Frrilsg dea 30, Isnusr. n 1903. — Nr. 16 (Nachdruck verboten.) Eine verhängnisvolle Fahrt. Roman von B. M. Croker. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Nwina Vischer. (Fortsetzung.) 19. Kapitel. lieber den Sliev-na-Goilberg. Bon dem blassen Schein der Sterne geleitet, durch- querten die Reiter in fließender Eile das quelleiireiche Heideland. Kirwans dreijähriger Brauner befand sich dabei in einem Zustande der Erregung, die fast an Raserei, grenzte; das flatternde Gewand, die leichte Last, die ungewöhnliche Stunde und Eile regten sein junges, feuriges Blut derart auf, daß. er ein Tempo anschlug, das gar viele Reiterinnen aus der Fassung gebracht hätte. Der Weg führte eine Zeit lang am Seeufer hin, dann bogen die Reiter, immer in der gleichen raschen Gangart, in einen Hohlweg ein, und erst, als der Weg steiler und steiler wurde, gingen sie nach und nach in Trab unb dann in Schritt über. „Was veranlaßte Ihre Frau Schwester zu diesem ver- weifelten -Schritt?" fragte Terence plötzlich, als er und seine Gefährtin Seite an Seite einen schroffen Hügel erklommen. „Eifersucht, Trotz", antioortete Miß D'Arey. „Sie läßt sich so leicht von augenblicklichen Regungen leiten, die sie bann sofort wieder bereut." „Glauben Sie, daß sie ihre Tat bei unserer Ankunft um zwölf Uhr schon bereut haben wird?" „Davon bin ich fest überzeugt." „Sir Greville kenne ich als einen vortrefflichen, gediegenen Mann, während der Andere ein fader, oberflächlicher Geck ist. Man kann Lady Fanshawes Handlungsweise gar nicht begreifen. Es muß entschieden noch etwas Besonderes bahinterstecken." „Nicht etwas, sondern jemand und zwar Mrs. Tuckitt." „Mrs. Duckitt?" „Za, sie und mein Schwager fischen doch immer zusammen — sie sind ja beide förmlich begeistert für diesen Sport. Meine Schwester aber will durchaus nicht begreifen, baß man sich nur um des Fischens willen tagelang aus dem Wasser herumtteiben kann." „Aber ich bitte Sie, Sie wollen doch nicht sagen, daß Lady Fanshawe auf Mrs. Duckitt eifersüchtig ift? Ihre reizende Schwester, eine der hübschesten Frauen, die ich jemals sah, eifersüchtig auf die sonnenverbrannte, wetterharte Mrs. Tuckitt? Tas ist ja unmöglich." „Doch, doch, es ist so. Schon seit Wochen steigerte sich meine Schwester in diese unsinnigen Gedanken hinein, von denen übrigens außer mir Niemand etwas weiß. Und nun sind diese eifersüchttgen Gefühle plötzlich zum Ausbruch gekommen." . „Eine merkwürdige Art von Ausbruch!" „Ich glaube, ich muß Ihnen die Sache etwas näher! erklären. Greville hat meine Schivester nämlich immer unendlich verwöhnt, sich, wenigstens zu Hause, vollständig ihrem Willen untergeordnet, und niemals auch nur das oberflächlichste Interesse für irgend eine andere Frau, als feine eigene, gezeigt. Ter Gedanke nun, daß er sich jetzt plötzlich, wie sie sich einbildet, von Mrs. Tuckitt ganz einnehmen läßt und stundenlang in ihrer Gesellschaft zubringt, bei raubte sie vollständig aller und jeder Vernunft. Immer wieder versicherte ich ihr, daß sich das Gespräch der beiden stets nur um Angelsliegen und Politik drehe — Tinge, die Nita verabscheut — allein sie wollte nicht aus mich hören." „Seltsam!" „Und mm sind Greville und Mrs. Duckitt unglücklicherweise durch das stürmische Wetter drei Tage aus den Skelligs festgehalten worden, was meine Schwester vollständig außer Rand und Band brachte. Ich zermatterte mir den Kopf, um neue Entschuldigungen zu finden. Eine andere Frau hätte einfach .gelacht, die Sache als Scherz