i»j=Hi LZM ikM lAÄejfi! sMO UWZM^ W^M (Nachdruck verboten.) Gin Mädckenschicksak. Frei nach dem Englischen von A. Wendt. (Fortsetzung.) Plötzliche im Trubel des Tanzes rannte ein anderes Paar mit heftigem Stoße gegen sie, ärgerlich runzelte Harry die Brauen, die üblichen Entschuldigungen wurden gemacht und angenommen, und weiter gings im lustigen Wirbel. Als Sir Harry niederblickte, gewahrte er, daß Jane totenblaß geworden war und bebte. „Was fehlt Tir, Liebling? tat der Stoß Dir so weh?" fragte er ängstlich, „oder ist es Tir zu heiß im Saal?" „Nein, v nein", flüsterte sie. Aber der junge Mann, besorgt über ihre Blässe, führte sie aus dem Wirbel des Tanzes in ein an den Saal grenzendes Treibhaus, welches mit seinen schönen Gewächsen und Palmen einen vollkommenen Ruheplatz für Ermüdete bot. Der ziemlich große Raum war nur von wenigen Personen besucht, und Sir Harry fand eine lauswige Ecke, wohin er Jane führte und wo er sich mit ihr niederließ. Die roten Kissen des Diwans, die niederhängenden grünen Zweige bilden einen herrlichen Hintergrund für den schönen, blassen Mädchen- kopf. — „Tie Ungeschickten verdienten, daß sie ordentlich hinfielen", meinte er lächelnd. „Haben sie Tir wirklich nicht wehe getan?" „Nein, wirklich nicht", antwortete sie, den Fächer zu ihrem Gesicht erhebend, um das Beben ihrer Lippen zu verbergen, welches sie nicht unterdrücken konnte. „Amüsierst Tu Ticy, Jane, erfüllt das Fest Deine Erwartungen?" „O ja!" Er entwand ihr den großen Fächer und fragte, leicht fächelnd, weiter: „Und was ist es für’ ein Gefühl, die Schönste auf dem Ball zu sein?" „Ich weiß nicht", entgegnete sie, den Kopf gegen die Kissen lehnend. „Was fühlst Du denn?" fragte der junge Mann lachend. „Ich?" wiederholte sie leise, „ich fühle mich wie in einem Märchen, wartend auf den Zauberschlag, der all das Glück, all die Herrlichkeit ins Nichts versinken läßt." — Die Bitterkeit, mit welcher sie die letzten Worte sprach, veranlaßte ihren Begleiter zu einem erstaunt fragenden Blick. Dies bemerkend, und um den Eindruck des Gesagten zu verwischen, fuhr sie eifrig und lebhaft fort: „Wie angenehm es hier ist; wie hübsch sehen diese bunten, chinesischen Laternen aus! Ist hier außen nicht eine Terrasse? Wie schön müssen die Anlagen im Mondschein sein!" „Hier sind keine irgendwie erwähnenswerten Anlagen", sagte der junge Mann nachlässig. „Jane, ich glaube doch. Du bist ermüdet; das bunte, wilde Treiben hat Dich angegriffen. Weißt Tu, ich war nie gegen das Danzen, hab's selber gern getan, doch heute haßte ich jeden Mann, mit welchem Du tanztest! Ich wollte, ich hätte das Recht, Tir zu verbieten, mit einem andern, als mit mir zu, tanzen." „Hast Du nicht das Recht dazu?" fragte sie mit süßem, scheuem Aufblick. Fest und dankbar umschlossen des jungen Mannes. Finger ihre im Schoße ruhenden Hände. „Es ist ein sehr erniedrigendes Bekenntnis, welches ich Dir machen muß, aber ich bin ein schrecklich eifersüchtiger Mensch; ich glaube, ich brächte es fertig, den Mann umzubringen, der Deine Hand faßt, Dich zärtlich anblickt! O, es "ist ein köstliches Bewußtsein, daß meins' Geliebte noch fast ein Kind ist, mit keuschen Lippen und einem Herzen, frei und unbefleckt von Liebelei! Nicht wahr, meine Jane, Du hast nie eine andere, wenn auch nur vorübergehende Neigung gehabt?" „Nein, nie!" antwortete sie fast unhörbar leise. „Das wußte ich, diese unschuldigen Augen konntet» keine Unwahrheit sprechen", sagte er innig. Beide saßen nun schweigend nebeneinander. Im Saal ging das Tanzen unterdessen munter fort, die sanften Töne der Melodie „Traumland" drangen leicht in das Treibhaus. Nie in späterer Zeit konnte Jane diese Melodie ohne tiefen Schmerz- hören. Nach und nach