Samstag den 26. Septemöer. 1903. K2;- am aJTi ■K ««iaT ELLZWEW iLMMMÄ '. !l.....»/"■///, (Nachdruck verboten.) Igs Wmädihen in her Vretagne. Von B. W. H o w a r d. (Fortsetzung.) Douglas, der den Mädchen zunächst gesessen hatte, erläuterte ihm, um was es sich handelte: „Die Mädchen glauben eine sonderbare Aehnlichke.it bei Dir entdeckt zu haben." „Ja, Monsieur hat dasselbe Gesicht", begann Nona schüchtern und doch voll Eifer, „wie das auf dem großen Bild in der Kirche, wo alle Kinder um unfern Heiland versammelt sind und er die Kleinen in seine Arme nimmt. —" Hamor errötete unwillig, warf sein Skizzenbuch beiseite, stand auf und kehrte der Versammlung den Rücken zu. Staunton, der die Ursache seines Verdrusses verstand, sagte mit ungewöhnlicher Herzlichkeit: „Laß gut sein, Hamor, wir wissen schon, daß Du an diesem Vergleich nicht Gefallen findest. —“ „Das weiß der liebe Himmel! Man sollte mich wirklich damit verschonen, ich bekomme es nur allzu oft zu hören." „Monsieur Hamor!" erscholl hier Meurices kräftige Stimme, „sehen Sie nicht dort die Inseln? Backbord mit dem Steuer, wenn ich bitten darf." „Oui Patronerwiderte Hamor mit wiedergewonnenem Frohsinn. Dann fuhren sie an mehreren jäh vorspringenden Felsgruppen vorüber, den Vorposten der Lannions, die drohend aus den Wogen emporragten. „Tas sind böse Gäste, wenn sie einem unverhofft begegnen", erklärte Meurice; die haben schon in manch wackeres Boot einen Leck gebohrt, und viel dazu beigetragen, den Friedhof auf dem Loch zu füllen." 9hm kam der Leuchtturm von Pensret in Sicht, das Fort auf der Cigogne, die Fischerhütten von St. Nicholas und die kunstlose Kapelle des Loch. Es waren keine mächtigen Formen, keine malerischen Bilder, die das Auge fesselten. Tie Eigenart der Lannions bestand in öden weiten Sandstrichen und ärmlichem Graswuchs, die, obgleich einförmig miteinander abwechselnd, dem Auge doch die wunderbarste Farbenpracht zu offenbaren vermochten. Aus Purpur, Gold und leuchtendem Grün schien dort die ganze Atmosphäre zusammengesetzt, ein hehrer Glanz, eine Majestät der Schönheit lag über diesen stillen Eilanden ausgebreitet, wie sie das Auge nie geschaut. Tie gänzliche Abgeschlossenheit von der Welt verlieh den Inseln etwas Unberührtes. Unentweihtes, man fühlte sich auf unbeflecktem, jungfräulichem Boden. Die kühle,' frische Seeluft schien dort alles Böse, Verderbte hinwegzuwehen; gehörten doch auch die Lannions nicht zum Festland, sondern in das un- beschränkte Reich des großen allmächtigen Ozeans. Kein Wunder, wenn der See hier eifersüchtig über ihr Eigentum wachte! Welches Recht hat die armselige, menschliche Kreatur gegenüber der Gewalt der Elemente? Das Boot ging am Loch vor Anker, freilich etwas weit draußen, denn die Ebbe war soeben eingetreten. Uebev die schlüpfrigen, mit Seetang bedeckten Felsblöcke mußten sich die jungen Leute ihren Weg bahnen. „Nun sehen Sie, wie einförmig die Inseln sind, habe ich Ihnen nicht recht berichtet, flach, öde, so ist das Ganze", bemerkte Meurice in seiner phlegmatischen Weise. „Ja, ja, es mag einförmig genug sein", gab Hamor zerstreut zur Antwort, aber dabei strahlte sein ganzes Gesicht, und seine Augen leuchteten vor innerster Befriedigung, entdeckten sie doch mit künstlerischem Scharfblick ringsumher Farbeneffekte, die ihm zu einer Quelle der reinsten Freude werden mußten. Ta hörte er hinter sich einen leisen Aufschrei; sich umschauend, sah er, daß die kleine Helene, die sich vergeblich bemüht hatte, mit ihren Füßchen die beschwerlichen Sprünge der andern nachzumachen, aus-, geglitten und gefallen war. Im nächsten Augenblick schon war er bei ihr, nahm die zitternde Kleine in seine Arme und trug sie sicher ans trockene Land. Meurice schaute, ihm von seinem Boot aus wohlgefällig nach: „Der Bursche hat doch Herz", murmelte er, „die andern waren nähev bei dem Kinde." Ter steile Weg führte an des Pfarrers einzigem Stückchen Gartenland vorbei, in dem ein paar Suppenkräuter und kümmerliche Salatköpfe ein elendes Dasein fristeten. Hamor eilte leichtfüßig mit dem Professor um die kleine Kapelle herum, blieb aber auf der andern Seite, sprachlos vor Erstaunen, stehen. 