llr. 78 1903. HE Mw» a Bä WDM8S8LLLL aljra AlK ZAM MMsEHW Mittwoch dm 27. Mai- (Nachdruck verboten.) Die Annonce. Novelle von Thomas Glahn. (Fortsetzung.) „Wir wollen die Herren beileibe nicht stören — Rest wollt' nur ein Brötchen essen." „Aber bitte, bitte", dienerte Karl Unruh. „Darf ich etwas hinübergeben?" „Will Dich nicht erst in Bewegung setzen, Vetter", sagte Rest Bergmann und nahm ein Lachsbrötchen. Und während sie kräftig darein biß, wandte sie sich an Fred Richter. „Hör mal Tu — mit Euch beiden ist das nicht ganz richtig. Ihr seid zerstreut, absentiert Euch, bringt hier feierliche Toaste aus — dahinter steckt doch was!" „Natürlich", antwortete der junge Arzt verbindlich, „da werden die Damen wohl recht haben." „Ter Lachs ist sehr gut. Seid Ihr verliebt?" Fred Richter legte die Hand aufs Herz. „O Resi!" Sie lachte. „Und in wen denn?" „Eigentlich", erwiderte er ernsthaft, „in Dich." „Und uneigentlich?" „Wahrscheinlich in jemand anders. Ter Lachs ist übrigens wirklich gut. Wo kauft Ihr den nur?" Resi Bergmaun sah ihn kopfschüttelnd an. „Tas ist nun die Antwort eines galanten Wetters. Aber im Ernst: wenn ich nun wissen will, was mit Euch beiden los ist?" „Geheimnis, schönste Cousine. Nichts zu machen." „Und wenn ich bitte?" „Tann bedauern wir noch mehr, aber gesagt wird nichts." „Starrkopf!" „Kleine Neugier!" Achselzuckend- mit einem leisen Schmollen im Gesicht, hatte Resr sich halb umgedreht. „Warum bist Tu eigentlich gar nicht galant, Fred?" Kurtchen ist viel netter darin." „Pah, keine Uebung. Mir liegt das weniger, Resi!" , , staud nachdenklich einen Augenblick ruhig. Dann lachte sre lusttg, sah ihr Freundin an und fragte: „Wie findest Tu eigentlich Friedrich Rückert?" „Ich?" empörte sich Fred. „Na, das ist der Mann mrt dem Kamel, nicht? „Es ging ein Mann im Shrer- land — Fuhrt em Kamel am Halfterband". Weshalb er das . Kamel führt, hab' ich nie 'rausgebracht, weil ich das Gedrcht nie weitergelesen hab'. Fang mir nicht mit so was an, bitte!" Tie beiden Mädchen lachten immer stärker. „Er ist doch ein großartiger Kerl, der Friedrich. Mckert", sagte dann Resi und kniff Hedwig von Werfen so in den Arm dabei, daß sie leicht aufschrie. „Rette sich, wer kann", seufzte Fred Richter, „jetzt geht die Literatur los. Gerade vor'm Buffet!" „Aber Fred, Fred, magst Tu den Friedrich Rückert wirklich nicht?" „Langweilig ist er — ich bitte tausendmal um Wer- zeihung, aber Tu kannst einen damit zur Verzweiflung bringen. Was hast Tu uur mit dem Unglückswurm?" „Hm, wenn ich d'rüber nachdenk': ich hab' ihn vielleicht lieber, als ich selber glaube." „Resi!" ries Hedwig entsetzt. Aber die Freundin lachte, daß ihr die Tränen über die Backen liefen. „Was hat sie nur?" fragte Fred Richter nachher kopfschüttelnd den Assessor. „Tie Sache mit Friedrich Rückert sah doch ganz merkwürdig vom Zaun gebrochen aus. Weiß Gott, aus dem Mädel wird niemand klug." Als er sich wieder zu den übrigen fand, nahm ihn der Rittmeister von Wersen in Beschlag und setzte ihm auseinander, weshalb die Gallifetsche Kavallerieattacke bei Sedan mißlang. Er sagte „ja" und „natürlich", aber drückte sich, sobald er konnte. Tie Balkontüren zum Garten standen offen. Ueber die Terrasse schritt er hinab ins Dunkel. Ter Garten war klein. Er kannte auch jeden Pfad darin. Lässig streifte er mit der Hand die Gebüsche und setzte sich einen Augenblick in die Laube. Was diese Resi nur mit Friedrich Rückert vor hatte! Sonst zitterte sie zu seinem Aerger wohl den „Faust" oder irgend etwas von Schiller. Aber ausgerechnet nun