und von allen Seiten nur durch sein schilfiges Ufer eingeschlossen war. In wenigen Minuten hatte Richard! Morgan diesen Punkt erreicht. Eine Strecke weiter unten dehnte sich die große seichte Fläche aus, die seine Kunst wieder in trockenes Land umwandeln sollte, aber er zögerte, nur hier uttti da leicht sein Ruder bewegend, bei dem hübschen alten Garten und malte sich aus, wie seine Aimee von diesem Erdenfleck entzückt sein würde. Während er mit Ergötzen die glatt gefiederten Staare beobachtete, die mit großem Eifer auf dem Rasen nach; einem Frühstück suchten, und die zwei reizenden Bachstelzen, die zierlich! hin und her trippelten, gab er achtlos seinem Boot einen so heftigen Stoß, daß es sich auf einer Schlammbank festfuhr. „Tas kommt vom Eindringen in fremdes Gebiet!" rief eine Stimme ganz in der Nähe, und zu seinem Staunen Kaus einer Einbuchtung ein anderes Boot hervor, rt Insassin, eine junge Dame mit dunkeln, lebhaften Augen und kurz geschnittenem lockigem Haar, ihm einen entschieden verweisenden Blick Kuwarf. „Zehn Fuß voM Lande ist mein Besitztum. Wenn Sie das nicht vorher wußten, guter Mann, so denken St« wenigstens in Zukunft daran", sagte sie. „Können Sie sich allein frei machen, oder soll ich einen Gärtner zur Hilfe herbeirufen?" Herr Morgan zog augenblicklich seine Mütze. „Ich bedauere unendlich, unrechtmäßig hier einge- drungen zu sein, und versichere, daß ich es nie mehr ohne! Erlaubnis tun werde. Ich danke Ihnen sehr, aber ich kann mit dem Boot schon allein fertig werden. Ich habe wohl die Ehre, mit Fräulein Ellinor Graham zu sprechen?" Während er sprach, hatte ihn die junge Tante scharf und neugierig betrachtet. Tiefer Eindringling war, trotz seiner etwas groben Kleidung, nicht die Person, für die sie ihn gehalten hatte. Er war über ihren Verweis weder beschämt, noch unterwürfig in seinen Entschuldigungen gewesen. Er mußte ein Gentleman sein — wer, wollte sie sofort ergründen. „Ach, ich sehe, Sie sind fremd hier", sagte sie. „Tas erklärt Ihren Irrtum. Ja, ich bin Ellinor Graham. Darf ich fragen, woher Sie dies wissen?" „Von Ihnen und von meiner Schwester", antwortete^ Richard Morgan, über ihre viel sanfter« Sprechweise lächelnd. „Sie sagten mir, Westfields sei Ihr Eigentum! Meine Schwester sagte, Westfields gehöre einein Fräulein Graham." „Ihre Schwester?" „Frau Tr. Wilson." „Allmächtiger Himmel!" rief Fräulein Ellinor, sich so plötzlich vorwärts neigend, um ihm die Hand zu schütteln, daß ihr Boot in heftiges Schwanken geriet. „Und ich hätte Sie beinahe von hier vertrieben! Also Sie sind der Künstler mit Pumpen und Maschinen, der Dausende in meine Börse füllen soll. Ich bin außerordentlich, erfreut, 1903. — Nr. 92 (Nachdruck verboten.) Die Namensschwestern. Frei nach dem Englischen von Clara Rheinau. E! (Fortsetzung.) Und Richard Morgan wußte gewiß die herzliche Be- grüßung seines Schwagers zu schätzen, denn er fühlte klar, daß ein gutes Einvernehmen mit seinen Verwandten dem geliebten Wesen, das er sobald bei ihnen einzuführen gedachte, die Wege ebnen würde. Den ganzen Abend bemühte er sich redlich, aus seiner gewohnten Zurückhaltung Kerauszutreten und sich möglichst liebenswürdig zu zeigen; und das glückliche Ergebnis war, daß seine Gastfreunde später unter vier Augen einstimmig sein Lob sangen. „Er war ein wenig zu rauh, zu bärenhaft", bemerkte feine Schwester. „Aber er hat sich unendlich zu seinem Vorteil verändert. Jetzt ist er ein Mann, auf den jede Frau wirklich, stolz sein könnte." Sie lächelte bei dem Gedanken cm ihren Lieblingsplan, der seiner Erfüllung ein gut Teil näher gerückt schien. Aber den Gatten wollte sie vorläufig nicht ins Vertrauen