LALL äKpTÜ1 MM •airtimil !1 Hi» angenehmes Krke. Humoristischer Roman. Von Victor von Reisner. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Frau von Höchstfeld hörte gar nicht auf das sich weiter entwickelnde Geplänkel, sondern suchte nur die Tür nach! dein Park zu gewinnen, um dest Blumenliebhaber noch rechtzeitig und ehe er noch Schaden antzerichtet hatte, von ihrer Pflanzung zu verscheuchen. Annähernd zur selben Zeit, als sich dies ans Dolina abspielte, stürzten Dinko und Mirko in das Zimmer der .Eltern und berichteten, daß soeben ein Höchstfeldscher reitender Bote hier gewesen sei mit der dringenden Einladung, sofort hinüber zu kommen, da noch viele Gäste anwesend seien. „Diese Art der Einladung hat er von mir gelernt", meinte der Graf mit selbstgefälligem Lächeln, „ganz bildungsunfähig scheint er demnach, doch nicht zu sein." — „Ich begreife nur nicht", setzte er nach kurzem lieber» legen stirnrunzelnd hinzu, „was das bedeuten soll? Sie können doch unmöglich hinter meinem Rücken mit ihm Frieden geschlossen haben!" „Weißt Du vielleicht etwas Näheres?" wandte sich die Gräfin fragend mt Ljubiza. „Nicht das Geringste", entgegnete diese, „ich traf doch erst vor einer Stunde zufälligerweise mit Er. . . mit Herrn von Höchstfeld zusammen", verbesserte sie sich errötend, „er hat mir aber keine Silbe davon gesagt." „Ihr werdet wohl von anderen Dingen zu sprechen gehabt haben", meinte der Vater mitleidig, und sie an sich heranziehend und ihr liebevoll die Wiastgen streichelnd, redete er ihr zu: „Mußt mein tapferes Mädchen sein und Dir die Geschichte aus dem Herzen reißen. Mein Segen hätte Dir gewiß nicht gefehlt, aber zum Nachlaufen sind wir zu stolz!" „Laß das, Alteck', ermahnte ihn die Gräfin, mit einem Seitenblick auf die beiden Jungen, die mit gespitzten Ohren dastanden, damit ihnen nur ja kein Wort verloren gehe. Am liebsten hätten sie die Schwester getröstet und ihr verraten, wie nahe sie, ohne es zu ahnen, schon ihrem Ziele sei; aber die Vorsicht ließ sie schweigen und den Lohn ihres guten Werkes doch lieber in stiller Bescheidenheit abwarten. „Also, wie ist's", fragte die Gräfin, „fahren wir hinüber oder nicht?" „Da Ihr die ganze Zeih mit ihnen verkehrt habt, so sehe ich nicht ein, warum Ihr gerade heute absagen solltet", entgegnete Grass! Stepenaz, bleibe aber natürlich M Hause." „Die Einladung galt doch für uns alle", suchte ihst die Gräfin zum Mrtfahrpn zu überreden. „Gib Dir keine Mühe", unterbrach er sie entschieden/ „so lange er Meinem Freunde Adame nicht Abbitte geleistet hat, existiert er für mich nicht." „Mer die anderen sind doch auch. . ." „Die anderen können das halten, wie sie wollen, die sind für mich nicht maßgebend. Wenn es Dir, indes peinlich ist, kannst Du ja meinethalben mein Fernbleiben irgendwie entschuldigen — sage, ich hätte mir das rechte Ohr verstaucht oder einen Nagel in die Nase getreten — er wird schon die Wahrheit herausfühlen, und das ist die Hauptsache." Aengstlich zögernd schmiegte sich Ljubiza an ihn. „Vielleicht würde ihn gerade Dein MttkoMmen zur Nachgiebigkeit bestimmen", bettelte sie, „sei lteb> Papa, Du weißt doch . . ." „Ich weiß alles, Mein Kind) und wenn eg' sich um eine Mir widerfahrene Beleidigung handelte, könnte ich mich vielleicht Deinetwegen zum ersten Schritt entschließen", entgegnete er ihr ernst, „da er sich aber soweit vergaß, einest Wehrlosen zu kränken, so wäre es ein SakrilegiuM an' unserer Freundschaft, wenn ich Meinen alten AdaMe so leichten Herzens fallen ließe. Hat er erst mit ihm feinest Frieden gemacht, dann will auch ich ihm verzeihen, ftüher aber nicht. — Und nun fahret in Gottesnamen ab und laßt sie nicht länger warten, sonst brennt ihnen noch die Suppe an." Gern hätte Ljubiza noch etwas eingewendet, aber sie fühlte nur allzu deutlich, daß der Vater gar nitch nachgebest konnte; sie folgte einem'Winke der Mutter und ging schweren Herzens nach ihrem Zimmer, sich! besuchsfertig zu machen. Oben angelangt, weinte sie sich erst gehörig aus, dunst wurde sie allmählich ruhiger und die frohe Aussicht, einest ganzen Tag in der Nähe des Geliebtest weilen zu können, stimmte sie schließlich! sogar heiter. Nun beeilte sie sich, fertig zu werden, und als sie hinunter kam/ zeigte sie dem Vater wieder ein