1903. Mittwoch oen 19. August. jiäskUJTü Z^W (Nachdruck verboten.) Schloß Osterno. Roman von S. M e r r i m a n. (Fortsetzung.) , ®rt() ziemlich lange Pause entstand, während welcher Nelly eins ihrer Armbänder durch einen leichten Druck auf d:e Feder öffnete. Katharina hörte das Geräusch nicht, sie schien sich ihrer Umgebung gar nicht mehr bewußt'zu sem- Nelly öffnete geräuschvoll ein zweites Armband: wahrscheinlich bereute sie ihre frühere Freundlichkeit. Katharina war ihr zu nahe gekommen. „Urteilen Sie nicht etwas übereilt?" fragte Nelly endlich mit einer ruhigen Stimme, die den Gegensatz zwischen den beiden Mädchen noch erhöhte. „Ich finde daß es immer einiger Zeit bedarf, bis man genau weiß' ob neue Bekannte einem gefallen oder nicht." „Ja, ihr Engländer seid so kalt und berechnend, ihr rvißt nicht, was es heißt, zu hassen oder zu lieben." „Vielleicht doch, aber wir reden weniger darüber" Katharina wandte sich um und sah sie mit einem seltsamen Lächeln an. . leichte sie. „Nichts — Sie reden gar nichts. Paul ist gerade so. Ich habe Sie beobachtet, ich weiß alles. Seit Sie nach Thors kamen, haben Sie kein gesprochen; Sie haben geplaudert und gelacht, über viele Tinge Bemerkungen gemacht, aber gesprochen haben Sie nicht. Sie sind gerade so wie Paul. Man kennt euch niemals aus. Ich kenne Sie nicht, aber Sie gefallen Mir. Sind Sie ihre Cousine?" „Ja." „Ich hasse sie." Nelly lachte. Sie war immer gerecht und ehrlich. „Vielleicht werden Sie Ihre Meinung ändern, wenn Sie fte näher kennen lernen. „Vielleicht kenne ich sie jetzt schon besser, als Sie." Nelly lachte wieder. M«?sÄS«tom e'mWa> W- b- ich fi' l°u VvJÄröta zuckte die Achseln. „Ich werde sie imnier W£n' fft8te He- „Es tut mir leid, daß sie Ihre Cousine ist, etwas an ihr ist nicht nt Ordnung — etwas, das Metz? Meist" alle« außer Herrn Steinmetz. Herr Stein- mvp WLl p UllL». "i“' ber weiß sehr viel", gab Nelly zu. 'st er, tlstG so traurig, nicht wahr?" ^aE.ttt0 ft.arrte tn§ Feuer, und ihre seltsam ernsten ugen hatten einen fast wilden, konzentrierten Ausdruck. .sie plötzlich f 8§ ßtebe SU ihm geheuchelt?" fragte sie keine Antwort erhielt, schaute sie auf und richtete ihren forichenden Blick auf Nellys Gesicht. Diese starrte gerade vor sich hin in das Feuer und ertrug die Prüfung, ohne mit der Wimper zu zucken. Sobald Katha- rmas Augen von ihr wichen, ließ die maskenhafte Ruhe ihrer Zuge nach. ' ' „Jetzt gibt sie sich nicht mehr diese Mühe", fuhr die junge Russin, ihre eigene Frage beantwortend, fort. t'A./n Sm sie heute beobachtet, während wir Klavier spielten? Herr von Chauxville weiß etwas über sie: sie haben etwas gemeinsam, das weder Paul, noch einer von uns kennt. Warum redeu Sie nicht? Warum sitzen Sie da und starren nut so fest zusammengepreßtcn Lippen ins (ji- 1-lCL 11 „Weil ich der Meinung bin, daß es keinen Zweck für uns hat, über Paul und seine Frau zu reden." Katharina brach in ein leises, freudloses Lachen aus. „Das sagen Sie, weil sie Ihre Cousine ist- er — n u'chts für Sie; es kümmert Sie nicht, ob er glücklich ist oder nicht." Necky wandte sich ab, um ihre Armbänder aufzuheben, die von ihrem Schoß zu Boden geglitten waren. „Sw Übertreiben", sagte sie ruhig. „Ich sehe keinen Grund zu der Annahme, daß Paul unglücklich ist. Das kommt irur von Ihrer grundlosen Abneigung gegen sie." Es dauerte lange, bis sie die drei Armbänder qe- hatte. Dann erhob sie sich und legte sie ans den „Soll ich gehen?" fragte Katharina in ihrer derben Weise. "Nein" antwortete Nelly höflich, aber sie zog ziemlich auffällig ein paar Haarnadeln heraus. Katharina achtete nicht darauf. „Gefällt Ihnen Herr von Chauxville?" fragte sie unvermittelt. 