Montag den 4. Sutt m MAI >8Z | IW Swfe ^WW hää ^MVWKAWM MK (Nachdruck verboten.) Aie Jenchopolaune. Aus den Erlebnissen eines russischen Gerichtsarztes. Von E. v. Trojanowsky. (Fortsetzung.) Der Arzt antwortet nichts, schüttelt ihm nur lächelnd die Hand. Beide Herren stehen am offenen Fenster, dem Schwalbenpaar zuschauend, das mit allerlei winzigem 9te= montematerial im Schnabel in das oben am Fenstersims befindliche Nest hineinschlüpft und sich dann wieder hinausschwingt zu neuer Suche. Ein kleines, barfüßiges Mädchen draußen schlägt mit einigen frischabgerissenen Faulbaumzweigen nach vorübersummenden Fliegen. Der Untersuchungsrichter, ein großer Kinderfreund, ruft die Kleine zum Fenster. Gegen einen silbernen Zehner empfängt er von ihr die wenigen Zweiglein mit den kaum geöffneten Blütenknospen, voll schwachen Bittermandelngeruchs. Eine andere barfüßige Kleine spielt mit einem Sträußchen Apfel- Laumblüten. Als sie bemerkt, daß die Herren am Fenster für die Faulbaumzweige Geld gegeben, trippelt sie eilends heran, ihr Sträußchen anbietend. Die Herren geben auch diesem blauäugigen Kraus köpf ein kleines Geldstück, ihr Sträußchen aber nehmen sie nicht. Der Untersuchungsrichter bemerkt der Kleinen, daß sie solche Blüten nicht abreißen dürfe, daß sie eigentlich soeben Aepfel gestohlen, — und gibt dem draußen stehenden Ssotzki mit möglichst sanftem Tone und lustigem Augenzwinkern den Befehl, die kleine Sünderin zu arretieren. Obgleich der Ssotzki, den Scherz des Untersuchungsrichters verstehend, sich von seinem Platze am Hoftor nicht rührt, ist die kleine dralle Dirne durch die wenigen Worte des fremden Herrn doch so erschreckt worden, daß sie mit lautem Geschrei sich zur eiligsten Flucht wendet, und um so schneller läuft, je lauter das urkräftige Lachen der „Jerichoposaune" zu ihr herüberschallt. Da meldet der an der Zimmertür stehende Ssotzki, daß der a lte Mann und sein Sohn wieder um Einlaß bitten. Sie treten ein. „Euer Wohlgeboren", sagt der Alte, „mein Sohn und sein Weib haben mich um Verzeihung gebeten, haben mir — heilig versprochen, fortab besser mit mir umzugehen. Da will ich denn — diesmal dem Sohne noch- verzeihen. Wegen der paar Schläge, die er mir versetzt hat, kann ich — ihn doch nicht nach Sibirien treiben. Er bleibt doch immer mein leiblich Kind, und", der Alte wischt sich die Tränen aus den Augen, „wie lange habe ich. denn! noch zu leben?" Der Untersuchungsrichter unterbricht ihn, sich brüsk zu dem verlegen dastehenden jungen Bauern wendend: >,Und Du, infamer Kerl", apostrophiert er ihn mit allem ihm zu Gebote stehenden Nachdruck, „Du wärst auf em Haar am vorigen Mittwoch zum Vatermörder geworden! Der Schädel Deines Vaters ist nicht mehr so dick und so stark wie der Deine. Ich soll Dir alsp jetzt glauben,, daß Du Dein Versprechen auch wirklich halten, mit Deinen plumpen Fäusten dem alten gebrechlichen Manne nicht mehr zu Leibe gehen ivtrst? Sieh mir einmal voll irt die Augen, — kannst Du das mit gutem Gewisses versprechen? Nun gut, ich will Dir diesmal glauben! —i Brichst Du aber doch Dein Wort, kommt Dein Alter wieder klagen über Dich, dann ist's aus mit allem Verzeihen! Dann kommst Du, Erztaugenichts, in das allerentfernteste, aller kälteste Sibirien, auf das allerdunkelste, allerschrecklichste Bergwerk! Merke Dir das, mein Sohn! Und jetzt", mit leichtem Druck auf die Schulter dreht er ihn in die Richtung gegen das oben in der Zimmerecke befindliche Erlöser-Heiligenbild, „bekreuzige Dich als guter Christ vor dem Bilde da — so", die Hand des Untersuchungsrichters lastet noch schwerer als anfangs auf seiner Schulter, sodaß der robuste Mensch unter ihrem Drucke in die Kniee sinkt, „kniee nieder vor Deinem Vater, mein Bester, so! Berühre dreimal mit der Stirn den Boden, so! bitte den Alten recht herzlich, er möge Dir verzeihen, er möchte Glauben schenken Deinem Versprechen, daß Du ihn fortab nie mehr beleidigen, nie mehr schlagen wirst, so! Und jetzt bitte auch' ich, von mir aus, daß Dein Vater Dir dieses' letzte Mal noch, verzeihen wolle, — na ja, Alterchen, so ist's !" Der Alte hebt den Knieenden auf, Vater und Sohn küssen einander dreimal, der Friede ist geschlossen. Erst gegen das Ende seiner Ansprache hatte die Stimme des