Montag den 30. Movimöer. 1903- MU Jji. N ■:y- M KL utrrri (Nachdruck verboten.) Gin Wädc6enschicksat. Frei nach dem Englischen von A. Wendt. (Fortsetzung.) , „Alice, wollen Sie die Güte Huben, mir noch eine Tasse Tee zu geben?" fragte Sir Harry. „Jawohl! Setzen Sie sich Jane", sagte Alice freund- lich. diese in einen Armstuhl drückend. Dann, sich an einen ernst aussehenden Herrn wendend, welcher vorher schon Jane einen Stuhl angeboten hatte, fügte sie hinzu: „Mr. Clower, wollen Sie freundlichst Miß Gratton die Komödie erklären und ihr die Rolle, welches sie spielen soll, zeigen? Vielleicht ändert sie ihren Entschluß doch und erfüllt unseren Wunsch-, die Partie zu übernehmen." „Natürlich, mit großem Vergnügen", antwortete der Angeredete bereitwillig, und sich an Janes Seite setzend, gab er ihr eine kurze Erläuterung des Stückes. Ihre ganze Kraft zusammenraffend, versuchte das junge Mädchen zuzuhören und den Sinn zu erfassen, sie machte auch einige Bemerkungen; aber selbst mit niedergesenkten Augen sah sie Mce mit Sir Harry am Teetisch stehen und sah des jungen Mannes Kopf sich zu Alice neigen, während er lebhaft aber leise zu ihr sprach und eine leise Röte Alices Wangen überflog. „Sie sehen, es ist; keine sehr schwierige Rolle", sagte Mr. Clower. die Blätter des ll einen Textbuches umwendend; „eine reiche Witwe mit zwei Bewerbern, von denen der eine, welchen ich spiele, arm, der andere reich ist. Wenn ich nicht irre, ist die letztere Ihre Rolle, Sir Harry?" „Und natürlich werde icb schließlich angenommen", sagte Sir Harry lächelnd. „Der Autor hat wahrheitsgetreu geschrieben und ist zu klug, eine Frau als selbstlos hinzustellen." Einige Wangen erröteten, in einer Gruppe lachte man, andere murrten; Alice, welche Jane anblickte, sah, wie sich deren große, braune Augen schnell auf den Sprecher richteten und es aus dem Blick wie eine Bitte um Schonung sprach. Alices Wangen erbleichten. Sie sah vorwurfsvoll auf Sir Harry, und indem iie schnell naher trat, sagt, sie: „Ich glaube, Miß Gratton möchte über das Stück nachdenken. Nehmen Sie das Buch mit, Jane, überlesen Sie Ihre Rolle, ich komme später zu Ihnen, um Ihren Entschluß zu hören." „Ich hoffe, es wird ein für uns günstiger sein", bemerkte Mr. Clower, als sich Jane erhob; „überlegen Sie sich's, Miß Gratton, Sie werden einen ausgezeichneten Partner haben, Sir Harry spielt gut." „O, ich werde meine Rolle recht natürlich und mit Wärme spielen", sagte Sir Harry lächelnd, indem er das Zrmmer durchschritt und die Tür für Jane öffnete. Scheinbar ganz ruhig, mit aufrechter Haltung, den Mick zu Boden gesenkt, entfernte sich diese, und Mce, welche den jungen Mann anblickte, sah, wie sich der strenge Ausdruck seines Gesichts milderte und er sie voll Schmerz und Zärtlichkeit betrachtete. Tre Kinder spielten noch in der Halle, als Jane langfant die Treppe emporstieg. Tas heitere Lachen folgte ihr durch die lange Bildergalerie bis hinein in das Schulzimmer. Tiefes war nun erhellt, die Lampe brannte, ein lustiges Feuer prasselte im Kamin, die Tienersch-ast hatte das Zimmer während Janes Abwesenheit freundlich und behaglich gemacht. Jane warf das Buch auf den Tisch und schritt erregt im Zimmer auf und ab, ihre Augen blitzten in verletztem Stolz und Schmerz. Wie durfte Sir Harry sich zu solchen Aeußerungen hinreißen lassen? fragte sie sich. Hatte er denn gar kein Gefühl, kein Mitleid, hatte sie noch nicht genug gelitten und ertragen, durfte er sie immer noch mehr verletzen und kränken, er, der einst vorgab, sie zu lieben? — Wie hart war dieser Mann doch wie unversöhnlich ! Er hatte alles, was sein Herz begehrte, alles, was das Lebest angenehm und wünschenswert macht: Liebe, Schönheit/ Reichtum. Und sie? — — Sie ergriff das Buch und durchlas es eifrig, während