9. Kapitel. Thymert stand an der Tür seiner Kapelle, die hohe Gestalt stolz aufgerichtet, das dunkle Haupt entblößt. Er verhob soeben ein altes Gewehr, es ohne Ziel über die Wogen richtend. Ein Blitz, ein Knall, er senkte die Waffe und erblickte erst jetzt die Fremden. Mit warmem Lächeln trat er heran, sie zu begrüßen. „Ist das ein Kriegssignal, Herr Pfarrer?" fragte Hw- mor, die dargebotene Hand des Geistlichen herzlich schüttelnd. „Wir sind nur Pilgrime, keine Seeräuber." „Sie sind mir hochwillkommene Gäste", erwiderte Thymert mit der Huld eines Fürsten. „Ich rief soeben meine Pfarrkinder zur Messe", erläuterte er dann einfach, „unsere Kapelle hat keine Glocke. Manchmal kommen sie unpünktlich, ich muß nochmals feuern." Mit ernster Miene lud er und feuerte ab, dann stand er still beobachtend am Ufer, bis er einige Boote von den entfernteren Inseln abstotzen sah. „Da sind sie, bald werden sie landen", rief er zufrieden. Dann mit seinem strahlenden Lächeln zu den Fremden gewandt: „Die Herren sind wohl so freundlich, der Messe beizuwohnen und dann bei mir zu frühstücken?" Es klang mehr wie die Verkündigung seines Herrscherwillens, als wie eine Einladung. „Es wrrd mit 570 eine große Freude sein. Aber verzeihen Sie, Die haben mein Haus noch gar nicht gesehen." Dann schritt er ihnen voran und öffnete zivei Düren an den Seiten des kleinen viereckigen Vorplatzes: „Hier ist mein Studier- und Eßzimmer, drüben mein Schlafgemach; tun Sie ganz, als ob Sie zu Hause wären, meine Herren! Es mag Ihnen wohl recht ärmlich und eng erscheinen, aber vielleicht macht es Ihnen Spaß, die Wohnung eines Seemannspfarrers genauer zu besichtigen." Er öffnete verschiedene Schränke, in denen Bücher, alte Zeitungen und allerhand Flaschen in staubigem Durcheinander zu sehen waren. Ferner zeigte er ihnen den Gang, der aus seinem Studierzimmer in die kleine Küche, links vom Chor der Kapelle führte, und eine ähnliche Verbindung auf der rechten Seite des Kirchleins, zwischen seinem Schlafzimmer und der Sakristei. War es nun Thymerts schwankender Seemannsschritt, oder der Salzgeruch, oder das seemäßige Aussehen aller Tinge hier im allgemeinen: die jungen Männer' fühlten sich wie auf Brettern und Planken, und würden sich nicht gewundert haben, wenn die Kapelle unserer lieben Frau plötzlich nach Spanien unter Segel gegangen wäre. Auch mehrere einfache Betten waren vorhanden und in einer abgelegenen Ecke ein Platz- um die Ertrunkenen aufzubahren, bis der kleine Friedhof sie zur ewigen Ruhe aufnahm. „Sie sehen, wir sind doch nicht so arm auf den Lan- nions, daß wir nicht einem Gast ein Nachtquartier bieten könnten", sagte Dhymert mit bescheidenem Stolze, „ich habe sogar einmal, als wir gar keinen andern Platz mehr hatten, einem Fremdling sein Lager dort drüben angewiesen", ein bedeutsamer Blick streifte die dunkle Ecke, „er schlief deshalb nicht schlechter, da er von nichts wußte, und schließlich — lebend oder tot, sind wir alle Menschen!" „Es sollen hier viele Verunglückte ans Land gespült werden?" bemerkte Humor. „Mon dieu oui", erwiderte der Priester traurig. „Wenn sie müde sind vom Umhertreiben auf den rastlosen Wogen, so kommen sie und heischen ein ehrliches Begräbnis unter dem Schutz unserer lieben Frau. Erst letzte Woche feierten ^ir ein Leichenbegängnis, das Ihnen gewiß fremdartig genug erschienen wäre. Die Wellen hatten einen armen Burschen