1 „Nein." „Gefällt er Paul?" „Ich weiß nicht." Katharina sah nur einen Augenblick ctitf, dann kehrten zurück ®etrad[)tun9 der brennenden Fichtenscheit« „Ich möchte wissen, warum Sie von Paul uicht reden wollen?" sagte sie in einem Don, der keine Antwort forderte. Nelly machte eine unmutige Bewegung. „Ich bin leider überhaupt ein etwas schwerfälliges Gefcyopf", antwortete sie. „Ich verstehe nie viel Wort« zu machen." „Airch nicht über Paul?" „Nein. Sprachen wir nicht von Herril von Chauxville?^ „Ja. Ich verstehe Herrn von Chauxville nicht. Er kommt nur wie die Verkörperung der Nnaufrichtigkeit vor. Er posiert sogar vor sicy selbst und beobachtet immer, welchen Eindruck er macht. Welchen Eindruck er wohl auf sich selber macht?" 1 Nelly lachte. 486 „Tas ist ziemlich kompliziert. Ich glaube, er hat von seiner Klugheit eine sehr hohe Meinung; wenn er einfacher wäre, würde er auch klüger sein." Katharina fürchtete sich vor Claude von Chauxville und aus diesem Grunde starrte sie erstaunt das junge Mädchen an, das ihn mit ein Paar nachlässigen, verächtlichen Worten ans dem Gespräch und aus ihren Gedanken strich. Ein Geist, wie der Nellys, stand über Chauxvilles Einfluß. Mehr als einmal noch kehrte Katharina zu deni Gegenstände zurück, der ihr ganzes Denken ausfüllte, doch Nelly hielt mit unerschütterlicher Standhaftigkeit an ihrem Entschlüsse fest, über Paul nicht zu sprechen. Sie überhörte, vermied, ignorierte Katharinas bezüglichen Bemerkungen mit einer Geschicklichkeit, welche die einfache Russin verblüffte. Endlich erhob sich Katharina um zu gehen, und Nelly folgte ihrem Beispiel. Tie beiden Mädchen blickten einander einen Augenblick an. Sie hatten nichts miteinander gemeinsam; in verschiedenen Ländern geboren, verschiedenen Rassen angehörend, waren sie weder durch Glauben, noch durch Erziehung, noch durch Aehnlichkeit der Gedanken verwandt. Sie blickten einander an, und^ Gottes Finger berührte sie. Beide liebten denselben Mann. Sie haßten einander nicht. „Haben Sie alles, was Sie brauchend fragte Katharina in ihrer gewöhnlichen, unvermittelten Weise. Nelly verstand sie im ersten Augenblick nicht. „Ja, ich danke Ihnen", antwortete sie. ‘ „Ich bin sehr müde. Daran ist wohl der Schnee schuld." „Ja, daran ist der Schnee schuld", wiederholte Katharina mechanisch. Sie schritt zur Tür und blieb dort stehen. „Liebt Paul sie?" fragte sie plötzlich. Nelly erwiderte nichts, und wie gewöhnlich gab Katharina sich selbst eine Antwort. „Er liebt sie nicht, und Sie wissen das, Sie wissen das!" sagte sie. Dann ging sie, ohne eine Antwort äozuwarten, hinaus und schloß die Tür hinter sich. Die geschlossene Tür hörte die Antwort. „Es macht nichts, ivenn er es nur selbst uie erfährt", sagte Nelly laut vor sich hin. 28. Kapitel. Wölfe. Die Gräfin Lanowitsch verließ vormittags niemals ihre Gemächer, denn sie hatte sich die Pariser Gewohnheit angeeignet, bis zur Frühstückszeit unsichtbar zu bleiben. Die beiden Mädchen fuhren um 10 Uhr in Begleitung eines Dieners nach der Hütte hinaus, wo das Frühstück eiuge- nommen werden sollte. Etta begleitete sie