Friedrich Rückert? Immer stärker ward der Gedanke in ihm, daß etwas dahinter stecke. Wielleicht ein Deckmann für einen andern? Hm, das wäre! Wer hieß denn so ähnlich.?. Gab es denn niemanden? F. R. . . . F. R. . . . Komisch, wie er auf die Anfangsbuchstaben kam! Das waren ja seine! Er lachte. „Fred Richter . . . Friedrich Rückert. . Ach, Unsinn! Aber wie hatte Resi gesagt? „Ich hab' ihn vielleicht lieber, als ich selbst glaube." Und ganz entsetzt hatte Hedwig von Wersen dabei ihren Namen gerufen. Weshalb dieses Entsetzen, wenn Friedrich Mckert wirklich in Frage kam? „Donnerwetter, jetzt bin ich ein Narr oder —" Fred Richter stand auf und ging ein paarmal durch den Garten. " „Oder ich hab' Recht. Na, prosit Mahlzeit, das fehlte noch!" Wenn Resi Bergmann ihn nun tatsächlich lieb Sötte?" 310 Mancherlei fiel ihm jetzt auf, was er früher der Verwand tschaft in die Schuhe geschoben. „Heiliger Wirchow, wäre schauderhaft. Wenn ich vom „Taugenichts" noch nichts wüßte, dann könnt' ich ja heilfroh sein. Aber so . . . so . . Vielleicht war alles nur Einbildung, vielleicht spielte rhm seine Phantasie einen Possen. Wie man das nur feststellen konnte! Ter Sänftling wußte natürlich nichts. Hm! Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Mit raschen Schritten trat er in die Zimmer. Rest und Hete saßen wieder zusammen. Lächelnd ging er auf sie zu. „Ich muß mich noch entschuldigen, Rest — von vorhin. Ich hab' den Friedrich Rückert doch sozusagen langweilig genannt." Sie lachte. „Stimmt das nicht, Fred?" „Nein", sagte er, „nein, ganz und gar nicht." „Oho, und woher dieser schnelle Sinneswechsel?" Ta richtete sich der junge Arzt groß auf, sah seiner Cousine sehr scharf in die Augen und sprach langsam, jedes Wort betonend: „Ich bin zufällig dahinter gekommen, wer dieser Friedrich Rückert ist, das heißt, wer sich hinter diesem Namen versteckt." Resi Bergmann hatte noch gelächelt. Aber mit einem» male wurde sie rot, wechselte mit der gleichfalls erglühenden Hedwig von Wersen einen schnellen Blick und sagte ohne ihre sonstige Sicherheit: „Ich versteh' Dich nicht. Was meinst Du denn?" „Lalala, lalala", trillerte er. Und dann: „Uebrigens teile ich Deinen Geschmack. Und nun will ich mal nach dem Josefshöfer sehen." „Fred!" „Schönste Cousine?" , ,Was — was soll denn das eigentlich heißen? Lauter mysteriöse Andeutungen! Unter F-riedrich Rückert soll sich jemand verstecken? Tu teilst meinen Geschmack? Ja, was hast Tu denn?" „Was Du ebenso genau weißt, wie Fräulein von Wersen." „Aber, Herr Doktor, wirklich —" Er lachte lustig. „Wenn man so rot wird, gnädiges Fräulein, hilft kein -Leugnen." Resi Bergmann hatte sich gefaßt. Spöttisch sah sie ihren Wetter an. „Friedrich Rückert ist kein Pseudonym, Fred. Ich meine niemanden anders als den Dichter, den Dichter des „Liebes- srühlings"." „Liebesfrühling ist richtig, nur das andere stimmt nicht." „Ach, Tu bist ein —Taugenichts!" Er fuhr aus. „Wie? Was?" „Ein Taugenichts", sagte Rest Bergmann noch einmal und sah ihn an. „Was hast Tu denn? Stört Dich das Wörtchen?" „Mcht im geringsten. Ich dachte eben . . . Nämlich Mir fiel ein, in Leipzig ist es damals zu einer Schlägermensur deswegen gekommen. Jawohl, ganz recht, in Leipzig, Deshalb fiel mir das. auf. Sonderbar — was?" „In Berlin", erwiderte Fräulein von Versen, „passiert das wohl nicht?" Sie war froh, dem Gespräch eine andere Wendung geben zu können. „Rein", antwortete Resi leichthin statt seiner, „in Berlin gibt es ja keine Taugenichtse. Oder kennst Tu einen, Fred?" „Außer Dir nur noch einen." Sie