1904. gut M W Hin angenehmes Gröe. Humoristischer Roman. Von Victor von Reisner. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Ja, was machen Sie denn dort, gnädiges' Fräulein?" „Ich - ich sterbe." Die Brüder sahen sich, verdutzt an> und wie aus einem Munde frugen sie: „Warum denn?" „Weil ich auf einer Sandbank festsitze und nicht loskommen kann." Es folgte eine kurze Beratschlagung, dann zogen sich die beiden Edelleute in ein Gebüsch zurück. Hier entledigten sie sich ihrer Schuhe und wollten auch schon — als Dinko sagte: „Nein, das geht nicht, es wäre unritterlich, vor einer Dame ohne — Rüstung zu erscheinen." „Aber es sind doch unsere neuen Grauen", widersprach, ihm der Jüngere das erstemal im Leben — „Mama wird schelten." „Im Gegenteil, Mama wird unser Opfer zu würdigen wissen und es billigen." Das gab den Ausschlag, und gleich daraus wateten sie hilfebringend dem Kahne zu. Als sie sich ihm aber bis auf einige Schritte genähert hatten, schrie Erna, die sich setzt ihrer vergrabenen Schuhe und Strümpfe erinnerte, entsetzt auf: „Nein, nein, Sie dürfen nicht näher kommen — ich würde mich zu Tode schämen." „Aber, gnädiges Fräulein, weshalb 6emt ?" fragte Mirko erstaunt. „Weil ich — weil ich — keine — Schuhe anhabe" — stotterte Erna. „Wir doch auch nicht", tröstete sie Dinko. „Ich habe aber keine —sie brach jäh ab. „Was denn,?" „Nein, nein, das sage ich nicht", wehrte sie, „lieber sterbe ich." Die Brüder blieben überlegend stehen, endlich, sagte Dinko, der immer die besten Einfälle hatte und auch jetzt den wahren Zusammenhang erriet: <*- „Wir wollen ja nur versuchen, den Kahn loszubringen, und da gnädiges Fräulein oben alles anhaben und wir aus Kavalierswort versprechen, nicht in den Kahn hinein- zuschauen, so werden tttt§ gnädiges Fräulein schon erlauben, naher zu treten." Erna sah em, Leute von Welt vor sich zu haben, und gab nach, Gleich darauf stemmten sich beide aus vollen Leibes- kräften gegen, das verunglückte Fahrzeug, vermochten es über, da es sich im Laufe der Zett immer fester und fester eingesackt hatte/ absolut nicht loszubringen. Das Vergebliche ihrer Bemühungen einsehend, sagte endlich Dinko: „Es geht nicht, gnädiges Fräulein werden sich schon von uns ans Ufer tragen lassen müssen." „Lieber stürze ich mich kopfüber ms Wasser", hauchte Erna errötend!. „Da würden ja gnädiges Fräulein mit dem Kopfe iyr Sande stecken bleiben", machte sie Mirko grienend aufmerksam. Also auch dieser Tod war ihr versagt — er war furchtbar!! „Gnädiges Fräulein könnten ja zwischen uns ans Ufer waten", schlug ihr endlich Dinko vor, „wir werden unS also schicklich uonwenden, gnädiges Fräulein werden sich aus unsere Schultern stützen und sich so sachte aus dem Kahn gleiten lassen." „ _ Erna überlegte eine Weile, und da sie dann dies Opfer den Ihrigen schuldig zu sein glaubte, willigte sie ein. Drei Minuten später standen sie am Ufer — aber, am entgegengesetzten. „Großer Gott", schrie sie entsetzt, „wo haben Sie mich denn hingebracht?! Meine — Schuhe sind ja drüben." „Wir werden sie holen", erboten sich sofort die beide«: „Sie finden sie ja nicht — ich habe sie ganz weit oben „Dann ziehen gnädiges Fräulein meine an", schlug Dinko vor. „Nein, meine", protestierte Mirko. So vieler Ritterlichkeit vermochte ®nta nicht zu wwer- stehen, und so zog sie denn von dem einen der Brüder den rechten und von dem andern den linken Schuh an und eilte mit ihnen, die nun, da jeder nur mit einem Schuh bekleidet war, die schmerzlichsten Grimassen schnitten, so schnell es unter diesen Umständen nur möglich war, dem Stepenazschen Schlosse zu. Die Gräfin und Ljubiza waren über diesen unvermuteten Besuch nicht wenig erschrocken, dann wurde die Kleine, die ja stellenweise bis über die Kuie durchs Wasser gewatet war, gehörig abgetrocknet, in frische Wäsche und Kleider gesteckt und Ljubiza selbst fuhr mit ihr nach Hause, um den ersten elterlichen Anprall zu mildern. 