nicht; sie hatte Kopfschmerzen. Um 11 Uhr kehrte Herr von Chauxville zu Pferde allein ins Schloß zurück. Als die Jäger sich getrennt hatten, um ihren Stand im Walde einzunehmen, war er über sein Gewehr gestolpert und hatte dabei den zarten Mechanismus ernstlich beschädigt. Es war ihm, wie er zu dem das Tor öffnenden Bedienten sagte, gerade noch Zeit genug ge- bliebeu, um sich ein anderes Gewehr zu holen, ehe der Auftrieb der Bären begann. Wenn die Frau Fürstin bereits aufgestanden sei, möge der Diener ihr sagen, daß Herr von Chauxville sie im Bibliothekzimmer erwarte, um ihr zu versichern, daß dis heutige Jagd vollständig gefahrlos sei, — fügte der Baron noch hinzu. Tann begab sich Herr von Chauxville in das Bibliothekzimmer, !vo er, mit dem Gewehr in der Hand, gestiefelt und gespornt, auf Etta wartete. Nach Verlauf von etwa fünf Minuten wurde die Tür geöffnet, und Etta trat langsam ins Zimmer. „Nun?" fragte fie in gleichgültigem Tone. Herr von Chauxville verbeugte sich, ging an ihr vorüber und schloß die Tür, die sie zufällig offen gelassen hatte. Tann kehrte er an seinen früheren Platz am Fenster zurück und lehnte sich in anmutiger Haltung auf sein Gewehr. Tiefe Stellung, sein Jagdkostüm, die großen Jagdstiefel boten ein hübsches Bild. „Nun?" wiederholte Etta in beinahe beleidigendem Tone. „Es wäre klüger gewesen, wenn Sie mich geheiratet hätten", sagte der Baron finster. Etta zuckte die Achseln. „Ich verstehe Sie besser, ich kenne Sie besser, als Ihr Gatte. Etta wandte sich uni und warf einen Blick auf die Uhr. „Sind Sie von der Jagd zurückgekommen, um mir das zu sagen, oder um den Bären aus dem Wege zu gehen?" fragte sie. Ter Baron runzelte die Stirn. Ein Mann, der Furcht gekostet hat, liebt es nicht, über seinen Mut zu sprechen. „Ich bin zurückgekommen, um mit Ihnen über dies und anderes zu sprechen", antwortete er, indem er sie mit seinem finsteren Lächeln anblickte. Tann warf er den Kopf in die Höhe und streckte die Hand nach ihr aus, mit der Handfläche nach oben und leicht gebogenen Fingern. „Hier halte ich Sie, Madame", sagte er. „Ich halte Sie in meiner Hand. Sie sind meine Sklavin trotz Ihres Fürstentitels, mein Eigentum, mein Spielzeug trotz Ihrer Tieuer, Ihrer Paläste und Ihres Gatten! Wenn ich. Ihnen alles gesagt habe, was ich Ihnen zu sagen habe, werden Sie mich verstehen und mir vielleicht für meine Barmherzigkeit danken." Etta lachte trotzig. „Sie fürchten sich vor Paul. Sie fürchten sich vor Karl Steinmetz und Sie werden sich auch bald vor mir fürchten!" rief sie. „Tas glaube ich kaum", antwortete Chauxville kühl. Die beiden Namen, die sie eben genannt hatte, klangen ihm nicht sehr angenehm ins Ohr, aber das brauchte ein Weib nicht zu erfahren. Ungleich Karl Steinmetz war Herr von Chauxville kein kühner Spieler, denn er war seiner Sacha gern sicher, ehe er seine Trumpfkarte auf den Tisch warf. Er wollte immer wisseü, welche Karten der Gegner in der Hand hielt, und verschmähte es nicht, ihm hinein- zuschaueu. „Karl Steinmetz, ist nicht Ihr Freund", sagte er. Etta antwortete nicht. Sie dachte an das Gespräch, das sie mit Steinmetz in Petersburg gehabt hatte, und fragte sich ob die Freundschaft, die er ihr angeboten, — die solide Freundschaft, wie er es genannt hatte, — besser sei, als die Liebe dieses Mannes. „Selbst jetzt, wo ich Sie kenne, liebe ich Sie noch immer", fuhr Chauxville fort. Sie