ziehen, sie fürchtete eine unzeitige Anspielung, die die ganze Sache verderben könnte. Ahnungslos, in welcher Weise seine Schwester für ihn zu sorgen gedachte, durchschlief Richard di« erste Nacht seiner Rückkehr, bis ihn beim Morgengrauen schwere quälende Träume aufweckten. Aimee schien ihm auf der andern Seite eines Flusses zu rufen, und nirgends konnte er ein Boot entdecken, das ihn zu ihr brächte. „Ich komm«, mein Liebling, ich komme!" rief er hinüber, und als ihre Stimme immer flehender wurde, stürzte er sich verzweiflungsvoll in die amfgeregten Wogen und — erwachte mit einem lauten Stöhnen, das aber sofort in einen Seufzer der Erleichterung überging, während er murmelte: „Nur ein Traum, nur ein Alpdruck, Gott sei Tank!" Nach diesem Aufschrecken kam jedoch kein Schlaf mehr in seine Augen. Er sing an zu berechnen, wie viele Meilen zwischen ihm und dem Marienhaus in Brüssel lägen, wie unzählige Stunden vergehen müßten, bis er seine Braut von dort holen könne, und entschloß sich endlich, aufzustehen, um den Ort seiner neuen Tätigkeit kennen zu lernen. Es schlug gerade sechs Uhr, als er in die frische, kühle Morgenluft hinaustrat und das Bootshaus der Vrlla aufsuchte, in der Absicht, stich selbst hinüber zu rudern. Ter Fluß funkelte und glitzerte im Sonnenschein; gerade gegenüber lag Westfields; das Haus, ein stattliches, geräumiges Gebäude, halb versteckt hinter Tannen und Ulmen, ausgedehnte Anpflanzungen von smaragdgrün angehauchten Lärchen, schlanken Birken im Frühlingsgewand« und stämmigen Eichen mit noch kahlen Aesten, zogen sich bis an den Rand des Wassers herab, während ostwärts ein langgestreckter Garten riesig« Sträuße von Apfelblüten aufwies - 366 Sie zu sehen. Achtung! es ist steinig auf dieser Seite. Senken Sie Ihr Ruder hier herüber und Sie können sofort abstoßen." Morgan folgte ihrem Rate und hatte sein Boot wieder sehr rasch flott gemacht. Fräulein Graham brachte gewandt ihre eigene Barke an dessen Längsseite. „Ich hoffe, Sie hielten mich nicht für unverschämt grob", fuhr sie fort. „Aber wissen Sie, die Leute hier scheinen sich in mir eine Negerin oder sonst; etwas Außergewöhnliches vorgestellt zu haben, weil ich aus Australien komme. Sie drückten sich immer hier herum und starrten mich an, bis ich schreckliche Drohungen ausstoßen mußte. Ich gelobte, daß ich den nächsten, der käme, wenn er klein genug sei, ohrfeigen, oder wenn er zu groß sei, der Polizei übergeben werde. Aber da Ihr Besuch ein rechtmäßiger ist, will ich beides unterlassen." „Sehr verbunden", sagte Richard Morgan, sich lächelnd verneigend. „Also habe ich nun die Erlaubnis, meine Untersuchungen fortzusetzen?" „Auf alle Fälle", versetzte Fräulein Ellinor, „aber bitte, sagen Sie mir zuerst, wann Sie wiederkommen werden. O, mein Gott" — ein komischer Ausdruck trat in ihre entschieden hübschen Züge, — „wie würde Mama sich über diese Bemerkung entsetzen! Sie gießt sich so viel Mühe mit meiner Erziehung. Aber ich meinte ja auch nur, wann Sie mit Ihren Plänen usw. beginnen würden und hierher kämen, mir dieselben zu zeigen. Ich langweile mich hier so entsetzlich, daß ich schon zu meiner Unterhaltung mit den Geschäften beginnen möchte." „Aber Sie sind doch sicher nicht allein hier, Fräulein Graham?" „Eigentlich nein — in der Tat aber ja. Mein Vater konnte nicht und meine Mutter wollte nicht mit mir herüber kommen; und ich mußte doch aus alle Fälle mein neues Besitztum in Augenschein nehmen. Ich — ich hatte meine Gründe dazu. Aber die Leute, denen ich anvertraut war, reisten weiter nach Schottland, und so habe ich denn vorläufig . als einzigen Schutz hier nur ein Wesen — ein zweibeiniges,,— das