verstummte die Musik, es wurde eins Pause gemacht. Sir Harry richtete sich aus seiner halst liegenden Stellung mit einem Seufzer auf; die Ruhe war vorüber. Die Gäste kamen plaudernd und lachend in das Gewächshaus, um sich in der angenehmen, erfrischenden. Luft von der Hitze und der raschen Bewegung zu erholen. Ein fremder Ausdruck von Furcht und Starrheit kam in Janes braune Augen. „Dort kommen unsere Anpraller!" bemerkte Sir Harry lachend, als ein blonder junger Mann und an seinem! §Arm ein großes, sehr schlankes Mädchen, langsam näher kamen. Das letztere sprach und lachte geziert, handhabte auch den großen Fächer ebenso. Jane erbebte und lehnte flch tiefer in die roten Kissen zurück. Sie kamen langsam heran, die schweren Falten des rvsaseidenen Kleides schleiften am Boden, der rosa Fächer bewegte sich auf und nieder, des Mädchens helle, blaue Augen blickten fast herausfordernd um sich, als sie stolz aufgerichtet daher schritt. Jane's Herz stand beinah still. Würden diese kühlen, blauen Augen sie im Schatten der Blätter erkennen? Geschah es, dann brach das Verhängnis, unaufhaltsam herein, der Zauber war gelöst, und--u Die Ungewißhert dauerte nicht lange, Julia Smith's lange 886 Schleppe hatte Sir Harry's Fuß berührt, sie drehte den Kopf, und die kalten, blauen Augen ruhten auf Jane's entzückendem, blassen Gesicht. „Jane!" rief sie überrascht, „Du hier? Wie hätte ich denken können, Dich hier zu treffen!" Jane, mit einem Gesicht so farblos wie ihr Kleid, hatte sich erhoben und antwortete mit fast unnatürlicher Ruhe: „Ich habe Dich schon seit einigen Minuten gesehen." „O, dann warst Du es also, gegen die wir rannten", sagte Julia lachend. „Mir erschien das Gesicht der Dame bekannt, aber an Dich, dachte ich nicht, sehr natürlich; denn ich konnte nicht erwarten, Dich hier zu finden. Aber wie kommst Du hierher? Wo hältst Du Dich auf?" fuhr sie mit einem fragenden Blick auf Sir Harry fort, welcher an Miß Grattons Seite getreten war, wohl bemerkend, daß die Begegnung keine angenehme für Jane war. „Ich bin zu Besuch in Pates-Hall!" war die ruhige Antwort. „Geht es Dir gut, Julia?" „In Pates-Hall! Ist es möglich! und —" „Sind alle wohl, Julia, ist Mary auch hier?" fragte Jane in einem Tone, in dem sich Schmerz und Furcht mischten, und der den jungen Mann an ihrer Seite mit Sorge erfüllte. „Nein, Mary ist nicht hier, ich bin mit Mrs. Brown befreundet und einige Tage hier Gast." Mit scharfen Worten fügte sie hinzu: „Ich dächte, Tu müßtest besser wissen als ich, wie es uns allen geht, Willy schreibt Dir ja täglich. Er weiß natürlich, daß Du hier bist?" „Ja, natürlich!" hauchte Jane. „Jane, willst Du mich nicht Deinen Freunden vorstellen?" fiel hier Sir .Harrys Stimme ein, des jungen Mädchens Herz schmerzlich berührend. Ruhig und fvrmgemäß vollzog sich diese Vorstellung, obgleich sie sich über sich selbst wunderte, woher sie hierzu die Kraft nahm; es war wie eine Art Verzweiflung. Julia lächelte beglückt, als Sir Harry sie um einen Tanz bat, und sagte ihm den nächsten zu. Der" junge, schöne Gentleman war ihr längst ausgefallen und es war ihr ein erfüllter Wunsche mit ihm zu tanzen. In diesein Augenblick kam ein junger Herr zu Jane: „Endlich bin ich an der Reihe, Miß Gratton, ich bin glücklich, daß ich Sie gefunden habe." Mit diesen Worten führte er sie aus dem Gewächshaus nach dem Saal, in welchem der Tanz bereits in vollem Gange war. Zurückblickend gewahrte Jane noch wie Sir Harry seine Dame zu dem von ihr verlassenen Sitz führte und sich selbst neben derselben niederließ. Wie Jane diesen Tanz beendet und durchgeführt hatte, wußte sie niemals später. Sie hatte das unklare Bewußtsein, daß sie geplaudert und zugehört, daß sie sogar ab und zu