sind das einzige Wtzib, das ich je lieben werde." „Wirklich?" murmelte sie ungerührt. „Ja, obwohl ich Sie zugleich verachte, — jetzt, da ich Sie kenne." „Sieber Gott, wenn Sie mir etwas zu sagen haben, so sagen Sie es gefälligst. Ich, habe keine Zeit, Ihre Mysterien zu ergründen, Ihre Parabeln auszulösen. Vielleicht kennen Sie mich gut genug, um zu wissen, daß ich mich, durch Ihren Charlatanismus nicht erschrecken lasse/ „Ja, Madame, ich kenne Sie gut genug, um zu wissen, daß Sie es waren, die Wassili die Papiere der Armenlrga in Paris verkaufte. Ich, kenne Sie gut genug, Madame, um zu wissen, wie Sie mit Ihrem Gemahl stehen. Ern Wort von mir, und Sie verlasse,r Rußland nicht lebendig. Ich brauche nur Katharina Lauowitsch zu sagen, daß S,e es waren, die an der Verbannung ihres Vaters schuld ist. Ich brauche Ihren Namen nur gewissen Mitgliedern der Armenliga mitzuteilen, und selbst Ihr Gatte könnte Sre nicht retten." „ „ „ , , Er war allmählich immer näher auf sie zugetreten und sprach die letzten Worte dicht vor ihrem Gesicht, Aug in Auge. Sie mb er hielt ihren Kopf noch, immer stolz und trotzig aufrecht. „Sie sehen also, daß Sre mir gehören." Sie lachte. , ,, _ „Mit haut und Haar, — aber ich habe ern werches Er zuckte die Achseln, wandte sich ab und schaute zum Fenster hinaus. „Was soll ich machen, — ich liebe Sie." „Unsinn!" Er kehrte sich langsam nach ihr um. „Was sagen Sie da?" „Unsinn!" wiederholte Etta. „Sie lieben dre Machst, 487 Sie lieben es, Ihrer Eitelkeit zu schmeicheln, indem Sie glauben, daß Sie mich in Ihrer Macht haben; aber ich fürchte mich nicht vor Ihnen." Herr von Chauxville lehnte in anmutiger Haltung am Fenster; er hielt sein Gewehr noch immer in der Hand. „Denken Sie ein wenig nach", sagte er mit seinem kalten Lächeln. „Mir scheint es, daß Sie sich über Ihre Lage nicht ganz klar sind. Frauen sind das selten. Unser Freund, Ihr Gatte, hat in Bezug auf die Ehre etwas beschränkte Ansichten; außerdem habe ich ihn im Verdacht, daß er echt slavisches Feuer besitzt, das er verbirgt. Glimmendes Feuer, Madame, — Sie kennen unser französisches Sprichwort. Er ist nicht der Mann, der Ihr kleines Geschäft mit Herrn Wassili von einem rationellen, nachsichtigen Standpunkt aus betrachten wird, umsoweniger als sein Freund, Stephan Lanowitsch nebenbei der Besitzer dieses Hauses, dadurch in die Verbannung kam. Die Art und Weise, wie er diese Nachricht aufnehmen würde, könnte unangenehm werden — für Sie." „Was wollen Sie?" unterbrach ihn Etta. „Geld?" „Ich bin kein armer Abenteurer." „Und ich, Herr von Chauxville, bin keine solche Närrin, mich in eine gewöhnliche, einem französischen Roman abgelernte Jntrigue verwickeln zu lassen, um Ihre Eitelkeit zu befriedigen." Die trüben Augen Chauxvilles flammten plötzlich auf. „Madame", sagte er mit leiser, fester Stimme, „ich muß Sie bitten, zu glauben, daß ein solcher Gedanke mir auch nicht entfernt in den Sinn kam. Ein Herr von Chauxville ist rein Handlungsreisender, — das bitte ich gefälligst zur Notiz zu nehmen. Nein, vielleicht wird es Sie überraschen, aber mein Gefühl für Sie enthält mehr Gutes, als Sie anscheinend einzuslößen vermögen. Gott allein weiß, wie es kommt!, daß ein schlechtes" Weib eine gute Liebe einflößen kann." Etta blickte ihn erstaunt an; sie vermochte Herrn von Chauxville nicht immer zu verstehen. Das war vielleicht nicht wunderbar, denn