aufgefaßt, meine Schwester aber wurde von Tag zu Tag aufgeregter und Mr. Lovell immer teilnehmender und vertraulicher. Noch gestern abend sprach ich allen Ernstes mit ihr über ihn, und sagte ihr, daß ich diese Art von Benehmen seinerseits nicht länger dulden werde." „Sie sagten das?" rief er, kurz airflachend. „Und was antwortete Ihre Schivester und Gardedame dazu?" „Sie befahl mir im höchsten Zorn, das Zimmer zu verlassen. Wir söhnten uns jedoch heute morgen wieder aus, und da das Wetter sich besserte und Mr. Lovell abreiste, so war ich ganz beruhigt und guter Tinge." „Ja., ja, die Ruhe vor dem ©türm." „Ich machte einen größeren Spaziergang, und als ich ziemlich spät zurückkehrte, sand ich ein Telegramm von Greville vor, worin er seine Rückkehr für morgen um zwölf Uhr anküudigt." „Und Sie möchten nun natürlich, daß er bis dahin alles wieder klipp und klar fände? Nun, so weit es in unserer Macht steht, werden wir Ihre Schwester wohl sicher mit zurückbringen. Ist es Ihre einzige Schwester?" „Ja, überhaupt meine einzige nahe .Verwandte." „Tie Sie um keinen Preis verlieren möchten?" „Nein, natürlich nicht." Eine Pause trat ein, dann führ sie fort: ,Lch weiß nicht, wie es kommt, aber wenn ich Sie sprechen höre, ist mir ganz zuversichtlich zu Mut, als ob alle Gefahr überwunden wäre." „Zch hoffe auch, daß wir die Sache zu einem guten Ende bringen werden, obwohl wir bis jetzt erst den kleinsten Teil der Schwierigkeiten überwunden haben. Wenn Sir Greville von dieser — sagen wir — Spazierfahrt hörte, so würde es wohl einen etwas stürmischen Austritt geben, ober neigt er nicht leicht zur Eifersucht?" „Tas kann ich wirklich nicht sage«. Ich habe ihn nie- 62 mals eifersüchtig gesehen und kann mich auch nicht in seine Gefühle hirieindenken." . ,Meim Zeus, aber ich kann es. Wenn meine Fran nur eine'halbe Meile weit mit einem Kerl davrmliefe, so dürfte sie mir nie wieder unter die Augen treten." £a würden Sie und Nita ja sehr gut zusammen passen. „Tas möchte ich denn doch bezweifeln", rief er mit ungewöhnlicher Heftigkeit. ,^Lch meine nur, weil Die Herde so eifersüchtig smd. Ich mache mir aber wirklich Borwürfe, Sie, nachdem Sie doch den Tag über so angestrengt waren, zu diesem weiten Ritte veranlaßt zu haben", fuhr Miß T'Arcy fort. „Uh werß in der Tat nicht, wie ich Ihnen dafür danken- soll!" „Bitte, danken Sie mir nicht für etwas-, das ich als erue hohe Ehre und Aufzeichnung betrachte. Hier die Anhöhe hinauf haben wir ein Stück weit ziemlich festen Grund und Boden, da können wir die Pferde tüchtig ausholen lassen. Ich habe mein Taschentuch an den Arm gebunden und bitte Sie, mir genau zu folgen." Nun flogen sie auf einem schmalen Wege dicht am Berg- abhcmg hin, an schroffen Felswänden und steilen Wgründen vorüber. Wohl eine Stunde lang ritten sie so hintereinander in tiefem Schweigen. Ueber ihnen erhoben sich turmhoch die Berge, tief unter ihnen lag eine weite Meeresbucht, und manchmal brachte die kühle Nachtluft eine salzige Brise vom atlantischen Ozean herüber. Als der Mond in majestätischer Pracht hinter den Bergen emporstieg und Maureen sich bewundernd umschaute, rief sie plötzlich erstaunt: „Ta läuft ja etwas Weißes hinter uns her, sollte das Ihr Hund sein?" _ , „Wahrhaftig, er ist es! Der gute Kerl folgt mir stets bei meinen Ritten, diesmal aber ist der Weg doch etwas zu weit für ihn." Ueberlegend hielt er einen Augenblick inne, daun rief er in gebieterischem Tone: „Geh nach Hause, Loft, geh nach Hause! Hörst Tu?" Dost hörte wohl, folgte