1904. m khij W K (Nachdruck verboten.) Im Falak der Flazah. Roman von B. M. Croker. Genehmigte Uebertragung von A. Vischer. (Fortsetzung.) Als ich am nächsten Morgen erwachte, ivar sie ver- schwuuden. Munasawnrh gestand mir dann unter feierlichen Dankesversicherungen, daß es seine Tochter gewesen sei, die sich in schwerer Bedrängnis befunden habe. Er war jetzt mein einziger dienstbarer Geist, mein „Mädchen für alles", denn die neugierig hernmschnüffelnde, naschhafte Ajah hatte ich bald entlassen. Ich befand mich jetzt drei Monate im Palast. Der kleine Radschah inachte wunderbare Fortschritte und hatte seine beiden Schwestern weit überflügelt. Er war iiberhaupt ein lieber kleiner Kerl, der aufs drolligste die ihm sehr wohl bewußte Würde seines Standes mit der seinem Alter natürlichen Zutraulichkeit vereinigte. Es machte ihm großen Spaß, umgeben von berittenen Wachsoldaten, mit seinem Onkel auszufahren und die Huldigungen seiner Untertanen entgegenzunehmen. Anderseits verschmähte er es auch durchaus nicht, sich auf meinen Schoß zu setzen, die Aermchen mir um den Hals zu schlingen, meine Uhr zu betrachten, oder sich von den gleichalterigen kleinen Jungen er- zählen zu lassen, die weit, weit fort jenseits des Kala-Pani wohnten. . Obwohl ich die Rani Gindia fast täglich sah, hatte rch doch das Glück gehabt, niemals wieder der Rani Sundaram, vor der jedermann im Palast zitterte, zu begegnen. Schon begann ich anzunehmen, ,daß sie ihre Privatgemächer wohl nie verlasse. Allein ich täuschte mich. Sie fuhr sogar täglich aus und besuchte andere vornehme Hindufamilien. Auch hatte ich sie neuerdings manchmal aus der Ferne im Garten entdeckt, mich dann aber so rasch als möglich aus dem Staube gemacht. Eiues Nachmittags nun fand ich sie bei meinem Eintritt im Zimmer ihrer Schwiegertochter. Umkehren konnte ich nicht, da man eine besondere Einladung an mich hatte ergehen lassen. Sie hockte zusammengekauert mit ihrer Huka vor sich auf einem Kissen am Boden und machte mir wieder vollständig den Eindruck eines auf seinem Neste brütenden wilden Raubvogels. Aus dem Klang ihrer barschen Stimme, die bei meinem Erscheinen jedoch sofort verstummte, schloß ich, daß die alte Rani ihrer Verwandten einen Verweis gegeben hatte. t , Einige Zeit blieb ich, auf eine Anrede wartend, in der Nähe der Tür stehen, allein die Rani Gindia war in Tränen gebadet mit) unfähig, zu sprechen. Schon wollte ich mich wieder zurückziehen, da sah ich, daß sie mir bittend ihre Hand ent^euenhielt, als fühle sie sich durch meine Gegenwart gewissermaßen beschützt. Suchend schaute ich mich deshalb nach dem Rohrstuhl, meinem gewöhnlichen Sitze, um. „Setze Dich auf den Boden!" befahl die alte Rani. „Was für eine Fürstin von Royapetta gut genug ist, kann es auch für eine Dienerin sein." Zu meiner Bestürzung sprach sie englisch. Ich machte keine Anstalt, ihrem Befehle zu gehorchen, sondern blieb stehen und sah sie ruhig an, ohne ihrem, von allen so gefürchteten Blicke auszuweichen. „Ha, Du mit den stolzen Augen! Die da drüben" — sie zeigte auf ihre Schwiegertochter — „hat ganz recht: es ist recht auffallend, daß eine Frau Deines Standes in unser Land kommt, um unser Brot zu eisen." „Nein, Hoheit, es ist nicht auffallend, da ich mir mein Brot verdienen muß, weil ich arm bin." „Arm!" Mit boshaften Blicken betrachtete sie mich. „Und doch trat der reiche, hübsche Engländer so eisrig für Deine Rechte ein und sagte, man könne sich auf Dich verlassen. Bei den Göttern, die Unverschämtheit dieses Mannes kennt keine Grenzen, an unseren Hof eine junge Person zu bringe», eine Musikantin, deren Gesicht ebenso s ech ist wie das seinige, und die seine Geliebte^ ist! Aber diese englischen Hunde wissen ja nichts von Schamgefühl!" Einen Augenblick erstarb mir das Wort auf den Lippen, den» das Herz schlug mir bis zum Halse hinauf. Dann aber antwortete ich, meine ganze