Nr. 129. 1903. 9 W Tm. W M M (Nachdruck verboten.) Schloß Osterno. Roman von S. M e r r i m a n (Fortsetzung.) / Der Franzose schritt langsam zur Tür. Allein dort taumelte er und sah sich nach feinem Stuhl um. Dann ließ er sich 'mit einem leisen Schmerzenslaut schwerfällig nieder und griff nach seinem Taschentuch. Der parfümierte Battist strömte einen schwachen, feinen Beilchenduft aus. Chaux- ville saß vorgebeugt, mit den Händen auf den Knieen da und schwankte ein wenig von rechts nach lieks. Plötzlich hielt er das Taschentuch vors Gesicht und brach in Schluchzen aus. So warteten die beiden Männer, bis der Baron sich hinreichend erholt hatte, um sich zu entfernen. Die Luft war von nackten menschlichen Leidenschaften erfüllt. Endlich stand der Baron langsam auf und betastete mit der ihm charakteristischen Sorge um den äußeren Schein seinen zerrissenen Rock. „Haben Sie einen Mantel?" fragte Steinmetz. „Nein." Der Intendant ging zu einem Wandschrank und nahm einen langen Reitmantel heraus, den er dem Baron wortlos hinreichte. So verließ Claude von Chauxville das Zimmer in einem Mantel, der bei vielen Versammlungen der Armenliga figuriert hatte. Steinmetz folgte dem'Baron durch den langen Korri- ridor, den sie auch kurz vorher durchschritten hatten, und begleitete ihn die breite Treppe hinab. Bor dem Tore wartete der Bediente mit dem Pferd, das der Fürst dem ungebetenen Gaste zur Verfügung gestellt hatte. Ter Baron stieg langsam, schwerfällig, mit zuckenden Lippen auf; sein Gesicht war jetzt kalt und starr. Der Schmerz wurde erträglicher, die verletzte Eitelkeit blutete nach innen, und in seinen trüben Augen blitzten Haß und Bosheit. Es war das Gesicht eines Mannes, der sich innerlich auf eine heiße, sichere Rache freut. „Es ist gut", murmelte er zwischen den zusammengepreßten Zähnen, während Steinmetz ihm von der Schwelle aus nachsah. „Es ist gut, — jetzt werde ich euch nicht schonen." Er ritt den Hügel hinab und dann durch das Dorf, während das Licht der untergehenden Sonne ein Gesicht beschien, auf dem Schmerz und tätliche Wut um die Herr- schaft stritten. 36. Kapitel. Die volle Wahrheit. Karl Steinmetz, ging langsam in sein Zimmer hinauf. „Ich bin für solche Sachen zu alt", murmelte er vor sich hin. Sein Blick fiel auf die schwere Reitpeitsche, die er xu Boden geworfen hatte, als er Claude von Chauxville nach jener schrecklichen Strafe losließ. Er hob die Peitsche vom Boden aus und legte sie sorgfältig aus das Gestell über dem Sims. Dann stellte er sich ans Fenster und sah ein paar Minuten hinaus. „Es muß geschehen", sagte er entschlossen vor sich hin und zog an der Klingel. „Eine Empfehlung an den Fürsten; ich lasse ihn hierher bitten", sagte er zu dem Diener, der sofort erschien. Als Paul ein paar Minuten später ins Zimmer trat, stand Steinmetz beim Feuer. Er wandte sich um und sah den Fürsten mit ernsten Augen an. „Ich habe Chauxville soeben aus Hern Hause gejagt", sagte er. Ans Pauls Gesicht wich plötzlich alle Farbe. „Warum?" fragte er mit hartem Blick. Er begann gegen Etta mißtrauisch zu werden, und nichts ist so schwer auszuhalten, als das Wachstum des Argwohns. Steinmetz antwortete nicht gleich. „War das nicht eher mein Recht?" fragte Paul mit finsterem Lächeln. Manchmal ist ein Lächeln schrecklicher, als ein Sfirnrunzeln. „Ich glaube nicht", antwortete Steinmetz. „So schlimm ist cs nicht, — aber es ist schlimm genug, mein Lieber, schlimm genug. Ich peitschte ihn erst auf eigene Rechnung