S5 'jfambäcff »c? g ■f H H M Wltz"i £Ä W ITT W <; i Ä Aus Ließe. Nomau von M. u. Eschstruth. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 3. Kapitel. Es war beinahe ein Jahr, daß Harro und Jutta geheiratet hatten. Der junge Ehemann und seine junge Frau saßen behaglich in deren Boudoir. Er ruhte auf den Lorbeeren seines morgendlichen. Eskadron-Reitens und rauchte eine gute Zigarre, sie schnitzte ein wenig an einem Stückchen Holz herum, das einen Rahmen um ihre Photographie für Papas Geburtstag geben sollte. Dabei plauderten sie ab und zu, machten Pläne für die Vergnügungen der Saison. Der Burschte kam herein und brachte auf silbernem Teller einen Brief in dünnen: Umschlag von gelbem Strohpapier. „Liebesbrief", meinte Harro launig. Seine Züge längten sich jedoch, als er die Geschichte inspizierte. Der Fleischer erinnerte sehr höflich, daß er seit Monaten nicht bezahlt worden sei. Und nur — um spätere Irrtümer zu vermeiden, und weil die Mouatsrechnnng bei ihm üblich war — erlaubte er sich diese Rechnung zu schicken. Diese, das heißt die Schuld der letzten vier Monate, belief sich auf dreihundert Mark. Harro war an Ordnung in Geldangelegenheiten gewöhnt. Seine Eltern hatten sich nur so halten können, und auch er hatte seinem Kater versprochen, niemals Schulden zu machen. Der Kater hatte ihm freilich wie das oft der Fall ist, nach Weise der Eltern, die, weil es bei ihnen knapp bemessen war, nun die Kinder schadlos an den eigenen Entbehrungen halten wollen, eine ziemlich reich bemessene Zulage gewährt. „Aber, Jutta", sagte der Hausherr jetzt, „wie kannst Du das so lange stehen lassend Die junge Frau neigte das Köpfchen und sah lächelnd zu dem Gatten auf. — „Auch scheint mir, das ist ein ivenig viel", meinte er weiter, indem er sich erinnerte, wie er als Knabe seinem Mütterchen zuweilen Wirtschaftsposten zusammengezählt hatte. Jutta zuckte die feinen Schultern: „Sophie sagt, es ist alles teuer. Wir haben viel Besuch Und Du — Tu issest doch auch! am liebsten Zunge und Filet." Harro lächelte versöhnt. „Na, dann begleich aber die Geschichte sofort." „Gern" — Jutta hielt dem Gatten die feine kleine Hand eNigegem Er küßte die zarten Finger, die rosig schinimernden Nägel. „Nein", lachte sie. „Diesmal möchte ich Geld haben." Wieder lachte auch er. „Da kommst Tu übel an, bei mir ist Ebbe. Dachte schon an eine Anleihe bei Dir." — Ernster dann klang es: „Der Mann aber muß bezahlt werden, heute noch!" „Ich glaubst, Du bist doch bet Kasse." — Jutta nahm die Sache leicht. Möglicherweise meinte sie auch, es ser hier die beste Gelegenheit gegeben, um einen Fall W erledigen, der ihr, wenn sie daran dachte, ein bißchen fatal erschien. Anmutig schwebte sie über den blauen Teppiche und dessen stilisierte Rosen zu einem kostbaren' Schränkchen, eigentlich "nur einem Nippes von Mahagoni und Bronze, und drückte hier auf den in seiner Mitte befindlichen Knopf. „Eine von Arabesken umgebene Klappe, wich zurück, zierliche Fächer wurden sichtbar, darinnen zerknitterte Blätter. Juttas Hand griff danach Dann schiebt«' sie zurück und streute die Blätter vor ihrem Gatten auf den Tisch: ,Mlles Liebesbriefe Harro traute seinen Sinnen nicht. Er Nahm die Blätter einzeln auf: „Da mußt Tu ja noch viel Geld haben", begann er, sich gleichsam damit beruhigend. JNtta war ein Kind in solchen Dingen. MerMals zuckte sie die Schaltern, lief wieder zu dem Schränkchen hin uird entnahm demselben eine prächtige, kleine Schale, auf deren Goldgrund ein Zwanzigmarkstück und ein paar Silbermünzest lagen. Schelmisch mixend präsentierte sie dieselben dem Gatten. „Omnia mea mecum. Das ist immer so um diese Zeit. Doch damit wollen wir uns die Laune nicht verderben." — Sie machte Miene, all die Papiere wieder in dem Nippes von Mahagoni und Bronze' zu verschließen. „Nein!" Harro legte die Hand darauf und nun wurdest seine Züge immer ernster. Zuletzt, nach kurzem Einblick, fand er, daß sie ihr Budget bereits mindestens um 1800. Mark überschritten hatten. Jutta konnte solchp ernste Miene nicht vertragen. Ebensowenig verstand sie die Lage. „Ist' zwei Tagen ist der Erste, dann gibt cs Gehalt", meinte sie tröstlich „Fünf Mark heraus." — Harros launiger Ton klang zum