lachte. „Und welcher ist der nettere?" „Ter andere, Resi", nickte er. „Aber jetzt mutz ich wirklich trinken." Fort war er, Trüben bei den Herren hob sich seine kräftige Gestalt. Hedwig von Versen rückte ganz dicht ctn die Freundin heran. „Um Gottes willen, woher kann er das nur wissen?" „Mit Friedrich Rückert?" Ein Achselzucken. „Uebrigens glaub' ich noch gar nicht d'ran. Vielleicht nur eine Falle gewesen. Na, warte!" „Was ist denn los?" „Er soll mir jedenfalls büßen." Verwundert sah Hedwig von Versen sie an. „Weil er Tir den Schreck eingejagt hat? Was hat er denn sonst noch verbrochen?" „Alles!" sagte Rest Bergmann kurz und zerrte an ihrem Taschentuch. Wenn dieser Fred nicht so groß und so bärenkräftig gewesen wäre, hätte sie ihn am liebsten wie eine Puppe geschüttelt. „Tu, Hete: warum die Männer nur alle so stark sind! Warum hab' ich nicht mehr Kraft?" „Tu? Aber Du hast uns in der Pension ja doch alle geworfen?" Da lachte sie wieder. „Na, ja, ja! Aber das war auch in der Pension, dar- ling, und es waren doch eben nur Mädels." Viertes Kapitel. Es war zwischen vier und fünf Uhr nachmittags. Fred Richter saß wartend in seinem Zimmer. Die Sprechstunde mußte eingehalten werden, wenn sich auch, niemand blicken ließ. Er hatte sich schon die zweite Zigarre angezündet, obwohl er das Rauchen int Kousultativnszimmer sich selbst verboten hatte. Ab und zu warf er einen Blick in die neueste Nummer einer medizinischen Zeitschrift, die vor ihm lag, doch ebenso schnell schweiften seine Augen wiedev weiter. Seit gestern drückte ihn etwas, das er nicht los werden konnte. Ziemlich kurz hatte er sich von Kurt Unruh verabschiedet und war nach seiner Wohnung gegangen. Als er Licht gemacht hatte, setzte er sich aufs Bett und zog den rechten Stiefel aus. Er wollte lieber gleich schlafen gehen. Aber als er den linken Stiefel kräftig anpackte, ließ er die Hand plötzlich sinken. „Es ist ja kein Zweifel", brummte er und zog die Sttrn in Falten. „Alle beide sind ja krebsrot geworden." Erregt stand er aus und ging ein paarmal durchs Zimmer, wie er da war. Rest Bergmann hatte sich verraten. Rest Bergmann liebte ihn oder war wenigstens nahe daran, ihn lieb zu gewinnen. Und er konnte dadurch in die fatalste Lage der Welt kommen. Tas durfte nicht sein — jetzt nicht mehr. Aber tote das verhindern? Lieber Gott, die Sache lag einfach genug: der Konsul mochte wünschen, daß einer von ihnen beiden — er oder Kurt — Resi heirate. Das Geld blieb gleichsam in der Familie, und er wußte, daß seine Tochter in gttten Händen war. Tie beiden Vettern hatten auch oft genug davon gesprochen, und wenn jedem auch etwas an Resi nicht paßte — eigentlich ernsthafte Bedenken gegen sie hatte doch keiner. Im Gegenteil: sie mochten die Cousine alle beide herzlich gern und waren nicht zum wenigsten ihretwegen so oft im Hause des Konsuls. Ta hatte er in der. Weinlaüne diesen dummen Vorschlag gemacht, noch einmal die süße studentische Eselei zu durchkosten und den Sommer über stich mit netten Mädels nach Kräften zu amüsieren. Ter Himmel mochte wissen, ob man im nächsten Jahr, noch Junggeselle war. So kam das Inserat zu stände. Aber das Schlimme war, daß man aus der richtigen studentischen Ulkstimmuug doch schon herausgewachsen war. Tiese Heinen Mädchen mit den weißen Batistkleidern, die nur ja und nein sagten und allenfalls von ihrer geschäftlichen Tätigkeit erzählten, genügten ihnen nicht mehr. Sie wollten plaudern; Kurt verlangte sogar Knnstbegeisterttng und weiß Gott was alles — ja, und solche Damen, dte diesen Ansprüchen gerecht