Ur. 125. W 33® MW ^WW W •ttritiiinij Ma W SW NS« (Nachdruck verboten.) Schloß Osterno. Roman von S. M e r r i m a n. (Fortsetzung.) Ter Baron lehnte sich an den Kamin und blickte nachdenklich auf sie hinab. „Ich hatte neulich auf der Bärenjagd das Unglück, — nun, düs Unglück, mich mit dem Fürsten zu zanken, — ivir konnten uns über eine Taktfrage nicht einigen. Er war der Meinung, daß ich den ersten Schuß hätte tun sollen, — und ich tat ihn nicht, ich war nicht bereit. Es scheint, daß der Fürst sich in Gefahr geglaubt hat, — er war nervös, aufgeregt —" „Sie sind im Lügen nicht immer geschickt", unterbrach ihn Etta. „Ich weiß von diesem Vorfall nichts, aber Sie sollten sich bemühen, beim Lügen immer folgerichtig zu bleiben. Ich bin überzeugt, daß Paul weder nervös, noch aufgeregt war." Ter Baron lächelte: sein Ziel war erreicht. Etta wußte offenbar nichts davon, daß er auf der Bärenjagd den Versuch gemacht hatte, Paul aus der Welt zu schaffen. „Es war ja nichts, es kam nicht einmal zu einem Wortwechsel", fuhr er fort. „Wir haben jedoch nie viel Sympathie für einander gefühlt, und die Kälte zwischen uns ist durch diesen Vorfall nur noch verstärkt worden, — das ist alles. Als ich daher erfuhr, daß er nicht zu Hause sei, benutzte ich die Gelegenheit Sie zu besuchen." „Woher wußten Sie, daß er nicht zu Hause ist?" „Ah, Madame, ich weiß mehr, als man glaubt." Etta zuckte mit leisem Lachen die Schultern. „Sie lieben wohl Oslerny nicht besonders?" fuhr der Baron fort. „Ich hasse es." „Tas dachte ich mir. Nun, ich bin bereit. Ihnen ein für allemal aus Rußland fortzuhelfen. Nein, schütteln Sie nicht den Kopf; eines Tages werde ich Sie vielleicht überzeugen, daß mir einzig und allein Ihr Interesse am Herzen liegt. Fürstin, ich bin gekommen, um ein kleines Ueberein- kommen mit Ihnen zu treffen, — hoffentlich das letzte Uebereinkommen." Er hielt inne und blickte sie mit einem plötzlichen Aufleuchten der Augen an. „Nicht das allerletzte", fügte er mit verändertem Tone hinzu, „das allerletzte wird Sie zu ineiner Gattin machen." Etta ließ diese Behauptung ohne Antwort; ihr Mut und ihre Energie waren nicht erschöpft, aber sie lernte ihre Kräfte sparen. „Ihr Gatte ist ein mutiger Mann", fuhr der Baron fort, nachdem er sich tut dem Klange seiner Worte genügend ergötzt hatte. „Wenn man ihn erschrecken will, muß man zu starken Maßregeln Zuflucht nehmen. Das letzte und schwerste Gewicht c::f der Wage eines Diplomaten ist das Volk. Madame, das ist ein Spiel, das ich schon einmal gespielt habe, ein gefährliches Spiel, aber ich fürchte mich nicht." „Geben Sie sich keine Mühe, vor mir zu schauspielern", fiel Etta zornig ein. Sie saß scheinbar ruhig da, aber ein hochroter Fleck brannte auf jeder ihrer Wangen. Dieser Mann hatte manchmal die Macht, sie zu rühren, und sie fürchtete diese Macht. Sie kannte ihre eigene Schwäche, ihre unmäßige Eitelkeit; dentt Eitelkeit ist die Schwäche starker Frauen. Sie ivar der Schmeichelei stets zugänglich, unb der Baron Chauxville schmeichelte ihr mit jedem Worte, das er sprach; denn alles, was er sagte und tat, sollte ihr beweisen, daß sie die treibende Kraft seines Daseins war. „Wer um einen hohen Einsatz spielt, muß bereit sein, all' sein Gut auf den Tisch zu werfen", fuhr der Baron mit ruhiger Stimme fort. „Heute in acht Tagen — Donnerstag, den 4. April, — werde ich alles, was ich besitze, auf eine Karte setzen. Das Volk ist einmal so, rouge ou noir, man weiß es nie; wir wissen nur, daß es eine dritte Farbe, ein Kompromiß, nicht gibt." Etta hörte jetzt mit schlecht verhehltem Interesse zu; endlich gab er ihr etwas Bestimmtes, ein