>«O1 DM Ml 1903. — Nr. Öl. MiiiiH .'“"Ul (Nachdruck verboten.) Die Namensschwestern. Tret nach dem Englischen von Clara Rheinau. . sts (Fortsetzung.) xj ; Midgeham, 28. März. Mein lieber Richard! Deinen sehr ,offiziell gehaltenen Neujahrsbrief von Müsset aus habe ich länge unbeantwortet gelassen, wenn auch nicht gerade aus Mair geb an Stoff. Die Wahrheit ist, ich wünschte meinen Weg erst ganz klar vor mir zu sehen, ehe ich Dir folgenden Borschlag mache." „Sehr richtig", bemerkte Frl. Osborne hörbar. „Also zur Sache. Natürlich erinnerst Du Dich noch, baß wir an einem kleinen Musse wohnen, den Du stets einen Bach zu nennen beliebtest. Mn aus der Südseite dieses Wassers gelegenes Besitztum, uns gerade gegenüber, ist vor einigen Monaten in andere Hände übergegangen, und es scheint, daß man nun endlich mit den biHer ausgeschobenen Verbesserungen beginnen wolle. Unmöglich kann ich alles schriftlich erklären. Aber ich will doch beifügen, daß mein Mann, der erste Ratgeber in Westfield, bereits von Dir gesprochen und Dich als durchaus geeignet zur Aus- fifhrung der geplanten Drainagen re. geschildert hat. An Dir ist es nun, herüber zu kommen und die Sache, die hoffentlich nach Deinem Geschmacke ist, in Angriff zu nehmen. Noch eine zweite Aussicht: Herr Ingenieur Barker in Norwich, der Ches einer hochangesehenen Firma, sagte ganz kürzlich zu Robert, daß er eine tätige und erfahrene Kraft, keinen Anfänger, als Teilhaber suche. Uns beiden taut gleichzeitig der Gedanke, Tu wärest der rechte Manu hierfür. So fragten wir jhn denn näher über seine Pläne aus und ließen ein paar Worte fallen, um die Sache für Dich in Gang zu bringen. Er erwartet vielleicht eine größere Einkaufssumme, als Tu besitzest, aber das ließe sich leicht machen. Wenn nötig, würde Tir mein Mann.gern etwas vorstrecken, Tu standest ja stets in besonderer Gunst bet ihm. Aus Deinem letzten Briefe entnahm ich, daß Du nur zeitweilig in Brüssel beschäftigt bist; sv hoffe ich, Tu wirst keine Zeit verlieren, herüber zu kommen. Wenn Tu immer noch den Wunsch hast, Dich dauernd in England niederzulassen, könntest Tu keine bessere Gelegenheit finden. Es sind tausend Vorteile damit verknüpft, die ich Tir aber Nur mündlich auseinandersetze,t kann. Gieb uns bald Nach- • richt, wann wir Dich erwarten dürfen. Deine treueSchwester „Jessie Wilson." „Aber dieser ganze Plan klingt ja vortrefflich!" rief Frl. Osborne erfreut. „Ich würde keinen Augenblick zögern" und da die zunächst Beteiligten der gleichen Ansicht waren, beschloß man, anzunehmen, und danach zu handeln. „Nur eine Schattenseite ist dabei", sagte Herr Morgan, „aber diese ist, —" er zögerte mit einem viejsagenden MA auf Aimees gesenktes Köpfchen. „Aimee", schaltete Fräulein Osborne ein, „es ist ueutt Uhr vorüber. Wollen Sie nicht für mich im Schulzimmeü „gute Nacht" sagen? Ich weiß, was Sie meinen, Morgan" — fuhr sie fort, als das jung« Mädchen sich entfernt hatte — „Sie müßten Aimee zurücklassen." „So' ist es. Diese Sachen in England können Wochen, ja Monate in Anspruch nehmen. In meiner jetzigen unsicheren Lgge mich zu verheiraten, wäre unrecht; ich kanü aber auch meine zukünftige Frau nicht ohne genügendem Mittel hier lassen, und doch fühlen wir beide, daß sie teilt Recht habe. Ihnen zur Last zu fallen. Darf ich also —" „Nein, Sie dürfen nicht", unterbrach ihn Fräulein 08'* borne mit Wärme. „Bedenken Sie, ich war AimeeA Freundin lange, ehe Sie dieselbe kannten, Herr Morgan, Von der ersten Stunde an, da ihr Vater Jte mir brachte^ ein schüchternes kleines Kind von neun fahren, und mich bat, ihr eine gute