5. Die Ermahnungen, Lehren und Vorwürfe, die man beim Schlafengehen unterbrochen hatte, nahmen beun Frühstück wieder ihren Fortgang, uüd Erna war daher selig, als man endlich in den Wagen stieg. Sie hoffte, daß bei dem Stoßen und Rütteln auf den tiefgleisigen, ausgefahrenen Wegen jede „Unterhaltung" unmöglich sein würde, und rechnete aucE), auf Papas Lreb- ltngsthema, welches ihn gerade bei dieser Besuchsfahrt voN ihr und ihren Sünden ablenken würde. Zn ihrer Berechnung befand sich! aber ein Fehler, den«! — 454 — gerade diese Fahrt war mit ein Grund, auf ihre Tollheit zurückzukommen. Schon beim Einsteigen sagte ihr die Mama mit einer Schärfe, die sie sonst gar nicht an ihr kannte: „Wenn nur ein Funken mädchenhaften Schamgefühls in Dir wäre, dann hättest Du mich bitten müssen, zu Hause bleiben zu dürfen. Ich, in Deinem Alter, würde mich vor jungen Leuten, die mich in einem derartigen Aufzuge fahen, zeitlebens verkriechen. Es ist mir völlig rätselhaft, woher Du diese geradezu sündhafte Harmlosigkeit her hast, ihnen wieder unter die Augen zu treten!" So schwer es ihr fiel, auf das voraussichtliche Vergnügen zu verzichten, so wollte Erna doch schon nachträglich die Erlaubnis zum Zurückbleiben erbitten, als ihr der Vater glücklicherweise zu Hilfe kam. „Du gehst ein wenig zu !veit, liebe Eveline, und »verschiebst den Standpunkt", sagte er zu seiner Frau. „Ob die beiden Jungen sie mit oder ohne Schuhe und mit oder ohne Strümpfe gesehen haben, ist doch wirklich ganz aleich- giltig. Hier handelt es sich nur —" „Aber sie ist doch mit ihnen durchs Wasser gewatet", fiel ihm Frau von Höchstfeld entrüstet ins Wort, „begreifst Du denn gar nicht, welch grenzenlose Unschicklichkeit darin liegt!" „Gewiß, gewiß", gab er ohnehin zu, „für mich handelt es sich indes hauptsächlich darum, daß den Stepenaz' durch ihre Narretei Gelegenheit geboten wurde, uns eine Gefälligkeit zu erweisen. Mein ganzer Plan ist dadurch über den Haufen geworfen; ich bin jetzt gezwungen, meine Zurückhaltung teilweise aufzugeben, und muß mich bei ihnen, denen ich nicht über den Weg traue, noch bedanken!" Erich, der über diese Wendung im Innern frohlockte, sagte trotzdem mit absichtlicher Gleichgiltigkeit: „Nun, was haben sie denn weiter so großes getan! Ihr trockene Kleider gegeben swnd sie nach Hause geschafft — das ist alles!" „So!" entgegnete ihm der Vater in sonderbar gereizter Laune. „Und daß sich Komtesse Ljubiza selbst der Mühe unterwarf, sie noch abends zurückzubringen und diesen schauderhaften Weg bei anbrechender Nacht wieder zurückzumachen, rechnest Du für nichts?" Ein angenehmes Gefühl durchrieselte Erich. Es war zweifellos, daß der Water von Ljubizas Liebreiz gefangen war^ und dies dünkte ihm ein gutes Omen für den ferneren Aber auch der Mama schien dieser Argwohn aufzu- fteigen, und obgleich sie nie Ursache gehabt hatte, sich über ihren lieben Erwin, der trotz aller Bärbeißigkeit doch stets der zärtlichste und treueste Gatte war, zu beklagen, so stieg doch etwas wie ein Anflug von Eifersucht in ihr auf, und nicht ohne Malice sagte sie: „Dem schönen Kind wird Wohl die laue Nachtluft nichts geschadet haben." Herr von Höchstfeld sah sie groß an, ging aber nicht weiter daraus ein, sondern murmelte nur undeutlich: Ma ja, geschadet wird es ihr freilich nichts haben, immerhin war 'es aber eine Liebenswürdigkeit, die wir als gebildete Leute anerkennen müssen, und es war das mindeste, was wir tun konnten, sie durch Erich zurückbegleiten zu lassen," Nun war Frau von Höchstfeld dort, wohin sie schon längst gelangen wollte. Gestern war sie zu viel mit Erna beschäftigt gewesen und hatte in der Aufregung vergessen, ihrer Meinung gehörigen Ausdruck zu geben, jetzt aber holte sie das Versäumnis nach und sagte tadelnd: „Du hattest mich gestern mit Deiner plötzlichen Anordnung überrascht ,un6 mir die