Untersuchungsrichters etwas ruhiger und' milder geklungen. Im Anfang seiner Philippika hatte er noch gewaltiger gedonnert als bei seiner Ermahnung des' Weibes, abermals ohne die geringste Rücksicht auf alle die unfreiwilligen Zeugen im Nebenzimmer, im Flur ünd' draußen vor den offenen Fenstern. Während dieser letzten Philippika war draußen auf einem Dreigespann ein höherer Militär mit Generalsabzeichen vorgesahren. Wohl nicht das erstemal hier durchreisend, war er von der Treppe direkt auf die ins vordere Passagierzimmer führende, vonk Ssotzki bewachte Tür zugeschritten, und war dann verwun- ■ dert stehen geblieben, als der Ssotzki rapportierte: „Eure Exzellenz, heute kann man nicht da hinein! Der Untersuchungsrichter verhört da!" Als nun der General gleichzeitig die gewaltige, laut scheltende Stimme des Untersuchungsrichters vernahm, fügte er sich sofort in die Situation, machte schmunzelnd kehrt, und schritt zur zweiten Tür, die in das Hintere Passagierzimmer führte. Die andern auf heute angesetzten Sachen, in denen der Arzt auch mehr oder weniger zu tun gehabt hatte, waren schon in den frühen Vormittagsstunden beendet worden, ohne daß es seitens des Untersuchungsrichters zu besonderen Vermittlungsversuchen oder Friedensstift- — 399 — Ml gen und dazu gehöriger lauter Ansprache gekommen wäre. Es standen jetzt noch einige weitere Sachen auf der Tagesordnung, wo bei einigem guten Willen es wohl zu friedlicher Einigung kommen konnte, unter anderen auch die Sache eines flotten Burschen, der auf Bruch des Eheversprechens verklagt worden war. In diesem Falle hoffte der Untersuchungsrichter ziemlich sicher, daß es ihm gelingen würde, eine ehrbare Heirat zwischen dem mit einem Kinde fitzen gebliebenen Mädchen und ihrem Verführer zu stände zu bringen. Vorläufig machte er jetzt eine längeren Pause, um mit dem Arzt vor dessen Heimfahrt noch zu speisen und Tee zu trinken. 2. Kapitel. Als beide gemütlich einander gegenübersaßen, das Stationsmenu diesmal etwas genießbarer findend als fonst, und in leichtem Plaudertone über allerlcr kleine Vorkommnisse aus ihrem früheren Leben redend, überraschte der Arzt den Untersuchungsrichter plötzlich mit der Frage: „Warum eigentlich sind Sie nicht Offizier geblieben? Sie mit Ihrer prächtigen Figur, robuster Gesundheit, ungewöhnlicher Körperkraft, mit Ihrer Stimme, die, wenn es galt, sich auch unter Trommelwirbel und Salvenfeuer geltend zu machen wußte? Bei Ihrer guten allgemeinen Bildung, bei Ihren Sprachkenntnisseu, konnten Sie doch aus eine glatte, günstige Dienstkarriere rechnen!" Der Untersuchungsrichter blickte eine Weile vor sich hin, ohne zn antworten. Endlich sagte er: „Ja, bester Doktor, ich war sogar gern Offizier! Mit ordentlicher Lust am Handwerk habe ich den ganzen Chiwafeldzug mitgemacht. Mit meinen Untergebenen, meinen Soldaten, einerlei wo, im Lager, auf dem Marsch, auf Vorposten, beim Angriff, kam ch immer brillant durch. Die Kerls liebten mich, gingen ür mich durch Feuer und Wässer. Sie waren geradezu tolz auf mich. Und das nicht nur deshalb, weil meine Stimme lauter schallte als die irgend eines andern unserer Offiziere. Aber nach oben hin, da war das Verhältnis eben nicht zum besten. Ich hatte damals schon, vielleicht gar iw moch höherem Grade als jetzt, die leidige Gewohnheit, auf „alles" zu achten, „alles" zu bemerken. Ich hatte schon damals eine vorwitzige Zunge, die über das Bemerkte reden mußte und laut reden mußte, ohne zu bedenken, ob ich damit bei meinen Kameraden und Vorgesetzten Anstoß erregte oder nicht. Sogar Dinge, die andere als Kleinigkeiten leicht entschuldigten, konnten mich furchtbar? in Harnisch bringen. Die paar Duelle, die ich als Offizier auszufechten hatte, waren mir fast aufgezwungen worden. Mit das Schlimmste war, daß ich gar kein Talent hatte zum Schöntun, zum Sichliebkindmachen." Mährend des Redens hatte er sich ein Glas starken Tees gemischt, die dunkle Farbe desselben durch dickgeschnittene Zitronenscheiben aufhellend. In kleinen Pausen das Glas allmählich leerend, fuhr er in feinen Bekenntnissen fort: „Na, da mußte ich mir bald sagen, daß ich als Offizier nur schwer vorwärts kommen würde, namentlich in Friedenszeiten. Der Chiwafeldzug ging zu Ende, zu einem neuen Kriege war