Montag den 26. Januar. 1903. — Nr. 14. (Nachdruck verboten.) Eine verhängnisvolle Fahrt. Roman von B. M. Croker. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Alwina Bischer. (Fortsetzung.) 16. Kapitel. Durch Stürme sestgebannt. Ter August und halbe September waren vorüber; in Battybay aber hatte der Fremdenverkehr noch keineswegs nachgelassen. Mr. Lovcll entpuppte sich unverhohlen als «n gewöhnlicher Luftkurgast, der in steter Gesellschaft Lady Hanfhawes zwar manche Bootfahrt unternahm, aber noch nie eine Angel ausgeworfen hatte. Sir Greville und Mrs. Tuckitt bildeten ebenfalls ein fast unzertrennliches Paar, und niemand betrieb die Kunst des Fischens mit mehr Ausdauer, als diese beiden. In vollen Zügen genossen sie den herrlichen Sport und brachten manch prächtige Lachsforelle mit nach Hause. So blich Maurern meist sich helbst überlassen. Sie las, ritt oder durchstreifte unermüdlich die Umgegend bis hoch hinauf in die Berge, oder sie wanderte den Ufern der Seen oder der kleinen, sandigen Buchten entlang, Wo die braunen Seehunde sich sonnten. Es Hütte immer für ein großes Unternehmen gegolten, feinen Ausflug nach den Skelligs zu machen — zwei weit ab von der irländischen Mste gelegene, einsame FUselch die einst die Zufluchtsstätte frommer Männer gewesen waren, setzt aber den Seevögeln als beliebter Aufenthaltsort dienten. W war eine tüchtige Tagestour dorthin, und die Ruderer haften besonders an der Stelle, wo das Boot Sie geschützte Bucht verläßt und gegen die Wogen des atlantischen Özkans ankämpfen muß, ein hartes Stück Arbeit W bestehen. Maureen hafte die Fahrt schon am Anfang H-res Auftnthaftes mit einer fröhlichen Gesellschaft beim herrlichsten Wefter unternommen, Und ihre Verwandten beabsichtigten nun das gleiche zu tun. Sir Greville und seine Gatttn, Mrs. Tuckitt und noch sechs weitere Bewohner des Hotels mieteten ein Schiff, ließen es reichlich mtt Lebens- Mitteln versehen und gaben den Befehl, am nächsten Morgen UM fünf Uhr geweckt zu werden. Als Lady Fanfhawe indes UM fünf Uhr zum Fenster hinaussah und die Bucht ihr nicht ganz spiegelglatt erschien, schwand ihr Mut. All die Schauergeschichten, die sie über schwieriges Landen auf den Fu seln und über das manchmal wochenlange Festgebanntsein Bort durch Sturm und Unwetter gehört hatte, sielen ihr fein, sodaß sie sich trotz Sir Grevilles eifrigstem Zureden picht zuur Mitgehen enffchließen konnte, sondern fröstelnd in ihr Bett zurücklroch. „Tu wirst es bitter bereuen, daß Tu nicht mitkommst, Mist wirklich,Mn wundervoller Ausflug", sagte Sir Gre^ Ville beim Weggehen ziemlich ärgerlich über seine so wenig unternehmungslustige Gattin In bester Laune fuhr die aus neun Personen bestehend« Gesellschaft fort. Nach Sonnenuntergang wurden sie zurück» erwartet, allein während des Nachmittags erhob sich ein bedenklicher Wind, der sich immer mehr steigerte, und als um zehn Uhr abends noch nichts vom Schiffe -yu sehen war, sprach der Wftt die Vermutung aus, daß bie Gesellschaft jedenfalls aus den Skeliggs übernachten werde. „Ich kann aber wirklich nicht einsehen, warum sie nicht zurückkommen", entgegnete Lady Fanfhawe in gereiztem Tone. „Wenn die gnädige Frau die Skelligs kennen und sehen würde, wie der atlantische Ozean sie umtost und umbraust, als wolle er sie verschlingen, so würden Sie wohl -begreifen, daß ein Schiff bet einem solchen Sturme unmöglich von dort abfahren kann." „Mer morgen ftüh werben sie doch sicher kommend „Tas hängt ganz vom Wetter ab, gnädige Frau. Wenn es' besser wird, natürlich, ist es aber schlechter —" „Was bann?" fragte sie heftig. „Aengstigen brauchen Sie sich durchaus nicht, gnädig» Frau, die Herrschaften worden sich gewiß ganz behaglich fühlen. Es ist eine lustige Gesellschaft, Nachtquartiere giebt es