sie mitten im Zimmer stand. Es war eist kurzes, geistvolles Stück; zwar durchaus nichts neues, nichts besonderes, aber belustigend durch treffenden, glänzendest Witz. Ihre Rolle war die einer reichen Witwe, welche, wie Mr-, Clower sagte, zwei Bewerber hatte, von denen der eine vermögend, der andere arm war. Tie Witwe hatte den letzteren gern, nahm aber zuletzt den ersteren, während ihre Nichte den armen Freier heiratete. Jane las schnell, mit klvprendem Herzen und brennenden Wangen, ihr Entschluß war gefaßt: sie wollte spielen, wollte ihm zeigen, daß er ihr gleichgiltig sei; sie wollte sich amüsieren und die Freuden der Proben genießen. Sie wollte für eine kurze Zeit vergessen, daß sie arm, freud- und freundlos war, sie wollte einmal wieder heiter und glücklich sein, wie damals in Pates-Hall. „Nun, was werde ich hören, wie haben Sie entschieden?" fragte Alice, als sie nach kurzer Zeit ins Zimmer trat. „Menn Sie wirklich lieber nicht spielen wollen, werde ich Sie bei meiner Schwester entschuldigen." Einige Augenblicke vergingen schweigend, dann sah Jane lächelnd auf und erwiderte: „Sie sind sehr gütig, ich danke Ihnen, aber die Rolle ist leicht, ich werde sie spielen." Alice wechselte die Farbe. „Meine Schwester wird sich freuen, wenn ich ihr das mitteile. Werden Sie auch gern die Rolle übernehmen?" „Ja", antwortete Jane kühl, „ich denke — ich denke, ich werde meine Rolle wie Sir Harrt, recht natürlich, und hingebend spielen." 12. Kapitel. „Ist alles fertig? —" „Ja, ich denke wohl." „Wo ist Miß Gratdon? 710 „Sie wird int Augenblick hier fein." Unruhe und Konfusion herrschte in Thornton-Hall am ^age der Aufführung; lebhafte Spannung prägte sich in Len Mienen der Zuschauer aus, eine Unterhaltung war bet bet allgemeinen Erwartung nicht möglich, nur einzelne Bemerkungen wurden laut. Es war eine glänzende Versammlung, welche auf das Ausziehen des Vorhanges harrte; dre Damen, rn Sammet, Seide, Spitzen und Atlas gekleidet, mit funkelnden Edelsteinen geschmückt und noch blitzenderen Augen, kokettierten imt den Herren, ihre schönen Fächer gebrauchend, in jener aller Welt kundigen Sprache. Mrs. Thornton tu ihrer sieghaften Schönheit, bewegte sich graziös tnmttten ihrer Gäste; die kleinen Mädchen in ihren Hellen rosa Kleidchen sehr lieblich anzusehen, glühten vor Erwartung. Jetzt endlich spielte das Orchester eine muntere Ouver- htre, der Vorhang erhob sich geräuschlos imb enthüllte ein V^des Boudoir mit weißen, vergoldeten Möbeln, lichten Atlaspolstern und gleichen Vorhängen. o r, .^e5Ln kci§? ^en haben sie hierzu engagiert? ^ch glaubte, bte kleine, blasse Gouvernante sollte bie Margot spielen", sagte Lady Clinton, auf ihr Programm sehend. »Fs mag sein, wer es will, jedenfalls ist es eins der lieblichsten Atadchen, die ich gesehen", sagte ein Herr an "irer Seite. „Uebrigens, hier steht im Programm: Margot — Miß Gratton." . „Daun ist es auch bie Gouvernante, wie ist nur eine foiujß Veränderung Möglich! DtlA fycittc ich Nie neqIqubt.z/ , 3a, wie war's möglich? Lady Clinton war nicht bie emzrge, welche biefe Frage stellte. Mrs. Thornton starrte ungläubig über ihren Facher hinweg auf bas junge Müü- chen ihre blauen Augen verbunkelten sich unb ein nachdenklicher Zug trat in ihr Gesicht. War es auch klug von gewesen, Jane spielen zu lassen? Nun war es freilich nicht mehr zu anbern. Auch die Kinder waren stumm vor konnte diese schöne, lächelnde, glänzende Dame wirklich Miß Gratton fern? Ihre eigene Miß Gratton, welche immer so blaß unb ernst aussah in ihrer schwarzen Kleibung' . Sre sah aber auch wirklich wunberbar lieblich aus; bte dunklen Augen glanzten tote Sterne unter bem hochfrisierten gepuderten Haar, sie hatte etwas Rot aufgelegt, unb das gab ihr thre frühere Frische zurück. Das elegante Kleid, Pompadour Atlas hoch gerafft über einem rosa Seidenrock stand thr ausgezeichnet. Die entsetzliche Aufregung, welche sie beherrschte, gab ihr eine fast fieberhafte Lebhaftigkeit, welche sie über alle Beschreibung schön machte; diese Schönheit schien sich noch zu erhöhen, als sie Sir Harrys er- ^Enten ungläubigen Blick sah, als sie das Zittern seiner Hand suhlte. 