Selbstbeherrschung zu- santtnenraffend, unerschrocken: „Ich sehe jetzt allerdings, daß es erniedrigend t|t, jemand anderem als einem britischen Radja zu dienen. Engländer werfen Fremden keine Beleidigungen ins Gesicht!" „Schweig!" donnerte sie mich au. „Der Engländer ist Dein. Liebhaber und Du bist seine Spionin! Er hat Dich hierhergebracht, damit Du ihm lügnerische Berichte über das hinterbringst, was im Palast vor sich geht." „Das ist nicht wahr! Ich weiß, Gott sei Dank, überhaupt nichts von den Begebenheiten im Palaste. Ich spreche die Wahrheit, aber hier ist die Lnft mit Lügen erfüllt." „Die Wahrheit hat tausend Augen, Du aber bist falsch wie Deine ganze Rasse. Am Abend des Devali-Festes befandest Du Dich mit Deinem Liebhaber im Audienzsaale. Leugne es nicht, denn ich habe gesehen, wie ihr miteinander gesprochen, geflüstert, geliebäugelt und euch die Hände gedrückt habt. Auch zwei Briefe hast Du ihm gegeben." „Ja, es waren Briefe an meine Freunde." „Palastgeheimnisse enthielten sie! Und auch über mich, die Rani Sundaram, habt ihr gesprochen, und zwar ntchts gutes!" Das war nun allerdings, wahr, und ich fühlte, tote nur die Schamröte ins Gesicht stieg. „Ich wiederhole es, Du bist eine boshafte Sptomn!" „Nein, das bin ich nicht, und ich verbitte mir eine solche Sprache, die ich von niemand dulde, und wäre es dte Kaiserin von Indien. Ich kündige hiermit meine Stelle utti> 262 Seeminm- Bon F. v. Trützschler-F allen st ein. Nachdruck verboten. (Schluß.) Die Beobachtungsmine ist bis in die Neuzeit von den meisten Marinen beibehalten worden, nur in der Fechtstellung, wenn sie zur Explosion gebracht werden soll, hat sich manches geändert. Statt der Camera obscura wendet man jetzt den Siemensschen Distanzmesser an. — Hierzu sind zwei Beobachtungsstellen nötig, von denen die eine in der Verlängerung der ausgelegten Sperre, die andere weiter zurück seitwärts liegt. Die Beobachter an beiden Plätzen haben auf einem Tisch eine Karte vor sich, in der die Lage der verankerten Minen genau verzeichnet ist. Auf den Tischen ist je ein Fernrohr angebracht, mit -werde morgen nach Madras zurückkehren... oder Vesser Stoch heute, sogleich!" „Bah, Du albernes Bleichgesicht! Hier bist Du und hier bleibst Du. Du selbst hast Dich mit Deiner Unterschrift verpflichtet, und Dein Gebieter hat sich für Dich verbürgt. Dein Unterricht ist gut, die fürstlichen Kinder sprechen günstig von Dir, und da Du nun einmal so eine Närrin gewesen bist und dienen wolltest, so bleibst Du hier und dienst tveiter." „Nein, ich gehe fort!" wiederholte ich heftig, mein Mr. Thorold gegebenes Versprechen dadurch aufhebend. „Versuche es!" lautete die höhnische Antwort. „Ich werde mich an die Regierung wenden!" Ich bebte vor Erregung. „Versuche es!" wiederholte sie, und ihr Gesicht war die Bosheit selbst. „Ich bin die Regierung, wenigstens innerhalb des Palastes und zwar bis zu meinem letzten Atemzuge." Also sprechend, richtete sich die Alte plötzlich zu ihrer ganzen Größe auf, und obwohl sie ihr Gewand nach Art der vornehmen Brahmanenfrauen des Südens um die Beine gewickelt trug, versuchte sie, sich ein majestätisches Ansehen zu geben. Ich selbst stand die ganze Zeit über mit dem Rucken an die Wand gelehnt, die Hände krampfhaft hinter mir verschlungen. Ein kurzer Wortwechsel in einer mir fremden Sprache entspann sich jetzt zwischen den beiden Frauen, worauf die alte Rani sich mir wieder zuwandte und mich scharf ansah. Schwer ging mein Atem, kaum daß ich meine Erregung zu bemeistern vermochte. Aber auch jetzt hielt ich ihren Blicken stand. Dabei war es mir, als habe ich irgend ein boshaftes Tier vor mir, das ich mit meinen Blicken bändigen müsse. Endlich sagte sie: „Ich scherzte ja nur, Du wilder, junger Panther! Necken wollte Dich eine alte Frau. Beim Namen des Sira, was bleibt mir von meiner Herrschaft denn noch viel anderes übrig als