Möglichkeit benommen- Dich auf das Unpassende dieser Begleitung aufmerffam zu machen. Wenn .Erna einundzwanzig Jahre alt wäre, würde es uns Wohl auch nicht recht gewesen sein, sie mitten in der Nacht mit einem jungen Manne nach Hause geschickt zu sehen. Ich fürchte, daß uns die Gräfin das auch zu verstehen geben wird, und ich kann es ihr leider nicht einmal verargen." „Nun, darüber kannst Du beruhigt sein, liebe Mama", widersprach ihr Erich- „die Herrschaften waren von einer Liebenswürdigkeit, die mich geradezu beschämte. Jeden- mlls wären sie zurückhaltender gewesen^ wenn sie Deine Meinung teilten/' „ Mas verstehst Du nicht, mein gutes 'Kind", belehrte sie ihn, „fte werden recht wohl begriffen haben, daß das Verschulden uns und nicht Dich trifft, und danach ihr Benehmen eingerichtet haben." „So höre doch nur mit Deinem ewigen Moralpauken auf", bat der Major ungeduldig, „Du verdirbst mir damit den letzten Rest meiner Laune." Frau von Höchstseld ließ ergebungsvoll den Kopf sinken und schwieg. Verstohlen schaute Erna von einem zum anderen. Ihr wollte diese Ruhe ganz und gar nicht gefallen, es war ihr diese der Vorbote eines neuen Gewitters, das sich unheilbringend über ihrem Haupte zusammenziehen konnte. Und richtig, als ob es absolut keinen anderen Gesprächsstoff gäbe, sing die Mutter nach einer Weile wieder von dem gestrigen Abenteuer an und kam abermals darauf zurück, daß es entschieden schicklicher gewesen wäre, Erna — die sich den jungen Herren als Nymphe präsentierte — zu Hause zu lassen. Die Kleine hatte bis jetzt alle Schelte mit einem gewissen Phlegma hingenommen, nun fühlte sie sich aber doch in ihrer Würde ernstlich gekränkt, und weinend protestierte sie: „Sie haben mich ja gar nicht gesehen — sie mußten ja wegschauen!" „Wie schon Männer bei so etwas wegschauen" nmrinelte Frau von Höchstseld skeptisch. „Doch, sie haben es getan — sie haben sich überhaupt höchst ritterlich benommen", verteidigte Erna ihre Lebensretter, wobei ihr die Tränen nnaufhaltsam über die Wangen kollerten. „Laß es nun genug sein, Mama", bat Erich, „sie kommt ja ganz verweint an. Aendern läßt es sich doch nicht mehr, und wenn Du sie wirklich zu Hause gelassen hättest, würdest Du ja doch nur in beständiger Unruhe gewesen sein, ob sie nicht eine neue Dummheit anstellt." Erna hätte ihm für diesen wenig schmeichelhaften Beistand am liebsten die Augen auskratzen mögen. Na warte, Brüderlein — dachte sie bei sich — die Stunde der Abrechnung wird auch zwischen uns noch schlagen. Du behandelst mich immer als Kind, aber dieses" Kind hat recht gut gemerkt, wie Du Dich für die schöne Komtesse interessierst, und wird Dir beweisen, daß es nicht llug war, sich ihre — Protektion zu verscherzen. „Rätselhaft ist es mir nur", sagte da plötzlich Herr von Höchstseld, „wohin ihre Strümpfe verschwunden sind. Wenn die Leute stehlen wollten, dann hätten sie doch eher die Schuhe unterschlagen" — und sich zu Erna wendend, inqui- rierte es: „Hast Du sie nicht vielleicht doch an einer andern Stelle verscharrt?" „Nein, ganz gewiß nicht", beteuerte Erna errötend, „ich habe sogar jeden in den dazugehörigen Schuh gesteckt, UM sie nachher nicht beim Anziehen zu verwechseln." „Was ist denn das für ein neuer Unsinn?" fragte die Mama sofort argwöhnisch. „Das ist gar kein Unsinn", stotterte Erna, „ein Mädchen, das die Strümpfe ivechselt, wechselt auch die Bräutigams — der bleibt keiner treu — das hat uns schon die Wäschebeschließerin im Institut gesagt." „Potzblitz", spottete Erich, „Du denkst wohl auch schon an Bräutigams?" Sie zog ein schieses Mäulchen. „Warum denn snicht? Mit sechzehn Jahren ist nian hinlänglich reif, um —" „Ich werde Dir gleiche den Gedanken an Bräutigams ausklopsew', unterbrach sie der Vater drohend, und nachdem er einen Blick aus dem Fenster geworfen hatte —; denn des ungeheuren, alles einhüllenden Staubes wegen fuhr man trotz der