Ar Kita g den 30. Hkfoöer. ic 1903. — Mr. 161. LeMMEe (Nachdruck verboten.) B. W. Howard. m» in» as ir- (e! m> >et he en Se» int ar en io er n. in tf- ie r- iü er r» is ar tb: n- ?n: T, hr e» ls in te ■>O [I. m !N' ch w Ib lar :nn ach der de« sie er-- ion' Ug bitten :en )er lin ine c; m m (Fortsetzung.) Der Wiberstand des Pfarrers war gebrochen. „So kommen Sie, Monsieur, wenn Sie wollen, und verzeihen Sie mir meine Unfreundlichkeit, ich habe so schwere Sorgen." „Aber, ich bitte Sie, monsieur le eure!" rief Humor und ergriff mit Wärme die dargebotene Hand des Priesters. „Er sieht aus wie ein Engel", dachte Guenn, „wie wunderschön ist sein Lächeln, — Thymert war wirklich unwirsch, er ist so oft unwirsch gegen Monsieur.", Die drei verharrten in tiefem Schweigen. Eine Windsbraut fuhr durch die langen Gänge, man vernahm seltsames, klagendes Aechzen und Stöhnen. Der kleine Eree schreckte aus dem Schlaf in die Höhe und die alte Brigitte kam mit angsterfüllter Miene herein gestürzt. „La brouette de la ntort", rief sie, sich bekreuzend. Auch Thymert und Guenn bekreuzten sich in frommer Scheu. Dann öffnete der eure die Tür; ein heftiger Windstoß fuhr herein und erfüllte die ganze Kapelle, daß die geweihten Fahnen unserer lieben Frau und die Chorgewänder in der Sakristei zu wehen und M flattern begannen. Thymert stand auf der Schwelle und lauschte gespannt nach der Cigogne hinüber. „Noch nicht,, noch nicht", murmelte er, 'zu den andern zurücksehend. Sie saßen in banger Erwartung da. Guenns junges Gesicht trug einen milden, fast feierlichen Ausdruck. Auch Hamor io ar ernst und schweigsam gestimmt. Im stillen bewunderte er Guenn, die eifrig strickend am Tisch saß, den Lichteffekt auf ihrem weißen Kopf- putze beobachtend; auch tat ihm der Pfarrer leid, der sich den bevorstehenden Verlust seines alten Fischers sehr zu Herzen zu nehmen schien. Wieder stand Thymert an der geöffneten Tur, uube- kümmert, daß ihm der (sturm den Regen ins Gesicht peitschte. „Mein armer alter Jean", murmelte er traurig, „ich weiß wohl, daß es heute nacht mit dir zu Ende geht, du wirst den morgenden Tag nicht mehr erleben. Aber ich werde zu dir kommen, ob ich das Zeichen, sehe oder nicht." Plötzlich schoß aus der undurchdringlichen Finsternis ein heller, blitzartiger Feuerschein. Thymert trat ins Zimmer zurück. „Sie rufen mich", sagte er zu den Harrenden, „soeben haben sie vom Fort aus die Rakete aufsteigen lassen." Seine Hand lag einen Moment wie schützend und segnend auf Guenns Scheitel. Nun der Sterbende seiner bedurfte, hatte er Ruhe und Fassung wiedergefunden. „Willst Tu wirklich mitkommen, Kind?" fragte er, „es ist eine fürchterliche Nacht." „Ich komme", murmelte Guenn entschlossen, sie ftanb auf und knüpfte sich ein warmes Tuch! um den Kopf. „So kommt denn alle beide", sagte der Priester. Ein erneuter Windstoß erschütterte das Hans, und abermals ließ sich jener seltsame Klageton in den Lüften vernehmen. „La brouette", flüsterte Guenn erschrocken und bekreuzte sich. „Es ist jetzt Zeit", sagte der Priester, und eilte nach der Sakristei. An seiner Brust barg er das kostbare Käst- chen, mit dem Viatieum, die Stola in ein Teertuch gehüllt, verwahrte er in der inneren Tasche, dann ließ er sich von Brigitte, eine Laterne reichen und schritt voran, nach dem Ankerplatz. Das Boot lag geschützt, doch stand das Wasser doch darin. Es war eine Art Rettungsboot, das Thymert benutzte, wenn man- fein Segel aufhissen konnte, die beiden Männer griffen zu den Rudern, Guenn hing sich die Laterne an den Arm und übernahm das Steuer. Es schien fast ein Ding der Unmöglichkeit, vom Lande abzustoßen; immer und