1 Aliees zarte Anmut, Mrs. Thorntons königliche Erscheinung, Lady Clintons brünette Schönheit, sie alle nicht aufkommen gegen Janes alles bezaubernde Ltebltchkejt. Sie spielte vorzüglich, mit Grazie und Selbst- bewußtsein, worüber sich alle tminberten, welche bte scheue zurückgezogene Gouvernante kannten. ' o 3ane wußte kaum, daß sie so großen Beifall erzielte; ™aren Eß erste gespannt, ihr Herz klopfte heftig ihre Wangen brannten unter dem Rot. Einmal sah man Srr Harry zusammenzucken, als er des Mädchens Hand berührte, diese glühte wie im Fieber, und er ließ sie sofort thf u$ei" Mnnn selbst war verdrießlich und sarkastisch, Un^ld)e^ nnd entschieden schlechter, als nach den Proben zu erwarten war. Er war entrüstet darüber, zu würdia 9^lte Schauspielerin Jane war. Wie glaub- und den Wunsch nach Einsamkeit gezeigt, als sie Teilnahme erregen wollte! Hub nun, hinter de?.' Kulissen kokettierte sie mit Mr. Clower, lachend mit « anzenden Augen seinen Worten lauschend, wie sie auf der duhE nick rhm koekttierte, mit ihm, ihrem reichen Anbeter. Alices Spiel war gut und angemessen, ein unrubiaer fragender Blick kam öfter in ihre blauen Augen, das paßte Sir SamTLS?6' Jane beobachtete, wie zuvorkommend u/w tzarryv Benehmen zu ihr war, wie sanft er zu ibr sm-aw und welche zarten Aufmerksamkeiten er für sie hatte Mr ^ower machte im stillen die Beobachtung, daß nicht nur L ne Edniödie gespielt wurde, soudern auch, hinter sing toetoenrt,^Ltoarf einzige, welcher den Blick auf- llng, welchen ^ane auf Str Harry rtchtete, als dieser mit Altce tn emiger Eiitfernung von den anderen stand BeifallqAatsch^und^?-^9/ Schluß wurde laut rufen Alice und Ä &Meitb.ett wurden hervorge- T 41tce und Mr. Clower kamen zuerst, das Mädchen freundlich errötend, der Herr kühl und selbstbewußt; dann zeigten sich Hane und Sir Harry. Als der Vorhang fiel sah Str Harry eilte plötzliche Veränderung in dem Gesicht seiner Partnerin; die glanzenden Augen trübten sich, die Hand, eben noch glühend heiß, wurde eiskalt. Erschrocken und ängstlich fragte er: „Was ist -gbnen? Sind Sie krank? War dies alles zu viel für ©ie v" ? Tus Mädchen sah ihn einen Augenblick mit fremdein, Aurtem Blick an und, entzog ihm dann leise ihre Hand' „Nein, danke, ich bin nicht krank." Tie Spielenden waren im grünen Zimmer versammelt und empfingen die Gratulationen unb Lobsprüche der Gäste Man beriet, ob man den 8tbend hindurch die Kostüme an- behalten oder wechseln sollte. Die Meinungen waren qe- ^lt-^Tte Damen fühlten sich ganz wohl in den weit?u, vl?atrten 91D^e,rt ,uud den hochhackigen Stiefeln und wollten dieselben anbehalten. Die Herren bemerkten, daß ihre Kostüme ihnen auf die Länge, besonders beim Tanz, unbequem werden wurden, und wollten wechseln. Bereits ließen sich die ersten lockenden Töne der Tanzmusik aus dem Saal Horen, man hatte sich infolgedessen eben entschlossen, zu bleiben wie man war, als Miß Gratton und Sir Harrn traten. Mrs. Thornton wandte sich zu ihnen und sagte herablassend: „Sie spielten recht gut, Miß Gratton; wir Üuo. sii Sir Harrys Schuld, daß er uns Ihre theatralische Befähigung verraten. Lehren Sie aber den Kindern biefe Kunst nicht", setzte sie lachenb hinzu. „Es ist nicht immer eme erwünschte Gabe. Wollen Sie nun in ben Saal kommen , schloß sie, „bie anderen sind schon alle dort versammelt." Im Borübergehen streifte Mrs. Thorntons Kleid Janes rosa Roa, die Anwesenden folgten