Hitze im geschlossenen Wagen — sagte er: „Run nehmt Euch zusammen, wir sind gleich am Ziele." „Und daß Du mir nicht von der Seite gehst oder gar wieder vorlaut bist!" schärfte die Mama ihrem Sorgenkind, zum allerletzten Male ein. „Als ob ich je vorlaut wäre!" schmollte Erna. Schon wollte Frau von Höchstseld mit erneutem Tadel beginnen, als glücklicherweise der Wagen vor der Rampe hielt, wo die gräfliche Famjlie ihre Gäste bereits erwartet^ und sie mit herzlicher, jede Zurückhaltung ausschließender Liebenswürdigkeit empfing. Die Gräfin, eine DaMe anfangs der Vierzig, war von übersprudelnder Liebenswürdigkeit und nahm Frau von Höchstfeld sofort für sich in Beschlag. „Ihre Kinder", sagte sie iti unverfälscht wienerischem Dialekt, ,Haben ton1 ja schon kennen gelernt. Da kann f 455 nu jrad, as Ahnen nur gratulieren. Ihr Herr Sohn — na, das versteht sich ja von selbst — ist der vollendete Kavalier — aber auch die Kleine wird sich sein herausmachen, sie hat ganz das Zeug dazu, den Mannern einmal die Köpse zu verdrehen." Erna warf ihr von untenauf einen heißen Dankesblick zu und wünschte aus ganzem Herzen, daß ihre Mama auch so klug dächte. (Fortsetzung folgt.) iallen. Nun geht man mit und gibt, den oft seltsamen Symptomen entsprechend, sein Gutachten ab. Ta sitzt so eine alte Frau, das unvermeidliche Tuch um den Kopf, in ihren bnntgewürfelten Betten und beginnt mit klagenden Tönen, die seltsamerweise nicht aus dem Munde, sondern aus der Nase ihren Weg in die Außenwelt finden: „Ach ne, 'jne Fru, wenn ick dit doch man blot wttßt, .wat dit is und wat dit nich is. .Is dit wat von Rißmatismus, oder is dit wat von Magenkander oder is dit wat von Jnfaulenzia. hew bat so up d' Bost, un denn stött mi bat so in b’ Srer (Seite) un denn riet mi bdt so in'n Bein. Kiek es blot, jne Fru, mien Bein! Wie drög is bat, bi reine Stück! Man nich? Jk kann't jor nich miehr uthnlle. Die janz Nacht hew ik möte rum womiseire, un so 'ne Hauste! Ach ne, so 'ne Hauste! 'ne Fru jlöwe bat jor nich, wenn mi bat denn so ankömmt, wo 'ne Hauste as bat is. Un rare (reben) kann 'k ok jor nich, miehr! De Tung is mi ümmer so drög und denn steckt mi bat so im Krüz, un denn hackt mi dat so up b' Bost, un beim treckt mi bat so as so'n Weihdag in't janz Lief rümme. Dat is j . ' sik bat rejeirt, un so as sik rejeirt, so is bat ok. Ete kann 'k jor nich miehr, Mot immer drinke, un wat bat Schlimmst' is: räre kann, 'k jor nich rnihr. Wat hew ik süst nicht rare könnt! Man nich Milie?" (zur schweigenden Schwiegertochter gewendet.) „Awer nu?— Ne! Jlik kömmt mi ümmer d' Hauste an. Jk hew da all so veel für utbrukt — Milie, Hal' eis jne Fru de Bottels, jne Fru will fe jirn bettete." Die nie zu Worte kommende Milie bringt, auf ihren runden Leib gestemmt, eine ganze Batterie kleinerer und größerer Fläsch- Der weißliche Doktor- Bon E. v. ,O e r tz e n geb. v. Thadden.*) Ter weibliche Doktor — der bin ich natürlich, denn ich bin Landwirtsfrau, und wenn wir Landwirtsfrauen nichts vom Doktern verstehen, bann- sinb wir überhaupt nicht zn brauchen. Gestern galt es einem Huhn, das „sehr betrübt steht", die Diagnose zu stellen, die kurzerhand auf Abschlachten hinauslief, ein ander Mal muß einem jungen Bullen eine Portion Glaubersalz verordnet und verabfolgt werden, — und gar in der Jn- fluenzazeit — da öffnet sich alle Tage die Türe. „Jne Fru, ick joutt man froge, ob Sei uich'n poor Truppe hcwe." „Te Ollsch" — (das ist die Schwiegermutter) oder irgend ein anderes Familienmitglied ist von irgend einem Leiden be- chen. Sie will was sagen. „Kiek es, jne Fru", fällt die Alte eifrig ein, t,bit hew ik all allens utbrnkt! Dit hew ik mi sülwst noch halt ut de Regenwnller Aftheik, dit kost fief Jrösche, un dit hier, bat hett mi Milie ut de Labser Aftheik mitbröcht, dit kost sünsundsiebzig Pennig, dit janz klein Bottel! — Wo Mir! Man nich? Awerst hulpe hett btt ok nich. Dit