bis unmittelbar vor die Tür des Gotteshauses gespült. Der Kommandant der „Merle" war gerade hier mit mehreren seiner Leute. Kennen Sie den Kommandanten? Er ist ein hochherziger Mann. Sie hätten nur die Worte hören sollen, die er an seine Mannschaft richtete angesichts des Toten, den sie in die Flagge gehüllt hier begruben. Er sagte ihnen, daß dies ftüher oder später das Ende sei, dem er und sie entgegen gingen; es sei aber ganz gleichgiltig, wo einen der Tod ereile, den wackern Mann müsse er stets auf Posten finden. Die See sei des Seemanns Grab, aber dre Wellen, die ihn verschlangen, trügen ihn auch wieder aus Land in einen sichern Hafen. Der fremde Seemann sei jetzt glücklich, in die geliebte; Flagge von Frankreich gehüllt, begleitet von einem letzten Scheidegruß von Seemannslippen, und einem warmen Gebet aus Seemannsherzen. ,Ein jeder tue seine Pflicht und schaue dem Tod mutig ins Auge, bann verdient er es, in der Flagge seines Vaterlandes im Grabe zu ruhen und von Wackern Männern betrauert zu werden; dann wird er auch bereit sein zu folgen, wenn ihn die See als ihr Eigentum verlaügt, sei es nun heute, morgen oder erst nach Jahren'. Mut und Pflichtgefühl legte der Kommandant fernen Leuten ans Herz, er lehrt sie ihnen täglich nicht nur durch Worte, sondern durch fein eigenes Beispiel." „Unb Sie, monsieur le recteur, haben Sie nicht auch gesprochen?" fragte Staunton. Thymert sah bescheiden auf. „Gewiß, nachdem der Trauergottesdienst beendet war, sprach ich zu meinen Bre- tagnern. Ich sagte ihnen so ziemlich dasselbe, nur daß m- sprechen kann wie der Kommandant. Aber meine Psarrkrnder sind an mich und meine Redeweise gewöhnt, und wenn ich ihnen sage, daß wir alle als brave Bretagner leben und sterben müssen, so glauben sie mir." „Sie scheinen einen großen Unterschied zwischen Fran- öv^uunb Bretagnern zu machen, wie mir vor kommt", ließ sich der Professor vernehmen. m ""d^aiisieur, ich würde mit Frankreich gegen jede andre Nation kämpfen, aber mit der Bretagne wurde ich sogar gegen Frankreich ziehen. Ich liehe Frankreich: ich bin ein Franzose, aber vor allem bin ich Bretagner", und höher streckte sich Thymerts stattliche Gestalt, fteudiger Stolz schimmerte in seinen Augen. „Es ist schade, daß Sie die Rede des Kommandanten nicht gehört haben, Sie würden sie nie vergessen. Me wir alle so dastanden bei der wilden Windsbraut, die einherstürmte, als wolle sie uns und das Grab Hinwegwirbeln. O ja", fügte er lächelnd hinzu, „die See wird uns ftüher oder später alle holen, gerade wie der Kommandant sagte! — Aber die Herren werden mich entschuldigen; ich muß jetzt nach der Sakristei, sonst feuern meine Leute am Ende den Signalschuß, um ihren Pfarrer zum Gottesdienst zu rufen. Also, bis nach der Messe, sans adieux messieurs!" Damit eilte er hinweg unb bald war seine Gestalt in der Tür zur Sakristei verschwunden. Er war einfach wie ein Kind, gebieterisch !vie ein Herrscher. Als Machthaber aus seinen Inseln, erwartete er auch von seinen Gästen keinen Widerstand. Die jungen Leute hatten ihm mit Ehrerbietung zugehört, es lag etwas seltsam Fesselndes in seiner gewaltigen Persönlichkeit. Thymert erschien größer als sie alle, obgleich er in Wahrheit Hamor unb Douglas nicht überragte. Er sprach lebhaft unb schnell, oft wie von plötzlicher Bewegung überwältigt, unb auf seinem Antlitz spiegelten sich alle seine Gefühle unverhohlen unb deutlich ab. So folgten sie ihm beim in bie Kapelle, in bet sich bie kleine Gemeinbe bereits versammelt hatte. Staunton, ber als guter Katholik in jeber Kirche daheim war, kniete, in tiefe Aubacht versunken, neben einem alten Bettler mit hölzernem Stelzfuß, bie beiben anbei en musterten inbessen kritischen Blicks bas einfache kleine Gotteshaus. Es war nur mit wenigen