der Dame des Hauses 3o-ne blieb allein, sie lehnte sich schwer auf ben nächsten Stuhl. Mrv. Thorntons Worte hatten sie verletzt, besonbers weit sie in Sir Harrys Gegenwart gesprochen wurden. Was suchte, ihr ihr Triumph, ba er ihre Erniedrigung gehört hatte. -vjtjr Kopf sank auf bte Brust, bie Hände fielen an bett Seiten herab und ein Gefühl von Ohnmacht bemächtigte sE) chrer. Sw suchte es abzuschütteln und sprang auf, aber sie suhlte, daß die Kraft, welche die Aufregung ihr ver- ltehen, sie verließ. Sie fühlte sich schwach und hilflos, die so lange erzwungene Selbstbeherrschung brach zusammen, jeder Versuch, sie wieder zu erringen, war nutzlos; sie mußte schnell auf ihr Zimmer, ehe ihre Kraft sie vollends verließ. Mühsam schlich sie aus dem Zimmer in die Halle. Diese war hell erleuchtet und reich mit Blumen geschmückt, deren süßer Duft die Luft erfüllte und den Atem beengte. Es war niemand dort, aus dem Tanzsaar erklang die Musik. Es war ein Walzer, derselbe, der damals gespielt wurde, als ihr kurzer Glückstraum erlosch und dessen nie vergessene Melodie der armen Jane jetzt schwer aufs Herz fiel und ihren Schmerz verdoppelte, als sie mühsam die Treppe erstieg und in die Galerie kam. Die fühlte sich unfähig, weiter zu gehen, ohnmächtig und zitternd. Wenn sie nur etwas frische Lust schöpfen könnte! Das würde sicher ihre schwindenden Sinne zurückbringen. Sich an den Möbeln haltend, ging sie zum Fenster und öffnete es mit ihrer letzten Kraft. Sie klammerte sich an die schweren Vorhänge nnd sank E das Fensterbrett, das geisterbleiche Antlitz zn Boden gesenkt. Sie mußte für einige Zeit das Bewußtsein verloren haben; denn als sie wieder zu sich kam, hatte der scharfe Wind Schnee herein und ihr auf ben Hals und Schultern getrieben. , Es war ihr gerade recht so, der eisige Wind war ihr willkommen zur Kühlung ihrer brennenden Schläfe. Sie streckte den Kops weiter hinaus, noch immer fast be- wußtlos nach Atem ringend, aber allmählich zn dem vorübergehend vergessenen bitteren Schmerz zurückkehrend. So erblickte sie Sir Harry, als er langsam die Galerie, entlang kam. Er war sofort an ihrer Seite, zog sie leise, aber entschieden vom Fenster fort, es mit der einen Hand chließend, mit dem anderen Arm die wankende Gestalt! lützend. Verständnislos richtete das Mädchen ihre trüben Augen auf ihn. Fortsetzung folgt. ; ■ Welz und Wetzmoden. Von A. v. W a r t e n b e r g. Ter Pelz, früher nur in Eis und Schnee zur kalten Winterszeit getragen, hat, so lesen wir int „Bert. Lok.-Anz.", 711 seinen Siegeszug vollendet und sich in allen Jahreszeiten heimisch gemacht. Es ist gänzlich unmodern geworden, ihn im Sommer einzumotten, seit man ihn im Seebad am Strande und an kühlen Sommertagen in der Sommerfrische schätzen gelernt und seine effektvolle Wirkung in der Zusammenstellung mit Seide und Spitzen mit duftigen, luftigen Stoffen erkannt hat. Wie er sich int Ballsäal die Existenzberechtigung erworben hat, so gestattet Frau Mode ihn zu Waschbluse und Piqusrock, und in den Ucbergangs- zeiten, in beiten „alles" erlaubt ist, in denen sich das Batistkleidchen und der Wintermatttel neben dem schicken Herbst- und Frühjahrskostüm auf die Straße wagen dürfen, und die Strohhüte mit ihren Vettern vom Filz hartnäckig um die Herrschaft ringen, verleiht der Pelz, sei es in Form einer Stola, eines Capes oder auch nur eines winzigen Krägelchens der einfachsten Toilette das richtige Cache. Ter Pelz hat einen doppelten Zweck zu erfüllen, er soll wärmen und schmücken. In ersterer Eigenschaft hat er von jeher gedient. Matt darf getrost sagen, daß er überhaupt das erste Bekleidungsstück gewesen ist,das der Mettsch kauttte. Der Eskimo näht sich noch jetzt in Tierfelle ein, um sich! gegen den eisigen Hauch, der feine heimatlichen Gefilde