immer wieder wurden sie nach dem Loch zurückgeworfen, fast bis zu dem düster beleuchteten einzigen Fenster der Kapelle. , , c . Vom Fort der Cigogne stieg eine zweite Rakete auf — Thymert beugte das Haupt und sprach ein Stoßgebet zu unserer lieben Fran, dann warf er den Kopf stolz zuruck und sandte seine mächtige Stimme über die zürnenden Wogen. Als stehe der Mensch noch im vertranten Verkehr mit den Naturelementen wie zur grauen Heidenzeit, be- breiute er die Wasser: „Glaubt ihr denn", rief er, „daß ihr mich von ihm zurückhalten könnt — feilten Seelsorger Oon dem Sterbenden? Seid ihr zornig, weil er euch nicht zum Opfer gefallen ist? Gewiß, der arme Jean wäre weit lieber ans offener See gestorben, als daheim auf seinem Lager. Aber die heilige Jungfrau hat es anders beschlossen. Laßt mich hinüber, sage ich euch!" Kantor hörte ihm mit stummem Entzücken zu. Tie urwüchsige Natur des starken Mannes schien sich unter der gewaltigen Erregung voll ausleben zu wollen; er schalt, er trotzte den Wogen, er suchte sie zu besänftigen, als seien es wilde Gesellen, die sich seinem Vorhaben widersetzten. Nach hartem Kampfe mit den Sturzwellen war das Boot endlich in eine ruhigere Strömung gebracht. Ein schweres Stück Arbeit! Aber die beiden Männer waren kräftig und gewandt, und Thymert kannte den Wasserweg wie der LandMann seine Felder. An der Cigogne auge- langt, wollte ihnen das Landen durchaus nicht glucken, bis sie zuletzt heftig auf den Sand geschleudert wurden, wo ein Dutzend hilfbereite Arme sich ihnen entgegenstreckten, um das Boot vollends ans Ufer zu ziehen, ehe die nächste Welle es wieder zurückschleudern konnte. „Gott sei Dank, monsieur le rteteur, daß Sie endlich da sind. Es geht schnell mit ihm zu Ende", bemerkte einer bex bedeute. Die ärmliche Fischerhütte ivar überfüllt von Jeans Freunden und Bekannten. Sein Hund stieß unablässig ein W 642 klägliches Geheul ans. Thhmert bückte sich und trat durch die Tür. Mit einem stummen Gruß für die Umstehenden, näherte er sich dem Lager des Sterbenden, sah ihm lange schweigend ins Gesicht und fühlte seinen Puls: „Kennt Ihr mich, Jean?" fragte er. Jean öffnete mühsam die schon halb erstarrten Augen. „Ich kenne Euch", flüsterten die bleichen Lippen. Ter Priester bedeutete den Anwesenden, das Zimmer zu verlassen. Ueber das Bett gebeugt, nahm er alsdann des alten Mannes letzte Beichte entgegen, zärtlich bemüht, das schwache Gedächtnis und die brechende Stimme zu unter» stützen. Draußen brüllte der Sturm und jedes Ohr lauschte ängstlich auf das Rolleu und Rasseln der brouette de la mort, die nach dem Volksglauben von Totengerippen gezogen, auf Sturmesflügeln die Insel umkreiste, und auf die Seele des sterbenden Mannes wartete. Schnell vollzog der Priester die letzten, von der Kirche verordneten Bräuche; aus dem Kästchen auf seiner Brust nahm er das heilige Oel und das Sakrament. Die Freunde hatten sich wieder ins Zimmer geschlichen, Hamor lehnte an der Tür und blickte auf Thhmert, der sich wie ein mitleidiger Engel über den alten Jean beugte; doch lag in seinen bewegten Blicken so viel rein menschliches Leid und Mitgefühl, wie es ein Engel Gottes nicht hätte haben können. Die Lichter flackerten unruhig, und der Hund hörte nicht auf, zu wtn- selu. Jeans alte Frau und ein paar andere Weiber schluchzten und jammerten. Seltsame Schatten glitten durch das dämmerige Zimmer, sie huschten auch! über das roh in Holz geschnitzte hölzerne Schiff, das an der Wand hing und über die zwei großen Seemuscheln, die Jean vor fünfzig Jahren mit aus Indien gebracht hatte. „Oh, daß ich Dich retten könnte, Dir meine Jugend und Kraft geben, mein