Worte?" Hierauf schritt sie, ihre langen Umhänge noch enger um den abgemagerten Körper wickelnd, aus dem Gemach, während ich mit verschlungenen Händen und brennenden Sämigen, zitternd vor Aufregung, auf meinem Platze stehen blieb. , _ , „Ich bitte Dich, laß Dir die Worte der Ranr Sundararn picht zu Herzen gehen", sagte ihre Schwiegertochter, „und ebensowenig die von Durigodana und Begur. Sie alle hassen die Engländer. Nur ärgern wollte sie Dich. Dies macht ihr gerade soviel Vergnügen, als wenn sie die ein» gesperrten wilden Tiere in ihren Käfigen quält. Sie wünscht nicht Dein Weggehen, nur kränken wollte sie Dich. Ich aber habe Dich in mein Herz geschlossen. Miß Sahib, und auch die Kinder hängen an Dir. Verlaß uns nicht um einiger böser Worte willen. . . Alles, was aus ihrem Munde kommt, ist böse", fügte sie leiser hinzu, „auch alles, was sie zu den anderen und selbst zu mir sagt." Mir fielen Mr. Thorolds Worte ein: Sie werden mit mancher Widerwärtigkeit zu k'ämpfen haben. Damals ließ ich es mir freilich nicht träumen, daß diese Widerwärtigkeit Mit seiner Person Zusammenhängen würde. „Ein Wort noch", flüsterte meine Gönnerin mit feuchten Augen. „Die Rani Sundaram kann den Residenten nicht leiden, da er ihr zu viel Macht nimmt. Ich weiß aber, daß seine Hände rein sind und daß er meinem Sohn mit den besten Absichten dient. Er ist ein tatkräftiger und ein gerechter Mann. Wenn Du Dich jedoch dazu verstehen könntest, nicht mehr mit ihm zusammenzutrefsen, so wäre es für Dich und ihn besser. Ich selbst denke nichts schlimmes, in den Augen der Rani Sunoaram aber gibt es außer den Göttern nur Bösewichte." * Es schien, als habe der schreckliche Auftritt, dessen Zeugin die Rani Gindia gewesen war, ihr Wohlwollen für mich noch verstärkt. Bald bekam ich die angenehmen Folgen davon zu fühlen und bemerkte, daß die kleine Rani ihre persönliche Teilnahme für mich soweit betätigte, als es in ihrer Macht stand. Auch Briefe gelangten jetzt zu mir: von Mrs. Dalrymple, Frau Rosario und Mr. Evans. Selbst Linda schrieb mir. Was doch so ein matt aufflackerndes Glückssternchen nicht alles vermag! Die Kunde von meiner ^glänzenden Stellung" war ihr zu Ohren gekommen, und nun wollte sie wissen, ob ihre Schwester Julia nicht vielleicht Auftrag bekommen könnte, die Damen des Palastes zu malen, auch möchte ich ihr doch einige echte Madraser Musseline und seidene Zierstoffe schicken! Auch an Spazierfahrten fehlte es mir jetzt nicht mehr. Häufiger noch als früher forderte die Rani Gindia mich zur Begleitung auf, wenn sie in- ihren geschlossenen Staatswagen in die Stadt fuhr. Allein diese Ausfahrten boten außer der Ehre, mich in ihrer Gesellschaft zu befinden, wirklich nicht viel Vergnügen für mich. Die Hitze, das Getöse, die von Fliegen wimmelnden Konditoreibuden, die geschmacklos aufgeputzte, stoßende, schreiende Menge, die von Weihrauch, verwelkten Blumen, Kuhdünger und heißem Del verpestete Luft — das alles war durchaus nicht nach meinem Geschmack. Mit fast krankhafter Begierde sehnte ich mich hinaus in die offene, freie Natur, und — endlich wurde mir auch dieser Wünsch erfüllt. Wir fuhren jetzt öfter aus der Stadt hinaus zu alten Festungen, Grabmälern und Tempeln, womit die Umgebung von Royapetta im Umkreise von zwanzig Meilen förmlich übersäet ist. Dann durfte auch der Landauer geöffnet werden, und hier, wo es niemand sah, gestattete ihre Hoheit dem Winde, über ihr zartes Gesichtchen zu streichen nnd ihr das weiche Haar zu zersausen. Häufiger hatte ich bei solchen Fahrten die kleinen Mädchen als Gesellschafterinnen bei mir, mit denen ich viele entzückende Ausflüge nach den wunderbarsten Ruinen machte. Einst die stolzen Herrscher-Sitze irgend eines großen Königs, erbaut für anscheinend ewige Dauer, lagen ihre Trümmer jetzt unbeklagt, ungeehrt und unbesungen, von keiner Geschichte oder Sage umwoben, häufig sogar ohne Namen, der