Ur. 126 1903 Mittwoch den 26. August. /;?.. ■Z- M) DM (Nachdruck verboten.) Schloß Osterno. Roman von S. M e r r i m a n. (Fortsetzung.) Im Schlosse schien alles in Ordnung zu sein. Der Stallknecht in seinem großen Schafpelz wartete in der Einfahrt, die Diener rissen das riesige Tor auf und standen respektvoll in dem iuarmen, glänzend erleuchteten Vestibül, Während ihr Herr hereinfuhr. „Wv tj't die FWfkln?" fragte Steinmetz seinen Diener, während er die Spuren eines weiten Wegejs im Freien rasch entfernte. „Im Salon, Euer Gnaden." „Geh' hinüber und frage sie, ob ich in ein paar Minuten eine Tasse Tee bei ihr trinken kann." Ein paar Augenblicke später erschien Steinmetz in der Tür des kleinen Salons, der sich an Ettas Gemächer anschloß. Er fand die Fürstin in einem tadellosen Teekleide neben einem mit silbernen Teegeräten bedeckten Tische; der zierliche Samovar, die winzige Teekanne, die Spirituslampe und alles übrige zeigte die wundervolle Silberarbeit des Slavonski-Bazars in Moskau. „Sie sehen, ich habe Ihren Befehlen gehorcht", sagte sie mit dem Lächeln, das sie, stets für Männer bereit hatte. Steinmetz verbeugte sich ernst, — er war einer der wenigen Männer, die diesem Lächeln gegenüber stark bleiben konnten. Dann schloß er sorgfältig die Tür hinter sich, ohne ein Wort darüber zu sagen, daß sie seinen Wunsch, mit ihr allein zu sprechen, richtig verstanden habe. Etta war ziemlich blaß, und trotz des Lächelns lag ein ängstlicher Ausdruck in ihren Augen. Dieser Mann flößte ihr Furcht ein. Sie betrachtete die Flamme des Samovars und beschäftigte sich mit hübsch gebogenen Fingern und raschelnden Aermeln mit dem Teegerät, aber der Tee wurde nicht fertig. „Ich fange an zu glauben, daß Sie eine Art. graziöser Sturmmöve, — eine Art schöner, wandernder Jüdin sind", sagte Steinmetz, in seiner derben Weise gckradeswegs auf sein Ziel losgehend. „Wohin Sie kommen, gibt es ein Unglück." Cie starrte sein breites Gesicht an, vermochte aber nichts darauf zu lesen. „Was habe ich denn schon wieder verbrochen? Wie Sw mich hassen, Herr Steinmetz!" „Vielleicht ist es besser, als Sie zu lieben", antwortete er „Sie sind wohl nur hergekommen, um mich zn schelten", sagte sie mit einem sonderbar resignierten Ausdruck, der jeden anderen entwaffnet haben würde. „Vielleicht wollen Sie gar keinen Tee?" „Nein, ich brauche keinen Tee." Sie löschte die Spirituslampe, und die friedliche Musik des Samovar verstummte. „Sie sind furchtbar ernst", sagte sie. „Die Lage ist furchtbar ernst", antwortete er. Etta blickte zu ihn: auf, und das Licht der Lampe, das aus das volle Oval ihres Gesichtes fiel, ließ es weiß und verzerrt erscheinen. , „Fürstin", fuhr Steinmetz fort, „es gibt int Leben Zeiten, wo wir aufhören, Mantt und Weib zu sein, und, nur noch Menschen sind. Es gibt Zeiten, meine ich, wo bte ynnverreriel C-Msiüsse des GefMcchtes durch einen Schräg des Schicksals vernichtet werden. Solch eine Zeit ist jetzt da. Wir müssen vergessen, daß Sie ein schönes Weib sind, — wahrhaftig, ich glaube, es gibt in der Welt kein schöneres; ich kannte einst eine Frau, die ich, mehr bewunderte, abejr das kam nicht daher, weil sie schöner war als Sie, — das ist jedoch meine eigene Geschichte, und dies" — er? hielt inne und blickte sich in dem mit raffiniertem Luxus ausgestatteten Gemache um — „dies ist Ihre Geschichte. Wir müssen vergessen, daß ich ein Mann und daher dem; Einflüsse