armer alter Jean!" klagte Thhmert Über den Sterbenden gebeugt. Er liebte jeden Bewohner seiner Inseln, würde für jeden von ihnen freudig sein Leben dahingegeben haben. Hier aber war seine Macht zu Ende, auch er hörte das Rauschen der brouette über der niederen Fischerhütte. Jean öffnete die Augen, ein schwacher Schimmer von zurückkehrendem Bewußtsein lag darin. Thymert beugte sich tiefer zu ihm herab. „Auf der See", stammelten die bleichen Lippen. „Er möchte lieber zur See, als hier in der Hütte sterben, wer Ittnter uns teilte diesen Wünsch nicht?" dachte der Priester. „Aber sie kommen int Sturm, um Dich zu holen", sagte er laut und deutlich, „im Sturm Jean, im Sturm!" Ein heftiger Windstoß erschütterte das Haus. Jean schien zu lauschen, ob der Sturm, der Genosse seines freien Schifferlebens, gekommen sei, ihn zu holen; der Gedanke schien ihm tröstlich aber es war nur ein letztes Aufflackern der Lebenskraft, dann schwand ihm das Bewußtsein. Der müde Finger begann nochmals sein schwaches Tick—tack, die Lippen blieben geschlossen. Voll zärtlichen Mitleids nahm Thhmert die arme, schwielige Hand, fühlte ihren matten Pnlsfchlag und legte die Hand faust auf die Brust des Greises. „Ruhe in Frieden, mein Bruder", flüsterte er leise. Die Hand lag still; für den alten Jean gab es weder Zeit noch Stunde mehr. Gnenn lehnte an der Wand, mühsam ihre Bewegung bemeisternd, ihr war, als wollte ihr das Herz brechen. Das Licht fiel auf Hamors Gesicht in der Tür, aber selbst das vermochte ihren Kummer um den alten Fischer nicht zu lindern, nicht die Empörung ihres Innern gegen das Geheimnis von Schmerz und Tod zu beschwichtigen. „Warum muß es so sein!" dachte sie mit Widerstreben, „und wenn er auch im Himmel glücklich wird, weshalb muh das Scheiden so schrecklich schwer sein?" Thhmert's Augen suchten die ihren, sie trat zu ihm heran. „Hast Du schon je einen Menschen sterben sehen?" flüsterte er sanft. „Nein", antwortete sie schaudernd. Noch immer hob und senkte sich Jeans Brust. „Auch das muß man sehen", sagte er feierlich. Sein mitleidsvolles Herz drängte ihn, seinem armen Fischervolk T,rost und Zuspruch zu, spenden; schön seine bloße Gegenwart beruhigte die trauernde Familie. Neben der rührendsten Liebe und Hilfsbereitschaft lag eine folche Größe und Hoheit in seinem Wesen, daß Hamor aufs tiefste davon ergriffen wurde. „Unser Pfarrer ist ein Engel", sagte einer der rauhen Männer, die an der Türe standen. „Jeans Seele kaust leicht von hinnen scheiden, da der eure bei ihm ist. Seht nur, er hat gar keinen Todeskampf!" „Ich habe heute die Rauchprobe gemacht", murmelte ein anderer. „Er stieg jedesmal kerzengerade in die Höhe, Mir ist nicht bange um Jean. Seine Seele geht zu Gott." „Jean war ein braver Bursche, da ist's ganz natürlich!, daß der Rauch auf steigt. Was sollte der Satan auch mit der Seele eines wackeren bretagnischen Seemanns aiifangest? Die heilige Jungfrau erbarme sich seiner!" Jeans jüngstes Enkelkind zupfte weinend an Guenns Schürze. Das kleine Ding fühlte sich, verlassen und Gnenn nahm es mitleidig auf den Arm. Es war gan zjerstarrt vor Frost und Nässe, denn es hatte art der Tür gekauert, durch die der Regen unbehindert eindrang. Das junge Mädchen drückte das arme kleine Wesen an sich, es sorgfältig mit dem Tuch umhüllend. In der behaglichen Wärme sank das Kind bald in tiefen Schlaf und Gnenn wagte kaum, sich zu rühren, aus Furcht, es zu weckeit. Es war so tröstlich das Kinderhändchen und das müde Köpfchen auf ihrer Schulter zu fühlen; Jean war zwar tot, aber sein Enkelkind lag an ihrem Herzen, und ein hell beleuchtetes, liebes Antlitz an der Tür lächelte