Datum. „Am Donnerstag werden die Bauern demonstrieren, das übrige müssen wir der, — nun, dem Glück überlassen. Ich zweifle nicht, daß unser schlauer Freund Karl Steinmetz sie im Schach halten wird, aber wie die Demonstration auch enden mag, das Ergebnis wird sein, daß es dem Fürsten Pawel Alexis fortan unmöglich ist, in diesem Lande zu bleiben. Nicht einmal ein Regiment Soldaten wird ihm das möglich machen." „Ich verstehe Sie nicht; was nennen Sie eine Demonstration, — Empörung?" Der Baron nickte lächelnd. „Sie werden das, was Sie wollen, mit Gewalt nehmen?" fuhr die Fürstin fort. Chauxville zuckte die Achseln. „Das hängt davon ab." „Unb was soll ich dabei tun?" fragte Etta mit derselben Ruhe. „Erstens sollen Sie überzeugt sein, daß Ihnen weder direkt, noch indirekt etwas geschieht. Sie werden es nicht wagen, den Fürsten anzurühren, sondern sich begnügen, ein paar Fensterscheiben einzuwerfen." „Und was soll ich dabei tun?" wiederholte Etta. Der Baron schwieg einen Augenblick. „Nun eine Tür offen lassen, — eine Seitentür", sagte er dann in leichtem Tone. „Wie ich höre, befindet sich im alten Schloßflügel eine Tür, von der man über eine Treppe in das Rauchzimmer und von dort in den neuen Flügel gelangt." Etta antwortete nicht. Der Baron warf einen Blick auf seine Uhr, trat anK Fenster und schaute hinaus. Er war zu wohl erzogen, um 498 zu pfeifen, aber seine Haltung erinnerte an diese Art des Zeitvertreibs. „Diese Tür sollen Sie Donnerstag abend vor dem Tiner selbst öffnen", fuhr er fort, indem er sich umwandte und langsam wieder auf sie zutrat. . „Ich werde es nicht tun." „W" Etta sprang auf und sah ihn au, — das herrliche Weib glich einer Göttin des Zorns, und ihre flammenden Augen befanden sich auf derselben Höhe mit den seinen. „Ja", schrie sie mit geballten Fäusten, indem sie sich hoch aufrichtete, bis sie von oben herab in sein gemeines Fuchsgesicht zu sehen schien, „ja, ich weigere mich, meinen Gatten zu verraten." „Halt ! Er ist nicht Ihr Gatte!" Langsam wich der Zorn aus ihren Augen, die ge- balleu Fäuste lösten sich, und die Finger zupften nervös an dem seidenen Kleide, wie die Finger eines Kindes, das nach einer Stütze sucht. „Was meiuen Sie?" flüsterte sie. „Was meinen Sie?" „Robert Beaumont ist Ihr Gatte", sagte der Baron, ohne seine trüben Augen von ihrem Gesicht zu wenden. „Er ist tot", zischte sie. „Beweisen Sie es." Er schritt an ihr vorüber und lehnte sich in der vertraulichen Haltung, die er zu Anfang des Gesprächs an? genommen hatte, an den Kamin. „Beweisen Sie es, Madame", wiederholte er. „Er ist in Twer gestorben", flüsterte sie, aber ihre Stimme klang unsicher. So lange sie ihren Titel, ihre hohe Stellung besaß, konnte sie der Gewalt trotzen, — aber was war sie ohne diese? „Ein Lokalblatt berichtete, daß eine männliche Leiche auf der Ebene von Ttper gefunden und auf dem Armenfriedhofe beerdigt wurde. Ihr Gatte — Robert Beaumont meine ich — befand sich zu jener Zeit aus.Gründen, auf die ich nicht näher eingehen will, in der Nähe von Twer. Polizeioffizier, der inzwischen nach Odessa versetzt wurde, war der Meinung, daß der Tote ein Ausländer sei; nun gibt es in Twer gegen 12 000 Ausländer, — Fabrikarbeiter. Ihr Gatte, Robert Beaumont, wohl verstanden, verließ Twer in östlicher Richtung, um quer durch Sibirien nach China zu gelangen, da er die Emissäre der Armenliga, die an der Westgrenze auf ihn lanerten, vermeiden wollte. Auf die bloße Annahme hin, daß der auf der Ebene von Twer gefundene Leichnam der ihres Gatten sei, benütztejn Sie die Gelegenheit, Fürstin zu werden; das war sehr kühn, und ich bewundere Ihren