grellbunten Bildern geschmückt; am Hochaltar bas roh in Holz geschnitzte Bildnis ,unsrer lieben Frau zu den Inseln', das mit ärmlichen Papierblumen und Gold- und Silberflittern aufgeputzt war, alles von der scharfen Seeluft stark mitgenommen. „Wie kann nur ein Mensch vor dieser entsetzlichen Figur andächtig gestimmt werden", dachte Hamor bei sich, „ich will ihm wirklich einmal ein anständiges Bild malen." Insgeheim machte er bie Bemerkung, daß die ganze kirchliche Handlung etwas Hastiges an sich trug unb Thymert sichtlich beflissen war, keine Zeit zu verlieren. Nicht baß ihm bie nötige Würbe gefehlt hatte, gewiß nicht, aber in feinen Bewegungen am Altar lag etwas seltsam Herrisches, als stehe er auf bem Hinterbeck, um Befehle ßn erteilen, sein kleiner Ministrant hatte offenbar Mühe, ihm zu folgen. Seine Stimme war rauh unb stark, aber ihr fehlte jenes fingenbe Legato, bas wir am Priester gewöhnt finb, unb ber Raum erschien zu eng für feine überströmende Lebenskraft. Schon nach unglaublich kurzer Zeit war die Messe beendet, und hinaus drängte die Schar der Gläubigen, meist aus Weibern und alten, abgedannen Seeleuten bestehend. Zunge Männer waren nicht darunter, da das Wetter schön und die Boote fast alle in See waren. Nun kam auch Thymert ohne die Stola mit wiegendem Schritt in der alten Soutane durch die Kapelle gegangen: „In dreiundzwanzig Minuten hab ich alles abgemacht"/ rief er triumphierend seinen Gästen zu, „und nun, Messieurs, wollen wir uns an das Frühstück machen, meine gute Brigitte hat ihr Möglichstes getan." Keiner von den jungen Leuten hat jemals dieses einfache Frühstück auf den Lannious vergessen, der kleine Ministrant flog hin unb toieber, sie zu bedienen, der junge Geistliche mit dem dunklen ausdrucksvollen Kopf machte den Wirt unb während sie saßen und sprachen erhob sich ber alte atlantische Ozean gewaltig. Sein Brausen schlug an ihr Ohr unb bie brandenden Wellen, auf benen sich das helle Sonnenlicht brach, spritzten den Schaum in Regenbogenfarben bis an bas Fenster ber Kapelle. Dann brachte Thymert ein paar verstaubte mit Spinnweben bedeckte Flaschen zum Vorschein. „Die wollen wir zusammen leeren", rief er freudig, „sie sind ein Geschenk meines guten Bischofs". Dabei füllte er bie Gläser und kredenzte sie ihnen mit warmer Gastlichkeit. Sein ganzes Wesen war offen, heiter, beinahe zutraulich zu nennen. Es wirkte ganz unwiderstehlich auch seine Gäste offenbarten nur die sonnigste, beste Seite Mer Natur. So tauge sie von den Lannious, von Plonveuee und von der Bretagne sprachen, zeigte er sich als ein sehr wohl unterrichteter, gut bewanderter Mann. Wenn sich bann die Unterhaltung auf irgend ein Thema lenkte, das 671 (Fortsetzung folgt.) Ane ganze Horde stolzer Wüstenkönige ist in diesem -st über Berlin hereingebrochen: glücklicherweise ae- Vermischter von Inns' A. R. eine >rer- ^kaudereien aus der KaiserstadL. (Nachdruck verboten.) Löwen nnb kein Ende. — Kater Lampe, eines Sozialisten Ko- mödie. — Vom verschwundenen Karlheinz. Oberverwaltungsgericht hat sorge für die Artisteusippe |tt » UCIl Produkten en in diesem Reiche jeder Ausführende mehr oder weniger sein Leben in Gefahr brächte, was ja auch durch Trapezsturze Schleifenfahrten mit Entgleisungen rc. oft genug bewresen worden ist. Meister Julius Seeth hat also dce Erlaubnis erhalten, sich auch in Berlin von seinen Äiwen ausfressen zu lassen, wenn sie einmal Appetit < ’ Zn verspüren sollten. Und die 2b Bestien wurden das . vielleicht Mit einer gewissen Wonne besorgen, wenn | Fritz dazu kommen zu lassen, mit einer J Herbst über Berlin hereingebrochen; glücklicherweise ge- I Gendarm als recht erbärmliche Wind- und Wetterfahne nreßen sie keine andere „Freiheit" als die, in der sie dressiert | seine Mätzchen gemacht