durch, — das war bei Gott ein Vergnügen! — und dann jagte ich ihn auf Ihre Rechnung davon." „Warum?" wiederholte Paul mit bleichem Gesicht. „Es ist eine lange Geschichte", antwortete Steinmetz^ ohne ihn .anzusehen. „Er weiß zuviel." „Ueber wen?" „Ueber uns alle." Paul trat ans Fenster und schaute hinaus, indem et die Hände in die Taschen seiner Joppe steckte. „Erzählen Sie mir die Geschichte; Sie brauchen sich nicht zu übereilen. Sie brauchen sich auch keine Mühe zu geben, mich zu schonen, aber sagen Sie alles — ein; für allemal." Steinmetz zuckte zusammen; er kannte den Ausdruck des Gesichtes, das da zum Fenster hinausschaute. „Der Mann haßt mich seit langer Zeit", sagte er. „Es sing an, wie dergleichen gewöhnlich unter Männern anfängt, — wegen einer Frau. Ich besiegte ihn, und der liebe Gott besiegte mich Sie starb, und Chauxville vergaß sie. Ich — habe sie nicht vergessen, — aber ich habe miet), bemüht, es zu tun. Es geht langsam, und ich habe wenig Fortschritte darin gemacht; aber das alles ist meine Sache und kommt hier nicht in Betracht. Ich erwähne es bloß, um Ihnen zu zeigen, daß der Baron einen Groll gegen mich, hat." „Jetzt ist nicht die Zeit für übelangebrachte Barmherzigkeit", siel Paul ein. „Geben Sie sich keine Mühe, die Betreffende zu schützen; ich will alles hören." 514 Eine kleine Pause entstand; nie war es in dem stillen Zimmer so still gewesen. „Im späteren Leben war es unser Schicksal, daß wir mehrfach aüfeiuanderstießen", fuhr Steinmetz endlich fort. „Unsere gegenseitige Abneigung bekam keine Gelegenheit, sich zu mildern. Wie es scheint, hat der Baron sich vor Ihrer Heirat mit der Fürstin eingebildet, in Frau Etta Beaumont verliebt zu sein. Ob er ein Recht hatte, sich für getäuscht M halten, weiß ich nicht, — so etwas ist gewöhnlich nur zwei Personen bekannt und auch denen nur unvollständig. Es scheint, daß die Wunde, die seine Eitelkeit erlitte, eine ernste war; sie erzeugte einen starken Rachedurst. Er suchte nach! Mitteln, um Ihnen zu schaden, verkehrte mit Ihren Feinden und verband sich mit Leuten, wie Wassili in Paris. Zuerst folgte er uns nach Petersburg. Dort hatte er Glück; er entdeckte — wer die Armenliga verriet." Paul wandte sich langsam um. In seinen Augen brannte ein trübes, verzehrendes Feuer; einen solchen Ausdruck sieht man in den Augen eines gehetzten, verhungerten Raubtiers, das endlich gestellt wird, endlich seinem Feinde von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht. „Ah, das weiß er", sagte er langsam. „Ja, das weih er, Gott helfe uns." „Wer war es?" Steinmetz trat unruhig von einem Fuße auf den andern. „Es war ein Weib", sagte er. „Ein Weib?" „Ein Weib, das Sie kennen." „Katharina?" „O nein, Katharina nicht." „Wer denn?" schrie Paul heiser, und seine Hände sielen schwer auf den Tisch. „Ihre Frau." Paul wußte das, ehe das Wort ausgesprochen wurde. Er drehte sich um und schaute mit den Händen in den Taschen zum Fenster hinaus. Minutenlang stand er in dieser furchtbaren Stille bewegungslos. Die Uhr auf dem Kaminsims, eine kleine Reiseuhr, tickte eilig, als wolle sie rasch vorwärts kommen. Tief unter ihnen, in einem der Höfe des großen Schlosses, bellte unaufhörlich und aufgeregt ein Hund, ein Wolfshund, mit einer tiefen Stimme. Steinmetz beobachtete Pauls bewegungslose Gestalt wie sasciniert; dann machte er eine unruhige Bewegung, als wolle er den Zauber einer Stille brechen, die fast unerträglich wurde. Er trat an den Tisch, setzte sich