englische Erziehung zu geben, ist fiel mir immer mehr ans Herz gewachsen. Wenn ich nicht eitt halbes Dutzend Nichten in England hätte, die mich alle beerben wollen, so hätte ich Aimee adoptiert, damals als das Unglück über sie hereinbrach und ich ihren vollen Wert so recht kennen lernte. Also darf von Bezahlung zwischen uns keine Rede sein. Aimees kleines Vermögen ist auf, ihren und meinen Namen auf der belgischen Bank hinterlegt, bis zu ihrer Volljährigkeit nächsten August. Ihr bescheidenes Taschengeld braucht sie nicht anzugreifen, s» lange sie bei mir ist. Sie entschädigt mich reichlich, Herr Morgan, durch ihre Hilfe in diesem schwierigen Haushalt/ dessen ich so müde bin.; sie begütigt meine Lehrerinnen, hilft den Zöglingen und wirkt Wunder mit meinen Dienstmädchen, die mein Französisch nicht verstehen können. Also vertrauen Sie mir das Kind an bis August, und ich werdei Ihnen dankbar dafür sein. Tann fetze ich mich zur Ruh«, nach fünfundzwanzigjähriger Tätigkeit, gebe meine Schulei auf und kehre nach England zurück." „Aber vorher werde ich natürlich Aimee abgeholt haben", sagte Richard Morgan zuversichtlich. „Ta ich sie also für jetzt zurücklasscu muß, danke ich Ihnen von ganzem! Herzen für Ihr Anerbieten." Noch während er mit der T arne einen warmen Händedruck "wechselte, kehrte Aime« zurück. „Alles in schönster Ordnung, meine Liebe", sagte Fräulein Osborne lebhaft. „Sie bleiben hier unter meinen.Fittichen, bis Herr Morgan sich die Sache drüben einmal äuge* sehen haben wird. Tann stacken wir alle ein und.schiffen zusammen nach England hinüber." Nach England! endlich !" rief Aimee, während Schatten und Sonnenschein auf ihren: ausdrucksvollen Gesichtchen wechselten. „Ich möchte' wissen, ob wir einmal dieselbe! Szenerie vor Augen bekommen, die.Papa so oft für mich malte." Richard« Blick folgte alsbald dem ihrigen zu zwei 362 würdige Herrin Besaß, eine herrliche Reihe von Möglich- keiten dar, die sich unter geschickter Behandlung vielleicht in Tatsachen umwandeln ließen? Das prächtige Besitztum^ auf das sie einst selbst sich Hoffnung gemacht, konnte nun doch in ihre Familie kommen und sie schmiedete tausend! kleine unschuldige Pläne, um das erwünschte Ziel herbeiz-u- führen. „Aber ich kann nicht vorsichtig genug sein", überlebte sie, „die leiseste Andeutung könnte Richard verscheuchen. Meine Schuld soll es nicht sein, wenn dieser Besuch nicht angenehm beginnt und herrlich endet. Ach! endlich der Zug und da ist er ja schon!" Frau Wilson begrüßte ihren Bruder mit,fo warmer Herzlichkeit, daß dieser aus seiner Versunkenheit erwachte, ttt die ihn die Trennung von Aimee versetzt hatte. Er kam seiner Schwester mit einer Freundlichkeit entgegen/ die frühere Reibereien vergessen ließ und ein gutes Einver- stäuduis für die Zukunft versprach. Als das Handgepäck untergebracht und alles wieder aus seinem Platze' war, rollte der Wagen zwischen blühenden Heckenzäunen dichhin, an breiten, unregelmäßigen Feldern vorüber. Hoch in den Lüften.fangen die Lerchen ein Will- kommenslied. > herzlicher Weise drückte Frau Wrlson immer wieder ihre Freude über des Bruders Rückkehr aus, sodaß dieser selbst einen Anflug von Befriedigung fühlte, daß er gekommen war. Hierzu gesellte sich eine mächtige Sehnsucht, Aimee in dieser lieblichen frischen Umgebung an seiner Seite zu haben und ein starkes Verlangen, von seiner lüften Braut M sprechen, ihr Lob zu singen, daß die Versuchung fast Vorsicht und Schüchternheit hatte vergessen machen. Aber in der nächsten Minute verschloß er sem Geheimnis wieder tief in die eigene Brust. Ich sah in den letzten Jahren unsere Stiefmutter nicht" mehr", plauderte Frau Wilson. „Sie war ja im ganzen nicht so übel, aber daß sie Papa heiratete, konnte ich ihr nie verzeihen, es war eine .grausame Ungerecht!