ich um keinen Preis los werden kann —• Bassett mit Namen. Wenn Sie mich besuchen, werden Sie dieselbe sehen und mich bemitleiden. Und Sie werden doch kommen, Herr Morgan?" „Erst in einigen Tagen, wenn ich ausführlichen Bericht bringen soll", versetzte er. „Heute haben wir Mittwoch- $. tEl,/ch denn Lebewohl sagen, Fräulein Graham, bis „Nichts derartiges", rief sie heiter, ihr Boot gewandt an die Landungsstelle bringend: „Ich werde heute abend in der Villa speisen, ich und Bassett und alle. Ich würde Sre gern zum Frühstück einladen, aber erstens kommt mein halbes Dutzend Langschläfer nicht vor sieben Uhr herunter, und zweitens würde man es in diesem altväterlichen Lande wahrscheinlich wieder für unpassend halten. Also" — leicht ans Ufer springend — „au revoir! Herr Morgan. Sagen Sie Ihrer Schwester: punkt sieben! Ich werde den ganzen Tag herumreiten, um mir Appetit zu Zachen." Mit großem Ergötzen erwiderte Morgan dieses urwüchsige Lebewohl und ruderte davon. Ellinor blickte ihm nach, bis er hinter einer Gruppe Weiden verschwunden Miene^" toaubte ?ie N) heimwärts mit sehr befriedigter .^/Rudert gut und spricht gut, ist Boeder glattzüngig noch werbrsch schon" — so faßte sie ihre Beobachtungen zusammen. ,,^m ganzen von der besten Art, die ich bis jetzt hier gesehen habe. Dieser Mann gefällt mir." 5. Kapitel. Als Richard Morgan am Frühstückstisch sein kleines Erlebnis erzählte, amüsierte sich seine Schwester außerordentlich über die drollige Weise dieses ersten Zusammentreffens mit Fräulein Graham. „Tu hast die frühen Morgenstunden vortrefflich angewendet, Richard", erklärte sie. „Fräulein Ellinor ist selbst so pünktlich in ihren Handlungen, daß dieser zeitige Besuch Demes künftigen Arbeitsfeldes Dich sehr bei ihr in Gunst setzen wird." "LH hoffe aber doch sicher, daß die Arbeiten weder von ihrer Gunst noch von ihrer Laune abhängig sein werden", Richard etwas ungalant, förmlich entsetzt über diese mögliche Aussicht. „Nicht, daß ich unhöflich sein wollte", fugte er lachend bei, „aber den Launen einer jungen Dame tonnte ich mich bei einem solchen Unternehmen unmöglich fügen. Ich denke, Fräulein Graham wird ihre Entschlüsse fassen und dabei bleiben." „Sehr wahrscheinlich", schaltete Tr. Wilson ein, „sie ist die resoluteste junge Dame, die ich je kennen gelernt, eine Graham durch und durch. Sie besteht darauf, daß ihre Anordnungen pünktlich befolgt werden." „Wie kam es, daß sie das Besitztum erbte und nicht ihr Vater?" fragte Richard. „Ihr Vater und seine Mutter", erklärte der Doktor, „hatten vor Jahren bittere Streitigkeiten, die sich nie wieder beilegten. Fräulein Bassett, die seit dem Weggeheü des jungen Mannes bei Fran Graham lebte, ich glaube, anfangs als Gouvernante der verstorbenen Tochter und damals Gesellschafterin, sagte mir, daß Arthur Grahams, Name nie mehr genannt werden durfte. Es ist ein Wunder, daß die alte Dame sich entschließen konnte, wenigstens die nächste Generation erben zu lassen." „Nun, Fräulein Graham scheint sich als Herrin von Westfields sehr zu gefallen", bemerkte Richard, sich der stolzen Miene erinnernd, mit der sie ihn aus ihrem Gebiete wies. „Aber wie kommt es, daß niemand bei ihr ist? Sie ist viel zu jung, um allein hier zu wohnen." „O, was dies betrifft", entgegnete Frau Wilson, die Leute in Australien nehmen es in diesem Punkte lange nicht so genau, wie wir. Ihr Vater schrieb sehr vernünftig an Robert, daß er Geschäfte halber nicht so rasch von Sidney weg könne, unsere Veranstaltungen für seine Tochter aber sehr dankbar annehme. Robert hatte ihm nämlich mitge- teilt, wir würden Fräulein Bassett sozusagen als Gesellschaftsdame Westfields