hew 'k von «er Fru köfft, wat ümmer so mit Stint rümmtreeft, ,dat schall siehr nützlich sien, kost 80 Pennig, awerst mi hett bat ok nich hulpe. Nu segge 's immer von der Wangriucr Aftheik; da schall so'n swart Pulver sin, dat hett oll Gnebuchsch ehr Bodder, wat nu bot is, dem hett bat eiste sihr hulpe, segge 's, — as hei noch in ’t Lewen wir. — Da schall Bodber nu up'n Sünnbag hen gähn un schall bat hale, ob bat nich helpen beb." „Nach Wangerin? Das ist ja aber vier Meilen weit!" warf .ich ein. „Ja, bat Helpt nißt: hei möt dem Astheiker bat vörstellen, un denn möt hei bat schwart Pulver mitbringe, bat ik doch Webber so wiet keim, bat ,ik ete un rare künn. Blot up wat Suret (Saures) hew ik Äppentit^ auf, Fru Pastern hett mi all 'n Jlas Honnig schickt, awerst so recht wat Suret is bat ok nich, wenn jne Fru mi wnlle'n n' Flasch Wien schenken, bat ik doch Webber miehr tau Kräften keim, bat mi bat Raren nich mihr so für still' ---" Die Flasche Wein wurde sofort bewilligt, sie schlug ganz nach.Wunsch an, was die Sprachentfesselung der rasch Genesenden betraf, der ich jetzt noch etwas scheu ans bem Wege gehe. Aber nicht immer werden meine Heilmittel so zweckmäßig angewandt. Neulich wurde ich zu einer Familie gerufen, da war „Hei" krank, b. h. der Hausvater, und das wird immer ernst genommen. Den bisher kerngesunden Mann hatte fein plötzliches Leiden sehr erregt, und dadurch mitteilsamer gemacht, als der ländliche Pommer im allgemeinen ist. Er hatte Schmerzen im Bein. * Aus „Entenrike und andere Hinterpommersche Geschichten". Wolfenbüttel, Verlag.von Julius Zwißler. „Up ’n Fridag, as ik mit Roggen nah be Stadt toier, bin i! da all biem Doktor mit ran west." „Was sagt er denn?" „Ja jnedj' Fru, der feggt, bet wier sehr schlimm, fegst hei. Mein lieber Mann, feggt hei, bat is sehr schlimm vernachlässigt, fegst hei. Sie haben auch ein schlimmes Aussehen, feggt hei, rein unersetzlich mager. Jk ftog em nu, wat bat für ’n Krankheit wier un wo bat beiten beb, miet bat ik den Name. von weiten müßt. Mein lieber Mann, feggt hei, un schüttelköppt, bat is eine Nervenerkältung .— ne — ober feggt hei Blut- entzünbung". (Der Patient kratzte fich nachdenklich hinterm Ohr.) „Na, wo feggt hei boch man! — Ja! — so feggt hei: Mein lieber Mann, feggt hei, bas is eine Nervenverkältuug, bie jetzt schon bis ans Knie ranne, bas is bie höchste Zeit bamit, feggt hei, denn wenn sie ein, zwei Zoll Höger rauf jung, denn wär' sie bis ans Herz .ran, .bann wär' das Schlaganfall; denn müssen Sie opserieri werben, mein lieber Mann, feggt hei." — „Sei", b. h. bie Frau, begann fich mit ber Schürze bie Augen zu wischen. . „Hat er Ihnen denn was verschrieben?" fragte ich einiger» maßen konsterniert. „Ja, for fiftig Penning zum Jnriewen, awer bat gitot fern Linbernis. Natt kann ik ba äwerall nich up uthnlle un kull ok nich un nich heit un nich drög." „Ist das Bein beim geschwollen ober rounb ?" „Ne, gor nich, bat is ein Fleisch as.bat armer un ein Hut as bat armer, ,ba is nich nichts z' feihn." „Na, zeigen Sie boch mal." Da erwies sich beim, daß bas Bein teilweise rot war unb sich an ber Wabe eine nicht unbebeutenbe Wrmbe befanb, wahrscheinlich eine Folge von Gewaltmitteln, trockenen, heißen, kalten unb nassen. Ich sagte den Leuten genau Bescheib unb fanbte ihnen bann eine Lösung zu Umschlägen, bie aus bie Wunde gelegt werben sollten. Andern Tages fand ich meinen Patienten befriedigt im Stübchen auf unb ab spazierend. Er begrüßte mich erfreut. „Na, jnedj' Frn, dit hett sihr hulpe, dit hett mänglich sihr hulpe! Jk säd all to min Fru: ,Wat ns jnedj' Fru förn Kopp bett! Dat is noch öbern Doktor." „Geht's Ihnen so viel besser?" Ja, bat is nu ;anz jaut, die Umschläg hewn den schmerz ba ruttredt, ik bent Schlaganfall ward bat nich Ware." „Haben Sie fleißig Umschläge gemacht?" „Ja, be janz Nacht hew ik fe wechselt." „Haben Sie noch einen?" „Ja, jk