er verstand sich selbst nicht immer. „Was wollen Sie also von mir?" „Vorläufig unbedingten Gehorsam." „Wozu wollen Sie mich benützen?" „Ich habe Zwecke, denen Sie dienen müssen", antwortete der Baron, der seine gewöhnliche, halb spöttische Ruhe wiedergewonnen hatte. „Aber Sie werdden von diesen Zwecken ebenso Nutzen ziehen wie ich selbst, und ich werde Sorge tragen, daß Sie keinen Schaden nehmen; denn Sie sind das Hauptziel von allem. Am Ende von allem sehe ich immer nur Sie." „Und wenn ich mich weigere?" fragte Etta, die sich genau bewußt war, daß dieser Mann durch seine Liebe zu ihr gehemmt wurde. „Dann werde ich Sie zum Gehorsam zwingen." Etta^ zog spöttisch die feinen Augenbrauen in die Höhe. „Ja", wiederholte Chauxville mit unterdrückter Wut. .Ich werde Sie zwingen, mir zu gehorchen." Die Fürstin sah ihn mit leichtem, spöttischem Lächeln an und fuhr sich mit sinnender Miene durchs Haar, als ob eine Haarnadel ihr wichtiger wäre, als seine Worte. Er zog die Uhr aus der Tasche. „In fünf Minuten muß ich gehen", sagte er. „Vorher habe ich Ihnen einige Instruktionen zu geben und muß Sie bitten, mir Ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken." Er blickte auf und erwiderte Ettas trotzigen Blick mit einem Lächeln des Triumphes. . für mich von höchster Wichtigkeit, daß ich erne Einladung nach Osterno erhalte", fuhr er fort. „Ich ttnU dort nicht lange bleiben. In der Tat, ich habe gar kerne Lust dazu, aber ich muß das Schloß in Augenschein ''ehmen See können mir wohl die Erlaubnis verschaffen, Fürstin?" „Es wird schwer sein." „Umsomehr der Mühe wert für Sie. Ich habe vor ^hrer diplomatischen Geschicklichkeit den größten Respekt und lege dm Angelegenheit ruhig in Ihre Hände." er 8uc^e die Achseln und sah an ihm vorbei zum Fenster hinaus. Der Baron beobachtete aufmerksam ihr Gesicht. 1 ' .„ "^dnzweiter Punkt, den Sie nicht vergessen dürfen, ist das tägliche Leben Ihres Gatten in Osterno", fahr eifert. „Die Behörden haben Argwohn gegen den Fürsten gefaßt und behalten ihn im Auge. Man hat ihn im Ber- daacht, daß er unter den Bauern revolutionäre Ideen verbreitet. Es wäre mir lieb, wenn Sie soviel als möglich darüber herausbekämen. Vielleicht wissen Sie bereits etwas darüber, vielleicht hat er es Ihnen erzählt. Fürstin, ich kenne dieses schöne Gesicht! Er hat es Ihnen erzählt! Gut. Interessiert er sich für die Bauern?" Etta antwortete nicht. (Fortsetzung folgt.) Einrichtung staubfreier Straßen?) Von Max R. Zechlin, Ziv.-Jngen., Charlottenburg. Während im Laufe des verflossenen Jahrhunderts auf allen Gebieten der Technik die weitestgehenden Fortschritte gemacht worden sind, steht die Technik des Straßenbaues heute zum größten Teil auf demselben Entwicklungsstandpunkt, wie vor hundert Jahren. Sieht man von der Einführung asphaltierter und gut entwässerter Straßen in den größeren Städten ab, eine Einrichtung, die im hohen Alter- tume bereits in ähnlicher Vollendung vorhanden war, so wird es schwer zu sagen sein, welche Fortschritte in den letzten hundert Jahren im Straßenbau gemacht worden sind. Landstraßen mit fester Decke, also Chausseen, die sich' quantitativ, dem gesteigerten Berkehrsbedürfnis entsprechend, allerdings gegen früher vermehrt haben, zei^eü qualitativ noch dieselben Mißstände: starke Staubentwicklung bei trockenem Wetter, Schmutz und Schlüpfrigkeit bei nassem Wetter, unvergleichlich