freundlich! auf sie herab; die Welt erschien ihr schjon weniger hart und grausam. Nachdem die Sterbegebete für die abgeschiedene Seele beendet waren, wandte sich Thymert zu ihr: „Ich, werde die Fran des Sergeanten im Fort bitten, Mr für heute nacht ein Obdach zu gewähren", sagte er. „Aber ich möchte lieber mit Ihnen zurückkehren." „Nein, Du sollst bleiben", erwiderte er ernst. Seine Worte waren ruhig, doch bestimmt. Hier auf feinen öden Inseln, unter seinen Fischern, die ihn liebtest und verehrten, inmitten von Kümmer und Armut, Not und Tod, fühlte er sich als Herr und Meister. Hier wenigstens sollte ihm kein Fremdling dreinreden. Gnenn fügte sich schweigend. Hamor hatte die ganze Zeit über als stiller Beobachter dagestanden, mit Teilnahme und Verständnis war er jeder Bewegung des Priesters gefolgt. Er sah, wie Thymert die Kissen des Sterbenden glättete, wie er ihm die trockenen Lippen anfeuchtete, ihm fein edles Antlitz liebevoll zuneigte, wie er den Frauen andeutete, ruhiger zu fein, und dann wieder gespannt auf die geheimnisvollen Stimmen der Nacht und des Sturmes lauschte, und wie seine dunklest Augen die ihm anvertrauten Seelen zu suchen schienen/ voll des sehnlichsten Wunsches, für sie zu leiden, zu sterben, sich für sie aufzuopfern. Ein eisiger Sprühregen, scharf wie Hagelschauer, schlug ihnen entgegen, als sie die Hütte verließen. „Warum wollen Sie heute nacht noch hinüberfahren, monsieur le recteur", fragte ein alter Fischer, der ihnen! mit der Laterne hinab an den Strand leuchtete. „Unter jedem Dach würde man stolz darauf sein. Sie beherbergen zu dürfen." „Ihr wißt ja, daß sie in solchen wilden Nächten ruhelos sind", versetzte Thymert, den Mann ernsthaft anblickend. „Freilich wohl", erwiderte der alte Bursche verständnisvoll, „auch wunderts mich! nicht." „Wenn ich bei ihnen auf dem Friedhof bin und ein Gebet für ihre iawmen Seelen spreche, sind sie doch nicht so ganz allein. Ich verlasse sie niemals in so schlimmen Nächsten. Gott schenke ihren Seelen die ewige Ruhe!" „Amen", fügte der Fischer hinzu, sich andächtig bekreuzend. Jeans Hund war jetzt ruhig, und die brouette de la mort war mit der geschiedenen Seele vorübergezogen. Der Wind blies Guenn den Wellenschaum scharf ins Gesicht; sie stand ganz durchnäßt da, um zuzusehen, wie man das Boot flott machte. „Bleiben Sie doch auch hier, Monsieur", wandte sich Thhmert zu Hamor. „Sie brauchen durchaus nicht mitzukommen." „Doch, dochj", rief Hamor eifrig. „Ob wir schwimmen ober versinken, ich gehe mit Ihnen." Der Priester winkte mit der Hand, als ergäbe er sich leidend ins Unvermeidliche, und bestieg mit Hamor das Boot. „Gute Nacht, gute Nacht", erscholl es aus den rauhen Kehlen der Fischersleute, „die heilige Jungfrau geleite Euch ÄLÄ HM" 643 „Gute Nacht!" rief auch Guenns frische Stimme. „Laufe schnell zurück, Guenn", befahl Thymert, „Du bist ja ganz naß. Gute Nacht Kind, schlafe wohl." Das Boot hob sich auf den brandenden Wogen; schon im nächsten Augenblick war es in der Dunkelbeit verschwunden. (Fortsetzung folgt.) Knegserkeörriffe aus dem Kekdzuge 1870/71. Fortsetzung. Tie Stadt Orleans wurde in der Nacht auf den 5. Dezember von den deutschen Truppen besetzt, die damit nach langwierigen und schweren Kämpfen wieder diesen Stützpunkt an der Loire in Händen hatten. Am Morgen des 5. Dezember fand an dem Denkmal der Jungfrau boy, Orleans vor dem General von Manstein erne Parade der Truppen seines Korps statt. In Orleans wurden Quartiere bezogen, die sich diesmal durch großen Komfort auszeichneten. Am 6. Dezember würde die Verfolgung des Feindes begonnen. Das Gießener Regiment hatte den Wald nördlich von