NW MS (Nachdruck verboten.) Iröhtingsftürme. Roman von Paul Oskar Höcker. (Fortsetzung.) „Ich wäre natürlich äußerst dankbar. Mer zuvor ein schüchternes Geständnis. Meine russischen Kenntnisse sind nämlich äußerst fragmentarisch" Dieter sah ihn säst erschrocken an. „Sie sprechen nicht Russisch?" „Offengestanden, nein." Belustigt über das Entsetzen des andern scherzte er: „Das einzige russische Wort, das ich gelernt habe, ist Kaviar. Wer ein Vertrauensmann offenbarte mir einmal: das sei leider persisch" Sie amüsierten sich über die drollige Art, in der er das vorbrachte. Dann fragte Lotz aber interessiert: „Da kennen Sie die russische Literatur überhaupt nicht? Anna Karenina — Raskolnikow — und Gorki und Turgenjeffs Novellen?" „Gewiß, deutsch habe ich das meiste gelesen." „O lieber Freund, das ist aber gar nichts gegen das Original. Sie müssen Russisch lernen. Fränze, was meinst Du, es ist die logischste lebende Sprache." So animiert, so angeregt hatte er den Kranken über- haupt noch nicht gesehen. Auch Frau Fränze war kaum zum Wiedererkennen. Es kam im Nu eine lebhafte Unterhaltung zwischen ihnen in Gang. Einen Augenblick hatte Zupitza das Gefühl, die junge Frau habe die ausgelassene Samte ihres Mannes künstlich geschürt, habe die Lektüre lediglich vorgenommen, um ihn wie durch ein Narkotikum über eine trübe Abendstunde hinwegzutäuschen. Wer ihre temperamentvolle Heiterkeit schien ihm doch zu zwingend, zu herzlich für eine Komödie. Jedenfalls war Frau Lotz heute abend ganz bezaubernd. „Wenn uns der Zufall mal so einen originellen Literaturmenschen ins Haus verschleppt — wie jetzt den Tschechoff zum Beispiel — dann ist Uns das immer ein wahres Fest", sagte Dieter. „Gewiß, eine Art Narrenfest, denn er ist im Grunde eine Art Clown, man kriegt kaum Atem, so wirbelt er die komischen Situationen durcheinander — aber manchmal hat man eben doch einen solchen Heißhunger darauf, sich bloß auszuschütten vor Lachen, an nichts zu denken, bloß zu lachen, zu lachen und wieder zu lachen." „Und hat die heilige Berechtigung dazu!" warf Zupitza Munter ein. „Sie brauchen sich gar nicht etwa vor mir zu entschuldigen, Herr Lotz. Ich lese selbst viel. Besonders Boz und Thackeray, meinen Liebling. Und wenn ich dabei so recht von Herzen zum Lachen kommen kann, ist mir's jedesmal eine rechte Wohltat." „Hör^t Du, Fränzch. der Doktor ist viel gemütlicher!. „O — haben Sie mich denn für ungemütlich gehalten- gnädige Frau?" Fränze lachte und gab ihm in chrer impulsiven Art die Hand. „Nein, nein, das nicht. „Aber Sie sind schon so weit in der Welt herumgekommen — da meinte ich nur, es müßte Ihnen bei uns alles zu klein und zu beschränkt erscheinen." Soeben trat Tirsell ins Zimmer, um zu melden, daß serviert sei. „Frei lassen wir Sie für heute abend jedenfalls nicht!" rief Dieter. „Wenn Sie als Arzt kommen, hat man jvaren, daß die empfindlichen Augen Dieters nicht durch grelles Licht belästigt wurden — alles harmonierte miteinander. Zupitza fühlte sich so rasch zu Hause, daß er das Schwinden der Zeit gar nicht merkte. Das Gespräch verweilte noch bei der Musik. Lotz war früher ein guter Klavierspieler gewesen, er hatte immer seine Frau zum Gesang begleitet. „Seit die Jungens weg find", beklagte er sich, „hast Du nie mehr