Ihrer Schönheit unterworfen bin." Sie saß regungslos da und starrte in sein ernstes, kraftvolles Gesicht, in dem keine Muskel zuckte. „Ich weiß, daß Sie mutig sind, und bitte Sie, zu glauben, daß ich nichts übertreibe", fuhr er fort. „Ich will Ihnen die Geschichte erzählen, statt es Paul zu überlassen, denn ich kenne seine Furchtlosigkeit, sein blindes Vertrauen in diese Leute, die dessen unwürdig sind. Er begreift den Ernst der Lage nicht; es sind seine eigenen Leute, und ein Seemann glaubt nie, daß sein eigenes Schiff seeuntüchtig ist." „Weiter", murmelte Etta, denn er hielt inne. „Untere Ban er n stehen vor dem Ausbruch, einer Empörung", fuhr er fort. „Sie lernten den russischen Bauern, — es wird keine Pariser Entente fein, halb Spektakel, halb Gelächter. Wir dürfen uns keine Hoffnung machen, dies alte Schloß gegen sie zu halten; wir können auch nicht fort, nur können auch nicht um Hilfe senden, da wir niemand haben, den wir schicken könnten. Fürstin, jetzt ist nicht die Zeit zu halben Geständnissen. Ich weiß, — denn ich kenne diese Leitte sogar besser, als Paul sie kennt, — ich bin fest überzeugt, daß diese Dinge nicht ihrem eigenen Gehirn entspringen, sondern daß jemand sie antreibt, daß jemand hinter ihrem Rücken steht. Das ist keine Bauernrevolte, die von Bauern organisiert wird. Fürstin, Sie müssen mir alles sagen, was Sie wissen!" „Ich, ich", stammelte sie, „ich weiß von nichts." Aber mit einemmal brach sie in Thränett aus und verbarg ihr Gesicht in einem winzigen Taschentüchlein. Tas war ihr so unähnlich, ivar so plötzlich, daß Steinmetz betroffen wurde. Er legte seine große Hand beruhigend auf ihrett Arm. „Ich 'weiß", sagte er leise, „ich weiß mehr, als Sie 502 glauben. Fürstin, ich bin auch kein Heiliger, ich bin gleichfalls der Versuchung begegnet und habe ihr nicht immer widerstanden. Gott weiß, wie schwer es den Männern fällt, immer das Rechte zu tun; wieviel hundertmal schwerer ist es für die Frauen! Als wir damals in Paris miteinander sprachen und ich Ihnen meine armselige Freundschaft anbot, tappte ich nicht im Dunkeln; ich wußte schon damals soviel, wie ich jetzt weiß. Fürstin, ich wußte von den Doku- menten der Armenliga, ich wußte mehr, als jeder anders, -- Stephan Lanowitsch ausgenommen, — und er selbst hat mir alles erzählt." Er streichelte ihren Arm, wie man ein weinendes Kind streichelt, und die Berührung seiner breiten, großen, dickeü Hand hatte etwas Beruhigendes, Tröstliches an sich. Etta hörte auf zu schluchzen und sah mit gesenktem Kopfe da, indem sie durch ihre Tränen hindurch in das flackernde .Holzfeuer blickte. _ Wahrscheinlich begriff sie gar nicht die große Güte dieses Mannes; denn die Fähigkeit zum Bösen geht an einem gewissen Punkte in die Unfähigkeit über, das Gute zu verstehen. „Ist das alles, Ivas er Iveiß?" fragte sie sich. Ter Gedanke, daß Robert Beaumont nicht tot fet, übertaubte jede andere Angst in ihrem Herzen. Es war, als hätte er sie teilweise verstanden. „Ich iveiß so viel, daß es das beste wäre, mir noch alles übrige zu erzählen; ich bot Ihnen meine Freundschaft an, weil ich der Meinung war, daß kein Weib solche Schwierigkeiten ohne Hilfe ertragen kann. Fürstin, die Bewunderung des Barons Chauxville mag wohl angenehm sein, aber ich wage zu behaupten, daß meine Freundschaft wertvoller ist." Etta erhob ein wenig den Kopf. Noch eine Sekunde, und sie hätte Karl Steinmetz gesagt, in