sobald keine Aussicht. Ich kam um meinen Abschied ein und ging nach St. Petersburg. Zuerst hatte ich die Absicht, mich im Zivildienst verwenden zu lassen, wurde aber bald anderen Sinnes. Bei meiner Schwärmerei für das Recht per se ließ ich mich, kurz entschlossen, als Student der juristischen Fakultät immatrikulieren, absolvierte meine Kurse Jähr für Jahr, wurde als Kandidat dem Bezirksgericht in N. zukommandiert, und sitze jetzt hier, in Ihrer Kreisstadt, als Untersuchungsrichter. Voilä tont!" „Und hat es Ihnen später nie leid getan, daß Sie die Osfiziersuniform mit dem Gerichtsbeamtenrock und dem Dreispitz vertauschten?" fragte der heute sehr wißbegierige Arzt, „empfinden Sie in Ihrem jetzigen Dienst auch so große „Lust am Handwerk" wie einst im Feldzug als Offizier? Ich weiß, daß Sie, selbst stets offen und rücksichtslos redend, mir meine offene Sprache nicht Übelnehmen, — glauben Sie selbst, daß Sie jetzt als Untersuchungsrichter an dem für Sie völlig geeigneten Platze sind?" Da der Untersuchungsrichter mit der Antwort zögerte, sprach der Arzt weiter, zuerst noch etwas stockend, dann aber mit um so größerer Entschiedenheit: „Ich habe, wo Sie in meiner Gegenwart die Zeugen in irgend einer Sache befrr-f Acii, nicht selten den Eindruck empfangen, daß Sie bei Ihrem sanguinischen Temperament unb bwcä) den ganzen Eindruck Ihrer Persönlichkeit manche Zeugen beim Verhör in einer fast an Suggestion grenzenden Weise beeinflussen, natürlich ohne dergleichen zu wollen, und, meistens wohl auch, ohne es zu bemerken . . ." Ter Untersuchungsrichter wollte hier etwas erwidern, der Arzt jedoch sprach schnell weiter: „Ganz abgesehen auch von Ihren gewaltigen Stimmmitteln, besitzen Sie ein ganz eigenartiges Talent, mit Ihrer Rede auch störrige und leidenschaftlich erregte Menschen zu überzeugen und Ihrem Willen gefügig zu machen. . ." Wieder wollte der Untersuchungsrichter den Redefluß des Arztes unterbrechen, aber sein Gegenüber war einmal im Zuge: „Und wenn Sie an eine neue Untersuchung, an ein neues Verbrechen herantreten, so scheint es mir, daß Sie, im Vertrauen auf Ihre schon als Feldoffizier erprobte Findigkeit und Entschlossenheit, im Vertrauen auf Ihre Menschenkenntnis, Ihren sicheren Blick, Ihren — Sie entschuldigen den Ausdruck! — „guten Riecher" nicht selten geneigt sind, sich die ganze Sache a priori so zu konstruieren, wie sie Ihrer Meinung nach sich durchaus abgespielt haben mußte, und die Zeugenaussagen und sonstigen Untersuchungsergebnisse dementsprechend zu gruppieren und ab- zuwägen. Im Gegensätze zu Ihnen arbeiten die meisten Ihrer Kollegen, die ich in meiner langjährigen Gerichtspraxis kennen gelernt, den von ihnen zu untersuchenden Fällen gegenüber, fast immer streng objektiv und in aller Kaltblütigkeit, ja Gleichgiltigkeit!" „Na, Doktor", kam der Untersuchungsrichter endlich zu Wort und fixierte sein Gegenüber dabei mit vielsagendem Lächeln, „Sie sind ein feiner Beobachter! Künftighin muß ich, wenn Sie zugegen sind, meine Impulsivität ein wenig zu zügeln versuchen. Sie mögen, Doktor, bei der Beurteilung meines Untersuchungsverfahrens, in vielem recht haben; die Prokuratur und das Gericht haben mir auch schon zuweilen dahin zielende Vorstellungen gemacht. Aber sagen Sie mal, wer von uns hat hier am Ort mehr Glück gehabt in der Entwirrung und im Spruchreifmachen mancher recht verwickelter Fälle? Ich, oder meine musterhaft objektiven, fischblütigen Kollegen?" Dabei lachte er fröhlich auf, und dehnte laut gähnend die kräftigen Arme. „Ihre Erfolge", beeilte fi.ch der Arzt zu versichern, „kann Ihnen niemand abstreiten. Die meisten Sachen, in denen Sie die Untersuchung geführt, sind nachher im Bezirksgericht prächtig durchgegangen. In Ihren Sachen — ich bin ja selbst oft genug Geschworener gewesen — haben sich die Geschworenen meist immer leicht zurechtgefunden, und ihr Verdikt hat gewöhnlich der durch die Untersuchung geschaffenen Sachlage entsprochen. Von allen Untersuchungsrichtern unseres und des Nachbarkreises sind Sie zurzeit der vom Landvolk am meisten gefürchtete. Das Glück, das Sie gehabt in so manch schwieriger Untersuchungssache, das muß Ihnen eine große moralische Genugtuung sein — in der immer noch recht undankbaren und unbefriedigenden