nieder, ergriff aus bloßer Gewohnheit eine Feder, betrachtete die Spitze, das Tintenfaß, — dann legte er die Feder weg, stemmte die Ellenbogen aus den Tisch und seinen breiten Kopf in die Handflächen. Paul rührte sich nicht, und Steinmetz wartete. Sein eigenes Leben war nicht sehr glücklich gewesen; er hatte viel ertragen müssen, hatte es tapfer ertragen, aber nun fragte er sich, ob all das je so schwer gewesen sei, wie das, was Paul jetzt ertrug, während er mit den Händen in den Taschen wortlos zum Fenster hinausschaute. Endlich regte sich Paul, wandte sich um, trat an den Tisch und legte die Hand auf Steinmetz' Schulter. „Sind Sie Ihrer Sache gewiß?" fragte er mit einer Stimme, die gar nicht wie die seine klang, — mit einer hohlen, greisenhaften Stimme. „Vollkommen, — ich weiß es bon Stephan Lano- witsch, — von der Fürstin selber." Einen Augenblick blieben sie so stehen, dann zog Paul seine Hand zurück und trat langsam wieder ans Fenster. „Erzählen Sie mir, warum sie es tat", murmelte er. Steinmetz spielte wieder mit der Feder. Es ist seltsam, was für triviale Handlungen wir in großen Augen- blicken begehen; er tauchte die Feder ins Tintenfaß und zeichnete mit Punkten ein Muster auf den Löfchblock. „Marin und Frau müssen den Plan reiflich erwogen haben", Hub er endlich an. „Beaumont kam nach Thors und bat mit Berufung aus eine sehr oberflächliche Bekanntschaft urn Nachtquartier. Er stahl die Papiere aus Stephans Studierzimmer und brachte sie nach Twer, wo seine Frau darauf wartete. Sie nahm sie mit sich nach Paris und verkaufte sie an Wassili. Beaumont reiste zuerst in östlicher Richtung weiter, denn wahrscheinlich wußte er, daß er über die westliche Grenze nicht entkommen konnte. Aber er verirrte sich auf der Steppe. Erinnern Sie sich des Mannes, den wir auf dem Wege nach Twer fanden? Sein Gesicht war unkenntliche — das Pferd hatte ihn im Steigbügel nachgeschleift. Das war Robert Beaumont. Das Schicksal hatte rasch gearbeitet." Nach einer kleinen Pause fuhr Steinmetz fort: „Ich hätte es Ihnen gern verheimlicht, um ihret- wie um Jhicet- willen. Unser tägliches Leben wird nur dadurch erträglich, daß wir von unseren Nächsten so wenig wissen; es gießt viele Dinge, die wir am besten gar nicht erfahren. Diese Geschichte hätte dazu gehören können, aber der Baron kam ihr auf die Spur, und nun halte ich es für besser, wenn ich es Ihnen sage, statt seiner." Paul schaute nicht um. Der Wolfshund bellte noch immer sein eigenes Echo an. „Natürlich war ich ein Narr", sagte Paul nach einer langen Pause. „Das weiß ich, aber —" er wandte sich um und blickte Steinmetz mit starren Augen an — „aber ich möchte lieber weiter ein Narr bleiben, als einen anderen Menschen eines solchen Betruges verdächtigen." Steinmetz zeichnete noch immer Muster auf dem Lösch- blvck. „Uns Männern fällt es sehr schwer, derlei Dinge vom Standpunkte einer Frau zu betrachten", sagte er endlich langsam. „Sie haben eine andere Auffassung von Ehre, — besonders wenn sie schpn sind. Das ist unsere Schuld; es mag Versuchungen geben, von denen wir nichts wissen." Steinmetz blickte langsam auf und sah, daß Paul in den letzten paar Minuten nm zehn Jahre älter geworden war. Er sah ihn nickst länger als eine Sekunde an, weil der Anblick dieses Gesichtes ihm weh tat; aber er sah in dieser Sekunde, daß Paul nicht verstehen wollte. Dieser starke Mann in der vollen Jugendkraft der Glieder und Energie wollte gerecht sein, weiter nichts. „Comprendre