wurden, ließen sich auf Annoncen und Tändeleien nicht eilt. Es war der pure Zufall, daß „Viola" und der „Taugenichts" schrieben. Erwartet hatte es eigentlich, niemand. Aber nun war das Schöne und Schreckliche einmal geschehen: sie alle beide, er sowohl wie Kurt, hatten sich, in die Unbekannten verliebt, und. an Resi dachten sie immer weniger. Ta mußte der Himmel es wollen, daß Resi nun ihrerseits sich in ihn verschoß. • Natürlich, seiner Eitelkeit schmeichelte das ja nicht schlecht. Aber er war doch nicht gewissenlos genug, um eine ungetrübte Freude darüber zu empfinden. Schließlich 311 War die Rest ein liebes Geschöpf, dem wahrhaftig heimliche Herzensqualen erspart bleiben konnten. Fred Richter rauchte immer stärker und zog die Stirn immer mehr in Falten. Plötzlich klingelte es. Er bekam ordentlich Herzklopfen: ein Patient. So würdig als möglich setzte er sich zurecht und begann die medizinische Zeitschrift zu studieren. „Bitte schön", sagte das Dienstmädchen und öffnete die Tür. Kurt Unruh trat ein. „'n Tag, Fred." „Ach, Tu — Servus, Servus." Ter Assessor legte den Paletot ab und setzte sich. Fred Richter deutete schweigend auf die Zigarrenkiste. Eine Minute später rauchten die beiden, ohne ein Wort zu wechseln, mit ungeheurer Wichtigkeit. „Wie geht's?" fragte der Assessor dann. „Tanke. Schlecht." ' (Fortsetzung folgt.) Vermischte». * Das Reichsgesundheits amt und das Kaffeetrinken. Das Reichsgesundheitsamt, dessen Aufgabe in erster Linie es ist, durch neue wissenschaftliche Untersuchungen die hygienische Wissenschaft zu fördern, verschmäht es in dankenswerter Weise nicht, von Zeit zu Zeit durch populäre Veröffentlichungen über wichtige Fragen der Gesundheitspflege aufklärend auf die Bevölkerung zu wirken. So hat es soeben eine gemeinfaßliche Darstellung über den Kaffee erscheinen lassen. Es ist von großem Interesse zu erfahren, daß er die Auffassung äußerer Eindrücke und die gewohnheitsmäßige Verarbeitung derselben erleichtert. Die Steigerung der Geschwindigkeit und Sicherheit in der Aufnahme und Verarbeitung geistiger Vorgänge unter Kaffeegebrauch macht sich besonders bei bestehender geistiger Ermüdung bemerkbar. Der wirksame Stoff des Kaffees, das Coffein, ist bekanntlich ein Arzneimittel, in größeren Mengen genossen sogar ein Gift. Die größte Einzelgabe desselben nach dem deutschen Arzneibuch ist 1/2 Gramm, die größte Tagesgabe iy2 Gramm. Da in einer mit 15 Gramm Kaffee bereiteten Tasse Kaffee sich ein Zehntel Gramm Coffein ftndet, so ergiebt sich daraus, daß ein Höchstverbrauch von 15 Tassen Kaffee für den Tag zulässig wäre. Allerdings darf der Kaffee, da er nicht als Heilmittel, sondern als Genußmittel verwendet wird, nicht in denselben Mengen wie ein Arzneimittel genossen werden. Der Kaffee eignet sich nicht zum Genüsse für nervöse und herzkranke Personen. In den breiten Massen der Bevölkerung ist der Kaffee nicht als Anregungsmittel im Gebrauch; hier spielt er vielmehr in sehr verdünntem Aufguß überwiegend die Rolle eines Vermittlers für die Aufnahme von Wasser in schmackhafter Form und von Nährstoffen. Bon diesem Gesichtspunkte aus ist die Gewohnheit, den Kaffee mit Milch oder Sahne zu versetzen oder mit Zucker zu versüßen, zweckmäßig. Der Kaffee ermöglicht auch die Aufnahme der zur Ernährung notwendigen Mengen trockener Kost und ist fiir Arbeiter, namentlich solche, die in der Hitze beschäftigt sind, das vorzüglichste Durstlöschungsmittel. O. B. LrteVrrrisches. „Neues Land" (2 Bände, in Lieferungen zu 50Pfg.) aus der Feder des treuen Begleiters Nansens, des