Samstsg den 28. Februar. @6 1903. — «r. 32 I ! (Nachdruck verboten.) Ein Einbrecher aus Passion. Won E. W. Hornung. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von F. Mangold. (Fortsetzung.) Meine blühenden Vergleiche brachten ihn mit der Zigarette zwischen den Fingern und einem Grinsen unter seinen funkelnden Augen zum Stillstand. „Du hast ganz recht, Bunny, ich will's auch unterlassen, wirklich. Aber — Du hast doch der alten Lady Melrose Halsband gesehen? Schon seit Jahren verlange ich danach, allein ich werde mich nicht zum Narren machen, ans Ehre! Und doch — und doch — zum Donnerwetter, die Gewerbsmäßigen und Mackenzie zusammen zu überlisten.....! Das wäre ein großartiger Streich- Bunny, ganz großartig !" „Gewiß, aber Du darfst ihn diese Woche nicht versuchen." „Nein, nein, ich will's ja auch nicht tun, aber ich möchte wohl'wissen, wie die Gewerbsmäßigen die Sache anstellen wollen. Das reizt meine Neugier. Und ob sie wohl wirklich einen Spießgesellen im Hause haben? O, ich gäbe viel darum, ihren Plan zu kennen. Aber fei nur ruhig, Bunny, Du brauchst nicht eifersüchtig zu sein, und ich werde tun, was Du wünschest." Mit dieser Versicherung begab ich mich in mein eigenes Schlafzimmer und legte mich unglaublich leichten Herzens zu Bett. Es steckte doch noch genug Ehrlichkeit in mir, daß ich den Aufschub unseres verbrecherischen Unternehmens mit Freuden begrüßte, seine Ausführung fürchtete imb seine Notwendigkeit beklagte, was nur eine andere Art ist, die nur zu klar am Tage liegende Tatsache sestzustellen, daß ich unvergleichlich viel schwächer, aber genau ebenso schlecht war, als Rasfles. Eins aber gereichte mir zum großen Vorteil: ich hatte die Gabe, peinliche Gedanken, soweit sie nicht mit dem vorübergehenden Augenblick in engster Verbindung standen, vollkommen aus meinem Geiste zu verbannen, und dank dieser Gabe hatte ich in der letzten Zeit mein frivoles Leben in der Stadt in derselben unedlen Art genossen, wie vor einem Jahr, und auch hier in Milchester amüsierte ich mich während der lange gefürchteten Ericketwvche ganz ausgezeichnet. Allerdings trugen auch noch andere Umstände zu dieser angenehmen Enttäuschung bei. Zunächst waren mirabile dietti einige noch größere Stümper im Cricketfeld als ich. Ganz im Anfang der Woche, wo es von der größten Wichtigkeit für mich war, erwarb ich mir sogar durch einen glücklichen Fang beträchtlichen Ruhm; ein Ball, den ich nur hatte sausen hören, blieb mir sozusagen in der Hand hangen, die Lord Amersteth hierauf ergriff, um mir öffentlich seine Glückwünsche auszusprechen. Die Wirkung dieses glücklichen Zufalls konnte selbst ich nicht wieder verderben, und da nichts so anfeuert als der Erfolg und die beständige Ermutigung des größten Cricketspiclers ein ungeheurer Sporn war, gelangen mir beim nächsten Dransein wirklich einige gute Läufe. Am Abend auf dem zu Ehren der Großjährigkeit des Bieonnts Cvowley gegebenen Ball sagte mir Miß Melhnish einige hübsche Schmeicheleien, auch erzählte sie mir, das sei die Nacht, wo die Räuber ganz gewiß ihr .Verbrechen ausführen würden, und als wir draußen im Garten waren, spielte sie die Furchtsame in der neckischsten Weise, obgleich alles ringsum während der ganzen Nacht taghell erleuchtet war. Inzwischen machte der ruhige Schotte bei Tage zahllose Aufnahmen, die er bei Nacht in einem tn der Nähe der Dienstbotenstuben sehr giinftig gelegenen Dunkelzimmer