zurückhalten; und daß er unbedingtes Vertrauen in den Testamentsvollstrecker seiner Mutter setzen könne, wußte er natürlich. Wenn seine Tochter hier bleibt, wird er ohne Zweifel bald nachkommen." „Wenn!" wiederholte Richard erregt, „Fräulein Graham wird doch sicher wissen, ob sie hier bleibt, oder nicht, ehe sie diese kostspieligen Arbeiten unternehmen läßt." „Gewiß weiß sie das", war die rasche Antwort, „das „wenn" bezog sich nur auf Herrn Grahams' unbestimmtes Kommen. Erst letzte Woche sagte mir Fräulein Ellinor mit großer Befriedigung, sie habe ihren Eltern geschrieben, daß sie in Norfolk wohnen zu bleiben gedenke." „Um so besser", sagte Richard mit sichtlicher Erleichterung. „Also Robert, mit Deiner Erlaubnis werde ich das Boot wieder in Beschlag nehmen, und mir einen allgemeinen Ueberblick über meine Arbeit verschaffen." „Sei es so", entgegnete sein Schwager, „ich werde Tip bis hinüber Gesellschaft leisten und Dich mit dem Ver-i walter bekannt machen. Harris ist ein vortrefflicher Bursche, Tu wirst eine tüchtige Stütze an ihm haben. Ich werde vor Mittag nicht zurück fein, Jessie. Ta drüben hält sich ein wunderschöner Wasservogel aus, den ich beobachten möchte. Tein Herr Bruder wird die armen Schlucker ohnehin aus ihrer natürlichen Wohnstätte vertreiben, also muß ich ihre! Bekanntschaft machen, so lange ich die Möglichkeit habe/« Tie Siebenuhrstunde fand unser Trio in vortrefflicher Laune, die wenigen Gäste empfangend. Tie beiden Herren waren sehr befriedigt von ihrer kleinen Forschungstour zurückgekehrt unß Frau Wilson, zu jeder Zeit eine liebenswürdige Wirtin, strahlte vor Vergnügen, als sie bemerkte, wie Fräulein Graham mit besonderer Vorliebe die Gesell- schast ihres Bruders aufsuchte. Sie hatte Oberst Mellin und Gemahlin, sowie den guten Doktor Pott kaum flüchtig gegrüßt, als sie mit einer anmutigen Kopfbewegung Richard an ihre Seite ivinkte und lächelnd begann: „Ich glaube. Sie werden mir viel zu sagen haben, Herr Morgan. Ich sah Sie den ganzen Morgen aus dem Wasser und hatte fast Lust, auch hinüber zu rudern und ihnen Gesellschaft zu leisten. In Marypoint liegt unser Haus an der Bucht, und ich bin selbst ein halbes Amphibium. Doch ich dachte, mit meinem unvermeidlichen Geplauder würde ich Ihre tiefsinnigen Berechnungen stören, und so ließ ich Sie deckst in Frieden, wofür Sie mir dankbar sein müssen." „Ich bin es in der Tat", entgegnete Richard ernst, „denn wir hatten einige Stunden scharfen Ostwind, wobei Sie sich gewiß eine Erkältung zugezogen hätten." „Ach, dummes Zeug!" entfuhr es ihren Lippen. „Wir Mädchen auf der Zündern Seite der Welt sind nicht so zimperliche Geschöpfe, wie man sie hier erzieht mit ihrem späten Aufstehen und Schlafengehen! Und ihre späten Mahlzeiten hier — mein Gott, das ist unhöflich,!" Sie drängtd rasch ihre weiteren Worte zurück, als sie Frau MellinS 3vi Ihnen schwierigen Posten. Ich tue mein seeischen Manieren zu meldern: Auge mit vorwurfsvoll entsetztem Blick auf sich ruhen fühlte. „Aber wirklich", — sich rasch von Herrn Morgan mi dessen Schwester wendend — „ich wollte nicht unhöflich sein. Tiefes Mahl wird mir ohne Zweifel viel Vergnüget machen, ich habe mich den ganzen Tag darauf gefreut." „Tann wollen wir es auch jetzt in Angriff nehmen", beruhigte Frau Wilson das junge Mädchen mit einem Lächeln, das zu sagen schien: „O, wir beide verstehen einander." So furchtbar auch die Zerstörung gewiitet hat, die der Natwnalkonvent hier vornehmen ließ mit dem Wunsch- alle Zeichen und Sputen der einstigen Königshcrrschaft W tilgen, so verdient diese Ruhestätte der französischen Könige auch heute noch unsere volle Beachtung, dank der