gesungen, Frcnrze. Warum eigentlich nicht? Ueberhaupt — Du warst danach lange Zeit so kopfhängerisch — gar nicht mehr zum Wiedererkennen. Geh, Fränze, sing uns was!" Auch Zupitza drang mit Bitten in sie. Mitten drin stockte er aber. Der Hinweis von Lotz machte ihm klar: sie hatte nicht mehr musiziert seit den: Tage, an dem sie von ihm die Wahrheit über das Leiden ihres Mannes gefordert und gehört hatte. ■ Es war ein hastiger, erschrockener Blick, den sie ihm zuwarf, als er so plötzlich p.bbrach. „Wenn Sie nicht in der Stimmung sind, gnädige Frau r-■ ich will Sie nicht quälen", suchte er abzulenken. Aber Frau Fränze hatte sich schon erhoben, um nach dem Stutzflügel zu gehen, der zwischen den beiden Fenstern- stand- „Doch, doch", sagte sie, ihm voller Nervosität zunickend, „heute will ich ihm gern singen. Es ist mir selbst ein! Bedürfnis. Mer Sie sollen keinen großen Maßstab anlegen. Was ich kann, ist nur ganz dilettantisch," Es war indes durchaus nicht dilettantisch. Ihre nicht große, auch nicht umfangreiche, aber in allen Lagen gleichmäßig gebildete Altstimme besaß Wärme und Ausdrucksfähigkeit, ihre Deklamation war schlicht und natürlich, es sprach sich wie in ihrem ganzen Wesen so auch in ihrem Gesang ein starkes Temperament aus. Sie sang die „Feldeinsamkeit" von Brahms. Darauf das seltsam verträumte, zarte und melancholische russische Lied „Im wogenden Tanze". Die Begleitung konnte sie nur andeuten, sie half sich! aber mit Geschmack und Verständnis, ohne den Eindruck zu stören, über die Stellen fort, die ihre Techstik nicht wiederzugebdn vermochte. 819 Besonders das zweite Stück, das Znpitza vordem noM Nie gehört hatte, packte ihn. ,^Jm wogenden Tanze heim Feste, Wv lärmender Jubel so laut. Da hab' ich dich träumend und sinnend, geheimnisvoll blickend erschaut. Du sahst mich mit dunkelen Augen So fragend, so träumerisch an, Du lachtest halb fröhlich- halb' traurig, Daß nie ich vergessen es kann." Zupitza lauscht« ganz versunken. Die Szene von gestern siel ihm ein, wo er Frau Fränze, dem ausgelassenen Spiel der Kinder entronnen, plötzlich weinend am User getroffen hatte. Es ergriff chn ganz eigenartig, sie diese weiche, ernste, traurige Melodie singen zu hören, die so seltsam mit dem leichtbeschwingten Tanzrhhthmus der Begleitung kontrastierte.' Und mit einemmale überrann ihn ein Frösteln. Er hatte in der letzten Stunde üBer all den munteren Gesprächen ganz vergessen gehabt, daß er sich im Hause eines Hinsiechenden, eines Sterbenden befand. Frau Fränze erfüllte es so über und über mit Glanz und Leben, mit Licht, Temperament und Farbe, daß es ihtn gar nicht mehr zum Bewußtsein gekommen war. Aber für eine Sekunde zerflatterte nun dieser traumhafte Schleier. Und da lugte aus der kalten Nüchternheit starr und grausam das Elend hervor, der Untergang, ihr Unglück... IM anstoßenden Herrenzimmer machte sich, als der Gesang schwieg, Tirsell zu schaffen, der den Gelähmten zu Bett zu bringen pflegte, überhaupt dessen rechte Hand war. Zupitza mußte endlich ans Aufbrechssn denken. „Es war ein schöner Abend", sagte Lotz voll Wärme, als der Besuch sich, empfahl. „Es war wieder ein lebendiger Gruß aus der großen Welt!" Sie baten ihn beide herzlich, seinen Besuch bald zu wiederholen. Frau Fränze hielt draußen in der