entwickelte, und ich. bin fest überzeugt, daß von sämtlichen Gästen nur zwei wußten, daß Mr. Clevaue von Dundee in Wahrheit Inspektor Mackenzie von Scotland Dard war. Die Woche sollte Samstag mit einem letzten kleinen Wettkampf enden, den einige von uns frühzeitig aufzugeben beabsichtigten, um abends nach London zurückzukehren; allein dieser Wettkampf sollte niemals ausgefochten werden, denn in den frühen Morgenstunden des Samstag fand in Milchester Abbey ein Trauerspiel statt. Der Leser muß mir gestatte«, den Vorfall so zu erzählen, iuie ich ihn mit angesehen und angehört habe. Mein Zimmer öffnete sich auf den Mittelgang, lag aber mit dem Raffkes' — und, wie ich glaube, auch mit denen der anderen Herren — nicht einmal auf demselben Flur. Ich war tatsächlich in dem zu einer größeren Kvminerflucht gehörigen Ankleidekabinett untergebracht worden. Meine nächsten Nachbarn waren die alte Lady Melrose und Lord und Lady Amersteth. Freitag abend hatten die eigentlichen großen Festlichkeiten ihren Abschluß gefunden, und zum erstenmale in der ganzen Woche war ich schon um Mitternacht fest eiugeschlafen, als ich jäh erweckt wurde und mit stockendem Herzschlag in die Höhe fuhr. Ein schwerer, dumpfer Schlag dröhnte gegen meine Tür, und dann hörte ich keuchenden Atem und das Stampfen von Füßen, die mir mit leichten Schuhen oder Strümpfen bekleidet waren. „Jetzt hab' ich Dich", murmelte eine Stimme, „gib nach, wehren hilft nichts mehr." Es war die Stimme des schottischen Detektivs, und ein eiskalter Schauer überlief mich, denn eine neue Augst stieg in mir auf. Eine Antwort hörte ich nicht, aber das Keuchen wurde heftiger, und die Füße schienen rascher zu stampfen. In plötzlicher Angst sprang ich ans dem Bett und riß die Tur auf. An der Treppe bräunte eine trübe Lampe, und bei ihrem Lichte erkannte ich Mackenzie, der in schweigendem Ringen mit einem kräftigen Gegner hin und her schwankte. „Fassen Sie ihn!" rief er, als ich erschien. ,-Vorwärts! Draus auf diesen Hallunkenl" Mein ich war wie vor den Kopf geschlagen, bis sie 126 mich fast umgerannt hatten. Da stürzte ich mich freilich mit einem tiefen Atemzuge auf den Kerl, denn ich hatte endlich ein Gesicht gesehen. Es war einer von den Bedienten, die bei Tische aufgewartet hatten. Kaum hatte ich ihn mit den Armen umklammert, als ihn der Detektiv losließ. „Halten Sie ihn fest!" rief er, „unten sind noch ein paar." Nach diesen Worten sprang er die Treppe hinunter, wahrend sich andere Türen öffneten und Lord Amersteth nebst seinem Sohne in ihren Schlafröcken erschienen. Nun gab mein Gefangener den Widerstand auf, aber ich hielt ihn noch fest, als Crowley das Gas hochdrehte. „Was, zum Teufel, ist denn los?" fragte Lord Amer-> steth blinzelnd. „Wer lief eben die Treppe hinab?"" „Mac — Clephane!"" antwortete ich rasch. „Aha"", sagte Lord Amersteth, sich dem Bedienten zn- wendend. „Sie sind also der Spitzbube? Gut gemacht, gut gemacht! Wo ist er denn erwischt worden?"" Davon hatte ich keine Ahnung. „Lady Melroses Tür steht offen"", fiel Crowley ein. „Lady Melrose! Lady Melrose!" „Du vergissest, daß sie taub ist"", antwortete ihm sein Mater, „aha, das wird ihre Jungfer sein."" Eine innere Tür hatte sich geöffnet, im nächsten Augenblick ertönte ein leiser Aufschrei, und eine weise Gestalt erschien lebhaft gestikulierend auf der Schwelle. „Oü donc est l’ecrin de Madame la Marquise? La fenetre est ouverte. II a disparu!