dort auch und einfache Köst; Mrs. Tuckift hat ein Karten-! spiel mitgenommen, Kapitän Willis sein Banjo, da vergeht ihnen gewiß die Zeit ganz angenehm." Ohne daß der Mann es ahnte, wirkte feine Rede auf die schöne Frau, wie der Funken in einem Pulverfaß, Als' Lady Fanfhawe ihre Schwester dann gleich daraus zu sich in ihr Zimmer kommen ließ, begann sie sogleich in größter Erregung: „Dieses Robinsonspielen erwachsener Menschen auf einer öden Fusel ist doch wahrhaftig zu albern und kindisch, beim bas Wefter benützen sie natürlich nur als Vorwand." ,Ms- ist entsetzlich stürmisch, Nita. Höre nur, wie es tobt. Ich weiß gewiß, daß Tu unter diesen Umständen auch ruhig dort bleiben würbest." „Gott sei Tank, daß ich nicht mftgegangen bin! Ich hafte natürlich wieder einmal recht. Eines aber kann ich Tir sagen, wenn Greville morgen um zwölf Uhr nicht zurück ist, so werde ich sehr böse sein." „Auf die Elemente oder auf ihn?" „Auf ihn natürlich", antwortete sie ärgerlich. „Tu darfst überzeugt sein, daß er sobald als möglich kommt; niemand bleibt zu seinem .Vergnügen länger als einen Tag auf den Skelligs." „Horch!" ries sie aufspringend. „Ich glaube, sie smd eben gekommen. Hörst Tu das Trampeln und Sprechen unten? Wie gift, daß wir noch nicht zu Bett sind!" Maureen hatte während des Sprechens die Wr geöffnet und lief Nun zum Treppenabsatz, wohin ihr Lady Fanfhawe hastig folgt». Ja, es waren in der Tat die Reifenden, die lebhaft sprechend und ihre Heldentaten i— 54 rühmend, heißhungrig dem Sipeifesaal zueilten. Nita, die aus ihre Schwester gelehnt hinunter sah, atmete kurz und schwer, denn sie konnte nur sieben Zurückkehrende zählen, sieben durchnäßte, zerzauste Menschen. Wo aber waren die beiden andern? Wo Greville, wo Mrs. Tuckitt? Wie ein Wirbelwind stürmte sie die Treppe hinunter mitten in die Gesellschaft hinein und auf eine Mrs. Perry zu, die sich soeben behaglich vor einem Teller dampfender Suppe nieder- gelassen hatte und sofort begann: „Ach, meine liebe Lady Fanshawe, es tut mir leid, daß 'wir nicht imuf die beiden warten konnten." „Wie, Sie haben Sie doch nicht auf der Insel zurück- gelassen?" „Doch. Schon begann die See wieder unruhig zu werden, und da konnten wir wirklich nicht länger mehr zögern. Ihr Mann und Mrs. Tuckitt streiften nach dem Gabelfrühstück auf der Insel umher, und nachdem wir alle zusammen die Mönchszellen und alles andere Sehens- würdige besichtigt hatten, gingen die beiden noch zum Fischen oder suchten Wogeleier. Ich muß sagen, es war ein rechter Unsinn, denn man hatte uns geraten, bei Zeiten abzusahren, da der Wind plötzlich umgeschlagen war, und das Meer wieder unruhig zu werden begann. Und in der Tat, es war eine schreckliche Fahrt; jeden Augenblick glaubte ich, das Schiss werde in den Wellen begraben. Sie taten wohl daran, zu Hause zu bleiben, Lady Fanshawe, und Sie auch, Mr. Lovell", fuhr sie, dem jungen Mainn zunickend, fort, der sich astr den Tisch gesetzt hatte, um der Erzählerin zuzuhören. ,Lch liebe solch' abenteuerliche Fahrten nicht", aitt-4 wartete Nita kühl. „Nehmen Sie sich die Sache nur nicht zu Herzen, Lady Fanshawe", sagte Kapitän Willis, dem ihr blasses Gesicht und ihre erregt funkelnden Augen ausftelen. „Sie verdienen Ihr Milleid wirklich nicht. Ich wette, was Sie wollen, daß die beiden so vergnügt sind wie ein Fisch im Wasser und ganz befriedigt von ihrem Aufenthalt." Nita antwortete nichts, sondern stand, einen raschen Blick aus ihre Schwester werfend, hastig von ihrem Platze auf und kehrte in höchster Erregung in ihr Zimmer zurück. Maureen folgte ihr fast aus dem Fuße, kam aber trotzdem einen Augenblick zu spät — die Tür war schon verschlossen und verriegelt. 