Vergessenheit anheimgegeben. Eines Tages fand ich auf meinem Schreibtisch zu meiner Ueberraschung und Freude ein Briefchen von Mr. Thorold vor, das, wie ich mit Genugtuung bemerkte, nicht vorher geöffnet worden war. Verehrte Miß Ferrars! Seit Monaten habe ich Sie nicht gesehen. So oft ich in den Palast komme und nach Ihnen frage, heißt es jedesmal: Die Miß Sahib ich beschäftigt, oder: Sie ist jetzt außer stände. Sie zu empfangen. Hoffentlich liegt der Grund dieser fortgesetzten Abweisung weder in Ihrer Abneigung, mich zu sehen, noch, was ich schließlich ernstlich zu fürchten beginne, in einer Erkrankung Ihrerseits. Bitte, geben Sie mir nur mit ein paar Worten Nachricht. Wenn Sie die Antwort auf dieselbe Stelle legen, wo Sie dieses Briefchen gefunden haben, so wird eine zuverlässige Hand es mir zustellen. __ _ 9 ' Ihr ergebenster M. T. Sofort setzte ich mich hin und warf folgende Zeilen nieder: Geehrter Mr. Thorold! Besten Dank für Ihren Brief! Es geht mir gut, auch wäre ich durchaus nicht abgeneigt. Sie zu empfangen, würde mich sogar sehr über ein Widersehen freuen, wenn nicht dringende Gründe ein Zusammentreffen unserseits als unratsam erscheinen ließen. Hoffentlich haben Sie sich vollständig von Ihrem Malaria-Anfall erholt? Ihre ergebene P. F. Selbst wenn dieses Briefchen in die Hände der alten Rani gelangen sollte, so wäre es von keiner Bedeutung. Nachdem ich es sorgfältig versiegelt und auf den bezeichneten Platz gelegt hatte, begab ich mich in den Garten hinunter, und als ich nach etwa einer Stunde zurückkehrte, war der Brief verschwunden. (Fortsetzung folgt.) — 263 dem die Bewegungen des Feindes deutlich verfolgt werden können. Die Fernrohrstellung des seitwärts aufgestellten Beobachters wird auf elektrischem Wege dem in Verlängerung der Sperre stehenden kenntlich gemacht. Sieht nun der erstere das gegnerische Schiff in der Richtung einer der ausgelegten Minen, so schließt er den Strom. Diese Mine wird jedoch nur dann zur Explosion gelangen, wenn auch der zweite Beobachter dasselbe Schiff genau in Verlängerung der Sperre sieht und auch seinerseits Stromschluß herstellt. In dem deutsch-französischen Kriege 1870/71 waren unsere Häfen und Flußmündungen größtenteils durch Minen gesperrt. Ihre Ladung bestand aus Schießbaumwolle, welche im Wasser ungefähr die vierfache Wirkung wie Pulver hat. Die eisernen Minengefäße hatten ungefähr die Form einer unten abgeslachten Birne. Auf der oberen Wölbung waren fünf Zünder von sehr geringer Tauglichkeit angebracht. Obgleich die mit Säure angefüllten Glasröhren durch Bleikappen gegen schwache Stöße geschützt waren, so kamen doch beim Legen der Minen viele unbeabsichtigte Explosionen vor. Die moderne Mine besteht aus einem aus Kesselblech zusammengemieteten birnenförmigen Gefäß, auf dessen oberer Fläche fünf mit Schwefelsäure gefüllte Gläser angebracht sind. Diese sind gegen geringe Stöße durch übergeschraubte Bleikappen geschützt. Unterhalb der Minengläser liegen Trockenelemente, bestehend aus Zinkkohlenplatten. Die Ladung besteht ausschließlich aus Schießbaumwolle, und zwar nimmt diese nur ein Drittel des Rauminhalts des hohlen Minengefäßes ein, um der Mine genügenden Austrieb zum Schwimmen zu sichern. — Die Zündung ist dieselbe, wie bei der schon beschriebenen Beobachtungsmine. Beim Anstoß wird die Bleikappe verbogen, das Glas zerbricht und die auf das Zinkkohleelement fließende Schwefelsäure erzeugt einen elektrischen Strom. Der in der Zündmasse gelagerte Platindraht gelangt jedoch erst dann zum Glühen, ivenn der hervorgerufene elektrische Strom ein eingeschaltetes Sicherheitskabel durchlaufen hat. Dieses besteht aus zwei Drahtleitungen, welche erst nach dem Legen der Mine vereinigt werden. So lange die beiden Kabelenden getrennt sind, ist jede Gefahr, welche durch vorzeitiges Zerbrechen der Minengläser entstehen würde, völlig ausgeschlossen, erst