“ „Fenster offen und Schmuckkasten zum Teufel!" rief Lord Amersteth ans. „Mais comment est Madame la Marquise ? Est eile bien?“ „Oui, milor. Elle dort.“ „Die ganze Geschichte verschlafen!" sagte Mylord. „Jedenfalls die einzige im Hause." „Aber weshalb ist denn Mackenzie — Clephane fortgerannt?" fragte mich der junge Crowley. „Er sagte, es seien unten auch noch ein paar."" „Warum, zum Teufel, haben Sie uns denn das nicht gleich mitgeteilt?" rief er, worauf er ebenfalls die Treppe Unabstürmte. Ihm folgten fast alle Cricketspieler, die jetzt gleichzeitig auf dem Schauplatze erschienen, aber nur, um ihn sofort wieder zu verlassen und sich der Jagd anzuschließen. Raffles war ebensowohl darunter, und auch ich würde mich gern beteiligt haben, wenn der Bediente nicht diesen Augenblick gewählt hätte, mir einen Stoß zu versetzen und in der Richtung, aus der die anderen gekommen waren, sortzu- laufen. Lord Amersteth hielt ihn jedoch gleich fest, allein der Mensch wehrte sich so verzweifelt, daß wir beide alle unsere Kräfte nötig hatten, ihn die Treppe hinabzuzerren, wo uns erschreckte Gesichter aus halb geöffneten Türen anstarrten. Schließlich übergaben wir ihn zwei anderen Bedienten, und Lord Amersteth war so freundliche mir seine Anerkennung auszusprechen, als er mir voraus ins Freie ging. „Ich meine, ich hätte eben einen Schuß gehört"", fügte er hinzu. „Sie nicht auch?"" „Mir kam es so vor, als ob es drei waren."" Noch jetzt entsinne ich mich, wie mir der Kies an meinen bloßen Füßen weh tat und ivie sie in dem feuchten Gras erjtarrten, als wir den: Klang der Stimmen folgten, die wir von einem Rasenplatze her hörten. So finster war die Nacht, daß wir mitten zwischen den Cricketspielern standen, ehe wir einen Schimmer ihrer bunten Hausjacken gewahrten, und nun stolperte Lord Amersteth über Mackenzie, der im taufeuchten Grase ausgestreckt lag. „Wer ist das?" rief der Lord. „Was ist vorgefallen?"" „Es ist Clephane"", antwortete ein Herr, der neben der liegenden Gestalt kniete. „Er ist angeschossen worden."" „Lebt er noch?" „Kaum."" „Allmächtiger Gott! Wo ist Crowley?"" „Hier bin ich", rief eine atemlose Stimme. „Alles vergebens, meine Herren. Es ist unmögliche zu erkennen, in welcher Richtung sie entflohen sind. Hier kommt Raffles; er hat's auch aufgegeben"", schloß er, als ein paar Herren keuchend ankamen. „Nun, einen von ihnen haben wir wenigstens^", murmelte Lord Amersteth, „aber vor allem müssen wir diesen armen Menschen ins Haus schaffen. Ein paar fassen ihn an der Schulter — so — nun in der Mitte — reicht Euch die Hände unter ihm — jetzt alle zugleich ! So ist's recht! Armer Kerl, armer Kerl! Er heißt gar nicht Clephane; es ist ent Detektiv, der gerade toegen dieser Spitzbuben hierher- gekomnten ist." Raffles war der erste, der seiner Ueberraschung Ausdruck lieh, aber er war auch der erste gewesen, der sich mit den: Verwundeten zu schaffen gemacht hatte, und keiner bewies während des traurigen Zuges nach dem Hause mehr Kraft und mehr zarte Sorgfalt. Binnen kurzem hatten wir den Bewußtlosen aus ein Sofa in der Bibliothek gebettet, und dort öffnete er unter der Wirkrmg des auf seine Wunde gelegten Eises und des ihm eingeflößten Kognaks die Augen und bewegte die Lippen. Lord Amersteth beugte sich über ihn, um die Worte des Verwundeten zu verstehen. „Ja, ja", sagte er dabei, „eitlen von ihnen haben wir dingfest gemacht, den Kerl, den