durchweht, zu schützen. Es liegt so nahe, daß der Mensch, selbst der wär- mendett Hülle entbehrend, des Spinnens, Webens und Nähens noch unkundig- zum natürlichen Kleide griff, das den Tierkörper bedeckt, und es für feine Zwecke nutzbar inachte. Tas Tierfell aber war hart, durch Klopfet! und Reiben wird es geschmeidiger, und von dieser primitiven Art der Bearbeitung des Felles ging man bald zum regelrechten Gerben über. Die Germanen bereits verwandten die Eichenrinde zum Gerben der Tierfelle. Kochsalz, Alaun, Gerstenbrot und Weizenkleic, ja sogar fein eg Pudermehl sind Hilfsmittel der nwberncn Gerberei. Unsere Voreltern in ihrer waldreichen, kalten Heimat wußten das warme Fell, das bett wirksamsten Schutz gegen bie rauhe Witterung bot, ganz bcsonbers zu würdigen. Felle bildeten die weiche Lagerstatt. Das Wolfs-, Bären- vder Fuchsfell um Schultern und Hüften geschlungen, den drohend weit anfgesperrten Tierrachen auf das. blonde Haupt gestülpt, von dein das wirre, lange Haar in dichter Fülle herabwallte, so waren die germanischen Hünengestalten der Schrecken der weichlichen Römer, die, wie die meisten Völker der warmen Zone, das buntgefleckte Tigerfell oder das Löwenfcll nur als Schmuck, als Decke, als Prunkmautel kannten. Pelzhüte, pelzbesetzte Kleider, pelzgefütterte Mäntel' sind zu allen Zeiteit der Stolz ihrer Besitzer gewesen. Tas Nibelungenlied aus deut 12. Jahrhundert meldet von Kopfbedeckungen aus Zobel, von Hermelin und vom bunt- gefleckten Kleide aus schwedischem Luchspelz. Alte Bilder und Stiche zeigeit uns die großen Herren und Fürsten, die schönen Frauen tu mit kostbarem Pelz verbrämten Roben, nnt Muff uni) Pelzboa. Eine eigenartige Verwendung fand das Pelzwerk tu der nnttelalterltchett Heraldik. Tas auf den Holzschild aufgeklebte Mappettbild wurde vielfach in Pelzwerk ausgeschnitten, wozu für die verschiebenett Farben auch ver- schtebener Pelz angewanbt würbe: für schwarz Zobel, weiß Hermeltn und rot Kelen, bes Marders rotes Fellchen, unb zur weiß-blauen Tönung, bes nordischen Eichhörnchens hellfarbenes Pelzkleid. Ter Pelzhändler, der seinen Vorteil wahrnehmen Wilk, muß em gewiegter Kenner der Mare sein; denn unzählig Vnd bie Kniffe und Finten, um einem minderwertigen ?zell das tauschende Aussehen eines wertvolleren zu ver- leryen. , Zu diesem Zwecke werden bie Felle oft gefärbt Aachausbruck heißt, „geblendet", in den Rauch gehängt, schadhafte Stellen mit eingesetzten Haaren aus- gebe.sert, Heinere Felle nebeneinander genäht und bie Naht- ftellen nut dünnem Papier von littks überklebt. .... djrnrkt beherrscht die Mode in tyrannischer Will- nnd mtrn sn’rIr-e bie.$reife fallen und steigen macht ^ ^lager ihre Vorschriften erteilt, so bald diesem, bald jenem Tier zur Schvuzeit verhelfend. Oft ist notwendig. Geldgier und 5zabsucht treiben "tef Sager, ttt geradezu .brutaler Weise mit den armen sodaß bei manchen von ihnen das völlige Aussterben nur noch eine Frage der Zeit scheint dem ,,Kamtschatkabiber" genannten Stotterndem höchstens noch em paar Jahre prophezeit werden. Andere wieder sind so scheu geworden, daß die Jagd mit den größten Gefahren verbunden ist. Es sei hier nur an das Hinschlachten der Seals, der Seebären, erinnert, bie, wenn sie sich am Lattde auf den Felseninseln zwischen Alaska unb Kamtschatka lagern, in Scharen mit Knüttelhieben uiebergestreckt unb betäubt werden, unb denen das Fell, das den kostbaren Sealskin liefert, bei lebendigem, noch zuckenden Leibe abgezogen wird, während das rohe Fleisch bett Möveu zur Speise bleibt. Eine Zeitlang wurde das Schlachten so ausgiebig betrieben, daß von 800 000 Fellen 700 000 verbrannt werden mußten, um die Preise nicht allzu sehr zu drücken. Die Alaska-Gesellschaft versucht, dem allzu mörderischen Treiben Einhalt zu tun. Sie