freundliches Gesicht. „So ist's recht, mein Schatz", sagte er mit herzlicher Innigkeit, „freue Dich stets des Augenblicks, laß Mr nie die Freude am Gegenwärtigen durch, das Grübelns über das Zukünftige vergällen, sonst kommst Du Dein Lebtag zu keiner frohen Stunde." „I, wo wird sie denn, sie ist doch kein Frosch", meinte! die Mutter im Einsteigen, „Gott sei Dank hat s' ja meist Naturell und i wüßt" wirklich nit, wann i mich je mit unnötiger Grübelei b'schäfttgt hätt'." „Nein, das hast Du tatsächlich nie getan", bestätigte ihr Stepanaz lachend, „Du warst nicht einmal bei unserer Trauung erstst" „Na, 's tvar ja auch kein Leichenbegängnis", replizierte sie ürstzig, „und dann hab' i doch auch g'wußt, was für j etn’u guten Mann i Weg'. So, jetzt KW mir schneK 526 Mn Abschied ein Busserl und führ' Dich bis zu tinserm Wiederkommen auch recht schön brav auf!" Er versprach lachend und sah noch lauge Zeit dem enteilenden Wagen nach. Unterwegs waren Tinko und Mirko anfangs von ganz airsgelassener Lustigkeit, je mehr man sich aber dem Ziele näherte, umsomehr ließ dieselbe nach. Es ging ihnen eben wie dem Feldherrn, den trotz des genialst angelegten Planes und trotz des rechtzeitigen Aufmarsches seiner Truppen dennoch im Bewußtsein seiner großen Verantwortlichkeit vor dem Beginn der Schlacht eine gewisse Bangigkeit ergreift. Als sie ain Gutshof von Dolina die lange Reihe der ausgespannten Fuhrwerke erblickten, da wurden sie in ihrer Zuversicht etwas fester, denn dies war doch ein untrüglicher Beweis dafür, daß bis jetzt noch nichts verraten war, und daß der Feind den ihm bevorstehenden Ueberfall, der zur bedingungslosen Kapitulation führen mußte, noch nicht ahnte. Die Ankunft der Stepenazschen Familie wurde von der Gesellschaft mit lautem Hallo begrüßt, denn nun erst glan.bte ein jeder, sein Hiersein vor sich selbst entschuldigen zu können. Im allgemeinen Trubel siel es gar nicht auf, daß der Chef der Familie fehlte, und wem es auffiel, der machte fich darüber keine weiteren Gedanken, überzeugt, er würde später mit dein Pfarrer kommen. Als es endlich zu Tische ging, hatte man darauf überhaupt schon vergessen. Der Oberst, welcher die Hausfrau zur Tafel führte, wunderte sich, nicht wenig und schaute sie ein um das andere Mal groß von der Seite an, als jte sich von vornherein wegen des Ansuchen Mahles entschuldigte. „Wenn ich eine Ahnung von dem uns überraschenden Besuch gehabt hätte, würde ich mich ja natürlich genügend vorbereitet haben", beteuerte sie, ganz echauffiert vor Aufregung, „aber Sie wissen ja selbst, daß man hier alles tagelang vorher bestellen muß, wenn man nur halbwegs gerüstet sein will." Er wußte wirklich nicht, was er darauf erwidern sollte und murmelte unter verlegenem Lächeln ein paar nichtssagende Worte, die darauf hinauskamen, daß man ja nicht des Essens halber hier sei, sondern — der Rest blieb ihr, aber auch ihm völlig unklar. Als man endlich Platz genonimen, blieb er die längste Zeit schweigsam. Er konnte und konnte sich diese seltsame Komödie absolut nicht enträtseln. Schließlich sagte er sich) daß es wohl eine Marotte dieses ohnehin nicht ganz regulär aufgezogenen Hausherrn sein würde, und beruhigte sich dabei. Nach der Suppe — natürlich Hühnersuppe — machte er der Hausfrau ein pflichtschuldiges Kompliment. Auch das nächste Gericht — eingeschlagene Eier mit Sardellensauce — zwang ihm noch eine höfliche Anerkennung ab. Nun aber erwartete er bestimmt einen Fisch; als jedoch statt dessen Hühnerleber wit Reis und dann Brathühner und nach diesen Backhühner aufgetischt wurden, zog sich sein Gesicht immer mehr in die Länge. „Zum Teufel noch einmal", fluchte er in ftdj hinein, „man sagt doch nicht den Dienst ab, um dann derartig ab- gefüttert zu werden!" Eine plötzliche Pause in der allmählich in Gang gekommenen Unterhaltung, ein Hin- und Herneigen der Köpfe, begleitet von überraschten „Ah's" erweckte plötzlich seine Aufmerksamkeit. Die Neuigkeit, tvelche die Runde machte, wurde ihm nun auch von seiner Nachbarin zur Linken zugeflüstert. „Ljubiza hat sich mit Erich verlobt." Auch ihm entschlüpfte ein freudig überraschtes „Ah!" „Meine Gnädigste, ich gratuliere", wandte er sich sofort zu Frau von Höchstfeld, „ich gratuliere wirklich aufs herzlichste." Diese sah ihn