welchem Bann der Baron sie hielt. In Steinmetz lag etwas, das Eindruck auf sie machte, etwas, das durch den dicker: Panzer der Eitelkeit, durch die Härte ihrer weltlichen Erfahrung hindurch eine weiche Stelle in ihrem renne Den Baron seit fünfundzwanzig Jahren", fuhr er fort/ und Etta schob ihr Geständnis hinaus. „Mr waren nie gute Freunde, das muß ich zugeben. Ich bin Fürstin, aber Chauxville ist ein Schurke. Vielleicht werden Sie eines Tages, wenn as zm spät ist, entdecken,^ daß es für Pauls Glück, für Ihr Glück, für das eine« jeden gut gewesen wäre, wenn Sie nichts mit Claude von Chauxville zu tun gehabt hätten. Ich will ^hnen diese Entdeckung ersparen. Wollen Sie meinen Rate folgen? Wollen Sie mir alles sagen, was der Baron von Ihnen weiß und je gegen Sie benützen kann? Wollen V1W in meine Hände geben? Wollen Sie es mir überlassen, ^hren Kampf für Sie zu führen? Allein ver- mogen Lie es nicht. Glauben Sie doch an meine Freundschaft, mehr verlange ich nicht.:" Etta schüttelte den Kopf. . "3$ habe Ihnen nichts gu sagen", antwortete sie, und ihre stimme klang viel zu leicht, viel zu oberflächlich viel zu seicht für die Bedeutung des Augenblicks. 1 -T1,6 kachle nur an Robert Beaumont, an jenes gefürchtete Geheimnis, und kämpfte mit den Waffen, die sie verbMfsendsten ^ren wußte, mit den leichtesten, raschesten, „Wie Sie wollen", sagte Steinmetz. 33. Kapitel. Vor dem Sturm. Eine russische Dorfschenke mit einer rauchenden Lampe, an der der Chünder zerbrochen ist; die fettigen Vorhänge sind dicht vor die schmalen Fenster gezogen, um den leisesten Zug abzuhalten. Der russische Bauer liebt den Zug Nicht; in der Tat, er haßt die frische Himmelslust. Eine Luft, die bereits drei- oder viermal eingeatme't wurde, ist die richtige sur ihn, denn sie ist wärmer. riecht es nach Branntwein, denn große S w V?' längs des langen Tisches. Die Nachricht, luua itvSCsm ^nbmtn bec Schenke, wo eine Versamm- wil? fin Branntwein zu haben ist, soviel man m L w Jtd> ch Osteruo verbreitet, und selbstverständlich ist die^Versammlung stark besucht. 111 ’ in Mterchen, die Zeit der Kapitalisten hL w ent Redner. „Die Reichen, die Fürsten die Edelleute, die großen Kaufleute, die Monopolisteu A tern, denn sie wissen, daß der arme Mann endlich aus seiner langen Lethargie erwacht. Was haben wir in Deutschland getan? Was haben wir in Amerika getan? Was haben wir in England und Frankreich getan?" Und er schlug mit seiner ungewaschenen Faust so nachs- drücklich auf den Tisch, daß mehr als einer der Zuhörer erschrocken nach seinem Glase griff, damit ja kein Tropfen der kostbaren Flüssigkeit verschüttet werde. Niemand schien zu wissen, was in Deutschland, Amerika, England oder Frankreich getan worden sei. Die Bauern von Osteruo starrten den Redner unter ihren buschigen Augenbrauen hervor an; die Hälfte von ihnen verstand ihn überhaupt nicht, und ein paar der Intelligenteren erwarteten, daß er seine eigenen Fragen beantworten werde, was er jedoch nicht tat. Der Redner, ein starker, breitschulteriger Kerl, blickte triumphierend im Kreise umher. Offenbar hatte er seins Rede auswendig gelernt, — wahrscheinlich aus einer gedruckten Flugschrift, die er und seinesgleichen im Lande zu verbreiten hatten. „Wir haben euch aus der Ferne beobachtet, wir haben eure Sorgen und Kümmernisse, eure Krankheiten, e>uren Hunger gesehen", fuhr er fort. „Die Mänuer von Twer sind tapfer, treu