hat gleichzeitig mit dem erworbenen Monopol den Vertrag geschlossen, jährlich nicht mehr als 100000 Stück zur Strecke zu bringen. Gegen bett russischen Zobel, der ehemals so reichlich auftrat, daß die Kamtschadalen nach Eroberung der Halbinsel ihre Steuern in Zobelfellen entrichten konnten, müssen jetzt regelrechte Wiuterfelbzüge unternommen werden. In listig gestellten Fallen wird ihm zu Leibe gegangen, beim er ist klug unb gewitzt geworden. Auch die Chinchilla, die das silbrig- graue Pelzwerk liefernde südamerikanische Hasenmaus, hat sich aus den Niederungen in die nnzugänglichen Felsspalten der Kordilleren geflüchtet, so dem Jäger das Fallen- stellen mit halsbrecherischen Kletterpartieti würzend. Wir Deutsche sind in unserer Geschmacksrichtung hinsichtlich des Pelzes ziemlich konservativ. Es vererbt sich noch manches kostbare Stück von Kind auf Kindeskind, ohne Gefahr zu laufen, von heute auf morgen unmodern zu werden. Anspruchsvoller, was die Kostbarkeit der Pelze anbetrifft, sind bie Russen, bie sich als Besitzer der wertvollsten Pelze und als gewiegte Pelzkenner rühmen dürfen. In Rußland gehört der Pelz zum Heiratsgut des Mädchens tote in anderen Ländern der Linnen- und Wäsche- schatz, und wohl jeder nur einigermaßen wohlhabende Bürgersmann besitzt mehrere Pelze, die , leichter und schwerer in der Qualität, der Witterung angepaßt sind. Tie kapriziösesten Modelaunen diktiert Paris, das in der Pelzkonfektion bie führende Stelle entnimmt. Heuer hat sich Frau Mode von den Autojnngern beein- flussen lassen, bie es lieben, die rauhaarige Seite des Pelzes nach außen zu kehren. Das Pelzkleid ist als zu schwer verbannt, doch weite lose Pelzjacken, solche in Bluseitform, und der lange Mantel werden, letzterer jedoch nur, was Futter und Aufschläge anlaugt, in bett wirkungsvollsten Zusammenstellungen, von verschiebenen, von einanber ab- weichenbeu Pelzarten gearbeitet. Russisch Fohlen mit weißem Astrachan, ber von dem tu der Bucharei gezüchteten Fettschwanzschaf gewonnen wird, oder in Verbindung mit echtem Nerz steht zum Beispiel vorzüglich aus. Auch Breitschwanz, zu dem das Lämmlein, uoch ehe es das Licht der Welt erblickt, sein Leben lassen muß, macht sich in seiner hübschen Zeichnung und tief schwarz gefärbt wundervoll zu echtem Hermelin. Das Wieselchen dessen weißes Winterkleid früher nur die Fürsten zierte und den Königsmantel lieferte, muß es sich gefallen lassen, jetzt ganz gewöhnliche Sterbliche zu schmücken. Das Weiß des Hermelin wirkt mit den eingesetzten Spätzchen 'der schwarzen Schwänzenden ungemein jugendlich und wird auch vielfach zu Muffen verarbeitet. Diese zeigen eine ganz abenteuerliche Taschenform. Breit und rundlich aufwärts gebogen, erinnern sie an bie Muffe bes Weidmanns. Man hat sie auch eckig, einer richtigen Handtasche gleichend, mit querstreifigem Besatz von Pelzrollcn, auch rund und riesen- ' groß aus langhaarigem Pelz gefertigt. Spitzen zum Pelz ist beinahe „old fashion". Chiffonrüschen und Samt-Volants sind an deren Stelle getreten, auch werden Passementerien verwendet. Fuchs ist hochmodern. Zwar ist Freund Reinecke im roten Kleide fast ganz von der Bildfläche verschwunden. Dafür legt sich der Polarfuchs int reinsten Weiß um die Schultern der Schönen, und der kostbare Silberfuchs, der wie der Schwarzfuchs in Nordsibirien, int Kaukasus und in Nordamerika zu Hause ist. Schwarzen Füchsen werden vielfach weiße Spitzen Künstlich aufgesetzt, während der Grau- suchs mehr zum Füttern von Reise- und Herrenvelzen benutzt wird. Beim Pelzkaufen heißt es, mit Bedacht wählen. Man tut gut, den Rat eines Fachmannes einzuholen; denn der Laie weiß selten auf den ersten Blick Güte und Feinheit der vorgelegten Ware richtig zu beurteilen. Meist ist auch 712 hier das Teuerste das Beste