der Weisung jedoch nicht, sondern drückte sich nur platt auf die Erde und wand sich ivie ein getretener Wurm. „Ja, ja, ich wußte es wohl, es Hilst alles nichts; denn er glaubt sich in seinem Recht. Zehn Meilen läuft er nun schon hinter uns her." „Folglich bleiben uns nur noch zwanzig. Wie rasch wir über die Anhöhe gekommen sind! Wer wird denn nun aber morgen den Postwagen kutschieren?" „Michael O'Sullivan. Tie Postverwallung läßt mir gänzlich freie Hand, sodaß ich aus dieser Linie vollständig WSW eigener Herr bin." „Verbringen Sie auch den Winter I)ier?" „Nein, da gehe ich fort — nach Hause kann ich nicht sagen, denn ich habe keine Heimat." ,-Gehen Sie nicht zu — zu — Ihrer Verwandten?" „Zu meiner Großmutter? Nein, wir passen nicht zusammen." „Zu — Ihrer — Großmutter?" wiederholte sie leise. „Ja, es mag sonderbar klingen, und doch ist es fo.. Außer ihr habe ich als einzige Verwandte nur noch meine Schwester Konstanze, die an einen österreichischen Offizier in Wien verheiratet ist. Meine Großmutter lebt in Dublin, ater ich gehe zweimal nach Wen, bis ich einmal nach Tublin komme." ist also die Tarne, von der Sie sagten, sie würde über die Macgill'sche Wohnung in Helles-Entsetzen geraten, Ihre Großmutter?" „In", erwiderte er lachend, „Sie und Frau Macgill wür- beit schwerlich zusammen cmskommen. Nehmen Sie sich in od?t", rief er plötzlich, als er das nahezu ausgctrvcknete, schlupfrige Flußbett, das sie herunterretten mußten, vor sich sah. Bleiben Sie direkt hinter mir und vermeiden Sie sumpfigen Stellen." „Wie sicher Sie die guten und schlechten Wege heraus- plftnden wissen — wie ein — ein —" „Ein Maulesel!" vollendete er lachend, „ich habe diesen Mtt schon einigemal gemacht und bin außerdem durch meine Jagden im Himalayagebirge.au Wege gerne Hut worden, die Manchmal geradezu halsbrecherisch waren." „Wer bei Nacht sagten eie doch nicht?" „Nein, aber ich habe manchmal dreißig und noch mehr Weilen im rasendsten Tempo und vor Tagesanbruch $u Pferd zurückgelegt, um nach einem Balle noch rechtzeitig em nächsten Morgen zum Tienst in meine Garnison M Jammen." „Do waren ©Je also ei« Freund der Geselligkeit?" „Tamals ja, da war ich aber auch noch ein halbes Kind, kaum zwanzig Jahre alt. Sieben Sie die Vergnügungen der grv^n Welt?" „O nein, ich bin alles, nur keine Salondame, dazu lebte ich zu lange aus den einsamen australischen Farmen meines Vaters. Spater schickte man mich zwar zur Zähmurtz in eine strenge deutsche Schule, aber leider Gottes bin ich noch immer das unglückliche Gemisch einer Person, die allzu kühn und offenherzig ihre Meinung sagt, und eines zimperlichen Backfi^s.PEE^, bag .p. boä) wM kaum die richtige Bezeichnung für Sie. Toch seien Sie vorsichtig, sonst geraten wir beide noch in einen richtigen Sumpf. Tiese unschuldig aussehenden Pfützen sind mei|ten8 höchst gefährlich." Ter Mond war inzwischen in vollem Glanze aufgegangen und beleuchtete die umflorten Bergspitzen, über ihnen, während sich tief zu ihren Füßen das schönste, großartigste Landschastsbild ausbreitete. Ein leichter Wind erhob sich, strich sanft über die kahlen Felsvorsprünge des Sliev-na- Goiloerges hin und verlor sich, leise flüsternd, in dem purpurfarbenen Heidekraut. Ter Weg bot nach und nach immer größere Schwierigkeiten, die Whänge wurden steiler,, die Schluchten tiefer, allein mit bewunderungswürdiger Kühnheit und Vorsicht suchten sich die jungen Pferde ihren Weg auf diesen ungewohnten Pfaden. Selbst als ein unerwartet, zwischen Felsgeröll