c'est pardonner", zitierte Steinmetz leise. Der Fürst trat langsam auf den Stuhl zu, auf dem er gewöhnlich Steinmetz gegenüber saß. Er ging und ließ sich nieder, als hätte er eine lange Reife hinter sich. „Was soll geschehen?" fragte Steinmetz. „Ich weiß nicht, — es liegt ja nichts daran. — Was raten Sie mir?" „Es muß so vieles geschehen, daß es schwer ist, zu sagen, was zuerst getan werden muß. Wir dürfen nicht vergessen, daß der Baron wütend ist und allen Schaden, den er Ihnen zufügen kann, sogleich anstiften wird. Mr dürfen auch nicht vergessen, daß das Dorf in einem Zustand Glimmenden Aufruhrs ist, und daß zwei Frauen unserer Sorge anvertraut sind." Paul bewegte sich unruhig aus seinem Stuhl. Der Intendant hatte den richtigen Ton angeschlagen; dieser Mann war am glücklichsten, wenn er sich für andere abmühen konnte. „Und was soll mit Etta geschehen?" murmelte er. Der Ton seiner Stimme ließ Steinmetz zusammenzucken. „Sie müssen mit ihr sprechen", antwortete er sinnend. „Gewiß müssen Sie mit ihr sprechen, — vielleicht kann sie Ihnen alles erklären." Er blickte unter den struppigen, grauen Augenbrauen über den Tisch hinweg zu ihm hinüber. Paul sah in diesem Augenblick nicht wie jemand aus, der für Erklärungen zugänglich ist, — nicht einmal für die Erklärungen einer schönen Frau; aber es gab etwas, das Karl Steinmetz bei all seiner Erfahrung nie ganz hatte ergründen können: die Macht einer Frau über den Mann, der sie liebt, oder einmal geliebt hat. „Sie kann Stephan Lanowitsch' zerstörtes Leben rncht erklären, — sie kann keine Entschuldigung für die tausend unnatürlichen Todesfälle finden, die sich bloß in diesem Gouvernement jeden Winter ereignen." Das hatte Steinmetz gefürchtet, — die Gerechtigkeit. „Geben Sie ihr wenigstens Gelegenheit", sagte er. Paul sah zum Fenster hinaus. „Wenn Sie es wünschen", murmelte er. „Ja, Paul, ich wünsche es. Ich bitte Sie darum; und vergessen Sie nicht, daß sie — kein Mann ist," Die Sonne war längst untergegangen, und das Zwielicht bedeckte eisig und hoffnungslos das beschneite Land. Steinmetz sah nach! der Uhr. Eine Stunde war verstrichen, seit sie beisammen waren, eine von jenen Stun- 515 — den, die in einem Leben so viel bedeuten, wie ein Jahr. Er mußte die Uhr nahe ans Gesichjt halten, um die Zeiger zu sehen; das Zimmer war beinahe dunkel, denn ohne besondere Weisung ließ sich niemals ein Diener blicken. Paul sah den Intendanten an, als wolle er fragen, wieviel Uhr es sei. In großen Augenblicken werden wir uns ost plötzlich der Grenzen der menschlichen Natur bewußt; in solchen Momenten sehen wir ein, daß wir nicht Götter, sondern nur Menschen sind. „Wir müssen uns zum Diner ankleiden", sagte Steinmetz. „Später, — nun, später werden wir sehen." „Ja", antwortete Paul, aber er rührte sich nicht von der Stelle. Tie beiden Männer sahen einander einen Augenblick an. Sie hatten viel miteinander durchgemacht, — Geifahren, Aufregungen, Sorgen, — und Paul wußte, daß dieser Mann mit b/em breiten, plumpen Gesicht ihn wie ein Vater liebte. Das Sprechen fiel ihm nicht leicht, die Worte schienen ihm den Hals zusammenzuschnüren. „Sie dürfen nicht glauben, daß es gar so schlimm ist, wie es hätte sein können", sagte er endlich, „aber im Augenblick habe ich das Gefühl, als hätte ich niemand mehr außer Ihnen." Steinmetz blickte mit seinem seltsam ergebenen Lächeln zu ihm laluf. „Ja, ich bin immer da", sagte er. (Fortsetzung folgt.) Von den Schürzen. Eine Hgusfrauenangelegenheit. Oft