Rr. 124 1903 iamslag den 22. August. 01. ■äS£ 8 SW ^UlssM .■GeSBBn. Ä® ■ ä CTafffl egsMUJS WU ffl (Nachdruck verboten.) Schloß Öfterno. Roman von S. Merriman. (Fortsetzung.) 30. Kapitel. Eine Wolke. „Als die Gesellschaft am selben Abend nach Osterno zu- ruckkehrte, wurde Steinmetz gemeldet, daß der Starost auf rhn warte. Die Nachrichten, die er brachte, ivaren derart, daß Steinmetz nach Paul sandte, und die drei Männer ftch in das kleine Zimmer hinter den Rauchsalon im alten Fluges zurückzogen. „Nun?" fragte Paul mit jenem unbewußten Stolz, der ihn diesen Leuten immer als echten Fürsten erscheinen ließ. Der Starost machte eine verzweifelte Gebärde mit den Händen. „Euer Durchlaucht, ich fürchte —" „Was?" Der Starost zuckte kriegerisch die schmalen Achseln. „Euer Durchlaucht, ich weiß nicht, — etwas geht im .orfe l’or, ich weiß nicht, was es ist, man kann es mcr)t s?An, man kann es nicht bestiinmt erklären, aber man fühlt es; es ist da, wie das Wasser am Grund eines tcefen Brunnens. Die Bauern werden gefährlich, — sie wollen mir nichts sagen, sie sind argwöhnisch, sie belauern Mich." Seine fliukeii, schwarzen Augen fuhren während des Sprechens hin itnb her; er war ivie ein gehetztes Wiesel. „Ich gehe gleich mit Ihnen hinunter ins Dorf", sagte Paul. „Gibt es vielleicht einen Vorwand, — sind Kranke vorhanden?" „O, Durchlaucht, diesen Vorwand gibt es immer", ant- wortete der Starost. Paul sah nach der Uhr. lamme .gleich mit Ihnen", sagte er und ging sofortcin seine einfachen Vorbereitungen. „Vergessen Sie nicht das Diner", warf Steinmetz mit resigniertem Lächeln ein. „Es ist bereits halb acht." .... Drner kann warten", antwortete Paul auf französisch, „Sw können den Damen sagen, daß ich ausgegangen bin und, wenn ich zurückkoinme, allein diriieren werde." Steinmetz zuckte die breiten Achseln. m. "Es ist unklug vou Ihnen, allein hinunterzugehen. /hr Gemahl und sein Freund sind meilenweit entfernt, und Fräulein Delafield bin ich im Walde begegnet; sie ist auf ihren Schneeschuhen noch nicht ganz sicher und wird schwerlich vor einer halben Stunde zurück sein." Etta blickte den Stuhl an und biß sich auf die Lippen; dann ließ fte sich langsam nieder und zog die Falten ihres kostbaren Kleides an sich. //3ch^ habe das Glück, Sie allein zu treffen." „Tas weiß ich bereits", antwortete sie kalt. (Fortsetzung folgt.) Ei» kriminalistisches Museum. Tie Kriminalabteilung der Dresdener Polizeibehörde hat sich seit dem letzten Winter ein eigenes kriminalistisches Museum angelegt, das in erster Linie auf Dresdener „Falle" Bezug nimmt, auf sächsische aber doch insoweit, daß z. B. alle Münzfälschungen aus ganz Sachsen dahin abge- lrefert werden. Bedauerlicherweise bleibt diese Sammlung einer größeren Oeffentlichkeit vorenthalten, wohl aus einem 'uechen doppelten Grunde. Denn erstens muß sie natürlich alles Einschlagrge, z. B. alle Instrumente der Spitzbuben und Mordgesellen enthalten. Wenn diese jedermann zu Gesicht kämen, bestände die Gefahr, daß sie Schule machten. Außerdem könute daduru, allzu leicht einem unerfreu- uchen Sensationsbedürfnis Vorschub geleistet werden. Dies zeigte sich in einem Falle, in dem ein Teil der Schaustücke ausgestellt wurde. Er betraf die bizarren Mordwaffen der Jahnel. Diese hatte vor wohl zwei Jahren, nach der letzten Bungertpremiere im Opernhaufe den dort beschäftigten Kammervirtuosen Gunkel in der elektrischen Straßenbahn eoram publioo, erschossen. Sie bediente sich dabei zweier Revolver, die sie, mit künstlichen Blumen umwunden, schon auf ihrem Platze in der ersten Parkett- 5/chb >wihrend der Vorstellung mit hatte. Auf diese gefähr- IJ’ ” ^"monbundel konzentrierte sich damals das Jn- teresie der Besucher, namentlich der Damenwelt so sehr, sts bald wieder entfernt wurden. Gleichwohl, - wie Kriminalpolizei sich am Kampfe mit den Verbrechern , verbrecherischer Täten immer mehr der Oeffentlichkeit bediente, namentlich der Presse — hielt fie es doch für angezeigt, diese bei geeigneter Gelegen- W aud); einmal genauer über ihr sonst geheimnisvolles Walten zu unterrichten. Ein solcher Anlaß hat sich dieses ^ahr m der deutschen Städteausstellung in Dresden gefuu- tut' Ä bLef rF9*§fte18 zum spätesten Alter. Sie sind also fortdauernd unsere untrüglichsten Kennzeichen. Auch wenn sie einmal durch Zufall oder absichtlich abgeschliffen werden, kehren sie in genau der einstigen Form wieder. Sein praktischer eminenter Wert besteht darin, daß jeder beliebige Polizei- beamte oder auch Laie im stände ist, solche Fingerabdrücke einem Individuum