^ leit gegen uns alle. Und wie Papa dazu kam, kann ich mir gar nicht erklären. Aber je älter ich werde, desto mehr muß ich staunen über die törichten Streiche, die die Manner bei der Wahl ihrer Lebensgefährtin machen. Cane ganz vermögenslose Frau ist doch schließlich ein Hemmschuh für ihren Gatten, denW Tu nicht auch so? „Ueber diesen Punkt vermag ich nicht zu entscheiden , versetzte er, wahrheitsgetreuer, als er ahnte. „Aber muß denn jedermann nach Geld heiraten?" Natürlich nicht! Aber eine gewisse Gleichheit m den Vermögensverhältnissen oder Aussichten sollte doch immer ^^°War auch Wilson dieser Ansicht?" fragte ihr Bruder ettoa^nerlimg3 nicht", lachte feine Schwester. „Aber Robert befaß selbst genug, um seiner Neigung folgen zu . Md wie geht es meinem Schwager?" erkundigte sich Richard, um von einem Thema abzulenken, das ihm pein- lich w^vortrefflich: er schreibt eben ein Buch über „Einheimische Vögel" und möchte Dich etwas über die Storche in Holland fragen. Diese literarische Beschäftigung Uimmt ihn io ein, daß ihm die Zeit leid tut, die er für Westfields Westfields? welcher Weise nimmt ihn dies in Anspruch^^_ ^stimmte ihn doch zu ihrem Testamentsvollstrecker; schrieb ich Tir nicht, daß sie gestorbeit sei?" Tu bemerktest nur, Westfields sei in andere Händei übergegangen, aber ich hatte keine Ahnung, in welcher Weise Jetzt verstehe ich, dies schließt wahrscheinlich die Uebergabe der Besitzung an den Erben in sich." „Von dessen Dasein wir keine Ahnung hatten. Eine — Person aus Australien." „Ach, dieser Herr wird vermutlich in großem Stil Ver- befserungen vornehmen, und dies ist der Grund, warum man meiner bedarf. Was für ein Mann ist er?" „Gar kein Mann", antwortete Frau Wilson, lächelnd. „Westfields hat abermalst nur eine Herrin, Fräulein Ellmor (Watzam^eht ..g et)üa§ derartigen Geschäften, war es ihre eigene Idee?" „ ^,Das nicht gerade. Harris, der Verwalter^ machte ihr Skizzen, die über der alten Staffelei hingen: ein Gewässer mit überhängenden Hollnnderzweigen — auf den Wellen schaukelnden Wasserlilien — oder in einer.späteren.Jahreszeit, mit hohen Blichen, herbstlich gefärbtes Laub wieder- spiegelnd. „Er sagte mir nie, ob sich eine besondere Erinnerung für ihn daran knüpfte. Aber Richard", fuhr sie, einem anderen Gedankengange folgend, fort: „Du erzähltest mir nie, daß Tu eine Schwester besitzest. Es.scheint mir ordentlich undankbar, daß ich von ihrem Dasein nichts wußte, jetzt, da sie in Form einer wohltätigen Fee an uns schreibt." ^Fee!" wiederholte Richard Morgan vergnügt. „Jessie hat nicht viel Feenhaftes an sich. Sie ist hochgewachsen und war schon vor Jahren wie die Landlente sagen, „behäbig" anzusehen." „Äelter als Tu?" „Ja. Zwei Brüder zwischen uns sind in Amerika. Nach dem Tode unserer Mutter.führte Jessie das Regiment im Hause, und leitete uns alle — hm — mit etwas ju fester Hand vielleicht. Tie Folge war, daß wir uns sobald wie möglich frei zu machen suchten. Mein Vater verheiratete sich wieder, und so kam die Familie auseinander. Jessie ist sehr gutherzig und chatte stets nur die besten Ab- fschien. Ihr Gatte ist ein vortrefflicher Mann von etwa fünfzig Jahren. Also, Aimee, wirst Tu es nur mit älteren, gesetzten Verwaiidten.zu tun haben." ^,Jch fürchte sie", erklärte.sie, bang errötend. v,SBenn Frau Wilson erfährt, daß ich noch jung bin und — und arm — wird sie mjch Deiner nicht für