über die Achsel angesehen, von den vielen Drohnen, die in süßem Nichtstun ihre Tage verbringen, als überflüssig verbannt, ist die Schürze über dem Kleide das Abzeichen der Häuslichkeit, die Beschaffenheit dieser Schürze aber ein Zeichen für Ordnung und Sauberkeit. Ich habe einmal von einer Dame, welche als tüchtige und umsichtige Hausfrau gerühmt wurde, den Ausspruch gehört: „Junge Mädchen sollten bei häuslichen Beschäftigungen keine Schürzen tragen, denn es sei der höchste Grad von Geschicklichkeit und Sauberkeit, häusliche Arbeit ohne Schürzen zu verrichten und doch dabei sein Kleid nicht zu beflecken.^ Ich muß gestehen, daß ich einen anderen Begriff von Ordnung und Tüchtigkeit habe und kein Zeichen dafür darin finde, eine Haus- oder Küchenarbeit ohne Schürze vorzunehmen. Im Gegenteil ! Saubere, erprobte unb- tüchtige Hausfrauen finden übereinstimmend, daß das Schürzentragen bei der Arbeit zur einfachsten Ordnung gehört Außerdem zur Sparsamkeit dieser Zwillingsschwester der Ordnung: Was würden wir Hausfrauen dazu sagen, wenn unsere Köchinnen oder, um moderner zu sprechen, unsere „Hauss- gehtlftnuen" ohne Schürzen in Küche und Zimmer hantieren wollten. Die Schürzen schonen die Kleider und madEien als Zierschürze den Hausanzug oft allerliebst. Die Art der Küchen- und Hausschürzen ist natürlich sehr verschieden. Während man in Städten mehr Blaudruckschürzen trägt, oder solche aus buntem Ginaham, werden oft in kleinen Städten und auf dem Lande die von richtigem Leinen, weih oder auch blau gefärbt, vorgezogen. Diese weißleinenen, meist aus selbstgesponnenem Flachs hergestellten Schürzen, wie man sre z. B. in Mecklenburg und Pommern findet, wo sie auch, ™ möglichst großer, den Rock deckenden Ausdehnung die Gutsherrn: und Hausfrau bei wirtschaftlichen Verrichtungen, Ganse- und Schweineschlächterei, Kartoffelmehlbereit- ^,ai^en usw. trägt, sind wirklich imponierend. Sie sind so 6rett, fo wett, so faltig und so leicht, waschen sich so gut und werden nur gerollt, während Ginghamschürzen, wenn ste gut anchehen sollen, gestärkt und gebügelt werden müssen. örauletnene Schurzen sind höchst praktisch, während L dünne Kattunschurzen nicht lange sauber halten nd dte Muhe unt Waschen und Plätten kaum lohtren. y- , starker, kräftiger Schürzenstoff macht dte Stärke ent- SrhA , und ungestärkte Sachen halten sich länger rein. Dte bunte Kuchenschurze soll nicht zu dunkel, aber auch ntcht zu hell und moglrchst waschecht sein. Trotzdem verliert Vanfe der Zett tit den vielen notwendigen Wäschen auch dte echteste, Farbe an Ansehen. ‘' Bunt Backen ist nur die weiße, am besten die weißleinene Schürze zu brauchen, ebenso beim Schlachten. Dazu gehören selbstverständlich auch die weißleinenen Back- bezw. Schlachtärmel, die über ;öie Kleiderärmel gezogen werden. Zum Herrichten der Betten gehört sich die weiße und zu diesem. Zweck zu benutzende Bettschürze, welche, wenn die Betten vom Hausmädchen geordnet werden, in fast allen besseren Haushaltungen von der Herrschaft gehalten wird und einen bestimmten Platz erhält, an dem sie morgens und abends nach dem Ordnen der Betten sofort wieder verwahrt wird. Ueberhaupt sollen, je nach der verschiedenen Arbeit auch verschiedene Schürzen gewählt werden. Die Schürze, in welcher die Hausfrau oder Haustochter den Tee im Zimmer bereitet, ist natürlich von der, mit welcher sie kochend am Herde stand oder die Tassen und Gläser spülte, verschieden. Kleine schwarze, wollene oder seidene