y&nkacrr-l7 1903. 105, 'MM gÄleij ä AL WMM MMz. so will ich Ihnen gestehen, daß ich diese Vorurteile bewundere." In diesem Augenblicke langten andere Gäste an, und kurz darauf zog Paul sich, zurück. 5. Kapitel. Der Baron. Unter den Besuchern, die Paul in dem kleinen Salon Ettas zurückließ, befand sich der Baron Claude von Chaux- ville, Baron von Chanxville und Chauxville-le-due in der Provinz Seine-et-Marne, Attache der französischen Botschaft am Hose von St. James, in den Augen der Menschen ein anfsteigender Diplomat, in den Augen Gottes — wer kann das sagen? Dieser Herr blieb zurück, nachdem die anderen Besucher sich entfernt hatten; als Fräulein Nelly sah, daß er die Absicht hatte, seinen Besuch zu verlängern, murmelte sie irgend einen unzureichenden Vorwand und verließ das Zimmer. Fräulein Nelly Delafield, eine vernünftige junge Dame von jener Schlichtheit, die eigentlich gar nicht Schlichtheit, sondern Herzensunschuld ist, machte sich ihre eigenen Gedanken darüber, wie ein Mann beschaffen sein muß, und Herr von Chanxville hatte das Unglück, dieser Vorstellung nicht zu entsprechen. Er war ihr zu epigrammatisch, und zuweilen hatte sie das Gefühl, daß sich unter dem Glanze seiner Epigramme etwas Dunkles und Widerwärtiges verberge. Ihr Verhalten gegen ihn war jedoch vollkommen höflich. Trotzdem Herr von Chanxville den Ruf hatte, einen gefährlichen Zauber zu besitzen, vermochte er Fräulein Nelly weder zu bezaubern, noch einzuschüchtern. Aus diesem Grunde konnte er sie nicht leiden. Seine Eitelkeit war gewaltig, und wenn ein Franzose eitet ist, so ist er es vt kindischem Maße. 418 Herr von Chauxville betrachtete mit einem wunderlichen Lächeln die Tür, die sich hinter Fräulein Nelly schloß. Dann drehte er sich plötzlich auf dem .Absatz um und blickte Frau Etta an. „Ihre Kousine ist der Typus einer Engländerin, sie verbirgt ihre Liebe", sagte er. „Zu Ihnen?" fragte Frau Etta. Der Baron zuckte die Achseln. „Möglich; das weiß man ja nicht. Auf jeden Fall verbirgt sie sie, wenn sie existiert, sehr gut. Es läßt mich jedoch gleichgiltig. Die Tugend des Veilchens ist vielleicht ihr eigener Lohn, denn die Rose trägt immer den Sieg davon." Er schritt durch das Zimmer auf Frau Etta zu, die neben dem Kamin stand. Ihre linke Hand hing müßig an der Seite herab. Er ergriff die weißen Finger und führte sie galant an die Lippen. Wer ehe sie noch diesen Quell der Wahrheit und Weisheit erreicht hatten, riß sie ihre Hand fort. Herr von Chauxville lachte in jener ruhigen und sicheren -Weise, wie ein Mann lacht, der weiß, daß der Kühne jedes Weib gewinnen kann. „Ich merke, daß die Rose Dornen hat", sagte er. „Noch ein Grund mehr, warum das Veilchen hors con- cours ist." Etta kachelte beinahe versöhnt. Sie war vor ihrer eigenen Eitelkeit nie ganz sicher. „Mir scheint, das Veilchen zeigt wenig Lust, mitzu- konkurrreren", sagte sie. „Weil es weiß, daß das Rennen nicht immer, aber doch gewöhnlich von dem Schnellsten gewonnen wird", entgegnete Herr von Chauxville. „Bitte, stehen Sie doch nicht. Es erweckt den Gedanken, daß Sie mein Gehen oder das Kommen eines anderen abwarten." „Keins von beiden." „Dann beweisen Sie es, indem Sie sich auf diesen Stuhl setzen. So, nahe beim Feuer, denn es ist ziemlich kühl. Ein Fußschemel? Jst's erlaubt, Ihre Pantöffelchen — oder was von ihnen sichtbar ist — zu bewundern? Jetzt scheine ich es Ihnen recht bequem gemacht zu haben." Er sorgte für ihre Bedürfnisse, erriet sie und rief sie vielleicht selbst mit vollendeter Anmut und allzu großem Verständnis hervor. Als Ritter des Parketts war er tadellos, und Etta mußte an Paul denken, der