1903. — Ar. 194. Mittwoch den 30 Aez m0er. , j b I t k. r it hi 11 r t men den de". zu- rten. !ren t es Jegt- rfem inn gen 615 fite trott, is- nn teert av er ja ls ie er 3t (Nachdruck verboten.) Wotans Mrtoöung. Novelle von Robert Kohlrausch. (Fortsetzung.) OWMMSM er die Stimme der Lnerattn inr tom W We Fentzer tretend, in Gesellschaft eine- te'r.nnS der E zu L, LM dL L-L" «L7 L? KiÄrse"'1' 8U *** rl» 'ich l-s und ti h"»Z um^rauf einfamen »egen und kostete M MM d^t Wä [etn Herz inmitten dieser großen, den Jahrtausenden trotzenden Bergesformen und dieser oon un- vergangltcher Schaffenskraft durchströmten Täler — aber das war Teiuutlgung, Zernialmung, nicht Trost Der T"ost quoll einzig und allein - und nach schLerzlichsten Anaen blicken der Verzweiflung immer von neuem - aus ver Ä a?,an jenen einen, rasch vorübergerausch- hatte LL uriMtt! '""^nd 'hm gegenüber gestandet frpJ;™ Brl ber Heimkehr traf ihn eine schmerzlich- ^eudige Ueberrastyung. Tie Damen — so meldete ibm em Ballet der Generalin, das er vorfand - St ß St6Än9fltS ?u°ber zu ihrer großen Betrübnis -gesunden. So hatten sre die Freude noch einmal banfen9 T?6pr ßlif)m durch lebendiges Wort zu fn rintP» ' * Simmet wieder verlassen durfte, 1 m.,fu,r den kommendeii Nachmittag um seinen Be- !• 'm cwaren sie in Anspruch genommen weil ."«Letter der Generalin unerwartet bei ihnen eingetroffen WZ T,.;“1,1 '""dien sie am nächsten Morgen das Geleit s l-resenzano geben, wo er mit seiner Frau und Tockiter zusammentreffen wollte. Edith hatte die Absicht be/di ser ÄÄ Weich' die ©attinfeTsimione u%e des Catull zu besuchen. Am Nachmittag aber wären sie S iatLn budlich^ wirklich „Au^Wiedersehen!" --raß er hatte davonlaufen müssen vor diesem Glückt Er sMSLMWL MZWMW'W« ri che!n.m. Tas erleichterte Rauchmann die Nrn st milderte etn wenig die Hitze seines w,b8 S f . N S»e 1» d°- h-rznch. liche Lächeln der Generalin ,1) m ■,'erüoc er das freund- sicht auf den kommenden Taa Mir" meinte' “nb die Aus- Hätte die eouttT^Ä, M? d-Sew-sen l re-* äS’JäS! wieder nahe brachte o»H o ^'e Geliebte ihm sch-n° «S oerLcheiwaistk “>m Me «= klangen sie tenein uttb m ^?cht; tn bie Träume Schlumnier. Ain anderen Morae?suchte^ dann trieb ihn dir. -unoeduIb'ae ^fortgehen sehen; Zum Mittag/ In sein9Hoffen9nnd^N^^^os umher bis MWZM AVU 'chi W M lülK.üijS' MWW 774 War feilt erstes Aielst er hoffte dort Auskunft über die Damen zu erhalten, und als er den Garten betrat, wurde seine Erwartung noch vollkommener erfüllt. Im Schatten unter der Veranda saß die Generalin, offenbar nach vollendeter Mahlzeit ein wenig ermüdet und mit dem gewohnten Mittagsschlaf kämpfend, durch Rauchmanns Erscheinen aber gleich völlig erweckt. Mit fast jugendlicher Hast und Gelenkigkeit erhob sie sich von ihrem Sih, ging auf den unerwartet Erschienenen zu und sagte ihm alles, was in einem dankbaren Mutterherzen an Freundlichkeit und Güte sich angesammelt hatte. Auch ihr traten, als sie das schwere Geschick des Sängers vernommen hatte, die Tränen in die Augen, doch ließ er ihr nicht Zeit zu weiterer Klage, sondern erleichterte ihr und sich den Augenblick durch eine Frage nach Edith. „Sie ist fortgegaugen, sie besieht sich die Grotten des Catull. Ich begnüge mich mit dem, was ich vom Schiff aus gesehen habe; Sie wissen ja, mich hält die Materie fest, wo ich einmal bin, und ich habe mich gewöhnt, die Berge von unten und astle Schönheit von weitem zu