ganz verdutzt an, nicht anders, als ob sie einen Narren vor sich hätte. „Ach so", meinte er verständnisvoll schmunzelnd, „man dar§ Uoch nichts wissen — Ihr Herr Gemahl hat sich die Ueberaschunrg zum Sekt Vorbehalten!"' „Ich begreife tatsächlich nicht —" „Pst, ich rede kein Wart Mehr und habe nichts gehört", beteuerte er, -Hen Finger als Zeichen des Schweigens auf den Mund legend. Sie sah ihn von der Seite an und riiare unwillkürlich ein wenig von ihm ab. Der Oberst bemerkte es gar nicht, da er sich mittlerweile wieder seiner linken Nachbarin zugeneigt hatte, welcher er malitiös schnmnzelnd zuflüsterte: -Haben Sie schon eine Berlobungsseier bei Eiern und Hühnern erlebt?" „Das soll wahrscheinlich eine zarte Anspielung darauf sein, daß die Jungen unter den Fittichen der alten Gluckhenne bleiben werden", erwiderte ihm diese ebenso leise. „Au weh, daun können sie mir leid tun", bedauerte sie der Oberst, Indessen war der Sekt angesahren und alles wartete mit Spannung der komnienden Dinge. Als aber Herr von Höchftfeld nur mit wenigen Worten die Gäste leben ließ und sich dann wieder niedersetzte, da hielt es der Oberst denn doch nicht länger aus, und mit dem Messerrücken an den Kelch klopfend, erbat er sich allgemeines Gehör. „Meine Herrschaften, hochverehrte Damen und Herren", begann er, „Sie wissen, und auch ich weiß es, daß wir noch Nichts' wissen dürfen, und diejenigen, die es wirklich wissen, wissen! uns immer wißbegieriger zu machen und unserem Wissensdrang durch einen gewissen Wissenszwang wissentlich neue Rätsel aufzugeben. Meine Herrschaften, ich bin nicht allwissend, da ich ja kein Diplomat, sondern nur ein einfacher Reitersmann bin, aber eines weiß ich sicher, daß uns unsere liebenswerten Wirte nicht zu sich entboten haben, nm uns wieder in Unwissenheit scheiden zn lassen und deshalb und dieserhalb erlaube ich mir ihre liebenswürdige Einladung zu einem intimen Familienfest dahin zu interpretieren- daß es wohl am angebrachtesten ist, unser Glas auf.das Wohl des glücklichen — .Brautpaares zu leeren. Es lebe hoch, hoch und noch einmal hoch!" ^Hurra, hoch, Zivio!" tonte es bunt durcheinander, und alles drängte zu Ljubiza und Erich, die in gräßlichster Verlegenheit dasaßen und gar nicht wußten/ wie sie sich dazu Verhalten sollten. Frau von Höchstfeld war einer Ohnmacht nahe und warf ihrem Gatten, von dessen Zorn sie das Aeußerste besürchf- tete, ängstlich-flehende Blicke zn. Blaß wie der Tod, mit blutleeren Lippen, aber mit einer Rnhe, deren sie ihn in solch einem Augenblick gar nicht für fähig gehalten Hütte, erhob er sich endlich und bat ums Wort. Tiefes Schweigen folgte seiner Aufforderung. Mit den Händen krampfhaft die Stuhllehne umklammernd, stand er da — nicht wie einer, der für die frendige Teilnahme an seinem und der Seinen Glück danken wollte, sondern wie ein Richter, der sich anschickte, furchtbar Gericht zu halten. „Hochverehrtester Herr Oberst", wandte er sich mit vor Aufregung zitter,-der Stimme, der er vergebens Festigkeit zu geben suchte, au diesen, „ich mnß Ihren Glückwunsch dankend — ablehnen." Allgemeines überraschtes nnd wenig schmeichelhaftes Gemurmel unterbrach ihn. „Meine Herrschaften", fuhr er, noch immer seine Ruhe bewahrend, fort, „ich weise den Gedanken, daß Sie mich iw meinem eigenen Hanse insultieren wollten, weit von mir, er wäre zu niedrig — wir bleibt daher nur eines zu glaubest übrig, daß sich ein nicht in unserem Kreise Weilender eine perfide Irreführung erlaubt hat. Wer dies sein könnte, will ich nicht aussprechen, da et Ihnen freundschaftlich nahe steht, aber da ich nur einen Feind im Lande habe, so — „Halt, nicht weiter, Herr von Höchstseld!" unterbrach ihn! der Oberst, sich zu seiner vollen, imponierenden Höhe aufrichtend, „wenn es sich hier um eine Mystifikation handelt, so liegt uns deren Aufklärung ebenso nahe wie Ihnen. — Vor allem eine Fr'age: zu welchem sonstigen intimen Familienfest haben Sie uns eigentlich eingeladen?" „Wir haben doch gar niemanden eingeladen", hauchte Frau von Höchstfeld zur allgemeinen Ueberraschung. „Wir eHielten aber doch die gedruckten Einladungen!" hielt ihr dep Oberst vor. (Fortsetzung folgt.) Are sächsische Schweiz- Die sächsische Schweiz! —.Wo beginnt sie? Man kann darüber verschiedener Meinung! fein, wie