hat> geht schließlich die Geschichte sind, und dre ist bekanntermaßen nicht wett her. So lange I aus wie das Hornberger Schießen oder der Dresdener dergleichen Schaustellungen in der I Parteitag, wo man allerdings den Kater Lampe, der dort Rerchshauptstadt mcht gelitten, nicht aus Gründen der Sicher-I Ede Bernstein hieß, nicht einmal als Hasenpfeffer ge» Bett für die Zuschauer, sondern wegen der damit ver- schmort hat. fltr die Vorführenden. Diese Ver- I Ter merkwürdige Hasenpfefferduft weht durchs „Ber- fpr,,3“n2.i}'L,fror ö^i Jahren von einem englischen „Domp- I liner Theater". Jener Stätte, von der aus unlängst lenr", tote tnan auf gut Deutsch einen Löwenbändiger zu I der Altheidelberger Prinz Karlheinz, Harry Walden, „r^cvlr!1 angefochten worden und mit Erfolg durch I als abhanden gekontmen gemeldet werden mußte. Der butew siegreichen Ausgang geführt. Das I brave Mime leidet an der Moholsucht, nebenbei ist ihm Oberverwaltungsgericht hat entschieden, daß diese brave Für- | auch wohl sein in den weitesten Backstschkreisen florierender sorge für die Artisteusippe deplaciert sei, da bei den meisten l Ruhm ein bischen zu Kopfe gestiegen. Er soll geduldig „goldenen Jugend" nicht. Ter Löwe des Tages ist natürlich Bebel, der wilde Mann von Dresden, auf den die Berliner, soweit sie zur allein seligmachenden Sozialdemokratie gehören, höllisch stolz sind. Da er auf dem Parteitag dekretiert hat, daß es eckne Schande sei, für bürgerliche Blätter zu schreiben, kann es eigentlich Münder nehmen, in diesen Tagen die Komödie eines Sozis auf einem gut bürgerlichen Theater zur Aufführung gebracht zu sehen. Aber vielleicht verbietet er später auch das noch. Dieser „Kater Lampe" des Herrn Emil Rosenow ist, eine schnurrige Geschichte, die _ an gute Szenen aus Hauptmanns „W e b e r n" und desselben Autors „Biberpelz" erinnert, ohne freilich das große Vorbild auch, nur annähernd zu erreichen. Der Kater eines buckligen Spielzeugschnitzergesellen muß auf Anstiften eines reichen Spielwarensabrikanten allerlei Ver- solgungen erleiden, wird beschlagnahmt, eingesperrt, und schließlich, um die Kosten zu sparen, geschlachtet, gebraten und als „Hasenpfeffer" vom Gendarmen und Briefträger in der Wohnung des Gemeindedieners verspeist. Tie Geschichte kommt endlich an den Tag, als der Gesell seinen Kater wieder haben tvill, uüd nachdem der ,,schneidige" Gendarm als recht erbärmliche Wind- und Wetterfahne * Menschen als „Versuchskaninchen". In Washington wurden unter der Leitung von Dr. Harvey W. Wiley, dein ersten Chemiker der Ackerbanabteilung, , ;e gestiegen. Er soll geduldig in das Sanatorium gehen, das lhm die Aerzte verordnen, und uns von seinen beiden Leiden befreit, dereinst in einer , „ , , anderen Komödie zeigen, daß er etwas kann; dann soll Metster Jülius Seeth hat also I ihm der Bären, der seinetwegen durch die Presse geht> m—v’ ■--- I und seinem Verteidiger Oskar Blumenthal sogar die Ge- i auf I schmacklosigkeit verziehen werden, das in trostloser laug- das I jähriger Festungshaft überkommene Leiden unseres lieben . ,. ...... , Fritz Reuter als analogen Fall herangezogen zu haben, es durch eine Fahrlässigkeit I Genug von diesem Theaterlöwen, der bei dieser r--—1 1 M*en' „ ^ber er ist ein Mann I schmachtenden, braun-, blond- und schwarzzöpfig .. erstaunlichen Ruhe und Sicherheit, der I innen insofern etwas enttäuscht hat, als dabet sein wahrer ote gelben Katzen in geradezu mustergiltiger Weise dressiert I Name an den Tag gekommen ist und sie nun wissen, daß r f u s S ch u m a it u einen Sturm j Harry Walden eigentlich Heinrich Schreier heißt. Wäre es , entfesselt, wenn er die gefährlichen Raubtiere I nicht hundertntal schöner gewesen, wenn er sich vorIÖt• Was Schumann hat, leistet sich bruck aus als wahrer