hew nu man eint ihnlegt." „Lassen Sie mich das Bein noch mal seben." Die Hose wurde in die Höhe gezogen unb sogleich zeigte sich bie Wunbe ganz in ber alten Verfassung. „Aber, .ich bitte Sie, Sie haben ja gar keinen Umschlag drum!" „Ja, .jnedj' Fru, ik hew eint tim." „Na, aber wo denn? Ich sagte doch auf bie Wabe!" „Ja, da hew ik ’t ook, hier up'rn annern Bein." „Auf .dem gesunden? Aber warum in aller Welt nicht auf dem kranken?" „Ja, — ik dacht, bat künn schädlich Jin!" — Solche Mißverständnisse sind hier nichts Seltenes. Selbstverständlich gibts hier bei uns die verschiedensten Herl- mittel und Diagnosen, denn ich bin nicht die einzige „klauke Fru", .es sind ihrer verschiedene, .bie wieder ganz anderen Ansichten 'huldigen. Jüngst kam ein Dienstmädchen ganz .niedergeschlagen von einem Besuch zu Haus zurück. „Ich bin mit meine Mutter nach einem sehr berühmten Schäfer tzinjewesen", berichtet sie ihrem Hemm, „und hab ihm vor zwei Mark insultiert. Er sagt, ich wär’ .sehr krank, dienen könnt ich nich bleiben. Er hat mich auch allens ausjedeut', baß wir uns janz .jut da aus vernehmen konnten. Er sagt, ber Mensch zerfällt in achtundzwanzig Suchten, die er alle bekommen kann. Derjenige Mensch, was sieben Suchten, hat, ber is sehr krank unb" — mit unterdrücktem Weinen — „sieben Suchten hab' ich all!" Un denn nimmt sich das nu immer zu. Derjenige, was vierzehn Suchten hat, ber is schwer noch zu reiten, weil schon ber halbe Mensch krank is, un wenn Einer einunbzwanzig Suchten hat, benn is da keine Hülfe mehr, bei, unb wenn er alle achtundzwanzig Suchten hat, —: bann is er bot!" „Was für ’ne Suchten hast Du benn?" „Die Bleichsucht un die Jelbsucht unb bie Mondsucht unb bie Fallsucht un bie Fettsucht" — schluchzend — „un — uV bie Schwindsucht." , „So?" sagte der Dienstherr ungerührt unb gelaßen, „na? bie Berjnögungssucht unb bie Putzsucht hast Du auch noch, —■; wenn da am End' noch bie Trunksucht zuschlagen sollt', denn ich .das selbst, baß ’t bann mit Dir vorbei wär'. Denn wird rk Dich auch entlassen." ~ , Ein sehr schwieriger Fall entsteht, wenn bei Halskrcmkherten ber Patient das Unglück hat, feinen „Tappen" (das Zäpfchen im Halse) .herunterzuschlucken. Kam: er nicht wieder heraufbefördert 48® Werden, so steht sicherer Tod in Aussicht. Glücklicherweise findet sich immer sogleich eine energische Persönlichkeit, welche es unternimmt, den Tappen durch starkes Zerren an den korrespondierenden Scheitelhaaren wieder empor zu ziehen, eine Operation, Welche besondere Geschicklichkeit erfordert und sehr schmerzhaft, aber gewöhnlich von dem schlagenden Erfolg .begleitet ist, daß bei dem brüllenden Kranken der vermißte Tappen sofort wieder sichtbar wird. Bei Diptheritis legen sie den Kindern Salzheringe, frisch.aus der Lake, um den Hals, gegen Krämpfe wird ihnen „wat vom Schwiensgehör" eingegeben, oder „bat Bitt von der Tung", der Schleim von der Zunge eines neugeborenen Füllen; Brandwunde, l werden mit Kuhdünger belegt. Geschwülste und die Rose werden bepustet, Blut wird besprochen, und gebrochene und verrenkte Glieder unter dem Jammergeheul der Leidenden so lange gezogen, bis es knackt — dann ist es wieder drmn! Eines Tages gabs großen Aufruhr im Dorf, klagende Stimmen, die Leute liefen zusammen. Ein zweijähriges Kind war überfahren, von einem Grünfutterwagen, .während es spielend im Frtttcrslur des Knhstalls saß. Mit zitternden Knien lief ich da im flimmernden Sonnenschein die staubige Dorfstraße entlang auf .das Haus des Kuhfütterers zu. Die junge Mütter saß in der Stube, das kleine blonde, .pur mit einem Hemdchen betleidetc Mädchen im Schoß, das bleich, doch lächelnd zu ihr ausschaute. Die Mutter erzählte, während ich die Kleine auf den Arm nahm und untersuchte, wie sie sich fröhlich im herabgefallenen Grünfutter ein Nestchen gebaut und unbemerkt vom Knecht, von zwei Räderm des beladenen Wagens vollständig überfahren sei. „Awer Schnuchelsch hett sei all streken (gestrichen), un nu iS sei wedder janz munter." „Frau Böder", .sagte ich tief bewegt, .