und standhaft, sagten wir uns> wir werden ihnen von der Freiheit erzählen. Darum bin ich zu euch gekommen, und freue mich euch zu sehen. Alexander Alexandrowitsch laßt die Flasche herumgehen. Ihr seht, Väterchen, ich komme nicht um Geld zu euch; uein, wir brauchen euer Geld nicht, das beweisen wir, indem wir euch Branntwein geben, so viel ihr wollte. Füllt die Gläser, Väterchen, füllt die Gläser!" Diesen Teil der Rede verstanden die Väterchen von Osteruo sehr gmt und beeilten sich ihr zu gehorchen. „Und jetzt wollen wir von Geschäften reden", fuhr der Redner fort. „Ich, glaube, wir verstehen einander?" Er sah sich lächelnd abermals im Kreise um uud sah lauter Gesichter, die wohl brutal genug waren, um seinen Zwecken zu entsprechen, aber nicht das mindeste Verstände „Der arme Mann hat nur ein Mittel, seinen Willen durchgusetzen, das ist die Gewalt. Die Zeit ist jetzt gekommen, wo wir unsere Kraft zeigen können. Alle Menschen sind gleich, — Knecht und Herr, Bauer und Fürst. Warum geht chr nicht in das Schloß hinauf und sagt dem Manne dort oben, daß ihr hungert uud daß ihr nicht hungern und sterben wollt, während er Kaviar und teure Pfirsiche von goldenen Tellern uud Schlüsseln ißt? Aber er wird nicht aus euch hören, er wird euch nicht einmal ein paar Krumen von seinen goldenen Schüsseln geben. Aber wohex hat er seine Millionen? Ja, woher hat er sie, sagt mir Wieder erhob sich die fragende, ungewaschene Faust, aber während die rollenden Augen des Redners durch das Zimmer schweiften, erblickten sie eine Gestalt nKen der Tür, einen Mann, der alle im Zimmer um ein bis zwei Kopfe überragte, einen Mann, der in einen alten, grauem Rock gehüllt war und ein Wolltuch um den Hals trug, das sein Gesicht halb verbarg. „Wer ist Idas?" schrie der Redner unruhig. „Das ist kein Bauer, das ist ein Spion! Kommt er her, um uns zu verraten?" „Ja, fragen Sie nur, wer ich bin, sie wissen es gut genug", antwortete der Riese. „Es ist nicht das erste Mal, daß ich ihnen sage, daß sie Narren sind; ich sage es ihnen jetzt wieder; sie sind Narren, daß sie einem solchen Wind- beutel zuhören." „Wer ist das?" schxie der bezahlte Agitator, hochrot vor Zorn. „Wer ist dieser Mann?" „Es ist der Doktor von Moskau", sagte jemand neben ihm. „Der Doktor von Moskau." „Das ist kein Doktor", schxie der Redner, „das ist ein Spion, ein Regierungspion! Er hat alles gehört, er hat alles gesehen! Brüder, der Manu darf das Zimmer nicht lebendig verlassen; tut er es, so seid ihr verloren !" Ein paar von den Gewalttätigeren sprangen auf und drängten stürmisch, der Tür zu, Der Agitator schrie, kreischte, hetzte, nahm sich aber wohl in acht, den sicheren Hintergrund zu verlassen. Paul stand mit dem Rücken gegen die Tür, ohne sich von der Stelle zu rühren. 503 Die Veränderungen, die in detz letzten Jahren im Berechtigungswesen der höheren Schulen erfolgt sind ,beiien Mfolge jetzt in ganz Deutschland nicht nur das Gynmasium, sondern auch das. Realgymnasium zuni Studium der Medizin berechtigt, und außerdem in Preußen das Realgymnasium zu allen Studien Zulaß gewährt mit Ausnahme der Theologie, sind nicht ohne Einfluß auf die Mädchen- Gymnasialkurse geblieben. Dieselben wurden alsbald oder neuestens, d, h. von Ostern d. I. ab, fast sämtlich in Realghmnasialkurse verwandelt, so die in Berlin, Leipzig, Baden-Baden, Hannover, Breslau, Frankfurt a. M. ititb Hamburg, sodaß als gymnasial außer