nach ihrer Bereinigung ist der Strom geschlossen und die Mine kann durch Zerbrechen eines der Minengläser explodieren. Gelegt werden die Minen durch kleine Boote oder Dainpfpinassen. Sie empfangen diese vom Minenprahm, welcher hinter der durch vorher ausgelegte Markierungsbojen bezeichneten Sperre verankert liegt. Der Anker, ein schildartiges, flaches Eisen, ein Teil des Ankertaues und des Sicherheitskabels werden ins Boot genommen; die auf dem Wasser schwimmende Mine wird nachgeschleppt. An der betreffenden Markierungsboje angelangt, wird das Ankertau — eine Stahldrahttroß — auf die vorher durch Lotung festgestellte Massertiefe eingestellt, und dann dieses und der Anker über Bord geworfen, so daß die Mine, durch das Ankertau am Anker gehalten, etwa drei Meter unter der Wasseroberfläche schwimmt. Nun wird das Sicherheitskabel nach rückwärts, senkrecht zur Richtung der Sperre ausgefahren, die beiden Enden werden zusammen- gesplißt und dann mittels eines Ballasteisens verankert. Ist so an jeder Markierungsboje eine Mine ausgelegt, werden die Bojen fortgenommen und die Sperre ist her- gestellt. — Um jedoch den eigenen Schiffen ein ungefährdetes Fahren zu ermöglichen, bleibt ein Teil der Sperre frei von selbsttätigen Stoßminen. Gegen den Feind wird jedoch diese Durchfahrt, Ausfalllücke genannt, durch Beobachtungsminen oder, wie bei unserer Marine, durch Torpedobatterien gesichert. Eine Wart der soeben beschriebenen Stoßmine ist die Streumine. Gefäß, Ladung und Zündung sind mit dieser identisch, nur das Sicherheitskabel fällt fort. Der Minen- körper ruht auf einem mit dem Anker fest verbundenen Gestell. Der Anker ist nicht massiv, sondern nimmt eine Ttommel in sich aus, um welche das Ankertau gerollt ist. Eine Zange, welche so eingerichtet ist, daß, wenn ihre langen Arme auscinanderstehen, die oberen kurzen geschlossen sind, hält die Mine durch einen an dieser sitzenden Ring am Anker fest. Zwischen erstere wird ein Salzstück geklemmt, das diese auseinander hält, wodurch die Mine also auf ihrem Gestell am Anker festgehalten wird. Durch besondere Fahrzeuge, Streuminendampfer genannt, werden diese Minen derartig gelegt, ausgestreut, daß, während die Schiffe sich in Fahrt befinden, sie aus einer am Heck befindlichen Oeffnung in die See geworfen werden. Durch die Schwere des Ankers gezogen, sinken die Minen unter und stellen sich aufrecht aus den Grund. Jetzt fängt das Wasser auf das zivischen die Zange geklemmte Salzstück an zu wirken, und nach etwa einer halben Stunde ist dieses geschmolzen. Die oberen Zangenarme öffnen sich und die Mine steigt infolge ihrer Auftriebskraft der Oberfläche zu, indem sie das Ankertau, welches mit dem einen Cude am Anker befestigt ist, von hier über eine an der Mine fitzende Rolle läuft und dann lose um die schon erwähnte Trommel im Anker gewickelt ist, nach sich zieht. Beim Aufsteigen der Mine tritt ein an ihr angebrachter Tiefensteller in Tätigkeit, welcher auf dem hydrostatischen Druck des Wassers beruht. An der Oberfläche ist dieser Druck gleich Null, er ivächst mit zunehmender Tiefe. — In einem vorn offenen Zylinder bewegt sich ein wasserdicht eingeschliffener Kolben. Im inneren Teile des Zylinders befindet sich eine Spiralfeder, die bestrebt ist, den Kolben nach außen zu drücken, während entgegengesetzt der Wasserdruck diesen einwärts zu bewegen sucht. Die Spiralfeder ist derartig eingestellt, daß sie dem Druck des Wassers in drei Meter Tiefe das Gleichgewicht hält. Befindet sich nun die Mine in größerer Tiefe als drei Meter, so überwiegt der Wasserdruck und der Kolben wird nach innen gepreßt sein; je höher die Mine steigt, um so mehr wird der äußere Druck nachlassen, bis schließlich ein Moment eintritt, in dem Feder- und Wasserdruck einander gleich sein werden. Der Kolben steht jetzt in der Mitte des Zylinders und löst durch eine an ihm befestigte Stange ein