und dadurch das Billigste. Zum Schmuck der Schönheit aber ist das Beste gerade gut genug. Vermiete»* * Allerlei Mittel, das Wetter zu prophezeien, — diesen Titel hat Professor Pernter, der Leiter des östreichischen Wetterbureaus, für einen Vortrag ge- wählt, den er kürzlich vor der Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse in Wien hielt. Der Gelehrte sprach über alle Gefahren, die von den frühesten Zeiten bis auf die Gegenwart zur Wettervoraussage benutzt wurden. Er ließ der Bedeutung örtlicher Wetteranzeichen wie die Erscheinung und Bewegung der Wolken, die Bildung von Nebelkappen auf Bergen, der Färbung des morgendlichen und abendlichen Himmels und dergleichen volle Gerechtigkeit widerfahren, indem er zugab, daß sie von Landleuten und anderen oft richtig gedeutet werden. Dann ging er auf die Theorien ein, die den Glauben an einen bestimmten Einfluß zur Voraussetzung haben wie die des tausendjährigen Kalenders und alle Arten der Wetterprophezeiung, die sich auf die Phasen des Mondes und auf die Bewegung der Planeten gründen. Sie sind im allgemeinen unzuverlässig und ganz verschieden von den durch die Wissenschaft eingeführten Mitteln der Vorausbestimmung des Wetters. Ein wirklicher Fortschritt kann jetzt nur noch von letzteren erwartet werden. Noch heute aber ist es der Wissenschaft nicht möglich, das Wetter früher als einen Tag voraus mit einiger Sicherheit prophezeien zu können. Um die bisherigen Ergebnisse noch zu verbessern, hält Pros. Pernter eine noch eingehendere Erforschung in folgenden Punkten für notwendig: die Verteilung des Luftdrucks in ihren verschiedenen Formen, Zugrichtung und Zuggeschwindigkeit, der Wirbel niedrigen Lustdrucks (Minima) übev Europa, die Art des Ueberganges einer Wetterlage in die andere und der Einfluß der verschiedenen Aenderungen in der Verteilung des Luftdrucks auf den Witterungswechsel. Durch ein sorgfältiges Studium solcher Einzelheiten könnte, meinte Professor Pernter, das Verhältnis der vollkommenen Erfolge in den Wettervoraussagen noch bedeutend gesteigert werden. * Junge Damen als Straßenräuber. Aus Portland (Oregon) erregt eine seltsame Affäre großes Aufsehen. Zwei junge Frauen, die in den Gesellschaftskreisen der Stadt sehr bekannt waren, sind mit ihren Männern unter der Anklage des Straßenraubes verhaftet worden. Sie heißen Mrs. H. W. Haynie und Mrs. Admer T. Johnson. Beide sind sorgfältig erzogene Kinder reicher Eltern, und bis vor kurzem galten ihre Männer als über jeden Verdacht erhaben. Johnson war der erste, der verhaftet wurde; er ist einer Anzahl von gewalttätigen Räubereien in den Straßen Portlands überführt worden und büßt jetzt seine Verbrechen in einem Zuchthause. Nach seinem Geständnis hat feine Frau, ein hübsches Ting von siebzehn Jahren, eingestanden, daß sie ihrem Manne immer geholfen hat, während der Raubanfall ausgeführt wurde, und daß sie auch half, die Opfer zu plündern. Auf ihre Aussage hin wurde auch Mr. und Mrs. Haynie verhaftet. Wenn sie eine Räuberei vorhatten, so pflegten sie ihren Dog-cart zum Einbruch der Nacht zu bestellen.' Es war ausgefallen, daß sie eine Manie dafür hatten, nach Einbruch der Dunkelheit spazieren zu 'fahren. In einer stillen Straße und vor einem geeignet scheinenden Opfer hielt Mrs. Haynie das Pferd an, ihr Mann stieg ab und folgte dem Opfer eine geraume Strecke vom Wagen. Ein Schlag mit dem Totschläger reichte gewöhnlich aus, und wenige Augenblicke später war Haynie wieder im Wagen bei seiner Frau. Nur die Tatsache, daß das Paar tollkühn genug war, ein auffallend gezeichnetes Pferd zu fahren, gab der Polizei einen Anhalt in der Sache. Während der ganzen Zeit, in der die Räubereien im Gange waren, wurden Mr. und Mrs. Haynie in den besten Gesellschaftskreisen empfangen. * Ter Nachlaß