den eigentlichen Bläd- chengymnasien in Karlsruhe und Stuttgart nur noch r.e Kurse in Königsberg und München übrig bleiben. In Preußen hat die Unterrichtsverwaltung in jüngster Zeit „versuchsweise" die Einführung sechsjähriger Gymnasial- kurse mit einem Eintrittsalter von mindestens 12 Jahren für Anstalten in Schöneberg, Charlottenburg und Köln genehmigt, aber unter Verweigerung ihrer Bezeichnung als Untertertia re. bis Oberprima. Die Kurse haben vielmehr du Bezeichnung sechste bis erste Realgymnasialklasse zu fuhren. Es ist wohl anzunehmen, daß sich diese Organisation der Türe lasteteinbem er "ach der Klinke Führern sondern sahen sich nach ihren (Fortsetzung folgt.) „Setzt euch ihr Narren!" schrie er. „Setzt euch und Mrt tntr zu. Ihr wagt es ja nicht, mich anzurühren, das wrßt rhr selbst ganz gut." Er schien recht zu haben, denn sie blieben stehen und starrten ihn mit blöden Augen müßig an. „Wollt ihr inich anhören, den ihr seit Jahren kennt, oder diesen Schwätzer? Ihr habt jetzt die Wahl. Ich habe jahrelang mrt euch Geduld gehabt, aber jetzt habe ich es satt. Leid rhr Schafe, daß ihr euch von den Worten eines ^ußrgen ^hwatzers, der alles verspricht und nichts hält, vlenoen laßt? Obiges Schweigen folgte, und Paul wußte, daß Machjt Uber sre verloren hatte; aber er verlor obwohl er sah, in welcher Gesahr er sich befand, da dre unwissenden Leute vom Brannt- wern unb den aufreizenden Reden des Agitators berauscht ♦v ll 1 v i L -"genommen werden. Von dieser Einrichtung wurde im <;ahre 1902 rn Baden rn drei Städten, in Mannheim, Pforz- herm und Konstanz, und in Württemberg gar in 13 meist Heineren Orten Gebrauch gemacht. Tie Reformbestrebungen, die sich im letzten Jahrzehnt auf dem Gebrete des höheren Schulwesens überhaupt geltend machten, haben es mit such gebracht, daß auch den Madchengymnasien die einheitliche Form fehlt. Die älteste Karlsruher Mädchengymnasium, stellt ein lechsklassrges Reformgymnasium Frankfurter Systems dar, £afL“uf dre ersten sechs Schuljahre (6.—12. Lebensjahr) der badischen höheren Mädchenschule aufgebaut ist. Sie zählt zurzert 86 Schülerinnen. Eine ähnliche Anstalt wie die Karlsruher wurde erst im Frühjahr 1899 wieder ge- grunbet: bas Mäbchengymnasium zu Stuttgart. Auch hier rst, ber Lehrgang im wesentlichen der bes Frankfurter Gym- nasrums. Die Stuttgarter Anstalt weist jetzt 38 Schülerinnen auf. Während man so in Sübdeutschland von 'Anfang an aus einen mindestens sechsjährigen Gymnasialunterricht I ausging, konnte man sich, wie Herberich ausführt, inPreußen mcht dazu entschließen, derartige Anstalten zu genehmigen. Man hielt vielmehr prinzipiell daran fest, baß bie Mädchen I erst dre neunklassige höhere Mäbchenschule absolvieren soll- I fen, um bann erst, also nach zurückgelegtem 15. Lebens- lahr, ihre Gymnasialstudien zu beginnen. Auf dieser Basis I wurden im Jahre 1893, also gleichzeitig mit dem Karlsruher Mabchengymnasium, die „Gymnasialkurse von grauen" ui Berlin unter Leitung von Fräulein Helene Lange eröffnet. Sie führten ihre Schülerinnen anfangs in 3-, später I m 4< und jetzt in 41/zjährigem Kursus zum Abiturienten- ! examen. Sie zählen jetzt 94 Schülerinnen. Den Berliner Kursen folgten die Leipziger Gymnasialkurse im Jahre 1894 unter Leitung von Fräulein Dr. K. Windscheid. Sie wurden vom „Allgemeinen Deutschen Frauenverein" gegründet und bisher unterhalten. Auch sie haben einen 4i/zjährigen