betrachten. Hier in der stillen Welt bin ich nur noch bequemer1 geworden. Aber wenn Sie ihr nachgehen wollen, — Edith wird sehr froh sein, Sie zu sehen." „Ist sie allein?" „Allein. Mein Vetter ist gleich nach Tesenzano weiter gefahren; der Reiseplau hat sich ein wenig geändert, und so hat er sich Sirmione geschenkt." „Ist Fräulein Edith wieder völlig hergestellt?" Die Generalin lächelte still vor sich hin. „Die äußeren Wunden sind geheilt, Gott sei Dank! Eine Narbe an der Stirn und etwas Unbeweglichkeit im Arm, das ist alles, was von dem Abenteuer zurückgeblieben ist. Wie qs innerlich Bet ihr aussieht, im Herzen, in der Seele, das behält sie für sich und sagt es auch ihrer alten Mutter nicht- Sie hat viel durchgekämpft in der letzten Zeit, das ist gewiß, und ich hoffe, daß die guten und großen Gefühle gesiegt haben. Vielleicht" — das feine Lächeln verstärkte sich — „sagt sie Ihnen mehr davon, als mir, wenn Sie einmal mit ihr sprechen." „Sie erlauben mir das, gnädige Frau?" „Ich bitte Sie darum. Es wird uns allen gut tun, denke ich. Ihnen und Edith und mir. Ihnen, das hoffe ich, zumeist; denn wir haben viel an Ihnen gut zu machen. Und nun verlieren Sie keine Zeit; gehen Sie zu den Grotten, und der Geiste des alten Catull möge Ihnen gnädig sein!" Nauchmann nahm hastigen Mschied und machte sich auf den Weg. Unter einem schattigen Torbogen des ehrwürdigen Oert- chens fiel sein Blick auf einen römischen Altar, der dort aufgestellt war und mit der Sprache der Steine den Namen des Jupiter Mneinries in die verwandelte Welt. „Jupiter und Wotan", fuhr es ihm durch den Sinn, und er gedachte mit schmerzlichem Lächeln der Götterwürde, deren er nun entkleidet war; gleich aber wanderten tröstliche Gedanken zu dem Mädchen voraus, das ihn wieder zu einem Gott machen konnte, sobald es nur wollte. Sanft auf- und niedersteigend führte ihn ein Pfad nach der Spitze der Halbinsel hin, zu dem letzten der drei Hügel, aus denen sie sich zusammengefügt. Durch das schlanke, graugrüne Laub der Oliven glänzte von unten das Blau der Wasserfläche herauf, von oben das lichtere Blau des Himmels hernieder, und zwischen beiden ruhte der sonnige Tag. Ein Feind rüstete sich gegen ihn im Westen und schob die Wolkenwälle höher und höher hinauf; aber noch drohte er nur aus der Ferne und störte den Frieden der mittäglichen Stunde nicht. Auf dem grasigen Pfade weckte der Fuß des Schreitenden kein Echo, nur die Lazerten fuhren mit leisem Gerassel durch Laub und Gestrüpp. lind jetzt war Rauchmann in der grauen Trümmerwelt ungelangt. Ten Felsen ähnlich geworden im Laufe der Zeiten, hoben sich die Gewölbe hervor, zerfallen, verwittert, und doch noch voller Kraft in ihrem Kampfe mit der Vernichtung. Zwischen zerbröckelnden Mauern dahinschreitend, blickte der Wandelnde durch Einsturzlücken hinab in unterirdisches Gemäuer, zu dem niederhängender >Epheu des grünenden Lebens Gruß hinuntertrug. Ms zju der äußersten Spitze der Halbinsel dehnte sich die verfallene Welt, und hier, wo die steinernen Reste unmittelbar aus der Seefläche hervorzuwachsen schienen, bot sich dem Auge der vollsten Schönheit Einklang, In duftig-blauen Tönen versöhnte sich der; Gegensatz von Wasser und Fels, verdämmernd leuchteten Schneeflächen auf mächtigen Gipfeln gedämpft herüber, zarte Dünste legten sich schleiergleich um schroffe Formen, und in den Wolkenmassen, die sich am westlichen Himmel auftürmten, wechselten