17. Kapitel. Das leere Nest. Anstatt sich zu beruhigen, steigerte sich der Sturm von Stunde zu Stunde. An ein Fischen, selbst auf den Seen, war nicht zu denken, keines der vorhandenen Schiffe, mit Ausnahme der Rettungsboote, hätte den wild erregten Wellen der Bucht standgehallen, und was waren die im Vergleich zu den bergehoch sich auftürmenden Wogen des gewaltigen atlantischen Ozeans. Lady Fanshawe aber weigerte sich eigensinnig, das Wetter zu beobachten, und fuhr fort, sich in den unver- nünstigsten Reden und Vermutungen zu ergehen, während der schlaue Lovell die Gemütsstimmung der schönen Frau dazu benutzte, seine Fallstricke um sie zu Wersen, indem er sie mtt prächtigen Blumen und teilnehmenden Worten überschüttete. Maureen tat ihr möglichstes, Ntta zu beruhigen und zu zerstreuen. Sie forderte sie auf, mit ihr an den Strand zu gehen und das herrliche Schauspiel der sturmgepeitschten Wogen zu betrachten, allein Nita schlug auch das rundweg ab, da sie den Sturm hasse und überhaupt jetzt lieber einige Zett ganz allein ungestört bleiben wolle. So ging Maureen, in einen warmen roten Mantel gehüllt. Mein ans Ufer und sog mtt Hochgenuß die kräftige, salzige Luft ein. Vom Sturm zerrissene schwarze Wolken trieben gleich schattenhaften Gespenstern am Himmel hin, und trüb und grämlich senkte sich die blasse Sonne endlich in die brausende See. Mit Einbruch der Dämmerung erst kehrte Maureen ins Hotel zurück, um Nita zu berichten, daß der Sturm schlimmer wüte, denn je. Etwas hastig öfftrete sie, die Tür des gemeinschastllchen Wohnzimmers, das noch im Halbdunkel lag und nur vom Kaminfeuer Matt erleuchtet wurde. Ticht davor, am Fuße eines Ruhebettes, halb im Licht und halb im Schatten, saß Nita, ihr zartes Gesicht mtt einem Pfauenfächer vor der Glut schützend. Nachdem Maureens Augen sich etwas an die Dunkelheit gewöhnt hatten, entdeckte sie noch eine zweite Gestatt auf dem Sofa, und zwar die eines Mannes — der — ja, sie täuschte sich nicht — her bei ihrem Eintritt die Hand ihrer Schwester gehalten hatte. Oder sollte ihre allzu leb-. Phantasie ihr etwas vorgegaukelt haben? Jedenfalls aber konnten ihre Ohren sie nicht betrogen haben, denn beim Eintritt ins Zimmer hatte sie Mta sagen hören: „Ich will ihm noch einen Tag Frist geben. — Still!" Schlecht war Mta nicht- o nein, nur schwach und haltlos!. Mer wie konnte sie sich herablassen, diesem Mr. Lovell chre Sorge um Greville anzuvertrauen? Maureens junge/ unerfahrene Seele befand sich in großer Aufregung, und ihr Herzt schlug hefttg, als sie mit zitternden Fingern ihren Mantel aufknöpfte. „Na, hier bist Tu ja endlich!" rief Mta in erfreutem Tone, als sei ihr die Unterbrechung willkommen. „Wie ist das Wetter jetzt?" „Schlimmer denn je", antwortete Maureen, wobei ihr zornfimkelnder Blick nicht auf Nita, sondern auf deren Gefährten gerichtet war. „Ich saß hier im Dunkeln mit abscheulichen Köpft schmerzen behaftet", erklärte Lady Fanshawe, „bis sich Mr. Lovell meiner erbarmte und mir ein Mittel brachte, das bereits Wunder gewirtt hat." „Warum hast Tu denn kein Licht? Wo sind die Lampen und Streichhölzer?" fragte Maureen in scharfem Tone. „Gestatten Sie, daß ich Ihnen helfe", fiel Lovell ein, indem er auf dem Tisch neben sich herumtastete. „So sind Sie also nicht vom Sturme fortgeblafen worden, gnädiges Fräulein?" „Ich bin überhaupt nicht so leicht fortzublasen", antwortete sie ernst. „Wissen Sie denn noch nicht", sagte Lady Fanshawe, „daß Maureen sich überhaupt vor nichts fiirchtet, weder zu Wasser, noch zu Land — außer vielleicht vor jungen Herren." „Wie kannst Du solchen Unsinn schwatzenf Maureen, indem sie ein Licht anzündete und ihre Schwerer prüfend betrachtete. Ja, Nita sah verwirrt, auffallend verwirrt aus; ihre Wangen brannten, sie schien sogar vor kurzem geweint zu haben. „Mr. Lovell weiß sehr gut, daß Du scherzest", sagte