Unterrichtsgang und nehmen ihre Schülerinnen gar erst nach zurückgelegtem 16. Lebensjahr auf. Die Zahl ihrer Schülerinnen betrug im Jahre 1901: 37, nachdem sie im Jahre 1898 bis auf 52 gestiegen war. Die Berliner und die Leipziger Kurse blieben zunächst ohne Nachfolge. Erst vont Jahre 1898 ab wagte man sich wieder an die Gründung neuer Anstalten. So entstanden int Jahre 1898 Gymnasialkurse in Königsberg mit 4jährigem Kursus, 1899 in Hannover mit fünfjährigem, 1900 in Breslau mit vierjährigem, 1900 in München mit dreijähigem, 1901 in Frankfurt a. M. mit fünfjährigem, 1901 in Hamburg mit viereinhalb- bis fünfjährigem Kursus. In Baden-Baden wurde von 1897 ab an der höheren Mädchenschule eine Art Reform-Progym- nasinm errichtet, in dem den sich hierfür meldenden Schülerinnen der drei obersten Klassen ber Atädchenschnle im Auftrag ber Schule Privatunterricht in Latein unb Mathematik erteilt würbe unter gleichzeitiger Entbinbung von anberen Unterrichtsfächern. Diese progymnasiale Abteilung zählte im Jahre 1902 11 Schülerinnen. In Mannheim würbe bie stäbtische höhere Mädchenschule im Jahre 1901 in einen Mädcheuschulzweig unb einen Realschulzweig gegliedert, welch letzterer genau nach dem Lehrplan ber badischen Kua- ben-Realschulen arbeitet unb späterhin zu einer vollständigen Oberrealschule für Mäbchen ausgebaut werden soll. Frauenstudium in Deutschland. die Augen vor offenkundigen Tatsachen ver- U Ä'eS HKöfi A K sSffi Lk eS*ÄViW?ia rÄ bi ür da"s af^^^Eerscheiden die Vorbereitung der Frauen ' iubiunt s/lbü Studium und das akademische Frauem WZMMWß S«--?w"lch"°L" ^7- B Me Swk“%£ I ♦4* sS«S SGETÄÄ"»?“,t K erst durch die mit der Uebernahme der Anstalt Hi I städtische Verwaltung im Jahre 1898 verbundene Reoraanw I LZWHML-M hpit der Mädchen im Sinne ber für Knaben bestebem hi $etttoüathnf1is¥ef°rA®9mnafieu ober Real-Gymnasien aerialte nni bsBtSle- rn verhältnismäßig engen Grenzen ? l n Sktoer^0^ ber ^wegung W, JÄÄ'E’ffÄ »N gm,3m fef4'e„ der München er „st t« S'« Zirkeln abgesehen in Ä von privaten I sammen etwa 50l/Schülerin«mi eine dlnstalten die zu- ghmnasiale Ausbildung aelväbren °der real- und ®6a®?o”tatorg19(1903)&$oil13', schön-b-rg (1903), Karlsruhe, SabenXben Lelrä t ft"b fü«f Mdtisch: nELLMMM! 504 mit der Zeit zur Grmwlige aller Mädchengymnasien aus- bilden wird. . Mit der Entwickelung dieser Seite des Fraueustudiums hat eigentlich die Frage des akademischm Frauenstudiums nicht gleichen Schritt gehalten. Mit Ausnahme Badens, das bekanntlich 1891 mit der Zulassung der Frauen zum Uni- versitätsstudium, zunächst in der mathematisch-naturwissen- schaftlichen Faknltät Heidelbergs, den Anfang machte, sind die Frauen in Deutschland noch nirgends zur eigentlichen Immatrikulation zugelassen, auch dann nicht, wenn fte eine abgeschlossene Gymnasialbildung nachweisen. Sie gelten als Hörerinnen und bedürfen in der Regel zur Zulassung, die sich überdies nicht auf alle Fakultäten erstreckt, noch einer besonderen behördlichen Genehmigung. In verschiedenen Bundesstaaten ist die letztere, unter Voraussetzung der Beibringung der erforderlichen Zeugnisse, generell erteilt. Daneben ist indessen überall noch die Einwilligung der einzelnen Dozenten zum Besuche der Vorlesungen seitens der Frauen erforderlich. Wenn auch, abgesehen von den theologischen Fakultäten, die meisten Hochschullehrer diese Einwilligung erteilt haben, so sind doch noch gar,manche