Lichter und Schatten von unheimlicher Kraft. Nauchmann ging und sah weder Wasser, noch Himmel, noch Fels. Er spähte mit brennenden Augen nach einer Menschengestalt, die er hier in der Einsamkeit zu finden hoffte, und die ihm lieber war, als all die Zauberkünste der Natur um ihn her. Aber sein Suchen war vergeblich; nichts Lebendiges regte sich, nur die Wellen brandeten ganz leise gegen die Felsplatte, auf der die Insel wie auf einer riesenhaften Tafel ruht. Noch einmal schaute er nach allen Seiten umher; dann machte er Halt, setzte sich auf ein grasumsponnenes Trümmerstück und gab sich trübem Sinnen mit enttäuschter Seele hin. Schluß folgt. Zwischen den Ackßr-'u. (Nachdruck verboten.) (Originalartikel des „Gieß. Anz.") So nennt der Volksmund die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Eine merkwürdige Bezeichnung! Das neue Jahr beginnt doch mit demselben Augenblick, in dem das alte versinkt, wie also kann man sich in einem Zeitraum befinden, den es gar nicht giebt? Vielleicht meint ein phau- tasrebegabter Leser, man brauche sich zwischen dem 1. und 13. Januar nur auf den schmalen Streifen zwischen dem deutschen und dem russischen Grenzpfahl zu stellen, dann habe man auf der einen Seite das neue, auf der anderen noch das alte Jahr, stehe also „zwischen den Jahren". Gefehlt! Tie weite Reise nach unserer Ostgrenze brauchen wir gar nicht zu machen. Wir müssen uns nur im Geiste ein wenig in unsere Vergangenheit versenken, um des Rätsels Lösung zu finden. Tenn die Bezeichnung „zwischen den Jahren" ist nur eine historische Erinnerung. Folge mir der Leser auf einem kurzen Gange durch die mannigfach verschlungenen Pfade des Gebietes der Chronologie. j Wie wir erst seit wenigen Jahren eine einheitliche mitteleuropäische Tageszeit haben, so ist es auch noch nicht übermäßig lange her, daß Mitteleuropa nach einem einheitlichen Kalender seine Tage und Jahre zählt. Die Grundlage unserer heutigen Zeitrechnung bildet der von Julius Caesar neu geordnete und nach ihm der Julianische genannte römische Kalender. Er nahm das Sonnenjahr, d. h. die Zeit, in der die Erde einmal ihre Bahn um die Sonne durchmißt, zu 365 Tagen an, bemaß den jährlich verbleibenden Zeitüberschuß auf sechs Stunden und glich den so erwachsenden Unterschied durch einen alle vier Jahre eiugeschobenen Schalttag aus. Slber Caesars Rechnung war ungenau, er hatte dem Jahre 11 Minuten und 12 Sekunden zuviel gegeben. Teshalb war man nach 400 Jahren um 3 Tage 2 Stunden und 40 Minuten hinter der wirklichen Zeit zurückgeblieben, was im Jahre 1582 schon ein Beträchtliches aus machte. Die Nachtgleichen waren infolgedessen weit vor den 21. März gerückt, und die Ofterfeier, die von dem Konzil von Nicäa (325) auf den dem ersten Vollmond nach, dem Frühlingsäquinoctium folgenden Sonntag festgesetzt worden war, mußte von der Kirche für jedes Jahr genau berechnet und ihr Beginn jedesmal von der Kanzel herab verkündet werden. Papst Gregor XIII. machte diesem Zustand ein Ende, indem er den Julianischen Kalender verbesserte und den verbesserten, nach ihm der Gregorianische genannt, einführte. 