„das Streichen Hais nicht gemacht, es ist .wie ein Wunder, hier haben die Enget die Flügel gebreitet!" „I, jne Fru", sagte die Mutter gleichmütig, r-ik reken ümmer, bet is bat Jräunfutter west!" Ich fühlte mich etwas beschämt durch diese praktische Antwort, — aber am Ende schadet es nichts, wenn man auch mal Engelsflügel rauschen hört, und nicht nur immer „bet Jräunfutter" sieht. . In der Hoffnung, hierin mit dem geneigten Leser überein- zustimmen, empfiehlt sich Hm für porkommende Falle ~ der weibliche Doktor. vermischte». * In den Tabakpflanzungen von Deli in Sumatra werden seit einiger Zeit sonderbare Versuche gmmcht. Der dort erzeugte Tabak ist.in feinen, Aroma nicht gerade erstklassig, im übrigen aber von so ausgezeichneter Beschaffenheit, daß er sich zu Deckblättern vorzüglich verwerten läßt. .Dementsprechend ist auch der Gewinn der Eigentümer sehr groß, und man kann dort etwas auf Experimente verwenden. Es ist nun versucht worden, große Tabakfelder mit Plänen zu Überspannen, und man hat verschiedene Vorteile davon erwartet. Erstens sollten die Insekten dadurch abgehalten werden, ferner erhielten die Pflanzen einen Schutz gegen den Wind, der oft die Blätter zerfetzt. Me Temperatur sollte gleichmäßiger und um einige Grade höher sein aß die der Außenluft und namentlich die Nachtfröste Hess Frühjahrs ausschließen. Da die Pläne die Feuchtigkeit nur allmählich durchlassen, so könnte auch der Regen den Pflanzen keinen Schaden tun. .Mit einem Wort: diese Riesenzelte sollten den Tabakpflanzungen, ohne die Außenlust abzuschließen, alle Vorteile einer Zucht im Gewächshaus zugute kommen lassen. . Auch jn den Bereinigten Staaten hat man Proben auf die Richtigkeit dieser Schlüsse gemacht, aber weder dort noch in Sumatra haben die Erfolge den Erwartungen entsprochen. Der „Zelttabak" wurde von der Industrie abgelehnt, weil die Fabrikanten zu viel an ihm auszusetzen fanden, und die Internationale Tabakkulturgesellschaft in Connecticut, die Leiterin der Experimente auf amerikanischer Seite, ist sogar daran zu Grunde gegangen, nachdem sie eine Million für die Zurichtung ihrer Tabakfelder ausgegeben hatte. Es scheint, daß die Entwicklung der Pflanzen durch die Bedeckung eher behindert als gefördert wird, und vor allem hat man die wichtige Erfahrung gemacht, daß die neue Maßnahme die Spätfröste durchaus nicht von den Feldern fernzuhalten vermag. So leicht ist es also nicht, die Natur zu verbessern, .vielmehr scheinen alle Gewächse unter freiem Himmel doch 'noch besser zu gedeihen als unter einem solchen Verschluß. * Geruchs Messungen. Der berühmte Chemiker Berthe- lot hat der Pariser Akademie der Wissenschaften die Ergebnisse von Versuchen mitgeteilt, die in mehr als einer Beziehung .höchst merkwürdig sind. Sie hatten den Zweck, zu ermttteln, in wie weit ein starkriechender Stoff durch seine Ausdünstungen, auf denen die Verbreitung .des betreffenden Geruchs beruht, an Gewicht verliert. ,Es läßt sich begreifen, daß die dazu nötigen Messungen von äußerster Feinheit gewesen sein müssen, und das ist auch der Grund, weshalb sie bisher nicht gelungen waren. Berthelot hat beispielsweise festgestellt, daß ein Gramm Jodoform in einer Stunde den billionsten Teil eines Gramms verliert. Auf das Jahr berechnet, würde dieser Betrag 8760 Billionstel Gramm ergeben, oder noch etwas weniger, als den 100. Teil eines Milligramms. Es würden also etwa 100 Jahre vergehen müssen, ehe jenes Gramm Jodoform durch die dauernde Aus- sendung des wegen seiner Schärfe berüchtigten Geruchs ein Milligramm an Gewicht eingebüßt hätte. Diese erstaunlichen Ziffern werden noch übertroffen durch die Angaben, die Berthelot über den Moschus macht, denn dessen Gewichtsverlust ist noch viel geringer, etwa 