Schürzen werden sehr oft von den Damen über dem Hauskleide getragen und bienen gleichsam zu der Vervollständigung der Haustoilette. Ter Geschmack in der Herstellung von Zierschürzen ist natürlich- sehr verschieden. Als höchst praktisch erweist sich besonders die, bei Wirtschafts- und Malschürzen übliche Art, sie in Kleiderform zu wählen, oder mit durch Rückenbänder gehaltenem Brustlatz. Der frühere, mit Nadeln befestigte Brustlatz war insofern gefährlich, als Nadeln nicht an der Toilette gelitten werden sollen, wenn es sich um die Bereitung von Mahlzeiten handelt. Tie „Reformschürze" hat keine Aussicht auf Verbreitung. Tie fliegenden Stoffmassen um unseren Körper behindern uns. Das sehen wir schon daran, daß auch arbeitende Männer, z. B. die Aerzte bei Operationell, die Setzer unv Trucker, die Leute an Maschinen usw. ihre Arbeitskittel in der Taille mit einem Gurt befestigen. Tie Schürzen so sauber wie möglich zu halten, ist eine zweite Hauptsache. Dazu gehören saubere Hände. Es ist dringend zu vermeiden (was aber sehr oft, vielfach ganz gedankenlos geschieht), die Hände art' der Schürze abzureiben. Ferner soll man sich bei keiner Arbeit zu dicht an den Tisch stellen, sondern bei stehender Stellung stets einen kleinen Raum zwischen sich und- dem Tisch-e lassen, bei sitzender keinen Korb ober Gefäß direkt auf die Schürze stellen, sondern ein sauberes Papier dazwischen legen. Schürzen auf beiden Seiten zu tragen, muß mit Rücksichjt auf das Kleid vermieden werden, denn die Schürze ist ein Schutz fürs Kleid und hört damit auf, ihren Zweck zu erfüllen. ______ VeUrns?chL§A. * Iustus v. Liebig über ben Branntweingenuß. Die Chemischen Briefe Liebigs enthalten folgenben Passus: „Der Branntweingenuß ist nicht die Ursache, sondern eine Folge der Not. Es ist eine Ausnahme von der Regel, wenn ein gut genährter Mann zum Branntweintrinker wird. Wenn hingegen ein Mensch durch seine Arbeit weniger verdient, als er zur Erwerbung der ihm notwendigen Menge von Speise bedarf, durch welche seine Arbeitskraft wieder hergestellt wird, so zwingt ihn eine starre unerbittliche Naturnotwendigkeit, seine Zuflucht zum Branntwein zu nehmen." — Demnach wäre das Beste gegen den Alkoholismus die Abwehr der Not, welche den Menschen in die Abgründe jenes Lasters treibt, und es dürfen die Opfer des Alkoholismus nicht durchaus mit den feindlichen Augen der jetzt aufgetauchten Abstinenzler betrachtet werden. Zu dieser Schluß er kenntnis kommt sogar der Scherlsche Tag, ein bürgerliches Organ. Wir haben bekanntlich unserer Meinung von jeher in diesem Sinne Ausdruck gegeben. * Reform kleid und Schmuck. Auf dem in Köln kürzlich abgehaltenen Verbandstag deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede sprach der Lehrer an der Kunstgewerbeschule Pforzheim und Redakteur der „D-tsch. Gold- schmiedeztg.", Rudolf Rückliu, über den „Einfluß des Reformkleides auf den moderuen Schmuck". Redner schickte, der „Köln. Ztg." zufolge, voraus, daß ein künstlerisches Moment in den Beziehungen von Schmuck und Mode vorhanden sei. Daß dieser innere Zusammenhang bestehe, zeige die Kostümgeschichte, und jede Stilperiode bilde ein charakteristisches Kostüm heraus, das dem Kunstgeschmack der Zeit entspreche. Während nun die moderne Kunst in unseren Wohnungen und in den Schmucksachen bereits 516 zum Ausdruck gekommen sei, seien unsere modernen Frauenbekleidnngen, das der Renaissance ^entstammende Taillenkostüm, sowie das der gotischen Stilperiode