Kollegin auch in den neuesten Vorlesungsverzeichnissen, zumeist in den medizinischen Fakultäten, aber auch in den juristischen und philosophischen, mit dem Stern versehen, welcher den Ausschluß der Frauen bedeutet. Unter diesen Umständen sind die Zahlen, welche hinsichtlich der auf den deutschen Universitäten stndierenden Frauen festgestellt sind, von doppeltem Interesse. Im Winter-Semester 1900/01 war diese Zahl 1029, im Winter-Semester 1902/03 1271. Die Steigerung ist demnach nicht allzu bedeutend. Von den sogenannten akademischen Berufen kommen in Deutschland zurzeit für Frauen nur das höhere Lehrfach und der ärztliche Beruf in Betracht. Der letztere wurde den Frauen eigentlich erst 1899 durch den Bundesratsbe- schluß eröffnet, welcher die Anrechnung der Semester, die die Frauen als Hospitantinnen an den Universitäten verbringen, als Studiensemester verfügte. Daneben steht ihnen die Pharmazie und Zahnheilknnde frei. Gemeinnütziges. M o d efeh ler in der Klein kin d er pfle g e betitelt sich ein bemerkenswerter Aufsatz in dem neuesten Heft der Krankenpflege, in welchem Dr. O. Hoffmann gewisse in weiten Kreisen eingewurzelte Gewohnheiten und Gebräuche geißelt. Während man allgemein bei der Kleidung und Wohnung darauf zu achten sich gewöhnt hat, daß unter Erhaltung der erforderlichen Wärme doch möglichst freie Lüftung vorhanden ist, huldigt man heutzutage der Unsitte, die Kinderwagen und Körbe, welche Kindern im ersten Lebensjahre als Bettstatt zu dienen, pflegen, mit lnft- und wasserdichten Stoffen, z. B. Wachsleinwand, aus- znkleiden. Damit wird nach unten und nach den Seiten jede Verdunstung ausgeschlossen, was für den kindlichen Körper doppelt nachteilig ist, da gerade er sich durch rege Hauttätigkeit auszeichnet. Ist nun noch in dem Wahne, daß das Kind ja vor Erkältung geschützt werden müsse, ein dicker Schleier über das Kind gezogen, oder sind die Vorhänge am Wagen oder Korbe geschlossen, so kann man sich ungefähr vorstellen, in welcher ungesunden Atmosphäre das kleine Wesen gehalten wird. Kinderwagen und Kinderkörbe müssen, um die Hautverdunstung nicht zu beeinträchtigen, mit für Luft leicht durchlässigen, gut waschbaren Stoffen cmsgeschlagen werden, die öfters zu ivcch- seln sind und jedenfalls bei Beschmutzungen erneuert werden können. Die Vorhänge sollen nicht etwa, wie die Mode es verlangt, grelle Farben zeigen, hellblau oder lila, hellgrün oder hellrot gehaltene Stoffe blenden bei darauf fallender Sonne das zarte, lichtempfindliche Kinderauge. Am zweckmäßigsten sind unstreitig stumpfgraue oder stumpsbraune Farbentöne. Weiterhin verlangt Hoffmann einen anderen Zuschnitt für die, sogenannten Steckkissen, in denen die Kinder leider meist unnötig fest, ein» gezwängt liegen. Da, wo das oberste Band zu liegen kommt, also unterhalb der Achselhöhle des Säuglings, muß ein etwa handbreites Stück den bisherigen schmalen Schnitt behalten, und dieses Stück muß durch zwei oben handbreit von einander befindliche Bänderpaare so um den oberen Teil des kindlichen Rumpfes zu liegen kommen. daß es diesem sich gut anschmiegt, ohne zu drücken. Dann aber muß sich sowohl das vordere wie das hintere Blatt des lAeckkissens erheblich verbreitern, so daß es für den imteren Teil des Rcimpses und für die Beine des Kindes einen weiten, warmen Beutel bildet, in welchem das Kleine seine instinktiven Muskelübungen mit den Bvin- chen fast ungehindert