Maureen, Nitas Verehrer scharf ansehend. „Vor ihm zum Beispiel fürchte ich mich nicht im geringsten." „O nein, in der Tat, die Sache liegt umgekehrt. Ich habe einen Höllenrespekt vor Miß T7Arcy. Wenn Sie die Stirne runzelt, so zittere ich tote Espenlaub." „Tas freut mich, zu hören", antwortete sie kühl. „Wenn Sie mein Mißfallen erregen, so werden Sie schon sehen, was Sie zu erwarten haben." Mr. Lovell betrachtete sie nachlässig. Es war ein schönes Blld, wie sie da vor ihm stand mtt geröteten Wangen, den scharlachroten Mantel noch über den Schultern und ein Licht in der Hand. Tie ganze Seele des Mädchens schien in ihren dunkeln, wundervollen Augen zu liegen, in denen Bertram Lovell indes eine ernste Herausforderung und eine deutliche Drohung las. Diese Entdeckung schmeichelte ihm ungeheuer, aber er zwang sich, seine Freuds darüber nicht merken zu lassen. Welche Kühnheit von einem Mädchen ihres Mters, sich mit ihm in einen Kampf zu wagen! dachte er. Ws er eben antworten wollte, ertönte zum erftenmale die Dischglocke, was von Lady Fanshawe, die voll Unbehagen dem immer gereizter werdenden Gespräch der beiden gefolgt war, mit Freuden begrüßt wurde. Sich sofort erhebend, sagte sie: „Ich gehe nun, mich um- zukleiderr." Lovell sprang auf, ihr die Tür zu öffnen, und flüsterte ihr dabei in leisem, zärtlichem Ton ins Ohr: „Denken Sie daran!" Allein Maureen, die dicht hinter ihm stand, hatte die Worte aufgefangen. Eine kurze Pause der Ueberkegung folgte, dann sagte sie, Lovell mit strenger Miene ansehend: „Tas waren Wnig Karls letzte Worte, ehe er seinen Kopf verlor. Ich hoffe, Sie denken nicht, daß meine Schwester in Gefahr ist, den ihrigen zu verlieren?" Daraufhin verließ sie das Zimmer, ohne eine Erwiderung abzuwarten, die indes auch gar nicht erfolgte, da Mr. Lovell viel zu sehr überrascht war, nm eine Antwort zu finden. Während er so dastand und ihr nachsah, wie sie in stolzer Haltung den Gang entlang ging, murmelte er endlich leise vor sich hin: „Boshafter, Keiner Teufel!" Am Abend fiel Lady Fanshawes neuerwachte Heiterkett allgemein auf. Ihre Augen funkelten und ihre Wangen glühten — ntemafe hatte man sie hübscher und lustiger gesehen. Voll Eiftr Beteiligte sie sich an den Gesellschafts-i fbtefen, kovbÄ sie bett gtWierr Unfhtn schwatzte, allein ihr Lachen Stang unnatürlich und ihre Lebhaftigkeit hatte etwas fieberisch Erregtes. Kaum war sie jedoch in ihrem Zimmer an gelangt, so trat sofort ein sonderbarer Rückschlag ein. Nita wurde schweigsam, zerstreut und öffnete, wahrend Mau-, reen ihr die Haare Mrstete, nicht ein, einziges Mal die Wppen. (Fortsetzung folgt.) Aus Edisons Leben. Non Fred Hoob. (Nachdruck verboten.) Obwohl die Presse sich sehr häufig mit den Erfindungen Edison's, sowie seinen grandiosen Unternehmungen beschäftigt, haben wir doch verhältnismäßig wenig über sein Leben ersahren. Doch ist es im höchsten Grade interessant und lehrreich, die Laufbahn dieses Mannes zu verfolgen, welcher dre größten Hindernisse überwinden lernte und vom Geschick seinem Ziele zugeführt wurde. Edison ist heute 54 Jahre alt; seine Arbeitsjahre als Erfinder umfassen vielleicht drei Jahrzehnte, aber wenn wir uns vergegenwärtigen, welch eine ungeheure Fülle von Arbeit dieser aus oen dürftigsten Verhältnissen hervorgegangene Mann in der kurzen Spanne Zeit geleistet hat, so vermögen wir kaum zu begreifen, daß dies alles vas Werk eines einzelnen gewesen sein soll. Dabei hat Edison nur eine ganz ungenügende Schulbildung genossen, auch mußte er schon sehr früh beginnen, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, sodaß für Studien irgendwelcher Art nicht viel Zeit übrig blieb. Edison wurde im Jahre 1848 von armen Eltern in dem kleinen Dorfe Port Huron im Staate Ohio geboren. Seine ersten