Klemmstück aus; dieses fällt herunter und kneift das durchlaufende Ankertau fest. Die Mine hat sich so auf drei Meter unter der Wasseroberfläche selbsttätig eingestellt. Die Streumine ist also ein äußerst schnell und einfach zu legeude Mine und wird in einem Kriege, besonders in flachen Meeren, wie z. B. in der Ostsee, eine große Rolle spielen. In dem Feinde unbekannten Stellen, Meerengen usw. gelegt, kann sie diesem große Verluste zufügen. Die eigene, sich vor dem Gegner zurückziehende Flotte ist leicht imstande, hinter sich in kürzester Zeit eine äußerst wirksame Sperre herzustellen. Naturgemäß wird auf die Dauer eine durch Streuminen gelegte Sperre auch für die Bewegungen der eignen Schiffe sehr hinderlich sein. Die Minen sind deshalb mit einer Vorrichtung versehen, durch welche sie nach einer beliebigen Zeit außer Wirkung gesetzt werden können; mittels eines in der Mine befindlichen Uhrwerks, das auf eine gewisse Anzahl von Stunden oder Tagen eingestellt werden kann, wird, wenn die Zeit abgelaufen, ein Minenglas zertrümmert und so die Mine zur Entladung gebracht. Das Fahrwasser ist also wieder frei. So viel bekannt ist, besitzen die Japaner keine Streuminendampfer. Trotzdem scheint die Streumine zur Verwendung gelangt zu sein, denn in den ostasiatischen Kriegsberichten hieß es vor kurzem- daß einzelne japanische Schiffe vor der Einfahrt von Port Arthur schnell hin und her gefahren seien und Minen gelegt hätten. Es kann sich also nur um Streuminen gehandelt haben, denn das Legen gewöhnlicher Stoßminen hätte viel zu viel Zeit erfordert und die Russen würden den Japanern hierbei unbedingt sehr ausgiebig auf die Finger gellopft haben. Jede einen Hafen und wichtige Einfahrt angreifende Flotte wird natürlich mit dem Vorhandensein ausgelegter Minensperren rechnen. Sie wird daher versuchen, die Lage der Sperre zu erforschen, um eine Dresche in diese zu legen. Ist Ebbe und Flut vorhanden, wie z. B. in der Nordsee, so genügen alte, unbrauchbare Schiffe, tiefgehende Prähme usw., um eine Fahrstraße durch die Sperre frei zu machen. Mit laufender Flut läßt mau diese auf die Sperre zutreiben und bringt so einen Teil der ausgelegteu Minen zur Entzündung. Sind jedoch solche wertlosen Fahrzeuge oder dergleichen nicht zur Verfügung, oder ist weder Strom noch Wind vorhanden, durch den das Wrack oder der Prahm auf die Sperre zugetrieben werden kann, so werden durch kleine, flachgehende Boote Minen mit einer Schießwoll- ladung bis zu WO Kilogramm, sogenannte Konterminen, möglichst nahe an die Sperre gebracht und elektrisch — 264 entzündet, wobei infolge der großen Ladung alle in etwa 50 Meter Umkreis ausgelegteii Minen zerstört werden. Für die angreifenden Schiffe rst so eine Durchfahrt geschaffen. Es ist also dringend geboten, jede dauernde Minen- sperre durch.Küstenforts, Machtschiffe und -Boote zu schützen, soll sie ihren Zweck erfüllen und nicht gleich unwirksam gemacht werden. Pie neue Aheinbrücke bei Mainz, mit deren Bau im Oktober 1901 begonnen worden ist, ist mit ihrer scheinbar viel zu leichten und überaus eiusachen Eisenkonstruktion ein Wunderwerk moderner Technik, gleichzeitig bietet sie aber durch ihren reichen bildhauerischen S cii in u ck, der auf besonderen Wunsch des Kaisers die Brücke ziert, dein Be chauer eine Menge des Fesselnden und Originellen. Tie Breite des Rheines bei der Brücke beträgt 450 Meter, und zwar im Hauptarm 250 und im Nebenarm 200 Meter. Im Flußbett stehen drei Pfeiler; zwei davon im linken und einer im reckten Arm. Dreizehn Landpfeiler, voit denen sich sechs atti der Petersau, eiltet Insel im Rhein, befinden, tragen außerdem die Brücke. Die Oeffnungen der Strompfeiler betragen einmal 95,80 Meter, zweimal je *106,80 Meter und je 116,20 Meter. Sechs Dopreltürme und der prunkvolle, aus rotem Sandstein in streng tcn attischem Stil gehaltene Brückenkopf, auf dem sich auch am