lang, 5 Fuß 8 Zoll hoch, 6 Fuß dick und toi egt 41000 Psund. Den schwersten Schinken sah man in der britischen Abteilung der letzten Pariser Weltausstellung. Er wog 50 Pfund. Ten schwersten Hecht, beit ein Angler je gefangen hat, fischte Mr. Page im Jahre 1898 aus der Themse. Der Riesenfisch jvog genau 29 Pfund. Eine seltsame Tugendprobe nehmen in einigen süd- slavischen Gegenden die Jungfrauen mit den Jünglingen, die es nach, ihrer Hand gelüstet, vor. Hat der Bewerber sonst einige Aussicht, in Gnaden ausgenommen zu werden, dann wird ein Baum ausfindig gemacht, in dem sich ein Bienenschwarm niedergelassen hat, und der Zukunftsbräutigam wird zu dem Baum geführt. Während die Schöne sich, mit den sonstigen Prüfungs- zeugen vorsichtig zurückzieht, muß der junge Mann in der nächsten Nähe des Stachelvolkes seinen Platz einnchmen. Tie Folge ist natürlich gewaltiger Aufruhr in der Bienenrepublik. Bald kommen einige Plänkler zornig summend näher, als sollte der Kopf des armen Menschenkindes einer sehr peinlichen Untersuchung ausgesetzt werden. Für den Jüngling aber wird die Sache dadurch gewiß noch peinlicher, daß er während der ganzen Probe —- den Mund geöffnet halten nruß. Bleibt er fest, und .greifen ihn die Bienen nicht an. daun ivinkt ihm freilich ein gar süßer Lohn; denn sowie die Braut Gewißheit hat, fliegt sie ihm gewiß in die Arme mit dem Jübelruf: „Dich nehme ich, denn Du bist — kein Säufer." * Liebe Jug end! (So schreibt man diesem Blatt.) Ter Vater des Studenten Müller will durch seinen Besuch seinen Sohn überraschen. Er kommt abends an,, erfährt aber von der Hauswirtin, daß der Sohn auf der Kneipe sei. _ Da er ihm zu lange ausbleibt, legt er sich auf seiu Bett und schläft eilt. — Spät in der Nacht wird jener schwer betrunken nach Hause gebracht. Als er jemand auf seinem Bette findet, macht er großen Lärm. Ter Vater erwacht und fragt entrüstet: „Ja, kennst Du denn Deinen Vater nicht?" — „Ach was — Vater —! Kann jeder sagen! Raus!" MlMMNpffege. T i e O r ch i d c e n u n d i h r e K u l t u r i m Z i m m c r. Von A. Braecklein. Mit 50 Abbildungen. In Ganzleinen sein gebunden Preis 3 Mark. Verlag von Trowitzsch u. Sohn in Frankfurt a. O. „Eine wahrhaft kaiserliche Blume" hat Kaiser Wilhelm II. die auf dem Einband des vorliegenden Buches abgebildete Orchidee Odontoglossnm grande genannt, die hiernach auch den Namen „Kaiser Wilchelm-Orchidee" führt. Und in der Tat, wenn man die Rose als Königin unter den Blumen bezeichnet, so verdient die Orchidee — wenigstens in einzelnen- ihrer Arten —• die Kaiserin der Blumen genannt zu werden. Allste es in Frankreich und namentlich in England schon längst sind. Ta ist denn ein Buch über Orchtdeenkultur zeitgemäß und willkommen, um so mehr, wenn es aus der Feder einer Autorität auf diesem Gebiete stammt. Der Verfasser liebt diese herrlichen Kinder einer tropischen Natur leidenschaftlich, und so ist auch sein Buch- mit Liebe geschrieben. Tas Buch ist bahnbrechend für die allgemeinere Einführung der prächtigen Orchideen: es ist die erste sachgemäße Anleitung zur Orchideenkultur im Zimmer, aufgebaut auf der langjährigen Praxis eines erfahrenen Spezialisten. — Praktische Blumenzucht und -B l u m e n p flege im Zimmer. Von Robert Betten. Vierte vermehrte und verbesserte Auflage. Mit 270 Abbildungen. In Ganzleinen geb. Preis Mk. 4. Verlag von Trowitzsch u. Sohn in Frankfurt a. O. — Gerade zur. rechten Zeit ist eine neue Auflage dieses Buches erschienen: Tie Zeit ist da, wo wir uns fragen: Wie schmücken wir im Winter unser Zimmer, unsere Fenster mit Blumen? Welche Blumen und Pflanzen wählen wir? welche eignen sich nach unserem Geschmack für uns, aber auch vor