Montag den 80. März. IW ■Salate. M W |u| Hl r\ 1903. — Nr. 48. \ - 1 ' (Nachdruck verboten.) Das Gasthaus am Strande. Roman in zwei Bänden von Florence Warden. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen. (Fortsetzung.) Und tinmütig lenkten sie ihre Schritte der Stimme zu; und nachdem sie über einen Pfahlzaun gestiegen waren, jenseits eine Schar Hühner aufgescheucht und sich einen Weg durch das üppige wilde Gras längs des Flusses gebahnt hatten, wo die Boote lagen, welche die Vergnügungsreisenden nach Fleet-Castle brachten, stießen sie auf einen hölzernen Schuppen, einen starken Pechgeruch und zwei menschliche Gestalten. Die eine war Jordan, ohne Rock, den Strohhut weit zurückgeschoben, den Borstenpinsel mit Teer in der einen Hand, eine Zinnkanne in der andern, ganz vertieft in die bescheidene, aber nützliche Aufgabe, den Kuhstall mit Pech zu beschmieren. Seine Freunde aber gönnten ihm kaum einen Blick; es war die andere Gestalt, die ihre Sehkraft völlig in Anspruch nahm. Ein schlankes Mädchen mit einer weißen baumwollenen Bluse und einem ungeheuren Strohhut — das war die Nell, die die Zeit der Hälfte der jungen Leute von Stroan vergeudete und die Zeit der Hälfte der jungen Männer von London vergeudet haben würde, wenn diese Iie nur einmal gesehen hätten. Sie war eine Schönheit »es reinen sächsischen Typus mit der undurchsichtigen weißen Haut, die von der Sonne nicht verbrannt oder rot gefärbt wird, mit rosigen Wangen, einem leicht aufgeworfenen Kindermund und mit blauen Augen, die einem jungen Mann den Atem versetzten. Ihr Haar war seit der Kindheit vom hellsten Blond immer dunkler geworden und war jetzt von einer lichten bronzenen Farbe. Ihrem Wesen war sowohl eine Feinheit als eine Zurückhaltung eigen, die nicht verfehlen konnten, einen Fremden, der sie in diesen sonderbaren Verhältnissen fand, in Erstaunen zu setzen. Sie bemerkte die neuen Ankömmlinge lange, ehe der arme Jordan es tat, und sie verfolgte ihre Annäherung mit den Augen, während der unglückliche Künstler sich an seiner unrühmlichen Aufgabe abmühte. Vielleicht hatte das Mädchen die drei jungen Leute schon zusammen gesehen; vielleicht war es nur die den Frauen eigene Raschheit des Urteils, das sie den. richtigen Schluß ziehen ließ. „Ich glaube, dort kommen ein paar Ihrer Freunde", sagte sie mit einer so feinen Stimme, als es ihr Erscheinen und ihr Benehmen waren. Der arme Willie fuhr erschrocken zurück, stolperte dabei über den unebenen Boden und zeigte ihren Blicken ein überaus rotes, von Schweiß bedecktes Gesicht. Sie beachteten ihn jedoch nicht. Leichten Schrittes über den höckerigen Boden gehend, wunderbar frisch, reinlich nett und sorgfältig gekleidet, neben dem besudelten und schwitzende» Willie aussehend, warfen sie mit halbgeschlossenen Augen die Köpfe zurück und fingen an, das Werk, das sie vor sich hatten, mit so viel Liebe und Gewissenhaftigkeit zu mustern, als ob es ein Gemälde an den Wänden der neuen Galerie, gewesen wäre. „Hör einmal, alter Junge, es ist wirklich das Allerbeste was Du jemals gemacht hast!" fing Otto mit wohlwollender Bewunderung an. „Bei Gott, Jordan, ich hätte nimmer gedacht, daß DH so etwas malen könntest", fügte Clifford hinzu. „Welch breiter Strich und zugleich welck feines Gefühl für SSlr’? ung, was einen unermeßlichen Fortschritt gegen Deine früheren Arbeiten zeigt. Du scheinst, sozusagen. Deine ~ Stärke hineingelegt zu haben. Es gereicht Dir in hie Maße zur Ehre — nein, wirklich, das tuts, alter Junj „Auch liegt Bedeutung darin! Und das ist es gerade was Dir bisher immer fehlte." Zum ungeheuren