Sie oben im Hause am Kragen gefaßt hatten." Lord Amersteth beugte sich, noch tiefer hinab. „Was? Er hat das Schmuckkästchen zum Fenster hinausgelassen? Und sie sind damit entwischt? Hm, hm. Ich hoffe nur, daß ivir diesen braven Mann durch-i bringen. Da — nun ist er wieder in Ohnmacht gefallen!" Eine Stunde verging; die Sonne stieg empor. Sie beschien ein Dutzend junge Leute, die in ihren Hausjacken und Ueberröcken int Billardzimmer saßen, Whisky Und Sodawasser tranken und alle gleichzeitig sprachen. Dabei ging ein Fahrplan von Hand zu Hand, während der Arzt noch in der Bibliothek war. Endlich öffnete sich die Tur, und Lord Amersteths Köpf wurde sichtbar. „Der Fall ist tlicht hoffnungslos, aber immerhin schlimut genug"', sagte er. „Cricket wird heute nicht gespielt werden." Nach einer weiteren Stunde waren die meisten Vock uns ans dem Wege nach dem Bahnhofe, um den Frühzug zu erreichen. Wir füllten ein Abteil fast zum Ersticken und sprachen noch immer von den Ereignissen der Nacht, und immer noch war ich in meiner Art ein kleiner Held, weil ich den einzigen Spitzbuben, der gefangen worden Ivar, festgehalten hatte. — Darüber empfand ich die innigste Befriedigung, die ihre besondere Seite hatte, wovon die andern nichts ahnten. Raffles beobachtete mich unter seinen gesenkten Augenlidern hervor. Noch nicht ein Wort hatten wir zusammen gesprochen, und wir wechselten auch kein Wort, bis >vir die anderett am Bahnhof von Paddington verlassen hatten und in einer Droschke auf geräuschlosen Gummirädern und mit klingenden Schellen durch die Sttaßen fuhren. „Na, Bunny"", sagte Raffles, „die Gewerbsmäßigen haben gewonnen, wie?" „Ja"", antwortete ich, „und ich bin von Herzen froh darüber." „Daß der arme Mackenzie eine Kugel in der Brust hat?"« „Nein, daß Du uni) ich diesmal auf der Seite der Ehrlichkeit gestanden haben."" „Du bist unverbesserlich Bnnuy, ganz unverbesserlich! Aber wenn die Beute uns zugefallen wäre, würdest Du Deinen Anteil schwerlich verschmäht haben. Trotzdem macht es Dir geradezu Spaß, daß wir bei diesem Wettrennen geschlagen worden sind — und zwar schon zum zweitenmal. Allein ich gestehe, daß mich das Vorgehen der Gewerbsmäßigen sehr interessiert hat. Ich zum toemgften habe Erfahrung so viel gewonnen, als ich in anderer Hinsicht verloren habe. Das Hinunterlassen des Schmuckkästchens aus dem Fenster war ein sehr einfaches, aber wirksames Ans- knnstsmittel. Zwei von der Bande hatten schon stundenlang unten gewartet."" „Woher weißt Du denn das?"" fragte ich. „Ich habe sie von meinem eigenen Fenster aus gesehen, das genau über dem der lieben alten Dame lag. Als ich am letzten Abend hinaufging, um mich zu Bett zu legen, quälte mich die Sehnsucht nach dem Halsband in ganz besondereni Maße. Um ehrlich zu sein, will ich gestehen, daß-ich mich überzeugen wollte, ob das Fenster unter dem meinen geöffnet fei und ob die kleinste Möglichkeit vorliege, das Wunder unter Benutzung meines Betttuches als Seil zu vollbringen. Natürlich war ich so vorsichtig, mein Licht vorher zu verlöschen, und das war ein Glück! Ich konnte unten zwei Gewerbsmäßige sehen, aber sie bemerkten nicht das geringste von mir. Einmal gewahrte ich auch auf ganz kurze Zeit eine winzige leucbtende Scheibe und bald darauf 127 noch einmal. Was das war, wußte ich natürlich, denn ich habe das Zifferblatt meiner Uhr auch mit Leuchtfarbe bemalen lassen; das ersetzt in gewissem Maße