geöffneten Tür noch einen Augenblick seine Hand fest. „Heute sind Sie ja nur als guter Nachbar zu Dieter gekommen", sagte sie leise zu ihm, „aber ich glaube, mir waren Sie ein Arzt der Seele. „Ja, wirklich/— ich hatte für ein paar Stunden ganz vergessen. Haben Sie innigen, innigen Dank!" Als er übdr den Stätteplatz schritt und dann durch die kalte Nacht am rauschenden Kärpaßstrom entlang heimwanderte, sah er noch immer ihre schönen Augen vor sich, ihre seltsamen, unergründlichen Augen, die zu Lust und Lachen geschaffen schienen und in denen doch eine so schmerzliche, wunde Trauer gelegen hatte, als sie das fremde Lied sang. Die stille, sanft losgelöst üb!er dem Takt schwebende schwermMge Melodie begleitete ihn noch lange: --Da klang deine Stimme so lieblich, So seelenvoll warm zu mir her. Wie Glocken von ferne so klang es, Wie Wellen gewoge am Meer. Und wenn ich zur Ruhe geh', einsam, Wenn müde in Schlummer ich sank, Tann seh' ich im Traume dich fragend Und hör' deiner Seele Gesang." (Fortsetzung folgt.) Wettausstellungsöriefe. Von Paul Gartmann. 2. Die erste W o ch e. St. Louis, Mitte Mai. Schlechter Besuch der Ausstellung. —: Unfertiger Zustand. — Belästigungen der fremden Aussteller. — Die deutsche Abteilung. Ausstellung des Deutschen Buchgewerbevereins. — Englische und deutsche Photographen. Die soeben veröffentlichte Statistik über den Besuch der Weltausstellung in der ersten Woche wirkt recht ungünstig. An den ersten fünf Tagen, die auf die natürlich viel stärker besuchte Eröffnungsfeier folgten, erschienen im Durchschnitt täglich noch nicht zehntausend zahlende Besucher. Man muß die ungeheuren Kosten einer solchen VeranstalMng berücksichtigen, um ermessen zu können, wie lächerlich gering die angegebenen Zahlen sind. Es wurden also täglich Noch nicht fünstausend Dollars an Eintrittsgeldern vereinnahmt, während allein die Beleuchtung an jedem Abend zweitausend Dollars kostet. Nur der Samstag brachte eine höhere Frequenz, die jedoch mit siebzehntausend Personen weit hinter den gehegten Erwartringen zurückbleibt. Der Samstag Nachmittag ist hier der Hauptbesuchs- tag, da die Ausstellung und alle ihre benachbarten Vergnügungslokale infolge der hier herrschenden puritanischen Strenge an den Sonntagen geschlossen bleiben müssen. Die Folgen des geringen Besuches haben sich schon jetzt eingestellt. Die Inhaber der Belustigungsetablissements und der Restaurants verlangen bereits «ine Herabsetzung ihrer Pacht und die Erlaubnis, am Sonntag Gäste bewirten zu dürfen. Die erste Forderung ist natürlich ganz aussichtslos, denn die Ausstellung ist ja nichts weiter als das geschäftliche Unternehmen einer Anzahl Industrieller, die keinesfalls geneigt sind, gutwillig auf ihren Profit zu verzichten; auch die zweite Forderung wird nach Lage der Verhältnisse, die völlig von orthodoxen Sekten und Moralisten aller Art beherrscht werden, sicherlich keinen Erfolg haben. Immerhin ist das Vorgehen dieser Jnteressentengruppe beachtenswert, weil es zeigt, wie stark die hochgespannten Erwartungen enttäuscht worden sind. Von anderer Seite wird hingegen vor gar zu pessimistischen Ausfassungen mit dem Hinweise gewarnt, daß der Besuch nur deshalb so schlecht sei, weil vorläufig noch keine Abteilung der Ausstellung fertig gestellt