Verdrusse Willies bereiteten diese merkungen der schönen Nell sichtbar Vergnügen, und ob schon ein Gefühl willfähriger Dankbarkeit gegen ihr schmähten Bewunderer sie versuchen ließ, ihre Lu> - zu beherrschen, sah Clifford doch in ihren blauen Augen eit Fröhlichkeit, die darum nicht schwächer war, weil ih?, äußerer Ausdruck niedergehalten wurde. „Es ist leicht, sich lustig zu machen", murrte Willi- hitzig. „Vielleicht versuchet Ihr Euch gern selbst in ■ ; Arbeit." „Nein, alter Junge, wir würden es nie zu dieser Lieftz der Farbe bringen", sagte Otto, sich an des Künstler» e hitztem, hochrotem Gesicht ruhig weidend. „Es gehört eine natürliche Geschicklichkeit zu dies Ar? Dingen", fügte Clifford hinzu. „Nun, so könnt Ihr Eurer Wege gehen, wenn ihr mich! Besseres zu tun wißt, als das zu bespötteln, was ihr, sell zu tun, nicht den Mut habt", sagte Willie scharf. „Wir bespötteln os nicht, wir drücken Bewundr aus", erwiderte Otto. „Und wir sind völlig bereit, unsere Hand auch zu versuchen", sagte Clifford bei einem plötzlichen Au von Willenskraft, der seinem Wunsche, in der Nähe zu verweilen, entsprang, warf seinen Rock ab und such sich des Borstenpinsels mit Gewalt zu bemächtigen. Willie widersetzte sich jedoch, bis der Gegenstand dieses sonderbaren Diensteifers sich ins Mittel schlug. „Wenn Sie wirklich so erfüllt von Wissensdrang sind, daß Sie ihm Luft machen müssen", sagte sie mit einer Stimme, die voll der sittsamsten Fröhlichkeit war, „so könnten Sie mir helfen, diese Boote da ans Land zu ziehen." Und sie blickte auf zwei der kleinen Luftschiffe hin, dre beide augenscheinlich Schaden erlitten hatten, wie das in sie eingedrungene Wasser bezeugte. Clifford setzte sich sofort mit Eifer aüs Werk, und eI 190 sich gelang ihm, nicht ohne Schwierigkeit, die Boote ans schlüpfrige Ufer zu bringen. Es war eilte harte Arbeit, und da Otto Eonhbeare sich nicht erbot, ihn dabei zu unterstützen, so bedurfte es einer langen Zeit, ehe er, zuerst, indem er mit einer alten Gelte das Wasser aus den Booten schöpfte, sie aber dann etwas auf die Seite legte, um sie vollends zu leeren, die Arbeit glücklich zu stände brachte. Als er schließlich den Kopf mit einem tiefem Aufatnieu der Befriedigung erhob, sah er unten im Fluß ein verwittertes altes Boot, in dem ein junger Fischer, nicht der theatralischen, sondern der realistischen Art, in einem harten Filzhut, einer schmutzigen buntwolle- nen Jacke und einem Paar riesiger Seestiefeln saß, der ihn nut einer Miene betrachtete, in der Mitleid und Verachtung such mischten. „Sie weiß immer einen Dummkopf Herumzukriegen, der ihr die schmutzige Arbeit verrichtet", bemerkte er mit einem Rucken des Kopses in der Richtung auf die schöne Nell. „Und je bessere Kleider sie anhaben, desto lieber ist es ihr noch. O, sie ist eine abgefeimte Schönheit!" Am liegt es nicht in der menschlichen Natur, gern in i)er „Dummköpfe" geworfen zu werden, und Clifsord, der kaum noch ein tieferes Rot anftreiben konnte, als ihm die Anstreiigung schon in die Wangen getrieben hatte, versuchte vergeblich, eine Art philosophischen Gleichmuts zur Schau zu tragen. ,/Jch fürchte, Mann, daß Sie nicht die schuldige Achtung vor Frauen haben", sagte er, die Arme tief in den Rock hineinsteckend, weil er Lust verspürte, den Kerl in den Fluß tzn werfen. y - „Es verlangt mich nicht danach mir das Herz aus dem Leibe zu arbeiten und dafür keinen Dank zu ernten", entgegnete der Fischer. seiner angenommenen Selbstverleugnung fing Clhford an, sich wie ein Narr vorzukommen. Er blickte nach der Stelle, wo Nell neben dem Schuppen gestanden halte, und