Erbprinz entpnppt hätte? ^.Eichauch Busch; denn die beiden Konkurrenten sind ' eifersüchtig auf einander wie Nibelungen-Königinnen. Bei Busch aber ist's holde Weiblichkeit, die die riesigen vier- bemtgen Gesellen zu allerlei schönen Kunststücken ermuntert was wiederum die Wintergarten-Direktton nicht etwa abgehalten hat, sischs gleichfalls eine „Dompteuse" zu enga- greren. die als „sensationelle Löwennummer" auf dem Pro- I Versuche 'angestellt, wie die'BörfäE^^M^swff'W die Außenwelt betraf, so stellte er unbefangene Fragen i gramm paradiert. Damit ist aber Berlin als Löweuarube mit dem Fremtut eines Kindes. Als man zufällig auf einen I immer noch nicht erschöpft. In der Arena des Fooloaü Zeitungsbericht zu sprechen kam, holte Thymert unbeküm- scheu Gartens", den der Berliner aus SparsamkeitÄründe mert das letzte Exemplar des Tageblatts von Quimper einfach „Zoo" nennt, ist seit kurzem eine ^Sr hier- hervor, das m feine Hande gelangt war, und stimmte schule eingerichtet, in der ein erfolgreicher Wärter 2s ®elac^ter feiner @afte ein, al8 sich heraus- I Löwen, einen Leopard, einen Bären und eine Hyäne auasi daß die Zeitung bereits sechs Wochen alt sei. I als feine Familie vorführt und seine Erfolge lmtt ckeuqnis .... "Mem Freund Movot bringt mir ab und zu die Tages- des Direktors Dr. Heck allein Ser beinahe zärtlichen U- blatter aber eigentlich interessieren sie mich nicht sehr. Handlung verdankt, die er den nicht ganz ungefähr ichen Ich habe vielerlei zu tun und m memen Mußestunden ziehe Herrschaften immer hat angedeihen lassen? ' 1 ‘ W) oft eine gute Bootfahrt allem andern vor. Wenn ich I Von den Saisonlöwen, die das Parkett beherrschen Zett zum Lesen habe, nehme ich meinen Virgil zur, Hand, ist noch nicht viel zu melden. Sie tragen noch ffnm r außer dem llemen Erec hier, betnahe mem einziger spitze Schuhe mit einer leisen Neigung nach oben die Gesayrte. , I Bügelfalte im Beinlleid ist allerdings um eine Viertelwend- .. s ’ .lhagte emer der jungen Leute, den I ung nach rechts oder links verlegt worden und die Steh- dies Einitedlerleben interessierte. I kragen sind, wo es noch möglich war, um ein weiteres "®.l£ ha^ Famtlte tn Penfret, und kommt nur, I Zentimeter gewachsen. Aber der Paletot sieht noch immer wenn , ich sie brauche, Sonntags fast immer, ab und zu I einem Bärenfell zum Verwechseln ähnlich und die Beulen- auch in der Woche, ich rufe sie durch zwei Flintenschüsse I pest hat such aus den sommerlichen Strobbüten auf die herbei; für gewohnltchbesorgt Erec die Küche, er macht I winterlichen Filze übertragen. Vor allem ist die liebe Fn- ‘-tefeuuB.esssÄ I setzte aber gleich in tiefster Beschämung hinzu: „die Crepes verbrenne ich freilich sehr oft." Tie Gäste lachten, Thymert mit ihnen. „Laß gut sein, Erec", meinte er begütigend zu dem Kleinen, „mir ists auch nicht besser ergangen, als mir noch mein alter recteur von Beüzec das Latein eintrichterte. Was habe ich da nicht ausgestanden, und wie dankbar bin ich jetzt dem braven Mann für seine Mühe. Ich war ein guter Schiffsjunge, denn meine Angehörigen waren alle Seeleute, aber die Bücher waren meine Verzweiflung. Erec ist auch ein guter Schiffchunge und dabei viel eifriger bei seinen Büchern." 