Mut; aber es war ein sehr gefährliches Spiel. Madame, ich kann Robert Beaumont aus dem Wege räumen, wenn er wieder auftaucht. Ich habe in meinem Köcher zwei Pfeile für ihn: der eine ist diel Armenliga, der andere die Regierung, die ihn braucht. Ihr Gatte — Pardon, der Fürst — wird vielleicht anders über die Sache denken. Es ist eine ganz hübsche Geschichte, und ich werde sie ihm erzählen, wenn Sie mir nicht unbedingten Gehorsam versprechen." Etta stand regungslos Vor ihm; sie bemühte sich zu sprechen, aber kein Wort drang über ihre ausgetrockneten Lippen. Ter Baron sah sie mit einem triumphierenden Lächeln an, und sie wußte, daß er sie liebte. Liebe läßt sich nicht definieren, auch läßt sich nicht sagen, wann sie in Haß übergeht. „Donnerstag abend vor dem Diner", sagte Chauxville und ließ sie vor dem Kamin stehen. Ihre Lippen bewegten sich wiederum krampfhaft, ohne ein Wort hervorzubringen. 32. Kapitel. Eine Bitte. „Haben Sie mit der Fürstin gesprochen?" fragte Karl Steinmetz, ohne die Zigarre aus dem Munde zu gehruen. Sie befanden sich auf dem Heimwege durch den Wald, von dem Osterno umgeben ist, wie eine Insel vom Meere. Sie toaren allein im Schlitten; denn zu dem, was sie heute getan hatten, bedurften sie keines Dieners. Paul kutschierte selbst, und die drei Pferde griffen so schneit aus, als sie nur konnten. Der Schnee flog an ihren Gesichtern voriiber, wie der Schaum am Rand eines Bootes, das gegen den Sturm ankämpft, und in den Schnee mischten sich Schaumflockeir von den Mäulern der Pferde. „Ja", antwortete Paul. Sein Gesicht hatte einen harten, entschlossenen Ausdruck, seine Augen blickten finster. Die Sorgen, die ihm die Bauern bereiteten, griffen ihn mehr an, als er gedacht hatte, und veränderten das Gesicht dieses Mannes, indem sie scharfe Linien um seine Lippen zogen und seine Stirn mit Furchen der Sorge zeichneten. „Was hat sie geantwortet?" fragte Steinmetz. „Daß sie nicht fort will, wenn wir nicht alle mitgehen." Steinmetz wickelte sich fester in seinen Pelz. „Sie hat recht", sagte er mit einem Blick auf das Gesicht seines Gefährten, von dem er wenig mehr als di« Augen sah, da der Zobelkragen des Rockes unmittelbar an die Pelzmütze stieß. „Ja — und warum sollen wir nicht alle fort?" „Ich kann die Leute nicht allein lassen", antwortet« Paul. „Was hier vorgeht, weiß Gott allein, denn von selbst wäre es nie so weit mit ihnen gekommen: da steckt jemand dahinter, und ich glaube nicht, daß es die Nihilisten sind. Es ist etwas anderes, — irgend ein Lump reizt sie auf, und sie wissen nicht, was sie tun. Er ist noch bei der Arbeit, — es wird von Tag zu Tag ärger, und ich kann ihn nicht erwischen. Aber wenn ich ihn in die Hände bekomme, bei Gott, Steinmetz, dann drehe ich ihm das Genick um!" Steinmetz lächelte grimmig. „Ja, dazu sind Sie imstande", antwortete er. „Was mich betrifft, so habe ich den Bauern jetzt satt. Er ist ein unverbesserlicher, unheilbarer Narr, und wenn er nun auch ein gefährlicher Narr wird, so mag er meinetwegen, zum Teufel gehen." „Das glaube ich. Aber Sie sind nicht in meiner Lage." „Das ist wahr, Paul; denn sie waren nicht meines Vaters Leibeigene. Generationen meiner Ahnen haben nicht Generationen ihrer Ahnen vom Verhungern gerettet. Ich habe nicht Medizin studiert, um ihnen zu helfen, habe nicht Leben und Gesundheit i» ihren Koben aufs Spiel gesetzt, in denen es nicht einmal die Schweine aushalten würden, ich habe nicht Herz und Seele für ihr Wohl geopfert, um statt des Dankes nur Haß zu eruten. Nein, bei mir ist es anders; ich bin ihnen nichts schuldig, mein Lieber, und das ist der Unterschied." „Kommen