gelächelt hatte. Die Musik erschien ihr taktlos und unruhig, ihre Augen schmerzten von dem Hellen Licht, ihr Kopf schwindelte und tat ihr weh. Und vor einer halben Stunde noch war sie so glücklich und froh gewesen; nun konnte sie es nie mehr sein. Trotzdem bemerkte sie mit dem ersten Blick die Veränderung in Sir Harrys Gesicht, als dieser nun auch seine Dame wieder in den Ballsaal führte. Er war heiter wie zuvor und plauderte munter mit Miß Smith, nur das scharfe Auge der Liebe konnte tief im Hintergründe der glänzenden, grauen Augen jenen Ausdruck von Härte und Starrheit wahrnehmen, jene feinen Falten um den schöngeformten Mund, die vorher nicht dort waren, jetzt aber dem Antlitz einen Zug von unendlicher Verachtung verliehen. Mit Bleischwere siel der Gedanke in Janes gequältes Herz: er weiß alles! Die Musik verstummte nun zur großen Pause; Jaues Herr führte sie zu einem Sitz und sagte: „Wir werden um 12 Uhr speisen, es ist bald so weit; für mich ist wohl wenig Hoffnung, Sie zu Tisch zu geleiten, Miß Gratton? Sie sehen leidend aus! Dennoch hoffe ich Lady Pates wird nicht so früh fahren!" Dann zu Sir Harry gewendet, der herangetreten war: „Sir, Miß Gratton ist ermüdet, sie sieht aus, als könye sie keine Anstrengung mehr ertragen." „Es ist zu warm im Saal; ich wollte Sie eben fragen, Jane, ob Sie etwas frische Luft atmen möchten, auf der Terrasse ist es angenehm, ich hole Ihren Mantel." Zustimmend neigte Jane das Haupt, und Sir Harry hüllte sie sehr höflich,, aber sehr'kalt in ihren Mantel, bot ihr den Arm und führtk! sie durch das Gewächshaus hinaus. 4. Kapitel. Der Mond stand klar am Himmel, sein Silberlicht fiel auf die Terrasse mit dem breiten Steingeländer, welches in den Garten hinabführte. Die Anlagen waren mäßig, aber das zauberische Mondlicht verlieh ihnen eine Vornehmheit, welche sie am Tage nicht besaßen. Das Haus sah stattlicher aus als sonst, die Bäume warfen wunderliche Figuren, bald schienen es Riesen, bald Zwerge, die von den Schatten gezeichnet wurden. Das Mondlicht verändert und verschönt alles. Als das Paar hinaustrat, schloß Sir Harry die Tür, ließ Janes Arm los und bot ihr den seinen nicht wieder. Stumm schritten beide bis an das Geländer, gegen welches sie nun lehnten, Jane war einer Ohnmacht nahe und vermochte sich kaum aufrecht zu erhalten. Aus den Fenstern des Hauses kamen Ströme des warmen, goldenen Lichtes, einen scharfen Gegensatz bildend zu dem bleichen Schein des Mondes; es war hier außen totenstill, leise und gedämpft erklangen die süßen Töne der Musik, welche während des Soupers Mozarts und Verdis schönste Weisen spielte. Nein, nein, es war unmöglich! Und doch, weshalb war sie erblaßt und zitterte sie bei dem Anblick von Julia Smith? Da wußte sie, daß ihr Betrug offenbar wurde, daß ihre Lüge verraten war. „Jane, wie konntest Du mir das autun, wie mich so betrügen!" Es war ein Ton des bittersten Schmerzes, der das Leid verriet, welches in seinem Herzen wühlte. Doch gleich darauf erzwang sich der junge Mann seine äußerliche Ruhe zurück, seine gewohnte, kühle Vornehmheit, nur die Stimme klang heiser von Aufregung und sein Gesicht sah verzerrt aus ■ in dem kalten Mvndlicht. „Noch vor einer Stunde hätte ich mein Leben gegeben für Ihre Treue und Wahrhaftigkeit! Jetzt habe ich nur die Frage: Warum diese Lüge, warum? Verlobt mit einem andern, der Ihnen wahrscheinlich auch vertraut, — der arme Narr! — versprachen Sie, mein Weib zu sein. Wissen Sie nicht, daß die einfachste Sitte wenigstens oie Rücksicht verlangt, der alten Liebe Lebewohl zu sagen, ehe man die neue beginnt?" Kalt und verächtlich blickten seine Augen dabei auf das Mädchen, welches erschauernd und wankend vor ihm am Geländer lehnte. „Ich