ist. Gegenüber dieser offenkundigen und unbestreitbaren Tatsache nehmen sich die Erlasse, die die Ausstellungsleitung von ihrem grünen Tische aus in die Welt schickt, sehr eigenartig aus. Vorgestern erschien z. B. eine Bekanntmachung, in der angeorduet wurde, daß binnen zwei Tagen sämtliche Ausstellungsobjekte völlig fertig aufgestellt sein müßten. Dieses Verlangen erregte allgemeine Heiterkeit, denn man könnte gerade so gut verlangen, daß die Wasserleitung der Stadt St. Louis plötzlich statt der geheimnisvollen schwarzbraunen Flüssigkeit sauberes Wasser hergäbe. Das eine ist so wenig ausführbar und wahrscheinlich, wie das andere. Aber die Ausstellungsleitung nmcht Ernst. Heute will der Präsident David R. Francis mit seinen Direktoren einen Rundgang durch sämtliche Gebäude vornehmen, und jeder Aus- steller, der sein Werk nicht vollendet hat, soll die Gründe dieser Verzögerung angeben. Es ist zu befürchten, daß Mister Francis dieses Fragespiel nicht lange fortsetzen wird, denn er wird von den Ausländern sehr unwillkommene Antworten erhalten. Was von den Behörden getan werden konnte, um durch leeren Formalitätenkram die Aussteller zu belästigen, ist in reichstem Maße geschehen. Schon die Einwanderungsbehörde in Newyork hat damit begonnen, dem harmlosen Europäer Schwierigkeiten zu bereiten. Es gibt hier das Gesetz, daß Personen, die von einer amerikanischen Firma fest engagiert sind, das Land nicht betreten dürfen, sondern im New- Yorker Hafen sogleich zur Rückkehr gezwungen werden. Diese Bestimmung, die hiesige Arbeitgeber verhindern soll, fremde Arbeitskräfte heranzuziehen, ist unter anderem dazu benutzt worden, 50 deutsche Kellner, die im hiesigen „Deutschen Hause" tätig sein sollten, bei ihrer Landung gewaltsam zurückzuhalten. Erst den Bemühungen des deutschen Reichskommissars gelang es, sie zu befreien. Es hätte nicht viel gefehlt, so tvären sie zurückgeschickt worden. Zweifellos hat bei diesem Manöver die „Union" ihre Hand im Spiele gehabt; die große Arbeitervereinigung, die in wahrhaft tyrannischer Weise ihre Bedingungen diktiert, und die es erreichte, daß kurz vor Eröffnung der Ausstellung Maurer und Äbputzer täglich acht Dollars, also etwa 33 Mark Lohn erhielten! — Hatte der Aussteller unter Ueberwindung dieser Schwierigkeiten schließlich feine Baulichkeiten fertig gestellt, so konnte er sehr eigenartige Proben von der vielgerühmten Schnelligkeit der hiesigen Eisenbahnen bekommen, die häufig vier bis sechs Wochen brauchten, um Güter von Newyork hierher zu befördern. Waren sie dann angekommen, so begannen endlose Plackereien mit der Zollbehörde, die nicht nur über jede einzelne Kleinigkeit ein umständliches Protokoll anfertigte, sondern auch die Millionen der verschiedenartigsten Gegenstände Stück für Stück gewissenhaft mit Zettelchen beklebte, die natürlich beim Aufstellen sofort sich ablösten. Das alles werden die Herren Direktoren zu hören bekommen, wenn sie nicht vorziehen sollten, ihre Fragen für sich zu behalten. In Wirklichkeit gebührt vielmehr allen Ausstellern, die diesen mannigfachen Hindernissen mit bewundernswerter Energie trotzten, die höchste Anerkennung. Es ist erfreulich, daß wir Deutschen darin hinter keiner anderen Nafion zurückgeblieben sind und mit allen Kräften an der