entsprungene Reformkleid noch nicht von demjenigen durchtränkt, was wir „modernen Stil" nennen, weil das Kunst- geweröe als solches und die Modekonfektion noch nicht von den gleichen Prinzipien geleitet würden. Die ganze Bewegung einer modernen Richtung in der Frauenbekleidung sei ja noch sehr jung, aber die Merkmale des Eingreifens dieser Kunstrichtung seien bereits vorhanden. Große, ruhige Flächen würden in die Kleidung hineingebracht, die dem Schmuck einen geeigneten Hintergrund böten und ihn begünstigten. Eine gegenseitige Rücksichtnahme wäre geeignet, eine Kunst der Ausstattung der Frau zu entwickeln. Dann würde die ablehnende Haltung der für die Konfektion maßgebenden Faktoren gegenüber dem Schmuck verschwinden, und eine freiere, großzügige Entwickelung des Damenkostüms sei angebahnt. Redner faßte seine Darlegungen, dahin zusammen: Eine von dem Geiste der modernen Kunst getragene Reform unserer Frauenbekleidung erscheint für das Tragen von Schmuck von wesentlicher Bedeutung; daher müssen alle dahinzielenden Bestrebungen der Aufmerksamkeit unseres Schmuckgewerbes dringend empfohlen werden. * Moderne Zeitungsbilder. Schnell, wenn auch nicht richtig, ist bekanntlich das Hauptprinzip unserer heutigen mit Bildern geschmückten Sensationsblätter. Wenn man das Porträt einer zur Tagesberühmtheit gewordenen Person bringen will und ein solches nicht schnell genug beschaffen kann, so wird den gutgläubigen Lesern einfach das gerade auf Lager befindliche Bild irgend einer anderen Person vorgesetzt, die nun als die betreffende Tagesgröße gelten muß. Wir haben früher wiederholt solche Fälle konstatiert. Heute können wir zwei weitere anführen. Das „Schaffhauser Jntelligenzblatt" schreibt: Vor uns liegt Nr. 6 einer in Berlin erscheinenden illustrierten Wochenschrift, die als Gratisbeilage für Tagesblätter gedruckt wird. Sie trägt den Titel „Im Zuge der Zeit"; Redaktion, Druck itnb Verlag der „Graphia" (verantwortliche Georg Kempchen), Berlin W. In dieser Nunimer befindet sich ein Bild, das laut Unterschrift die U e b e r s ch w e m m un g in Schlesien darsteÜen soll; wild stürmen die gewaltigen Wogen daher und weiß schäumt der spritzende Gischt auf. Aber auf den ersten Blick erkennt jeder Schweizer rechts auf dem Bild das Schloß Lau fen, links die Aluminiumfabrik, im Hintergründe die Rheinbrücke und in der Mitte vorn den Felsen; aber nicht genug, im Rhein f a llb e cken sind einige stürzende Giebelbalken und sonstiges unerkennbares Zeug eingezeichnet, um dem Schwindel die Krone aufzusetzeu. Die Redaktion schreibt wörtlich unter das Bild vom Rheinfall: „Wir bringen an dieser Stelle die photographische Aufnahme eines Ueberschwemmungsgebietes bei Neiße." — Im Hannoverschen „Wolkswillen" lesen wir: Sobald eine berühmte oder berüchtigte Persönlichkeit genannt wird, bringt das hiesige „Tageblatt" deren Porträt. So wurde in der vierten Beilage der Nummer 163 des „Tageblatts" vom 14. Juni 1903 das Bild des Obersten Pawlowitsch, eines Opfers der Belgrader Königsmord- asfäre, gebracht. Dieses Bild scheint man in der Redaktion des „Tageblatts" für den Bedarf von Offizierporträts bereit zu halten, denn in der ersten Beilage der Nr. 221 vom 11. August 1903 erscheint dasselbe Bild — auch nicht ein Strichelchen ist anders — wieder; diesmal als das Porträt des „Buren-Obersten Adolf Schiel". LitepaeLfches. — Margarete B ö h m e: I m I r r l i ch t s ch e i n. — Roman. Verlag von F. Fontane u. Eo. in Berlin. — Preis 3 Mk. — Die