sah, daß sowohl sie wie feilte beiden Freunde ferschwunden waren. Der Fischer lachte höhnisch und steckte einer Miene der Befriedigung die Spitze einer alten Pfeife in den Mund. "2ch war ihr nicht modisch genug und danke meinem Men Sterne dafür, daß ich's nicht war; 's hat meinem Ziuckeit manch eine schwere Last zu tragen erspart." ^ Clifford fühlte sich befriedigt, da es beleidigtes Ehr- Wuhl gewesen war, seine Anträge zurückgewiesen zu fthen, was den Fischer bestimmt hatte, so verächtlich von ihr zu sprechen. Daher sagte er ohne Erregung: „Ich hätte gedacht, daß kem Mann Bedenken tragen würde, Männer- Arbeit zu verrichten, um die Hände einer Frau zu schonen." Der Fischer paffte einige Sekunden lang still aus seiner schmutzigen kleinen Pfeife vor sich hin. „Feine Worte das", sagte er endlich „Und vielleicht wärd ich von einigen Frauen dasselbe sagen. Doch nickt einer kleinen langfingerigen Dirne wegen, wie der da." Und wies boshaft mit dem Kopf nach dem „Blauen Löwen" In. ^.-/langfingerig!" rief Clifford nicht ohne Entrüstung. ^Wissen Sre, was Sie damit sagen?" „Sie würdv sicher sein, daß ich's wüßte! Nun, so «ragen Sie doch die Leute hier herum, was für einen Ruf der „Blaue Lowe" bekommen hat, seit die junge Miß darin haust. Fragen Sie, ob das Haus noch so ehrlich ist, um die «acht darin zuzubringen, wenn man Geld bei sich hat. Fragen Sie das, und bringen Sie dann zwei und zwei zusammen, wie ich es tue und jedermann es hier tut )er da weiß, was der Ort war, ehe fie kam, und was er jetzt ist!" Clifsord fröstelte unter der heißen Septembernach- mittagssonne, als dieser Strom von Anschuldigungen an semem Ohr vorüberrauschte, und sah an der Leidenschaft im Gesichte des jungen Fischers, daß es ihm ernst damit war. Ehe er antworten konnte, schreckte ihn Nells süße Stimme auf, die ihn anredete. 2. Kapitel. Eine Nacht im Ga st Hause. „Ich bin Ihnen so dankbar, so überaus dankbar." Clifford sah sich um und erblickte die schöne Nell Claris neben den Booten, die er nach ihrer Anweisung ans Land gezogen hatte. „Ich fürchte, daß es Ihnen viel Mühe gemacht haben muß. Wasser. Eines von ihnen war, wie ich weiß, fcust ganz Volk „Nun ;a, es war nicht so leicht, sie heraufzubringen, weil das Ufer abschüssig und der Boden gerade hier recht schlupfrig ist. Ich bin aber sehr erfreut, im stände gewesen zu fein, Ihnen den kleinen Dienst zu erweisen." „Es war kein kleiner, es war ein großer Dienst", sagte Nell mit einem Blicke, der, wie Clifford fühlte, be- raufcheud war. In diesem Augenblicke vernahm er wie den Schall eines kurzen spöttischen Lachens, und als er sich mit raschem Erröten nach dem Flusse umwendete, sah er den Fischer mit einem Gesichte voll Schadenfreude gemächlich in feiner Schenke stromaufwärts nach Fleet-Castle hinfahren. Obschon es ihm etwas unbehaglich zu Mute war, war er doch froh, daß der Mann sich entfernt hatte. „Ihre Freunde sind zurück nach Stroan gegangen", sagte Nell, die auch ihrerseits ein wenig errötet war, als fie des Fischers verdächtiges Lachen hörte. „Ist das für mich ein Wink, ihrem Beispiel zu folgen?"