Orleans nach versprengten Franzosen zu durchstreifen, wobei ihm u. a. ein riesiger Turkos, Achmed, in die Hände fiel. Hauptmann Leiß von der 7. Kompagnie erwirkte sich dre Erlaubnis, ihn bei sich behalten zu dürfen, und Achmed zog iertdem immer mit dem Gießener Regiment, bis er auf dem Rückmärsche in Troyes verschwand. Vom 7 bis 11. Dezember war das Regiment in Orleans einquartiert, und am 11. bekam es den Be" ufer abzurttcken, um sich mit t„ marschiert war, zu vereinigen. Beim Ausmarsch aus Or- leans begegnete das Regiment Leutnant Neßling vom 4. Hess. Infanterie-Regiment, der sechs in Schloß Chambord eroberte Geschütze nach Darmstadt zu bringen hatte. Am Abend des 11. bezog das Regiment in Lailly, das von den Bayern stark zerschossen und zum großen Teil abgebrannt war, Quartiere. Am folgenden Tage kain die 7 Kompagnie nach Nozieux, wo Feldwebel Bruchhäuser bei einem Küfermeister einquartiert wurde. Die Bewohner hatten große Angst vor den Deutschen, der Küfermeister hatte sogar seine Frau in eine nicht von unfern Truppen besetzte Gebend verbracht. Da die Franzosen aber sahen, day ihre Befürchtungen grundlos waren, wurden sie bald zutraulicher und zuvorkommend gegen die Truppen. Ein heiteres Erlebnis hatte der Feldwebel in der Nacht: als er mit einem Kameraden in einem Bette lag, kam auch der Küfermeister und legte sich noch zwischen beide, aus Bescheidenheit aber mit dem Kopf an das Fußende des Bettes. Man ließ ihn gewähren, aber ein Zwischenfall, wie in Fritz Reuter's Reis' nach Bclligen, kam hier nicht vor.E Später iin Februar kam das Regiment wieder durch Nozreux, und jetzt hatte auch der Küfermeister seine Frau ^t^er „ zuruckgeholt, und begrüßte mit ihr Feldwebel Bruchhauser aufs freundlichste. Bei Blois marschierte das Regiment über die von den Franzosen zerstörte, von den Pionieren aber wieder hergestellte Brücke der Loire, in der Richtung auf Le Mans Am 16. mußte des 9. Armeekorps aber wieder in Eilmärschen nach Orleans zurück, weil die Stadt von Osten her vvil feindlichen Streitkräften bedroht wurde. Am 17 gelangte das Regiment nach La Chapelle, einer Vorstadt von Orleans, wo es mehrere Tage verblieb. Hier wurde me große Pauke erobert, die sich noch jetzt beim Regiment rm Gebrauch befindet. In diesen Tagen kamen die bei Le Mans aesangc ~ nach Deutschland. Xe Mans gefangenen Franzosen vorüber, auf dem Marsche nach Deutschland. , Ihre Kleidung, besonders das Schuhwert befand sich in einem trostlosen Zustande. Viele Gefangene gingen. trotz, der winterlichen Kälte barfuß. _ Br. Erkundigung der östlich von Orleans stehenden Streitkräfte wurde am 20. Dezember das Detachement des Generals von Rantzau, bestehend aus dem 2. Infanterie- Regiment, 2. Reiter-Regiment und der reitenden Batterie der Hess. Division, nach Montargis beordert. Am 22. wurde Montargis erreicht und dort Quartiere bezogen. Feldwebel Bruchhauser hatte einen Quartierwirt, dessen Groß- vater aus Darmstadt stammte. In Montargis hofften die Soldaten die Wethnachtsfeiertage in Ruhe verleben zu können, aber schon am ersten Feiertage mußten sie bei grimmiger Kalte nach Briare marschieren, da die Meldung Orleans einquartiert, 'fehl, nach dein linken Loire- der Division, die nach Blois eintraf, daß diese Stadt vom Feinde besetzt sei. Die Kälte war so stark, daß den Soldaten unterwegs das Brot gefror. Am Abend wurde La Bussiere erreicht, wo Quartiere 6e» zogen und Feldwachen ausgestellt wurden. Am zweiten Feiertage kam das Regiment nach Briare und wurde dort einquartiert. In Briare, einem Städtchen von einiges Tausend Einwohnern, befand sich eine große Knopffabrih deren Direktor ein Hesse, mit