abzunehmen. Er braucht nur dessen Fingerspitzen ein wenig mit Ruß zu schwärzen und ein Blättchen weißes Papier dagegen zu halten. Der Abdruck wird dann fixiert, an die Behörde eingeschickt,, hier photographiert, vergrößert um das Studium zu erleichtern, und verglichen. Es nutzt also da z. B. einem Individuum nichts mehr, wenn es seinen Namen verleugnet. Ist schon von früher ein Abdruck seiner sämtlichen Fingerspitzen im Besitz der Fahndungsbehörde, so wird sie sicher und schnell herans- fmden, zu wem die neu eingesandten Aufnahmen gehören, von wem sie stammen. Es ist ein sehr beachtenswerter schöner Erfolg der Dresdener kviminalistischen Ausstellung, daß mehrere Vertreter auswärtiger deutscher und außerdeutscher Polizeibehörden sich ebenfalls für die Einführ- ung dieses praktischen und zuverlässigen Verfahrens entschieden, sobald sie seinen Wert hier erkannten. Allen diesen Verfahren steht auch noch die Durchleuchtung mittels der Röntgenstrahlen zur Seite, wie ein an den hiesigen Polizeipräsidenten gerichtetes verdächtiges Paket dartut, das dadurch vor der Eröffnung, die verhängnisvoll werden konnte, als Höllenmaschine erkannt wurde. Außer diesem lehrreichen Inhalt ist das kriminalistische Museum auch reich an vielen interessanten Einzelheiten, die in dieses Fearben des Papiers die Nationalität. Eine Kurve deutete an, ob der Mann reich, eine ob adelig oder bürgerlich, eine I vb verheiratet oder noch ledig, oder schon verwitwet sei. j -öch Grunde alles eine recht kindliche Spielerei um lauter wichtige Tinge, soweit wenigstens die hier ausgestellten Proben erweisen. -Weiter enthält eine Abteilung zahlreiche Hilfsmittel des „Kriminellen", Verbrecheralbums, eine Handschriftensammlung von Hochstaplern, Mördern und Totschlägern, Falschmünzerii, Denunzianten, Drohbriefschreibern, Einbrechern und dergleichen. Besonders originell ist eine Brieffälschung auf photographischem Wege. j Ter Gauner hat hierbei ans einem Originalbriefe gewisse Worte herausgeschnitten, in einer andern Reihenfolge zusammengeklebt und photographisch vervielfältigt. Dadurch kam ein völlig anderes Schriftstück zutage, dessen Schrift der Schreiber des Originalbriefes als seine eigene nicht verleugnen konnte. Für Hamburger Verhältnisse ganz besonders wichtig sind die Barkassen der Hafenpolizei und die elektrischen Boote der Kriminalpolizei, von denen je ein Modell ausgestellt ist. Ein Bild einer Gruppe von verkleideten Kriminalbeamten, wie sie ständig den Hamburger Hafen „unsicher" machen, zeigt, daß die heilige Hermandad überall ihre Augen hat, und photographische Apparate als Operngucker, zeigen, daß man in Hamburg keinen Moment sicher ist, daß einen vigilante Kriminalbeamte irgendwie knipsen. Mehrere Modelle veranschaulichen auch die Unterbringung der Sträflinge in den' Ge- fangenenwageii und in den Zellen. Ein Tablean zeigt sogar Polizeihunde, über deren Verivendbarkeit die Meinungen freilich noch recht geteilt sind. Tas Polizeiamt Leipzig stellt mehrere interessante Reisepässe aus, darunter solche von Lortzing, Robert Schumann. Das Polizeiamt zu Dresden endlich berücksichtigt auch die „praktische" Seite. Man sieht da einen Kriminalbeamten von 1853 ab (wo es deren 301 gab), bis 1903 (wo es deren 1040 gibt) immer größer werden, und dementsprechend immer größer werdende Geldsäcke. In gleicher Weise hat sich aber auch die Kopfzahl der Einwohnerschaft in diesen letzten 50 Jahren rapid geändert. Deren Wachstum entspricht wiederum eine Zunahme der Verbrechen. Das hier geschilderte kriminalistische Museum im Bereich der deutschen Städteausstelluug ist ein hervorragend wertvolles Denkmal dafür, wie sehr die deutschen Städte, Hand in Hand mit den staatlichen Sicherheitsorganen, auf die Behütung der Staatsbürger gegenüber verbrecherischen Anschlägen aller Art bedacht sind. Gemeinnütziges. Die Entfernung von Schweißränderii auf Herrenfilzhüten läßt sich durch Abreiben mit Salmiakgeist ermöglichen.. Gleichklangrätsel. Nachdruck verboten. Er ist klein zwar, doch gewandt, Hat gelernt schon allerhand; Macht sich nützlich im Geschäfte. Jedem ist er wohlbekannt. Täglich nehm' ich ihn zur Hand. Seine Spur zeigt sich im Hefte. Es liegt fern vom Lärm der Welt In des Waldes Lanbgezelt. Fromme Lieder hör' ich klingen, Die der Seele Frieden bringen. Jens Holmen. (Anflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Pyramide in vor, Nr.r E E i B e i Bier Birke Redaktion: Anaust Götz. - Rotationsdruck und Berlag der Birbl'sürn llnircrstläls-Bnck- und Steindruckerci.-'M. Lange, Gießen,