würdig halten." „Ach nein, so pflegt sie mich nicht zu überschätzen. Aber", fügte er bei, in der Erinnerung an manch' voreiliges Urteil seiner Schwester, „es ist nötig, daß ich sie gleich am ersten Tage ins Vertrauen.ziehe. Beruhige Dich hierüber. Ich werde meine Zeit gut wählen, um ihr die Nachricht mitzuteilen, vielleicht nicht früher, als bis sie selbst Tich sieht. Dann wird sie sicherlich mehr als befriedigt fein." Genau eine Woche später hatte Richard Morgan alle Vorbereitungen zur Abreise von Brüssel getroffen. Diese letzten Tc^ge, in denen er jede freie Stunde Aimee gewidmet hatte, hatten sie einander immer näher gebracht.' Sie empfanden ihre Trennung nun doppelt hart, obgleich diese vielleicht nur einige Wochen dauern sollte. Unter Fräulein Osbornes mütterlichem Schutze begleitete Aimee den Verlobten an das Tamstsschiff, um einen letzten schmerzlichen Abschied von ihm zu nehmen. Als das Schiff ihren Blicken entschwunden war, legte es sich wie bange Ahnung auf ihr Gemüt, und ein Vorgefühl kommenden Unheils schnürte ihr das Herz zusammen. Sie empfand es als eine Erleichterung, als sie zu Hause angenommen war und in ihrem stillen Zimmer ihren Tränen freien Lauf lassen konnte. 4. Kapitel. Lm Bahnhof von Vearfred, der nächsten Bahnstation bei Bridgeham, saß Frau Tr. Wilson in ihrem hübschen Landauer und erwartete freudig erregt die Ankunft ihres Bruders. ^Jch will die Zügel halten, gehen Sie auf den Bahnsteig und empfangen Sie Herrn Morgan", hieß sie den Diener; und da der Zug Verspätung hatte, blieb ihr noch hinreichend Zeit, sich das bevorstehende Wiedersehen auszumalen. Seit ihres Bruders letztem Besuche in Bridgeham waren über fünf Jahre bergangen, und damals hatte eine ernstliche Meinungsverschiedenheit zwischen ihnen seine Abreise beschleunigt. Ihre Eharaktere waren sehr verschieden, und sie hatte sich inzwischen oft Vorwürfe gemacht, Richards Neigungen zu wenig Rechnung getragen zu haben. Ihr Briefwechsel war in all den Jahren sehr spärlich gewesen, und nie hatte sich bisher ein triftiger Grund ges- funben, ihn zurückzurufen. Jetzt erst schien eine glückliche Verkettung von Umständen die besten Aussichten für feine Zukunft zu Bieten. Ihre Stiefmutter war tot und der Rest des väterlichen Vermögens fiel endlich den Kindern zu, spät allerdings, doch einige Tausend kommen zu keiner Zeit des Lebens unerwünscht. Richards Anteil würde beinahe genügen, ihm den Eintritt in jene Firma zu verschaffen, die ihm sofort eine angenehme Stellung sicherte. Aber konnte nicht auch alles viel glänzender sich gestalten? Bot nicht der Umstand, daß Westfields jetzt eine junge, liebens 363 den Vorschlag, und sie sah sogleich dessen Vorteile ein. Lch glaube, sie wird es sehr eilig haben, daß Tu mit der Arbeit beginnst." ^Je eher, bejto lieber", versetzte Richard, erfreut bei dem Gedanken, was solche Eile für ihn bedeute. „Ich werde ihr sehr bald meinen Besuch machen. Ist sie angenehm? Zn welchem Alter ungefähr?" „O, ziemlich jung", entgegnete Frau Wilson gleichzeitig. „Sie wird nächstens bei uns speisen, dann kannst Tu selbst urteilen. Sieh", fuhr sie fort, als sie an einigen Hütten vorüber kamen, deren Bewohner die vornehmste Dame „auf dieser Seite des Wassers" höflich grüßten, „Bridgeham hat sich gar nicht verändert, Richard. Hier sind wir bei der Villa — so chatten die Leute Tr. Wilsons stattliches Wohnhaus getauft — und hier kommt auch schon Robert aus seinem Arbeitszimmer, eine volle Stunde früher als sonst, um Dich zu begrüßen, eine Ehre, die Du zu schätzen wissen wirst." (Fortsetzung folgt.) Wie der Edamer