572 auf den menschlichen Körper wirkt, und die „Giftgesellschaft", wie die willigen Opfer in den Vereinigten Staaten genannt werden, lebt noch vergnügt, obgleich die Mitglieder soviel Borsäure verzehrt haben sollen, daß man einen mäßig großen Turm daraus bauen könnte. Am nächsten 1. Oktober wird dieselbe Abteilung die Wirkung von Nahrung, die mit Salicyl säur e versetzt ist, erproben, was wahrscheinlich mehr auf die Nerven wirken wird als der ZusaH von Borsäure. Nach einigen Monaten mit einer entsprechenden Beköstigung werden sie dann zu rauchen anfangen. Tr. Wileh möchte die Wirkung des Tabgks auf das Nervensystem experimentell untersuchen, und er hat.seine „Giftgesellschaft" gefragt, ob sie sich zu diesem Versirch hergeben will; alle Mitglieder haben, da sie Raucher sind, auch gern zugestimmt und warten nur darauf, daß die Drsuche beginnen, Heber bekommt ein einträgliches tzonöpar und hat weiter nichts zu tun, als herumzülungern und (Zigarren, Zigaretten und Pfeifen zu rauchen. Die ersten. Versuche werden mit reinem, in den Vereinigten Staaten gezogenen Tabak gemacht werden, und zwar mit Kentuckytabak. Dieser Staat produziert jährlich 314 000 000 Pfund des feinsten Blattes, mehr als doppelt soviel wie jeder andere Staat. Darauf folgen Versuche mit Tabak aus Nord- karolina, Virginia, Ohio, Tenessee, Wisconsin rc. Die Wirkungen dieser verschiedenen Tabaksarten werden sorgfältig untersucht und registriert werden. Man hofft so zu einer Lösung der lange umstrittenen Frage, ob und inwieweit der Tabak der Gesundheit schädlich ist, zu kommen. Die „Giftgesellschaft" wird zuerst Tabak in kleinen Mengen erhalten ; diese werden allmählich vergrößert, bis sie schließlich mehrere Pfund des Krautes monatlich rauchen. Sind die Wirkungen des reinen Tabaks gründlich erprobt, so werden die jungen Leute, wenn sie noch kräftig genug sind, verfälschten Tabak, starken Tabak und selbst wohlriechend gemachte Zigarren in Manila-Fasson rauchen. Diese Versuche sollen nur an Gewohnheitsrauchern vorgenommen werden; da Wileys Abteilung nur Raucher enthalt, braucht er sich nicht nach anderen Leuten umzusehen, obgleich sicherlich Hunderte bei so angenehmen und leichten Bedingungen „die Wissenschaft fördern" würden. Der Körperzustand der Raucher wird täglich untersucht und eingetragen werden, wobei der Herztätigkeit, der Atmung und der Verdauung besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird; nach zwei oder drei Wochen regelmäßigen Rauchens wird den „Versuchskaninchen" der Tabak entzogen und die Wirkungen des plötzlichen Einhaltens erprobt werden. Wenn nach einigen Tagen alle feststellbaren Wirkungen des Tabaks auf den Körper vorüber sind, beginnt das Rauchen von neuem, zuerst zwei Pfeifen, ein paar Zigarren oder ein halbes Dutzend Zigaretten täglich; die Ration wird allmählich vermehrt werden, bis der Höhepunkt wieder erreicht ist. Da Dr. Wiley Nichtraucher ist, nimmt er an diesen Versuchen nicht teil. Tie allgemeine Meinung der Mediziner ist gegenwärtig, daß das Zigarttenrauchen die schädlichste Form ist, in der Tabak gebraucht wird, während die Pfeife am gesündesten ist. Ob Wileys Versuche die Meinung bestätigen, muß abgewartet werden. * Eine ame rikanische Heiratsinsel. Eine Vorsteherin des Einwanderungsdepots auf der Elli-Insel, Newhork, besitzt einen Ring, der bis jetzt bei der Eheschließung von annähernd 70000 Paaren als Ehering gedient hat. Tauserche von Mädchen kommen jährliche ohne die zur Einwanderung nötigen Geldmittel zu besitzen, in Newhork an. In d er Regel smd sie herübergekommen, weil ihr Geliebter sie zu kommen aufgefovdert hat. Diesen Mädchen bleibt weiter nichts übrig, als sich sofort zur Heirat zu entschließen oder wieder nach Europa zurückgeschickt zu werden. Die jungen Leute, die sie herbeigerufen habcht, sind in der Regel au der Landungsbrücke und erwarten dort die Ankunft des Schiffes. Sie werden hereingerufen, und die Trauung findet ohne viele Umstände auf dem Bureau statt. Jährlich werden dort etwa 6000 Ehen geschlossen, zu denen die Vorsteherin stets ihren Ring herleiht. * Mit dem ersten Zeichen der Furcht bei Krudern beschäftigt sich Dr. Hirschlaff in einem soeben erschienenen Werk. Es finden sich darin folgende Stellen: Darwin und Preyer stehen auf dem Standpunkte, daß die Furcht den Kleinen angeboren oder ererbt