Über alles. Ich empfand ihr erstes Anzeichen schon gelegentlich einer Radlertour ins Müglitzi- — 527 tast noch vor der alten kampfberüchtigten Veste Dohna. Schon da tritt einmal, .rechts der Landstraße, eine Felseniante unvermittelt vor, oben bewaldet in den für das Elbsandsteingebirge charakteristischen Formen. Gänzlich werden diese aber bei einer Dampsschifsahrt, sobald wir die Pirnaische Brücke stromaufwärts gekreuzt haben, deutlich. Da befinden wir uns mit einem Male in einer Bergwelt, nachdem vorher das Auge im Schauen fruchtbarer weiter Ebenen, .sanfter Höhenzüge mit lieblichen Ansiedelungen oder weichen Waldrücken schwelgte. Unmittelbar treten wir in einen Bereich straffer Formen streng vertikaler Richtung, meist mit einem ebenso streng horizontalen Abschlüsse. Dazwischen steigen in nicht minder charaktervollen Zackenlinien zackige Nadcl- gehölze von den Höhen zu Tal nieder. Und das alles umgibt ein berückend feines. Gemisch aparter Farben, indem Höhen und Tal und Wald gewissermaßen in einen vermittelten Dämmer und Duft getaucht sind. Bei Postelwitz, gegenüber Pirna, ist der Bruch der Steinkanten vorwiegend noch bräunlich, daun wird er wohl goldgelb, weiterhin leuchtet er in marmorglänzendem Weiß. Und immer findet er einen wohltuenden Abschluß nach unten im helleren Grün der Trift und Wiesenflur, .nach oben im dunkleren Blaugrün der Bäume. Dazwischen schlingt sich überall das licht- ober stahlblaue Band der Elbe, .abwechselungsvoll, wie das weitgespannte Himmelsgewölb in der Höhe. Am überraschendsten offenbart sich uns der besondere Charakter . des ganzen Gebirges auf der Bastei. Wir kommen dahin auf einer Radtour von Pillnitz und über das Hochland, sodaß wir eine Annäherung „der sächsischen Schweiz auf der Fährt nicht bemerkten, es sei denn, im letzten Teile, .infolge des dort herrlichen Waldes. .Wir fahren bis zum Wirtschaftsgebäude, wir steigen ab. Und mit einemmale sehen wir vor uns, ringsum, unter uns, klaffende Schlünde, unabsehbar tief, .aus denen Felsen- . wände, unabsehbar hoch, .emportauchen. Uralt. Diese Felsen- massive haben durch das Alter ein wunderbares Lustre bekommen, einen grauen Perlton. Und überall vermischt sich damit ein blaugrüner Schimmer von den. Fichten und Tannen. Vieltzundert- jährige Riesen sind es, .die da von jedem Felsenvorsprung aufragen, in stattlichen .Terrassen. Schauen wir steil hinab, dann erkennen wir von einigen nur die Gipfel. Und über diesen stehen nette, deren .Häupter bis zu uns heraufragen. Md in deren höchster Höhe sind neue aufgebaut, .die hoch über uns ein herrliches Schattenbach bilden. Daher liegt über der ganzen Landschaft ein überaus reizvoller Dümmer. Wir genießen nach jener Seite der Mardertelle hin einen Anblick, .der an ben machtvollsten des Harzgebirges erinnert, an bie Felsenschlucht der Steinernen Renne. . Hier wie dort ist die Natur übermachtvoll und großartig! Seiber ist biefer Ausdruck durch eine allzu vielfache Anwendung abgeblaßt worden. .Hier empfinden wir ihn in seiner intensivsten Bedeutung. Und wieweit reicht die sächsische Schweiz? Sie reicht hin bis an die böhmische Grenze, überschreitet sie noch, so daß unsere Nachbartt da drüben auch noch ein Stück böhmische Schweiz haben. Dazu gehört das.Prebischior mit einer sonderbaren Felsbildung .und seinem köstlichen Ausblick. Dahinter liegt dann das böhmische Himmelreich, .reich gesegnet mit köstlichen Früchten, die die Elb kühne nach Sachsen und Norddeutschland hereinführen. Aber auch das Hochland über der sächsischen Schweiz, durch das wir auf der Radtour zur Bastei fuhren, K besetzt mit ausgedehnten Plantagen. .Namentlich die dortigen Kirschen haben ein gar köstliches Aroma. Die sächsische Schweiz! Woher hat sie ihren Namen? Wahrscheinlich von Sachsen unb Norddeutschen, die sich hier überzeugten, daß.wieder einmal „das Gute so nahe liegt", und daß man beileibe nicht nach der fernen Schweiz zu reifen brauchte, um ebenso herrliche Gebirgsszenerien, nur viel bequemer, in kürzerer Zeit und viel wohlfeiler zu genießen. Denn wie kaum ein anderes Gebirge von gleichem, verhältnismäßig geringem Umfange bietet die sächsische Schweiz Gelegenheiten zu wochenlang abwechselnden, kräftigenden, .jeden Sinn befriedigenden Touren. Die ersten, die die