erstenmale bitter, tote die Ironie der Tatsache hier. „Nun, toir kriegen unsere Zulage urcd haben eine Masse Geld." „Zweitausend Marr." — Er rechnete. Bleibt nicht viel mehr als Null für das nächste Quartal!" Jutta ließ sich jedoch so leicht nicht herabstimstren: „Dann bittest TN Papa —" „Papa — nein", entschied er schnell. „Da sind noch Hans und Georg mit ihrer Zulage, die Schwester, für die gesorgt werden muß. Nein, Papa darf ich; nicht kommen. Er hat es mir freilich nahe gelegt, da ich um Dich warb. Ich aber meinte,' wir — wir würden ans- kommen — Du meintest es auch" Nun neigte die junge Frau etwas kleinlaut das Köpfchen. Achs, sie hatte ja keine Mnung gehabt, was das Leben kostet; sie hatte ja nur gelebt, wie sie zu Hause gewohnt war. Auch er hatte nicht daran gedacht, daß es sich seiner Ehe zuliebe in den gewohnten Ausgaben beschränken hieß, und weiter gelebt^ wie er meinte, daß es standesgemäß sei. Sie hatten beide keine Mnung davon, wie man sich einrichsueN' kann, und kamen plötzlich zu dem betrüblichen Resultat, daß ihre Einnahnren und Ausgaben nicht stimmten. „Wir müssen doch leben", begann Jutta endlich „Deist Papa muß uns eine Zulage geben." „Laß Papa aus dem. Spiel." Harro wurde heftig. „Ich gab ihm mein Wort, daß ich ihn nicht behelligen wollte und auch keine Schuldest machen würde. Wir müssen also sparsamer werden und häuslich sein. Das schadet auch nichts. Wir haben Uns 586 lieb." ,^Ia, teil* Haben uns lieb!" jauchzte Jutta schon wieder mit strahlendem Blick. „Ich kann Linsen und Bohnen essen, wenn's sein muß, auch Kartoffeln und Heriug. Ich kann in verschossenen Kleidern gehen und mit gewaschenen Handschuhen, wenn wir Nur zusammen sind!" „Mein süßes, kleines Ting." Harro schlang den Arm um seine Frau und küßte sie heiß und lang. Jude»! klopfte es an die Tür, abermals trat der Bursche herein, auf silbernem Teller einen Brief, lilafarben mit silbernem Monogramm und starkem Duft. Und „einfach entzückend", rief Jutta, sobald sie Einblick von dem Schreiben genommen. „Die Greditz fordert auf für den Zirkus heute abeud. Tas Regiment wird da sein!" „Tiber Jutta, wir wollen ja sparen —" warf Harro ein. Jutta wurde ein wenig blaß. „Absagen hier. Es geht wirklich nicht", meinte sie dann. „Greditz ist Tein Rittmeister, das Regiment kommt zusammen.". Harro drehte an seinem Schnurrbart. Der Rittmeister, namentlich seine Frau, würden es übel nehmen. Sich ausschließen war immer fatal. Außerdem verfügte der Zirkus über prachtvolles Material, schöne Pferde, famose Reiter und Reiterinnen. Stärker drehte Harro an seinem Bart. Dessen Spitzen standen jetzt steif in die Höhe, während er selbst — Leutnant von Urau — immer bedrückter auf und ab ging. „Wir können ja gar nicht absagen, Schatz." Jutta trat zu dem Gatten und hing sich kosend an seinen Arm. „Ich schreibe an Mama, sie wird uns helfen. Sagt sie doch stets, daß wir unsere Fugend genießen sollen und glücklich sein." „Ja, schreibe an Mama", stimmte er nun fröhlich hei. Im Grunde fand er es doch auch in der -Ordnung, daß man bei aller zukünftigen Enthaltsamkeit wenigstens seinem Stande Rechnung tragen müsse. „Und schreibe, auch an Frau von Greditz, daß wir uns die Ehre geben, von der Partie zu sein, hübsch, höflich Jutta, sie ist die Frau meines Vorgesetzten. Ich muß noch einmal in die Kaserne. Also, lebe wohl, Schatz. Um sieben Uhr bin ich wieder da. Um acht Uhr geht ja wohl die Geschichte los." Harro griff zur Mütze. Jutta begleitete ihn bis an die Tür, winkte ihm nochmals einen Abschied auch von dem Balkon. Dann trat sie in Has Zimmer zurück, raffte die mißliebigen Papiere, samt dem jüngsten darunter, zusammen, sperrte sie in den Fächern des eleganten Nippes von Mahagoni ein, und setzte sich selbst an den Schpeib- tisch für ein Billet an Frau von Greditz. Dann ging sie, ihre Toilette zu inspizieren. Und da es sich zeigte, daß an hem rosa Musselin, das ihr so gut stand, die Spitzen um dem Hals nnb Aermel etwas schusselig aussahen, sich auch die dazu gehörigen Handschuhe bei näherer Besichtigung! nicht als ganz tadellos erwiesen, so wurde der Bursche Mit dem Billet an Frau von Greditz zugleich beordert, die Taille nebenan in dem Putzgeschäst garnieren zu