heraussprudelnder Gebirgsbach ihnen die Beine wegzuschwemmen drohte, verloren sie ihre Besonnenheit nicht. Ta, als sie um einen scharfen Vorsprung bogen, war es ihnen plötzlich, als beträten sie eine vollständig andere Region. Schwarze Wgründe von bodenlos scheinender Tiefe gähnten ihnen unheimlich entgegen, und durch die wild-- rvmantische Schlucht stürzte sich mit donnerartigem Getöse ein brausender Gebirgsström in zerklüftetem Bette ins ^al dies nicht ein über, schauerlicher Ort As bemerkte Terence. „Kein Wunder, daß man diese Gegend den „Berg der Wilden" nennt" ,La, düster und schauerlich ist es allerdings hier, aber wo sind die Wilden?" „Tot und verschwunden seit Jahrhuiiderten. Wir kommen jetzt zu dem schlimmsten Teil unseres Rittes", fuhr er fort, als sie sich dem Flusse näherten. Hier herum muß übrigens irgendwo eine Brücke sein, eine schlechte zwar, aber es ist doch immerhin besser als keine." Prüfend sah er sich um. „Sie ist wahrhaftig fort. Ich dachte es wir übrigens halb imd halb, daß die starken Wellen sie mit sich fortgerissen hätten " Ter für gewöhnlich ziemlich bescheidene Gebirgsbach, aus dem jetzt nur noch einzelne Felskttppen hervorragten, hatte sich in der Tat in einen wilden Strom mtt äußerst starkem Gefalle verwandelt, der sich nun übermütig sprudelnd und schäumend durch die Schlucht- wälzte, um schließlich einen sechzig Fuß hohen Wasserfall zu bilden. „Unmöglich, hinüberzutömmen!" rief Maureen entsetzt. Sollte sie umsonst bis hierher gerttten sein — sollte ihr Weg durch diesen brausenden Fluß gehemmt werden? Nochmals betrachtete sie mit geübtem Auge die wilden Wellen, dann wiederholle sie laut unb mutlos das Wort: „Unmöglich !" „Wir müssen es auf irgend eine Weise möglich machen", versetzte Terence, der mtt tiefem Ernst die Laps überschaut hatte. Noch während des Sprechens war er abgestiegen, nun kam er,' sein Pferd am Zügel führend, aus sie zu. „Zn Pferd über den Fluß zu gelangen ist allerdings ein Tmg der Unmöglichkeit, da die User viel zu steil sind. Hier aber an dieser schmalen Stelle können wir es zu Fuß schon wagen. Tie Pferde werde ich dann weiter oben hindurchschwimmen lassen." Eilig befestigte er sein Sier an den Stumpf einer Gebirgsesche. Als Mauren jedoch zu den schwarzen, schaum- gekröuten Wellen himmter blickte, sagte fie erbleichend: „Nein, ich wage es nicht Ich kann nicht hinüber. Ich weiß, daß ich falle! Ich habe wirklich den Mut nicht." „Was fällt Ihnen ein, kommen Sie", antwortete er, ihre seine Hand entgegenhalteud. „Ihr Mut wird fie doch jetzt nicht auf einmal im Stich lassen? Hier ist der beste Uebergang", rief er und sprang noch während des Sprechens auf bat ersten Felsblock. Obwohl von feiner starken Hanb geleitet, vermochte Maureen ihm nur in zitternder Angst 63 St folgen, wobei sie voll Entsetzen ans das schäumende Wasser zu ihren Füßen niederschaute. „Nein, es Hilst alles nichts. Ich kann nicht"', stammelle !ie, zurücktoeichenL. Wenige Augenblicke später stand sie icher, aber tote betäubt und schwer Atem holend am gegen- iberliegenden llfer aus dem durchnäßten Moose. Kühn, ohne em Wort zu verlieren, hatte er sie in seine Arme gehoben, durch den Fluß getragen und am andern Ufer niedergelassen, alS ob das die einfachste Sache der Welt wäre. Las alles war indes so rasch und leicht vor sich gegangen, daß sie in ihrer Verwirrung keine Worbe farib. Er aber kehrte schweigend ans arrdere Ufer zu seinen Pferden zurück. Maureens kleiner Brauner ertores sich beim Uebersetzen ganz