Namen Maurer, aus Darmstadt war. Die 7. Kompagnie wurde am 28. von Briare nach Gien, weiter unterhalb der Loire, abkommandiert, um die dortige Telegraphenstation vor feindlichen An« griffen zu sichern, und die gesprengte Loirebrücke zu überwachen. Die Bewohner in Gien verhielten sich gegen die deutschen Truppen ziemlich feindselig; in den Straßen waren überall Barrikaden errichtet. Da der Unterpräfekt sich weigerte, die Barrikaden beseitigen zu lassen, wurde sein Schloß am Abend von der 7. Kompagnie 2. Hess. Regts. umstellt und er selbst von Oberleutnant Metzler, gerade als er mit seiner Familie bet Tee saß, verhaftet. Mit etwa 30 Gefangenen wurde er am folgenden Tage nach Orleans an Prinz Ludwig von Hessen abgeliefert. Die Tätigkeit der 7. Kompagnie bestand in Gien hauptsächlich im Patrouillendienst an der Loire und in der Umgegend. Das jenseitige, linke Ufer der Loire war stark mit Franktireurs besetzt, die häufig nach den deutschen Truppen schossen. Bei einem solchen Patrouillengang erhielt Sergeant Mellor einen Schuß in den Unterleib, während gleichzeitig noch ein Musketier leichter verwundet wurde. In der Umgegend von Gien befanden sich viele Windmühlen, mit beiten die Franzosen von den Bewegungen der deutschen Truppen Kenntnis gaben. War ein größerer Trupp deutscher Soldaten in der Nähe, dann gingen die Windmühlen immer sehr rasch. Sie wurden daher später niedergebrannt. Auch die Kirchenglocken wurden häufig dazu benutzt, den französischen Streitkräften Kenntnis von unseren Truppenbewegungen zu geben, indem beim Annähern der Deutschen Sturm geläutet wurde. Hauptmann Buff von der Leibkompagnie überraschte einmal einige Zivilisten beim Sturmläuten und trieb sie mit dem Glockenseil aus dem Kirchturme. Am 31. Dezember wurde das Detachement von Rantzau bei Briare von überlegenen feindlichen Streitkräften angegriffen, konnte aber den Ort behaupten. Bei diesem Gefechte wurde Hauptmann Weber von der 2. Kompagnie getötet; am folgenden Tage fand man seine Leiche verstümmelt und ausgeplündert vor. Da in Gien das Landwehr-Bataillon Detmold eingetroffen war, so konnte am 1. Januar die 7. Kompagnie zur Unterstützung des Detachements nach Briare abrücken. Die Franzosen unternahmen an diesem Tage wieder einen Angriff und suchten dem Detachement den Rückzug nach Gien ab- znschneiden, was ihnen aber nicht gelang. Die 7. Kompagnie wurde auf der nördlich nach Montargis führenden Straße bis zu einer Barrikade vorgeschoben, um gemeinsam mit anderen Abteilungen den Feind zurückzuhalten, während sich das Detachement unter ihrem Schutze auf der Straße nach Gien zurückzog. Da die Franzosen einen neuen Vorstoß unternahmen, und die 7. Kompagnie hart bedrängten, so unternahm Major Hoffmann mit der 4. und zwei Zügen von der 7. Kompagnie einen Angriff auf der Straße nach Montargis, und westlich davon, sodaß das Detachement nach Gien zu abziehen konnte. Nur ein Zug der 7. Kompagnie, bei der sich auch Herr Bruchhäuser befand, hielt unter dem Kommando des Vizefeldwebels der Reserve Hessig die Barrikade auf der Straße nach Montargis besetzt, da er keinen Befehl zum Rückzüge erhalten hatte. Da von den Truppen des Detachements nichts mehr zu sehen war, schickte Bizefeldwebel Hessig eine Patrouille, geführt von dem Gefreiten Weeg, der sich freiwillig hierzu gemeldet hatte, nach dem Bahnhof von Briare, um zu erfahren, ob sich dort noch die deutsche Telegraphenstation befand. Diese war aber nicht mehr hier, und als die Patrouille das Bahnhofsgebäude verließ, drangen schon die feindlichen Truppen in Massen aus Briare. Der Zug trat jetzt den Rückzug an und ging rottenweise an dem Raine der