schöne Natur de» Elbsandsteingebirges genossen, waren wohl die Jäger. Tie sächsische Schweiz ist iwch immer reich an starken Hirschen, von deren Kämpfeit ntanche aufgewühlte Rafen- triften iir Niederungen und manche Spuren von Losung auf steilen Felsblöcken zeugen, die von uns Touristen nur die euragiertesten mit Hilfe von Seil und Spitzhacke bezwingen. Und wie viel mehr noch früher, .als allenthalben der LVald noch wild aufwuchs, den man heutzutage sachgemäß beforstet. Zur Sicherung dieses Stolzes seiner Wälder errichtete August "der Starke, in .allen Dingen ein großzügiger Unternehmer, längs der ganzen böhmischen Grenze eine feste Wildbahn. .Und derselbe Fürst hatte auch ■ em Auge für die aus den Pürschgängen durchstreifte landschaftliche Schonstett. Er hat 1708 aW erster dm Silienfteiit erklommen, ^7 dieses damals sehr beschwerliche Abenteuer machte seinerzeit vtel von sich reden, — und war dadurch wohl der erste sächsische Schweiztourist großen Stils, Sein Wagnis sand bald Nachahmer, me bann ben Ruhm ber Gegeitd großsprecherisch mehrten, um selber dadurch größer zu erscheinen. Jedenfalls kam bald die Zett, schon, in denKuriosis Saxonicis von 1743 heißt es: „Diese Felsen sind weit und breit bekattnt ttnd berühint tmb von dreien Fremden besucht" da man vom „Führer" geleitet, mit Bergstock, Seil und Leiter ausgerüstet, auf Bergschuhen den Elbtitanen zustrebte. In diesen Aufschwung.kam aber ein Hemmnis durch bett siebenjährigen Krieg. Tie sächsische Schweiz wurde wieder säst vergessen, bis sie zu Beginn des vorigen Jahrhunderts fast neu entdeckt wurde. „Nun aber ging es mit ihrer allgemeinen Anerkennung .und mit dem Aufblühen der dortigen Touristik überaus rasch und ünattfhaltsam vorwärts. Recht der eigentliche Mittelpunkt ihres ganzen außerordentlich. lebhaften Verkehrs war das SAdtchen Schandau, und ist es auch bis auf den heutigen Tag geblieben. Seit hier an den eisenhaltigen Heilquellen (plus 10,0 C.) im Jahre 1799 das „Gesundheitsbad" und 1825 schon ein eigener Verkehrsverein, .vor etwa dreißig Jahren aber gar die pompöse Sendigsche Kolonie von Villen unb Hotels vornehmsten Stils zu längerem oder vorübergehenderem Aufenthalte gegründet wurde, ist dieser Verkehr geradezu ins. Riesenhafte gestiegen. Wurden doch während eines einzigen Sommers allein in den Etablissements des Herrn Rudolf Sendig, des Besitzers auch des Europäischen Hofes in Dresden, an die 25 000 Gäste beherbergt. In der Tat ist das Städtchen rin Dorado. Seine prächtige Süd- lage zwischen der Elbe, .an der Mündung der Kirnitzsch, an der Bahit (in 47 Minuten von ber Residenz erreichbar), am Fuße schützender Berge mit ozonreichen erfrischenden Laub- unb Nabelwäldern, machen es zu einem Nachkurorte hervorragend geeignet, (besonders nach Karlsbad, Marienbad, Franzensbad, Teplitz), und zu einem höchst bequemen Mittelpunkte einer nach keiner Seite hin anstrengenden Touristik. .Alle schönen Punkte des ganzen sächsischen Schweizgebiets lassen sich von hier ans in Halbtages-, höchstens Eintagespartien besuchen. Um sie aber alle kennen zu lernen, genügen keine atft, kaum vierzehn Tage. Der Inhalt des Elbsandsteingebirges an abwechslungsvollen Sehenswürdigkeiten der verschiedensten Art ist überreichlich. Und nicht minder mannigfaltig sind die Mittel unb Wege, bahin zu gelangen. Nach den entlegeneren bringt uns rasch die Bahn, nach den näheren in anmutiger Fahrt das Dampfschiff. Wohlgestaltete Straßen führen überall hin zur Benutzung von Wagen und Stahlroß. Die Berge lassen sich allesamt auf trefflich gesicherten,, meist schattigen, Wegen besteigen, .wenn nicht die Damen einen Ritt auf lammfrommen Pferden vorziehen. .Höchstens noch in das Felsenlabyrinth der Schrammsteine, eine' Hauptfehenswürbigkei' brauchen Unbewanderte einen Führer. Und immer wieder kehrt man von solchen Partien am besten zurück nach Schandau. .Hier sindet ber verwöhnte Großstabter, das Kind des 19. Jahrhunderts, 'allabendlich und allnächtlich ben behaglichsten Komfort, den seine Lebenshaltung benötigt. Hier können ihn seine Briese und Depeschen bauernb schnell erreichen; er bleibt dabei, was heutzutage nicht zu unterschätzen ist, beständig mit seinem häuslichen oder geschäftlichen Kreise in bequemer Verbindung. ,Wenn er sich einen Ruhetag