lassen und ein paar neue Handschuhe mitzubringen. Harro liebte, daß seine Frau elegant war, und sie, ach, sie wollte ihm doch gefallen! Der Abend gestaltete sich sehr nett. Tie Leistungen der Truppe waren vortrefflich. Und da man sich so gut amüsiert hatte, in so brillanter Stimmung war, wäre es undenkbar gewesen, nicht zusammen zu bleiben und ohne ein heiteres Souper auseinanderzugehen. Spät in der Nacht kamen Urans nach Hause. Der Spaß hatte ziemlich viel Geld gekostet, das für solche Ausgaben nicht länger eingerichtete Budget empfindlich getroffen. Momentan aber sorgten sie nicht darum. Frau von Greditz soupierte nicht ohne Sekt. Harro !v-ar ihr Nachbar gewesen. Der Sekt, feinste Marke, hatte seine Lebensgeister angenehm erhöht. Die Auszeichnung seiner Rittmeisterin, um deren Gunst sich jeder bemühte, begann endlich doch seiner männlichen Eitelkeit zu schmeicheln, das Wohlwollen seines Rittmeisters, der jedem dankbar war, wenn er seine Frau in gute Laune brachte, gab ihm eine gewisse frohe Zuversicht. Er hatte alle Fatalitäten vergessen, sah die Welt an, wie es einem lustigen Reitersmann am leichtesten fällt. Auch Jutta hatte wieder alle entzückt, und war ihrerseits entzückt von allem. Selig sanken sich die jungen Gatten auch heute in die Arme. Sie liebten sich immer mehr. f$m anderen Tage wurde der fatalen Geschichte nicht weiter gedacht, Mama würde die Sache schon in Ordnung bringen. Mama mußte ihnen eben eine höhere Zulage gebens die anderen hatten alle mehr. Ja, Mama, meinte Harro heute schon, hätte ihre Tochter gar nicht an einen Kavalleristen verheiraten können- wenn sie nicht das nötige Kleingeld dazu gehabt hätte. Dann kam das Gehalt, wirklich 5,50 Mark heraus, wofür sich das junge Paar in der jetzigen Stimmung einen Spaß machte. Dann auch! die Zulage. Harro eguipierte sich für das Manöver, erneuerte sein Zivil, in dem er später auf Besuch zu den beiderseitigen Eltern gehen wollte. Jutta schaffte sich ein paar neue Toiletten an; man sollte doch zu Hanse nicht denken, daß sie immer mit einem Fähnchen im Keller gesessen habe. Harro legte sich noch eine hübsche Summe für das Manöver zu, denn im Manöver brauchte man stets Geld. Selbstverständlich wurden auch einige Rechnungen bezahlt, und man erschien sich groß in Ordnung und Generosität. Daun rückte Harro unter klingendem Spiel mit seinem Regimente aus. Jutta dampfte glückselig mit dem Zuge in die Heimat zu der besten aller Mütter, die für die Zukunft schon Rat schaffen würde. Das Manöver war vorüber. Es war alles nach Wunsch gegangen, sie hatten meist vorzügliche Quartiere gehabt, sich auch hin und wieder recht gut unterhalten. Am Schluß bei dem großen Avancement war der Unterleutnant v. Urau zum Oberleutnant befördert, was, wenn auch keinen großen Unterschied in seinen Einnahmen ergab, doch immer eine Staffel weiter zum Ziel bedeutete. Ter Urlaub bei den Eltern hatte sich dann gleichfalls für beide Gatten sehr nett gestaltet. Freilich zuletzt — die Sache mußte doch ausgefochten werden —, war ps zu etwas bewegteren Szenen gekommen. Frau von Stammen war ziemlich erschrocken bei dem Aufschluß über die wirtschaftlichen Verhältnisse des jungen Paares gewesen, sodaß sie sofort Papa Kommandierenden in Kenntnis setzte. Als diesem aber Harro mit gutem Gewissen versicherte, daß die größten Rechnungen beglichen seien, schien er sich zu beruhigen und nicht gewillt, sich weiter um den hierdurch herbeigeführteu Ausfall in der Jahreseinnahme der jungen Leute zu kümmern. Frau vou Stammen hatte deshalb die Sorge für sie übernommen, da Harros Water vou vornherein erklärt Halle, daß auf ihn nicht zu rechnen sei. Mama aber ging die Sache dann doch näher, als sich Harro und Jutta gedacht hatten. Selbstverständlich blieb ihr augenblicklich nichts anderes übrig, als den Ausfall auszugleichen, denn die jungen Leute konnten doch nicht an den Fingern saugen, wie sie dem Kommandierenden ziemlich drastisch erklärte. Worauf der — natürlich mir im Stillen — meinte, er habe die Bildung der Baronin doch höher taxiert, sich dafür aber nun recht vernehmlich äußerte, daß, wenn die junge Frau etwas besser wirtschaften gelernt hätte, alles das ivohl hätte vermieden werden