kunstverständigen Rekonstruktion des berühmten Architekten und Archäologen Viollet-le-Duc, der, mit feinem Verständnis für die gotischen Bauformen begabt, den ehrwürdigen Bau unter Napoleon III. in alter Pracht wieder erstehen ließ. Von den Grabdenkmälern ist besonders schön das Ludwigs XII. (f 1515) und seiner Gemahlin Anna von Bretagne, ein Werk der Renaissance, dessen Skulvturen sich durch besonders innigen seelenvollen Ausdruck cms- zeichuen. Tie kleine Gesellschaft begab sich jetzt paarweise in das Speisezimmer. Auf dem Wege dahin erklärte Frau Wilson in halblautem Tone dem Obersten, daß ihre junge Nachbarin wirklich ein sehr liebenswürdiges Mädchen sei: so warmherzig, so natürlich, es fehle ihr nur der äußere Schliff, der ja leicht nachzuholen wäre. „Dann, meine werte Frau Doktor, beginnen Sie doch recht bald mit ihrer Erziehung", entgegnete der Oberst höflich. „Es wäre schade, für Westfields eine Herrin zu haben, die seiner nicht würdig wäre." . .»Aber das ist sie in der Tat", flüsterte Frau Wilson mrt Nachdruck, „hochherzig und 'edeldenkend, wie Wenige, ^ihre Offenheit wird nur zu bald schwinden, fürchte ich, wenn sie mehr mit der Welt in Berührung kommt, und rhre Manieren werden sich unter freundlicher Leitung rasch ihrer Umgebung anpassen." Der Oberst lächelte und blickte bedeutungsvoll zu Elli- Dem Lauf der Seine abwärts folgend begeben wir uns dann nach St. Germain-en Laße, besten Schloß, Park und Terrasse gleiche Beachtung verdienen. Das Schloß, der Lieblingsaufenthalt Ludwigs XIII., die Geburtsstätte fernes . berühmteren Sohnes, Ludwigs XIV., war lange auch die Residenz des Sonnenkönigs, bis, wie man erzählt, der Anblick der Türine von St. Denis, dieser Wahrzeichen der Vergänglichkeit königlichen Glanzes, ihm den Aufenthalt verleidete, und ihn bestimmte, nach Versailles überzusiedeln. Der einzige königliche Gast, den dann das Schloß noch beherbergte, war Jakob II. von England, ZMSNSWWMI sEfflWJES MS Anstoß Ellinors imaeiiierteg6 m?' I Modelle römischer Waffen, Belagerungsmaschinen, regte die ieden £ Cr< Brückenbauten, Nachbildungen jener riesigen Steintische RifirSÄ SB" Ku- Stt, Ihnen fast wie em Sviel iLrfnmmpn 2“V1I endlich, die, 2400 Meter lang, sich am Ostsaume des Waldes Ellinor fehlt es gewiü^nie an Unt^b^trn^" 6et faulem auf dem steilen Seineufer dahinzieht, gewährt eine ent- ' „O, sie ist nicht immer zückende Aussicht über das Tal des vielgewundenen Stromes Ihnen" war die Entaeminnp, ° versichere ich I sowie über die weite belebte, mit unzähligen Dörfern schwierigenPostenS faie3'^mmer einen mb Landhäusern übersäte Ebene, in deren Hintergrund die sttstchen Manieren £ T /lre »der- Türme von St. Denis und die Höhen des Montmartre mit sinnw^ und lftr. eigen- den blendend weißen Kuppeln von Sacrß-Coeur das Herr- Natürlich fühle icki "nrick^ >oBe- »che Landschaftsbild umrahmen. Der Vortrag eines schalk- aber eine leichte Aufgabe ist Ä nicht ^szuharren, haften Volksliedes mit dem bekannten Kehrreim: Parta- „O geben Sie doch hnM , .... , r | geons-nous la corde usw. würzte die Ausführungen über Pott fle hat das 8» .Sf h^rX9 ' ^9.uhFte btefe Bon Paris aus so viel besuchte Stadt. - Daim folgt ich. '.haben Sie iibrmenl Ä baä st'he ein kurzer Abstecher nach Asnitzres, das, so nahe bei sie Ihnen vervflicbte?ist?" " 6et l^r erwähnt, tote sehr Paris gelegen, die FreudeU der Großstadt mit den Bor- Fräulein Bassets obnebin faftfo rtwutst , teilen idyllischen Landlebens verbindet und als Wohnsitz nm AueSchattteruna tvurbe no^ zahlreicher Künstler, Schriftsteller und Rentner, sowie als Schattierung bleicher: „Niemals!" Ziel sonntäglicher Ruderpartien unter den kleineren