Fertigstellung unserer Abteilung gearbeitet haben. Vornehmlich drei Gruppen zeigen Deutschland auf der Höhe seines Könnens: das Kunstgewerbe, die deutsche Unterrichtsabteilung und das deutsche Buchgewerbe. Auf dem zuletzt genannten Gebiet hat der Leipziger „Deutsche Buchgewerbeverein" eine Ausstellung zusammengebracht, die in der Knappheit, mit der sie alle charakteristischen Erscheinungen darstellt, geradezu vorbildlich genannt werden kann. Der große Umschwung, der sich ungefähr in den letzten fünfzehn Jahren in unseren ästhetischen Anschauungen über die Alltagsbedürfnisse vollzogen hat und ganz langsam eine künstlerische Kultur vorbereftet, wird hier in seinen einzelnen Phasen nachgewiesen. Aus fast keinem Gebiete herrschte ein größerer Mangel an Originalität als in der Buchausstattung. — 320 — Diamanträtsel (Nachdruck verboten.) Xanbä sind die im Mittelsaale vereinigten wissenschaftlichen Ency- klopädieen. In der Fülle dieser großen gewaltigen Bande, die in bestechend gediegener Ausstattung mit einer an das Wunderbare grenzenden Sorgfalt über jedes Gebiet des menschlichen Wissens Aufschluß geben, werden die Amerikaner, wenn sie zu sehen verstehen, eine große Offenbarung finden, die man hier noch in keiner Weise erfaßt hat. Sie werden bemerken, daß die Männer, deren Namen hier nur bescheiden auf den kleinen Schildern der Auflösung deZ Zahlenrätsels in vor. Nr.r Maitrank. == Der Einfluß des Obstes auf die Verdauung wird immer noch nicht genügend> gewürdigt, und es nicht hinreichend bekannt, daß die Obstsaure der krankhaften Ablagerung voll Salzen im Körper entgegenwirkt. Viele Gichllker können durch reichlichen Genuß von Obst sich schwere Leidm ersparen, besonders auch durch Gebrauch/von Zitronensaft. Auch die gerate in der jetzigen Jahreszeit so billigen Apfelsinen fällten von jedermann oft genossen werden. Rekonvaleszenten und Kmuke mögen aber nur den Saft der Apfelsine zu sich nehmem nicht. aberdas Fleisch, da dasselbe unverdaulich ist und den Darmkanal reizt. — Das Therm ometer in der Küche. Zu den unentbehrlichsten Dingen in der Küche gehört das Thermometer, um den Wärmegrad der Speisen bestimmen zu können. Denn gewöhnlich genießen wir die Speisen viel zu Heiß, was oft schwere Schäden für Gesundheit und Seten. nach sich zieht. Zunge und Gaumen werden mit der Zeit abgehärtet und verlieren die richtige I Empfindung, aber am Magen rächt, sich eine derartige Ueber- Ltterarisches. sz „Die Gartenwelt", illustriertes Wochenblatt für deck gesamten Gartenbau, wird herausgegeben von Max SesteAfö* einem bewährten Fachmann. Der gediegene Inhalt, die Viel seitiakeit der Abhandlungen aus allen Gebieten des Gartenbaues- der Ziergärtnerei, des Obst- und Gemüsebaues und nicht zuletzt der Landschaftsgärtnerei und Gartenkunst, das vorzügliche ^llu- strationsmaterial, einschließlich farbiger ^onatsraseln. dle sorgfältige Bearbeitung des Textes und die bei.Erörterungen? über berufliche Zeit- und Streitfragen vornehme und maßvolle Tendenz ter lleitschrift werden ihr zahlreiche neue Freunde zustlhren. (Ver lag ^er ^Gartenwelt", Leipzig, "^rndenstraße 2.) Mr Abonnementspreis beträgt, durch den Buchhandel bezogen, 2,50 Mk. in eilt etwas verwittertes Pergament gebunden, dem zierliches i goldenes Blattwerk Rokokocharakter