Groschen verdiente er sich durch den Verkauf von Zeitungen, Früchten und bergt Er lebte in den dürftigsten Verhältnissen, und es ist nicht ganz Rar, wie er schon damals daraus verfiel, mit verschiedenen chemischen Stoffen zu experimentieren. Man kann nur annehmen, daß er die ersten Anregungen aus Zeitungen empfangen hat, mit denen er seinen Keinen § anbei betrieb. Auf dem Zuge, welcher zwischen Port Huron und Detroit (Michigan) verkehrte, und welchen er häufig zu benutzen pflegte, um unterwegs seine Zeitungen an die Reisenden zu verkaufen, räumte ihm ein Schaffner den leeren Teil eines Gepäckwagens ein. Hier machte er seine ersteir chemischen Ex- perimente, ohne daß er barem gehindert worden wäre. Man ahnte vermutlich nicht die damit verknüpften Gefahren. Alles ging gut, bis eines Tages ein wenig Phos- phor zufällig auf den Fußboden tropfte und sich in ber Atmosphäre sofort entzündete. Obgleich das Unglück noch rechtzeitig verhütet wurde, ber Wagen also nicht in Brand geriet, kam der Schaffner in große Wut, warf alle seine Flaschen und Krüge aus dem Wagen und riß den Jungen dermaßen an beiden Ohren, daß die Trommelfelle derselben verletzt wurden. Die Folge war, daß Edison lebenslänglich schwerhörig wurde. Das Unglück vermochte den Knaben von seiner Leidenschaft für chemische Experimente nicht zu heilen. Er verlegte sein Domizll nach der nächsten Bahnstation. Jetzt hatte er auch bereits eine unklare Vorstellung von dem Wesen der Elektrizität, doch fielen seine ersten naiven Versuche sehr kläglich aus. Ms Mison 14 Jahre alt war, befand er sich eines Tages zufällig in Mount Clement Station, einem Keinen Orte in Ohio, wo er den Stationsbeamten Kenzie kannte. Während er mit diesem plauderte, lief ber Keine Sohn des Beamten über bas Bahngeleise. In diesem Moment kamen infolge des Rangierens ber Züge plötzlich zwei Eisenbahnwagen angerollt. Ebison sprang hinzu unb rettete bas Kind in dem Moment, als es gerade von dem Wagen gefaßt werben sollte. Der Beamte hätte den Jungen gern belohnt. Da er jedoch selbst wenig bemittelt war, und Edisons Leidenschaft für die Elektrizität kannte, so erbot er sich, ihn zum Telegraphisten auszubilben, ein Anerbieten, welches freudig aeceptiert würbe. Dieses Studium mußte nach Erledigung der ermüdenden Tagesarbeit betrieben tverden, denn damals verkaufte Edison seine Zeitungen in den Zügen einer Eisenbähnstrecke, welche Mount Element Station berührte. Seine Einnahmen verbesserten sich etwas zur Zeit 55 — des amerikanischen Bürgerkrieges. In allen vom Schauplatz der Unruhen entfernten Städten verlangte man Berichte über die Schlachten und darauf gründete ber junge Edison seine Pläne. Er traf mit den Besitzern der „Free Preß" von Detroit die Vereinbarung, daß ihm von jeder Nummer 1000 Exemplare ä Kondition geliefert wurden. Nun wußte er sich an bestimmten Orten mit den Telegraphisten der Bahnstation zu verständigen, die zunächst telegraphisch eine kurze Inhaltsangabe der Zeitungen erhielten, die auf den Bahnhöfen bekannt gegeben wurde. Wenn Edison nun auf seiner Route bei den verschiedenen Stationen anlangte, so fand er schon die ganze Volksmenge versammelt, welche die Zeitungen erwartete. Bei diesem Handel konnte Edison einige Ersparnisse machen, ja es ging ihm so gut, daß er sogar täglich einen Dollar seiner Mutter senden konnte. Gleichzeitig machte er unter Leitung seines Freundes Kenzie sehr gute Fortschritte und bereits nach Verlaus von sechs Monaten wurde er als Signalwärter mit einem Monatsgehalt von 100 Mark bei der Grand Trunk Rail- way an gestellt. Hier soll er seine erste Erfindung gemacht haben, die ihm aber wenig Anerkennung brachte. Es gehörte zu seinen Pflichten, alle halbe Stunde die Zahl „Sechs" nach einer Stachbarstation zu melden, und da Edison