habe unüberlegt, besinnungslos gehandelt", flüsterte sie tonlos. „Unüberlegt! leichte Ausrede! man nimmt den reicheren Mann für den ärmeren. Meinen Sie, ich glaube noch an Ihre Liebe?" Wie verwundet zuckte Jane bei diesen höhnischen Worten zusammen, entsetzt heftete sie ihre Augen auf ihn. „Sie glauben, daß ich — daß Ihr Geld es war —?" „Was weiter? Doch fürchten Sie nichts! Ich will Ihnen keine Vorwürfe machen/ keine Erklärung verlangen, nur Antwort will ich haben auf die Frage: Hat Julia Smith ein Recht zu sagen. Sie seien mit ihrem Bruder Willy verlobt? Aber die Wahrheit diesmal! „Ja." ,',Unb als Sie mir sagten, er sei nur ein Freund von Robert und von Ihnen, haben Sie gelogen, wissentlich gelogen?" „Ja." Während einiger Minuten herrschte eine Totenstille zwischen den beiden, in welcher man nur das heftige Atmen Sir Harrys hörte. Dann ermannte er sich und sagte: „Wir wollen ins Haus zurück, es ist kalt. Wollen Sie Ihrem Verlobten mein Bedauern melden, daß ich ihn aus kurze Zeit unwissentlich verdrängt hatte." „Halt!" schrie das Mädchen mit einer Stimme, welche kaum noch Aehnlichkeit mit den sonst so sanften Tönen hatte, „halt. Sie müssen mich hören! Denken Sie, ivie groß die Versuchung war, ich liebte Sie, ich fürchtete —" „Ich will und brauche nichts weiter zu hören", rief er zornig, „Sie haben mich belogen, betrogen. Keine Liebe, keine Ergebung vermag das zu entschuldigen. Uebrigens gestatten Sie mir, eine Liebe zu bezweifeln, die zu solchem Betrüge fähig ist." Verzweifelnd seinen Arm ergreifend, rref sie: ,,^cy liebe Dich, Du weißt es; ich liebe Dich, nur Dich allein! Ja, ich bin schlecht, ich habe gelogen! Aber ich sprach die Lüge nur, weil ich Tim so grenzenlos liebe! Ich brn mit Willy Smith verlobt auf den dringenden Wunsch meines Bruders; idj mochte chn gern, er war sehr gut zu mir, und —" „Sie erwiderten seine Güte, dankten sie ihm reichlich! O, er ist ein beneidenswerter Mensch, solch treue, liebende Braut gefunden zu haben!" warf der junge Mann mit bitterem Lachen ein. „Ach, wie hart, wie unerbittlich Sie sind! Wollen Sie kein Mitleid haben? Wollen Sie nicht daran denken, wie jung ich war und wie arm? Ueberall erschien es mir besser, als in unserem Hause, in unserer Armut. Erst als ich hierher kam. Sie kennen lernte — P „Und erfuhren, daß Dateshall und sein Einkommen besser seien als der Preis, welchen Sie zuerst errangen —!" unterbrach er sie mit zornigem Ton und Blick. „Tas war es nicht", stöhnte sie; „das nicht. Wenn Sie arm gewesen wären —" Wieder ertönte das harte,.höhnische Lachen von seinen Lippen. Angstvoll luchten ihre Augen die seinen und in dieselben blickeno sah sie, daß alles vorbei, daß sie seine Liebe verloren. Fortan würde er nur Verachtung und Zorn für sie haben. Dennoch konnte sie eine letzte Ditte nicht unterlassen, und den trüben Blick mit unendlicher Innigkeit auf ihn heftend, mit einer Stimme, in welcher ihr ganzes Empfinden lag, sprach sie: „Wollen Sie mir nicht wenigstens verzeihen? Mein Unrecht war groß, aber größer ist meine Reue. Ich weiß, daß ich falsch, feige und schlecht gehandelt habe, daß ich Ihre volle Verachtung verdiene, aber verzeihen, vergeben Sie mir!" „Vergeben!" wiederholte er bitter. „Welchen Nutzen würde meine Vergebung für Sie haben? Würde Sie Ihnen die Wahrheit und Treue, die Sie für immer verloren haben, wiederbringen?" „Sie wollen mir nicht verzeihen?" klagte sie: „Und Sie meinten, Sie liebten mich?" „Liebte Sie! Ich tat mehr als das, ich glaubte, ich vertraute Ihnen. Mir geschah recht; ich stellte mir ein Götterbild aus! Ich hätte wissen können, daß es tönerne Füße hatte!" In seiner Stimme war unbeschreiblicher Schmerz und Zorn, jeder Funken seiner großen Liebe war