amtlichen Stellung des Untersuchungsrichters." „Bis jetzt, Doktor", äußerte hierauf &uitt Untersuchungsrichter in voller Gemütsruhe, „befriedigt mich mein Amt noch so ziemlich. Ich bleibe ja auch nicht immer der schablonenmäßige Verhörsprotokollschreiber. Ich spiele ja auch, soweit ich kann, den Anwalt für die eine oder andere der gegen einander klagbar gewordenen Parteien, ich suche die Leute mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln dazu zu bringen, daß sie einander verzeihen und aufrichtig sich versöhnen, trotz der bei unserem Landvolk nur geringen Neigung zu friedlicher Austragung ihrer Differenzen. Und diese Seite meiner Tätigkeit macht mir oft Freude genug. Natürlich möchte ich nicht ewig Untersuchungsrichter bleiben. Möchte ganz gern auch eine Zeitlang als Stadtrichtep dienen, als Glied des Bezirksgerichts . . Wieder mischte er sich ein Glas Tee, noch stärker als vorhin — und leerte es in einem Zuge. (Fortsetzung folgt.) Wer yat im Wovemöer 1870 Sens geplündert? Ein Beitrag zur Kritik der Kretschman'schen Kriegsbriefe. (Nach den „Hess. Bl.") Tie „Kriegsbriefe" des preußischen Generals Hans von Kretschman haben auf den verschiedensten Seiten lebhaften Widerspruch erfahren. Ganz besonders ist das an den Stellen geschehen, die durch Kretschmans Enthüllungen belastet «r- — 391 — schienen. Man hat dabei zuweilen dem Briefschreiber einzelne Unrichtigkeiten und Ucbertreibungen nachweisen können, im wesentlichen ist jedoch das Son ihm gemalte Bild nicht verändert wor- den. Die „hessischen Bnudesbrüder" kommen neben den Bayern, „der Bande, aus die wenig Verlaß ist", bei Kretschman, dem enragierten Borussen, besonders schlecht weg. Die betreffenden Stellen sind die folgenden. Am 15. November 1870 wurde das Hauptquartier des 3; Armeekorps nach Theil in der Champagne, einem kleinen Orte in der Nähe von Sens an der Nonne, verlegt. Beim Einrücken der Preußen wurden ^wei Einwohner als Franktireurs erschossen und »Wei Häuser niedergebrannt. .„Das klingt nun recht barbarisch, ist es aber nicht", schreibt Kretschman an seine Fran, indem er ihr auseinandersetzt, daß man nun allgemach im Lande der Franktireurs sei. Als Grund, daß man das Hauptquartier nicht nach Sens selbst verlegte, gibt Kretschman in demselben Briefe an: „Sens, ein Ort von 11000 Einwohnern, ist von den Hessen total ausgeplündert worden; da wollen wir nicht hingehen". Mm nächsten Tage kam er aber doch in die Stadt und schreibt von dort am 16. November 1870: „Der General von Alvensleben wollte gern den möglichen Ereignissen etwas näher sein, deshalb brachen wir heute früh .aus dem schönen Schlößchen in Theil nach Sens aus. Diesen Ort haben die hessischen Byndesbrüder in einer unglaublichen Weise mitgenommen. Ein Zivilist reitet auf der Straße, zwei Offiziere nötigen ihn pom Pferde, der eine nimmt dies, der andere den Sattel. Ein Stabsoffizier.will einen Schrank öffnen, der Wirt gibt vor, keinen Schlüssel zu haben, und als sein Gast den Schrank erbrechen nnd er es verhindern will, da schießt ihn der Stabsoffizier tot! Solche Dinge können einem den Krieg recht verleiden. Tie hiesigen Einwohner fragten mich naiv, ob wir eine andere Armee wären. In unserem Interesse konnte ich nicht unterlassen, den Unterschied zwischen einem Hessen und einem Preußen auseinanderzusetzen." Man stellte Untersuchungen an, was für hessische Truppen damals Sens passiert hatten, was für Offiziere dabei gewesen und ob die Leute sich wirklich als solche Barbaren und Mordbrenner benommen hatten usw. Tas Ergebnis dieser Nachforschungen war überraschend günstig. Kein Work von all dem, was Kretschman den Hessen nachgesagt hatte, war w ahr, und der darmstädtische Generalmajor Keim veröffentlichte in Nr. 144 des preußischen Militärwochenblattes einen geharnischten Protest, aus dem unwiderleglich hervorging, daß die hessischen Jäger, die in der Stadt gelegen hatten, sich musterhast benommen, daß kein hessischer Offizier Mord und Straßenraub begangen hatte, und daß somit die betreffenden Stellen in Kreischmans Briefen nichts wie inhaltlose Verleumdungen feien. Der damalige Hauptmann und Kompagniechef, jetzige Oberstleutnant a. D. Balzer berichtet u. a. folgendes: _ „Es wurde von der Kompagnie nichts