Sie mit, wenn ich morgen nach Petersburg flüchte?" entgegnete Paul. „Nein", antwortete der dicke Mann ruhig. „Das dachte ich. mir; denn Ihr Cynismus, Steinmetz, liegt mir in den Worten, nicht in Ihren Taten. Es ist also keine Rede davon, daß einer von uns Osterno verläßt; wir müssen bleiben und es hier auskämpfen." „Freilich. Aber wie steht es mit den Damen? — Was soll mit denen geschehen?" Paul gab keine Antwort; denn sie fuhren eben einen hohen, schneebedeckten Abhang hinan, und die Pferde mußtejn tüchtig arbeiten, daniit der Schlitten nicht in den Schnee versank. Paul feuerte sie mit der Stimme und der Peitschei an; er war gut gegen Tiere, schonte sie aber nie, — der starke Mann ging freigebig mit seiner Kraft um und erwartete von anderen das gleiche. „Hier ist nicht der richtige Ort für Fräulein Dela- field", fügte Steinmetz hinzu, indem er gerade vor sich hinblickte. „Tas weiß ichh antwortete Paul heftig. „Wollte Gott, sie wäre nicht hier", fügte er leiser hinzu, und die Worte waren unter dem beeisten Schnurrbart kaum hörbar. Steinmetz gab keine Antwort, und so fuhren sie durch das zunehmende Dunkel weiter. Der Himmel war gelblichgrau, und die Erde trug die gleiche, fahle Farbe, Plötzlich begann es auch zu schneien. Die beiden Männer schwiegen, und Steinmetz, wie ein: plumper Bär in seinen Pelz vergraben, schien zu schlummern. Sie hatten einen langen und schweren Tag hinter sich, da sie auf der Fahrt von Dorf zu Dors nichts als Entmutigung und böse Vorzeichen gefunden hatten. Einig« Starosten waren trotzig, andere offen unverschämt, keiner freute sich über das Erscheinen von Steinmetz, und Paul hatte nie gewagt, seine Jdeui'.cät zu verraten. ,/Halt!" schrie Steinmetz plötzlich, und Paul riß die Pferde auf ihre Hinterfüße. «§Jch glaubte, Sie schliefen", sagte er. 499 Vom Ueberhandnehmen der „werblichen Sports" ist erst fett neuerer Zeit die Rede. Dem Sport vor allen Dingen wird von den verschiedensten berufenen und un- ^usenen Serien das Wort geredet, und der geftindheit- lrche Wert, der rn der „Bewegung" liegt, nach allen Richt- ungen gepriesen. Die. Folge davon ist, daß der Sport ars durchaus „notwendig" sirr das weibliche Geschlecht bet» Icutgt wrrch Der Körver soll gestählt, Muskeln und Nerven 11 sk öekrastrgt und widerst andssähiger gemacht werden. Und das rn em er Zeit, wo anderseits die Bedeutung der hauswrrtschastlrchen Tätigkeit wieder langsam beginnt, eine größere Rolle ttn Leben der Frauen, der Heranwachsenden Tochter zu sprelen. In Wahrheit wird aller mehr oder minder kostsvieliae feiP' sobald die' Tätigkeit der Frauen 2>^ ^r rm Hause nrcht mehr allein im Anordnen, sondern — .wohlgemerkt für alle Arbeiten ohne Ausnahmen — rm Selbsthandanlegen besteht. Der Wert solcher hauswirtschaftlichen Tätigkeit ist na- auzuschlagen Heranwachsenden Töchter nicht hoch genug , ., Wgesehen von den idealen Vorteilen, die solche Tätia- kett für das Taheiur, für Eltern und Geschwister'darbietet, der Befriedigung, mit dazu beizutragen, den Seinen es lreb! und vertraulich im Hause zu machen, kommt noch em eben solch hoher Wert dieser Beschäftigung in Frage ben öten^e«U«Un8 ift: sie hat den besten und 6 ^LF^lchsten Einfluß aus Kraft und Gesundheit. Vers dl? M 'v^tvoll für das Wohlbefinden des Kör- stet?r Tätiowelche die Muskeln in Mt^vana bei Wahrend der Schulzeit mit ihren: Deschäftiauna kaum bi- Eigentlicher, geregelter häuslicher Stelle Sw!? ,5 t bte.,fiebe fein kann, werden an diese «reite «Piel und Turnübungen treten müssen chenturnen mtb^Snrf Uttb ^Moßmütter, die von ^cib» Sb unh *6”-Oa) ^fhis wußten, waren meist keine noäi