'Er bestimmte durch eine Bulle 1) daß nach dem 4. Oktober gleich der 15. gezählt werden sollte, um den entstandenen zehntägigen Unterschied auszugleichen, und 2) baß um der Entstehung weiterer Unterschiede vorzubeugeu, alle 400 Jahre 3 Schalttage auszufallen hätten. Als Jahre, in denen ein Schalttag nicht eingeschoben werden sollte, wurden die Säkularjahre gewählt, deren Hunderter nicht durch 4 teilbar sind. So kam es, daß das Jahr 1900 kein Schaltjahr war. Indessen bleibt auch bei dieser Rechnung ein kleiner Rest, da die Tagesteile, 2 Stunden 40 Minuten, nicht berücksichtigt wurden. Für uns macht das aber nichts aus, da der entstehende Unterschied erst in 3200—3600 Jahren einen vollen Tag betragen wird. Nun darf man nicht glauben, daß mit der Mille Gregors wie mit einem Schlage alle Kalenderungleichheit aus der Welt geschifft worden sei. Den Absichten des Papstes folgten 775 O zunächst nur Italien, Spanien und Portugal, und hiervon Italien auch nur mit Ausnahmen. Tie übrigen Länder schlossen sich später, teilweise sogar sehr viel später, nach, und nach an. Tie katholischen Gebiete des römischen Reiches deutscher Nation führten den neuen Kalender an den verschiedensten Terminen der Jahre 1583 (Bistum Augsburg) bis 1682 (Stadt Straßburg) ein, die protestantischen erst 1700. Ter letzte Staat war der schweizerische Kanton Graubünden, der 51 Jahre zur Durchführung der Kalenderreform brauchte, nämlich 1760—1811. Daß das christliche Ost- Europa: die Balkanstaaten, Griechenland und Rußland, noch heute den Julianischen Kalender anwenden, ist bekannt. Wir beginnen unsere Zeitrechnung mit der Geburt Christi. Das Mittelalter jedoch rechnete so erst seit dem Jahre 532. Ms dahin war die Rechnung von dem Regierungsantritt des Kaisers Tiokletian ab üblich, wie sie Cyrill in seinen Ostertafeln anwendete. Dionysius exiguus, der die Ostertafeln vom Jahre 532 (n. Chr. Geb.) ab fortfetzte, führte die neue Epoche ein, indem er das Jahr „247 diokletianischer Aera mit dem Jahre 1284 nach der Gründung Roms und dem Jahre 531 nach Christo aus uns unbekannten Gründen gleichsetzte. Nach diesen notwendigen Borausschickungen wird es nicht Wunder nehmen, daß auch der Jahresanfang nicht überall und zu allen Zeiten derselbe gewesen ist. Im Mittelalter konnte man, wenn man es darauf ablegte, tut Jahre sechsmal Neujahr feiern, nämlich am 1. Januar (circumcisio domini), am 1. März (vorjulianischer Jahresanfang), am 25. März (Mariae Verkündigung) an Ostern, am 1. September (Byzantinisch,), endlich am 25. Dezember (Weihnachten). Ter unpraktischste Zeitpunkt für den Beginn des Jahres Ivar Ostern, denn dieses Fest kann sich um 35 Tage verschieben, dazu wurde der Jahresanfang hier am Char- freitag, dort am Charsamstagabend gefeiert. Dennoch war diese Gewohnheit weit verbreitet, besonders in Frankreich und in den Niederlanden. In Teutschland hielt das Erzstift Köln lange an ihr fest. Der 25. März hat für unfere Gegend insofern besondere Bedeutung, als er der Jahresbeginn des Erzstifts Trier ist, zu dem Gießen in kirchlicher Beziehung während des Mittelalters gehört hat. Tie Erinnerung an diesen Jahresanfang ist aber gänzlich geschwunden, zumal im bürgerlichen Leben stets der 1. Januar bevorzugt worden ist. Das hatte seinen Grund darin, daß der Julianische Kalender mit diesem Tage sein Jahr begann. Am 1. Januar feierten die Römer ihre Saturnalien, Feste mit Mummenschanz und Ausschweifungen verbunden, deren Ueberreste sich bis in das Mittelalter hinein erhalten haben. Deshalb eiferte der Klerus gewaltig gegen diesen Jahresanfang, aber der war zu fest in der Gewohnheit begründet, um beseitigt werden zu können. Ver- nmtlickr hat er sich durch das ganze Mittelalter hindurch