Montag den 21. September. 1903. — Nr. 141. M^WUß (Nachdruck verboten.) N NschkmÄlhe« hi der Brckgie. Von B. W. Koward. (Fortsetzung.) 7. Kapitel. „Passeur!" rief Hamor mit aller Kraft seiner gesunden Zungen; er stand am Landungsplatz der Fahre und mühte sich vergeblich, das Boot irgendwo zu entdecken. Eintönig schlug das Wasser gegen die ausgehöhlten Felsen, ist stummer Ruhe verharrte die ganze Umgebung. Nicht ohne Ungeduld packte Hamor seine Habseligkeiten zusammen, die Staffelei, den Feldstuhl, die Palette und die angefangene Studie, die ihm wenig Befriedigung zu gewähren schien, und wiederholte sein Rufen, diesmal mit besserem Erfolg. Um eine vorspringende Ecke des Ufers kam, von kräftigen Schlägen getrieben, ein Boot heran, aber an Stelle des graubärtigen Fährmanns führte eine schlanke, jugendliche Gestalt im wehenden roten Röckchen und weißen Kopfputz das Ruder. „Ah mon dieu, que la Vie est amere", erklang es,von den frischen, schwellenden Lippen. Sobald sie mit verdrossener Miene brachte sie das Boot ans Ufer, indes Hamor erblickte, stockte der übermütige Gesang und „Ter Tausend! Guenn Rodellec! Das nenne ich Glück — jetzt gilt's, es beim Schopf zu fassen!" frohlockte Hamor rnnernch, hütete sich aber wohlweislich, seiner Freude Ausdruck zu verleihen. Er begnügte sich, mit höflichem Gruß ernzustergen und seine ungeteilte Aufmerksamkeit anscheinend seiner Skizze zuzuwenden. Seit fünf Stunden hatte er sich mit der Studie einer von spärlichem Gras bewachsenenSand- strecke abgemüht, die er später für eine, größere Komposition zu verwenden gedachte. Es war eine langwierige Arbeit gewesen und Hamor fühlte sich abgespannt und nicht eben in rosigster Stimmung: auch das Warten aus die Fähre hatte ihn verdrossen. Die Aussicht, mit Guenn Rodellec unter vier Augen die Ueberfahrt zu machen, genügte jedoch, ihn alle Unannehmlichkeiten vergessen zu lassen. Guenns einzige Antwort auf seinen höflichen Gruß war ein feindseliges Anstarren. „Wo ist der Fährmann?" fragte Hamor endlich mit gleichgrltigem Tone. „Betrunken", war die lakonische Antwort. „Was, mehr als sonst?" fragte Hamor lächelnd weiter. Keine Antwort. „Ter alte Fährmann isst übrigens ein ganz guter Kerl." Aberinaliges Schweigen. Es war ersichtlich, daß seine Gefahrftn wemg Geschmack an leichter Unterhaltung fand. Sre fuhr emsig fort, mit geübter Hand das Boot zu leiten. Ihre Wangen glühten in, rosiger Frische. Ihre Augen strahlten Gerst und Leben. Das schöne, trotzige Gesichtchen, die wunderbaren Farben und jede anmutige Linie ihres elastischen Körpers, boten Hamor eine Quelle des reinstenGenusses. Er hätte diesem reizenden, zornigen kleinen Geschöpf stundenlang gegenübersttzen mögen, um sich von ihr über das prächtige Wasser fahren zu lassen. Aber dort erhob sich tzschvn der felsige Strand der Insel und bald würden' sie am Ziele sein. Es galt, die wenige, noch übrige Zeit gut zu benützen. Bis jetzt hatte er sich keines besonderen: Fortschritts zu erfreuen. Ein einziges spärliches Wort war ihren Lippen zu entlocken gewesen. „Guenn", sagte er sehr sanft. Beinahe erschrocken erhob sie die Augen. Bis heut« hatte er noch kaum zu ihr gesprochen, außer den wenigen! Worten neulich Abend an der Bucht, und jetzt klang sein Ton wie der eines alten Bekannten. Noch niemals hatte jemand mit solcher Betonung „Guenn" gesagt; und dazu lächelte er — o dieses Lächeln, das sie so wohl kannte! „Guenn", wiederholte er, „laß uns doch vernünftig sein. Warum sollten wir uns auch zanken? Du weißt/ daß ich Dich gern zum Modell haben möchte. Willst Du nicht zu mir kommen, Guenn? Ich würde Dir fünfzig Franken monatlich geben und Jeanne hat Dir doch gewiß schon gesagt, daß ich es niemand allzu schwer mache." „Nein", ries sie hastig und wandte ihm den Rücken zu. „Und warum denn nicht?" fragte