Kapitäns Sverdrup, ein Werk über die neue großartige Reife der „Fram" ist bekanntlich zurzeit im Erscheinen begriffen. Wir haben schon Gelegenheit gehabt, auf die Anziehungskraft, welche dieses Werk ausübt, hinzuweisen. Tas Fortschreiten der Lieferungsausgabe,, von welcher wir nun 11 Hefte in Händen haben, kann unser gutes Urteil nur verstärken. Daß die Resultate, welche die Expedition Sverdrups in ihrer unermüdlichen Tatkraft und ihrem unverdrossenen Forschungseifer heimgebracht hat, ganz außerordentlich waren, beweist aufs schlagendste die Anerkennung Kapitän Sverdrups, die er nicht nur seitens seiner Landsleute, sondern kürzlich auch seitens der hervorragendsten geographischen Gesellschaften, darunter der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, gefunden hat, indem ihm diese Vereine die höchsten Auszeichnunaen verliehen haben. Die Reise Kapitän Sverdrups zeitigte aber nicht nur hochbedeutsame Resultate für die Wissenschaft, indem sie ein bis dahin ganz unbekanntes Gebiet von etwa 360 000 Quadratkilometer, d. h. fast 25mal größer als das Königreich Sachsen, entdeckte und durchforschte, nein, die Tat selbst ist wie die Nansens vorbildlich für andere Polarreiseu. Freilich: gehören dazu Männer, die mit den Gefahren des Eises und der Polarnacht aus langjähriger Erfahrung so innig vertraut sind wie Kapitän Sverdrup, um trotz aller Hindernisse die Expedition, reich mit Schätzen beladen, der Heimat wieder zuzuführen. Zur Beurteilung der Schwierigkeiten, die in arktischen Gebieten den Menschen auf allen Seiten umgeben, genügt es, auf die traurigen Erfahrungen hinzuweisen, welche die englische Südpolarexpedition zu machen hatte und von welcher leider auch die deutsche Expedition nicht ganz frei geblieben ist. Sverdrup ist es — wenngleich auch nicht ohne Opfer an Menschenleben — geglückt, aller Gefahren Herr zu werden und einer vierjährigen Eiseshaft zu entrinnen. Magisches Quadrat. (Nachdruck verboten.) 1. Pflanzenteil. 2. Musikstück. 3. Charakterzug. 4. Vorname. In die Felder vorstehenden Quadrates sind die Buchstaben ÄÄÄ EE, H, II, LL, MM, R, 8, TT derart zu fetzen, daß die wagerechten Reihen gleichlautend sind mit den senkrechten und Wörter von der beigefügten Bedeutnng bilden. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Akrostichons in vor. Nr.: a. Elle, Aß, Lias, Ast, Ran, Hering, b. Cetlc, »aß, Elias, Mast, Iran, Ehering — Chemie. Die Mode der Kleinen und Allerkleinsten. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnitt- Manufaktur Dresden-N. — Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmuster, buch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich. Welche Mutter suchte nicht ihren Stolz darin, ihre Lieblinge so hübsch und adrett wie möglich anzuziehen, und befonders jetzt, wo der Sommer-Sonnenschein die Kleinen wieder von Neuem ins Freie lockt, giebt die Kindergarderobe mancher Mutter zu denken. Bei aller Zierlichkert müssen ja doch die praktischen Eigenschaften obenan stehen, was die Auswahl immer bis zu einem gewissen Grade beschränkt. Nun, wer nicht gar zu anspruchsvoll ist, dem bietet die derzeitige Kindermode eine reiche Fülle von praktischen und dabei reizenden Dingen für Kinder jeden Alters. Da sind zunächst die Allerkleinsten. Sobald sie aus dem Steckkissen undWickek- rückchen herausgewachsen sind, brauchen sie schon eine ganze Reihe von Garderobestücken, vom winzigen Lederschuh bis zum Häubchen oder Mützchen. Einfach in Form und Material sind sie ja, diese kleinen Sächelchen, und doch bleiben auch sie nicht ganz