gönnen will, kommen ihm diese Annehmlichkeiten einer wahrhaft großstädtisch eingerichteten Häuslichkeit natürlich erst recht zu statten; in den Sendig Hotels und Pensionen, in der Villa „Königin Carola",- in der „Russischen Villa", in der 7,Sucia" findet man Pracht« ausgestattete Wohn räume, in der „Quisisana" und in der Königsvilla große Gesellschafts- und Speisäle mit reichem Schmucke an Jagdtrophäen und Bildwerken, Musik-, Rauch, .Lese-,- Klub-, Billard- und sonstige Spielzimmer. Außerdem können sich bie Gäste auf bie herrliche Kolonnabe in bem 45 000 Quabratmeter weiten Königsparke ober in diesen selbst mit seinem reichen Wechsel von prächtigen Baumgruppen, Blumen- und Rosen- beeten, Springbrunnen und Skulpturen zurückziehen. Auch bietet sich dicht vor dem Grundstücke im Elbstrome Gelegenheit zu baden. Schon am Tage erweckt diese ganz wunderbare Anlage ben Eindruck einer Feerie. Wenn aber die Sonne gesunken ist, und allenthalben die elektrischen Flammen durch des Parkdunkel leuchten und sich im still vorbeislutenden Strome spiegeln, dann gibts, für uns Deutsche zumal, benn etwas von eurem Romantiker, Schwärmer und Gefühlsmenschen steckt in jedem von uns, — nichts köstlicheres, als auf diesen Veranden, Balkons, Terrassen und Parksitzen diesenr schönen Schauspiele in stillen Gedanken nachzuhängen und pou einer besseren Welt zu träumen. Von einer schöneren kaum, .als in der wir uns hier etwa besinden . . . Schon viele haben so empfrrnderr, auch mancher, ber außer ber sächsischen Schweiz viele herrliche Länder durchreiste. König Fried- rich Wilhelm III. von Preußen kam z. B. alljährlich von Teplitz nach Schanban herüber, .und richtete es babei so ein, baß er in biefem hum retiro immer seinen Geburtstag.verlebte. Und König Albert von Sachsen weilte hier schon als Kronprinz und während seiner dreißig Regierungsjahre an bie hundert Male Tage lang, um in den Bergen der Umgegend zu pürschen. Dazu zog. et dann frühzeitig aus. Und auch uns -weckt nach köstlich verträumten Abenden die Sonne und lockt uns hinaus zu neuem Schauen immer neuer Schönheit. Nichts schöneres gibt es, als mit dem Dampfschiffe gen Schandau hinaufzufahren, — etwa von Pirna ober von den am Fuße der Bastei liegenden reizeiiben Städtchen Wehlen und Rathen. Da zieht die Elbe, .unterm Königstein, wohl ihren riesigsten Bogen, entert vollen Halbkreis. .Hier hat sie sich am schwersten durch- gerungen. Zur rechten, wie zur linken ungeheure Wände durch- 528 schlifsener Felsenmassive. .Und bald schaut vom Königstein die steile Festung mit ihren blanken Mauern ins Tal herab, Wer einen Höhmzug, .um bald wieder zu verschivinden. FünMndert Meter weiter erscheint sie von neuem, r-i bald haben wir sie im Rücken. Und der 'Lilienstein, .weit mächtiger, hochgebauter noch, trimmt am andern Ufer dasselbe Spiel auf. Erst schaut ein grün umwaldetes Plateau.über den Wald von vom herein, dann blickt noch einmal ein höchster Trumm halblinks auf innere Rücken. Dann ist er verschwunden, so lange wir bei Königstein halten, einem reizvollen Tvuristenstadtchen, von wo eine gleislose „Elektrische" ins Bielatal hineinführt. Dieses Städtchen, das linksseitig der Elbe einem Talkessel sich einschmiegt, und seiner mannigfachen Industrie ein ziemlich modernes anmutendes Gepräge verdankt ist vielleicht überhaupt der älteste Punkt der Touristik im ganzen Gebirge. Er verdankt seinen Namen iittb Ruhm dem es überragenden Königstein, der einzigen sächsischen Festung, der schon in einer lateinischen Urkunde von 1241 als lapis rcgis genannt wird, .und namentlich vom Elbstrande her außerordentlich imposant wirkt. Diese alte Grenzveste wurde schon eines Besuches für wert gehalten, ehe noch die Schönheiten der sächsischen Schweiz erkannt worden waren und man scheute dabei selbst die etwas beschwerlichen Wege nicht, die von Dresden her aus die bis in die letzte Zeit unbezwingliche Burg hinaufsührten. Außer den erstaunlich kühn angelegten Festungsanlagen bewundert man namentlich das große Weinfaß und den abgrundtiefen Brunnen. .Touristisch aber ist .das Städtchen Königstein jetzt deshalb von größter Bedeutung, als ausschließlich von da aus die Wege nach' den etwas weniger zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten des Elbsandsteingebirges