Straße nach Montargis immer noch feuernd bis zum Bahnhofe von Briare zurück, und von da unter Avant- und Arrisregarde nach Gien zu. Kurz vor Gien erhielt der Zug noch Feuer vom linken User der Loire, doch wurde niemand verwundet. Gleich darauf kam die Detmold-Landwehr aus Gien, um den Borpostendienst zu übernehmen. In Gien hatte man bereits den Zug gefangen geglaubt und für 644 Feldwebel Bruchhäuser schon einen Nachfolger für die 7. Kompagnie in Aussicht genommen. Die Franzosen räumten am Nachmittag des 3. Januar Briare, das am folgenden Tage wieder von den Truppen des Detachements von Rantzau besetzt wurde. Die 7. Kompagnie wurde am 6. nach G-ien zurückgesandt, um au Stelle "des nach Orleans abmarschierenden Landwehr-Bataillons Detmold die Bewachung der Loire-Brücke zu übernehmen. Hier blieb die Kompagnie bis zum 14. Die Tätigkeit bestand wieder zumeist im Pa- troillendienst. Während dieser Zeit starb in Gien ein früher verwundeter französischer Offizier, der von der Kompagnie mit militärischen Ehren beerdigt wurde. Am 14. Januar wurde das Detachement in Briare, wiederum von überlegenen Streitkräften, angegriffen. Der Feind war bereits bis zur Straße nach Gien vorgegangen, um dem Detachement den Rückzug an der Loire abwärts abzuschneiden. Bei einem Durchbruchsversuche einiger Mkadrons 2. Hess. Reiterregiments fand Major van der Hoop den Tod. Trotz der großen Nebermacht der Franzosen gelang es dem Detachement, begünstigt durch einen sehr dichten Nebel, doch, sich durch einen allgemeinen Sturmangriff durchzuschlagen, und nicht einmal ein Bagagewagen fiel in die Hände des Feindes, es wurde sogar eine Anzahl Franzosen zu Ge- saugeneii gemacht. Es ging über Giens, das wegen seiner ungünstigen Lage nicht gehalten werden konnte, bis Auzoues an der Loire zurück. An demselben Tage war von der 7. Kompagnie eine von dem Unteroffizier Kranz geführte Patrouille nach den nördlich timt Gien gelegenen Wäldern gesandt worden, die aber bei ihrer Rückkehr Gien von den Franzosen besetzt fand und gefangen genommen wurde. In den nächsten Tagen fanden noch verschiedene Aufklärungsgefechte statt, doch zog sich der Feind bald wieder liber Gien und Briare nach Süden zurück. Fortsetzung folgt. Vsvmrsehtes. Ueber die er st en Militär st udien Gustav von Mosers — des dahingeschiedenen Lustspieldichters, plaudert Rudolf v. Go t t, ch a l l in seinen Erinnerungen. Gottschall erzählt, wie er als Freiwilliger beim Garde- Schützenbataillon in der Kaserne „fast am Ende der unabsehbar langen Köpenicker Straße, nicht allzuweit vom Schlesischen Tor" im Jahre 1844 diente und berichtet dann: „Ein sehr junger Leutnant, der aber nicht bei meiner Kompagnie stand, überraschte mich durch feilte literarischen Kenntnisse und Neigungen, umsomehr als er erst vor nicht sehr langer Zeit das Kadettenhaus verlassen hatte. Auch als Leibpage des Prinzen Wilhelm von Preußen hatte er kaum derartige Anregungen erhalten; doch er kannte die jungdeutschen Autoren und sprach mit mir über Gutzkow und Mundt manches verständige Wort. Auch für Frau Birch uud die Theaterschriftsteller interessierte er sich lebhaft. Damals hätte ihm wohl niemand angesehen, daß er einer der bekanntesten und beliebtesten Lustspieldichter werden würde. Es war Gustav ti. Moser — und ich habe ihn im Verdacht, daß er die int „Veilchenfresser" verwerteten Studien auf dem Kasernenhof der Köpenicker Straße gemacht und daß ihm bei dem Bild des Einjährig-Freiwilligen Referendarius ti. Feld dieser oder jener von uns tiorgeschwebt hat. Besonders anfangs mögen wir uns in den Uniformen ziemlich linkisch benommen haben, und die naiven Darsteller des