requiriert und nichts außer den Pompiergewehren mitgenommen. Es ist keine Beschwerde über irgend jemand von der Kompagnie vorgebracht worden, trotzdem wir stundenlang am Abend mit dem Maire zusammensaßen, also Gelegenheit dazu genug geboten war. Auch den Polizeikommissar sprach ich noch am andern Morgen vor dem Abmarsch, ohne daß er mir irgend welche Klage oder Beschwerde auch nur angedeutet hätte." . . Ter andere hessische Offizier, damalige Leutnant M i ck e l, jetzige Major a. D. und Gefänanisdirektor zu Metz, bestätigte die Angaben seines ehemaligen Kompagniechefs Wort für Wort. „Sämtliche Offiziere unseres Detachements waren in dem Hotel de l'Ecu auf Kosten der Stadt einquartiert und verpflegt. Unsere Ansprüche dort waren gewiß nicht übertrieben. Als wir später im Lause des Abends einige Flaschen Sekt tranken — Sens bot in diesem Feldzuge die erste Gelegenheit zu solchem Genuß — geschah dies nicht auf Kosten des Stadtsäckels; wir bezahlten ihn in bar und richtig. Nach dem Essen erschien der Maire an unserni Tisch, nahm Platz und sprach in ferner Unterhaltung dem Tetachemeutsführer seinen Dank aus sür die nicht erwartete freundliche Haltung des gefürchteten Feindes gegen die Stadt und ihre Bewohner. Bei einem Gang durch die Stadt, auf dem ich meinen Hauptmann begleitete und wobei tetr, einige kleine Einkäufe machten, waren wir stets von neugierigen Einwohnern umringt, die über alles, .was wir taten, ihre harmlosen Bemerkungen machten und ihrer Verwunderung Ausdruck gaben, wie: ils parleni francais, ils ont de l'argent francais, le Petit lieutenant fume usw. Eine durch Requisition und Plünderung mitgenommene Bevölkerung wäre gewiß picht so arglos aufgetreten. „Ueber die von der Stadt willig geleistete Tagesverpslegung hinausgehende Anforderungen wurden unsererseits nicht gestellt. .Die Mannschaften waren mit dem ihnen Zugewiesenen durchaus zufrieden. Daß von ihrer Seite Ausschreitungen oder Gewalttätigkeiten verübt worden seien, ist niemals bekannt geworden nnd war außerdent bei dem Geiste der Truppen ausgeschlossen." Soweit die woUbeglaubigten ossizielleN Berichte der beiden einzigen hessischen Offiziere, die im November 1870 in Sens lagen. Ein hessischer Stabsofsizier hat danach zu jener Zeit die französische Stadt überhaupt nicht betreten, konnte also auch darin keinen Mord begehen. Kretschman mußte sich eben unverzeihlich geirrt haben. Er war Lügen gestraft und den Toten konnte man nicht zur Rechenschaft ziehen. ,Er konnte auf die Anklagen, die auf Grund dieser Widerlegung ihn überfielen und nun auch alle anderen unbequemen Angaben in seinen Briesen anzweifelten, nicht mehr antworten. Da ist ihm auf einmal eine merkwürdige Verteidigung geworden von einer Seite, von der man es nicht erwartet hätte. Ein französischer Offizier Chr. Welter, Leutnant im 89. Infanterie-Regiment, hat sich die Mühe genommen, Kretsch- mans Angaben nachzuprüsen und die ganze Geschichte der Besetzung von Sens durch die deutschen Truppen im November 1870 genau zu untersuchen. Zum Glück sür diese Untersuchung sanden sich .im Archive der Stadt und der Souspräfektur eine ganze Reihe von Aktenstücken, die im Verein mit gleichzeitigen Zeitungen und Aufzeichnungen, sowie den Aussagen noch lebender Augenzeugen den zurzeit in der Stadt Sens garnisonierenden Leutnant instand setzten, eine genaue, vollständige und unanfechtbare Darstellung der damaligen Geschehnisse zu geben. .Das Resultat der Welterschen Arbeit, die in Nr. 6 und 7 der in Paris erscheinenden Revue du cerclc militaire uns vorliegt, ist nun recht merkwürdig. Welter bestätigt nämlich durchweg den Bericht der darmstädtischeu Offiziere, zugleich aber auch die Angaben Kretschinans über die Plünderung bis auf wenige, später zu erwähnende Uebertteibungen; nur in einem wesentlichen Punkte hat sich Kretschman geirrt. Es geht nämlich aus Welters Untersuchungen llar und deutlich hervor, .daß die plündernden Soldaten keine Hessen, sondern — Preußen gewesen sind. Es lohnt sich darum wohl auch, auf die Darstellung des französischen Leuttmnts etwas näher einzugehen, die übrigens tn einem durchaus sachlichen und objektivem Ton abgefaßt ist und keine Spur von Animosität gegen die deutschen Truppen verrät. Die Stadt Sens wurde am