cr- haltew denn mit dem beständig vorkommenden Namen „Reujahrstag" bezeichnete man nur den 1. Januar. Die Kirche führte cm Stelle dieses „heidnischen" Jahresanfangs den 25. Dezember ein, woher ja auch die ganze Zeitrechnung „von Christi Geburt" den Namen hat. Als aber der bürgerliche Gebrauch bei dem 1. Januar "blieb, verlegte man auf diesen Tag das Fest Circumcisio Domini, um ihn. seines heidnischen Charakters zu entkleiden. Wenn ich vom „bürgerlichen Gebrauch" rede, so ist darunter die Begehung des Meujahrstages im bürgerlichen Leben zu verstehen. Im amtlichen Leben, also bei Datierung der Urkunden u. wurde der offizielle Jahresanfang des betreffenden Gebietes in Anwendung gebracht. Ter amtliche und kirchliche Jahresanfang am 25. Dezember aber war mit.Ausnahme von Köln und Trier in fast ganz Deutschland verbreitet; es war die Erzdiözese Mainz, die hier voranging, und ihr, deren Erzbischof Erzkanzler in Deutschland war, folgten die meisten der übrigen deutschen Länder. Doch auch der 1. Januar kam wieder zu amtlichen Ehren. Vom 15. Jahrhundert ab verbreitete sich in Süddeutschland beginnend nach Norden fortschreitend wieder der Gebrauch dieser Datierung. Ja sogar die päpstliche Kanzlei igia6 ihre Bedenken auf und wandte ihn von 1621 ab für Breven, von 1691 ab für Bullen an. In den romanischen Ländern scheint mit dieser Wiedereinführung auch eine Erinnerung an die altrömischssn Saturnalien zurück- gekommen zu sein, wenn — was ich nicht weiß — sie überhaupt je unterbrochen war. Tort feiert man nämlich in manchen Gegenden das Weihnachtsfest so gut wie gar nicht. dagegen weckt die Nenjahrsnacht ein lustiges ausgelassenes Leben mit Maskenaufzügen und Scherzen aller Art. Bei uns ist man längst zur alten Gewohnheit, das Jahr mit dem 1. Januar zu beginnen, zurückgekehrt. Aber die auf das ganze Leben einen so tief greifenden Einfluß ausübende amtliche Datierung nach dem 25. Dezember hat sich in dem Empfinden des Volkes erhalten. Wie man ehedem tatsächlich das Bewußtsein hatte, ein Jahr beendet, aber das neue noch nicht begonnen zu haben, so ist heute noch in uns dasselbe Gefühl lebendig, das uns die Tage von Weihnachten bis Neujahr bezeichnen läßt: „Zwischen den Jahren". Ate AOlperruvg Tibets. *) Wir ruderten nach Ostnordost, nach welcher Richtung der Ring jetzt umbog. Als die Sonne am Horizont hinter uns stand, nahm das bisher dunkelblaue Wasser bei drei Meter Tiefe einen intensiv grünen Farbenton an, und die Wasserpflanzen traten, wie durch Spiegelglas gesehen, klar hervor. Erne Landspitze anr nördlichen Ufer war unser Ziel; von dort mußten wir das Signalfeuer der Unserigen sehen können. Aber die Spitze lag mitten im Winde, und wir mußten in der Dämmerung- den ersten besten Strand suchen. Ter Himmel war außergewöhnli klar, und die Deutlichkeit, mit welcher der Mond sich abzeichnete, war für eine Beobachtung verlockend. Es ging immer noch ein kalter, unfreundlicher Wind, doch das machte uns nichts mehr aus, nachdem wir in unsere schönen Pelze wie Murmeltiere gekrochen waren. Glücklicherweise regnete es während dieser beiden Nächte, die wir im Freien zubrachten, nicht; nur das Wiegenlied der Mellen lullte die müden Pilger in den Schlaf. Es ist schön, in Tibets sternklaren, stillen Nächten und in der klaren, dünnen, reinen Hochgebirgsluft den Himmel als Tach zu haben. Tie Nachtkälte ging auf kaum 2 Grad herunter. Wir brachen in aller Frühe