manierlich, wenn er auch etwas erstaunt darüber schien, sich plötzlich und zwar zum erstenmal in seinem Leben, zum Schwimmen gezwungen zu sehen, sein Gefährte dagegen wollte durchaus nicht ins Wasser hinein. Wohl eine Viertelstunde lang dauerte dieser Kamps zwischen dem Tier und seinem Herrn, wobei Maureen erst recht einsehen lernte, was die Leute darunter verstanden, wenn sie sagten: „Terence ist ein geborener Pferdebändiger." Mit unendlicher Geduld und zugleich eiserner Festigkeit brachte er endlich den zitternden Feigling ins Wasser, half ihm dann Boden fassen und unterstützte ihn beim Hinaufllettern am steilen Ufer mit fast liebevoller Sorgfalt. Schließlich holte er dann auch noch den Hund vom anderen Ufer herüber. „Es tut mir leid, soviel Zett verloren zu haben", sagte Terence, indem er aus Maureen zuging, aber es war eben nicht zu ändern. Gestatten Sie, daß ich Sie aufs Pferd hebe. Nun ist das Schlimmste überstanden, der Rest des Weges ist ein Kinderspiel." Dann fügte er, ihr die Zügel reichend, in plötzlich verändertem Tone hinzu: „Ich hoffe. Sie zürnen mir nicht, daß ich Sie ohne weiteres herübertrug? Aber es war eben keine Zett für lange Zeremonien, und wenn jeder Augenblick von höchster Wichttgkeit ist, so sind Förmlichkeiten überhaupt Unsinn, nicht wahr?" „Getviß. Ohne Sie stände ich noch immer zitternd auf den Felsen inmitten des Flusses", anttvvrtete sie, ihr Kleid ordnend. ,Zch hätte niemals den Mut gestmden, hinüberzugehen." Ms Terence jedoch auf sein eigenes Pferd zuging, mußte er sich voll peinlicher Unruhe sagen, daß Förmlichkeiten eben doch kein Unsinn sind, denn laut und ungestüm schlug fein Herz, ihm schwindelte, und es war ihm, als hiett er noch immer ein ängstlich zitterndes Mädchen, dessen süßer Atem seine Wange streifte, in den Armen. Ohne wetteren Aufenthalt setzte das junge Paar, dicht hintereinander reitend, seinen Weg durch die mondbeschienenen Schluchten fort, während Lost keuchend, aber unverdrossen hinter chnen herlief. 20. Kapitel. Spate Gäste. Tie kalte, scharfe Luft, die Maureen auf den wilden Gebirgspässen entgegenwehte, wirtte beruhigend auf ihre aufgeregten Nerven, ja es überkam sie bei diesem ungewöhnlichen nächtlichen Ritte sogar ein gewisses süßes, wohliges Empfinden, das selbst ihre ängstliche Spannung und Sorge hin und wieder übertäubte. „Wie weit ist es noch?" fragte sie am Ende eines Kargen, steilen Abhangs. ,Lehn Mellen", antwortete ihr Führer. „Wir werden gleich an eins Hütte kommen, deren Besitzer ich kenne — ein Weber und seine Frau, sehr anständige Leute. Ich will sie um etwas Futter für die Pferde bitten und Ihnen dadurch ein halbstündige Rast verschaffen," „Ich mochte über lieber so rasch als möglich ans Ziel gelangen." „Nein, nein. Sie bedürfen dringend der Ruhe. Verzeihen Sie, daß ich fo tyrannisch auftrete, allein wir sind außerordentlich rasch vorwärts gekommen — es ist erst zehn Nhr — und so Dunen wir uns und den Pferden wohl eine halbstündige Pause gönnen Sie haben für den Ihnen bevorstehenden Ritt mrd den darauffolgenden Kampf mit Ihrer Schwester all Ihre Kräfte nötig. Was würde es Ahnen Kelsen, wenn ©te matt und übermüdet ankämen ?" „Wenn ich nun aber Kl spät käme?" „Tas wäre freilich noch schlimmer. Da wir nun aber so rasch und gut bis hierher gekommen sind, so kann ich Ihnen wohl mit Sicherheit versprechen, zur rechten Zett an Ort «nd Stelle zn sein. Tort ist die Hütte, sehen Sie das erleuchtete Fenster?" (Fortsetzung folgt.) Die elektrische Beleuchtung der