schnelle Abnutzung und entsprechend starke Reparaturbedürftigkeit, widersinnige Quer- gesälle ost von einer so unverantwortlich großen Neigung, daß der auf einer Seite fahrende Wagen umzustürzen droht. Mit der allgemeinen Einführung zentraler Wasserversorgung und den gesteigerten hygienischen Anforderungen trat die Straßenbesprengung in die Erscheinung: Ein sehr unvollkommenes Verfahren, denn aus der festen, allerdings staubigen Straße wurde eine schlüpfrige, schmutzige Straße. Statt der Staubteilchen beschmutzten nasse Spritzflecke oie Passanten. Die mit leichtem Schuhwerk und Heller empfindlicher Sommerkleidung ausgerüsteten! Spaziergänger scheuten sich, einen gesprengten Straßendamm zu überschreiten. Motorwagen und Fahrräder konnten nur mit äußerster Vorsicht und in einem ihrer Bestimmung geradezu widersprechenden langsamen Fahrtempo vorwärts kommen, unter steter Berücksichtigung der Gefahr des Ausgleitens und Schleuderns. Dieser Umstand der Nichtentwicklung der Straßenbautechnik findet seine Erklärung betritt, daß sich unser Haupt- verkehr im letzten Jahrhundert neben bett Straßen abgewickelt hat, nämlich auf bett Eisenbahnschienen, sobaß ein zwingendes Bedürfnis für eine technische Weiterentwicklung der Straße nicht vorlag. Aber heute ist ein solches vorhanden. Der Automobilis- mus hat es geschaffen. Unter den vielen Forderungen, welche der automobile Straßenverkehr an die Beschaffenheit der Straße stellt, interessiert uns heute vor allem diejenige der S t a u b b e s e i t i g u tt g. Die Staubbeseitigung durch reute Wässerbespr engung hat eine Berechtigung bei Straßen mit Asphalt-, Stein-' ober Holzbeckung als Mittel zur Reinigung. Bei Deckungen mit Sanb ober mit Kies, also bei Chausseen, kann ihr auch biefe nur bebingt zugesprochen werden. Denn sie schwemmt die mit vielen Kosten heraufgebrachten Sandmaterialien allmählich wieder herunter oder versetzt sie in einen solchen kittförmigen klebrigen Zustand, daß der Verkehr erschwert wird, und daß Wegearbeiter diesen Kitt mit Kratzen entfernen müssesn, um später wieder neues Deckuugsmaterial aufzuschütten. Das Sprengen bezw. die Straßenwäsche wirb meist in ber Weise ausgeführt, baß ein Wasserwagen dünne Wasserstrahlen über die Straße rieseln läßt. In wenigen größeren Städten nur folgt diesem «Sprengwagen eine Arbeiterkolonne mit Besen und Gummischiebern, um den aufgeweichten Schmutz von dem Damme zu entfernen. In Berlin und Charlottenburg unterscheidet man zwischen Sprengen, einer einfachen leichten Berieselung der Straßen mit Wasser, und dem Abwaschen der Straße. Zu letzterem Zwecke werden zunächst größere Wassermengen aus einem *) Vortrag, gehalten gelegentlich des deutschen Auto-- mobiltages in München am 5. Juli 1903. - 488 — Wasserwagen über den Damm gegossen in der Absicht, den angetrockneten und festgefahrenen Pferdeschmutz und Staub zunächst aufzuweichen und zu lösen. Erst nach einer gewissen Zeit folgen die mit Gummiwalzen ausgerüsteten Straßenwaschmaschinen, welche den aufgelösten Schmutz zur Seite schieben, von wo er später mit eisernen Handkarren entfernt wird. Derjenige, welcher gezwungen ist, den Damm in der Zwischenzeit zwischen der ausweichenden Wasserflut und der eigentlichen Wäsche zu passieren, kann die Unvollkommenheit dieser Reinigungsart am eigenen Leibe zur Geniige aus- probieren. Den Beschwerden darüber ist städtischerseits