es sehr albern fand, alle halbe Stunde an die eilte Sechs denken zu müssen, so kam er auf den Einfall, eine automatische Einrichtung zu schaffen, welche diese Arbeit an seiner Stelle ausführen sollte. Das gelang auch ganz vortrefflich, doch fiel es aus dem Haupttelegra- phenamt auf, daß man jedesmal, wenn das Wort „Sechs" erschienen war, die Stummer auf ber Leitung für einige Zeit nicht mehr erhalten konnte. Man beauftragte nun einen Detektiv mit der Erforschung des mysteriösen Falles und bas Resultat war, bau Edison sofort entlassen würbe. Man schenkte seiner Erfindung nicht die geringste Beachtung, Da er sehr tüchtig war, fand er bald wieder bei einer anderen Eisenbahngesellschaft Stellung, vernachlässigte aber aufs neue seine Pflichten, da sein erfinderischer Geist sich stets mit anderen Dingen beschäftigte. Eines Abends ließ er seine Station einen Zug passieren, obwohl unmittelbar zuvor ein anderer Zug abgegangen war. Er hatte vergessen, ein wichtiges Signal zu geben. Edisolt lief die Bahnstrecke hinunter und rief Mrzte und andere hilfsbereite Personen zusammen, damit sie den vermutlich Verletzten Beistand leisten sollten. Er war überzeugt, daß ein schreckliches Unglück geschehen sein müßte. Glücklicherweise waren die Züge nicht zusammengestoßen; die Lokomotivführer ber beiden Züge hatten bie gegenseitigen Signale rechtzeitig gehört, um bas Unglück noch verhindern zu können. Wegen dieses Vergehens wurde Ebison vor den Direktor ber Bahnlinie gerufen. Man sagte ihm, daß es für die Sicherheit der Bahn nötig' sei, ihm eine Se Strafe aufzuerlegen. Während man noch über sein sal beratschlagte, gelang es Edison, da er mindestens ein Jahr Gefängnis zu erwarten hatte, in aller Stille zu entwischen und nach einem anderen Staate zu gehen. Edison legte den Weg von Memphis (Tenessee) nach Nashville in demselben Staate, eine Entfernung von mehr als 150 Kilometern, zu Fuß zurück. Er wollle nach Süd- Amerika gehen. In New-Orleans (Louisiana) besann er sich jedoch eines Besseren, da ihm dort jemand kein sehr günstiges Bild von dm Verhältnissen in Süd- Amerika entwarf. Nachdem er in verschiedenen Städten, überall fein Glück versuchend, tätig gewesen, ging er, 21 Jahre alt, wieder völlig mittellos nach Boston. Den Weg legte er teils zu Fuß, teils als blinder Passagier auf den Eisenbahnzügen zurück. Er sah sehr reduziert, ja nicht besser als ein gewöhnlicher Landstreicher aus, und als er beim Direktor des FranKiu-TelegraPhenamts um Beschäftigung nachf lchte, beschloß dieser den merkwürdigen Telegraphisten einer sehr energifajen Prüfung zu unterwerfen. Die Telegraphenstation Newyork wurde beauftragt, bie Telegramme so schnell zu fenben als dies irgend möglich wäre. Edison sollte die Telegramme aus- nehmeu. Sein zerlumptes Aussehen, fein wirres Haar, überhaupt sein ganzes merkwürdiges Wesen bildeten eine Quelle ber Belustigung für bie Telegraphisten. Da aber Ebison schwerhörig war, so vernahm er nicht viel von bem Spott und machte sich an die Arbeit. — Der Telegraphist in Newyork begann seine Telegramme zu fenben. Edison war bei den Eisenbahnen, bei denen er an gestellt — 56 — gewesen war, an rapide Telegraphieren gewöhnt. Er hatte auch Zeitungsartikel telegraphisch ausgenommen, und obwohl der Beamte in Newyork die Telegramme mit rasender Geschwindigkeit absandte, so war doch Edison int stände, sich vollkommen zu behaupten. Er konnte 54 Worte in der Minute schreiben, während die Durchschnittsgeschwindigkeit für Morse-Telegraphisten nur 45 Worte in -der Minute betrug. Edison merkte jedoch bald, daß eine Jntrigue gegen ihn im Werke sei, doch verriet er dies mit keiner Miene. Während des Telegraphierens nahm «r Gelegenheit, zum größten Staunen der Telegraphisten mehrere Bleistifte zu schärfen. Es dauerte