auf. Jetzt ist es kalt und unfreundlich. Ter Seegang ist so stark, daß wir uns ganz in der Nahe des Landes halten müssen. Nachdem wir fünf Minuten unterwegs waren, brach ein abscheuliches Unwetter los. Ter Hagel stürzte in solcher Menge nieder, daß das Innere des Bo-otes mit Eisschlamm erfüllt war. Gleichzeitig aber wurde die Heftigkeit des Wellenganges und auch der Wind gedämpft. Der Sturm schien über uns stehen zu bleiben und setzte seine Tusche über zwei Stunden lang fort. Hier herrschte halb Dämmerung, doch im Osten badete sich das Land im Sonnenschein; hinter uns war der Himmel schwarz und das Gebirge in Weiß gehüllt, wir sind auf dem Wege von dem Sitze des Winters nach der Wohnstätte des Sommers. Der Hagel ging allmählich in Schnee über, der sich weich wie Baumwolle in das Boot legte. Das Wasser hat die wunderbarste blaugrüne Farbe, eilt leicht erregtes, flüchtiges Element, das den B ick nicht an der Erforschung der Geheimnisse des Seebodeus hindert. Eine gute Weile niußten wir auf einer Landzunge rasten. Ich erstieg eine Anhöhe, um mich zu orientieren. Am Norduser erschien jeüt gerade wie gerufen die Karawane mit ihrer Kosakenbedeckung; ihr folgten ans den Fersen die Tibeter in dickten, schwarzen Schwärmen. Rechts haben wir eine ziemlich große Insel, aus der 20 Pferde grasen. Bon dieser Insel springt eine Landzunge vor, der eine ebensolche vom Festlande entgegeukommt. Sie zeigen auf einander hin wie die Kohlenspitzen in einer elektrischen Lampe, und der schmale Sund zwischen ihnen ist so seicht, daß die Jolle gegen den Grund schrammt. Ueber diese Landzungen geht die nach der Insel führende Furt. Eine Stunde später hatten wir das ganze Lager auf dem verabredeten Platze vor uns. Es breitete sich in seiner ganzen Herrlichkeit am Ufer aus; Massen von Leuten und Pferden waren ans allen Hügeln. §ier und dort zerteilte der Wind eine Rauchsäule; wir haben 5, die Tibeter 19 Zelte, aber die meisten von ihnen kampieren doch am Feuer unter freiem Himmel. Alle die Unseren standen am Ufer, und die Kosaken machten wie gewöhnlich Honneur. Jeden Morgen muß ich meine Leute in drei verschiedenen *) Aus: Hedin, Im Herzen von Asien. Zwei reich illustrierte Bände, cleg. geb. 20. Mark. Verlag von F. A. Brockhaus, Leipzig-, - t'g Sprachen begrüßen: mit „Sdrasdivijte", „Salam afeifttm" und „Acmur sän baue". Als ich zwei Nächte ausblieb, toareit die Gesandten sehr ängstlich geworden, und hatten das Lager unter besondere Bewachung, gestellt. Ten ersten Abend hatte Hladsche Tsering die Kosaken gefragt, die, ohne eine Miene zu verziehen, geantwortet hatten, ich sei nach dem Südufer gerudert, um mich von dort nach Lhasa zu begeben, und sie hätten Befehl, meine Rückkehr abzuwarten. Ties hatte die Gesandten sehr verstimmt, und sie halten nach allen Richtungen, namentlich nach Süden, Patrouillen ans- aeschickt. Unzweifelhaft waren sie jedoch schon im Laufe des zweiten Tages dahintergekommen, daß !vir uns ans dem See aushielten, hatten aber den auf dem Südufer wohnenden Nomaden verboten, uns irgendwie zu helfen. Während des Marsches hatten sie dann wiederholt meine Leute gezählt und gefunden, daß noch immer zwei fehlten. Sie konnten den Zusammenhang nicht recht begreifen, fürchteten aber, daß einer meiner Leute zwei Pferde nach dem ©Übufer geführt habe, auf denen ich mit irgend einem Begleiter nach Lhasa zu reiten gedächte. Ihr Auftreten gegen die Karawane wurde