ausführen kann. Dieser Beutel wird an beiden Seiten durch Küöpfe oder Minder so gut geschlossen, daß die Füßchen nicht seitwärts hindurch- schlüpfen. Damit aber das Kind nicht etwa aus dem ganzen Kissen herausrutscht, was bei der schlangenartigen Beweglichkeit des Kindeskörpers leicht geschehen könnte, kann man den oberen fester anliegenden Teil des Steckkissens durch Bänder — die nötigenfalls Gummizeug erhalten — an das Kleidchen des Kindes befestigen. Lrievarisches. — Der Zauberknoten. Kulturroman von William Barry. Aus dem Englischen übertragen von Johanna Szelinska. Mit Bildern von A. Baworowski. München 1903, Allgemeine Verlagsgesellschaft in. b. H. Preis brosch. Mk. 4, geb. Mk. 5. — Vorliegendes Werk ist kein oberflächlicher Unterhaltungsroman, sondern em scharsgeprägtes Bild menschlichen Ringens; daß die Guten sehr oft schuldlos leiden müssen für die Sünden anderer, ist der Grundton des Werkes, der Kern, um den der Verfasser wie um einen kostbaren Edelstein eine goldene Einfassung von feinen, psychologischen Beobachtungen geschlungen hat. Einen großen Reiz des Buches bilden die entzückenden landschaftlichen Schilderungen und die Bilder vom Tun und Treiben des interessanten, so wenig bekannten irischen Volkes. Der Name des Verfassers, ein in England und auf dem Kontinent wohlbekannter Gelehrter, bürgt allem schon für den Wert des Buches, das besonders auch dem Kulturpsychologen unschätzbares Material bieten dürfte. — Die Frauen des Orients in der Geschichte, in der Dichtung und im Leben. Von A. Freih. v. Schweiger- Lerchenfeld. Mit ea. 350 Textabbildungen, 11 farbigen und 14 schwarzen Vollbildern. In 25 Lieferungen a 1 Wart. Bisher 5 Lieferungen erschienen. A. Hartlebens Verlag, Wien und Leipzig. — Man kann sagen, daß, m diesem prachtvoll ausgestatteten Werke dem , Leser eine große Ueberraschung bereitet wird. Es ist eine so gut wie unbekannte Welt, die sich in diesen musterhaften Schild r- ungen des Frauenlebens unter den Arabern m der heidnischen Vorzeit, unter dem ProphetenMohammed und m. der Kulturepoche des omnejadischen und abbassidischen Cha- lifats vor unserem geistigen Blicke entrollt. Nur ent gründlicher Kenner der orientalischen Quellenliteratur konnte aus jenem reichen Borne schöpfen, der m nichtorientalistischen Kreisen völlig unbekannt ist. Und wie mühelos wird es, dank der Schilderungskraft des Verfassers, dem Leser gemacht, sich in dieses fremdartige, farbenschillernde, durch einen fabelhaften Luxus l^eim- ^eickmete Milieu einzuleben. Bei solchem Reichtume des Gebotenen liegt es nahe, den folgenden Lieferungen des in jeder Beziehung lobenswerten Werkes mit gesteigertem Interesse entgegenzusehen. . - Worträtsel. (Nachdruck verboten.) Die Ersten brauchen nicht zu sorgen, Sie stört die Hast des Tages nicht. Im zweiten Paar sind sie geborgen In das kein Schmerz, kein Leiden bricht. Doch steht nach Gold der Sinn der Letzten, So nennt man oft sie wüst und wild. Sind diese Letzten in den Letzten, So ist der Golddurst gleich gestillt. Das Ganze wird nicht viel beachtet, Es ist ein schlichter Handwerksmanu, Den man, wenn man cs recht betrachtet, Nur auf der See entbehre« kann. (Auflösung in nächster Nniumer ) Auflösung des Zahlenrätsels in vor. Nr.: Hundstage. (Huhn, Nase, Stande, Hasen, Tanne, Tag, Etage.) Redaktion! August Götz.— Notatiouslrnck und 8 irlog ter 8 r i l I 'ick.cn 11 trnf «c » 11:1 kirl n.ccic.. Sh. ■’ <