Handlung dieses modernen Zeitromans entrollt ein dramatisches, bewegtes Gesellschnstsbild aus der Gegenwart, und führt dem Leser eine Reihe von brennenden Tagesfragen, wie Duellwesen, Antisemitismus und die Macht der Standesvorurteile vor Augen. Die in ihren Romanen mit Vorliebe rheinisches Leben schildernde Verfasserin hat auch diesmal eine kleine Stadt am Rheinstrom zum Hintergrund der Darstellung des Schicksals gewählt, das einer reichen jüdischen Familie widerfährt. Klatsch und Neid 'zerstören das innige Zusammenleben der Familienmitglieder, von denen die jüngere Generation christlich geworden und in Berührung mit den militärischen und. Universitätskreisen getreten ist. Besonders liebevoll ist die Figur der ältesten Tochter gezeichnet, eines schönen, aufgeklärten, stolzen Mädchens, der das reinste Glück beschieden zu sein scheint, als sie sich mit einem jungen Offizier! verlobt. Doch durch die Klatschsucht und das Zusammenwirken sehr wahrscheinlicher Zufälligkeiten wird der gute Name des Vaters besudelt, der eine Sohn, Student, sucht und findet den Tod im Rhein, ein zweiter, Offizier, und in kurzer, glücklicher Ehe mit der Tochter seines Vorgesetzten lebend, muß sein Glück in Trümmer sinken sehen und verläßt die Heimat, um in der Ferne vergessen zu werden und zu vergessen. Der Bräutigam des Mädchens fällt im Duell. Eine jede der vielen Nebenfiguren illustriert die einzelnen Kapitel in wirkungsvoller Weise, und die sehr gewandte Sprache wird dazu beitragen, dem Buche eine weite Verbreitung zu schaffen. — M. zur Megede: Sport. Novelle. Verlag von F. Fontane u. Co. in Berlin. Preis 2 Mk. — Die Heldin dieser Erzählung ist eine jener Frauen, die das Leben und ihre Pflichten ernst nehmen, und in der Ehe nicht einen Kontrakt, sondern „einen Liebesbund sehen, bei dem sich die Treue so von selbst versteht, daß man nicht einmal darüber nachzudenken braucht". Um so tiefer ist ihr Schmerz, daß auch der anscheinend glücklichste Bund in frevelhaftem Uebermut gestört werden kann; mit ihrem Leben zahlt die jugendschöne Frau Restow die gedankenlose Schuld ihres Gatten. Ein wahrhaft tragisches Schicksal, das durch die meisterhafte Darstellung das Empfinden des Lesers im Bann hält. Seit langem zählt die Verfasserin zu unseren beliebtesten Autoren, und ihre feinsinnige Art der Charakteristik und psychologische Durchdringung der Handlungen ihrer .Helden feiert unstreitig in dem' neuenMerk den höchsten Triumph. Mit festen Strichen ist die elegante Militär- und Sportwelt gezeichnet: Der von aller Welt verhätschelte Gatte, sein Don Juan-Freund „dieser Robin", dann die Offizier- und Spartdamen, endliche Pas „kleine Mädchen", das zum Anlaß der Katastrophe wird. Was aber den Reiz der Arbeit ausmacht, ist weitab vom rein Stofflichen zu suchen und liegt in der graziösen Linienführung und dem zarten Farbenaustrag bei der Schilderung des innigen Liebesgesühls, das die junge Frau beseelt. Talent und Empfinden der Verfasserin haben hier ein Kabinettstückchen geschaffen, das in feinen sonnigen wie dunklen Teilen bei dem großen Leserkreise der Erzählerin das lebhafteste Interesse erregen wird. Schachaufgabe. Bon O. Würzburg in Grand-Rapids. (Nachdruck verboten.) Weiß zieht nnd setzt in 3 Zügen matt. (Auflösung in nächster Nummer.) 4 g 11 5 4 Weiß. 8 7 6 5 3 2 1 8 7 6 3 2 1 (3 + 8) b c d e bockst Redaktion: Angust Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Lrühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.