eine Laterne, wenn man keine andere anwenden kann. Aber diese Leute gebrauchten ihre Uhren nicht als Laternen. Sie standen unter dem Fenster der alten Dame und paßten die Zeit ab. Tie ganze Geschichte war mit dem Helfershelfer int Hanse abgekartet. Der beste Diebsfänger ist ein Dieb; und so war es auch hier, denn ich durchschaute sofort den ganzen Plan und hatte recht, >vie sich herausstellte." „Und Du tatest nichts?" rief ich aus. „Im Gegenteil — ich ging hinunter und geradewegs in Lady Melroses Zimmer . . . ." „Was?" „Ohne mich einen Augenblick zu besiunen. Um ihre Juwelen zu retten. Nötigenfalls wollte ich ihr so laut ins Höhrrohr schreien, daß das ganze Haus erwacht wäre, aber die alte Dame ist zu taub und ißt zu gern etwas gutes, als daß sie so leicht zu erwecken wäre." „Nun — weiter?" „Sie rührte sich nicht." „Und doch hast Du zugelassen, daß die Gewerbsmäßigen, wie Du sie nennst, Juwelen, Kästchen und alles stahlen?" „Alles, außer diesem hier", antwortete Raffles, indem er mir seine geschlossene Hand auf den Schoß legte. '„Ich hätte es Dir schon früher gezeigt, aber wirklich, alter Kerl, das Gesicht, das Du den ganzen Tag schnittest, war ein vermögen für unsere Firma wert." Bei diesen Worten öffnete er seine Faust, um sie sofort wieder über dem Häuflern von Diamanten und Perlen zu schließen, das ich zuletzt am Halse der Lady Melrose gesehen hatte. (Fortsetzung folgt.) Einsegnungszeit und Mode. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Schnittmuster-Abteilung der „Deutschen Moden-Zcitung", Leipzig, Markgrafcnstr. 4. Preis der reichillustriertcn Konfirinandinnen-Nummcr 25 Pfg. Scheint es auch auf den ersten Blick, als habe eine kirchliche Handlung tote die der Einsegnung nichts mit der Mode zu tun, so zeigt sichs doch bei näherer Betrachtung, daß bei der Einsegnung, die den Schritt aus der Kindheit in die Jugend, ja sehr oft den Schritt aus dem Elternhause in das Leben bedeutet, auch- die Aeußerlichkeiten nicht unberücksichtigt bleiben dürfen. Je früher man aber die Aeußerlichkeiten beherrscht, um so weniger vermögen sie es, uns in ernsten Augenblicken abzulenken von dem Hohen, Wichtigsten des Lebens. Daher wagen wir es auch, die weihevolle Zeit der Einsegnung in Verbindung zu bringen mit Kleider- und Modefragen. Wo ein Kind des Hauses eingesegnet werden soll, giebt es für die Mutter Arbeit in Hülle und Fülle: glückliche Arbeit, denn voll wird ihr Herz sein von Freude und Dank- barkeit, daß sie jetzt nahe daran ist, eines ihrer Kinder in den Krers der Erwachsenen einzuführen. Die chr obliegende Arbeit bedarf längerer Zeit der Vorbereitung, erstreckt sie sich doch meistenteils nicht nur auf gründliche Instandsetzung und Erneuerung der Kletdüng des einzusegnenden Kindes, sondern beanspruchen doch auch dre Geschwister ein festlich Gewand zu dein Feiertage, und will sie selbst nicht minder durch würdiges Aussehen das Fest ehren. Denn an diesem Tage sind die Augen der Freutrde und Verwandten auf die Ihren gerichtet; da kommen alle, ihrerseits mit guten Anzügen, neuen Frühlings-Besuchstoiletten angetan, um Glück zu wünschen, und auch sie beweisen durch ihre äußere Erscheinung, daß sie den Eltern des Einsegnungskindes Ehre erweisen wollen. Es hat sich der Brauch herausgebildet, daß die Mädchen evangelischen Bekenntnisses in schwarzen Kleidern, man macht solche natürlich in Nebereinstimmung der herrschenden Mode, zur Einsegnung