Sonntag der Einweihungsakt abgespielt hat, zieren die langgestreckte Brücke. _ . ■„ , Am Brückenkopf führt eine Treppe mit Etsengelander zum Eingana, den uvei Säulen aus dunklem Niedertnendigstein flankieren. "Hier tu d an! der Gegenseite sind angebracht der römische Senator 'M a t l n s A u r e l i u s, B o n i f a 11 u s, die Heiden bekehrend, der e,e! örutc Siegfried und der Drache F a s n e r, das Rheingold tunend. Eine ganze Anzahl kleiner Einzeltöpfe, die jedoch keine siuiibitdliche Bedeutung haben, sind in einem Bogen über dem Bouisatiusrelics über dem Portal angebracht. Wetter e das Portal am Ober ström, der der Stadt zu gelegenen Seite, c links Architrave und die Christenverfolgung. Das Portal am llnterstrom, also nni der Gegenseite, bringt ebenfalls eine ganze Reibe hochkünstlcrijcher Reliefs und Köpfe. Da sind die Nixen, wie sie um das Rheingold tanzen, in Hochrelief sehen wir Siegbert und F r a u e n l o b, ferner ein Relief, einen Wald darstellend, mit ztvei schmausenden Eichhörnchen. Dieses letztere Bild hat keine sinnbildliche Bedeutung und dient nur zur Ausschmückung. Oben am Turm des linksseitigen Brückenkopfes ist auf beiden Seiten der hessische Löwe angebracht. Ten Turm schmückt ferner ein zierlicher Balkon aus kleinen Säulen, bei denen die Zwischen- räume mti schwarzen Marmorplatten ausgefüllt sind. An der Landseite des Balkons prangt das Mainzer Stadtwappen, behütet von dem hessischen Löwen und dem preußischeir Adler: „D i e preußisch-hessische E i s e n b a h n g e m e i n s ch a f t I" Der große Balkon an der Wasserseite des Brückenkopfes zeigt ebenfalls das Mainzer Wappen, umgeben von Ornamenten, aits denen sich der Bischosshut und das Schwert, als Zeichen der tveltlichen und kirchliches Macht, abheben. Zivei Reliesplatten an der seitlichen Mauer zeigen Baitern. Tann folgen am Oberstrom die Köpfe des Baurats S ch w e ch t e n, des Erbauers der Brkicke, feines ersten Assistenten K ö r s ch n e r, des Direktors Lauter von der Baufirma Holzmann und des Bildhauers Professor Riegelmann. Als Gegenstück finden mir auf der anderen Seite am Unterstrom die in Stein modellierten Kopie desMain-erCisenbahnpräsidenteu R a b e n a u, des Regierungs- Wd Baurats E v e r k e n und der Baiiinspektoren Merkel und Bart h. Am Brückenbogen des Ouerstroms kämpfen ztvei heraldische Adler, ein großer, der deutsche, der den kleinen, den römischen, angreift und besiegt. Ein weiteres Relief in aus- gezeichneter Arbeit zeigt ein römisches Kastel in einem germanischen Wald, in dem ein Bär, das Urbild der Kraft, Stämme atisreißt. Ztvei Krieger, mit Steinschleuder bewaffnet, schleichen auf das Kastel zu. Hoch oben am Turm, und weithin sichtbar, ist das Standbild Gutenbergs, des großen Mainzer Sohnes, aufgestellt. Als Gegenstück auf der anderen Seite sieht man den krönenden Bischof; eine Illustration des Liederverses: Ten krönt man zu Aachen zur selbigen Stund'. Von der Spitze des Tunncs schaut mit halbgeöffneten Flügeln ein Adler in die Lande. An dem Eingang dös Tores ist die Büste des preuß. Eisenbahn- Ministers v. Budde, auf der anderen Seite diejenige deS hessischen Finanzministers G ii a u t h. Tie Büsten des deutschen Kaisers und des Groß Herzogs sind am Turm auf den beiden Strom- seitcn auf besonderen Sockeln mit einem tapetenähnlichen Hintergrund aufgestellt. Mährend die Darstellungen auf dem Brückenkopf einen ernsteren Charakter haben, sind die Reliefs aui den beiden Toppcl- luur.en der Brücke der fröhlichen Laune und der beißenden Satyre gemibmet. Auf dem ersten Rheinpseiler, dessen Errichtung übrigens LOOiOMk. mehr gekostet bat, wie der anscheinend genau so aus- gesührte. andere Toppelturm, fletschen die drei Köpfe des Höllen- hundcs Cerberus ingrimmig die Zähne. Weiter ist hier sehr amüsant der aus der anderen Brücke noch bestehende Brückenzoll in drei Bildern verspottet. Auf dem ersten