erloschen, erstorben durch ihre Falschheit. Tie Enttäuschung war zu bitter, die letzten Wochen waren so glücklich gewesen, es war hart, alles zu verlieren, wieder in die alte Oede und Leere zurücrzukehren, bitter hart, aber er schwankte keinen Augenblick. Wie konnte er die falschen Lippen nochmal berühren, seit er wußte, daß sie willig die Küsse eines andern empfangen? Wer bürgte ihm dafür, daß nicht auch er einen Nachfolger fand! „Soll ich Sie zum Hause zurückführen?" fragte er kalt. - „Wie kann ich jetzt zur Gesellschaft zurück?" „Sie sind eine gute Schauspielerin, Ihre Kunst wird Sie nicht im Stich lassen." Fortsetzung folgt. dreien von der Kost. Indem wir heute die Frage erörtern: „Türfen auf Postsendungen, welche gegen die Drucksachentaxe befördert werden sollen, handschriftliche Zusätze angebracht werden?" glauben wir der Mehrzahl unserer Leser einen Gefallen zu erweisen, denn die darauf bezüglichen Vorschriften werden iin täglichen Leben ebenso oft gebraucht, wie vom Publikum dagegen verstoßen wird. Aber nicht nur der Laie, sondern auch der erfahrene Postbeamte findet sich in dem Labyrinth der Frage: „Welche Postsendungen sind gegen die ermäßigte Drucksachentaxe zulässig?" nur schwer zurecht und kommt immer wieder zu der beschämenden Einsicht, daß unser Wissen Stückwerk ist. „In dubio libertas", ist die Ansicht des Absenders, „in zweifelhaften Fällen sind die Vorschriften strenge auszulegen", so lautet die Weisung der Postverwaltung an ihre Beamten. Es fällt mir nicht ein, eine wissenschaftliche Abhandlung über Drucks fachen schreiben zu wollen, aber — nicht wahr, schöne Leserin, Sie sind doch auch der Ansicht, daß auf Drucksachen 5 Worte handschriftlich beigefügt werden dürfen, und finden es vielleicht gar nicht liebenswürdig, wenn ich Ihnen dieses Recht bestreite; selbst auf diese Gefahr hin möchte ich es wagen, einige Winke über die im täglichen Leben am häufigsten vorkommenden Fälle zu geben. Gegen die für Drucksachen festgesetzte ermäßigte Taxe werden befördert: alle durch! Buchdruck, Kupferstich, Stadlstich, Holzschnitt, Lithographie, Metallographie, Photographie, Hektographie oder ein ähnliches mechanisches Verjähren vervielfältigten Gegenstände, die nach ihrer Form oder sonstigen Beschaffenheit zur Beförderung mit der Briefpost geeignet sind, z. B. Zeitungen und periodische Schriften, broschierte oder eingebundene Bücher, Noten, Visitenkarten, Adreßkarten, Stiche, Photographien und Albums mit Photo- graphieu, Bilder, Zeichnungen, Pläne, Landkarten, Kataloge, Prospekte usw. Den Drucksachen werden gleichgestellt die Vervielfältigungen eines mit der Feder oder der Schreibmaschine hergestellten Schriftstücks, wenn sie durch ein mechanisches polygraphisches Verfahren erlangt sind. Als allgemeine Regel gilt, daß Zusätze oder Aender- ungen, gleichviel ob sie handschriftlich, mit Durchdruck, Punktionen, Unterstreichen, Durchstreichen, Wegschaben, Durchstechen, Ab- oder Ausschneiden von Wörtern oder Zeichen stattgefunden haben, bei Drucksachen nicht gestattet sind. Aber wie alle Regeln, so hat auch diese Ausnahmen: Auf allen Drucksachen, also auch auf den unter Umschlag verschickten, darf der Tag der Absendung, die Unterschrift oder Firma, sowie der Stand und Wohnort des Absenders handschriftlich oder auf mechanischem Wege angegeben oder abgeändert werden; zu der Ortsangabe ist auch die Angabe der Wohnung des Absenders zu rechnen; so darf z. B. auf eilte Ansichtspostkarte geschrieben werden: „Pontresina, Hotel Bernina, den 25. Juli 1903. Wilhelm Berger, stud. med." Es ist auch gestattet, die Karte von einer beliebigen Anzahl von Personen mitunterschreiben zu lassen, ohne daß sie dadurch die Eigenschaft eiuer Drucksacheukarte