ent- gegengehalten worden, daß der Straßenschmutz eine gewisse Zeit braucht, um durch das übergegossene Wasser anfgeweicht zu werden, daß also die Wüsche nicht unmittelbar der dem Wasserwagen entströmenden Sintflut folgen arst Jedoch sollte man diese Wäsche dann in die Zeit des ciugsten Verkehrs, die frühen Morgenstunden, verleget!, und nicht in die Stunden von 8 bis 10 Uhr vormittags, iote das leider in Berlin und Umgegend zu beobachten ist. Lassen sich die Ablagerungen von Staub auf der Straße nicht überhaupt beseitigen oder wenigstens einschränken? Antwort: So lange noch die Straßen aus Stoffen hergestellt werden, die durch ihre Abnützung Staub erzeugen, und so lange noch Pferde die Straße betreten, wird Staub erzeugt werden. Rechnet man mit dieser Voraussetzung, so empfiehlt sich folgendes Verfahren: 1. E i n e z e i t w e i s e v o r z u n e h m e n d e S t r a ß e n- wäsch e. Die Zeiträume richten sich nach der Art der Straßen- befcstigung und der Stärke des Verkehrs. 2. Eine Festlegung des Staubes in der Z w i s ch e n z e i t. Bei sehr verkehrsreichen städtischen Straßen mit fester Decke wird man demnach nachts eine gründliche Straßenwäsche vornehmen und darauf eine Einrichtung treffen, um den sich während des Tagesverkehrs bildenden Staub bis zur nächsten Nacht festzulegen. Bei Landstraßen mit geringen! Verkehr wird man die periodische Reinigung unter Umständen den gelegentlichen Regengüssen überlassen können, mit oder ohne Nachhilfe durch Wegearbeiter oder Reinigungsmafchinen. Dafür aber ist für die längere Zwischenzeit der Staub mit geeigneten Mitteln festzuhalten. Hiermit kämen wir zu den Einrichtungen und Mitteln, den Straßenstaub festzuhalten und vor dem Anfwirbeln durch Wind, Pferdehufe und rollende Räder zu schützen. Von den bereits angestellten Versuchen nach dieser Richtung hin seien folgende erwähnt: In Kalifornien hat man einige Chausseen mit gutem Erfolge mit Petroleum, welches etwa 16 Mk. pro Tonne kostet, bestrichen. Das schwere Oel mischt sich hierbei innig mit dem Staub und bildet eine feste Bindemasse, ähnlich wie Asphalt, nur daß sie weniger haltbar ist als dieser. Dr. Guglielminetti hat an der Riviera eine gut chaus- sierte und vorher geebnete und gereinigte Straße auf fünf Meter Breite mit Goudron (welches dort bedeutend billiger ist als Petroleum) bestrichen, indem er die Masse erwärmte und mit Gießkannen auf die Straßenfläche verteilte. Die Kosten sollen sich auf etwa 300 Fr. pro Kilometer bei 5 Meter Breite stellen. Die Straße zeigte eine dunkle, glatte Oberfläche, welche nach Einigen Tagen völlig geruchlos sein soll. Der Regen soll abfließen, ohne einzudringen, Schniutz und Stanbbildung vermieden werden. M. G. Rimini hat bei Lugo eine Straße mit Steinkohlen teer bestrichen, den er von der Gasanstalt in Ravenna zu 5 Fr. pro 100 Klgr. bezog. Er behauptet, die Kosten stellen sich auf 7,5 Centimes pro Quadratmeter, oder auf 300 Fr. pro Kilometer bei 4 Meter Breite für die erstmalige Anlage, später, bei Wiederholung der Teerung, seien die Kosten entsprechend geringer. Diese Straße soll bereits em Jahr lang zur Zufriedenheit standhalten. Wie häufig der Teerbelag erneuert ivorden ist, wurde nicht gesagt. Auf einer Straße bei Champiguy in Frankreich beab- sitchigt man folgende Parallelversuche: 1. Belag mit Goudron, 2. mit Teeröl, 3. mit kalifornischem Petroleum, 4. mit französischem