bs» ÄÄ» Mixturen, keine Eisenpilleu, Kraftmitteln pflege nut allen möglichen teueren ” können dem Körper das geben, was ihm die ^ssws/'9ung im Haushalte gibt: gesundes Blut kräitiae Musk ln geregelte Tätigkeit aller Organe" Das Ordnen und Aufschutteln der Betten ist z. B. eine vorzüalickie Be- wegimg für die Arme. Zuerst allerdings strengt es die ungeübte junge Tochter an. Daß zunächst das Bett noch Niemand war zu sehen. Sie befanden sich jetzt auf der neuen Straße, die Paul von Ofterno nach Twer angelegt hatte. Der Weg selbst war natürlich yicht zu unterscheiden, aber die Telegraphenstangen markiertest feinen Lauf. Steinmetz wickelte sich schwerfällig aus seinen Pelzen heraiis und sging auf die nächste Telegraphenstange zu. „Wo ist der Draht?" schirre er. Paul fuhr ihm mit dem Schlitten nach, und sie spähten zusammen in die Dämmerung, in den fallenden Schnee hinaus. Die Stangen standen noch da, aber der Telegraphendraht war fort; hundertundvierzig Meilen weglosen Schnees schnitten sie von jeglicher Zivilisation ab. Steinmetz kletterte wieder in den Schlitten, zog die Pelzdecke von neuem über sich und brach in ein leises,' seltsames Lachen aus, das etwas knabenhaft Fröhliches an sich hatte. Der Mann war nicht immer dick und schwerfällig gewesen; er hatte auch gelebt, und Leute, die ihn kannten, behaupteten, daß er em aufregendes Lebest geführt habe. „Eine Frage wäre somit erledigt", sagte er. „Welche?" Paul fuhr so rasch als die Pferde laufen konnten; denn eine plötzlich^ Unruhe und der lebhafte Wunsch, Dsterno noch vor der Dunkelheit zu erreichen, hatten ihn „Die Frage wegen der Damen", antwortete Steinmetz. „Es ift zu spät, jetzt können sie nicht mehr fort." , , Das Dorf, das sich dicht an den Schloßberg schmiegte, sah verlassen und emsam aus, alle Türen waren geschlossen die dünnen Vorhänge zugezogen. Es war sehr kalt, aber dieser große Frost bot einen gewissen Trost; wenn die Natur ihre Kraft entfaltet, lassen sich die Menschen gewöhnlich von ihr einschüchteru. ’ ' (Fortsetzung folgt.) nicht ganz nach den „Regeln der Kunst" glatt und grade liegt, darf dabei weder die Tochter in ihrem Eifer, noch die Mutter als Lehrmeisterin ausechten. Wie überall, so macht auch bei der so einfach erscheinenden Haustätia- keit erst die Uebuug den Meister. Geradezu unentbehrlicy für den Körper und fein Wohlbefinden ist das Auskehren der Zimmer, wobei die Glieder m gleichmäßiger, fast taktgemäßer Bewegung begriffen sind, ferner ist das Bücken beim Auffegen, das Staubwischen, wobei es bald auf die Fußspitzen sich heben, bald gewandt sich bücken heißt, eine vorzügliche Bewegung für- alle Muskeln. Selbstverständlich strengt alles dies in den ersten Tagen an. Ich habe junge Mädchen gekannt, die sich nach dem Aufräumen eines nur mäßig großen Zimmers „wie zerschlagen" fühlten. Wer nach kurzer Zeit war mit der Uebung ein solches Wohlbefinden über sie gekommen, daß ihnen diese Tätigkeit heute unentbehrlich ist. Natürlich darf nichts dabei übertrieben werden, wie auch vor dem Heben, Schieben, Rücken und Tragen schwerer Möbelstücke nicht dringend genug gewarnt werden kann. Eme Hauptsache, daß diese Beschäftigung wohltätig wirkt, ist, daß sie niemals in schlechter, dicker Luft ausgeübt werde; Zugluft vermeidet man natürlich- im übrigen aber schadet die durch, das Fenster dringende kühle Luft emem gesunden jungen Menschen nicht, im Gegenteil — fie härtet ab gegen schnellen Witterungswechsel. Sehr geeignet, die Muskeln der Arme, Schultern und Brust, zu entwickeln und so die Lungen zu frischerer Tätigkeit zu bringen, war die ftüher übliche Art der Haus- tochter rm Freien, in