sei und daß infolgedessen schon Furchtäußerungen in den ersten Lebenstagen zu beobachten sind. So bemerkte Darwin, daß sein Knabe im Alter von zwei Jahren beim Besuche eines Zoologischen Gartens Furcht zeigte beim Anblick großer eingesperrter Tiere. Preyer konstatierte, daß sein Kind bereits von der siebenten Woche an bei jedem Geräusch zusammenfuhr. Dre Furcht vor dem Meere, vor dem Unbekannten, vor dem Fallen und vor allem vor den Tieren hält auch Preyer für erblich, weil sie auftritt, bevor das Kind in dieser Beziehung Erfahrungen gesammelt hat. Interessant ist auch eine Tabelle, die uns Aufschluß giebt darüber, in welchem Alter das Maximum dieser Furcht liegt. Bei Knaben liegt es zwischen dem 4. und 7., bet Mädchen zwischen dem 15. und 18. Lebensjahre. Die Furcht vor Gewittern scheint besonders beim weiblichen Geschlecht entwickelt zu sein. — * Durch die Blume. Als der Schulrat F. zur Revision einer Landschule kam, deren Lehrer nicht gerade als besonders tüchtig galt, ließ er — so erzählt man der „Tgl. Rundschau" — zum Beginn der Prüfung singen r „Unser Wissen und Verstand ist mit Finsternis umhüllet".. Ter Lehrer, der hierin nicht ohne Grund eine Stichelei sah, beschloß, sich zu rächen. Als die Revision, die über Erwarten befriedigt hatte, beendet war und der Lehrer mit irgend einer Liederstrophe schließen sollte, ließ er anstimmen aus dem Abendlied „Ter lreben Sonne Licht und Pracht hat nun den Laus vollendet" die 6. Strophe, die beginnt: „Ihr Höllengeister packet euch, ihr habt hier nichts zu schaffen." Beim Hinausgehen aber sagte der Schulrat zu einem Begleiter: „Sehen Sie, wie ich verstanden bin!" Literarisches. — „Max Hesse'sVolks-Bücher ei" (jede Nr. 20 Pf,). Soeben erschienen nachstehende neue Nummern: 61— 62. Rosegger, Der Höllbart gehört zu den besten Schöpfungen des Dichters. — 68. Gerstäüer, Ausgewählte Erzählungen VII. Die Moderatoren. Erzählung aus TexaS. — 64. Stifter. Die Narrenburg. Aus den trefflichen „Studien". — 65. Ludwig, Das Märchen vom toten Kinde. Aus einem alten Schulmeisterleben. Diese prächtigen Erzählungen Otto Ludwigs fehlen in den meisten Ausgaben seiner Werke. — 66—68. Melchior Meyr, Erzählungen aus d. Ries I.: Ludwig und Annemarie. Ende gut, alles gut. Mit die besten Dorfgeschichten, die je geschrieben wurden. — 69. Gaudy, Aus dem Tagebuch eines wandernden Schneideraesellen. — 70. Goethe, Die Leiden des jungen Werther. — Diese neue Volks-Bücherei will die Meisterwerke der schönen Literatur aller Zeiten bringen, hierbei aber besonderes Gewicht auf die Auswahl guter Unterhaltungs-Schriften legen. Die Ausstattung der Bändchen ist sowohl inbezug auf das Format (Oktav), als eine so gediegene, wie man sie bisher bei so billigen Ausgaben nicht gewohnt war. Wir wünschen dieser wirklichen Volks-Bücherei, die regelmäßig weiter erscheinen wird, weiteste Verbreitung! Preisrätsel.*) F ü l l r ä t s e l. (Nachdruck verboten.) 1. Heilmittel 2. Metall 8. altnordischer Gott 4. Instrument 5. vielbesungener altschottischer König 6. Teil der Hand f In die Felder vorstehenden Quadrates find die Buchstaben aaaaaaa. bb, dd, ee, f, gg, ii, k, 1111, mmm, nnnn, rr, s, nu, z derart em zutragen, daß di- wagerechten Reihen Wörter von der b- gefügten Bedeu- tung bilden, während die beiden durch fchwarze Felder bezeichneten Diagonalreihen ein Gebirge und eine Hauptstadt in Europa bezeichnen. *) Lösungen find mit Aufschrift: „PreiSrStsel'Lösung" versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion der „Gisßpneik gamilitttfclÄiitt" einzusenden. Auflösung des Buchstabenrätsels in vor. Nr.r 1. Schaukel, Schaufel. — 2. Lage, Lüg-, Loge. Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und S erlog der Brübl'schen UuiversttSts.Buck.- und Cteindruckerei. R. Lange. Guben.