verleiht. Aber ter äußere Buchdeckel legt der Erftndungsfreude des I Künstlers durch seinen Fleck Fesseln an. Er soll so beschaffen sein, daß er häufig in die Hand genommen werden kann, ohne dadurch zu leiden. Damit ist allen stark empfindlichen Farben das Todesurteil gesprochen Diese mußten vielmehr auf das Vorsatzpapier beschränkt bleiben, und die Ausstellung des Buchgewerbevereins weist hiervon Exemplare auf, die an Raftine- ment des Farbenspiels getrost neben die besten, leuchtendsten Bilder gestellt werden können, die in den letzten zwanzig Jahren gemalt worden sind. Diese Freute an ter lebhaften Farbe gibt auch den hier sichtbaren, bekannten Originallithographien ihren Charakter. Volkmanns Darstellung eines wogenden Aehrenfeldes, Kallmorgens Landschaften, die mit so urwüchsiger Freude an der Natur gegeben sind, sind ein Wandschmuck, auf den jedes ] Haus stolz sein kann. Sie erregen hier auch bereits die Aufmerksamkeit der anderen Nationen, deren Ausstellung auf diesem Gebiete, soweit sie fertig sind, leider nicht viel bieten, wovon wir lernen könnten. Als bemerkenswert seien nur einige englische Bücher hervorgehoben, die auffallend schone Textillustrationen anfweisen, bei denen durch Unterdrück lichter Tone vornehme Wirkungen erzielt worden sind. Hingegen bleiben die englischen photographischen Leistungen, die sonst immer höchst beachtenswert waren, hinter der deutschen von Professor Miethe zusammengestellten Sammlung erheblich zurück. Die rapide Entwicklung der Porträt-Photographie, die sich in den letzten Jahren vollzogen hat und die im wesentlichen auf die Einflüsse und Anregungen künstlerisch empfindender Amateure zurückzuführen ist, wird hier deutlich erkennbar- Man begnügt sich nicht wehr damit, äußerliche Aehnlichkett anzn- streben, sondern man versucht, künstlerische Tönung und Stimmung in die Bilder zu bringen und sie zu einer Wiedergabe der S-trällerten Persönlichkeit zu erheben. Der bekannte Dresdner otograph Erwin Raupp gibt eine Reihe von Aufnahmen, die sich weit über die üblichen Porträts erheben und anderseits in geschmackvoller Weise keinen Versuch unternehmen, Gemälde nachahmen zu wollen. Dasselbe gilt von den Arbeiten des Berliners C. I. von Dühren, dessen Porträt einer Berliner Schauspielerin dadurch auffällt, daß der Kopf mit bewundernswerter Geschicklichkeit in den Raum hineinkomponiert ist. Ueberaus anmutig wirkt auch das Porträt der bekannten Sängerin Susanne Dessoir, das der Berliner Photograph Hülsen hergestellt hat. _ Die Buchstaben Aa, Eee, h, i, kk, 1, m,NNn, oo,Rrr,rS, ^"Wencher | 2£fÄa^ ist und die ungleich bedeutnngsvoller^fur die Erklärung.der Erfolge Deutsch- j AtteM gelesen folgendes ergeben: 1. Konsonant. 2. Jagdbares Tier. 3. Mannlicher Vorname. 4. Weltstadt 5. Teil oer priesterlichen Kleidung. 6. Körperteil. 