allem: welche Arten und Sorten passen für die Bedingungen, oic wir ihnen bieten können? Haben wir Sonnenseite? können wir lüften? steht uns ein ungeheiztes Blumenzimmer zur Verfügung, oder sollen die Blumen und Pflanzen im geheizten Wohnzimmer bleiben? Wie bekommen wir sie? wie haben wir zu pflegen? sollen wir fette Erde geben oder magere, kleine Töpfe oder große? wann sollen wir gießen und wie viel? — Alle diese natürlichen Fragen beantwortet Bettens Buch mit Klarheit und Sachkenntnis. Jede Blume will im Zimmer anders behandelt werden! Nur wenn wir Blumen richtig behandeln, gedeihen sie im Zimmer, nur dann machen sie uns Freude. Deshalb sollte jeder, der. Blumen im Zimmer pflegt, eine Anleitung besitzen, aus der er sich Rat holen kann, und als eine bewährte Anleitung sei Bettens Buch gerade jetzt warm empfohlen. LßteL'aNeschss. — „Ter Liebe Soll 'und Haben" lautet der Titel eines Aufsatzes über das Thema der „freien Liebe" aus der Feder der Frauenrechtlerin Else Hasse in der „Frauen-Rundschau". , Tie Ausführungen gipfeln in dem Ergebnis, daß die Einführung jener von so vielen unklaren Köpfen als weltbeglückend gepriesenen Reformen des Liebeslebens den tieferen idealen Charakter von Mann nnd Weib, der sich nur in monogamer Ehe entwickeln könne, aufheben müßten. Daß allerdings die Trennung einer in ihrem Kern faul gewordenen Ehe zu einer moralischen und sozialen Notwendigkeit werden kann, beweist ein Leitartikel int nächsten Heft der „Frauen-Rundschau", betitelt „lieber Ehescheidung". Wenn auch die Verfasserin dieses Aufsatzes in noch so lebhaften Farben die entsetzlichen Qualen einer unglücklichen Ehe besonders zwischen feinfühligen, aber in sich disharmonierenden Naturen schildert, wird man ihre von idealsten Gesichtspunkten getragenen Ausführungen doch nie zu einem Plädoyer für die sogenannte „freie Liebe" ausnützen können. Man sieht vielmehr aus den beiden Aufsätzen, daß sich gerade im Lager unserer Frauenrechtlerinnen die Ansichten über dieses Thema immer mehr zu klären beginnen. Auch sonst enthalten die neuen Hefte der illustrierten Wochenschrift „Frauen-Rundschau" wieder eine Menge belehrenden und unterhaltenden Materials, und es ist nur zu wünschen, daß diese Zeitschrift in den Kreisen unserer gebildeten Frauenwelt immer weiteren Eingang findet. Probenummern erhält man gratis und franko von der Geschäftsstelle der Frauen-Rundschau, tn Berlin SW. 11. Wahre Geschichten aus einem oberhcssische»» Dörfchen. (Nach einem Berichte der „Kreuz-Ztg.") Im Dorfe ist der Teufel los. . Welch' Jubel weit und breit, Wie freut sich Alles, Klein und Groß 's ist ja Manöverzeit! Hell schmettert ihre Melodien Die Regimentsmusik, Und aller Mädchen Wangen glüh'n, .Ihr Herzchen pocht vor Glück. Doch unten in dem Wirtshaus geht Es am fidelsten her, Dort kneipt, bis in den Abend spät Das höh're Militär. Und stolz sitzt auch in Positur Der Bürgermeister dort. Ein einz'ger Kummer drückt ihn nur: Bald zie'hn sie wieder fort! Drum hält er's heut für angebracht, Von heil'ger Glut entbrannt, Zu preisen durch der Rede Macht Armee und Vaterland: Jawohl, das Heer, das 70 sich So wunderbar bewährt, Ihm sei auch künftig sicherlich Der schönste Sieg befcheert! „Denn anders kann es ja nicht sein," So schließt der Redeheld, „Uns Deutsche fürchtet Gott allein, Sonst Nichts auf dieser Welt. , Edwin. Kätfcl. Nachdruck verboten. Ein Bauer streute unverdrossen In seinem Garten Körnlein aus: Da ist just mitten drin ersprossen Ein „l". — Was war's, was ward daraus? — Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Worträtsels in vor. Nr.: Hausherr. Redaktion: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R.Lange, Gießen.