des Königs Alexander. Der Nachlaß der Königin Draga von Serbien im Gesamtbeträge von 570000 Franks ist, wie wir bereits mitteilten, ihren drei Schwestern überwiesen worden, da sich keine Gläubiger meldeten. Nicht so glatt geht es mit dem Nachlasse des Königs Alexander. Auf sein gegen drei Millionen Franks betragendes uno meistenteils aus Immobilien bestehendes Vermögen wurden Hunderte von Forderungen angemeldet. Zahlreiche Hofdiener verlangen jeder nach seinem Gutdünken größere oder kleinere Summen als Entschädigung sür den unterbrochenen Dienst. Der Pariser Geburtshelfer Tr. Colet, der bei dem Versuche der Königin Draga, ihren Gatten mit einer fingierten Schwangerschaft irrezuführen, 28 Tage in Belgrad verweilte, fordert rund 30000 Franks. Ihm folgen Belgrader Aerzte: Tr. Nikolic mit 7424 und Tr. Jovanovic mit 8300 Franks, sowie Tr. Nesic mit 15 000 Franks. Ter Hofschlächtermeister, der IV4 Jahre lang seine Rechnungen nicht bezahlt bekommen hatte, macht eine sehr große Forderung geltend. Unter den dreisten Forderungen steht an erster Stelle die Anmeldung eines bankerotten Kaufmanns, Svetislav Jeremic aus Tobrinje, dem Stammdorfe des Hauses Obrenovic. Aus der Rechnung des Mannes seien folgende Positionen hervorgehoben: Bei dem Besuche des Königspaares in Tobrinje für 40 Kilogramm Trauben ä 100 Franks 4000 Franks und für gewählte 30 Kilogramm Trauben ä 150 Franks 4500 Franks, sür 20 Kilogramm Pfirsiche ä 50 Franks 1000 Franks, für ein den Bauern aus der Umgegend gegebenes Mittagsmahl bei dieser Gelegenheit 9500 Franks. Für seine Mühe und Tätigkeit rund noch 50000 Franks. Schließlich sei poch die größte Forderung erwähnt, die der russischen Wolga-Kama-Handelsbank mit einem Restbeträge von 1801957 Franks nach einem Schuldscheine des Köngs Milan über zwei Millionen Franks. Wenn auch die meisten dieser Forderungen abgelehnt werden, so wird doch die einzige Erbin des Königs Alexander, nämlich seine Mutter Natalie, nicht viel erhalten. Wclynachts--Litteratur. — Ein guter Bekannter erscheint pünktlich auch diesmal: „Kürschners Jahrbuch" (Hermann Hillger Verlag, Berlin, 500 Seiten, broschiert 1 Mk.), das sich als wertvolles Nach-schlagebuch für jedermann viel Anerkennung erworben hat. Das schmucke Büchlein präsentiert sich in derselben Form, wie wir es nun schon sechsmal vor uns gesehen, und der jetzige Herausgeber Hermann Hillger hat das von dem Begründer Josef Kürschner Ueberkommene in vortrefflicher Weise ausgebaut und ausgestaltet. Aus der Fülle ver neu behandelten Materien seien die Artikel über Geheimschriften, Okkultismus, Freimaurerei, französische Literatur und Patentwesen, über wichtige Stiftungen, die Frauenfrage hervorgehoben. Einen besonderen Vorzug des Buches bildet in diesem Jahre die größere Schrift. — Ein elegantes, kleines Geschenk für Damen ist der auch in diesem Jahre wieder erschienene Haude und Spenersche Damen-Almanach (38. Jahrgang für 1904. Verlag von Haude u. Spener, Berlin). Das geschmackvoll mit Goldschnitt, Elfenbeinpapier, Titelbild, Bleistift und Visitenkartentasche ansgestattete Büchlein vereinigt in sich Taschenkalender, Notiz- und Tagebuch in zierlicher Form. Eine Erzählung erhöht den Reiz des Büchleins (Preis 2 Mk.). Homogramm. (Nachdruck verboten.) ;ö; K & S B S 1. Teil des Jahres. V ■«< 2. Halsschmuck. 8- « * * & 3. Schlachtort in Aegypten. Ä 4. franz. Kolonie in Afrika. derart zu ordnen, daß die 4 magerechten Reihen gleichlautend mit den vier senkrechten sind und Wörter von der be,gefugten Bedeutung bilden. .Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Ergänzungsrätsels in vor. Nr.r Wet«, Narbe. Arm, Wachtel, Zeit, Hah«, A«ton, Drescher. Ein Narr macht zehn aridre. Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Steindruckerei. R. Lanae. Gießen.