Samstag den 12. November 1870. vormittags um 11 Uhr von den Deutschen zuerst besetzt. Nach den noch vorhandenen Urkunden des Archivs, Hotelrechnungen, Dokumenten über Wagenrequisitionen u. a. bestanden diese Truppen aus einer Kompagnie des 1. hessen-darmstädtischen Jägerbataillons und einem Detachement Ulanen (2 Eskadrons des litthauischen Ulanen-Regts. Nr. 12) mit insgesamt 7 Offizieren. Diese Truppen blieben noch keine 24 Stunden in der Stadt, sondern verließen sie bereits am Morgen des 13. November. Welter hat ihren Marsch genau verfolgt, sie waren am 13. in Ville St. Jacques, am 14. in Bourron, am 15. in Larchant usw. usw. Nach beglaubigten Aussagen der Zeitgenossen haben sie sich 'während ihres kurzen Aufenthaltes in der Stadt musterhaft betragen. Der Redakteur der „Ssnonais" namens Dauphins, der ein genaues Tagebuch über die damaligen Vorgänge führte, und dasselbe später in seinem Blatte veröffentlicht hat, schreibt darin: Tie Einwohner konnten das Benehmen der Offiziere nur loben. , Alle„ waren höflich, anspruchslos • und bestrebt, die schweren Lasten, die der Stadt bevorstanden, zu vermindern. Wie von einer Ahnung erfaßt, fügt er hinzu: Werden wir wohl immer so gut behandelt werden? Tas ist das vollständig einwandsfreie Zeugnis eines Mannes, der in feiner Eigenschaft als Lehrer der deutschen Sprache in Sens mit den deutschen Truppen während der Besetzung in fortwährende Berührung kam, und sein Zeugnis wird von den Zeitgenossen einstimmig bestättgt. Also freuen wir uns: unsere darmstädttschen Brüder waren nach deutschen und französischen Quellen keine Plünderer und Mordbrenner, sondern wohldiszipli- nierte Soldaten, denen selbst der Feind notgedrungen seine Achtung nicht versagen konnte. Nach dem Abzug der hessischen Jäger wurde die Stadt noch am selben Tage, Sonntag den 13. November, mittags zwischen 12 und 1 Uhr auss neue von deutschen Truppen besetzt. Nach den noch vorhandenen Akten waren es 23 Offiziere und 1244 Mann, nämlich 2 Eskadrons des magdeburgischen TragonerRegts. Nr. 6, 2 Kompagnien des 9. preußischen Jäger-Bataillons, 1 Batterie Artillerie und 2 Eskadrons Ulanen.*) Ties Detachement blieb bis zum Morgen des nächsten Tages, wo es weiter marschierte. Ta bis zum 15. November, wo Prinz Friedrich Karl mit seiner Armee die Stadt betrat, kein deutscher Soldat in ihren Mauern geweilt hat, so kann es sich nur um dies Detachement von 1244 Mann handeln, dem die in Kretschinans Briefen erwähnten und in Welters Darstellung bewiesenen Ausschreitungen zur Last fallen. Daß Sens von diesen preußischen Truppen hart mitgenommen worden, läßt sich leider nickt in Abrede stellen. Der französische Leutnant Welter macht in seiner Arbeit eine klare, einwands- freie Unterscheidung zwischen erlaubten militärischen Requisitionen und unerlaubter völkerrechtswidriger Plünderung. Er sagt: „Zu einer Requisition gehört eine schriftliche Order von der Hand *) Vermutlich die beiden Eskadrons vom 12. preußischen Ulanen-Regiment, die schon Tags zuvor mit den Hessen gekommen waren. Eine Eskadron davon war allerdings nach Balzers Angaben nach Evry detachiert, und nur die andere blieb in de- Stadt. — 392 — efttet bettuiivütiiinjen soepörbe. Heber bie flelieferteit ®inge tttufe eine Quittung ausgestellt, und. bei der Ausführung der Requl- fition mutz Ordnung und Disziplin gewährleistet werden., Mlli- türische Gewaltmatzregeln dürfen nur im Falle der Weigerung der Ortsbehörden angewandt werden. Wenn aber eine städtische Behörde die betr. Forderungen bewilligt, und dann trotz alledem die Soldaten die Türe n mit Texten einschlagen, wie mail das bei Herrn Gaudillon, Herrn Ursin u. a. getan hat, wenn die Soldaten alle Waren, die ihnen gefallen, wea- schleppen, ohne eine Quittung bafür zu geben, .wenn sie in die Keller eindringen und über dre Weme und Liköre herfallen, wenn sie in den Tabakniederlagen die Z i g a r r e n w e g n e h w en wenn sie gewaltsam Schränke erbrechen und sich opulente Diners servieren lass en — so sind das alles Dmge, die mir unter den Begriff der Plünderung zu fallen scheinen, sowie er durch die Gesetze aller zivilisierten Rationen festgestellt ist, .Tinge, die auf keinen Fall irgend ettoas mit Requisitionen zu tun haben." , , . , , , Daß nun am 