Petroleum. Es ist hier nicht allein das reine Brennpetroleum gemeint, sondern auch seine Derivate und billigeren Rohprodukte. Zwei Vergleichsversuche sind unter der Anweisung von Dr. Guglielminetti auf Veranlassung des Schweizer Tourenklubs von Her Genfer Straßenbauverwaltung ausgeführt worden, und zwar ein Belag mit Steinkohlenteer auf der nach Lausanne führenden Straße, und eine Petroleum-Imprägnierung eines Teiles der Fahrbahn der Place Neuve. Der Teerbelag aus der Rue de Lausanne hatte die Straßenoberfläche in stärkerem Maße hart gemacht als das Petroleum, doch lag der Staub von den Fußsteigen und der angrenzenden unbedeckten Fahrstraße lose auf der geteerten Fläche. Das Petroleum auf der Place Neuve hatte sich mit der Straßenvberstäche innig vermischt, die Decke war völlig staubfrei und fester als die angrenzenden unbedeckten Straßenoberflächen. Der von letzteren darauf gewehte Staub und Sand schien sich sofort mit der Petroleumdecke zu vermischen, sodaß diese keinen losen Staub zeigte. In den ersten drei Tagen soll sich ein leichter Pctroleumgeruch bemerkbar gemacht haben, der sich aber dann verflüchtigte. Durch diese Versuche ermutigt, beabsichtigt der Schweizer Tourenklub, sich die billige Einfuhr von sogenanntem Texas-oil (einer Petroleumart), auf welcher sehr hoher Zoll liegt, zu sichern. B. H. Schelling hat in Rotterdam, und in Arnheim die städtische Behörde ähnliche Versuche mit sogenanntem Scotch shale-oil angestellt, welches eine harte Kruste mit der Straßendecke bildete und nach einem Tage befahrbar war. I. W. Metcals, der Straßenchef von Newmarket, stellte im April dieses Jahres in der Nähe dieser Stadt analoge Versuche an. Er verteilte Rohpetroleum, und zwar eine Gallone auf 10 Quadratyards, über eine Strecke von 300 Parbs. Die Unkosten betrugen y2 Pence (gleich cci. 5Pfg.) pro Qnadratyard. Es zeigte sich, daß dieser einmalige Ueberzug genügend war, 'und daß während des ganzen Sommers weder eine Besprengung mit Wasser, noch mit Oel o der dergleichen zur Staubbeseitigung erforderlich wurde. (Schluß folgt.) Vermischtes. * Der Neger Heiland. Aus Topeka, der Hauptstadt des Staates Kansas, wird berichtet, daß Pensionskommissar Eugene F. Ware mit den Behörden von Harpers Ferry in Virginien Unterhandlungen angeknüpft hat, die daraus abzielen, den Galgen in seinen Besitz zu bringen, an dem im Jahre 1859 der Negerheiland John Ossawatomie Brown starb. Herr Ware wünscht die geschichtliche Denkwürdigkeit ausbessern zu lassen, um sie dann der Historischen Gesellschaft des Staates Kansas zum Geschenk zu machen. John Brown, ein Neuengläuder, der seine zweite Heimat in Kansas gefunden, unternahm auf eigene Faust die Befreiung von Negersklaven. Mit seinen sieben Söhnen zog er aus in dem Wahne, alle Gegner oer Sklaverei würden sich sofort erheben und sich ihm anschließen. Seine Hinrichtung beschleunigte den Ausbruch des Bürgerkrieges und die Abschaffung der Sklaverei. Die Bataillone der Nordstaaten marschierten unter den Klängen „John Browns body lies moldring in his grave, his foul is marching ott." Bilderrätsel. «Nachbildung verboten.) k** im in nächster Nummer.) Auslösung des Silbenversteckrätsels in vor. Nr.r Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. lAus.ösuuq ibedaltion: Iiugnst Eötz. — Nctatienktruei und r erleg der ? ri ll'scheu llnircrstälk-8 nll - und Cleiudiuclerei. R. karge, Gießen.