können. Selbstverständlich mußte hier die zärtlichste der Mütter für die Tochter ein» springen. Sie führte also die kostspielige Lebensweise des Schwiegersohnes in das Treffen. „Aber, Mama!" Harro trat für sich selbst in die Schranken. „Sie wissen eben nicht, was Kavallerie ist!" Die arme Frau schwieg, wie beschämt ob ihrer Unkenntnis. Jutta weinte sich rote Augen, Harro steckte sich eine Zigarre an und paffte schnell hintereinander dunkle Wolken in das Zimmer. Der Kommandierende empfahl sich kürz. Es war eben sehr ungemütlich Da kam glücklicherweise ei» Besuch, beit man nicht abweisen konnte, Leutnant Berg, der für den anderen Tag zu einer Landpartie einlud. Und da Schwester Rose Marie, die mittlerweile für die von dem Schauplatz der kleinen Residenz abgetretene Jutta eingetreten war, auch etwas vom Leben haben wollte, so sägte Mama selbstverständlich für die Partie zu, auch, für Harro und Jutta, die gern mal wieder alte Bekannte sahen. Der Leutnant blieb dann für den Abend da, wobei man sehr gut für alle weiteren fatalen Auseinandersetzungen fortkam, und die letzten Tage in dep Heimat sich wieder ganz nett anließeu. Mama wollte überhaupt ihr Möglichstes tun. Sie versprach Toiletten, Frühstücks- und andere Eßkörbe ins Haus' zu schenken, nur auf eine bestimmte Erhöhung der Zulage konnte sie sich nicht einlassen. Rose Marte war Miene, Juttas Beispiel, hinsichtlich; der Leutnantsheirat, zu folgen. Dann kam Lilli an die Reihe. Und was desm einen recht ist, ist dem anderen billig. Drei Haushalte aber konnte die Mutter nicht aus solchem Fuß ernähren. Daß man so viel brauchen würde, hatte sie auch; nie gedacht. Denn, lieber Hiniimel, wie sie und Papa angefangen — hätten sie .kaum den dritten Teil von der Einnahme der jungest Urans gehabt. Freilich hatte die gute Frau, einzig von dem! Streben' befangen, ihre Kinder glücklich!, d. h. sobald als möglich verheiratet zu sehen, auch nicht daran gedacht, daß 587 man bei der heutigen Entwertung des Geldes, den gesteigerten Preiesn und der noch größeren Steigerung alter Ansprüche mindestens dreimal so viel Geld als früher bedarf. Bor allem aber hatte sie, noch aufgewachsen in der Tradition der häuslichen Wirtschaftlichkeit, zu wirtschaften verstanden, während sie die Töchter nie zu etwas anderem! ungehalten hatte, als das Leben zu genießen, gewissermaßen uachzuholen, was sie und ihr Alfred versäumt hatten. Nichtsdestoweniger nahm Mama an, die Sache müsse gehen. Harro und Jutta mußten schon zufrieden sein, daß Mama den 'Ausfall für das Quartal beglich sich darein finden, künftig auf etwas anderem Fuße zu leben. „Das geht alles", hatte der Kommandierende abermals beim Abschied dem Sohne erklärt und ihm den Rat gegeben, sich auf die Kriegs-Akademie vorzubereiten. Es war ein fehr anständiger Grund, sich aus der Gesellschaft zurückzuziehen, und brachte ihn vorwärts. „Ja, sie hätten sich lieb", wiederholte das junge Paar; ein wenig betrübt sahen sie aber doch drein bei dem neuen Lebensplan. Es dauerte aber nur einen Augenblick, dann sahen sie sich selber an, und waren glücklich tote Papa gesagt, erst recht! (Fortsetzung folgt.) Tiere in Wut.*) Von Tr. Th. Zell. Ein anscheinend seltsamer Vorfall wurde kürzlich von den Zeitungen gemeldet. In einem Vororte Berlins waren zur Nachtzeit Einbrecher tätig gewesen, wurden jedoch bei ihrer „Arbeit" von den Hausbewohnern überrascht. Einer von diesen wollte mit Hilfe seines großen Bernhardinerhundes die Einbrecher stellen; das gelang ihm jedoch nicht, da das Tier in seiner Aufregung den eigenen Herrn nicht ungefährlich biß. Eine solche Meldung erscheint manchem unglaubwürdig. „Ein Hund wird doch nicht seinen eigenen Herrn beißen!" werden zahllose Eigentümer von diesem treuesten Genossen des Menschen ausrusen. Ich glaube jedoch, daß diese Ansicht irrig ist, und möchte im nachstehenden die Gründe für meine entgegengesetzte Meinung auseinandersetzen, wobei ich eben annehme, daß die Zeitungsmeldung richtig ist, daß sich der Hund in größter Aufregung befunden habe. Eigentlich sollte jeder Besitzer eines großen Hundes wissen, wie vorsichtig man sich verhalten muß, wenn das Tier wütend ist, z. B. sich in einen anderir Hund verbissen hat. Selbst wenn das