13. November eine solche Plünderung m Sens stattgefunden hat, darüber sind alle von Welter benutzten Quellen einig, wie denn auch am 12. Januar 18 <1 der Maire der Stadt, Robert, dem damaligen preußischen Etappenkomman- dant anlätzlich einer geforderten Requisition ausführlich über die Plünderung Bericht erstattete, und ihm die Beweisstücke dafür vorlegte. Welter teilt eine Reihe von Schabensberechnungen der ausgeplünderten Bürger mit, von denen einige ihre Verluste auf mehrere tausend Franks berechneten. Es finden sich darunter Lederhändler, Hoteliers, Weinhändler, Tabakhändler, Charcutiers, Friseure, Cafetiers, Limonadenverkäufer usw. Tie von ihm mtt- geteilte Liste ist aber, wie er sagt, .absolut nicht vollständig und stellt nur ein Minimum der wirllichen Zahlen dar; denn es fehlen darunter gerade Namen von Leuten, bei denen nach anderen Berichten die preußischen SoDaten besonders bös gehaust haben. ' In dem Tagebuch des schon einmal erwähnten Dauphins heißt es unterm 14. November: „Man unterhielt sich aus den Stratzen von den S ch r e ck e n und den Gewalt! ä t i g k e r t e n des gestrigen Tages ch man hörte, daß man bei Herrn Ursm ebenso wie bei Herrn Gandillon die Türen mit der Axt eingeschlagen und ihr Leder gestohlen, dah Offiziere (I?) und Soldaten in verschiedene Läden eingedrungen sind, so bei den Herren Berthoud, Bonneau, Cheva'llier, .Delajon, Jullien, Sicard, Thouard und Thouö, und dort Wein, Liköre, Fleischwaren, Pomade, Handschuhe usw. mitgenommen haben." Es liegt der Gedanke nahe, daß diese Wegnahme wenigstens der Lebensmittel doch mit den der Stadt aufgelegten Requisitionen znsammenhänge, so daß es sich vielleicht doch nur um eine etwas harte Art Requisition gehandelt habe. Welter hat sich aber die Mühe q i;t, auch die wirklichen Reqmsltions- qnittnngen genau zu prüfen, und daraus geht hervor, daß dieselben von den Schadensberechnungen wohl zu trennen smd. Obwohl nun Welter jtur eine summarische Zusammenstellung der einzelnen Posten veröffentlicht hat, so zeigt auch diese schon, daß die Requisition eine ganz außerordentliche Höhe erreichten. Wir wollen nur einige Posten davon erwähnen: Fourage für 624 Fr., Kaffee für 1877 Fr., Spirituosen für 1567 Fr.,*) Verpflegung am Ort, Fletsch- und andere Eßwaren für 677 Fr., Leder und Schuhzeug für 42 657 Fr. (!!), Handschuhwaren für 232 Fr., Tabak und Zigarren für 168 Fr., bare Kriegskontribution 7600 Fr. Welter berechnet als Minimalbettag der. Requisitionen eine Summe von rund 56 000 Fr., gewiß reichlich viel für die Heine Stadt und noch reichlicher für das Heine Detachement von 1200 Preußen, das „requirierte". All dies läßt nur zu sehr begreifen, wie Kretschman schreiben konnte, daß die Stadt „in Unglaublicher Weise mitgenommen" und „total aüsgeplündert" worden sei. Was nun Kretschmans Erzählung über den Raub eines Pferdes und die Erschießung desGa st Wirtes anlangt, so sind diese beiden Affären zwar auch nicht ganz aus der Luft fegriffen, aber doch .zum Glück übertrieben. Welter hat auch irr die wirklichen Vorgänge ermitteln können. Ter Held der ersten Geschichte war ein Munizipalrat von Sens, A. Billebeault, der sein Erlebnis wie folgt erzählt: „Als ich am' 13. November zum Hotel de l'Ecu zurückkehrte, umringte mich eine Menge Menschen der verschiedensten Chargen, nahmen mich buchstäblich vom Pferde herunter und wollten es mir wegnehmen. Widerstand war zwecklos, .die.Menge hätte mich erdrückt, da ging ich direkt auf die Offiziere, .die beim Essen saßen, los und sagte zu ihnen: Meine Herren, ich "wußte, chaß Sie große Sieger waren, aber ich hätte nie gedacht, daß Sie Diebe wären; man nimmt mir mein Pferde weg. — Einer von den Offizieren, ein Graf von Bellegrade, ließ es mir darauf sofort wieder zustellen, das hinderte jedoch einige Spitzbuben (maltotiers) von ihnen nicht, Mir Sattel und Zaum wegzunehmen." Dieser Sattel und Zaum figuriert, wie Welter bemerkt, jtt den Akten des städtischen Archivs *) Diese neben der Zahl für die Eßwaren unverhältnismäßig hoch erscheinende Zahl gibt vielleicht eine Erklärung für die anderen Ausschreitungen. als „requiriert durch .einen Offizier". .Jedenfalls eine eigentümliche Form der Requisition. c Noch eigentümlicher war die, dre zu der Legende von