verliert. Allgemein verbreitet ist die Annahme, daß auf Druck- fachen fünf beliebige Worte handschriftlich angegeben werden dürfen; dieser Irrtum beruht wohl auf einem Mißverständnis. Es ist nämlich zulässig, auf gedruckten Visitenkarten — wohlgemerkt nur auf gedruckten Visiteu- karten — mit höchstens 5 Worten oder mit den üblichen Anfangsbuchstaben (p. f., P. p. re.) gute Wünsche, Glückwünsche, Danksagungen, Beileidsbezeugungen oder andere Höflichkeitsarten handschriftlich hinzuzufügen, zum Beispiel: „Wünsche viel Vergnügen zur Reise"; „Herzliche Glückw.nfche zur Verlobung"; „Besten Dank für freundliche Glückwünsche"; X. U. (gedruckt); „gestaltet sich die innigsten Beileidsbezeigungen" 2C. Für denjenigen, der es versteht, seine Gefühle in fünf Worte zusammenzufassen, ist es also möglich, so ziemlich die ganze im alltäglichen Leben vorkommende Höflichkeitskorrespondenz unter Verwendung gedruckter Visitenkarten (unter Umschlag) gegen die Truäsachentaxe abzuwickeln. Ferner ist' es zulässig, auf Büchern, Musikalien, Zeitungen, Zeitschriften, Bildern (auch Photographien , Landkarten, Weihnachts- und Neujahrskarten eine Widmung hinzuzufügen (handschriftlich w.). Diese Widmung kann z. B. lauten: „In treuer Freundschaft :c."; sie ist keineswegs auf fünf Worte beschränkt, darf aber nicht die Eigenschaft einer eigentlichen und persönlichen Korrespondenz haben. Die offen verschickten Ansichtspostkarten zählen nicht zu den Bildern im Sinne der Postordnung. Es ist deshalb nicht erlaubt, auf einer Ansichtspostkarte, welche offen gegen die Trucksachentaxe befördert werden soll, einen Gruß niederzuschreiben und noch viel weniger einen Gruß und Kuß. Es hilft Sie nichts, schöne Leserin, wenn Sie auch geltend machen, das sei herzlos und ein Kuß sei doch schon au und für sich eine „Druck-Sache" iu des Wortes verwegenster Bedeutung. Mit höheren Mächten läßt sich nicht rechten! Der Empfänger bekommt den Gruß nicht einmal ausgeliefert gegen Entrichtung eines sogenannten Strafportos, denn die Drucksachen, welche den Bedingungen nicht entsprechen- werden nicht befördert, sondern dem Absender zurückgegeben, oder, wenn dieser nicht zu ermitteln ist, zurückgelegt und später vernichtet. Wer auf eine Ansichtspostkarte mehr schreiben will als die eingangs aufgeführten zulässigen Vermerke, muß sie mit 5 Pfg. (als Postkarte) frankieren, daun kann er darauf schreiben, so viel er will. Menn ein Amateurphotograph auf der Reise ein Bild fertigt, dieses in einen offenen Umschlag steckt und eine schristliche Widmung beifügt, so wird die Sendung gegen Trucksachentaxe befördert, denn die Photographie bildet den Inhalt der Sendung und ist ein Bild im Sinne der Postordnung; wenn aber der Absender ein solches Bild auf eine oisene Karte auiklebt. so ist das Bild ein Teil der Karte, und — 688 — das Ganze wird ebensowenig als ein Bild im Sinne d-er Postordnung angesehen wie eine offen zur Versendung kommende Ansichtspostkarte; in diesem Falle ist also eine schriftliche Widmung nicht zulässig. Tie aus den Bahnhöfen rc. mittelst Automaten zum Verkauf gestellten Farbenphotographien sind als Bilder im Sinne der Postordnung anzusehen (sie werden unter Streifband verschickt); es darf ihnen also eine Widmung beigefügt werden, welche sich — entgegen der Angabe auf den Automaten — nicht notwendig aus sünf Worte zu beschränken hat. In vorgedruckten Einladungs- und Einberuftingskarten darf der Name der Eingeladenen oder Einberufenen, sowie Zeit, Zweck und Ort der Zusammenkunft vermerkt werden, dagegen ist es nicht zulässig, vorgedruckte Empfangsbescheinigungen, in welchen der Betrag, für den quittiert wird, oder vorgedruckte Mahnbriefe, in welchen der Gegenstand, der in Erinnerung