entsteht. Die Käsebereitung ist gleichzeitig eine Industrie, eine Wissenschaft und eine Kunst. Dieser Satz gilt von der Herstellung des Edamer in ganz hervorragendem Grade. Es gehört eine große Reihe von Verrichtungen dazu, um einen solchen Kugelkäse herzustellen, und er kann nur geraten, wenn die äußerste Peinlichkeit, Sauberkeit und vor allem Aufmerksamkeit wochenlang auf ihn verwandt wird. Zunächst muß darauf geachtet werden, daß die Milch anfangs genau eine besftmmte Temperatur besitzt. Von großer Wichtigkeit ist ferner die sorgfältige Bemessung der Labmenge, die das Gerinnen der Milch innerhalb 5 bis höchstens 12 Minuten bewirken muß. Um dem Käse die schöne. goldgelbe Farbe zu verleihen, wird ihm gleich anfangs ein kleiner Teelöffel voll Orleanfarbe zugesetzt, die in Holland mit dem Namen Annato bezeichnet wird. Es kommt auch sehr darauf an, daß die benutzte Milch nicht zu fest ist, weil der Käse sonst nicht geraten würde. Sobald die Milch zu einer einheitlichen Masse geronnen ist, wird sie mit einem kupfernen Rost gepreßt, um den Molken auszuscheiden, was in 4—6 Minuten geschehen kann. Auch diese Arbeit muß mit großer Geschicklichkeit und Aufmerksamkeit ausgeführt werden, damit nicht bei zu heftigem Pressen ein großer Teil der Butter in den Molken geht, wodurch ein Verlust an Käse bis zu ein Drittel entstehen kann. Dann kommt die Käsemasse in eine Mulde, um dort zu einer einzigen großen Kugel geformt zu werden. Diese Kugel wird nun verschiedentlich durch Belastung in einer Form gepreßt, um sie noch weiterhin vom Molken zu befreien. Es entsteht so eine feste elastische und fast ganz trockene Masse von ziemlicher Härte, die unter den Zähnen kracht. Auch jetzt muß der Käse dauernd eine be- stmrmte Temperatur behalten. Nun kommt er in die eigent- liche Form. Man nimmt zunächst zwei Hände voll davon, die zwischen den Handflächen zerrieben werden. Der Käse verwandelt sich dadurch in einen feinen geschmeidigen Teig und wird als solcher in die Form hineingepreßt. Ist diese gefüllt, so wird der Käse nochmals 4—5 Minuten mit der Hand gepreßt, und währenddessen 3—4mal umgedreht, damit sich die Löcher, durch die der Molken ausfließt, wieder schließen. Besondere Vorsicht ist während des Verfahrens nötig, wenn große Hitze herrscht, oder ein Gewrtter in der Luft liegt. Ueberhaupt muß das Formen der Käse sehr schnell geschehen, um ihre Abkühlung zu verhüten, und daher sind immer mehrere Personen gleich- ös^lg damit beschäftigt. Dann kommt der Käse erst in em Bad von warmem frischem Molken, nach 1—2 Mi- wrrd er wieder in die Form gepreßt, und dann vor- geschlagen. Nun kommen noch einmal alle wahrend derselben Fabrikation hergestellten Käse unter zwischen 2 und 12 Stunden je nach der Jahreszeit verbleiben müssen. Pvessen der Käse ist von sehr großem Einfluß auf dre Haltbarkeit des Erzeugnisses und muß Dann meprhpadVe®^eit® ^p'°rts bemessen werdem Tann werden die Käse wieder aus den Formen genominen von ihrer Leinwand befreit und in die ,,Salzsmmen" ge- M Datum versehen, in große verschlossene Kisteii gestellt werden, .zu je vier Dutzend in eine. Das Salzen nimmt 9—10 Tage in Anspruch. Am ersten Tage wird auf jeden Käse eine Handvoll Salz gelegt, in den folgenden Tagen werden die Käse in einer mit feuchtem Salz gefüllte Mulde gerollt, und dann immer wieder in die Formen zurückgesetzt, wobei darauf Bedacht zu nehmeil ist, daß sie jedesmal in eine andere Lage kommen. Man fährt damit fort, bis der Weiche, elastische Teig eine genügende Widerstandsfähigkeit gewonnen hat. Auch dabei muß die Aufrechterhaltung einer bestimmten