er lveiter, noch immer in derselben gütigen Weise. „Weil ich nicht will!" „Nun, das ist freilich ein Grund, die Sache wäre somit als erledigt anzusehen. — Aber wenn Du auch selbst durchaus nicht zu mir kommen willst, so hast Du doch vielleicht nichts dagegen, wenn mich Dein kleiner Bruder einmal besucht?" „Was wünschen Sie von Nannic?" sagte das Mädchen abweisend und sah ihn zornig an. „O nichts Besonderes", versetzte der Maler gleichmütig, „ich dachte nur, es würde ihm vielleicht Spaß machen, zu kommen. Ich habe Kistder sehr gern und im allgemeinen hängen sie auch an mir." Guenn maß ihn erstaunt mit den großen, glänzenden Augen. Mit gleichgiltigem Blick schaute er auf das vor ihnen liegende Ufer und aus die vorüfbergleitenden Booteharmlos, liebenswürdig lehnte er auf seinem Sitze und schien nicht die geringfte Nebenabsicht zu haben. „Nannic ist ein sehr lieber Junge", bemerkte sie endlich halb dreist, halb schüchtern. „Das hab' ich mir gedacht." „Er weiß mehr als die anderen Buben, er kann sogar Tinge vorhersehen." „Ah", murmelte Hamor mft gut gespielter Ueberrasch- ung. Guenn nickte ernsthaft und schien in Bewunderung für das Talent ihres Bruders versunken. „Wenn er nicht kommen will, so kommt er nicht", verkündete sie nach geraumer Weile mit wichtiger Miene. Hamor war drauf und dran ihr zu entgegnen, daß dies 662 Wohl „ein Familienzug" fei; da er aber fürchtete, den Zorn der kleinen Spröden aufs neue zu reizen, begnügte er sich mit der Bemerkung, daß es ihm leid sein würde, wenn Naunie nicht käme. „Glaubst Du Wohl, daß er sich fürchtet, zu mir zu kommen?" setzte er arglos hinzu. Gueuu lehnte sich von Staunen überwältigt auf ihr großes Ruder. „Fürchten? Nannie Rodellee sich fürchten?" Dabei hmt-f. sie den Kops übermütig zurück und brach in ein so köstliches Lachen aus, wie Hamor noch keins gehört hatte. „Nannie und sich fürchten! Ah mon dien! Ah mon dieu!" und abermals stinimte sie ihr ausgelassenes, melodisches, unwiderstehliches Lachen an. Bei wenigen Menschen, Kinder natürlich ausgenommen, klingt es gut, wenn sie so recht von Herzen lachen. Hamor hatte gerade über diesen Punkt selbst bei schönen Frauen Studien gemacht, die sehr wenig zu bereu Gunsten ausgefallen waren. „Wirklich ein reizendes Lachen!" dachte er ber sich und lauschte erfreut wie auf ein tadelloses hohes E, das Lachen klang ihm wie die herrlichste Musik. Unwillkürlich stinimte er selbst in ihre Fröhlichkeit ein, freilich sehr zur Unzeit, denn ihre Mienen verfinsterten sich zusehends. „Lachst Tu über mich, Guenn?" versuchte er die gute Stimmung wieder herzustellen. „Nein", lautete ihre Antwort im gewöhnlichen feindseligen Ton, „ich kenne Sie ja gar nicht." „In Plouvenee muß man Wohl einen Menschen erst kennen, ehe man über ihn lachen darf? Ist das bretagni- fcher Brauch? ich finde das eine sehr gute Sitte!" entgegnete Hamor in der besten Absicht der Welt. Tie blauen Augen verdunkelten sich und Guenns Stimme zitterte vor Erregung: „Es ist bretagnischer Brauch, srch um seine eigenen Angelegenheiten zu Würmern, und sich nicht über andere Leute lustig zu machen, besonders wenn sie einem so viel als möglich aus dem Wege gehen." Mit einem kräftigen Schlag brachte sie das Boot ans Ufer und erwartete nun, daß Hamor aussteigen werde. Er lehnte sich jedoch behaglich zurück und schaute sich nach irgend welchem Grund zu einer Verzögerung um. Weit und breit war niemand zu sehen, außer einem kleinen halbnackten Buben, der sich herzudrängte und sich für einen Sou bereit erklärte, Monsieur allerhand Taucherkunststückchen vorzumachen. „Schwimme hinüber ans andere Ufer und von dort zu dem großen Schiff", rief Hamor, von einer glücklichen Idee erfaßt. „Tu bekomnlst zehn Sous, aber ich will schönes, kunstgerechtes Schwimmen sehen, keine Zappelei. Allez!" Mit einem wunderbaren Kopfsprung war der Knabe im Wasser. „Jetzt habe ich sie", frohlockte er innerlich. „Sie darf das Boot nicht verlassen und mich kann sie doch nicht gut an die Luft setzen." Er verharrte vollkommen ruhig, bis sie sich ungeduldig umwandte und ihre Blicke sich begegneten. „Voyous Guenn", sagte er ernsthaft. „Es ist nun schon das zweite Mal, daß Tu solche nicht allzu liebenswürdige Bemerkungen an mich richtest. Was habe ich Dir denn eigentlich getan? Habe ich Dich jemals belästigt, Dich durch Blicke oder Worte verletzt? Habe ich jemals versucht mit Dir zu sprechen, außer an jenem Aband an der Bucht und heute? War es vielleicht meine Schuld, daß Dich die andern Weiber damals neckten, und was schadet es denn, wenn ich Dein schönes Haar gesehen habe? Ich bin auch gänzlich unschuldig daran, daß der Fährmann heut betrunken war. Sei doch vernünftig, Guenn, und bedenke, daß Jeanne ebenso gut an Deiner Stelle hier stehen konnte. Warum bist Du denn da? Dafür bin ich doch wohl nicht verantwortlich?" „Ja, warum ich?" wiederholte Guenn langsam. Während seiner Rede hatte Hamor das Skizzenbuch hervorgeholt und versucht mit flüchtigen Strichen die reizende Gestalt festzuhalten: „Was für ein Geschöpf, das sprüht nur so von Anmut und Leben! So werde ich sie malen — in dem alten Boot, lebensgroß, auf das lange gestützt; die Granitmauern, die ausgespannten leichten Netze an den Masten, die schlüpfrigen nassen Stein- inZbGesicht'sieh^ Bildchen, wie es dem Beschauer gerade , . H"suor hatte eine einschmeichelnde Stimme, die von Gemütsverfassung ganz unabhängig war. Er besaß ttt ihr auffallend weiche süße Töne, deren er sich int Umgang mit Frauen zu bedienen Pflegte, mochte er nun eine Würdige oder Unwürdige vor sich haben. Es flimmerte ihn freilich wenig, was für Schlüsse aus solchen Schmeicheltönen gezogen wurden, die ein anderer Mann vielleicht nur einmal im Leben und einer einzigen Frau gegenüber anschlägt. „Sag' mir nur ehrlich, Guenu, was Tu gegen mich hast? Warum Du mir so böse bist?" bat er mit leiser Stimme. , „Ich möchte, Sie gingen atis Ende der Welt und kämen niemals wieder", versetzte Guenn mit halbunterdrückter, von Leidenschaft erstickter Stimme. „ ,,Zch gehe ja gewiß bald wieder fort", meinte §mnor tröstend. „Aber ich wünschte, Sie gingen jetzt." „Warum, Guenn?" Sie ließ die Arme wie mutlos sinken und rief mit kläglicher Stimme: „Weil alle Sie so gern haben! Jeanne hat Sie gern, Monsieur Morvt liebt Sie, Mutter Quaper, Madame in den Voyageurs, die Seeleute, alle, alle —i sogar", hier drohte ihr die Stimme zil versagen, „sogar Monsieur le recteur des Laimions und mein Nannie —> mein Nannie", wiederholte sie mit schmerzlichem Stöhnen, „Nun siehst Du, das freut mich von Herzen", entgegnete Hamor mit Wärme. „Ich schätze und verehre den Pfarrer aufs höchste, ich halte ihn für einen ganz außergewöhnlichen Mann; auch Dein Bruder ist ein ungewöhnliches Kind. Also alle diese guten Leute haben mich gern?" „Ja, wie ich Ihnen sage". Es kam fast widerwillig heraus. „Und hast Du sie nicht auch gern?" „Jawohl, es sind ja meine Leute, ich liebe meine Leute", fügte sie mit weichem Ton hinzu. „Also nur Dein Vater und Du, ihr könnt mich nicht leiden? Siehst Du, Guenn, es wäre doch besser, Du gingest zur andern Seite über, ich habe Dich ja auch so gern und werde Dich immer gern haben, da ist es doch nicht ganz gerecht, wenn Du so hart gegen mich bist; willst Du nicht darüber nachdenken? er stand auf und trat neben sie. Wenn Jeanne an ihrer Stelle gewesen wäre, hätte er ihr freundlich auf die Schulter geklopft, denn sie war ein gutes kleines Mädchen, aber Guenn Rodellee gegenüber würde er sich ebensowenig eine vertrauliche Annäherung erlaubt haben, als bei irgend einer vornehmen Dame seiner Bekanntschaft. In ihrem einfachen, vertragenen Röckchen und den Holzpantöffelchen, mit ihren kleinen arbeitsharten Händen, die das schwere Ruder krampfhaft umklammert hielten, und mit' dem scheuen Blick in den großen, verstörten Augen — war Guenn völlig unzulänglich. „Wie nähe er ist! welch hohe Gestalt! und wie er lächelt und immer lächelt!" dachte das Mädchen und wandte verzweislungsvoll den Kopf; es gab kein Entrinnen mehr! — „Werden Sie jetzt gehen?" stieß sie rauh hervor. „Gewiß, Guenn, sogleich". Er legte seine Hände auf das Ruder, die langen wohlgesormten Hände, mit den schmalen Nägeln. Guenns Nägel waren kurz und breit, zerbrochen und unsauber. In ihrer stolzen Einfalt zog sie die Hände nicht weg, aber sie sah den Unterschied. Das kleine wilde bretagnische Mädchen hatte weibliches Gefühl. Zum erstenmal in ihrem Leben empfand sie Scham und Unbehagen über ihr wenig gepflegtes Aeußere. „Das Ruder ist sehr, schwer", sagte Hamor, „wie ist es möglich, daß Du es regieren kannst, Du bist doch so klein und zart?^ „Ich bin lieber klein", gab sie schnippisch zur Antwort, als ob ihr die Natur die Wahl gelassen habe, ihren Wuchs selbst zu bestimmen. „Große Frauen sind häßlich." „Ohne Zweifel, sehr oft", stimmte Hamor bei. „Adieu, Guenn, vergiß nicht, mir den Nannie zu schicken; vielleicht kommst Du doch auch mit?" „Nein, auf keinen Fall", rief sie hitzig. „Weißt Du denn eigentlich, warum ich Dich zum Modefl haben möchte?" Guenn hielt mit ihrer Ueberzeugung nicht zurück» „Weil ich hübsch bin", erwiderte sie offenherzig. „So ist's", versicherte Hamor, etwas betroffen über o viel Freimut. „Ich dachte, Du wüßtest das vielleicht nicht!" „Wie sollte ich nicht?" entgegnete das Mädchen gleich- siltig, „sie sagen ja alle, daß ich das hübscheste Mädchen n Plouvenee Bin." Hamor war im allgemeinen sehr zufrieden mit dieser Unterredung. Wenn auch noch nicht viel erreicht Ivar, so — 563 f N stark für das Kleid, der Leib drängt sich zu unbescheiden vor, kurz hier und da fehlt es. Es wird geschnürt, gepolstert, gedrückt, um die Natur möglichst zu verdrängen und ein Figürchen hinzustellen, welches nach den äugen- blicklich modernen Anschauungen hübsch ist. Paris befiehlt heute enge Taillen, morgen gar keine, heute voll Brust, morgen kaum eine Andeutung der für Säuglinge so wichtigen Institution. Ja, wie soll man das machen? Die Figur ist doch nicht aus Knetwachs, da muß eben mit den raffiniertesten Mitteln versucht werden, den Anforderungen der grausamen Göttin Mode gerecht zu werden. Welche Qualen bedeutet das für manche! Zur Zeit der dünnen Taille laufen die 70 und 80 Kilogramm-Damen dauernd mit der Erstickung kämpfend herum, da das mit §ilfe der Türklinke und den kräftigen Armen 'der Zofe zusammengepreßte Korsett dem Thorax nicht die Möglichkeit gibt, genügend zu atmen. Fällt etwas hin, sind sie verloren, denn Bücken rst m dem Panzer nicht möglich. Aber wenn die Nachft kommt und endlich, endlich die Pflicht der Eitelkeit schwmdet, dann lösen sich die entsetzlichen Bande, und explosiv befreien sich die entfesselten Elemente. Blaurot, voll Striemen hat die arme Haut kaum Zeit, während der Nachtruhe sich zu erholen, um am nächsten Tage wieder in die Zwangsjacke gesteckt zu werden. Ist das nicht Wahnsinn? Als ob man mit noch so enger Taille die 70 oder 80 Kilogramm nicht merkte! Daß fo etwas außerdem nicht schön ist, braucht man nicht zu erwähnen, denn die Eitelkeit nimmt fast nur aus den Schönheitssinn der Besitzerin Rücksicht, nicht auf den der anderen Zeitgenossen. Frl. X. trägt Schuhe, welche eine Nummer kleiner sind, als die von Frl. I). Die Eitelkeit gebietet, diese entsetzliche Niederlage ä. tout Prix wieder quitt zu machen. Die Folge ist, daß Frl. P. ihr etwas zu großes Füßchen in einen viel Su, engen Schuh hineinzwängt. Wer da weiß, was das heißt, in zu engen Schuhen zu sitzen oder gar zu gehen oder zu tanzen, der muß mir recht geben, wenn ich behaupte, daß ein Mensch nur selten der Gesundheit willen solche Schmerzen ertragen würde. Mr Aerzte wissen ein Lied davon zu singen, wie der kleinste schmerzhafte Eingriff verweigert wird von Damen, welche mit einem sieghaften Lächeln sechs, acht Stünden mit zu engen Stiefeln" oder Schuhen auf einem Ball verweilen. Ganz abgesehen von den Schmerzen, darf nicht die schwere Schädigung vergessen werden, welche die Füße durch ungeeignetes Schuhwerk erfahren. Nicht die Kleinheit des Schuhzeuges, auch seine Form ist von der größten Bedeuitung für einen gesunden Fuß. Aus Eftelkeit, wenn es gerade Mode, trägt man, Absätze von einer Höhe, die schwrudlich macht! Was ist die Folge? Daß der Fuß in dauernder Spitzsußstellung steht, die Last des Körpers auf die Fußspitze verlegt und die Muskel- und Sehnenapparate des Unterschenkels in der ungeeignetsten Weise angestrengt werden. Damit eins Uniform gut sitzt, schnürt sich ein eitles Offizierlein wie eine Balleteuse; weil die Mode befiehlt, tragen die Herren Kragen von einer Höhe, welche ihnen weder normales Schlucken, noch Atmen, noch Kopftewegen gestattet. Weil Magerkeit schick, werden Entfettungskuren mit alten unmöglichen und möglichen Mitteln inszeniert, von der relattv harmlosen Zitronenesserei bis zur gefährlichen Schilddrüsenkur — ganz gleich, oh der Organismus geeignet dafür ist oder nicht. Einen Arzt wird man ja schon deswegen nicht tragen, weil man eventuell zu hören bekommt: „Aus Eitelkeit macht man solche Experimente nicht". Was sündigt die Eitelkeit schon an den werdenden Menschen! Eine Frau, der das höchste Glück, Mutter zu werden, bevorsteht, soll diesem Glück leben und nicht aus Eitelkeit sich in Kostüme zwängen, welche die Mitwelt glauben machen wollen, der in zwei Monaten zum erstenmale schreiende Erdenbürger sei vom Himmel gefallen. Und nun gar, wenn das lang erwartete und gewünschte Kindlein da ist, welches Unrecht geschieht ihm oft uur aus Eitelkeit! Die MUtterbrust kennen heute nur die wenigsten Kinder der Stände. bei denen die Eitelkeit eine Rolle spielt. Tie Frau Mutter will sich ja ihre Figur nicht verderben, sie will ja bald nach der Geburt des Kindes als die schicke und elegante Dame von früher in Gesellschaften gehen, ja tanzen. Das alles verträgt sich nicht mit der natürlichen und gesunden Beschäftigung, welche einer jungen Mutter zukommt. Man nimmt sich eben eine Amme, als ob das dasselbe wäre. Oft ift auch dergute Wille da, aber es besteht eine physische Unmöglichkeit, denn die Eitelkeit früherer Jahre ließ zwar Eitelkeit und Gesundheit. Von Dr. P. Meißner. Eitelkeit und Gesundheit, welch sonderbare Zusammenstellung, wird mancher sagen. Was hat die Eitelkeit mit der Gesundheit zu tun? Mehr, als man glaubt. Die Eitelkeit ist eine so mächtige und verbreitete Eigenschaft der Menschen, daß wir eine Menge Handlungen durch sie diktiert, ja geschaffen sehen. Jeder Mensch ist eitel, der eine mehr, der andere weniger. Und es ist gut so. Die Eitelkeit veranlaßt uns zur Entfaltung unserer Vorzüge, seien sie auch noch so gering. Die Eitelkeit hat natürlich nur Sinn in relativer Beziehung zu unseren Mitmenschen. Sind wir ganz allein, unbeobachtet, dann ist sie zweck- und gegenstandslos. Die Eitelkeit sucht alle Vorzüge zu konstruieren, wo solche effektiv nicht sind, sie wird zur Komödie. Das Theaterspielen ist so alltäglich, so selbstverständlich, daß dre meisten Menschen gar nicht wissen, wie sehr sie dieser Kunst huldigen. Die Eitelkeit ist variabel nach Personen, nach Moden, nach Zeiten, nach, Lebensaltern. Wer könnte alle die kleinen, und kleinsten Manöver aufzählen, welche Uns die Eitelkeit auszuführen veranlaßt! Es wäre falsch- die Eitelkeit von vornherein zu verdammen, sie kann eine gewisse Höflichkeit gegen die Mitmenschen sein, welche man anerkennen muß, vorausgesetzt, daß sie nicht zu weit geht und nicht albern wird und — daß sie die Gesundheit urcht schädigt. Die Macht der Melkeit ist enorm, sonst wurden nicht so viele Menschen körperliche Schmerzen und Unbehagen mit lächelndem Gesicht ertragen, wie man das taglrch, beobachten und bewundern kann. Wir Europäer schütteln das weise Haupt über die Melkeit der Chinesin, ”u' sich mit einen: uns ganz fremden Heroismus den ■cc verstümmeln läßt, um nur nach ihrem Be- grrsf schon und gehunfühig zu werden; auch in den Boudoirs unserer Damen steigt mancher Seufzer zum Himmel, den du Mflmenschen nicht vernehmen und der nur der schwache Ausdruck der Qualen ist, welche manche unsrer Schonen, der Melkeit wegen ertragen zu müssen' glaubt. Doch seren wrr nrcht ungerecht, auch die Männer sind eitel und tun manches Unsinnige dieser Leidenschaft wegen. ^ster Linie ist wohl die Figur Gegenstand der eifrigsten Ueberlegung und weitgehendsten Verbesserungspläne. Der lind dre Hüften zu dick, der zu diiun, die Taille ist zu hatte Guenn doch einigermaßen ihre Scheu vor ihm verloren. Damit mußte er sich fürs erste begnügen. „Guenn", sagte er mit der ihm eigenen seltsamen Betonung, die ihr jedesmal das Herz erzittern machte, „rch muß nun wirklich gehen, gib das, bitte, dem kleinen Kadoc — hast Du mich noch nicht gern?" Wie war er ihr so nahe mit seinem schönen, lächelnden Ge icht! Wenn sie nur wenigstens hätte schreien oder weglaufen können. Wenn er mit solcher Stimme „Guenn" sagte, fthlte sie sich schwach und ohnmächtig ihm gegenüber. /,Jch — ich hasse Sie!" — „^innrer noch? Nun, laß nur gut sein, wenn Du erst einmal mein Modell bist, wirst Du mich noch sehr gern haben. Leb' wohl für heute, kleine Guenn!" Mit wenigen raschen Schritten hatte er das felsige Ufer erklommen und nickte ihr jetzt von oben herab noch eineinmal herzlich zu, als ob das beste Einvernehmen zwischen ihnen bestände. „Passeur", crflang es vom jenseitigen Ufer. Mn paar ungeduldige Künstler hatten lang zu warten, bis Guenn ihr Boot mit schweren, müden Schlägen hinüb erbrachte. In ihren Augen hingen heiße Tränen und ihr Herz war seltsam bedrückt. Wohin sie auch sah, immer war sein Gesicht vor ihr und immer hörte sie ihren Namen von seiner schmeichlerischen Stimnre aussprechen. Jetzt endlich war er ihren Augen entschwunden. Wahrscheinlich lächelte er letzt den Kindern zu, die auf dem Dorfanger spielten. Wenn sie nur nie sein Lächeln zu sehen, und niemals, niemals mehr ferne Stimme zu hören brauchte, wie sie „Guenn" fliisterte, mit so bestrickendem Don! Unmutig stampfte sie mit dem Fuß und begann aus allen Kräften zu rudern. „Ich hasse ihn — hasse ihn dennoch!" rief sie aufschluchzend, und suchte dann hastig dre hervorquellenden Tränen mit der Hand wegzuwischen. (Fortsetzung folgt.) 56i auf eine enge Taille, nicht aber auf eine gebrauchsfähige Milchdrüse Rücksicht nehmen. Wer büßt die Eitelkeit der Mutter? Das Kind! Nicht genug, daß die Betreffende selbst durch die Eitelkeit geschädigt wird, nein, auch die Nach? kommenschaft muß darunter leiden! Merkwürdig, daß die Eitelkeir so oft aus unnatürliche Dinge sich richtet. Wie praktisch wäre es, einmal darauf eitel und stolz zu sein, daß man gesund ist, im wahren Sinne des Wortes gesund ist. Vielleicht sind die neuen Reformbestrebungen in Kleidung und Lebensweise geeignet, in dieser Richtung Gutes zu stiften. Me Eitelkeit der Männer und Frauen sei auf einen normten, natürlichen, gesunden Körper und Geist gerichtet, und das schließt in sich den Stolz auf eine gesunde Nacht- kommenschaft. Vermischte». * Mit dem weiblichen Denken beschäftigt sich ein sehr interessantes Werk des Direktors der Brandenburgischen Provinzialanstalt für Epileptische Dr, Kluge. Die Frau unterscheidet sich danach in ihrer Denkweise schon als Kind wesentlich vom Manne. Der Knabe baut und bastelt iin Spiel. Sein Geist arbeitet und sucht neues zu gestalten. Er hält sich dabei allerdings nur an gegebene Vorbilder, aber er baut sie doch auch weiter aus. Das Mädchen wiederholt in seinen Spielen nur, was es gesehen hat. Es kopiert uns „Situationsbilder", neue Formen und Ideen aber bringt es in seine Spiele nicht. — In der Schule zeigt sich dieselbe Erscheinung. Wo es einfach Gegebenes zu wiederholen und sestzuhalten gilt, in der Geschichte, der Religion usw., ist das Mädchen zur Stelle. In der.Mathematik und allen Fächern, wo es aus bestehenden Gedanken neue Schlüsse ziehen heißt, wo es sich um ein Messen und Wägen, Tarieren und Vergleichen handelt, — hat der Knabe seine Stärke. Das Mädchen denkt oberflächlicher' als der Knabe. In dieser Oberflächlichkeit begründet sich die frühere Reise des Mädchens. Es hat schon Kritik und Urteil, wenn der Junge noch ganz grüner Junge ist. Tas frühe Urteil des Mädchens basiert aber auch wieder nur in seiner oberflächlichen Denkarf, die sich eben bloß an Situationsbilder — an das Aeußerliche, Persönliche — halten kann. Aus ihrem raschen und leichtsinnigen Urteil ergibt sich eine der liebenswürdigsten Eigenschaften der Frau, ihr Mitgefühl und ihr „Gemüt". Sie läßt sich von sedenr äußeren Eindruck mitreißen und schenkt ihre Teilnahme rasch an alles, was ihr solcher wert erscheint. Sie geht freilich auch eben so rasch zu neuen Eindrücken über. Der tiefer denkende Mann, der nicht nur auf das Situationsbild sieht und erst den inneren Gründen der Ereignisse nachforscht, verschenkt sein Mitgefühl nicht so leicht, dafür aber auch dauernder. Neben dem Flattersinn hat auch die Putzsucht der Frauen ihre Grundlage in ihrem oberflächlichen Denken. Sie laßt alles Aeußerliche auf sich wirken, ebenso aber will auch sie selbständig aus ihre Umgebung wirken. Und so behängt sie sich mit buntem Tand oder brilliert mit der Unterhaltung, um im Mittelpunkt der Situation zu stehen. Die Frau denkt subjektiv und daher parteilich. Der Mann ist der objektive Denker. Er vergleicht, prüft und forscht, er scheidet das Für und Wider. Er denkt mathematisch, und so ist sein Denken sachlicher, und er hängt an seinen in schwerer Gedankenarbeit erworbenen Vorstellungen treuer fest. Er ist der Charakter und die Persönlichkeit, während der Gedankenkreis der Frau sich immer nur um das Persönliche dreht. So Herr Tr. Kluge. Er mag im allgemeinen recht haben, die Frauenbewung und das ganze öffentliche Wirken der Frau in den letzten Jahrzehnten haben aber doch gelehrt, daß auch die Frau die Schwächen ihres Geschlechts zu überwinden vermag und ebenso sachlich denken und urteilen kann wie der Mann. ' * Kluge Frauen. Ein Mitarbeiter der „Kölnischen Volkszeitung" erzählt: „Es ist mir lieber, Sie machen die Sache mit meinem Manne ab", sagte die Frau und ging ihren Mann zu rufeu. Während sie dahinging, kam mir mal einemmal zum Bewußtsein, wie klug und dabei echt wewuch diese einfache Frau, die ich lange flüchtig kannte, handelte. Sie hatten ein größeres Geschäft, in dem Mann und Frau tätig waren. Es war unschwer, zu erkennen, daß die Fran die geistige Kraft im Geschäftstriebe war, daß sie, besser als der Mann, die Sache verstand. Trotzdem trat sie, wo es sich um eine Entscheidung von nur einiger Bed eutung handelte, stets bescheiden zurück und überließ SicbaTtion: 91 u guft Götz. — Rotationsdruck und il erleg der BrI ! es dem Manne, oder veranlaßte ihn vielmehr, diese zu treffen. Es war ein ziemlich, unbedeutender Mensch mit einem unverkennbaren Hang zur Bequemlichkeit. ' Mit großem Geschick verstand es die Frau, seine Mängel der Welt gegenüber zu verdecken, während sie andererseits ihn durch ihre kluge Handlungsweise zwang, diese zu bekämpfen und ihn in seiner Selbstachtung bestärkte. Wenn man selbst glauben mochte, daß es Stolz sei, der sie ihren Gatten den Menschen gegenüber im vorteilhaftesten Lichte erscheinen lassen wollte, so mußte man doch zugeben^ daß nur große Liebe und Geduld es vermochten, mit beharrlicher Ausdauer sich selbst hintanzusetzen, und immer wieder von neuem ihre bessere Intelligenz dem Manne zuliebe zu verleugnen. Der Mann kannte wohl die geistige Ueberlegenheit seiner Frau; da ihm diese aber nie in unangenehmer Weise fühlbar geworden, verehrte er die Frau um ihres Verstandes willen umsomehr, hätte sich ihr vielleicht willig untergeordnet, wenn sie nicht mit ebensoviel Takt als Klugheit ihn in der ihm gebührenden Ueber- ordnung gehalten hätte. So wurde diese Ehe, die bei der Veranlagung des Mannes unter ungünstigen Vorbedingungen geschlossen worden, durch die Klugheit der Frau zu einer selten glücklichen." * D i e W e i b e r sind schlauer als dieMänner. Im „Globus" ist zu lesen: Die Frage nach der Herkunft des Feuers muß natürlich gemäß sich jedem Volke auf» drängen: daher auch die vielen Sagen über des Feuers Ursprung, zu denen jetzt der englische Missionar H. Cole eine neue, jene der Wagogo in Deutsch-Ostafrika, hinzu- sügt. Auch hier wird das Feuer vom Himmel geholt; sonst, aber zeigt die Sage viele eigentümliche Züge. Der wesentliche Inhalt ist der folgende: Ursprünglich gab es kein Feuer auf der Erde, darum stieg ein Mann in den Himmel, es dort zu suchen. Im ersten Hinnnel traf er nur halbseitige Menschen, über die er lachte; im zweiten Himmel gingen die Menschen auf dem Kopf, und da lachte er wiedk über sie. Immer noch fand er kein Feuer, und so stieg er in den dritten Himmel, wo die Menschen aus den Knien rutschten, und auch diese belachte er. Feuer aber, so berichteten ihm diese, würde er in Mulungns (Gottes) Hause finden, das im vierten Himmel liege. Zu Mulungu gelangt, trug er diesem seine Bitte nach Feuer vor und erhielt die Zusage, morgen solle er das Feuer finden können. Am nächsten Tage führte ihn der Gott in ein Gemach, in welchem eine Anzahl schöner bedeckter Gefäße standen; abseits aber standen zwei unscheinbare gleichfalls bedeckte Töpfe. Unter all diesen Töpfen sollte der Suchende wählen, und er nahm eins der schönen, in dem er aber nur Asch« und Kohlen, aber kein Feuer fand. „Warum hast du auf dem Wege hierher", sprach nun Mulungu, „über meine Kinder gelacht? Gibt es in deinem Lande nichts Lächerliches? Geh nach Hause!" Ein zweiter und ein dritter Mann stiegen dann feuersuchend in den Himmel und machten die gleichen Erfahrungen. Da schickte man ein Weib ab, die es schlauer anfing und bei der. Begegnung mit den verunstalteten Geschöpfen diese lobte, sie besang und vor ihnen*. tanzte. Bei Mulungu angelangt, zeigte auch dieser dem Weibe die Gefäße. „Die schönen sind zu gut für mich", sagte die Schlaue, und wählte einen häßlichen Topf, in dem. sie das längst gesuchte Feuer fand. Mit diesem eilte sie aus die Erde hinab, wo nun groß« Freude war. Jedermann entnahm dem Topfe Feuer und sagte, die Weiber sind doch schlauer als die Männer. Tauschrätsel. (Nachdruck verboten.) Band,.Rost, Bonn, Korn, Eid, Weste, Gram, Fuder, Bern, Zelt, Mais, Bahn. Von jedem Wort ist durch Umtausch eines Buchstabens an beliebiger Stelle ein neues bekanntes Hauptwort zn bilden und zwar derart, daß die neu eingefügten Buchstaben im Zusammenhang gelesen einen Vorgang in her Statur bezeichnen. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Siegesfeier. Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 139: 1. Lf6-e7, Df7 2. De5f:. - 1. . ., Ld2: 2. DdBf. — 1. . ., ed 2. DcSf- — 1. . el 2. Lf6f. — l. . beliebig. 2. Lc5f. — _____ fd.cn Universitäts-Buck» und Cteindruckerci. R. Lauge, Gteßen.