Tier ihm sonst sehr treu, und zugetan ist, riskiert er es, daß er unter solchen Umständen einen Biß erhält. Erst vor einigen Jahren kam in Berlin folgender Fall vor. Auf einem Kohlenplatze hatten sich die beiden vor einen Wagen gespannten Zieh- hünde ineinander verbissen. Ihr Herr wollte sie trennen, ver- frihr jedoch dabei unvorsichtig, und im Nu war ihm von einem der wütenden Hunde ein Finger abgebissen. Aus Thüringen wurde folgender Vorfall berichtet. Ein Herr wanderte zur Nachtzeit mit seiner treuen Tvgge durch einen unsicheren Wald. Plötzlich wurde er von zwei Räuberit überfallen. Das riesige Tier stürzte sich jedoch auf beide und zerfleischte sie. In seiner Wut, die durch den Blutgeruch aufs höchste gesteigert war, griff es hierauf blindlings den eigenen Hern: an, und brachte ihm so schwere Wunden bei, daß er daran starb. Woher kommt es nun, daß der sonst so intelligente Hund in feiner Aufregung so leicht Personen verwechselt? Dafür lassen sich^zwei Gründe anführeu, der eine liegt in seiner anders gearteten Sinnesorganisation. Wie ich schon an anderer Stelle wiederholt dargetan habe, ist der. Grundsinn vieler Tiere die Nase, während es bei den Menschen, Affen, Vögeln usw. die Augen sind. Weil sich eben der Hund nach der Nase richtet, so ergibt sich hieraus, wie töricht es ist, wenn eine Dame als Eigentümlichkeit ihres Hundes folgendes meldet: Sie habe einen sehr gelehrigen Pudel, der aber zu ihrem Erstaunen gar nichts vom Spiegel wissen wollte. Tie Erklärung ist sehr einfach: das tun wohl alle witternden Tiere. Sie trauen ihren Augen nicht und ^orientieren sich mit der Nase. Dem Pudel kommt es so vor, als sei dort noch ein anderer Pudel, aber seine treue Nase sagt: das ist Schein, ich merke keine Ausdünstung von einem anderen Tiere. Tiefer Zwiespalt seiner Sinne ist ihm unangenehm, er guckt deshalb höchst ungern in den Spiegel. Tem Hunde ist ein Spiegelbild genau so unangenehm, als wenn wir Geisterstimmen hören,, ohne die Person des Sprechenden erblicken zu können. Da der Grundsinn des Hundes der Geruch, der unsrige das Sehen ist, fo, ergeben sich daraus noch andere Verschiedenheiten. Es dauert nämlich das Wahrnehmen durch die Nase entschieden länger als durch die Augen. Kürzlich sah ich aus dem Fenster *) .Wir entnehmen diese Ausführungen einem Aufsatz aus der interessanten und vielseitigen illustriertet: Wochenschrift „W e l t und Haus" (Leiter: Tr. Karl Weichardt, Verlag der G. m. b. H. „Welt und Haus" in Leipzig), deren Nummer 37 u. n. noch größere Beiträge von H. S. Rehm „Das Theater der Japa- tter", K. Jürgens, sowie viele kleinere Berichte enthält. D. Red. und gewahrte ein Eselsgespaun, das vor dem gegenübcrliegendei: Hause hielt. Ein in der Nähe befindlicher Dachshund hatte wohl noch niemals einen Esel gesehen, kurz und gut. er beroch das Grautier tioit allen Seiten, wie wenn wir einen Gegenstand ganz genau beschauen. Tas dauerte wohl zwei Minuten, ehe er hinreichend orientiert war, llcbrigens braucht man bloß aufzupassen, wenn eilt Herr mit seinem Hund: spazieren geht. Letzterer verläßt sich im Zweifel mir auf die Nase und beriecht seinen Herrn. Nun ist es eine bekannte Sache, daß wütende Menschen wie blind sind und oft Personen treffen, denet: sie gar kein Leid zufügen wollten. Fast jede Schlägerei liefert hierfür beredten Beweis. Daß wütende Hunde viel leichter Gefahr laufen, sich in ihrer Aufregung zu irren, ist also durchaus einleuchtend. Ter zweite Grund liegt darin, daß der Hund früher ein Raubtier war. Alle Raubtiere mit scharfem Gebiß, wie überhaupt alle Tiere, die sich mit den Zähnen verteidigen, neigen zum Beißen selbst da, wo unserer Ansicht nach kein Grund vorliegt. Besonders ist das der Fall, sobald sie irgend ein Ungemach empfinden. Aus diesem Grunde muß sich bei Hunden selbst der eigene Herr vorsehcn, wenn er eine Operation vornehmen will. Weil wütend: Tiere unberechenbar sind, so muß ich gestehen, daß ich neulich, als ich der Vorstellung der bekannten Löwenbändigerin Claire Heliot zuschaute, besorgt um ihr Leben gewesen bin, als plötzlich zwei von den Löwen in Wut gerieten und sich ineinander verbissen. Tie Panik, die im Publikum ausbrach, schien mir durchaus begreiflich. Glücklicherweise