der Ermordung -es Wirtes Veranlassung bot. Die Geschichte spielte im Hotel de Paris und wird in Tauphirws Tagebuch sowie von dem noch lebenden Besitzer des Hotels Übereinstimmend mitgeteilt. Der Hotelier Bourgenot und seine Frau erzählen: „Als unser Hotel Sonntag den 13 November, 6 .Uhr abends überfallen wurde, da wollten Soldaten und Chargierte (gradss) sich einen Schrank öffnen lassen unter -em Borimrnd, eine Untersuchung vornehmen zu müssen. In dem Schrank stand em Handkoffer, der einem Reisenden gehörte und Schmucksachen, imitierte und stark vergoldete, enthielt. Der Koffer war dem Hotelierdiener anvertraut, einem alten Mann von 60 Jahren namens Cadet. Ms dieser den Soldaten nicht schnell genug gehorchte, wurde er zu Boden geschlagen und mit Füßen getreten. Ms er wieder aufstand, waren ihm zwei Zähne eingeschlagen und ein Handgelenk verrenkt." r, , Aus dieser rohen Heldentat hat sich dann offenbar die Legende von der Ermordung des Wirtes entwickelt, die in dieser übertriebenen Form dem General Kretschman überbracht und von ihm weiter erzählt worden ist. Die Ereignisse des für die Stadt so denkwürdigen 13. November wurden ja natürlich damals viel besprochen. Dazu kam, daß am Montag, dem 14., Markttag in Sens war, und viele Bauern aus der Umgebung in die Stadt kamen. Dadurch wurde die Kunde von der Plünderung des Städtchens schnell und weit in der Nachbarschaft verbreitet und war in dem wenige Kilometer entfernten Teil längst bekannt, als Kretschman am 15. daselbst eintraf. , . bleibt nur noch die Frage übrig, wie es möglich war, daß Kretschman die Ausschreitungen der preußischen Soldaten gerade den „hessischen Bundesbrüdern" in die Schuhe schob, an deren Unschuld und musterhafter Aufführung nach den deutschen und französischen Untersuchungen auch nicht der leiseste Zweifel b e st e h e n k a n n. Tie Erllärung ist ganz einfach. Die guten Einwohiier von Sens habm offenbar selber geglaubt, daß ihre Bedrücker Hessen gewesen seien. .Mau verwechselte einfach die preußischen uNd die hessischen Jäger. Die hessnchen Jäger waren die ersten deutschen Soldaten, die das Städtchen betraten. Man hatte erfahren, daß das Hessen und keine Preußen seren, und als dann wenige Stünden später wieder Jäger einrückten, da wurden die natürlich gleichfalls für Hessen gehalten. Daß die französischen Kleinstädter kein Auge für die Unterschiede . nt Uniform und Abzeichen hatten, wird man ihnen gewiß nicht Übelnehmen können. Ihr Irrtum wurde durch die später, emtreffen- den preußischen Truppen vielleicht noch bestätigt. Wir zweifeln nicht an der Gutgläubigkeit des Generals von Kretschman; er hat, als er seiner Frau schrieb, gewiß selbst geglaubt, daß die Hessen Sens geplündert hätten. Für sein preußisches Herz war es sicher eine gewisse Befriedigung, datz nicht seine Landsleute,, sondern die „Bundesbrüder" die Attentäter gewesen seien. Darum hatte er auch nichts eiligeres zu tun, als den Franzosen den Unterschied zwischen Preußen und Hessen klarzumachen und aus seiner Entrüstung über das vermeintliche Vorgehen der letzteren keinen Hehl zu machen. Vermischtes. * Nasenkorsetts. Wie erfinderisch ist doch der menschliche Geist, der Natur nachzuhelfen, sie zu verbessern! Was sm- alle Schminken und Salben, all bie kleinen gewöhnlichen Mittelchen, mit denen man sich schöner macht, gegen das, allerneueste Kunststückchen, dessen Bedeutung aus der Annonce enter großen Pariser Frauenzeitschrift .enthüllt: „Apparat, dre Formen der Nase beliebig zu modifizieren. Nasen werden schmaler und Hemer gemacht, Modelle auf Verlangen zur Ansicht". So, wird der Toilettentisch der Frau um einen neuen Apparat bereichert wer- den, der ähnlich dem Korsett, „schmaler und dillmer macht. Was für ein Unglück für den köstlichen Cyrano de Bergsrac, i>aR zu seiner Zeit diese Erfindung noch nicht existierte. Silbendiarnartt. (Nachdruck verboten.) 1—2 Verwandte. 2—3 Hohe Körperschaft. 3—4 Land in Afrika. 4—5 Zeitbestimmung. 1—3 Teil von Kngarn. 1—4 Heidnischer Gott. 4—1 Spanischer Feldherr. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nrr Zum Lernen ist man nie zu alt. Redaktion: Anaust Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schcn Universitäts-Buch- und Ctcindruüerei. R. Lange, Gießen.