kurzsichtigen Referendarius hätten vielleicht an uns geeignete Vorbilder gehabt." * Fürstinnen in Uniformen. Gelegentlich des Besuches, den die Königin-Mutter Margueritha von Italien dem Kurhessischen Jägerbataillon Nr. 11, dessen Chef sie ist vor kurzem in Marb,urg abstattete, trug sie den grünen Wasfenrock mit den Stabsoffiziers- achselftücken und hatte hierzu die Schärpe angelegt. Die linke Seite des hohen schwarzen Federhutes schmückte der Helmadler. In ähnlicher Weise erscheinen auch die anderen weiblichen Chefs deutscher Regimenter bei feierlichen Gelegenheiten. Einige timt ihnen, besonders die jüngeren, wählen als Kopfbedeckung den Helm und legen, falls das Regiment einen solchen besitzt, den Haarbusch an. Auch Stabsoffiziersepauletts werden bisweilen getragen. Die Kaiserin wählt zum weißen Kleide den weißen Köller ver Königin-Kürassiere mit Stulpenhandschuhen, Statt des Helmes trägt sie den weißen Filzhut mit auf- geschlagener Krempe und mit weißen Federn garnierst In früheren Zeiten erschien die Kaiserin eine zeitlang im schwarzen Filzhut (Dreimaster) des früheren Dragonerregiments Bayreuth mit Agraffe, Federstutz und preußischer Kokarde. Die verewigte Kaiserin und Königin Viktoria trug als Chef des 2. Leib-Husarenregiments den silbertierschnürteu schwarzen Attila und die Pelzmütze mit der Reiherfeder. Dieselbe Uniformart legt die Königin Wilhelmina der Niederlande an, wenn sie ihr Hannoversches Husarenregiment Nr. 15 in Wandsbek besucht. * Das Plaidoy er des er st en weiblichen Rechts an w alts in Holland hatte unlängst ein zahlreiches Publikum, hauptsächlich Damen, nach dem Sitzungssaale des Appellations-Gerichtshofes im, Haag gelockt, und die Verhandlung war infolge der au dieser Stätte ungewöhnlichen Erscheinung einer Dame im Talare nicht frei von heiteren Zwischenfällen. Vor Gericht hatte sich! ein Arbeiter wegen Diebstahls zu tierantworten. Von der ersten Instanz verurteilt, mußte sich das Appellationsgericht mit der Angelegenheit befassen, da Revision eingelegt worden war. Dem Beklagten stand Fräulein timt Dorp als Rechts- beistand zur Seite. Der weibliche Rechtsanwalt präsentierte sich als junge, hübsche Dame mit vollem, blondem Haare und lebhaften Gesichtszügen. Sie verstand die Robe mit Eleganz zu tragen, und ein Pincenez gab ihrem ganzen Aussehen eine gewisse Würde. Der Präsident wußte sich anscheinend in die neuen Verhältnisse gar nicht zu finden. Er titulierte unter der Heiterkeit des Auditoriums den Verteidiger bald „Fräulein timt Dorp", bald „Herr Rechtsanwalt", um sich schnell in „Fräulein Rechtsanwalt" zu verbessern. Fräulein timt Dorp beteiligte sich sehr lebhaft an den Vernehmungen, stellte viel Fragen an die Zeugest und trat in ihren Ausführungen mit großem Feuer für die Freisprechung ihres Klienten ein. Wer ihr begeistertes Plaidoyer blieb ohne Erfolg. Der Appellations-Gerichtshof kam ebenso wie der Vorderrichter zu einer Verurteilung des An gesagten. Kumoristisches. Vor dem Le ip zig er Go e th ed e n km al. „Heeren Se, wer is denn das dort oben?" — „Das is Geehde, e frieherev Leibz'ger Studente. '■ — „Warum Ham Se denn den e Denkmal gesetzt?'« —, Ja, das gann ich Sie wirklich nich sagen." — „Na, vielleicht hat er der Stadt was vermacht?" — „E Studente — un was vermacht? Eutschuld'gest Se, Sie sinn wohl nich aus Leibz'g?" Bilderrätsel. (Auflösung in nächster Nummer.) Ä w Auflösung des Silbenrätsels in vor. Nr.: z Napoleon = Q Opernmelodie ® F* Topas -» ö B erberer — 1 Rakete “ ■M Idiot *' o Cannabich -= Redaktion: Auaust Götz. — Rotationsdruck und Tcrlog der Brübl'schen UuiversttätS-Tuch- und Cteindruücrei. R. Lange, Gasten.