gebracht wird, handschriftlich oder auf mechanischem Wege eingetragen oder abgeändert ist, gegen die ermäßigte Truckfachentaxe zu befördern. Diese beiden letzten Beispiele werfen ein glänzendes Licht auf die menschenfreundliche Gesinnung der Postverwaltungen: während sie die lästige Einrichtung, Rechnungen zu bezahlen, nicht unterstützen, leisten sie der Veranstaltung von Lese-, Tee-, Tanz-, Kaffee- rc. Kränzchen und sonstigen geselligen Zusammenkünften nach Kräften Vorschub. Schwirrt Ihnen schon der Kopf, schöne Leserin, oder wollen Sie noch mehr wissen? Nun denn: es ist gestattet, Druckfehler zu berichtigen, gewisse Stellen des gedruckten Textes zu durchstreichen, um sie unleserlich zu machen, Worte oder Teike des Textes, auf welche man die Aufmerksamkeit zu lenken wünscht, durch Anstriche hervorzuheben und zu unterstreichen. Wenn dagegen durch Unterstreichen einzelner Wörter oder Zeichen, die in ihrer Verbindung einen besonderen Sinn ergeben, ein neuer Text hergestellt wird, so ist ein derartiges Unterstreichen als eine auf Umgehung des Briefportos abzielende Zuwiderhandlung gegen die Be- stimmung der Postordnung anzusehen und die Drucksache als unzulässig von der Beförderung auszuschließen. Es ist gestattet, Modebilder, Landkarten rc. auszumalen, bei Ausschnitten aus Zeitungen, Zeitschriften und Büchern handschriftlich oder aus mechanischem Wege Titel, Tag, Nummer und Adresse der Veröffentlichung, welcher der Artikel entnommen ist, hinzuzufügen. Weitere Ausnahmen erstrecken sich auf die kaufmännische, buchhändlerische und sonstige Geschäftskorrespondenz. Nnentwertete oder entwertete Postfreimarken dürfen innerhalb Deutschlands gegen die ermäßigte Taxe für Drucksachen versendet werden, nicht aber nach dem Ausland. Tie Drucksachenversendungen müssen offen, und zwar entweder unter Streif- oder Kreuzband oder umschnürt oder in einem offenen Umschlag oder aber in einfacher Weise zusammengesaltet eingeliefert werden, sodaß ihr Inhalt leicht geprüft werden kann. Drucksachen in Form offener Karten dürfen die Größe der Formulare zu Postpaketadressen nicht wesentlich überschreiten und nicht die Bezeichnung Postkarte tragen. Briefe dürfen den Drucksachen nicht beigefügt werden. Sie haben vielleicht, schöne Leserin, einen Bruder in Amerika, den Sie über die Ereignisse in der Heimat dadurch auf dem laufenden halten, daß Sie ihm abwechslungsweise das einemal einen Brief, das anderemal einen Bund Zeitungen schicken. Sie sind eben am Zusammenpacken der Zeitungen und wissen, daß Sie einen Brief nicht beilegen dürfen, wenn Sie von der Trucksachentaxe Gebrauch machen wollen, aber Sie können es auch nicht übers Herz fringen, Zeitungen abzuschicken, ohne ein Wort, eine kurze Nachricht beizufügen; ganz zart und einfach schreiben Sie mit Bleistift auf den Rand einer Seite: „Papa geht es gut", und weil Sie schon dran sind, auf eine weitere Seite möglichst versteckt: „Schreibe doch bald wieder". Warten Sie, warten Sie! Jeder Postbeamte hat das Recht, die Sendung darauf zu prüfen, ob sie Zusätze enthält, welche die Beförderung gegen die Trucksachentaxe ausschließen, und es wäre Ihnen doch gewiß nicht angenehm, wenn Sie über einem solchen Vergehen ertappt würden? Oder verlassen Sie sich darauf, daß die Postbeamten nicht alles ansehen? Es ist eine Eigentümlichkeit der Damen, daß sie ein unbegrenztes Vertrauen in die Haltbarkeit auch der unzulänglichsten Streifbänder setzen; tatsächlich halten diese auch häufig gerade so lauge, bis das Dienstmädchen die Sendung in den Briefkasten eingeworfen hat. Die Post- leute können dann sehen, tote sie mit den fliegenden Blättern zustande kommen. In derselben Zeit und mit derselben Mühe, mit der ein Bund