Orten (Fortsetzung folgt.) ber Umgegend das größte Ansehen genießt. " — | Was Asnisres unter den Dörfern, das ist Saint- hntt Oliirtß | ud unter den Städten. Amphitheatralisch am linken M ", Semenfer sich erhebend, bietet die Stadt vom Flusse aus (Französischer Vortrag.) | gesehen, einen entzückenden Anblick dar. Das Schloß ist , .. o _ M r (Nachdruck verboten.) zwar verschwunden, das sich einst hier stolz erhob, und lnt r-r ^bktor Goetschy am Freitag vor ! Ui dem zwei französische Herrscher, Karl X. und Napo- dem seinerzeit von uns mitgeteilten Programm leou III. die Unterschriften vollzogen, die beide ihren Dhron Zefchickt getroffener Auswahl Proben der neueren I kosten sollten, jener, indem er die Ordonnanzen, die un- L sp In Novellenliteratur rezitiert: le Petit füt von I mittelbare Veranlassung der Julirevolution, dieser, indem- Elai-Piip «L?? derb realistische, Boum-Boum von I er die Kriegserklärung an Preußen unterzeichnete, — aber rirf nf? ^dealisttsch-gemutvolle, les fapins von A. Theu- j noch bietet die Stadt viel des Interessanten: ihren herr- u"d la t» eitle e von Coppöe als ernste lichen Park, von dessen Terrasse das schönste Bild der £rillf e' c «.fdhloß er letzten Freitag seinen aus I ganzeu Weltstadt mit ihren gewaltigen Baudenkmälern Rezitationen zusammengesetzten Cyklus sich entrollt, von der Kirche Saere-Coeur im Norden bis Orw hip1 sF>?r~u?er dle Hauptsehenswürdigkeiten der ! zum Pantheon im Süden, — die grandes eaux, die den die Ä»mnhi ststst'st iLhor um die Sonne sich stellt", I Hauptanziehungspunkt der im Herbst gefeierten Kirmeß aleicb br-e f Afutralsonne französischen Lebens, j (la fete de St. Cloud) bilden und an Schönheit mit den umitrabtt" ^st^bben, von ihrem Glanz Wasserkünsten von Versailles wetteifern können. Lichtbilder bildeten den ansgewählte Stiller, feierlicher, majestätischer als die bisher gelehrreichen wie anreaenden AusMb^E ebenso schilderten Plätze wirken Versailles und Fontaine- Redner die historische ü£noroÄUnSn' die der ! bleau. Hier stehen wir unter dem gewaltigen Eindruck, lerische oder ästhetische Bedeutungder die Erinnerung an Frankreichs größte Herrscher und Paris zu charaktZisieren nerfffi 9 ^gegenb; von Zeiten in uns weckt. uns besonders die StttriehrrtTp^ wH b S.e?uS stsselt I Nachdem wir den weiten, nun verödeten Place d'armes 5 Ote Kathedrale mit ihren Königs grüften. j durchschritten. Betreten wir den „Ehrenhof" des Schlosses, 366 Literarische» Me heraus schmücken ließ. Reicher Beifall lohnte den Redner, der, so hoffen wir, auch 'tut kommenden Wintersemester den Freunden französischer Sprache rind Kultur gleich genußreiche Stunden bereiten wird. Auflösung des Logogriphs in vor. Nr.r Jubel — Juwel. Telegraphenrätsel. (Nachdruck verboten.) — männlicher Vorname - . . — altes Fabelwesen --lästiges Insekt , weiblicher Vorname Redaktion: Angust Götz. - Rotationsdruck und Verlag der BrnhI'schen Universttäts-Vuch. und Cteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Meyers Großes KonversatioNs-Lexikom «.r - ■ Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. 6., gänzlich I neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mehr als 148 OM. “ ' 1 Artikel und Verweisungen aus über 18 240 Serien Text mit mehr als 11000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und' auf über 1400 Jllustrationstafelns darunter etwa 190 Farbendrucktafeln und 300 selbständige Kartenbeilagen) sowie 130 Textbeilagen. 