ftischer Luft und Sonnenschein die Wasche auf die Lemen zu hängen. Iw kleineren Städten, Ei dem Lande sollten gesunde Frauen und Mädchen sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, in der Großstadt Ad dies ja in den meisten Fällen kaum möglich sein. Allerdings kann man benselden Zweck bei gelegentlicher Jagd auf Spinngewebe erreichen. Es ist ganz selbstverständlich, daß solche Bewegung im Hanse auch giuten Appetit giebt; wo mit gutem Appetit gegessen wird - so lehrt die Erfahrung - werden die Speisen auch gut anschlagen", wie der Volksmund sagt, und Kraft und Gesundheit geben. Kraft und Gesundheit aber ist auch Schönheit, die durch die innere Befriedigung darüber, nut der eigenen Tätigkeit zum Glück der Seinen beizutragen ihnen eine Stütze und unentbehrlich zu sein, noch mehr gehoben wird. 5 Auch das oft gehörte: „die Hausarbeit verdirbt die Haube so" em sehr gedankenlos hingesprochenes Wort, ist hinfällig. Eine Frauenhand, die durch Arbeit zwar kräftig in ihren Formen und ihrer Ausbildung geworden, kann bei geeigneter, sorgfältiger Pflege sehr schön sein, schöner als em weiches, biegsames Händchen, dem man das Nichtstun umsteht. Außerdem kann man die Hände sehr gut durch /igens angefertigte, selbstgenähte waschbare Leinenhandschuhe schützen. Für den erfahrenen Menschen reden die Hände eine sehr ernste und interessante Sprache. Ehre aber allen Hän- wc ■ den schwieligen und rauhen, die brave, ehrenvolle Arbeit tun! „Keine Arbeit ist gering und niedrig, die wir ans Liebe tun", also auch nicht die Hausarbeit. Es ist auch keme „geisttötende Arbeit", im Gegenteil — vielmehr anregend, man lernt nachdenken über kleine, anscheinend unwichtige Dinge, die doch so wichtig sind für das Wohl- besinden der ganzen Familie. Alle diese Tatsachen aber sollten darauf weisen, die hauswirtschatliche Tätigkeit unserer Tochter immer noch mehr und in allen Kreisen zu yoherer Geltung zu bringen. Ans den Toilettezimmem der Königinnen. Der Wunsch- schön zu sein und es auch zu bleiben, wurzelt tief in der Seele des Weibes. Jede Frau greift gern zu Mitteln, die ihre Schönheit erhalten und heben. Wir wissen, welche Mittel berühmte Künstlerinnen angewendet haben, um sich die äußeren Gaben, mit denen sie von der Natur ausgestattet worden sind, bis in das späte Alter zu erhalten. Nicht so bekannt aber sind die kosmetischen Intimitäten, welche den höchststehenden Frauen, den Königinnen, znr Hebung und Erhaltung der Schönheit, dien- teil. Und doch existiert eine reiche Literatur über die intimen Verschönerungsmittel der königlichen Frauen aller Zeiten. Von der Königin von Saba, von Kleoparra, von Messalina und Sabina Poppäa bis zur Pompadour und der Kaiserin Maria Theresia sind uns die Einzelheiten über ihre Toilettenkünste überkommen. Von den fürstlichen Frauen unserer Zeit ist freilich ivenig bekannt, sei es, daß ihre Toilettenzimmer besser bewacht oder die meisten doch recht unschuldigen Geheimnisse besser bewahrt werden, sei es, daß die Schönheitsmittel nicht mehr so seltsamer Natur sind, daß sie die Neugierde des großen Publikums erregen. Die folgenden Angaben dürften also gewiß allgemeines Interesse finden: Tie jugendschöne Königin Wilhelmina von Holland bevorzugt unter allen Toilettenmitteln ganz besonders Parfüms, und unter diesen die echte Eau be Cologne. Jeden Morgen ivird eine halbe Literflasche in ihr Schlafzimmer gebracht und in ihrer Gegenwart entkorkt. Sie atmet prüfend den Tust ein, versucht die Stärke über der Flamme einer kleinen silbernen Lampe und gießt den Inhalt der Flasche in ihr Bad. In diesem Bade bleibt die junge Königin genau