■ „O wirklich nicht, nein. Mein Onkel sagte, als ich ihm mitteilte, was Sie für uns getan haben, daß ich Sie bitten möchte, hereinzukommen und eine Tasse Tee mit uns zu trinken. Wenn Sie sich nämlich herablassen wollten, die Einladung eines Gastwirts und feiner Nichte anzunehmen." Nell lächelte ein wenig, als sie diese Worte hinzu-, fügte, und die Art, wie fie fie vor brachte, ließ eine so herbe Auffassung der gesellschaftlichen Unterschiede bei iHv sichtbar werden, daß Clifford in der Meinung bestärkt wurde, das Mädchen befinde sich in diesem an der Straße liegenden Wirtshaus lächerlicherweise ganz außerhalb seiner eigenen geistigen Lebenslust. Er folgte ihr in ein winziges Wohnzimmer auf der Rückseite des Wirtshauses, wo der Onkel sich ihnen zu- gefellte, ein dicker, jovialer Mann mit einem runden, roten, treuherzigen Gesicht, der augenscheinlich seine Nichte sehr lieb hatte, obschon jedes Wort, das eins und das andere vorbrachte, den auffälligen Unterschied zu betonen fchien,. der zwischen beiden bestand. „Stolz, Sie kennen zu lernen, Sir", sagte George Claris, als ihm- Clifford die. Hand entgegenstreckte. „Ich bin stolz darauf, jeden zu Hennen, den meine Nell für wert hält, mit ihm Bekanntschaft zu machen. Sie ist wunderbar eigen, die Nell. Gott, was würde Ihr Freund, Mr. Jordan, für eine Einladung zum Tee hier wie diese gegeben haben! Nicht so, Nell?" Nell errötete und lenkte des Onkels Aufmerksamkeit auf seinen Tee, während sich Clifford, etwas überrascht, der Nachricht erfreute, daß er Jordan, selbst ohne Kampf, aus-, gestochen hätte. Nell ihrerseits klärte dies unverzüglich auf, nachdem ihr Onkel wegen Geschäften am Scheuktisch abgerufen wor> den war und die beiden jungen Leute beisammen allein saßen und durch die offene Glastür in den Garten hinter dem Gasthofe blickten. „Ich fürchte, Sie werden denken, daß ich Ihren Freund nicht eben gut behandelt habe, nachdem ich ihn doch veran-, laßte, jenen Schuppen für uns zu teeren", sagte sie mit einem hübschen Erröten der Wangen, indem sie auf das Tischtuch niederblickte und Clifford Gelegenheit gab, zu bemerken, daß ihre langen, goldbraunen Wimpern die schönsten wären, die er jemals gesehen hatte. „Ich fürchte nur, daß er es selbst denken wird", sagte Clifford mit erkünsteltem Ernst. „Auch ich sollte meinen, daß er nach einem sv schwierigen Werke eine Tasse Tee wirklich verdient hätte." Nell blickte beunruhigt auf, ihre blauen Augen waren vor Erregung noch glänzender und ihre Stimme war ernst und bebte. „Ach, Sie wissen ja nicht —" sagte sie rasch. „Ich bin nicht undankbar, aber ich bin in einer sehr schwierigen Lage, und ich muß vorsichtig in der Behandlung der Leute sein. Wissen Sie nicht selbst, daß sehr viele Männer, selbst Gent^ leinen — oder die sich so nennen, das Recht zu haben glauben, ein Mädchen, das in einem Gasthofe lebt, anders zu behandeln als andere Mädchen? Gewiß, Sie müssen das wissen." Clifford wurde rot, weil er erkannte, daß das Mädchen eine schwache Stelle der gesellschaftlichen Rüstung Willies durchschaut hatte. „Nun, aber —" — 191 - „O, Sie brauchen nicht „aber" zu sagen", unterbrach ihn Nell. „Sie wissen, daß es wahr ist. Nun, ich habe nichts gegen Ihren Freund einzuwenden; er ist sehr nett und sehr gutmütig, aber —" „Man muß ihn im Zügel halten?" sagte Clifford. „Ja. Ich behandle ihn, wie ich eine Menge dieser jungen Leute behandle, die von Stvoan herüberkommen, um sich hier müßig herumzutreiben — und wie ich auch Sie anfangs behandelte." Und sie warf ihm lächelnd einen Hübschen, etwas scheuen Blick zu, der Cliffords Herz schneller schlagen machte. „Ich stelle sie alle zur Arbeit an. Das schadet ihnen nicht und meinem Onkel ist es sehr vorteilhaft. Seit ich hier bin" — und sie erhob triumphierend den Kopf — „ist er im stände gewesen, ohne einen Mann, der auf Ordnung sieht, auszukommen." Clifford konnte sich nicht enthalten, zu lachen. „Wahrhaftig, Sie sind eine Mascotte, Sie bringen Glück, wohin Sie auch gehen", sagte er. „Ich möchte wirklich gern glauben, daß ich es Onkel George gebracht hätte", sagte das Mädchen. „Ich kann