20 Bände in Halbleder gebündelt ru je 10 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts rn Leipzig und Weir.) — Der soeben erschienene dritte Band dieses berühmten Hausschatzes bringt erne ganze Reihe interessanter Artikel, und die Genauigkeit, mrt welcher bis zum redaktionellen Abschluß des Werkes allen Vorkommnissen und Erscheinungen unserer Zert Rechnung getragen ist, und die Reichhaltigkeit von zum Terl neuen Tertillustrationen, Farben- und Schwarzdrucktafeln, Plauen und Karten beweist wiederum, welche bedeuteude imb gewissenhafte Arbeit wir vor uns haben. Besonders rnter-- essieren uns die mit sehr instruktiven Täfeln versehenen Artikel über Blut und Blutbewegung, bte uns dre neuesten Fortschritte in der Medizin und die Anwendung des Makros kvps zu diagnostischen Zwecken, dre merkwürdigen Ver Linderungen der Blutbestandteile ber verschiedenen Infektionskrankheiten zeigen. Für dre Technik sind eme ganze Reihe wichtiger Abschnitte nebst vorzüglichen Tafeln von Wichtigkeit: „Mechverarbeitung", -Mergewinnung / S L,d „»Ml", fomie „feuttertoriW. Der Artikel „Chemie", begleitet von erner Portrattaftl der in das Freie, in die Gärten des Schlosses. --- großen Wasserkünste spielen heute nicht; nur wemye Besucher sind zu sehen; um so ungestörter korrnen wrr uns unseren Betrachtungen überlassen, dre uns diese Garten in all dem Glanz erscheinen lassen, der sre ernst belebte. Wir sehen Ludwig XIV. und seinen Hof, dann Ludwig XV., den Unwürdigen, dann Marra Antoinette, und rhr, der Freundirr heiteren Lebensgenusses, der Feindin steifer For- meit und höfischen Zwanges, folge,r wir, den französischen Garten mit seinen gradlinigen Wegen und geometrisch zu- geschnittenen Bäumen und Hecken verlassend, rn jene Ecke des Parkes, wo sie in Petit Trianon auf ihrer ferme, Vorgehen der Engländer in Afrika, die Entwickelung. der Kolonisation irr Brasilien, die Wir r e ni nM a c edon r e n, ist aus den Artikeln „Brrtrsch-Somalrland , „Brrtrsch^st und Zentralafrika", -Brasilwri"(nöbstguter neuer Karte der deutschen Kolonrerr Sudbrasiliens) rmd„Bul g arren Aufklärrrng zu schöpfen. Auch das -BurgerUche Geichs buch" in seiner Neugestaltung sowr: das, .Mrsenwesen^ haben starkes allgemernes Interesse. Daß sarntliche Karlen und Pläne aufs genaueste revidiert und verv ollst an digt sind bedarf keiner Erwähnung, ganz neu sind „Bismarck Arckiivel" Bremerhaven" und „Charlottenburg. Ber sollen eminenten Fortschritten der neuen Auflage sehen wir den weiteren Bänden mrt Spannung entgegen. Sie Striche' und Punkte mtstrlchen den F^lmn Buchstabm^ der Wörter, deren Bedeutung oben angegeben ist. Send du richtig gefunden, so bezeichnen die auf die Punkte treffenden Buchstaben im fammenhang etwas Zeitgemäßes. ^Auflösung in nächster Nummer.) tu dem Ludwig XIV. das Höchste vereinigte, ivas die Mnst tetrier Zeit zu schaffen verstand, und von dem aus er Jahrzehnte lang die Geschicke Europas entschied. Zwischen zwei Reihen kolossaler Standbilder berühmter Feldherren und Staatsmänner dahinschreitend, nähern wrr uns dem Haupteingang in das Schloß, das seit Louis-Philippe ern gewaltiges Museum ist. Die unzähligen Schlachtengemalde, Misten, Statuen und Porträts, welche die unzähligen Sale rmd Gänge des weiten Gebäudes in allen Teilen und Stockwerken ausfüllen, fesseln unki weniger als ermge besonders berühmte und schöne Raume des Schlvsses^ Tres sind die Kapelle, in der der „allerchristlichste Kömg, von bigotten Höflingen und gefallsüchtigen Damen verehrt, den großen Kanzelrednern seiner Zert, ernenr Bossuet und Fltzchrer, lauschte, — dann das Schlafzimmer Ludwigs XIV., in dem das berühmte leverduror, der große Morgenempfang, derr der gerftrerche Historiker Taine ein „Stück in fünf Akten" nennt, stattfand und rn dern der König nach langer ruhnr- und verhängnisvoller Regierung i. I. 1715 starb, verlassen von all