links der Elbe hin- sühren. Und die Königsteiner Behörden und Naturfreunde haben es sich jederzeit angelegen sein lassen, ihren Gästen alle möglichen Beguemlichkeiten und Berkehrserleichterungen zu verschaffm, um sich die altbewährten Sympathien zu erhalten. Indem wir dann von hier stromaufwärts' weiter dampfen, türmt sich der Lilienstein über einen vorgelagerten Waldrücken hinter .uns auf; nun paradieren wir ihn auf der anderen Seite. Die drei Riesenfelsblöcke auf seinem äußersten Vorsprunge, zwischen denen das Tageslicht hindurchschenrt, sind jetzt rechts vom Plateau, wahrend vorher zu seiner Linken. Wer vor uns fesselt schon ein neues Panorama unsere Blicke. Ta öffnet sich anmutig tvieder ein weiteres Tal. Darüber ist eine Brücke gespannt. Wir unterfahren sie. Links, von dem charakteristischen Turme der alten Sandsteinkirche überragt, liegt Schandau, und weiter hin, dem ganzen grandiosen Riesenausblicke vorgelagert, der große Winterberg mit der breiten Schneise. . Hier haben wir nicht mehr nur Felswände und Ber^e vor uns, hier empfinden wir uns, .vielleicht am merklichsten in der ganzen sächsischen Schweiz, .in einem Gebirge. Hier ist das Elbtal von großzügigstem Charakter an Weite und Tiefe, .und ringsum .angeschaut, nicht nur lieblich, sondern von wahrhaft machtvoller Schönheit. Nichts schöneres gibt es, als in jenen stillen Gründen zu wandern, die an kleinen Wässern von der Elbe ins Gebirge hineinführen; au der Biela, nach der idyllischen Schweizermühle, dem Ausgangspunkte zum Schneeberg, an der Kirnitzsch, wo in der schönen Nußbaumallee auch eine Elektrische zum großen Wasserfalle führt, im Uttewalder Grunde, durch den der' schönste Weg zur Bastei geht, von Rathen aus ebendahin, oder nach der Wal- thersdorfer Mühle, von Herrnskretschen nach der Rainwiese. Da wandeln wir auf Fichtennadel-Teppichen und Moos', zwischen mannshohen Adlerfarrenwedeln, im Wurzelgebiete der ernstesten untersten Tannen, zwerghaft, fast beklommenen Mutes, in diesem Schattenreich, umgeben von den dickstämmigsten Riesen. Nur bereit äußerste Wipfel schauen vielleicht noch viertelstundenlang die hereinbrechende Sonne. Da sind von den Felsen gewaltige Blöcke in die Tiefe herabgeworsen, aufeinandergeschichtet, wie Kinderspielwürfel, oder in scharfer Kantenstellung, daß sie tiefe Klüfte geben, viele Meter tiefe düstere Höhlen. Auch auf ihnen wächst schon überall Moos und Beerengestrüpp und Waldesflora, und Farrengeäst und eine höhere Schicht roter Fichten und weißer Tannen. Durch die Humusschichten aber zogen die Giesbäche zur Zeit der Schneeschmelze tiefe, schnurgerade, schroffe Furchen. —■ Und dann tut sich einmal ein weiterer Talkessel auf, und wir erleben aufatmend ein herrliches, waldfrisches Idyll mit wärmerer, leichterer Luft und im klaren Scheine der Sonne. _ Es gibt nichts schöneres, als zu jenen höheren Regionen aufzusteigen, in die unablässig die Sonnenstrahlen hineinbrenneü, in das Kelsenlabyrinth der Schrammsteine, in die Felskulissenwelt des Brand, ht den Riesenkessel der Felsenmühle. Welch ein Panorama ! Da steigen die äußersten 'Gebirgszacken hoch auf. Wir sehen nur ringsum eine Steinwand, neben uns dürftigeren Baumwuchs, wie wir ihn in einem echten Gebirge zu sehen gewohnt find und verlangen, über uns den tiefblauen Himmel. Wenn im September die Heide blüht, und die roten Preißelöeeren glühen, und die Schwefelflechte an den Felswänden in bet Sonne glitzert und gleist, sind diese Partien am schönsten. Hier sind wir am entferntesten von den großen Heeres- und Verkehrsstraßen, hier können wir am impulsivsten die steinerne Umwelt auf Uns wirken lassen und.vor ihr am nachhaltigsten Zwiesprach mit uns Kist halten. , Hier am wenigsten begegnen wir Spuren der ltur, selten einem Menschen. Doch braune Falken, schwere Adler beschreiben über solchen Triften hoch oben ihre Bogen. Es gibt nichts schöneres, als alle die steilen Aussichtspunkte der sächsischen Schweiz zu erklimmen, das Prebischtor, den großen Wintetb'erg, den Kuhstall, den Lilienstein, die Bastei, die lohnendsten Touren sind alle aus dem rechten Ufer der Elbe, auf derselben Seite wie Sandau, Von jedem ist der Anblick ein anderer, von jedem ein herrlich schöner. Die von den beiden Riesengipseln des Winterbergs und des