Ihnen sagen, denn jedermann weiß es, daß er sich gerade, ehe ich zu ihm zurückkam, am Rande des Bankerotts befand. Und jetzt", und sie warf Clifford einen Blick des Triumphes zu, „jetzt hat er ein anderes Stück Land und noch weitere zwei Kühe gekauft und die Ställe erweitert und überdies Geld in die Banik gelegt. Was sagen Sie dazu?" „Ich sage, daß er ein sehr glücklicher Mann ist, eine solche Nichte zu haben", sagte Clifford, mit jedem Augenblick mehr von des Mädchens ergötzlicher Mischung von Schlauheit und Unbefangenheit entzückt. (Fortsetzung folgt.) Vom Holzschliizer zum Milliardär. Ein Roman aus dem Leben. Der Held dieses Romans ist James I. Hill, Eigentümer von Eisenbahn- und Dampfschifflinien und ame- kanischer Multi-Millionär, ein Mann, dessen Name in der Newyorker Wallstreet in einem Atem mit dem Morgans, Vanderbilts und Rockefellers genannt wird. Im Jahre 1858 noch war er Holzschläger in Kanada, damals et« Zwanzigjähriger, aber er meinte, daß es irgendwo in den Vereinigten Staaten eine bessere Gelegenheit geben müßte, reich zu werden. Denn selbst in Amerika sammelt Man mit Baumfällen keine Reichtümer. James I. Hill war ein Schüler der Rockwoodschule. Einer höheren Ausbildung ist er nie teilhaftig geworden. Würde einem heute Zugang zu einem gewissen Raume der alten Rockwoodschule gestattet und auch, den fingerdicken Staub von einem der Schülerpulte abzuwischen, dann würde man auf dem Deckel dieses Pultes, tief ein- geschnitzt, den Namen „Jim Hill" finden. Der heutige Milliardär hatte sich dieses Vergehens schuldig gemacht, und wurde dafür von William Wethe- rald, dem gestrengen Schulmeister, nach dessen Privat- zrmmer zitiert. „Hill",, Hub der Gestrenge an, „haer Klageandvohung seitens ihres ehemaligen Bräutigams wegen Bruchs des Eheversprechens mit größter Gemütsruhe entgegensehen. Ebenso ist ein Mann auch durch fern Versprechen, ein Mädchen zu heiraten, nicht gebunden, wenn die Braut oder deren Angehörige ihn wissentlich über Vermögens- oder sonstige Verhältnisse getäuscht haben. 1 vermischtes, unge?diplomattsch^gchalten stnd^ Diese falschen^ Liebhaber Die Gerüche der Krankheiten. Aus Paris wird menien daß sie den auf Bruch des Eheversprechens stehenden berichtet: Eine merkwürdige Liste von Gerüchen, bte nach ©trafen entgehen können) wenn sie dem Mädchen nie einen der klinischen Erfahrung charakteristisch für verschiedene Brief geschrieben, ihm auch keinen Verlobungsring gegeben Krankheiten sind, giebt, Henri Noel meinem soeben ver- haben. In Wirklichkeit ist das in England ganz gleichgilttg. ösfentlichten Buche. Die tuberkulöse Bauchfellentzündung Das Eheversprechen braucht nicht einmal in Worten gegeben wird nach dem Verfasser durch einen Geruch bezeichnet, Tu sein, sondern es genügt, wenn das Verhalten des Be- der Moschus ähnell; Neuropathiker hauchen einen Geruch treffenden dem eines Verlobten entspricht. Wenn nun bei von Veilchen oder Ananas aus, Wechselfieber — Brot; ge- einent Eheversprechen einer der beiden Teile noch nicht das wöhnliches Fieber — Ammoniak; Pocken - schimmeliges mündige Alter erreicht hat — was ja außerordentlich häufig Brot; gasttisches Neber bei Kindern - Chloroform. vorkommt, so kann der Unmündige vom Verlöbnis zuruck- einigen dieser Fälle hat der deutliche Geruch zu einer: treten, ohne die Folgen fürchten zu müssen. Um die Ver- I genauen Diagnose der Krankheit geführt. lobung bindend zu machen, muß der oder die Betreffende Ei« gelöstes Problem. Er bat ste »meinen Kuß. ------ * !i *■ Sie runzelte nachdenklich die Stirn. „Ein Kuß , sagte fie* „ist ein Gefühlsausdruck. Ein Handkuß bedeutet Achtung, -- Kuß auf die Stirn ist das Zeichen der Freundschaft .... Kuß auf den Mund ist der Ausdruck für die beiden: ersteren Gefühle und mehr noch —. Da Sie mich bitten, so mögen Sie Ihre Gefühle durch einen Kuß aus- otüctcn __// Er zögerte. Aus Achtung und Freundschaft kann Liebe - „ .. ciun^.u v. g«. küh.'