Temperatur beachtet werden. Aus den Kisten kommen daun die Käse noch für einige Stunden in ein Bad aus der Salzlauge, die sich unten in den Kisten angesammelt hat; dann wer- den sie in warmem Wasser gewaschen, sorgfältig an der Luft getrocknet und dann genau nach ihrem Alter in den Aufbewahrungsraum gebracht. Dieser muß nun ganz besonders beschaffen sein. Er muß sehr trocken und hell sein und äußerst sauber gehalten iverden. Die Käse werden aus eine doppelte Reihe von Brettern gelegt. Die Temperatur des Raumes darf nie über 22 und nie unter 6 Grad betragen, was im Sommer durch Lüften, im Winter durch mäßiges Heizen erreicht wird. Bei dem Luftzutritt wird darauf Bedacht genommen, daß die Nord- und Ostwinde allen Käsesorten angeblich schaden, auch feuchte Winde sind zu vermeiden, weil sie leichte Pilze in den Aufbewahrungsraum bringen. Hier werden die Käse anfänglich jeden Tag einmal, im Sommer sogar zweimal umgedreht, später etwas seltener. Haben sie dort 25 bis 30 Tage gelegen, so werden sie eine Stunde in laues Wasser getaucht, sorgsam mit einer weichen Bürste oder mit Leinwand gewaschen, an der Luft oder an der Sonne getrocknet und wieder auf die Bretter zurückgelegt. Nach weiteren 15 Tagen wird das Verfahren wiederholt, und dann werden die Käse mit Leinöl eingefettet. Nun würden sie zum Verkauf fertig sein, jedoch erfahren sie gewöhnlich noch eine besondere Behandlung, um ihr Aeußeres ansehnlicher zu machen. Ihre Oberfläche wird leicht gerieben, bis die Kruste allmählich das durchsichtige Aussehen von poliertem Horn annimmt, und dann werden sie gefärbt. England und Spanien verlangen ihren Edamer in einer gelben Farbe, die ihm durch einige Tropfen Leinöl mit etwas Annato verliehen wird. Die rote Farbtz, die in anderen Ländern gewünscht wird, entsteht durch Anwendung einer Lösung von Berliner Rot und Crotonöl. Sind die Farben getrocknet, so werden die Käse noch mit etwas rotgefärbter Milch eingerieben, und erst dann kommen sie in ihre Kisten zum Versand. Endlich sei noch erwähnt, daß ein guter Edamer, der zur richtigen Zeit gemacht, richtig gesalzen und gelagert ist, sich bald mit einer leichten moosartigen Ausscheidung von grünlich blauer Farbe überzieht, die namentlich von den holländi- schen Händlern sehr geschätzt wird. Ein schlecht zubereiteter, zu stark gesalzener Käse wrrd dagegen fettig, feucht, saftlos und nach allen Richtungen von Rissen durchzogen. Ist die benutzte Milch nicht gut gewesen, so wird der Käse unfehlbar durch Schmarotzer zerftessen. Jeder, der diese Schilderung gelesen hat, wird nun seinen Eidamer gewiß mit noch mehr Andacht genießen. Vermischtes. * Von einer un glücklich en Künstlerin, die weder ihre Arme noch ihreBeinegebr-auchen kann, die aber nichtsdestoweniger eine geschickte Malerin und Zeichnerin ist, und außerdem die feinsten Stickereien auszuführen versteht, erzählt eine englische Zeitschrift. Diese Dame, die in einem kleinen Orte auf Long Island wohnt, ist gezwungen, alle ihre Arbeit mit d em Munde, das heißt mit den Lippen, der Zunge und den Zähnen auszuführen, sie ist aber darin so geschickt, daß sie nicht nur sich selbst, sondern auch noch ihre betagten Eltern zu ernähren vermag. Sie malt und zeichnet Bilder, indem sie den Pinsel oder den Stift zwischen den Zähnen hält, und führt dieselben so schön aus, daß sie immer willige Käufer für dieselben findet, von denen viele nicht einmal wissen, daß sie auf eine so seltsame und schwierige Art hergestellt werden mußten. Auch ihre Stickereien macht sie ohne irgend welche Hilfe, schon das Ein- fädeln der Nadel ist ein