gehen; ein Weißes Streifchen am Halse, das Taschentuch, in einigen Ortschaften ein Blumenstrauß geben einige lichte Punkte in das ernste Bild, denen sich oft noch der diskrete Glanz eines Goldkreuzchens oder einer feinen Brosche — die Gabe lieber Verwandten — gesellt. Das Haar bleibt unbedeckt, wer Zöpfe trägt, bindet ein schwarzes Band hinein. Das Kleid hat einen die (Stbe berührenden Rock, es ist meist das erste lange Kleid. Ist die Witterung-kühl, die Kirche nicht geheizt, so trägt die Konfirmandin eine schwarze Jacke, die man moderch aber nicht auffällig wählt und so, daß das junge Mädchen später notf)' Nutzen davon hat. Die jungen Mädchen katholischen Glaubens tragen sich meist in Weiß. Die zur Einsegnung schreitenden jungen Leute haben einfache schwarze oder doch dunkele Jackenanzüge, saubere Wäsche und einen schwarzen Filzhut, der früher übliche Cylinder, in diesem Falle eine wahre Angströhre, ist glücklich überwunden. Was nun die Wahl der Stoffe anbelangt, so nimmt man für die schwarzen Konfirmandenanzüge glatte oder in sich gemusterte Stoffe, neuerdings werden aber auch solche mit Musterchen in dem glänzenden Charakter der Mohairstoffe und diese selbst gern verarbeitet. Und wir stimmen diesen weniger stumpf und traurig aussehenden Stoffen auch gern bei, in Berücksichtigung darauf, daß ein schwarzes Kleid lange getragen werden und nicht immer nur ernsten Zwecken dienen soll. An glatten Stoffen sind Kreppcheviot, Cheviot, Kaschmir und Kammgarn die gängigsten. Unter den g e m u st e r t e n S t o f f e n werden besonders empfohlen Suleika, ein glattes Gewebe mit glänzenden krausen Streifen durchzogen, Seraphine, Heroica und Thekla mit erhaben aufliegenden Blumen- und Ranken- musteru überstreut, Dido mit zierlichem regelmäßigem Muster, Valdivia mit Ripsgrund und stabähnlichen kleinen Mustern besät, und Mercedes mit kleinen Blatt- mustern. Wer ein Sammetkleid arbeiten will, dem sei Kronensammet bestens empfohlen. Nimmt man Sammet zu Besatzzwecken, so tut man gut, Seidensammct zu verwenden. Als Garnitur wird gern Seide genommen, und zwar sind Taffet, Merveilleux und Armure die am meisten bevorzugten. An weißen Stoffen für Kommunikantiuncn werden vorwiegend glatte, wie Kaschmir, Serge, feinsädiger Cheviot, Covercoat, Krepp und Wollbatist verarbeitet, greift man zu gemusterten Sachen, so wählt man Stoffe mit kleinen, unscheinbaren Müsterchen in Wolle, solche mit Seiden- essekten läßt man für ein Einsegnungskleid unberücksichtigt. Tie Eltern der Einzusegnenden, welche nebst den größeren Geschwistern mit zur Kirche gehen, kleiden sich gleichfalls schwarz, die Kinderchen festlich aber doch ruhig, wie der Ernst des Tages es gebietet; meist nehmen die erwachsenen Familienmitglieder am heiligen Abendmahl teil. 128 Eine Wafferfaytt auf der Lokomotive. (Nachdruck verboten.) Die Lokomotivführer der Eilzüge amerikanischer Eisenbahnen haben Aufgaben zu bewältigen, welche einen außerordentlich hohen Grad von Mut, Entschlossenheit, Wachsamkeit, sowie eine große Erfahrung erfordern. Solch ein Lokomotivführer, hat stets das Gespenst des Todes neben sich, und es ist jedenfalls ein bescheidener Trost, wenn versichert wird, daß kein Mensch auf der Welt so viel wechselnde Szenen und Eindrücke genießen kann, wie sie. Dennoch entbehrt das Leben auf der Lokomotive auch nicht der humoristischen Phasen, die sogar nicht selten als Begleiterscheinungen großer