Bild wirst der Spaziergänger mit saurer Miene sein Geldstück in die Börse des Wächters. Einen bedeutend schöneren Zoll zeigt das zweite Bild, auf dem sich zwei küssen. Aus dem dritten Bild aber sieht man einen frechen Schlingel, der dem Gelderheber durchgebrannt ist und ihm dazu eine lange Nase dreht. Ter Pfeiler auf der Kasteler Seite zeigt Bacchus in Weinlaune und die Pomona mit Aepfellaub, als Sinnbild der Rhein- und der Main- und der Wein« uud Apselweingegend. Dann aber machen sich die Bilder weidlich lustig über die zuerst sehr hohen, dann aber sehr, sehr reduzierten Ansprüche, die Kastel seinerzeit bei den ersten Verhandlungen zum Brückenbau gestellt hat. Ein Fuchs, der die ihm zu hoch hängeu- den Trauben* zu sauer findet, und sie deshalb verschmähend, fort- läuft, spielt auf die erwähnten Vorgänge an. Ebenso zwei Knaben, die sich um einen dicken Apfel streiten und sich schließlich mit einem kleinen begnügen inüsseu. Als Gegenstück zu„ den beiden streitenden Knaben sehen wir auch zwei streitende Vögel auf der Kasteler Seite. (Rhein. Kurier.) vermischtes. ** Jetzt, d a die Zeit der Maibowlen und Erdbeerbowlen wieder herannaht, interessiert es vielleicht, den Ursprung des Wortes „Bowle" festzustel'len. Hans v. Zobeltitz teilt im Maiheft von „Velhagen und K'lasings Monatsheften" in einer Plauderei „Bowlen-Weisheiten" folgendes mit: „Man darf nicht das Wort für englischen Ursprunges erklären. Wenn wir es vielleicht auch neuerdings aus England entlehnt haben, so ist der Ursprung des Wortes „Bowle" doch zweifellos urgermanisch. Ehe die Briten ihren Claret-Cup und ihre Porter-Bowle erfanden, trank man sicherlich schon Maiwein am Rhein. Warum sollte es, damals nicht auch schon Bowlen gegeben haben? Die Kunst, Milchgetränke zu brauen, ist ja nicht nur schon bei den Römern zu finden, sondern ist auch durch das ganze deutsche Mittelalter zu verfolgen. Das Wort „Bowle" stammt denn auch von dem althochdeutschen „bolla", mittelhochdeutsch „bolle" und bedeutete Küospe und kugelförmiges Gefäß. Daraus ents.a o dann erst das angelsächsische „bolla" und weiterhin dos frühsten gstlische „bowl", mit der besonderen Bedeutung: Gefäß, Napf, auch Becher, wobei man aber stets noch an die kugelige, die Küospenform, zu denken hat. Interessant ist, daß das uralte Wort auch im Hochdeutschen heute noch fortlebt. So nennt man heute noch in der Wetterau ent hölzernes hohlrundes Gefäß eine Bolle, und Jakob Grimm meint ausdrücklich, „deutscher wäre Punschbolle als Punsch- Bowle!" __________ Literarisches. — Im Verlage von Hofsmann u. Ohnstein in Leipzig erschienen unter dem nndeutschen Titel , B l o u s e s M o d e r n e s Nr. 2" ein Heft von reichhaltigem Inhalt Es bietet 94 der neuesten Modelle für Damen- qarderobe, und zwar 70 schicke und elegante Vorlagen für Blusen Boleros usw., 12 Rockmodelle, 5 Morgen- und Hauskleider, sowie 1 fein koloriertes Modenkupfer mit 7 hoch- aparten Blusenmodellen. Blouses Modernes Nr. 2 wird umsomehr in Schneider-Ateliers und in Familien willkommen sein, als der Preis nur 1 Mark ist. Warum die Leipziger Verlagsbuchhandlung einen französischen Titel gewählt hat, ist uns unverständlich. Spricht man denn mt der Pleiße neuerdings ein sranzösisches Sächsisches? Et herrjemersch nee, das muß aber scheene klingen! Buchstabenrätsel. Nachdruck verboten. Das Wetter sah so freundlich aus, Ich fuhr mit meinem x hinaus, Hoiho I Wir zwei mit keckem Mut Zieh'n durch die blaue Flut! Da plötzlich braust ein Sturm daher, Pakt unser Boot und rüttelt's schwer. Mein kopflos x in fester Hand Bracht doch uns noch aus Land. Auflösung in nächster Nmnmer. Auflösung der Gleichung in vor. Nr.: Märzveilcheu (a Märchen, b Pochen, c Po, d Herz, e her, f 23er?, g Much, h Eimer, i Eier, k Wien) Redaktion Aueust 6'El«. - S.otalicnttrnck und Verlag ler Brsthl'sckcn i > ircrstäts-Bick- und Etcindrnckerei. R. Lange, Giesten.