wahres Kimststück. Sie steckt dieselbe mit Hilfe der Zähne in den Tisch, nimmt dann den Faden zwischen die Lippen und fädelt ihn so ein, und zwar schneller, als manche Frau es mit ihren Händen zu tun" 364 und Würdigung wert. Logogriph. (Nachdruck verboten.) Mein v verkündet laut: Ich darf dem Glück vertrauen! Ich fand in meiner Braut DaS w von allen Frauen. (Auflösung in nächster Nummer.) . .1 des überirdisch schönen Mädchens Leben eine Wendung. Er! entbrennt Redaktton: August Götz. - Rotationsdruck und «erlag der Brühl'schm UniverfltötS.Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Literarisches. Marie v. Ebner-Eschenb ach. Agava. Berlin, 1.—3. Tausend. Verlag von Gebe. Paetel. — Die erste Hälfte des Quattrocento, Florenz und Rom bilden den zeitlichen und örtlichen Hintergrund für den Roman „Agave", zwei berühmte Künstler jener Zeit, der „Beginn des goldenen Zeitalters Italiens", Masaccio und Filippo Lippi, sind eng in die Vorgänge der Erzählung verwoben. * Arme amerikanisch e Stud en ten. Aus New- ! York wird berichtet, daß zwölf Studenten der Abteilung für Jngenieurwesen in der Columbias-Universität während der Sommerserien auf transatlantische Dainpser als Oeler, Heizer und Reiniger gehen werden. Die Universitätsbehör- den haben diese Tatsache bestätigt. Die unbemittelten Studenten wollen damit Geld verdienen, um das Studium bestreiten zu können, und auch die praktische Gelegenheit benutzen, die Probleme des Märine-Jngenieurwesens zu studieren. Bekanntlich sind die amerikanischen Studenten aus guten Familien, die nur über beschränkte Mittel verfügen, während der Sommermonate auch als Kellner, Droschkenkutscher, Straßenbahnfahrer und Schaffner, Platz- anweiser und Statisten im Theater und als fliegende Buch- händler tätig. Diese Beschäftigung in verschiedenen Berufen bedeutet für die jungen Leute gesellschaftlich kernen Makel. Mn merkwürdiger Fall dieser Art ereignete srch kürzlich in Kalifornien. Der Sohn eines reichen Rechtsanwalts ging über Land nach der Leland-Stanford-Uni- I versität und arbeitete unterwegs für seinen Lebensunterhalt. Er kam nur mit fünf Mark in der Tasche air rrnd erbat sich, das Gras auf den Rasenflächen des Universrtäts- geländes abzumähen, die Schlafzimmer zu fegen, und scheuerir und andere Arbeit für den Unterricht zu leisten. Während seiner freien Zeit fand er auch Arbeit in einem Steinbruck). Seiner Familie gegenüber hielt er seine Beschäftigung streng geheim, bis er unter allgemeiner Begeisterung mit Ehren promovierte. Jetzt ist er der Partner seines Vaters. Viele bekannte Leute in Amerika haben auf ähnliche Weise die Universität durchgemacht. vernraa Ebenso wunderbar ist es, zu sehen, wie sie mit I Doch ist dies historische und kulturelle Moment nicht die Hilke der gähne und der Lippen einen Moten zu machen Hauptsache der Erzählung; es bildet nur den -m aparten Erstellt ' I Farben gehaltenen Rahmen, in dem sich ein Menschenschick-' rnnhprWare8 G?rame n fand wie russische I sal abspielt. Ihr Held ist Antonio Venesco, der Sohn eines wraue^XJttoten iünaft in ^der Reckinunasabteiluna der I Töpfers in Ariccia, einem Städtchen unweit von Rom. Ural-Eifenbabn zu Siaratow statt §Die Erannnan- I An ihm entdeckt eines Tages Masaccio ein großes malerq ' die ihre Befähüümg I isches Talent und nimmt den schönen, fiir, die KUnst be- für das Amt eines Bureaubeamten bezw. Rechnungsbeam- geisterten Jüngling "nt nach Mrenz, fern^Schuler r-i h hp'r £1 matik f&hta eine Seite aus las ^in wenig, genialen Meisters der Brancacci-Kapelle und beginnt die SeS welterund S S önnen ersten