7. Konsonant. Auflösung in nächster Nummer. Bücherrücken zu lesen sind, mindestens soviel für die Befreiung Deutschlands getan haben, wie die Strategen, die auf Anton von Werners Bildern lebensgroß hier ausgestellt worden sind. Iw diesen Räumen, die sich so selbstbewußt in dem für alle Ausstellungen charakteristischen Gewirr von Nichtigkeiten behaupten, ist die alte Wahrheit mit seltener Eindringlichkeit erkennbar: die deutschen Schlachten sind eigentlich von Schulmeistern geschlagen worden. ___________ Kleine praktische Itatschkäge. Die meisten Verlaasfirmen hatten eine feststehende Schablone, Ach ter fie ihre Bücher Herstellen ließen Ob es heitere oder ernste Bücher waren, klassische Werke oder suchte Unterhaltungsliteratur, alles wurde Mit denselben Typen geteuckt und in denselben Einband gebunden. Die einzige Abweichung biltete der vielbelachte Goldschnitt der Gedichtbücher. So war es denn schon ein großer Fortschritt, daß hier und da diese Uniform durchbrochen und der Versuch unternommen würte, möglichst jedes Buch verschieden auszustatten. Neue Bahnen konnten aber erst eingeschlagen werden, als man den Mut fand, den bis dahin herrschenden Renaissance-Geschmack zu überwinden, der sich sowohl in verletzender Üeberfaßung wie und) in grotesker Verkennung des eigentlichen Charakters des herzustellenden Gegenstandes äußerte. Man druckte Landschaften mit so natürlichen Gewässern auf die Buchdeckel, daß der Leser fürchten mußte, sich die Hände naß zu machen. Oder: man prägte die architektonischen Formen eines großen .®e6auteä reliefartig auf ein Buch! Der erste wichtige Schritt bestand deshalb mit Nottvendigkeit darin, zur geschmackvollen Einfachheit zurückznkehren. Häufig wurden einfache Pappdeckel in vornehmen unaufdringlichen grauen oder braunen Tonen angewandt, bei denen der Charakter des Materials voll gewahrt blieb und nicht etwa wie früher durch gewaltsame harte Goldpressung weggelogen wurde. Darauf leuchtet dann der Titel in klaren einfachen Lettern, die bisweilen noch durch eine leichte Linie ^rvA^näch^SllM 6ier ausgestellten Werke läßt nun Buchesbtent^Inhalte anzupasseN. Hier können unzählig . Bev I ^^ng'ter "Gesundheitsregeln 'ost "schwer. Besonders in einem spiele genannt werden; von des Worpsweder Malers Heinrich I Hause, wo kleine Kinder sind, ist das Thermometer unentbehrlich- Vogelers Gedichten, zu denen ent lichtblaugrauer Umschlag, der I (ommt hier nicht nur auf die rtchllge Beschaffenhett der Nahr- dnrch freundliche gelb« Blüten in tief grünen Kelchen anmutig I ung att, sondern daß dieselbe, den richtigen. Wärmegrad belebt ist, den feinempfuntenen Rahmen gibt, bis zu dem I und ihn nicht überschreitet. Bet einem ganz jungen Kutte närrisch-verwegenen, grotesken Farbenspiel, das Jossot M Pauli sZl die Milch nur 28 Gr. R. Haben. Für etwas Wetter vor- Scheerbarts seltsamen Phantastereien gemacht hat. Wie vornehm I 'geschnittene Kinder darf dieselbe schon 30 Grad messen. Nach nn-, ist Arno Holz' Gedichtsammlung „Aus Urgroßmutters Garten, @efüM können wir dies nie sicher feflftetten. Für Er- ■ ' ®-----— 1 wachsene oft die Suppe höchstens 36 Gr. haben, Kaffee Tee und Schokolade höchstens 28, Wasser nicht unter 8—10 Gr. Jt Mix oft wird aber gegen diese Gesundheitsregeln gefehlt. Dampfend kommt das Essen auf den Tisch, die Kinder stürzen hungrig darüber her und haben den Schaden davon; Zähne und Magen leiden dadurch, und die fürsorgliche Mutter tragt bie Schuld. Die vielen Sveiseröhrenverengungen, Magenerschlaffungen und schlechten Zähne sind zumeist auf den Genuß zu heißer Speisen zurückzuführen. Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und «erlag der BrLhl'schm UniversttStS'vuch' und Etemdruckerei. R. Lange, Gieß«,