Zeitungen rc. in ein ungenügendes Streifband mangelhaft verpackt wird, läßt er sich in ein die Zeitungen vollständig umhüllendes, widerstandsfähiges Papier einschlagen und mit einem kräftigen Bindfaden kreuzweise umschnüren, daß die Schlaufe von dem Postbeamten, der eine Prüfung vornehmen will, leicht geöffnet werden kann; in dieser Verpackung kann die Sendung die Reise um die Erde antreten, ohne Schaden zu leiden. LAerarisches. — Ein SOjähriges'Jub iläum. Unsere heutige Zeit ist wahrlich nicht arm an Jubiläen und es ist Mode geworden, selbst die unbedeutendste Gelegenheit zum Gegenstände einer mehr oder weniger geräuschvollen Festlichkeit zu machen. Wenn aber in unserem raschlebigen und nüchternen Zeitalter schließlich doch dem feierlichen Begehen: eines sich jährenden, wenn auch vielleicht wenig redenswerten Ereignisses eine gewisse Berechtigung nicht abgesprochen werden kann, um wie viel mehr geziemt es sich, die Jubelfeier einer Zeitschrift zu begehen, die sich nun schon ein halbes Jahrhundert hindurch^ rastlos und unentwegt der Jugend gewidmet hat? Der Name JsabellaBraun hat einen guten Klang. Es ist ein Name, der alte Erinnerungen wachruft, — Erinnerungen an die Jugendzeit, an glückliche Stunden im Elternhause. Wer hätte noch niemals etwas von der Isabella Braun gelesen — wer noch nie von deren Jugendblättern gehört? Die Jugendblätter von Js. Braun dürfen als die erste und älteste derartiger literarischer Erscheinungen gelten. Ihre Gründung fällt in das Jahr 1851. Die Gründerin ging mit Eifer an ihr Werk, und da sich diesem alsbald das ganze Wesen ihrer sympathischen und gediegenen Persönlichkeit aufprägte, konnte es nicht ausbleiben, daß die Jugendblätter überall gefielen und die grünen Monatshefte jedesmal freudig be- willkommt wurden. Glänzend waren die Namen, die ihre Feder in den Dienst der Jugendschrift gestellt hatten und die meisten derselben, wie Graf Pocci, Güll, Kobell, Geibel rc. blieben derselben bis zum Tode getreu. Am 2. Mai 1886 schloß Isabella Braun int Alter von 70 Jahren für immer die Augen. Groß und allenthalben war die Trauer um sie, und mancher fragte sich bange: wie mag es nun den Jugendblättern ergehen? Aber, wie eine gute Hausmutter für ihre Kinder sorgt, so war auch die fürsorgliche Dichterin für einen kräftigen Hinterhalt bedacht gewesen, und eine stattliche Corona treuer Mitarbeiter behütete das Erbe der Entschlafenen und pflanzte es in deren Geiste weiter. Heute nun überschreiten die Jugendblätter die Schwelle eines halben Jahrhunderts und treten in ihr fünfzigstes Erscheinungsjahr. Der jetzige Verlag int Verein mit dem nunmehrigen Schriftleiter Oberlehrer Metlinger haben es sich zur Ehrensache gemacht, die Jugendblätter nicht nur im Geiste der Gründerin toeiterzuführen, sondern dieselben insbesondere auch nach der künstlerischen Seite hin auf der Höhe einer erstklassigen Jugendschrift zu erhalten. Die Nummer 1 des Jubiläums-Jahrgangs ist bereits erschienen. Der Verlag der Jugendblätter München II, Schillerstraße 28, ist bereit, jedermann, der sich für die Jugendblättcr interessiert, eine Probenummer gratis und franko zuznseudett. Scherz-Charade. Durch Frankreichs Auen stießet Tas erste Silbenpaar Tas andre: durch die Lüste Zieht ihre dunkle Schar. An diese beiden Paare Füg einen Teil von dir. Tann sollst Du, Freund, verleben Das ganze heut bei mir! Ich sielst in meiner Laube Ein Bowlchen vor uns hin. . . Solch Trank beim warmen Ganzen Ist recht nach meinem Sinn! (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Buchstabenrätsels in vor. Nr.r Fürst, First, Forst. ■ Redaktion: Augu sl Eötz. — Notatioustruü und L erlag der 8 rü kl'M en l'viversltötk-Tnä - und k teindriMerci. R. Lange, Eießen.