unberührt von der Mode. Der Schnitt der Kleidchen ist nach wie vor die cm ein Kollerchen gesetzte Hüngerform, welche für Mädchen meist eingereiht, für die Bübchen jedoch in 3 Quetschfalten geordnet wird. Hierfür bringt die Mode ganz reizende bunte Besatzstreifen in türkischen Mustern, in Zusammenstellung mit kräftig rotem Sch weizerkattun, was zu dem, nee ist dazu in Anwendung kommenden weißen Pique oder Nessel ganz reizend aussieht. Für praktische Zwecke nimmt man auch gern naturgraues Leinen oder modefarbigen Pique und garniert es auf dieselbe Weise. Als Ueberkleider wählt man neuerdings gern em Pelerinchen aus molligem, weißen Wollstoff, dessen Kapuze mit rosa oder hellblauer leichter Seide gefüttert ist. Wer es sich leisten kann, füttert wohl auch die ganze Pelerine in ähnlicher Weise. Die weißen Flanelljäckchen und kleinen Sackpaletots bleiben noch immer sehr beliebt, und bieten besonders die Flanelljäckchen mit ihren languettierten Rändern lieben Tanten willkommene Gelegenheit zu reizenden Handarbeiten, ebenso wie die Hängerkleidchen, bei denen die türkischen Borden mit buntem Garn über Kanevas gestickt werden können. Wenn die kleinen Buben lausen können, zieht man ihnen statt der Hängerkleidchen sogen. 312 während €Tfc^ctt ift. Die altbekannte Matrosenbluse wird auch in diesem Jahr nichts von ihrer Beliebtheit einbüßen, und Knaben und Mädchen werden sich gleichmäßig an ihrer luftigen Bequemlichkeit freuen, welche die Bewegungsfreiheit in keiner Weise hemmt. Unser Modell Nr. 627 zeigt ein Bübchen in einem derartigen Matrosenanzug, zu dessen Herstellung gestreifter Flanell verwendet wurde. Wenn die Mädchen größer werden, verändert sich die Form der Matrosenkragen nicht viel, nur die Blusen läßt man nicht mehr so ganz lose ringsum hängen, wie es charakteristisch für die Matrosenblusen ist. Dean hält sie vielmehr in der Art wie die Blusen Erwachsener, indem man sie nur in der vorderen Mitte, blusig Überhängen läßt, ' sie seitlich und hinten straff in den Gürtel genom- russische Kittel an, ivelche genau auf gleiche Weise mit türkischen Borden besetzt werden. Diese Kittel sind mitsamt her Halbärmel aus einem Stück geschnitten und werden um den Äeib mit einer roten Schnur zusammengehalten. Der Schlitz wird entweder in der vorderen Mitte oder linksseitig eingeschnitten, und gleichfalls mit gestickter Borde Verziert. Dis kleinen Mädchen behalten die Hängerkleidchen bei, welche bereits die verschiedensten Garnituren gestatten, wie z. B. Volants um den unteren Rand und das Kollerteil, Berthen und verzierte Kollerchen auch breite Spitzenkragen in den mannigfaltigsten Ausführungen. Ueberhaupt wird mit dem zunehmenden Alter, besonders der kleinen Mädchen die Variationsfähigkeit ihrer Kleidchen eine immer größere. Sobald aus dem, entweder durch einen Gürtel zusammengehalteneu oder lose fallenden Hängercheu ein, aus Bluse und Röckchen bestehendes Kleidchen wird, ist der Einfluß der Mode immer deutlicher zu spüren. So werden z. B. die Röckchen mit einem oder mehreren Serpentinevolants geziert, oder man ordnet sie in Falten (Plissse- salten oder Tollfalten), was besonders zu Matrosenblus- chen reizend aussieht. Auch die einfachen, serpentineförmig fallenden Röckchen, ebenso wie die eingereihten Röckchen sind sehr beliebt imb werden vorzugsweise zu einfachen Blusenkleidern getragen. Schließlich sollen auch die, in Sonnenplissees gebrannten Röckchen nicht unerwähnt bleiben, obwohl dieselben nur für ganz elegante Kleidchen und dünne Wvll- oder Seidenstoffe verwendbar sind. Man