. wäre, so möchte sie —. Er selchn"nicht "erzwungen 'werden kann. Mir erscheint diese I zögerte immer noch Er sah vor sich nieder ins Gras und Bestimmung außerordentlich vernünftig; sie kennzeichnet mtt dachte schnell nach. Er versuchte, m g«n ^ankenzu Recht das Gewerbe der Heiratsvermittler als unmoralisch I lesen, um zu wissen, welche Art eines Kusses sie wünscht^ und des staatlichen Schutzes unwürdig. r I hörte ein Zwitschern, wie von vielen Vögeln und b ckte Auch über die bindende Kraft der Ehe, wenn solche auf. Sie pfiff leise, ^hr Hut war tief m die Stirn gesetzt an und für sich unter ungesetzlichen Umständen geschlossen und berührte fast die Augen, die Hande hatte sie tief m wird, macht uns der Advokat einige interessante Mitteil- die Taschen ihrer Jacke versenkt. Das Proölem war unaen. Viele glauben, daß die Heirat, wenn ein Mann gelöst! „ oder eine Frau unter falschem Namen die Ehe schließen, I Eine kurze Geschichte. „Mama, hörst Du gern Ge- unqiltig ist. Das ist nicht der Fall. Die Gerichtshöfe haben schichten?" . sogar eine Che für gütig erklärt, bei welcher im Aufgebot „Ich liebe wahre Geschichten, mein Kind ! nicht nur der Name der Frau (ohne ihr Wissen allerdings) | „Soll ich Dir eine wahre Geschichte erzählen-" falsch angegeben war, sondern auch das Alter und der Wohn- I „Ja." ort beider Teile. Selbst wenn eine Ehe durch einen nicht ordi- I „Aber vielleicht gefällt sie Dir nicht? lierten Geistlichen eingesegnet wird, ist sie bindend. Eine 1 „q ja, wenn Du sie recht nett erzählst." solche durch einen geistlichen Betrüger geschlossene Ehe ist I „Nun — ach, ich möchte sie lieber nicht erzählen, sie ebenso gütig, als ob der Erzbischof von Canterbury m „Es war einmal eine Wasserkaraffe —" -igener Person das Paar getraut hätte; es sei denn, daß I rQ ^z." beiden Teilen die mangelnde Qualifikation des angeblichen „Komm, Liebling, und fange an." Geistlichen bekannt gewesen und dies nachgewiesen werden „Schön, fahre fort." ■ oS. fann. In diesem Falle wurde die Ehe allerdings als nicht gestern machte ich sie entzwei, aber ich will es gütig erklärt werden. . „ I nie, nie wieder tun. Ich wills wirklich nicht wieder tuni Es wird viele überraschen, zu erfahren, daß etne mann- 1 Trt-Bits. j liche Person in Eiigland das heiratsfähige Alter schon mit | 14 Jahren erreicht und eine weibliche Person mit 12 Jahren. I Abstrichratsei. In diesem Alter können sie sich mit Einwilligung ihrer Machdruck verboten.) Eltern oder Vormünder rechtmäßig verheiraten. Diese Ein- I Mutter, Save, Kerl, Sporen, wüligung ist nötig, bis sie bas 21. Lebensjahr erreicht £ Sie werden auch gut daran tun, nicht ohne Erfüllung zwar so, daß. d«^R°sit dieser Formalität vor den Altar zu treten. Wenn sie, um PP 3 Auflösung in nächster Nummer.) die Formalität zu umgehen, eine falsche Erklärung abgeben, «-mn>pruw --- ' ' , etwa, daß sie schon mündig, oder daß ihre Eltern tot seien Auflösung der Schachaufgabe m Nr. 45 bezw. daß sie deren Einwilligung erhalten hätten, so können 1. LeG-d7, d4. 2. Db3f. — L . „ 2. >abf. sie recht wenig ideale Flitterwochen — im Gefängnis ver- s Lä4. 2. l-kstf-. — 1. , beliebig. 2. o2f-. — Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen UnwersttätS-Buch» und Steindruckerei ^Putsch Erben) in Gießen.