gelang es der Bändigerin mit Unterstützung ihres Gehilfen, die beiden Bestien in den Käfig zu treiben. Besonders beißlustig sind Paviaite, deren Gebiß dem eines Raubtieres ttichts nachgibt. Nah den vorstehenden Ausführungen wird nachstehender Bericht von Brehm durchaus verständlich sein: „Ein gefangener Pavian, den ich pflegte, litt an einem 'unbedeutendem Ausschläge, der namentlich auf einem seiner Bente hervortrat; es war aber unmöglich, ihm zu helfen, weil es nach einem mißglückten Versuche uiemaud mehr wagen wollte, ihn mit dem Sackuetze einzufangen und festzuhalten. Ter Ausschlag mochte ihm zuweilen ein heftiges Jucken bereiten; denn er zuckte oft mit dem einen Beine und begann sodann heftig sich zu kratzen. Ties verursachte ihm endlich Schmerzen, und darüber wurde er allgemach so wütend, daß er das Bein mit beiden Händen packte und wütend in dasselbe biß, als habe er cs mit einem tödlich gehaßten Gegner 511 tun." Aber auch unsere Rinder neigen als wehrhafte Pflanzenfresser in ihrer Wut zu Kämpfen, die Pcrty unter den „mystischen Vorgängen" anführt, indem er folgenden Bericht von Tschudi bringt. Nachdem dieser der Anarchie unter bett Kuhherden bei nächtlichen Gewittern gedacht hat, sagt er: „Eine andere Anarchie unter den Herden ist weniger bekannt und schwerer zu erklären. Wenn nämlich eine Kuh in der Alp tot fällt oder sonst geschlachtet wird nnd man die Unvorsichtigkeit begeht, das halbverdaute Futter int Magen und den Inhalt der Gedärme auf den Boden zu schütten, so wird diese Stelle zum allgemeinen Kampfplätze. Nach sehr kurzer Zeit erscheint sicherlich hier eine Kuh, die vielleicht noch eben in der Ferne geweidet hat, mit allen Zeichen höchster Aufregung und treibt sich scharrend, und brüllend um die Stelle, oft wie toll geworden den Jöobcn mit den Hörnern anfwühlend. Ties ist das Signal der Sammlung für die ganze Herde. Mit dumpfem Gebrüll eilen die Tiere herbei, und nun beginnt ein Hörnerkampf, von dessen Heiligkeit und Hartnäckigkeit mau sich schwerlich einen Begriff macht, und dessen Ende trotz aller Anstrengung der Serinen nicht selten schwere Verwuitduttg oder Tod einer Kuh ist. Selbst wenn der Inhalt jener Eingeweide rein weggekehrt oder suß- tief int Boden vergraben worden ist, so wird doch jede Kuh der Herde diese Stelle nur mit der größten Unruhe berühren.. Tas sind Tatsachen, die sich mit der größten Regelmäßigkeit wiederholen, aber natürlich mit aller Sorgfalt vermieden werden." Ist dieser Vorfall wirklich so mystisch? Ich glaube das bet» Keinen zu müssen. Tab die Rinder einen verscharrten Genossen wittern, ist kein Wunder, da sie zu den Nasentieren gehören. Ich möchte hier nur daran erinnern, daß Rinder häufig nicht einen Schlachtraum betreten wollen, weil ihre seine Nase den Blutgeruch getöteter Artgenossen schon von weitem wittert. Ferner haben Rinder als Herdentiere die Eigentümli: i:it, sich gegenseitig Beistand zu leisten. Sie sind her Ansicht, ein Feind habe einen Gefährten getötet, geratet: darüber in Wut und suchen ihn mit Ingrimm. Ta sie nun einmal von höchster Kampflust beseelt sind, so kämpfe:: sie in Ermangelung eines Feindes untereinander. Liegt aber darin etwas so Unerklärliches? Was tun denn wütende Menschen? Schlagen sie nicht oftmals grundlos alles kurz und klein? Gibt es nicht Eltern, die ihre Kinder nur dann prügeln, wenn sie wütend sind? Lehren uns nicht, die Gerichtsverhandlungen, daß es :n:zählige Raufbolde gibt, die unter allen Umständen sich schlagen wollen und krampfhaft nach einem Anlaß dazu suchen, und sollte er auch noch so lächerlich sein? Ich meine also, wenn Menschen in Wut höchst unvernunsttg handeln, so kann man sich nicht darüber immbent, daß Tiere, die den Zusammenhang von Ursache und Wirkung viel schwerer 588 ö® löte erkennen, ihre Wut an dem üüchstliegdNdeN Gegenstände mMafsen. Unsere Kinder schlagen ja auch einen Stuhl oder anderen leblosen Gegenstmid, an dem sie sich gestoßen haben. Die Einführung der Doppelehe in Franken im 17. Jahrhundert. lieber die Doppelehe des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen hat der protestantische Theologe SB. Rockwell ein größeres' Werk veröffentlicht. Rockwell zählt darin „zu den interessantesten Musterungen der Unsicherheit in der Beurteilung der Polygamie im 17. Jahrhundert" eine Kundgebung des im Februar 1650 zu Nürnberg versammelten Kreistages, auf welchem unter anderen: beschlossen wurde, daß „zu Ersetzung der durch den dreißigjährigen Krieg abgegangenen Leute jeder Mannsperson erlaubt sein soll, zwei Weiber zu heiraten". Tiefer „wohl interkonfessionelle" Beschluß hat, dem französischen Schriftsteller Michiels zufolge, J>ie Zustimmung der Bischöfe von Bamberg und Würzburg gefunden. Tie Echtheit des Beschlusses wird von Rockwell nicht in Zweifel gezogen, da der ursprüngliche Text in einem älteren Werke genau mitgeteilt wird. Tas Fränkische Archiv, herausgegeben von Büttner, Kecrl und Fischer, Band 1 (1790), S. 155 f., bringt in der Tat folgenden „Auszug aus einem merkwürdig cm Kveisschlnß vom 14. Februar 1650": „Zum 24 ten. Demnach auch die unumgängliche deß hehligen Römischen Reichs Notthürft erfordert, die in diesen: 30. Irrig, blndigen Krieg ganz abgenommene, durch das Schwerdt, Krankheit und Hunger verzehrte Mannschafft widrrumb zu ersetzen und in das khünfftig allen desselben Feinden, beforders aber dem Erbfeind des christlichen Namen, dem Türckhen, desto stattlicher gewachsen zu sein, auf alle Mittel, Weeg und Weiß zue gedenkhen, als seinds uf reisse Deliberation und Derathschlagung folgende 3 Mittel vor die bequembste und beytrüglichste erachtet , und allerseits, beliebt worden: 1. Sollen hinfüro innerhalb den nechsten 10 Jahren von Junger Mannschafft oder Manß- persohncn, so noch unter 60 Jahren sein, in die Clöster ufzunem- men vcrbotten; vor das 2 te, denen Jenigen Priestern, Pfarr- Hern:, so nicht Ordenslenth oder auff den Stifftern Canonicatcn usw., sich Ehelich zu verheyrathen; 3. Jedem Manßpersohnen 2 Weyher zue heyrathen erlaubt sein: dabey doch alle und Jede Manßpersohn enrstlich erinnert, auch aus den Canzeln öffters ermanth werden sollen, S:ch dergestalten hierinnen zuverhalten und vorzusehen, daß er sick nöttig und gebürender Tiscretion und vorsorg befleiße, damit Er als ein Ehelicher Mann, der ihne 2 Weyber zue nemmen getraut, beede Ehefrauen nicht allein notwendig versorge, sondern auch under Ihnen allen Unwillen verhnette. Salvo Jure usw. . . . Tict. Norimb. d. 14. Febr. 1650." Ein französischer Schriftsteller, Alfred Michiels, Redakteur des Sisclc, brachte in sejner 1859 zu Paris erschienenen „Ge- beimen Geschichte der östreichischen Regierung" den Beschluß des' fränkischen Kreistags wieder in Erinnerung. Michiels weiß noch zu berichten, der Nürnberger Beschluß sei unter Zustimmung der „Erzbischöfe" von Barnberg und Würzburg gefaßt worden. In jüngster Zeit hat „die Wartburg" der: fränkischen Kreis- tagsbeschluß als ein Beispiel „kirchlicher Billigrrng der Doppelehe" anerkannt. Michiels, ein durchaus ernst zu neh- mender Forscher, berichtet, so ftihrt sie aus, mit Berufung aus vorliegende Akten, ein fränkischer Landtag habe am 15. Februar 1650 die Doppelehe gestattet, und zwar unter Zustimmung der Bischöfe von Slamberg und Würzburg. Sluf demselben Landtag, ist der „Wartburg" zufolge auch beschlossen worden: „Alle Priester und Pfarrer, die nicht zu einem Mönchsorden oder einem Kapitel gehören, sind verpflichtet, unverzüglich zu heiraten". Tie Tatsache ist nach demselben Blatte aufs beste bezeugt. Von gewisser Seite wird dieser Beschluß stark angezweifelt schon mit Rücksicht auf das sonstige Verhalten eines dieser Bi- schöfe. Im Jahre 1650 war Bischof von Würzburg der Mainzer Kurfürst Johann Philipp von Schönborn. Ter neueste Biograph dieses Kirchenfürsten, G. Mentz, berichtet über dessen Tätigkeit in Würzburg: „Gleich, nachdem der westfälische Friede geschlossen war, veranstaltete Johann Philipp in Würzburg mehrere Tiöze- smftynoden, um die Wstellung aller kirchlichen Mißstände anzu- bahnen . . . Vor allem waren es die in der Pfarrgeistlichkeit herrschenden Verhältnisse, die Johann Philipp ins Auge faßte. Allzu freie Lebensweise, Z n s a m m e n w o h n e n mit Weibern, lässige Verwaltung der geistlichen Güter waren die Mißstände, über die er zu klagen hatte". Es ist nun aber doch sehr ioohl möglich, daß gerade dieser eifrige Kirchenfürst, um dem nicht kirchlich geweihten „Zusammenwohnen mit Weibern" zu steuern, den Priestern das Heiraten und den Laien sogar die Doppelehe erlaubt hat. Mit dieser graphischen Notiz wird also der Richtigkeit des Nürnberger Kreistagbeschlusses bestens Vorschub geleistet. Vermischter. Der„Spiegelsinn" der Frauen. Daß die Franc» vor den „Herren der Schöpfung" ..gar manche Fähigkeiten voraus haben, suchte der Professor Otis T. .Mason ans Washington m einen: Vorträge ausführlich zu begründen. „Tie Frauen", so lauteten seine Ausführungen, .