nicht lange, so begann der Telegraphist in Newyork seine Worte zusammenzuziehen, um Edison zu verwirren; aber auch dieses Manöver brachte ihn nicht aus der Fassung. Nun stieg Edison rapide zur Höhe. Sein einfaches, anspruchsloses Wesen machte chn sehr beliebt; auch hatte er in Boston jede Gelegenheit, nach Herzenslust zu studieren. Die öffentliche Bostoner Bibliothek stand ihm offen, und er verschlang alle wissenschaftlichen Werke, die er erlangen konnte, mit wahrem Heißhunger. In Boston richtete sich Edison ein kleines Laboratorium ein und begann, Verbesserungen an verschiedenen telegraphischen Vorrichtungen zu machen. Seine erste Erfindung war hier eine Maschine zum Zählen der Stimmen im Parlament und bet den Wahlen. Bekanntlich ist Edison mit dieser Erfindung bis heute noch nicht durchgedrungen. Er beschloß von jener Zeit an, nie wieder eine Erfindung aus den Markt zu bringen, bevor das Erfordernis für dieselbe erwiesen sei. Er war damit beschäftigt, automatische Tele- graphen-Jnstrumente zu konstruieren, und kam als Erster auf den Gedanken, mehr als eine Nachricht durch eine einzige Telegraphenleitung zu senden. Die Ausführung desselben ist das Duplex- und Quadruplex-TeleMaphen- shstem, dessen Einführung den Kulturstaaten viele Millionen erspart hat. Edison war jedoch ein unruhiger Geist. Er war noch nicht ein Jahr in Boston, da zog ihn schon die Sehnsucht nach Newyork; erhoffte dort ein weiteres Tätigkeitsgebiet zu finden. Es wurde chm jedoch in Newyork sehr schwer, eine Stellung zu erlangen, und er befand sich bald wieder in großer Bedrängnis. Wieder kam ihm eut glücklicher Zufall zu Hilfe. Am 24. September des Jahres 1869 Wng er die Wall-Street entlang und kam an dem Bureau einer Telegraphen-Gesellschaft vorbei, welche Berichte au die Börsenmakler in Newyork zu versenden pflegte. Die Berichte waren auffällig erweise plötzlich ausgeblieben, die Makler wurden in hohem Grade beunruhigt, entsandten Boten nach dem Bureau der Gesellschaft, und schließlich entstand eine kleine Volksansammlung vor dem Bureau, welche Edison nicht entgehen konnte. Er erfuhr, daß etwas an den automatischen Instrumenten in Unordnung sei, und daß dieser äußere Anlaß den Effektenmarkt geradezu gefährden könne. Edison bat den Direktor, die Instrumente besichtigen zu können. Es gelang ihm, sofort die Sache wieder in Ordnung zu bringen, und er zeigte sich so außerordentlich vertraut mit den automatischen Vorrichtungen und bewies zugleich eine so gründliche Kenntnis der Geschäfte dieser Gesellschaft, daß er sofort mit einem Monatsgehalt von 1200 Mark engagiert wurde. Er blieb, mehrere Jahre bei der Gold and Stock Company. Während der ganzen Zeit aber hörte er nie auf zu experimentieren und zu erfinden. Seine reichlichen Geldmittel setzten ihn in den Stand- sich viele Instrumente und Vorrichtungen zu kaufen, und sich ein größeres Laboratorium einzurichten., Er erfand eine ganze Anzahl wertvoller Vorrichtungen zu Telegraphen-Jnstrumenten und seine Gesellschaft beschloß, diese Erfindungen anzukaufen. Die Direktoren sprachen eines Tages bei Edison vor und fragten ihn, was er für seine verschiedenen Erfindungen und elektrischen Instrumente nehmen würde.. Edison hatte keinen Begriff von dem Wert dieser Patente und sagte, daß er sie für ein paar tausend Dollar gern verkaufen wolle. Da er jedoch nicht wußte, was seine Gesellschaft zu zahlen beabsichtige, so vat er, ihm ein Anerbieten zu machen. „Würden Sie mit 160000 Mark zufrieden sein?" fragte chn der Präsident der Gesellschaft. Edison antwortete so- glerch „Ja!", äußerst überrascht durch das glänzende Anerbieten, und kaum! glaubend, daß er recht gehört Hütts. Es gelang ihm jedoch, sein Erstaunen zu verbergen. Man wurde handelseins, und Edison empfing einen Chek