daher strenger; es wurde ihr fein Proviant mehr geliefert, und das Lager ivurde nachts mit starken Wachtposten umgeben. Ihre Unruhe legte sich auch nicht eher, als bis sie das Boot zwischen den Wellen heranstampfen sahen. Jetzt bestanden ihre Truppen aus 194 Manu, obgleich mehrere Patrouillen noch nicht zurückgekehrt waren; wir waren 18, d. h. einer gegen zehn, nein, — einer gegen 50, wenn ich nur die Kosaken rechne! Tie Tibeter muffen von uns Europäern eine jämmerliche Meinung haben; bie meisten von uns sind, wenn sie bis in die „heilige Sphäre" gelangten, so von allem entblößt und in so erbärmlichem Zustande gewesen, daß sie der Hilfe und Unterstützung der Tibeter bedurften, um über- ?aupt nur wieder aus dem Lande herauskommen zu önnen. Sie haben nie eine ordentliche Timppe in guter Verfassung gesehen, die nicht danach fragte, ob ihr der Turchzug erlaubt sei. Es war allerdings eine starke Versuchung für mich gewesen, _ben Tibetern mit Hilfe des Sees und des Bootes ein Schnippchen zu schlagen, und zwei Pferde hätte man mitten am Tage von einem Weideplätze nach dem Südufer bringen können. Ich hätte aber dadurch nicht viel gewonnen, vielleicht nur wenige Tage- märsche. „Land der Burchane", das Land der heiligen Bücher im Siiden — dorthin darf kein Europäer ziehen; es ist. das Erb land des Talai-Lama, ein heiliges Land, sein. Eigentum. Schwerlich sind seine Lamas jetzt fanatischer als in jener Zeit, da die Jesuitenmissionare gastfreundlich von ihnen ausgenommen wurden, und sicherlich sind sie heutzutage auch nicht weniger tolerant als im Jahre 1845, da die Missionare Hne und Gäbet sich einige Monate in Lhasa aufhielten. Nein, ihre strenge Isolierung während der letzten Jahrzehnte hat politische Gründe. Ihre friedliche, aber wirksame Taktik geht daraus aus, die Grenzen gegen Europäer zn bewachen und die ungebetenen (Säfte höflich und freundlich, aber bestimmt aus dem Lande hinauszutreiben. Tennoch wird auch an Tibet einst die Reihe kommen. Solange die Tibeter auf derselben Erde wohnen wie wir, müssen sie es sich gefallen lassen, daß wir den Wuusca haben, sie kennen zu lernen, ihre Religion und heiligen Schriften, ihre Tempel, Sitten und Gebräuche zu studieren, ihr Land und seine Mittel zu erforschen, Karten von ihren majestätischen Gebirgen aufzunehmen, und ihre launenhaften Seen zu sondieren. Noch haben sie sich allerdings nicht durch Vorspiegelungen von dem Aufschwünge des Handels und der Einfuhr von Tabak, Spiritiiosen, Opium und Feuerwaffen locken lassen; nein, „fort mit allen euren Eennßmitteln, eurem Stahle, Qtolbe und Silber, und laßt uns nur in unserem eignen Lande in Frieden!" Menn ich sage: „Ich will den südlichen Weg nach Ladar gehen", so antworten sie mir: „Tort gibt es keinen Weg." Wenn ich ihnen den Weg auf der Karte zeige und einige Namen nenne, so wenden sie ein: »Nun wohl, es gibt dort einen Weg; er ist aber nur für uns, ihr dürft nicht durch das Land der Burchane gehen." Und wenn ich sage: „Ihr seid nicht gastfrei; wenn ihr in mein Land kommt, werdet ihr freundlich aufgenommen und dürft alles sehen", so beeilen sie sich zu antworten: „Euer Land gehört euch, dort haben wir nichts zu tun, aber unser Land gehört uns; ihr mußt es daher verlassen und wieder Heimreisen." Recht kostspielig muß es sein, eine Truppe von 200 Manu so lauge unter Waffen zu halten, ganz abgesehen davon, daß die Leute ihr Heim und ihre Herden haben