edlen Früchte zu tragen. Da kommt Margherita, SSÄrtt toten ' ^ dtese auck tüLt ^ und diese eine verarmte Verwandte Masaccios, nach Florenz, und gier mrfteb/icb selbst 'nicht" Damit war' die mathema- I das erste Zusammentreffen des überirdisch schönen Mädchens Sun wurde inGeographiege- mit Antonio gibt dessen Leben, eine Wendung Er entbrennt blätterte der Eraminator längere Zeit in I in heißer Liebe zu Margherita, verliert allen Sinn für Öm §brbuck> berum bis sein Mick endlich äuf den ernstes künstlerisches Streben und ruht nicht eher, als bis E,. 1,. SenSneitefteit Kreisen unbekannten Insel I Margherita seine Braut ist, Dann aber begannt er ]te zu SSSBt 8K w» »äs s Aufgabe geworden, fach, wahrend, der er 1(6)9:annnano i . L Aufseben Masaccio selbst erklärt so gründlich geprüft wurde, in l^Urchen Aus- Es S.^ ^^ches Meisterwerk. Ms sein Schöpfer ent- ßfcrn6 ßr Watte" aö nur ein/ einftae Zeile qeschriebM Mppt sich Antonio, dem der tiefe Schmerz über die Un- Sa Wtfa nS S das Vavier schÄr we?ß treue Margheritas alle Fesseln der Begabung gelost, der Steer ^wie^e? es'erhalte/ wiedw zurück Darauf verE in heißer Leidenschaft ein wundervolles Werk vollendet hat. ÄetesÄt?R-. K AL. FÄ und S« sultat' beide Prüflinge waren durchgefallen. Dem Bu- 1 Y + h h t 1 ltn reaubeamteu hatte die Unkenntnis der Insel, dem anderen d>e nicht beantwortete Frage nach den Pflichten eines Rechnuugsführers den Hals gebrochen. Nun kommt aber das Merkwürdigste: die beiden durchgefallenen Examinanden umreit schon seit vielen Jahren Beamte der Rjasan- Ural-Eisenbahn und gehörten zu den tüchtigsten und umsichtigsten Arbeitern. in heißer Leidenschaft ein wundervolles Werk vollendet hat. Nun erfüllt sein Ruhm das Land. Der Herzog von Ven- । timiglia nimmt ihn zu sich, damit er in Muße und Ruhs I weiter schaffen kann. Doch Antonio gelingt nichts mehr. Gr hat seine Begabung nicht in der Hand, sein Können zer- I flattert unter einem kraftlvseit Willen, er vertändelt und I verdirbt sein Talent in Spielereien, und auch die Liebs I der Tochter des Herzogs vermag ihn nicht zu stärken und I zu neuem edlen Schaffen zu entflammen. Er sinkt immer I tiefer in Schwäche, Zerrissenheit und Haltlosigkeit, bis er in einem Wahnsinnsanfall mit seinen mißratenen Schöpfungen der letzten Monate sein Meisterwerk, sein einziges, verbrennt. Am Hofe des Herzogs kann er nicht mehr bleiben; ruhelos und ziellos irrt er durch drs Lands. Er trifft seinen Lehrer Masaccio wieder, der fern mit reifster Künstlerschaft erfülltes Leben in Antonios! Armen endet. Dann packt ihn die Erkenntnis über seine Natur uud seine Begabung: „Für mich Denkenden, Fichlen- den. Ringenden gab's nur ein Erblühen; für meinen Schaffenstrieb nur eine unter den Stacheln der Werdens- gual entstandene, in Qualen wieder vernichtete Frucht. — ähnlich der Agave, die da aufblüht für ernen berauschenden Frühling und am Erblühen stirbt. Und An- tonto kehrt heim nach Ariccia und wird wieder Töpfer wie ehedem. — Antonio Venesco, der Jüngling, in dem eine große künstlerische Begabung schlummert, die ihn ein- mal in heißer, aus einem persönlichen Erlebnis geborener Wallung ein ragendes Kunstwerk schaffen läßt, dessen Charakter aber fern Talent nicht zu zügeln und zu pflegen weiß, der es mißbraucht in Spielereien, bis es verdorben und er elend verkommen ist — und ihm gegenüber Ma- M Ä S Ä.-ÄÄS*fS vertreten typische Erscheinungen des Künstlertums, on seinem lichten Aufbau, in seinem gemesftnen, abgerund^ ten Stil, in der Sicherheit seiner Charakteristik ist dieses Werk einer Meisterin der Feder allgemeiner Beachtung