Liliensteins übertreffen natürlich alle anderen an Totalität. Vom Prebischtor südwärts genießen wir eine Fernsicht von unendlicher Lieblichkeit ins Böhmerland hinein. .Hier empfinden wir mit Wonne namentlich auch den Anblick des herrlich ebenmäßig geformten Rosenbergkegels und anderer Berge von runder Form, —. ein willkommenes' Widerspiel zur Sonderwelt des' Elbsandsteingebirges mit seinen massigen scharfkantigen Plateaus. Die Aussicht von der Bastei, beim Eintritt in dieses Gebiet ist'aber doch vielleicht die charakteristischste und sie wird vielleicht vielen am dauerndsten in der Erinnerung bleiben. Da sehen die meisten Zugereisten eben zum erstenmale diese ganz eigenartige Bergwelt weithin vor sich, um sich, klaftertief unter sich liegen. Da sind die Felsensäulen am steilsten von der Elbe heraufgetürmt, .mit schmalen, engen Kaminen, überhängenden Wänden, scharf geschrammten dunklen Spalten, tief ein- gerijseneu Furchen, unergründlichen Schluchten. Und indem wir taleinwärts, bergaufwärts dieses szenen- reiche Gebiet durchwandern, erklärt sich uns auch ganz von selbst allgemach so manches von der Geschichte, von den Erscheinungen, von der Herkunft dieses Landes. Da unterscheiden wir zwischen Bergen und Steinen. .Auf den Bergen erkennen wir letzte Reste, Trümmer und Spuren von Burgen. Auf den steileren Steinen waren größere künstliche Verstärkungen der natürlichen Bollwerke nicht nötig doch waren viele auch von ihnen vormals befestigt. Das ganze Felsengebiet war jahrhundertelang ein Schauplätz heftiger, die einzelnen Geschlechter fortdauernd in Spannung haltender Kämpfe. Die charakteristischsten Befestigungen, auf dem Königstein und auf dem Hohenstein, reichen biS' in unsere Tage. „ c „ Und wie das Elbsaudsteingebitge entstand? Wir erkennen es bei einer Elbdampferfahrt bis Herrnskretschen und weiter hinauf, wo der Strom in immer engerem Talkessel immer dunkler, immer tiefer und immer reißender flutet. Wir erkennen es' im Gewirr der Schrammsteine und des Brands, auf unseren Wanderungen durch die tiefgründigen Täler. Wir erkennen es da, wo die Felsen in ihrer natürlichen Majestät hoch emporragen an ihrem Tetrassenaufbau, und da, wo der begehrliche Menschensinn Hand anlegte, um die Gesteinsschätze auszubeuten, an den vielen deutlichen Schichtungen und farbig markierten Stufen. Da war vor Zeiten gegen das böhmische Meer auch hier, wie am Erzgebirgskamm, ein dem Wässer unersteiiglicher Wall. Und immer aufs neue brandeten die Wogen an, und in ewigem Anstürmen schichteten sie berghohe Massen körnigen Sandes. Und die oberen Lasten drückten die tiefer liegenden immer fester ineinander, so daß sie versteinten. Aber auch das Wasser schwoll immer höher, preßte immer stärker, — und allgemach bahnte sich die Flut einen Weg. Da wurden jene tausend Talschluchten allenthalben ausgewaschen, .wo die Sandmassen noch am wenigsten widerstanden. Und endlich, nach jahrhundertelangem Wühlen, vollbrachte die Elbe, die Heute so stillbescheiden von Böhmen her durch Sachsen hindurch fließt, .jenen grandiosen entscheidendeii Durchbruch. Kein Mensch, bet die Geschichte kennt, war all dessen ein Zeuge. Cs war nach einem Riesenausbau ein ebenso machtvolles Riesenwerk der Zerstörung und Verheerung. Nun aber liegen alle diese Gebiete, diese Steinburgen und diese Klüfte, diese schattigen Täler und sonnigen Auen, diese Wasserläufe der Bäche und der von Schiffzügen und Nößen belasteten Elbe alle friedlich. Heutzutage licken die Kampfterrains anderswo, und die Menschen, die sich von da, aus dem nervenfolternden Geschäftsgetriebe nach der sächsischen Schweiz auf Tage und Wochen zurückziehen, atmen hier auf und segnen das schöne Gebirge, als eine der wenigsten Stätten der Erholung. Johannes Kleinpaul-Dresden. Litterarisches Versteckrätsel. (Nachdruck verboten). Nichts ist nutzlos in der Welt: Jedes dient, wie's Gott bestellt; Was gering erscheint und klein, Fügt sich stützend doch als Stein In den Bau des Weltalls ein. Die in obigen Versen fett gedruckten Buchstaben ergeben# richtig zusammengestellt, den Namen eines Dichters. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Kreuzrätsels in vor. Nr.r Made Magen Degen Genre Regen Rede. Redaktion: Paul Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.