Eisenbahuzüge. (Nachdruck verboten.) In der Geschichte ben deutschen Eisenbahnwesens kann man jetzt die elektrische Zugbeleuchtung in ihren ersten Anfängen verzeichnen. Es ist zwar nicht ohne weiteres erklärlich, warum die Mehrzahl der deutschen Eisenbahn- Verwaltungen so lange mit der Einführung dieser Beleuchtungsart gewartet haben, nachdem doch schon seit einer Reihe von Jahren die Erfahrungen ausländischer Verwaltungen vorliegen, doch ist es nicht unsere Sache, die Gründe, wenn solche vorhanden waren, zu suchen, vielmehr erscheint es angebracht, die von unsern Eisenbahn- Verwaltungen gewählten Systeme näher zu betrachten und mit den von anderer Seite bevorzugten in Vergleich M stellen. Dazu wird es erforderlich sein, sich über die bis jetzt zur Anwendung gekommenen elektrischen Zugbeleuchtungs- Sysieme im allgemeinen zu informieren, indem wir in Kürze deren Hauptmerkmale ausführen. Man kann die Einteilung nach der Art und Weise wie die Stromerzeugungsstelle sttuiert ist, am besten treffen. Hat man als solche eine oder mehrere stationäre Zentralen errichtet, welche daneben auch der Bahnhofsbeleuchtung dienen können, so genügt es, wenn unter Tags Akkumulatorenbatterien durch die Dynamos der Stationen geladen werden, denn die Akkumulatoren brauchen dann nur in Behälter gesetzt zu werden, welche sich im Gestell des elettrisch zu beleuchtenden Wagens befinden; und nachdem man die Schienenenden der Batterie an die Drahte der Beleuchtungskörper angeschlossen hat, was durch eine einfache und zuverlässige Einrichtung rasch bewerkstelligt werden kann, ist mau in der Lage, jeden einzelnen Beleuchtungskörper oder das ganze Netz wie bei stationären Anlagen in den Stromkreis eiuzuschalten. Die Batterie muß für die längsten Nachtfahrten im Winter ausreichend bemessen fein, bezw. es muß Vorsorge getroffen werden, daß an gewissen Stationen die Batterie auLgewechselt werden kann; auf den betreffenden Bahnhöfen ist das Vorhandensein einer elektrischen Zentralstation Bedingung, weil die Stromlieferung durch private oder städtische Werke sich wohl zu kostspielig erweisen würde. _ t , Ein anderes System beruht darauf, daß die Stromerzeugungsstelle sich auf dem Zug befindet. Eine solche fahrbare Zentralstation kleinen Maßstabs muß naturgemäß an den Raumbedarf die geringsten Ansprüche stellen, da dieselbe entweder auf der Lokomotive oder ut einer Ecke des Packwagens untergebracht werden muß. Die Bedienung muß sich ebenfalls äußerst einfach geraden, damit das Zugpersonal möglichst in seiner Zeit nicht beansprucht wird, und schließlich muß die Bedingung ge,teUt werden, daß die Betriebssicherheit eine möglichst weitgehende ist. Hinsichtlich des Betriebsmediums liegt die Möglichkeit vor, Dampf (von der Lokomotive), Benzin, Petroleum oder Naphta und Spiritus zu verwenden, und man hat von den erwähnten Gesichtspunkten ausgehend und den jeweiligen Verhältnissen entsprechend sich für das eine oder andere dieser Betriebsmittel entschieden. Das System benötigt eine Akkumulatorenbatterie nicyt, wenn auch deren Vorhandensein für etwa notwendig werdende Betriebspausen erwünscht ist. Von der Erzeugungsstelle, an der Spitze des Zuges, wird der Strom den Wagen zugeleitet, welche durch kurze Kabel und Kontakt^opsel miteinander verbunden sind. Ein dritter Weg ist die Wttage mehrerer Stromerzeugerstellen im Zuge, so zwar, daß jeder zu beleucbtende Wagen eine Dynamomaschine erhalt, die natürlich nicht durch einen besonderen Dampf-, Benzin-, Spiritusmotor usw. angetrieben wird, sondern einfach von der sich drehenden Wagenachse gedreht wird (Stones System) Diese Art des Anttiebs erfordert das Vorhandensein einer Akkumulatorenbatterie, um auch wahrend des Stillstandes der Wagen Strom für die Lampen zu haben, und eines Regulierungs-Schaltapparates, der eine ganze Reihe von Funktionen auszuführen hat. So z. B. muß die Dynamo bei einer gewissen Geschwindigkeit vom Stromkreis ausgeschaltet und die Batterie eingeschaltet werden, denn es ist klar, daß die Dynamo bei verschiedenen Fahr- geschwindigketteu deS Waggons auch dementsprechende Ar- beitsgeschwindigkeiten aufweist. Da nun bei Gleichstrom 64 oer tragen ucucuig - - ■ ■ w r Bahnstrecken mit Beleuchtung zu fahren vermag usw^ Auch bietet das Einzelwagensystem der wertem bte größte Archer- // 1.. *) Etwa 30 Stationen sind zum Laden der Batterien, vorhanden. .Spirochäten?" ,Nein." Mtion: Curt Plato. - NotatiouSdruck und «erlag der Brübl'schen UmverMir-Ltiä;. und Stemdmckerei (Pietsch Erben) in Eießen. Auflösung der Schachaufgabe in vor. Rr.t 1. Ld8-b6, fe. 2. Tg5. - 1. ..... K; 2. Tg6+. - . Ke5: 2. Lc7+. ______ den Umdrehungszahlen auch ine erzeugte Stromspannung i proportional ist, würden die Lampen am hellsten brennen, wenn der Zug am schnellsten fährt und umgekehrt, überhaupt würde nur dann ein ruhiges Licht erzielbar fern, wenn der Wagen mit stets gleichmäßiger Geschwindigkeit dahinfährt. Diese Unregelmäßigkeiten werden nun durch den erwähnten Apparat automatisch ausgeglichen, ebenso die Umschaltung beim Rückwärtslauf des Wagens usw. Was die einzelnen vor beschriebenen Hauptarten der Eisenbahnwaggon-Beleuchtung mittels Elektrizität Heu sichtlich ihrer Bor- und Hauptseite betrifft, so ist bei der Verschiedenheit der über Akkumulatorenbatterien der Gegenwart herrschenden Ansichten und bei dem Mangel an geeigneten Unterlagen bezüglich Anschaffungs- und Betrreos- kosten ein unanfechtbares Urtext nicht möglich. Berücksichtigt maix aber die Tatsache, daß mit den transportablen Akkumulatorenbatterien, sowohl bei Straßenbahnwagen als auch bei den elektrischen Selbstfahrern keine sehr guten Erfahrungen vorliegen (leichte Gefrierbarkeit der Masse, großes Gewicht, Säuregeruch, hohe Mterhaltungskosten), so wird man das Bestreben begreiflich finden, möglichst ohne Akkumulatoren oder doch wenigstens mtt einer nur kleinen Batterie auszukommen. Demnach wurde das erst besprochene System als weniger g^ignet e^chexnen, es sei jedoch bemerkt, daß nicht nur bex der Rexchspost-Verwalt- ung in etwa 1500 Postwagen dieses System benutzt wird, ) sondern auch von auswärtigen Eisenbahnverwaltungen (Jura-Simplon- und Zentralbahn - Gesellschaft xn der Schweiz z B.) Der Vorzug welchen das Verfahren vor den anderen bietet, ist nur der, daß das Zugpersonal absolut nicht beansprucht wird, da das.Em- und Aus- Wechseln der Batterien von besonders hierzu bestelltem ^^^Gemeinsam^xit^denjenigen Systemen, welche anjedem Magen ein Dynamo besitzen, hat das reme Mkumulatorem fystem bexx Vorzug ber Einzelwagenbeleuchtung, UN gen — irren wir nicht, befindet sich xnxter ihnen anH die sächsische — haben Versuche mit dem System Stone begonnen. , _. Ohne Zweifel werden alle diese Versuche zur Einführung der elektrischen Eisenbahnwagen-Beleuchtung hxn- leiten,*) und diese ersten Schritte sind deshalb freudig zu begrüßen, weil das reisende Publikum dadurch nicht nur ein besseres Licht als bisher, sondern auch ent ungefährlicheres erhalten wird. In dieser Beziehung schemt die Katastrophe