Gefahren auftreten. Zu den interessantesten Vorgängen, auf welche der privilegierte Gast auf der Lokomotive jener Schnellzüge aufmerksam gemacht wird, gehört die während der Krhrt erfolgende Entnahme von Wasser aus den zwischen den Schienen liegenden Reservoiren. Da die Schnellzüge häufig auf sehr weiten Strecken gar keine Station berühren, bezw. ohne Rast an untergeordneten Stationen vorüberjagen, so muß auch die Wasseraufnahme ohne Zeitverlust während der Fahrt geschehen, und zwar sind zu diesem Zwecke eben jene Reservoire angelegt. Es passiert nun nicht selten, daß der Wasserkasten auf dem Tender überfüllt wird, namentlich, luetut der „Schöpfer" ein wenig zu lange in das Reservoir zwischen den Schienen hinabgelassen wird. Ein Mitarbeiter des „Editor", welcher als bevorzugter Gast eine derartige Fahrt auf einer Lokomotive der „Newyork Central and Lake-Shore-Bahn" mitmachte, schildert diesen Vorgang als äußerst interessant. Die Vorschrift lautet, daß die Wasserentnahme nur bei 68 Moni etern Geschwindigkeit pro Stunde erfolge,t soll, daß also eine Verminderung der Fahrgeschwindigkeit eintreten müsse, falls der Zug mit größerer Geschwindigkeit fährt. Dieser Vorschrift entsprechen natürlich die Lokomotivführer im allgemeinen, aber in diesem Falle wurde die vorschriftsmäßige Schnelligkeit beträchtlich überschritten. Man wird sich _ nun vorstellen können, daß das Einströmen des Wassers in den Wasserkasten in großer Menge und mit großer Gewalt erfolgt, und daß dieser in ganz kurzer Zeit gefüllt wird, wenn der mit vorspringendem Schnabel versehene Schöpfer bei einer Fahrgeschwindigkeit von 90 Kilo- metern pro Stunde durch das Reservoir geführt wird. Es erfordert d'aher bedeutende Umsicht seitens des Heizers, um den Schöpfer in dem rechten Moment hochzuziehen und ein Ueberströmen zu vermeiden. Um das Zersprengen des Wasserkastens durch den gewaltigen Wasserandrang zu ver- hindern, ist ein großes viereckiges Loch in den oberen Teil des Wasserkastens, und zwar an seiner Rückseite, ein- gefchnitten, gerade der vorderen Plattforin des dem Tender folgenden Gepäckwagens gegenüber. Im Falle eines Ucber- fließens stürzt das Wasser wie ein Wasserfall ans dieser Oeffnung hervor. Als der Twentieth Century-Zug das erstemal die Strecke befuhr, geschah es auch, daß der Wasserkasten überfüllt wurde. Das herausströmende Wasser stürzte auf die Vorderwand des Gepäckwagens, riß die Tür auf, strömte durch die Gepäckabteilung und ergoß sich in den benachbarten Barbierraum. Der Haarkünstler floh in seiner Bedrängnis Hals über Kopf in das Rauch- zimmer, während die schäumende Flut ihm auf den Fersen folgte. Um daher einen Unfall dieser Art kiinftig zu verhüten, wurde die Vordertür des Gepäckwagens durch einen Bretterverschluß gesichert, sodaß Gepäckmeister und Barbier fortan ihre Berufsarbeit im Trocknen ausüben konnten. Im vorliegenden Falle versagte nun aber die mittels koniprimierter Luft arbeitende Vorrichtung, welche zum Hochziehen des Schöpfers dient, sodaß das Wasser noch fortwährend in den Wasserkasten des Tenders strömte, nach dem derselbe bereits vollständig gefüllt war. Tonnen überströmenden Wassers ergossen sich gegen die Vorderseite des Gepäckwagens, teilten fick und stürzten wie ein großartiger Wasserfall zu beiden Seiten auf den Bahnkörper. Wenn das Wasser hier bei einer Geschwindigkeit von iy> Kilometern in der Minute die Kiesbeschotternng berührte, so