1000 mal schwächer, so daß er freilich mit einiger Genauigkeit garnicht mehr festzustellen ist. flebrigens gibt das neue Verfahren von Berthelot die Möglichkeit, selbst ganz geringe Verunreinigungen solcher starkriechender Körper zu ermitteln. Literarisches. Die „D eutsche Kunst und Dekoration" int Berlage von Alexander Koch-Darmstadt gewinnt immer mehr Bedeutung für die Vorbereitung und Verbreitung einer neu- deutschen künstlerischen Kultur. Nach dem Grundsätze, daß in der Kunst das Wort nichts, die Anschauung alles ist, legt sie das Schwergewicht ihres Inhalts auf gute und zahlreiche Abbildungen, die durch .deu Tex? gewissermaßen nur einen passenden Rahmen erhalten. Es erscheint überflüssig, heute noch ein Wort über das siegreiche Vordringen der modernen Kultur zil verlieren; die Bresche ist geschlagen in den Wall von Gedauken- nnd Geschmacklosigkeit, den pedantische Gelehrsamkeit und Stilmeierei um deutsche Hauskunst errichtet hatten. Anfänglich hatte das Kochsche Organ die Rolle des Belagerungsgeschützes gespielt, jetzt aber stellt es die Flagge dar, die ein Heer siegesfroher Kämpfer in die eroberte Festung einführt. Kein Haus, kein Winkel bleibt den Eroberern unbemertt, überall wird der reinigende Besen geschwungen, aufgeräumt mit dem alten Wust; das Nest, in das so lange Einlaß begehrt wurde, wird neu, schöner, wohnlicher und gesünder aufgebaut. .Ein neuer Kunstfrühling, eine neue Renaissance ist im Anzuge: „Die Welt wird schöner mit jedem Tag!" Bleibe keiner zurück, wer das Wehen des neuen Geistes verspüren und genießen will! Die Kunst gehört nicht mehr beut Künstler, sie gehört dem Volke, bet Familie, dem Leben! Die in den letzten Heften vorgeführten Arbeiten deutschen Kunstgewerbes, _ die jetzt in St. .Louis den Wettbewerb mit anderen Nationen zu bestehen haben, geben die frohe Zuversicht, daß sich die deutsche Kunst die Achtung zurückerobert/ die sie sich durch verkehrte Auffassung und durch verfehlte Geschäftsprinzipien verscherzt hatte. Zn dem neuen Siege hat aber die „Deutsche Kunst und Dekoration" eifrig und erfolgreich mitgeholfen. „ „ Paul von .Szczepanski: Die Hofdame. Romam Verlag von F. Fontane u. Co. in Berlin. Preis 6 Mk. — Kabinettstücke feiner Charakterisierungskunst und liebenswürdiger Menschenbeurteilung .weiß der Autor mit brillanter Kleinmalerer sorgsam auszustatten. Er versteht es meisterhaft, unser Interesse für das Leben und Treiben, die Freuden und Jntriguen eines Großherzoglichen Hofes und die damit mehr oder weniger eng verknüpften Menschenschicksale zu fesseln, von dem ungemein sympathischen Herrscherpaare selbst herab bis zum kleinsten Kammerkätzchen, ausführlich, wie wir uns gern unterrichten las,en über alle, die uns interessieren, dabei stets spannend und lebenswahr. Mit wahrer Siebe hat er „Die Hofdame", die int Mittelpunkt der Handlung steht, dargestellt; geschickt hat er es verstanden, sie dem Leser lieb und vertraut zu machen, und zwingt ihn, .mit stets sich steigerndem Mitgefühl den Scheck, als- verkettungen dieser jungen, schönen, .unerfahrenen Menschenblute zu folgern^ Pabst in Gotha ist unter dem Titel „Grundzüge der allgemeinen Witterungskunde in „Hillgers illustrierten Volksbüchern" ein allgemem verständlich gehaltener Ueberblick über dieses, die wettesten Kreiß interessierende Gebiet erschienen. Scherzrittsel. (Nachbildung verboten.) Ich führe dich gleich über Fluß und Teich, Ohne Schiff, ohne Floß, ohne Träger und Troß Ich trage dich hin, doch darfst hu nicht sitzen; Geht'S schnell voran, bann wirst du schwitzen. Und eil' ich dahin mit Sturmesgewalt, Ich selbst bleib immer eisig falt. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Ergänzungsrätsels in vor. Nr.: Frei will ich fein im Denken und im Dichten, Im Handeln schränkt die Welt genug uns em. Goethe. (Tasso.) Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei. R. Lange, Gießen.