„haben einen ganz besondere» Sinn, den man den „Spiegelsinn"' nennen möchte,- weil er sie befähigt, sich auch ohne einen Spiegel selbst zu sehen und genau zu wissen, was' hinter ihnen Vorsicht. Sie haben sozusagen ein Sehverinügen in ihren Fingerspitzen; der Tastsinn ist für sie fast eine Form des Sehens. ..Frauen tun mit ihren kleinen Händen beständig.Wunder; sie, die so sehr dem Instinkt an-, heimgegeben sind, haben eine alt innewohnende Feinfühligkeit, Tausende von Generationen haben für sie ihre Hände gebraucht, die Nadel geführt und die Kuppen der Finger mit jenen feinsten Nervenfasern ausgestattet. So nimmt sie ihr Haar auf und schlingt es leicht und schön in einen wundervollen Knoten und erst nachher besieht sie im Spiegel, was sie vollbracht hat. Kein Mann könnte etwas .so schwieriges vollbringen. Für einen Mann ist die ganze Kunst .des Ansteckens oder Annähens von Dingen ein Geheimnis. Der Mann wird es in einer sorgfältigen und. wissenschaftlichen Weise versuchen, zwei Dinge ^usammen- zustecken oder zusammenzunähen; doch ohne rechten Erfolg. Titz Frau nimmt dieselbe Nadel und mit einer geschickten Handbewegung einem schnell ausgeführten Tvppelstich hat sie fest zusammengefügt, was eben noch getrennt tonr."* Für das wichtigste weibliche Instrument erklärt der Professor die Haarnadel. „Tas ist das Lieblingshandwerkszeug der Frauen; wirklich ein ganzew Jnstrumentenkasten liegt in diesen Nadeln. In ihnen liegt der Zauberschlüssel, der alle mechanischen Probleme löst. Und kann der Mann dieses Instrument gebrauchen? Tie Kunst, die Haare aufzustecken ist für ihn uu erlernbar." „Wie kommt es,- daß eine Frau einen Knoten auflösen kann im Nu, während der Mann hilflos davorsteht oder wie Alexander ihn durchhauen müßte?", das ist eine andere Frage, die dem 'Professor das Herz bedrückt. „Mit den flinken spitzen Fingern weiß sie in dem wirren Knäuel eine Lockerung .vorzunehmen, und dann zieht sie die Fäden nach rechts und links, und der Knoten ist gelöst. Ein stets aufs neue staunenswertes Wunder ist es für mich, wenn ich die Geschicklichkeit sehe, mit der eine Frau einen Knopf an ein Kleidungsstück näht. Solche tvnnderbare Fähigkeit manueller Sensibilität und Geschicklichkeit läßt sich nur dadurch erklären, daß die Frauen in den Vergangenheiten die Industrie besorgten. Sie waren die ersten Schuster, .Weber, Schneider, während dem Mann die Pflichten des Krieges und der Jagd oblagen, wodurch er seine Finger nicht ansbliden konnte. So haben die fleißigen Hände der Urmütter von der Steinzeit an dazu gewirkt, daß die „Feenhände" der Enkelin nun so leicht und geschickt sind." Liebesklänge. Wenn der Aeolsharfe Seiten In der Lüfte Hauch ertönen. Klinget es wie Feeenlieder, Sänge aus dem Reich des Schönen. Mannigfaltig, vielgestaltig, Tönen sie bald laut bald leise, Und wir lauschen lustumfangen Ihrer unbekannten Weise. Wenn zwei Seelen, die sich fanden, Gleichgestimmt au» tiefstem Grunde, Sel'ger Lust boll sich vereinten Zn der Liebe hei'l'gem Bunde, Tann erklingen ihre Saiten In den reichsten Melodieen, Leise, unaufhörlich tönend Wie des Himmels Harmonieen. Zaub'risch, wie die Aeolsharfe, Von des Windes Hauch getrieben, Klingt's beständig in den Seelen, Wenn sich Zwei bon Herzen lieben. Ai Ammann. Auszählrätsel. (Nachdruck verboten.) RIADNNOIEMK Vorstehende Buchstaben sind mit einer bestimmten Zahl aus» zuzäblen, indem immer mit dem ausgezählten Buchstaben wieder zu zahlen begonnen wird. Die ausgezählten Buchstaben bezeichnen im Zusammenhänge einen geistlichen Orden. (Auflösung in nächster Nummer.) Redaktion: August Goetz. — Rotationsdruck Und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R.Lange. Gießen.