wirkte das, als ob das Wasser aus einem gigantischen Feuerschlauche ausgeschleudert würde. Tas fliegende Wasser zerstäubte nach rechts und links und bildete eine ungeheure, Wolke zischenden Schaums, hinter welchem der übrige Teil des Zuges vollkommen verschwand. Einmal, d. h. nach den. Verschließen der Vordertüv des Gepäckwagens aus den oben erwähnten Gründen, geschah es, daß ein Handwerksbursche, der die Gelegenheit erspähte, unbehelligt eine Fahrt von 240 Mometern auf einem der schnellsten Züge der Welt zurückzulegen, sich in dem Augenblicke, als der Zug abging, auf die vordere Plattforin stahl, und es sich dort für die Reise bequem machte. Es befinden sich nun zwei Wasserkästen auf dieser Strecke, und bei jedem derselben tritt der Schöpfer in Tätigkeit. Es wird uns nun nicht verraten, ob die Heizer zufällig den blinden Passagier gewahr wurden und"ihm eine Lektion erteilen wollten; Tatsache aber ist, daß durch ein sonderbares Zusammentreffen bet jedem der Wasserkästen ein Ueberströmen heftigster Art eintrat. Am Ende der Fahrt, als der Lokomotivführer Umschau hielt, erblickte er das aufgeweichteste menschliche Exemplar, welchem er je in seinem Leben begegnet war. Das Wasser tropfte ihm aus dem Haar und aus den völlig durchnäßten Kleidern. Die Hand auf den Arm des Lokomotivführers legend, fragte der arme Kerl: „Sagen Sie mir, Mann, wie heißen die beiden Flüsse, dnrch welche wir da hinten gefahren sind?" F Hd. Vermischtes. Nach 25 Jahren. Um zu zeigen, ivie sehr man sich irren kann, wenn man das Glück und Unglück im Leben eines andern beurteilen will, wurde kürzlich in heiterer Gesellschaft folgende Geschichte erzählt: Zwei Männer trafen zufällig zusammen, nachdem sie einander seit 25 Jahren nicht gesehen hatten. Sie tvaren als Schuljungen gute Freunde gewesen, hatten sich aber später gegenseitig aus den Augen verloren. „Wie igeht's, Wilhelm?" „Wie geht's, Karl?" „Erzähle mir von Dir. Wo bist Du geweseit, und was hast Du getan? Wie ist es Dir in diesem Btertel- jahrhundert ergangen?" „Nun, Karl", entgegnete Wilhelnr nachdenklich und ein wenig traurig, „ich bin auf demselben Fleck wie damals vor 25 Jahren." „Wirklich?" „Ja, genau auf demselben Fleck." „Mer Du mußt doch etwas erlebt haben." „Ja, ich war verheiratet." „Also -" „Sie war aber auch geizig." „Das ist traurig." „Doch sie war reich." „Na also —" „Sie war aber auch geizig." „Donnerwetter, das ist fatal." „Gewiß — das war fatal. Aber sie starb." „Das ist g— traurig." „Nirn, ich weiß nicht, sie hinterließ viel Geld." „Natürlich. Das war — nun — Geld ist stets eine „Gewiß, das ist es, aber sie hinterließ mir ketns." „Das tut mir leid." „Nun, es hätte schlimmer sein können. Sie hinterließ mir ein schönes Haus." „Nun, da kannst Du doch zufrieden sein?" „Ja, ich war es auch; aber das Haus brannte ab." „Das ist Pech." „Ja, das ist Pech Das Haus war nicht einmal versichert. So bin ich jetzt eben auf demselben Fleck wty damals vor 25 Jahren." Tit-Bits. _ Z a h l e n d i a m a n t. 1 (Nachdruck verboten.) 1 2 6 alte Gottheit 4 2 3 6 7 Stimmungsausdrnck 12 3 4 5 6 7 weiblicher Borname 17 5 6 7 Stadt in Hannover 5 6 6 Fluß in Europa, 7 «Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Charade in vor. Nr.r Stillschweigen. Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und 8 erlag der Brüll'scheu UniversttSts°Dnch. und Cteindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen,