m -fESg33KSr\ 1903. — Nr. 28 Samstag den 21. Februar. /;. (Nachdruck verboten.) Ein Einbrecher aus Passion. >Vvn E. W. Hornung. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von F. Mangold. (Fortsetzung.) Jur allgemeinen hatte mich dieses Gespräch jedoch nur mäßig erwärmt, intö ich entsinne mich noch sehr wohl der Niedergeschlagenheit, die sich meiner bemächtigte, als Rasfles gegangen war. Die Torheit des Unternehmens, wozu ich mich verpflichtet hatte — die nackte, haarsträubende, unnötige Torheit war mir vollkommen klar. Die Paradoxe, worin sich Rasfles gefiel, die Haarspaltereien, die trotz ihrer Frivolität halb ernst gemeint waren, und die durch seine Persönlichkeit in dem Augenblick, wo er sie aussprach, ganz annehmbar gemacht wurden, hatten toeittg Verlockendes für mich, wenn ich sie mir bei kaltem Blute ins Gedächtnis zurückrief. Die Freude am Unrecht an sich, tvofür Freiheit und Leben aufs Spiel zu setzen er bereit war, konnte ich wohl bewundern, fand sie aber bei ruhiger Ueberlegung nicht ansteckend. Allein der Gedanke, mich zurückzuziehen, konnte nicht einen Augenblick in Betracht kommen. Im Gegenteil, ich war ärgerlich über den Aufschub, den Rasfles für notwendig erklärte, und vielleicht hatte meine geheime Unzufriedenheit zu einem nicht geringen Teil ihre Wurzel in seinem mich verletzenden Entschluß^ bis zum letzten Augenblick ohne mich fertig zu werden. Daß das für den Mann und seine Haltung mir gegenüber charakteristisch war, machte die Sache nicht besser. Seit einem Monat waren wir, glaube ich, die vertrautesten Diebe in London, und doch war unsere Intimität seltsam unvollständig. Bei all seiner reizenden Offenheit war in Raffles' Wesen eine Ader launenhafter ^Verschlossenheit, die fühlbar genug war, um sehr verletzend zu sein. So machte er zum Beispiel aus manchen Angelegenheiten ein Geheimnis, die uns beide angingen; ich habe nie erfahren, wo und wie er die in Bond Street erbeuteten Juwelen verwertete, von deren Erlös wir äußerlich noch dasselbe Dasein wie Hunderte von jungen Lebemännern führten. Diese und andere Einzelheiten, in die eingeweiht zu werden rch nur das Recht erworben zu haben glaubte, hielt ei; em für allemal vor mir geheim. Natürlich konnte ich nicht vergessen, wie er mich durch eine Hinterlist zu meinem erften Verbrechen verleitet hatte, während er noch unsicher war, ob er mir trauen dürfe oder nicht. Das kann ich ihm schließlich nicht verargen, Wohl aber nahm ich ihm seinen fetzigen Mangel an Vertrauen übel. Zwar sprach ich nicht darüber, aber es wurmte mich jeden Dag, und niemals mehr, als in der Woche, die auf das zu Ehren Rosenthalls gegebene Diner folgte. Wenn ich Rasfles int Klub traf, faßte er mir nichts, suchte ich ihn in seiner Wohnung aus. so traf ich ihn nicht zu Hanse, oder er ließ sich verleugnen. Eines Tages teilte er mir jedoch mit, er mache Fortschritte, die Sache sei aber kitzlicher, als er sich zuerst gedacht habe; wenn ich aber anfing, mich nach Einzelheiten zu erkundigen, wollte er nichts mehr sagen. Das veranlaßte mich, in meinem Aerger sofort einen Entschluß zu fassen. Da er mir nichts Überdas Ergebnis seiner Beobachtungen mitteilen wollte, beschloß ich, auf eigene Faust welche anzustellen, und noch an demselben Abend war ich auf dem Wege nach dem Hause des Millionärs. Dieses war, glaube ich, bei weitem das größte im Beq zirk von St. Sohns Wood und stand an der von zwei breiten Straßen gebildeten Ecke, jedoch führte zufällig durch keine von beiden eine Omnibuslinie, und ich zweifelte, ob auf vier Meilen in der Runde eine ruhigere Oertlichkeit zu finden war. Auch das große, viereckige Haus in seinem Garten von Rasenplätzen und Gebüschen war ruhig; die Lichte brannten nur schwach, und alles ließ darauf schließen, daß der Millionär und seine Hausgenossen den Abend außerhalb verbrachten. Die Gartenmauern waren nur wenige Fuß hoch. In der einen befand sich eine Seitentür, die in eine Glasgalerie führte, in der anderen bildeten zwei große Tore Anfang und Ende eines breiten, halbkreisförmigen Fahrwegs, und beide standen weit offen. So still war es ringsum, daß ich große Lust verspürte, in aller Gemütsruhe hineinzugehen und mir die Ortsgelegenheit etwas näher anzusehen, und ich war tatsächlich schon im Begriffe, das zu tun, als ich einen watschelnden Schritt auf dem Pflaster hinter mir hörte. Ich drehte mich um und stand einem finsteren Gesicht und den geballten, schmutzigen Fäusten eines zerlumpten Strolches gegenüber. „Du Dummkopf!" sagte dieser, „Du unglaublicher Dummkopf!" „Raffles!" „So ist's recht!" knirschte er wütend, „schrei's der ganzen Nachbarschaft in die Ohren — verrat mich so laut Du kannst!" Nach diesen Worten wandte er mir den Rücken und watschelte achselzuckend und vor sich hin murmelnd, als ob ich ihm ein Almosen veriveigert hätte, die Straße hinunter. Erstaunt, entrüstet und ratlos blieb ich einen Augenblick stehen; dann folgte ich ihm. Seine Füße schleppten sich müde über die Erde hin, er ging mit gebogenen Knieen, sein Rücken war gekrümmt, sein Kopf wackelte, kurz, er machte den Eindruck eines Achtzigjährigen. In der Mitte zwischen zwei Laternen wartete er auf mich. Als ich ihn erreichte, zündete er sich eine Tonpfeife voll schauderhaften Tabak mit einem übelriechenden Streichholz an, und die Flamme zeigte mir den Anflug eines Lächelns. „Du mußt mir meine Heftigkeit verzeihen, Bunny, aber es rvar wirklich sehr töricht von Dir. Ich versuche alle möglichen Liste — bettle an einem Abend an der Tür und verstecke mich am nächsten in den Gebüschen — kurz tue alles, worauf ein Sterblicher verfallen kann. 110 und hüte mich nur davor, nnch offen hinzustellen und das . Laus anzustarren, wie Du es eben gemacht haft. Es eine Aufführung in Kostüm, und Du läufst tn Deinem | gewöhnlichen Anzug hin. Tag und Nacht lauern fte wu ! auf, sage ich Dir, und es ist die härteste Nuß, ine ich jemals zu knacken versucht habe." . „Ja, siehst Tu", entgegnete ich-, „wenn Du mw das vorher gesagt hättest, würde ich nicht gekommen fern, aber Tu hast mir nichts gesagt - rein gar nichts. „Du hast recht", antwortete er endlich, ,,xä) bin zu verschwiegen gewesen. Das ist mir zur zweiten Natur j geworden, wenn ich etwas im Schilde führe. Allem nun I soll die Sache zu Ende fein, Bunny, wenigstens soweit Du in Betracht kommst. Ich gehe jetzt nach Hause, und Tu kannst mir folgen, aber halt Dich ums Himmels willen I in gehöriger Entfernung und sprich nicht eher wieder mit I mir, als bis ich Dich anrede. So — nun laß mich etwav i Vorsprung gewinnen." ., __ k Als er nach diesen Worten mit m die Taschen ge- ! schobenen Händen und gespreizten Ellbogen weiter ging, wobei seine zerrissenen Rockschöße hin und her schwangen, I Mar er wieder der verkommene Strolch von vorhin. In Finchley Road nahm er einen Omnibus, und ich saß einige Reihen hinter ihm auf dem Verdeck, aber nahe genug, daß der Geruch feines gräulichen Tabaks bis zu mir drang. Daß er seine Charakterskizze so weit trieb I er, der sonst nur eine bestimmte Sorte Zigaretten rauchte 1 — verriet den letzten und feinsten Zug eines bis ins kleinste gewissenhaften Künstlers und vertrieb wie mit einem Zauberschlage den kleinen Rest von Verdruß, den ich noch hegte. Wieder fühlte ich die Anziehungskraft eines Kameraden, der mich immer von neuem mit einer frischen, ungeahnten Seite feines Charakters blendete. | Als wir in die Nähe von Piceadilly kamen, war ich neugierig, was er tun werde. In dem Aufzug konnte er doch unmöglich den Albany-Klub betreten. Nein, er nahm einen andern Omnibus nach Sloane Street, und wieder saß ich hinter ihm. In Sloane Street wechselten wir abermals und erreichten bald die lange schmale Verkehrsader Kings Road. Jetzt war ich furchtbar gespannt, was das Ziel unserer Fahrt sei, und ich blieb nicht lange dambe». im Zweifel. Raffkes kletterte hinunter, ich tat dasselbe — er überschritt die Straße und verschwand an einer dunklen Ecke. Nun beschleunigte ich meine Schritte und kam gerade noch zur rechten Zeit, die Schöße feines Rockes in eurer noch dunkleren Gaffe verschwinden zu sehen. Rassos hatte feine gebückte Haltung aufgegeben, feine Bewegungen waren wieder die eines jungen Mannes uno er hatte schon auf irgend einö geheimnisvolle Weise etwas von dem verkommenen Aussehen verloren. Allein ich war der einzige Mensch, der ihn sah, denn die Gasse war vollständig vereinsamt und verzweifelt finster. Am jenfei» tigen Ende öffnete er eine Tür, hinter der es noch dunkler hundert gegen eins zu wetten, daß zu dieser .spaten Stunde außer uns keine Menschenseele im Hause ist. „Tu hast mir niemals gesagt, daß Du in Verkleidung arbeitetest", entgegnete ich, während ich zusah, wie er sich den Schmutz von Gesicht und Händen abwusch. Nein, Bunny, ich habe Dich wirklich ziemlich schäbig behandelt. Es lag eigentlich gar kein Grund vor. Dir diesen Ort nicht schon vor einem Monat zu zeigen, und doch hatte ich auch keine Veranlassung, es zu tun, denn es sind wohl Umstände denkbar, wo es für uns beide sehr vorteilhaft fein könnte, wenn Du nicht weißt, wo ich stecke. Wie Du siehst, habe ich eine Stelle, wo ich im Falle der Not mein Haupt niederlegen kann, und natürlich führe ich in Kings Road nicht den Namen Raffkes. Man könnte sonst in die Lage kommen, einen entfernteren und schlimmeren Zufluchtsort auf suchen zu müssen. „Einstweilen benutzest Tn dies als Ankleidezimmer. .Es ist mein Privat-Pavillon", entgegnete Rafft es. „Verkleidungen? In manchen Fällen find sie der halbe Sieg, und es ist immer eine Beruhigung, zu wissen, daß man, wenn das Schlimmste zum Schlimmsten kommt, nicht unter seinem wirklichen Namen verurteilt zu werden braucht. Bei den Verhandlungen mit den Schärften sind ! sie übrigens ganz unentbehrlich. Ich bediene mich bei allen Geschäften des Anzugs und der Sprache von Shoreditch. Wenn ich das nicht täte, würde ich Mich den ärgsten Erpressungen ausfetzen. Dieses Kämmerchen steckt voll von allen möglichen Anzügen. Ter Frau, die die Zimmer in Ordnung hält, sage ich, sie seien für meme Modelle bestimmt, wenn ich welche fände. Nebenbei bemerkt, Hof ftntkich finde ich etwas, das Dir paßt, denn morgen abend mußt Du einen Anzug haben." „Morgen abend!" rief ich aus. „Was hast Tu denn ÖOr? T(m Streich", antwortete Raffkes. „Ich hatte die Absicht, Dir gleich nach der Rückkehr in meine Wohnung ,lt swreibeii und Dich zu bitten, morgen nachmittag zu ?n^r zu kommen Darin wollte ich Dir meinen Feldzugsplan kriegen und Dich vom Fleck weg ms GefechtHörern wjrßta geht darüber, einem nervösen Schauspieler reute Zeit zur Ueberlegung zu lassen. Wenn sielange in ihre Wattierung warten müssen, geht,dw^^G schichte^mei st sch st in her zweite Grund, weshalb ich so verschwiegen LT V«68tml= amcn, wie gut Du Deine Rolle das letzteinal spieu w, wo Du keine Zeit hattest, schwach zu werden. Alles, was F L ®r «lauge. ist d-b Du Dich m°-g-» °d«d ebenso ruhig und gewandt benimmst, als damals, ob gleich sich die beiden Fälle nicht vergleichen lassem 9 Daß Du das finden würdest, dachte ich im- "rirh hn hattest Du recht: ich habe es gefunden. Aber vergiß nicht ich will keineswegs behaupten, daß dies ein schwierigeres Stück Arbeit geben wird. Wahrscheinlich werden wir ohne Mühe hineingelangen; das Wiederhermi^- tommeu ist es, was uns zu schaffen machen wird- Das ist das Schlimmste bei einem solchen wusteii Haiwhalw ries Rafsles in tugendhafter Entrüstung. versich Dir Bunny, ich habe am Montag die ganze Nacht im Nachbargarten geftectt und Über die Mauer geguckt, und- sollte man's wohl glauben! - es war bie ganze Nächst jemand auf den Deinen. Ich meine nicht die Kafftrn. Die kommen, glaube ich, nie ins Bett, die armen Teufel. Nein, Ich meine Rosenthall selbst und das Biest Purvis mit seinem Teiggesicht. Von Mitternacht au, wo fte na, Hause kamen, bis Tagesanbruch, wo ich mich dünne machte, laüm sie und kneipten. Und felbst da waren sie noch Liirfitern genug sich Grobheiten an den Kops zu werfen. Nebenbei gesagt, 'kam es im Garten ein paar Schritt von m r beinahe zu einer Keilerei zwischen ihnen, und dabei hörte ich etwas, was sich vielleicht niitzlich verwenden ließe, und Rosenthall dazu bringen könnte, im ttitischm Augenblick vorbeizuschießen. Du weißt doch, wav ein e' ^Diamantenschärfer, einer der den Grubenarbeitern gestohlene Diamanten abkauft." . rr hicfe§ „Sehr richtig. Es scheint so, als ob Rofenthall dleses Geschäft betrieben und sich in der Mtrunkenhelt Purws gegenüber verraten habe. Jedenfalls horte ich,, wieist r ihn damit reizte, und ihn mit der Polizei von Kapsta^ bedrohte. Ich fange an z», glauben, unsere Freu» stehen sich als Freund und Feind gegenüber. — Abe». w^'Znstinktiv mich ich etwas zurück und hörte ihn kichern. ,Alles in Oronnng, Bunny! Diesmal brauchen wir die Schuhe nicht wieder auszuziehen. Hier sind Ateliers, mein Freund, und ich bin einer der recytmaßigen Mieter. In der Tat befanden wir uns gleich darauf in einem hohen Raume mit Oberlicht, Staffeleien, einem Anklcide- kämmerchen, einer Plattform und allem anderen Zubehör, dem nur die Zeichen wirklichen Gebrauchs fehlten. Als Rafsles das Gas angezündet hatte, war das erste, das ich sah, der Wiederschein des Lichts aus dem seidenen Hut, der nebst dem Rest seines gewöhnlichen Anzugs an der Wand hing. „Siehst Tu Dich nach Kunstwerken um?" fuhr Raff les fort, eine' Zigarette anzündend und sich seiner Lumpen entledigend. „Ich fürchte, Du wirst keine finden aber dort steht die Leinwand, auf der ich stets anzufangen im Begriff bin. Ich gebe immer vor, daß ich mich überakk nach meinem idealen Modell umfehe. Zweimal wöcheiil- lich lasse ich grundsätzlich Heizen, komme hierher, vergesse eine Zeitung, und durchräuchere den Raum mit meinen Sullivans — ach, wie gut sie nach dem Sarans- krant schmecken! Außerdem zahle ich meine Miete pünktlich und bin in jeder Hinsicht ein Mustermieter. Ties ist ein sehr hübsches kleines pied-ä-terre — man kann niemals wissen, wie nützlich es im Falle der Not werden kann. Ter kleine runde Hut tritt ein, der Zylinder rommt wieder heraus, aber niemand beachtet sie, und es ist 111 morgen abend anlangt, so steckt nichts besonders Pfiffiges in meinem Plan. Er besteht einfach darin, daß wir uns ins Haus schleichen, während diese Kerle draußen sind und uns dann stille verhalten, bis sie wieder da sind, und noch ein bischen länger. Wo möglich müssen wir ihren Whisky etwas verbessern. Das würde die ganze Sache sehr vereinfachen, obgleich es eigentlich kein wahrer Sport ist, allein wir dürfen Rosenthalls Revolver nicht vergessen, denn wir wollen doch nicht, daß er uns seinen Namen mit Kugeln auf den Leib schreibt. Da die Koffern im Hause sind, würde der Whisky unsere Aussichten jedoch sehr° verbessern, vorausgesetzt, daß wir nicht lange danach zu suchen brauchen. Eine Keilerei mit den Heiden würde alles verderben, wenn nicht zu schlimmerm führen. Außerdem sind auch noch die Damen da . . ." „Ten Teufel auch, Damen?" „Ja, Damen, und was für welche! Mit Stimmen, die Kain aus dem Grabe erwecken könnten. Ich fürchte, ich fürchte, ihr Geschrei. . . Das könnte verhängnisvoll für uns werden. Au contraire, wenn es uns gelingt, uns unbemerkt zu verstecken, isst die Schlacht halb gewonnen. Kommt Rosenthall betrunken nach Hause, so bedeutet das einen roten Diamanten für jeden von uns; bleibt er nüchtern und wach, dann können sich die Diamanten in Kugeln verwandeln. Aber wir wollen das Beste hoffen, Bunnch und das Schießen wird nicht nur von einer Seite ausgehen. — Das Ganze liegt in der Hand der Götter!" (Fortsetzung folgt.) Man wird sich vorstellen können, tote furchtbar eine fiten* nende, mit aller Kraft emporsprudelnde Petroleumquell» wirken muß. Oft geschieht es, daß man einen scharfen, kurzen Knall hört, woraus feurige Flammen zum Himmel empor-- schlagen, aus denen ungeheure Rauchwolken langsam dahin- rollen. Tie Entdeckung einer neuen ergiebigen Quelle bildet natürlich ein großes Ereignis. Tie große Firma Nobel pachtete vor einiger Zeit ein Stück Land, welches einem armen Fuhrmann gehörte. Er war jedoch klug genug, zur Pachtbediugung zu machen, daß er 25 Prozent von dem Gewinn erhielte, der ans seinem Boden erzielt werde. Tie Bohrarbeiten nahmen ihren Anfang, und kaum einen Monat später schoß eine Petroleumquelle plötzlich hoch in die Luft. Sie lieferte täglich nicht weniger als 10000 Tonnen. Später verminderte sich der Ertrag auf 2000 Tonnen, und darauf hörte er ganz auf. Ter Brunnen wurde jedoch gereinigt und wieder schoß die Quelle empor, dieses Mal täglich 15 000 Tonnen Oel liefernd. Ter Gesamtertrag machte mehr als 1400 Millionen Tonnen aus, und der arme Fuhrmann erhielt als Anteil eine Summe von 1200 000 Mark. Fitzgerald berichtet noch von einem anderen, nicht minder merkwürdigen Fall. Ein Unternehmer bohrte und bohrte, aber alle Bemühungen waren vergeblich. Schließlich verlor er alle Hoffnung. Eines Tages begegnete er einem gewissen Assadulaeff und erzählte diesem auf die Frage, ob er mit Erfolg gebohrt habe, daß er schon 1400 Fuß tief gegangen sei und noch immer kein Petroleum gefunden habe. Assadulaeff, der einige Terrains in der Nähe besaß, legte Wert darauf, das betreffende Terrain des Unternehmers noch zu gewinnen, und kaufte es diesem für 60 000 Mark ab. Ter Unternehmer war ganz zufrieden, das Grundstück für diesen Preis losWwerden. Tem Käufer aber wurde von einem Ingenieur der Rat gegeben, die Bohrarbett noch weiter fortzusetzen. Und siehe da — nach weiteren 70 Fuß traf man auf eine ungeheure Springquelle, welche dem neuen Besitzer in einem Zeitraum von nur zwei Monaten einen Reingewinn von 40 Millionen Mark brachte. Man muß jetzt überhaupt viel tiefer nach Petroleum bohren, als vor 10 und 20 Jahren, und während in den sechziger und siebziger Jahren Petvoleuin-Sptingquellen schon in einer Tiefe von 140 Fuß gesunden wurden, wird letzt oft 1500 und selbst 2000 Fuß tief gebohrt, bevor man das Petroleum erreicht. Tie durchschnittliche Tiefe einer Petroleumquelle in Baku beträgt jetzt ungefähr 980 §uß und die Bohrkosten belaufen sich auf 200 Rubel für je Ungeachtet dieser bedeutenden .Höhe der Kosten wird beständig neues Kapital in Petroleumquellen angelegt. Bekanntlich sind auch die Rothschilds hier mit großen Summen beteiligt. Im Jahre 1873 kaufte ein Herr Tagiesf em Heine» Petrvleumterrain für 18000 Mark, welches jetzt auf 60 Millionen Mark geschätzt Wird. Tie rastlosen Pettoleumgejell- schaften, an ihrer Spitze Gebrüder Nobel, sind nicht mehr daniit zufrieden, nur auf dem Lande zu bohren. Es bildete ich kürzlich ein Komitee unter Professor Tevi vom rusffschen Bergwerks-Departement, um das Petroleum unter dem kaspischen Meer bei Baku zu erforschen. In einem Lande, wo es Petroleum-Seen und rauschende Springquellen gibt, welche nicht selten das Land überschwemmen und die Bewohner zur Flucht treiben, gehört wenig dazu, furchtbare Brände hervorzurufen. Das Löschen derselben ist eine äußerst schwierige Aufgabe; Wasser kann natürlich nicht angewendet werden, da es nur zur Ausbreitung der Brände beitragen und die Gefahren bedeutend steigern würde. Da sich nun die im Betriebe befindlichen Quellen und die Bohrtürme immer näher rücken, so rufen die Brände in Baku von Jahr zu Jahr immer größere Zerstörungen hervor. Im letzten Jahre wurden mefir als 60 Firmen vom Feuer betroffen und ein Besitz im Gesamt- Mert von mehr als drei Millionen Rubel zerstört. Am 4. F-ebrnar des Jahres 1901 brach die furchtbarste Brandkatastrophe aus, welche Baku je gesehen hat. Das Jener entstand in einem Reservoir der Raffinerien, welches etwa fünf Millionen Pud Petroleiim enthielt; der Ausbruch des Brandes war ein furchtbarer. Man nimmt an, daß das Feuer von einem entlassenen Arbeiter aus Rache angesteckt wurde. Das Petroleum brach über die Reservoire hinaus, zerstörte die schützenden Erddämme und stürzte als breiter, flammender, fünf bis sechs Fuß tiefer Strom den Hügel hinab auf die Häuser zu. Das Feuer ergriff noch Die feurigen Quellen von Baku. Bon Arnold Rohde. (Nachdruck verboten.) Ueber die russische Petroleum-Industrie von Baku ist schon sehr viel geschrieben worden, und nicht nur Fachschriften haben das Thema behandelt. Zahlreiche Feuilletonisten bemächtigten sich des interessanten Stoffes, und die illustrierten Familienblätter haben fiie_ Petroleumbrunnen regelrecht ausgeschöpft. Neue, interessante Einzelheiten reizen aber immer wieder zur Behandlung des Themas. Einige neue Mitteilungen verdanke ich dem englischen Schriftsteller George Fitzgerald, welcher in „Cassels Magazine" eine sehr lebendige Schilderung der Petroleumquellen veröffentlicht. Zn Anfang der siebziger Jahre lag die Petroleum-Industrie von Baku in den Händen dreier russischer Kaufleute, welche ein Kapital von 7i/2 Millionen Rubel besaßen. Sie machten jedoch Fiasko. Im Jahre 1874 kam einer der bekannten Nobels aus Schweden nach Baku, um Nußbaumholz zu kaufen. Tas Petroleum versprach ihm jedoch ungeheure Schätze, und so wandte er sich ohne langes Besinnen dieser Industrie zu und ließ noch zwei seiner Brüder nach Baku kommen. Tie Spekulation nahm bald einen kolossalen Umfang an, und der Andrang von Unternehmern und Arbeitern war bald nicht geringer, als hätte man ein ergiebiges Goldfeld entdeckt. Heute sind buchstäblich 20 000 Morgen Land von Petroleumquellen durchlöchert, deren es dort mehr als 3000 gibt. Wenn nach einer neuen Quelle gebohrt wird, und diese plötzlich emporschießt, so ist die Kraft des Strahles häufig so groß, daß der hohe und kräftig gebaute hölzerne Bohrturm nebst allen Werkzeugen in die Luft geschleudert wird. Ter starke, mit großer Gewalt emporschießende Petroleumstrahl macht da nicht selten den Eindruck einer dichten, schwarzen Masse, die oben phantastische Formen annimmt und in der Sonne in allen Regenbogenfarben funkelt. Tann endlich ist seine Kraft erschöpft, er fällt zurück, tränkt den Boden und bildet Reservoire und Gräben, welche bis zum Rande mit Petroleum gefüllt werden. Zu den interessanten Sehenswürdigkeiten von Baku wird man neben brennenden Petroleumfontainen auch die ©een von Rohpetroleum rechnen müssen, ans welchen Menschen in Booten vergnügt herumfahren. Bisweilen führt der Strahl eine regelrechte Kanonade ans, denn er wirft nicht nur Petroleum, sondern auch große Massen von Sand und Steinen aus. Tas Rohpetroleum ist bekanntlich eine sehr leicht entzündbares Gemisch, und häufig genügt das Anprallen eines Steines an die zum Eindämmen des Stromes dienenden Platten, Funken hervorzurufen, welche die ganze Quelle in Brand setzen. drei weitere, 12 Millionen Puds lassende Reservoire. Zehn Fabriken und fünf Reservoire verbrannten, und das furchtbare, schnellfließende Feuermeer teilte sich in zwei Arme, welche menschliche Opfer und tausende von Arbeiterhäusern einschlosseu. Die unglücklichen Leute machten später Entschädigungsansprüche von insgesamt 105 000 Rubel geltend, während die Geschäftsleute weitere 154 000 Rubel beanspruchten. Die Behörden waren völlig unvorbereitet, das Unheil zu bekämpfen. 32 Personen verbrannten und weitere 190 wurden so schwer verletzt, daß 50 von ihnen am nächsten Tage starben. Im ganzen fielen mehr als 100 Personen dem Jener zum Opfer, und der Schaden belief sich auf vier Millionen Mark. Ein junger Engländer, der in Baku angestellt war, schilderte das Ereignis in sehr lebendiger Weise in einem an seine Angehörige gerichteten Briese. Es heißt da unter anderm: „Ich begleitete zwei meiner Kollegen nach dem Schauplatz des Feuers; doch wir konnten nicht hindurchkommen. Wir wanderten etwa 400 Meter die Landstraße entlang, als eine furchtbare Feuerwand sich vor uns erhob. Die Hitze war so schrecklich, daß wir das Gesicht mit den Händen und Brettstücken schützen mußten. Nicht imstande, hindurchzukommen, umgingen lvir das Feuer, und es war das seltsamste Ereignis meines Lebens, unter dieser ungeheuren Rauchsäule dahinzuschreiten, welche vom Feuer herübergetrieben wurde. Bisweilen stand die weite schwarze Masse regungslos still und dann rollte sie wieder vorwärts, einer hohen, von oben bis unten bewaldeten Klippe gleichend. Als wir endlich den Feuerherd umkreist hatten, bot sich uns ein furchtbarer Anblick; denn vier enorme Reservoire standen in Flammen. — Als wir nach Hause gingen, sahen wir, daß alle Leute sich ins offene Feld geflüchtet hatten. Manche der armen Menschen saßen bei ihren Habseligkeiten, welche gewöhnlich in einem Samowar, einem Tisch, eiltet« Bett und einem Stuhl bestanden. — Das Feuer hatte wenigstens 24 Stunden gewütet, bevor das erste Reservoir in einem feurigen Strome überfloß. Obwohl hohe Preise für die Lösung der Frage ausgesetzt wurden, wie man am besten eine brennende Petroleumquelle löschen könne, ist doch noch keine befriedigende Lösung gefunden worden. Bisweilen löschen sich allerdings die Petroleumbrände selbst, da das Oel häufig große Quantitäten Sand mit sich sirhrt, welche das Feuer ersticken. Aber die Pctroleumfelder richten auch noch Schaden ganz anderer Art an; sie gefährden den Fischbestand der Wolga, und die Negierung hat Professor Ploppe veranlaßt, eine gründliche Untersuchung dieses Gegenstandes vorzunehmen. Im Jahre 1889 liefen mehr als 40000 Tonnen Petroleum in die Wolga, und dies hatte die sonderbare Wirkung, daß die Fische verhungerten, da die Fische an der Oberfläche durch das Petroleum getötet wurden. Die Gelehrten machten alle möglichen Versuche, doch die einfache Tatsache, daß die Fischsuppe, welche ihnen während ihrer fünftägigen Reise auf dem Flusse vorgesetzt wurde, einen starken Petroleumgeschmack besaß, überzeugte sie mehr als alle Experimente von der großen Gefahr, welche die Fischerei bedrohte. In einem Wolga-Distrikt pflegten die Leute sogar an den Fluß M kommen, und Petroleum zum Brennen abzuschöpfen. Das Komitee erfuhr von einem gewissen Kamoff, welcher 700 Pud Petroleum auf diese Weise gewonnen hat. Bei Czaritzin liegt das Petroleum so dick an der Oberfläche, daß die schlauen Bauern alte Kleidungsstücke hineinlegten; diese wurden ausgewrungen, das Petroleum so gewonnen und dann zu Geld gemacht. Man sieht, daß der reiche Segen Bakus auch ungeheure Gefahren in sich birgt. Sicher vermag die bedrohliche Nachbarschaft eines feuerspeienden Berges eine Ansiedlung nicht mehr zu gefährden, als diese Hunderte von Bohrtürmen und diese gewaltigen Reservoire voll des leicht entzündlichen Oeles. Die Aufgabe, diese ungeheuren Gefahren aus der Welt zu schaffen oder zu vermindern, bildet noch eines der Probleme, bereit Lösung dem Techniker der Zukunft Vorbehalten bleibt. GeMernnütziges. Kasse Gärten. Wenn mir in den Boden ein Loch graben, so gelangen wir zunächst in immer nasser werdendes Erdreich, bis schließlich sich in der Vertiefung selbst Wasser ansammelt. Die Oberfläche dieses Wassers gibt den Grundwasserspiegel an. Hat der Boden einen