sieben Minuten. Eine Kammerfrau ist damit beauftragt, ihrer hohen Herrin unter keiner Bedingung zil gestatten, länger als die voin Arzt-e vorgeschriebene Zeit im Bade zu verweilen. Verläßt sie es, so tritt sie unter eine Tusche, unter deren eiskalten Strahlen sie eine volle Minute ausharrt, um sich dann von ihrer zweiten Kammerfrau, einer alten Holländerin, mit einem groben Handtuch tüchtig abreiben zu lassen. Königin Wilhelmina hat einen außerordentlich zarten Teint, auf den sie mit Recht stolz ist und den sie sich mit Zuhilfenahme aller hygienischen Mittel bewahren möchte. Merkwürdigerweise gebraucht die Königin von Holland weder Seife und Puder noch Cremes irgend welcher Art. Durch frische Luft, kaltes Wasser und eine leichte Massage glaubt sie ihren Teint abzuhärten und dadurch zu konservieren, ohne weitere künstliche Mittel zu benutzen. Interessant sind die kleinen Indiskretionen, die aus dem Toilettenzimmer der Kaiserin Alexandra von Rußland in die Außenwelt gedrungen sind. Tie Zarin liebt die Parfüms ganz außerordentlich und gebraucht jährlich ganz enorme Mengen der verschiedensten und kostbarsten Wohlgerüche. Sie benutzt Parfüms aber nur so lange, wie sie noch frisch sind und ihr stärkstes Aroma ausströmen. Alle diese kostbaren Flüssigkeiten läßt sich die Kaiserin aus Frankreich kommen. Ihr Budget für Seifen und Parfümerien beträgt pro Jahr über 40 000 Mk. Ein Wunder der Technik und des guten Geschmacks ist ihr herrlicher Toilettentisch, der aus dem kostbarsten Malachit besteht, dessen zart hellgrüne Farbe mit den dunkelgrünen Bandschattierungen kontrastieren. Die Füße des Tisches stellen Löwenklauen dar, die aus feinst ziseliertem Silber bestehen, die Krallen aus rund geschliffenen Smaragden. Der Tisch steht auf einem aus zartgrüner Seide gewebten Teppich. Auf diesem Tische, der aus Aladdins Wunderreich zu stammen scheint, steht eine Batterie funkelnder Krystallflaschen von allen Formen und Größen in silbernen Behältern. Das Lieblingsparfüm der Kaiserin ist Veilchen. In Grasse an der Riviera sind Hunderte von Frauen und Kindern beschäftigt, um eine besondere Sorte von großblumigen Veilchen zu züchten, in stand zu halten und während der Blütezeit zu pflücken. Aber nur am Nachmittag zwischen 5 und 7 Uhr darf das geschehen, weil um diese Zeit nach der Annahme der Zarin die Veilchen den süßesten Wohlgeruch haben. Jede einzelne der großen Flaschen dieses „Odeur de Violette" wird sofort nach ihrem Eintreffen in Petersburg in das chemische Laboratorium des Hofapothekers gesandt, wo die Qualität genau untersucht und registriert wird. Aber die Zarin begnügt sich nicht ganz mit ihrem „Odeur de Violette", sie verfügt noch über ein ganzes Register anderer Parfüms. Sie liebt sie so sehr, daß sie alle ihre Zimmer und selbst die Vorzimmer ihres Palastes jeden Tag mit Essenzen von Jvn- quillen, Tuberosen, Flieder, Jasmin, Narzissen und iveißen Veilchen besprengen läßt, sodaß es nicht selten vorgekommen ist, daß mancher, durch den starken Wohlgeruch ohnmächtig geworden, „an die frische Luft gebracht" werden müßte. Von Seifen braucht die Herrscherin nur zwei verschiedene Sorten, die speziell für sie angefertigt werden. Deren Zusammensetzung ist aber ein „Staatsgeheimnis", unb wer möchte das Rezept auskundschaften, wenn ihm dafür die Eisfelder Sibiriens winken? Auch Carmen Sylva, die Königin von Rumänien, hat ihre Toilettengeheimnisse, von denen einiges bekannt geworden ist. So ist die Königin außerordentlich stolz auf ihr prachtvolles weißes Haar und tut alles, was zu seiner Verschönerung und Erhaltung dienen kann. Von auffallender Zartheit ist