verlassen müssen. Doch es mag kosten, was es will, wenn nur keine Fremdlinge über die Grenze kommen. Es war für sie eine ungeheuere Plackerei, trotzdem waren sie aber stets höflich und freundlich. Ihre Scheu vor Fremden wendet sich nur gegen die Europäer; Chinesen und Leute aus Ladak haben freien Zutritt, andere benachbarte asiatische Völker ebenfalls. Hladsche Tserings Koch war ein Tungane, der ein wenig „Tschauto" (Türkisch) verstand und in Ostturkestan gewesen war. Tie Muhammedaner nennen alle, die sich nicht zum Islam bekennen, Heiden (Kaper), einerlei, ob diese Asiaten ober Enropäer sind. Tie Tibeter verschließen ihr Land nur den Europäern; ihre Isolierung ist also politisca, nicht religiös. Ein Chinese, ein Japaner ober ein Burjate, ein Pnndit, wie Nain Singh oder Krishna, ein Kaufmann aus Leh, alle können sich ohne Schwierigkeit nach Lhasa begeben. Und ist solch ein Asiate nur entsprechend instruiert worden, so kann er nachher über alles, was er gesehen hat, genaue Auskunft geben. Wir kennen, wie ick bereits erwähnt habe, Lhasa besser als sonst eine Stadt in Jnnerasien, Kaschgar, Kuldscha und Urnmtschi vielleicht ausgenommen. Wer Lamas in Urga, Kum-bum, in Hemis oder in andern Tempeln in Ladak besucht hat, kann bezeugen, daß er überall mit der größten Gastfreundschaft aufgenommen, worden ist und keine Spur von Intoleranz gefunden hat.. Kleine praktische Aajschiäge. S h l v e st e r g e t r ä n k e. 1. Kalter Weinpunsch Vier Flaschen Rotwein, eine Flasche Weißwein (Sorten nach Bekleben), auch eine Flasche Champagner gießt man in eine Terrine, dazu gießt man Kilo Zucker, mit einem Liter. Wasser gekocht und bereits abgekühlt, und Vt Liter Arrak. Schon vorher hat man einige Apfelsinen und zwei Zitronen in Scheiben geschnitten und mit feinem Zucker bestreut und gießt jetzt den ausgezogenen Saft in die Bowle, die vorzüglich'schmecken wird. 2. Höllenpunsch 500 Gramm Zucker werden mit zwei Flaschen Rotwein kochend gemacht, dann in eine Terrine gegossen und zugleich mit einer Flasche Arrak vermischt. Mit einem Fidibus zündet man den Punsch an und bringt ihn brennend in die Gesellschaft. 3. Russischer Punsch. Man reibt die Schale von vier Zitronen und vier Orangen auf einem Kilo Zucker ab, schlägt denselben in Stücke, legt ihn in eine Terrine, fügt den Saft ber Früchte unb anderthalb Liter kaltes Wasser hinzu, läßt die Terrine wohl zugedeckt stehen, bis der Zucker geschmolzen ist, füllt alles in eine Gefrierbuchse und bereitet ein Gefrorenes daraus. Hierauf gießt man nach unb nach eine Flasche Champagner unb eine halbe Flasche Arrak zu, verrührt bieS gut mit dem Eis und serviert Sen Punsch in kleinen Heukelgläsern. 4. Port we i n p u u s ch Eine Flasche Rotwein, eine Flasche Weißwein und eine Flasche Portwein werden mit einem Kilo Zucker heiß gemacht, wobei das Getränk jedoch nicht bis znm Kochen gelangen darf; inzwischen preßt man den Saft aus vier Zitronen in eine Terrine, gießt eine halbe Flasche Arrak unb ben süßen Mein hinzu und gibt den gutverntischten Punsch zn Tisch Zahleurätsel. Nachdruck verboten. 12324526 Teil des Jahres. 4 2 2 6 Teil der Erde. 2 6 3 Mineral 6 2 5 2 Nutzgcwächs. 5 2 2 6 2 Frucht 2 6 12 Planet 6 2 1 2 Gedankenausdruck. 2 6 5 2 juristischer Ausdruck. Auflösung in nächster Nummer. Redaktion: August Gotz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Iluiversttäts-Vuch- und Cteiudruüerei. N. Sauce. Gießen.