den Anbetern und Schmeichlern, die die Macht und dre Prunklrebe des Fürsten aus ganz Frankreich, ja aus Europa um ihn geschart hatte, — ferner die galerie des batarlle^, ein Saal von gewaltiger Ausdehnung und mit rresigen Schlachtengemälden, von denen das bedeutendste, ern Werk von Horace Bernet, die Einnahme der Senalah Wd-el- Käders in Algerien darstellt, — endlich dre glanzende Spiegelgalerie, la galerie des glaees, ern Saal von 73 Meter Länge, unübertroffen prunkhaft rn fernen Deko- et - r— ratiouen, die die Macht und den Ruhm des Konrgs dar- I g^eutendsten Chemiker, zeigt, welche erstaunliche Eutwrck- stellerr, für uns Deutsche denkwürdig als Stätte, tvo am I $ Wissenszweig in den letzten Jahrzehnten ge*. 18. Januar 1871 die deutsche Einheit verkündet wurde. I n0I"men Das Bari- und Konstruktronswesen ist^ durch Die entzückende Aussicht, tvelche die 17 großerr Bogenfenster I Tafeln über „Börsengebäude", "Burgen und arcf den Park ruit seinen Rasenflachen, Wasserflächen, Sta- 1 vertreten, der Bergbau durch erne höchst anschau tuen und Baumgruppen darbieten, locken uns nun hrnab I Tafel eines Braunkohlenwerkes. Einen hervorragett- ix, s.-.?, »»-Mo in di?. Gärten des Schlosses. Die | . p/L «.2 Iiiniinl das Buchgewerbe ern rn serner technischen und künstlerischen Entwickelung. Neben den Tafeln kunstvoller Bucheinbände aller Zerten, der getreuen farbigen Kopie eines Blattes von Gutenbergs 42 zeitiger Bibel und vier Takeln ältern und moderneir Buchschmucks interessieren 5 MÄn »rate »«14« dl- (ent so b-liebten Bllcherzclchen (ex l-bns) vM henem Geschmack und Zweck veranschaulichen. In gleicher Weise werden dem Kunstliebhaber die vier Tafeln"BroUge- kuA willkommen sein mit der Wandlung der strengen Form der Antike durch die gefällige Renarssäncebis zu. des Parkes, wo sie in Perrr mr a no n i &>{cn Behandlung der Lulle in unserer Zert.Laneoen. in ihrem Lanrean (Weiler) als Barierrn inmitten höfischer die grotesken und phantaslerercherr Formen der Knechte ulld Mägde die Reize der Natur und des Land- I ^dischen, chinesischen und japanischen Bronzen, drei zum lebens genießt, für dre dre vornehme Gesellschaft seit I befruchtend auf unsere Kunst wirkten, äußerst lebhaft den Tagen Rousseaus so gefühlvoll schwärmte. Nicht Minder I J J instruktiv. Für viele aktuelle politische Wagen, das liebte dieselbe Königin das stille Leben im fern von Ver- I imo W ' s;» w.,un,ck?u.no der sailles ilnd Paris gelegenen, waldumrauschten Schlosse zu Fontaine b l e a u, dessen Sehenswürdigkerten dre folgenden Bilder darstellen. Fontainebleail ist berühmt durch seinen prächtigen Wald, seine Schluchten und Felsgruppen, seine Gärten und besonders durch sein großes Schloß. Unter Franz I. und Heinrich IV. erbaut, von Primatnew und anderen Künstlern mit herrlichen Bildern geschmückt, war das Schloß inmitten der Waldungen, die srch meilenweit nach allen Seiten ausdehnen, ein Lieb lingsaufenth alt der lebensfrohen Gemahlin Ludwigs XVI. rrnd nach rhr Napoleons I. Die Ausschmüstung der von ihnen bewohnten Gemächer entspricht ihren: Charakter. An Napoleon I. erinnert noch la Cour du Cheval-Blanc, auch Cour des Adieux genannt; denn hier verabschiedete sich der Kaiser am 20. April 1814 in feierlicher, schmerzbewegter Ansprache von den treuen Grenadieren seiner alten Garde, nachdem er einige Tage vorher im Schlosse seine Abdankung unterzeichnet. An die Tage desselben Herrschers erinnern auch die Gemächer, die Pius VII. als Gefangener hier bewohnte. Der glänzendste Raum aber des Schlosses ist la galerre d'Henri II., auch Salle des Fstes genannt, ein Saal, den Heinrich II. mit Tafelwerk und Gemälden aufs prächtigste