noch der Teint der königlichen Dichterin trotz ihres Alters. Ihre von keiner Runzel entstellte Haut auf Hals und Wangen erhält sie durch ein geheimnisvolles Wasser, das aus Kräutern, welche in einem Walde von besonders dazu angestellten Frauen für sie gesammelt werden, hergestellt ist. Die Kräuterfrauen, so erzählt man sich, sind sozusagen „vereidigt", denn bei strengster Strafe ist ihnen verboten, die Stelle zu verraten, wo die Wunderblumen wachsen, aus deren Blättern das Verjüngungselixir bereitet wird. Beim Pflücken wird der Wald von Soldaten umstellt, sodaß kein Unberufener den geheimnisvollen Ort entdecken kann. Die in der Chemie wohl erfahrene Königin soll das Rezept zu diesem Elixir selbst zusammengestellt haben. . Ihre Schwiegertochter, die Kronprinzessin von Rumänien, eine Nichte König Eduards VII. von England, gebraucht für ihren Teint Rosenwasser, das in Leipzig ans dem feinsten Oel der Rosen von Schiras destilliert wird. Tie Kronprinzessin begnügt sich mit zwei Parfüms, denen sie vor allen anderen den Vorzug gießt; es sind dies eine Triple Essence de Jasmine und ein überaus kostbares Parfüm: weißer Heliotrop-. Tie Mutter Alfons XIII., die frühere Königin-Regentin von Spanien, hat sich auch betreffs ihrer Parfüms als spanische Patriotin gezeigt. Beim Ausbruch des für Spanien so unselig verlaufenen Krieges gebrauchte die Königin ausschließlich die Essenz einer überaus seltenen Orchideengattung, die nur auf den damals noch spanischen Philippinen vorkommt. Gegenwärtig benutzt die Königin nur noch Eau d'Espagne, das eigens für sie in Madrid fabriziert wird. Tie Seife, welche sie gebraucht, wird gleichfalls in Spanien hergestellt und übertrifft an Zartheit und Parfüm alle französischen Seifen. Ihrem Wasch- und Badewasser setzt sie stets einige Tropfen einer eigenartigen Mischung zu, deren Hauptbestandteile Rosenwasser und ein Extrakt von Kokosnüssen sind. ______________ Liisrarssches. Gottestal. Preisgekrönter Roman von An t on S ch o t t. Herausgegeben von der Deutschen Literatur-Gesellschaft. Mit Buchschmuck von Ph. Schumacher. München 1903, Allgemeine Verlags-Gesellschaft m. b. H. Pre'.s brosch. Mk. 4., geb. Mk. 5. — Der Roman „Gottestal", dem bei dem bekannten Preisausschreiben der „Deutschen Literatur-Gesellschaft" der zweite Preis zuerkännt worden ist, will nicht nur ein spannend und schön geschriebener Unterhaltungsroman sein, sondern auch vielfach Anregung geben zum Nachdenken über am grellsten hervortretende Mißstände des jetzigen sozialen Lebens, und er will auch den Schlüssel zur Lösung mannigfacher Schwierigkeiten in die Hand drücken. Eine Glashütte, im Walde versteckt, ift der Ort, wo sich eine Handlung entwickelt, deren letzte Folgerung weit über unsere Tage und Zeiten hinausreichft und deren Verwirklichung kommenden Geschlechtern Vorbehalten sein wird. In gleichmäßigem Gange schreitet die Zeit über das stille Waldtal dahin, und unter ihren Tritten weben die Menschen am eigenen und am Geschicke anderer, befreunden und befehden sich und streben und hasten nach einem Wahne, den sie Glück nennen. Sehr gute Illustrationen vervollständigen den künstlerischen Wert des hübsch ausgestatteten Buches. Zahlenrätsel. (Nachdruck verboten.i 123456789 heiße Zeit. 12 13 Vogel. 1 7 5 9 3 Wild. 3 7 5 9 Gesichtsteil. 6 7 3 3 9 Vaum. 5 6 7 2 4 9 Pfianzensorm. 6 7 8 Zeitbestimmung. 9 6 7 8 9 Teil des Hauses. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Gleichklangrätsels in vor. Nr.: Der Stift — das Stift. Redaktion: August Götz. — NoMtionedriick und Verlag der Vrüll'schcn lluiversitäts-Vuch- und Cteiudruckcrei. R. Lange, Gießen.