durchschnittlichen Grundwasserstand von 40 bis 50 Zentimeter, so ist derselbe als flachgründig und nasse Lage zu bezeichnen und eignet ich am besten zu Wiesen, weniger gut als Ackerland, und zu Gärten wird er nur dann herangezogen, wenn es tiefgründigeres Land nicht gibt, denn wo das Grundwasser ansängt, dort hört das Wurzelgebiet der Kulturpflanzen auf. Die Gartengewächse, Obstbäume, Spargelpflanzen tc., ind vorweigend Tiefwurzler. Schon aus diesem Grund« muß der Gartenboden tiefgründiger sein als Gartenfeld. — Im Durchschnitt ist für Garlenrasen, flachwurzelnde Gemüse und einige einjährige Blumen ein wasserfreier Boden von 30 bis 40 Zentimeter Tiefe ausreichend. Für Tiefwurzler unter den Gemüsen und Blumen 50 bis 60 Zentimeter Tiefe. Für Bäume und Sträucher, Spargel, viele staudenariige Blumen tc. 100 bis 120 Zentimeter Tiefe. — In der Reget sind Gärten, die bei 100 Zentimeter Tiefe das erste Wasser zeigen, die kräftigsten und fruchtbarste«, weil aus dem Untergründe immer wieder Feuchtigkeit nach oben steigt. — Die Höhe des Grundwasserstandes hangt bei gleichen Niederschlagsmengen wesentlich von der Be- schafsenheit des Bodens ab. Sandiger und lockerer 5öoben läßt das Wasser durchsickern, während eine tonige Schicht das Wasser ansammelt. Auch das Gefälle des Booens, soww das der undurchlässigen Schicht übt einen Einfluß auf den Grundwasserstand aus. — Bei zu hohem Stand des letzteren sucht man das überschüssige Wasser durch Trainierung wegzuführen. Bei der Anlage einer Drainage muß jedoch mit großer Vorsicht Verfahren werden, da eine falsche Drainage mehr Schaden als Nutzen bringen kann. Auch ist eine Drainage für kleine Gärten eine umständliche Geschichte und läßt sich wegen mangelnden Mlaufs des Wassers (Vorslut) in der Regel schlecht durchführen. - In vielen Fällen genügen schon tiefe Wege oder es wird durch Graben rings an der Grenze des Grundstücks und je nach der Grüß« auch mitten hindurch der Wasserüberfluß beseitigt werden. Die beim Ausheben der Gräben ausgeworfene Erde wird mit Kalk vermischt, etwa ein Jahr lang auf Hausen gesetzt und dient dann zur Erhöhung der Beete. Werden die Gräben breit und tief genug angelegt, dann flt es dem Wasser nicht mehr möglich, soweit es sich um Stauwa.flr und nicht um Grundwasser handelt, so hoch zu steigen, daß die Kulturen beschädigt werden. Die Seitenwande der Gräben lassen sich durch Weidenstecklinge befestigen und auf diese Weise nutzbar machen, die Graben selbst aber können vorteilhaft zur Bru.tnenkressenkultur verwendet werden. — Beim Ausfällen nasser Gärten ist noch darauf zu achten, daß der gute Boden nicht verschüttet wird, schafft man fremden Boden herbei, so kommt derselbe in der Regel in den Untergrund. Dies geht am besten, wenn man gleich-, zeitig das aufzufüllende Land rigolt und die neue Erd« in die offenen Rigolgräben schafft, also nach unten. a. 1. Spielkarte 2. Haustier 3. Teil des Baumes ■ 4. Kälte-Erzeugnis 5. Getränk 6. Himmelskörper 7. Meta« (Auflösung in b. — Gefäß. — Biblis er Name, — Pflanzenstoff. — Nahrungsmittel. — Altgermanischer Lolksstamm» — Blumen. — Berkehrmittel. nächster Nummer.) Wortspiel. (Nachdruck verboten ) Ez sind 7 Wörter zu suchen von der unter a angegebenen Beden- tiinn Bon jedem d eier Wörter ist durch Boranseyung eines passenden Buchhabens ei» anderes Hauptwort zu bilden ^cksen Bedeiitung Mite ersichtlich. Tie Anfangsbuchstaben unter b bezeichnen einen Teil des Wahres. Auflösung der Geheimschrift in vor. Nr.: Hab' Dank für deine Spenden, du heil'ge Einsamkeit. Vorbei der alte Kummer, vorbei das alte Leid. Geläutert ward das Herz mir und Blumen wuchsen drmt Zu neuem Kampf gelüstig, stehl nach der Welt mein « . Schesseu Redaktion: Cur- Plato. — NvtativnSdrnck und t ertoa der Brübl'ichen Universitäts-B nä- und Eteindruclerei (Pietsch Erb««) in Gießen,