von Offenbach doch nicht ganz ohne Nachwirkung geblieben zu sein. Es ist aber auch der Wunsch auszusprechen, daß die deutschen Bahnverwaltungex^ indem sie bett auswärtigen Bahnen nach eifern, auch balb mit einem Schritt vor diesen stehen mögen, dadurch nämlich, daß die Einrichtung, elektrischer, Lokomotiv-Dogen- lampen ins Auge gefaßt wird. Verläßliche Konstruktionen dieser Art existieren genug (Sedlaczek u. a.) und gewiß wird jedermann in dieser Einrichtung em nicht zu unterschätzendes Mittel zur Erhöhung der Betriebssicherheit er- blicken Vor kurzer Zeit ist erst em Unfall in der Nähe von Frankfurt a. M. aus Nebel zurückgestchrt worden. Eine Verbesserung würde die Lokomotxvbogenlampe ohne Zweifel bringen und bet klarem Wetter bte Übersicht auf Arien viel größeren Teil der Strecke gestatten. Otto Feeg. *) Die Kosten würden 30—40 Millionen Mk. betragen. ,Mas denn?" ,Würste", versetzte Brieger. Arithmogriph. Nachdruck verboten. 123456871 deutscher Dichter der klassischen Zett. 13 13 5 Palme. 2 3 6 6 8 Spiel. 13 15 Hcizmütel. 4 3 5 6 Verkehrsmittel. 1 3 5 6 Ernährung. 5 6 3 2 4 Stadt in Pommern. (Auflösung in nächster Nummer.) Richt zum zweitenmal! Ein alter Farmer verlor durch einen Brand seine Scheune. Es hieß, die alte Scheune sei höher versichert, als ihr wirklicher Wert^betrage, und daß der Farmer nicht allzu xmglinKxch über den Vor fClIt Seiber aber sollten sich seine ^n Hoffnungen nicht erfüllen, denn die Versicherutxgs-Geselkschast machte sxch lorma. der E i n z e l w a g e n d e t e u ty i u u b , i eine Klausel in ihrer Police zu nutze und e s tz h z welches in ber vollkommenen Unabhängigkeit liegt, ba seinem großen Verbruß bte Scheune, ftßt hm JrfFXSW to Wtung W «E du mir "SÄÄ w-m, -s »uch d-s bM.sst- ' B-M-uiSt-v. welche Resultate bie Versuche ergeben, bie von ber kgl. | ryemikalischer und bakteriologischer Utensxli , preußischen Eiseubahnverwaltimg vor kurzer Zeit eingeleitet Kesnch eines ausländiscyen StoHegen empstng- Die s wordrn sind Es handelt sich um die sog. Schwedenzüge rne^ksamkeit des Professors schien anÄent^ .ober (D l 7 und D 18 auf der Strecke Berlin-Stralsunb-SaßniH, zugleich hoffnungsfreudig auf em tn Rauch unb Dc Pf welche nach dem System der elektrischen Gesamtzugbeleuch- gehülltes Gefäß gerichtet zu seiM Professor tuna ausgerüstet worden sind. Die Stromquelle bildet „Raten Sie, was ich hier koche", E der Professor. eine9 Lewalsche Dampfturbine in direkter Kuppelung mit Der Besucher begann bte ganze Skala ber Mikro j ber Dynamo/ ein Moparat, welcher minimalen Raumbebarf I nismen herzuzählen. unb so aut wie keine Wartung verlangt. Die Wagen haben i „Mierocci?" Deckenbeleuchtung wie bisher unb außerdem noch vom I „Nein." Fahrgast ausschaltbare Leselampen, ähnlich tote in ben „Sonvcet? neuen Wagen ber französischen Nordbahn, ober tote bte§ „Nein." bei der österr. k. k. priv. Kaiser Ferdmands-Nordbahn der FaU ist. Doch haben in den D-Wagen die Leselampen I Abblendungen erhalten. Eine Reihe sinnreicher Regulier- j ungs- utld Sicherheitseinrichtungen verbürgt zwar em I - tadelloses Funktionieren der Anlage, bedeutet aber andererseits natürlich auch eine Komplikation derselben. , Zweckmäßig ist es, daß man auch noch nut etnent anderen System in jüngster Zeit begonnen hat; es ist j dies das „Frankfurter System", ein Einzelwagensystem mit Dynamo an jedem Wagen; bei geschlossenen Zugen I erhält nur der Packvagen eine Dynamo, aber jeder Wagen I eine Batterie. Andere deutsche Staatseisenbahn-Verwalt- I