sieht auch manchmal für größere Mädchen die Röcke mit einer Hüftpasse gearbeitet, doch würden wir diese Form weniger empfehlen, da sie zu wenig kindlich 'ist. Unter den Blusentaillen ist es besonders die einfach glatte, russische Bluse mit seitlichem Schluß, welche als Neuheit gilt. Der seitliche Schluß wird mit einem Besatzstreifen aus türkischen Borden oder abstechendem Besatzstoff markiert und setzt sich auch am Röckchen fort, wo er gleichfalls den Schluß ändeutet, wie aus Modell Nr. 5000 zu Modell No. 5000. Modell No. 566. Modell No. 627. men werden. Einen derartigen ganz besonders kleidsamen Anzug veranschaulicht Modell Nr. 566. Dasselbe besteht aus dunkelblauem Voile. Das Röckchen ist, wie ersichtlich, ringsum in breite Tollfalten geordnet und mit dunkelblauen Tafftblenden besetzt. Die Blusenteile der Taille sind in Gruppen von Fältchen gesteppt. Der breite zackige Matrosenkragen besteht aus weißem Spitzenstoff und ist am Rande gleichfalls mit Blenden aus dunkelblauer Tafft- seide verziert, welche ihm einen originellen und wirksamen Slbschluß geben. Schärpe von dunkelblauer Seide. Zuin Schluß noch einiges über die Jacken und Mäntel. Wie bei den Großen, so herrscht auch bei den Kleinen allgemein die Sackform vor. Ist sie doch das denkbar bequemste und praktischste, und außerdem für jedes Alter Äeidsam. Jacken und Mäntel sind gleichmäßig in Saccoform gehalten und mit Schulterpelerinen und Geishaformen .ausgestattet. Ja diese Geisha- oder Stehbrustformen sind wie eine Uniformierung in dieser Saison aufgetreten und auch die Kindersachen sind nicht davon verschont geblieben, sodaß wir auch hier immer dasselbe sehen. Geishaformen mit und ohne Schulterpelerinen, ab und zu in eine Stola- fot mumgewandelt, in mehr oder minder eleganter Ausführung, aber im großen und ganzen immer dasselbe. Wie aus allem vorausgehenden ersichtlich ist, sind die Formen der Kinderkleider trotz aller Vielseitigkeit doch recht einfache geblieben, so recht dazu geeignet, im Hause angefertigt zu werden, was ja von Alters her, da wo man rechnen mußte, immer der beliebteste Weg der Beschaffung für Kindergarderobe war. Bietet dies doch außer der Gewähr für Haltbarkeit noch kleine Vorteile wie sie in der Verwendung von Stoffresten, Verwertung getragener Kleidungsstücke Erwachsener liegen. Man braucht ja so wenig Material für Kinderkleidchen, und jedes Stückchen Seide, jedes Endchen Stickerei läßt sich aufs Beste verwenden. Auch die Hauptschwierigkeit, der korrekte Zuschnitt, ist vollständig verschwunden, seitdem spezielle Institute (wie die Internationale Schnittmanufaktur, Dresden) sicher passende Schnitte in reicher Auswahl bieten. Umsonst ein elegantes Reform-Kostüm nach Maß, diese Chance bietet sich allen Frauen, die sich an der allgemein interessanten Rundfrage über Reform« kleidung, verbunden mit Preisverteilung, durch Antwort per Postkarte beteiligen. Bei der Reformkleidung> die der Frauenwelt Gesundheit und Wohlbefinden bringen will, handelt es sich um mehr als eine Modefrage und jede Frau sollte die gegebene Anregung sich über den Wert und die zweckmäßigste geschmackvollste Form korsettloser Kleidung ein Urteil zu bilden, benützen. Näheres aus der illustrierten Schrift „Die praktische Reformkleidung", 10 W- oder durch das großartig ausgestattete reichhaltige Modenalbum und Schnittmusterbuch (Preis nur 50 Pfg) Der Intern. Schnittmanufaktur, Dresden-N. 8. _____. Redaktion: Augnst Götz.— Rotationsdruck und L erlog der Brübl'schen Universitäts-Puck- und C teindruckcrei (Putsch Erben) in Gießen.