auf 160 000 Mark. Er war nie in seinem Leben auf einer Bank gewesen^ und als er seinen Check präsentierte, wollte der Kassierer ihn ohne Legitimation nicht bezahlen. Da Edison schwerhörig war, so verstand er nicht, was zu ihm gesagt wurde und verließ das Fenster des Kassierers mit dem Gefühl, daß er düpiert worden fei. Er saß mit dem zerknitterten Check in der Hand auf den Steinstufen der Bank. Er sagte später, er würde den Check für 50 Dollars fort gegeben; haben, wenn nur jemand ihm soviel an geboten hätte.. Einer seiner Freunde sah ihn und fragte, was es gäbe. Edison erklärte ihm, daß der Check nicht gut sei und die Zahlung verweigert worden wäre. Der Freund erkannte das Hindernis, und da er in der Bank bekannt war, so begleitete er Edison hinein und legitimierte ihn. Die 160000 Mark wurden nun dem Erfinder eingehändigt. Wer lange Jahre die schwersten Entbehrungen durchzumachen hat, und sich plötzlich im Besitz einer Summe von 160000 Mark befindet, der ist gewiß geneigt, sich ein angenehmes Leben zu bereiten, und wenigstens einen großen Teil seines Geldes für Vergnügungen auszugeben. Edison verwendete sein Geld zum Bau telegraphischer Instrumente und erhielt große Aufträge von Gesellschaften, die ihm ein schönes Vermögen einbrachten. Er wurde jetzt von der Western Union and Gold Stock Company engagiert, die ihm alle seine Erfindungen auf telegraphischem Gebiete ab kaufte. Edison entwickelte zu dieser Zeit eilte enorme Arbeitskraft, che-lche absolut aller Verhaltungsmaßregeln spottete, welche Aerzte geistigen Arbeiter» zu geben pflegen. Er konnte 24 bis 30 Stunden unmiterbrochen hintereinander beschäftigt sein, ohne zu ruhen, ja er soll diese Frist sogar auf 50 Stunden ausgedehnt haben. Das tat seiner kräftigen Natur keinen Schaden, nur folgten so langen Ar- beitsperioden ebenso lange Schlafperioden. Immerhin war es wichtig, daß er eine begonnene wertvolle Arbeit nicht zu unterbrechen brauchte, sondern sie bis zu einem bestimmten Ziele durchführen konnte, bevor er sein Laboratorium verlassen mußte. Edisons hervorragende Erfindungen sind aller Well bekannt, aber sie waren, als die Kunde von ihnen in der Welt verbreitet wurde, zum teil so überraschend, daß man nicht einmal an ihre Möglichkeit glauben wollle. Allerdings wurde ihre Tragweite, wie z. B die des Phonographen, zum teil überschätzt. Mer sie bekundeten doch meist eine so außerordenllich feine Beobachtung und eine so ungewöhnliche Frische des erfinderischen Geistes, daß selbst die gelehretsten Köpfe wie vor einem Rätsel standen. Die Bedeutung der meisten Patente, welche Edison erlangte —' und diese zählen nach Hunderten — weiß allerdings! nur der Fachmann zu schätzen. Edison ist eine imposante Erscheinung, stark und kräftig gebaut. Seine Erfindungen beschäftigen noch unausgesetzt die technische Welt, obwohl er doch nicht mehr so rastlos wie früher arbeiten darf. Seine Gesundheit ist nicht mehr so robust, daß er sich die Ruhe nach Belieben versagen kann; vielmehr gehorcht er jetzt dem Veto seiner Aerzte. Sein im vorigen Jahre erfundener Akkumulator beweist aber, daß Edison noch keineswegs geneigt ist, auf den Lorbeer» auszuruhen. Akrostichon. (Nachdruck verböte«.) Arm, Hering, Ecke, Elle, LiaS, Abel. AuS jedem Wort ist durch Voransetzung eines passenden Buchstaben- ein neues Wort zu bilden. Die hierzu verwendeten Buchstaben müffen im Zusammenhang eine« bekannten Vornamen ergeben. (Auflösung in niichster Rümmer.) Auflösung des Anagramms in vor. Nr.r a. Trave, Sense, Ornat, Abel, Reiz, Launen, Reime, Emil, Selma. b. Vater, Effen, Notor, Elba, Eier, Ulanen, Eimer, Leim, Amfri. Venezuela. Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlas der Brübl'lchen Univrrsttäts-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.