nichts von diesen Dingen verstand oder verstehen wollte, an Paul, der sie nie wie eine Puppe behandelte. „Wollen Sie nicht auch Platz nehmen?" sagte sie, auf einen Stuhl deutend, den er nicht nahm. Er wählte einen, der näher bei ihr stand. „Nichts wäre mir erwünschter." „Als was?" fragte sie. Ihre Eitelkeit war wie ein hungriger Fisch; sie schnappte nach allem. „Als ein Stuhl in diesem Zimmer." „Das ist ein bescheidener Wunsch. J'st das wirklich alles, was Sie auf dieser Welt wünschen?" „Nein", antwortete er, indem er sie anblickte. Sie brach in ein leises Lachen aus und machte eine etwas hastige Bewegung. „Ich wollte schon sagen, daß Sie dies Glück zu gewissen, bestimmten Zeiten haben könnten, so oft ich Nicht zu Hause bin." „Es freut mich, daß Sie das nicht sagten." „Warum?" „Weil ich mich dann auf Erklärungen hätte einlassen Müssen. Ich habe Ihnen nichr alles gesagt." Frau Etta blickte in das Feuer und hörte ihm nur halb zu. Zwischen diesen beiden war stets etwas wie ein Duell. Jeder von ihnen dachte mehr an das nächste Parieren, als an den gegenwärtigen Hieb. „Sagen Sie denn je alles, Herr von Chauxville?" fragte sie. Der Baron lachte. Vielleicht wär er eitel auf seinen Rus, denn dieser Mann galt für einen vollendeten Diplomaten. Ein vollendeter Diplomat ist ein Mensch, der ein gefährlicher Feind und ein unverläßlicher Freund ist. „Wenn man es genau bedenkt", fuhr die kluge Frau fort,-der das Schjveigen des klugen Mannes nicht gefiel; »Wen« man es bedenkt, wäre jemand, der alles sagt, unerträglich." „W giebt gewisse Dinge, qui vont sans dire", sagte Herr von Chauxville. „Wirklich?" murmelte sie, indem sie lässig über die Schultern zu ihm hinüberblickte. Er war vorsichtig, denn er kämpfte jetzt auf einem Felde, das Frauen mit Recht als ihr eigenes beanspruchen können. Er liebte Etta wirklich und bemühte sich, die Bedeutung; einer leichten Veränderung in ihrenr Tone gegen ihn abzuschätzen, — einer so geringfügigen Veränderung, daß wenige Männer sie herausgefühlt hätten. Aber Claude von Chauxville, ein erfahrener Steuermann in den Untiefen der menschlichen Natur, besonders in jenen Untiefen, die sich Weltdamen nennen, Claude von Chauxville kannte den Wert der geringsten Veränderung im Benehmen, wenn diese Veränderung sich mehr als einmal zeigte. Jener gleichgiltige Klang in Ettas Stimme war ihm zuerst am vorhergehenden Abend aufgefallen, und der Attache ließ sich nicht täuschen. „Manche Dinge", fuhr er mit einer Stimme fort, die sie noch nie von ihm gehört hatte, denn dieser Mann war von Natur aus künstlich, „manche Dinge, die eine Frau gewöhnlich weiß, ehe sie gesagt werden." „Was für Dinge sind das, Herr Baron?" Er brach in leises Lachen aus. Er war so selten aufrichtig, daß er ordentlich schüchtern und verlegen wurde; seine eigene Aufrichtigkeit überraschte ihn. „Daß ich Sie liebe, — das wissen Sie schon längst." Das Gesicht, das er nicht sehen konnte, war nicht gerade das Gesicht einer guten Frau. Etta lächelte vor sich hin. „Nein", antwortete sie beinahe im Flüstertöne. „Ich glaubte wenigstens, daß Sie es wüßten", vei> besserte er sich sanft. „Wollen Sie mir die Ehre erweisen, meine Gattin zu werden?" Die Sache war in ganz korrekter Weise vor sich gegangen. Claude von Chauxville hatte seine Selbstbeherrschung wiedergewonnen und vermochte wieder an die Reichtümer zu denken, die sie offenbar besaß: aber trotz aller dieser Gedanken liebte er die Frau wirklich. Die Dame senkte ein wenig den Federfächer, den fiel zwischen ihr Gesicht und das Feuer hielt, und studierte, ohne an die Gefahr zu denken, in die sie ihren Teint versetzte, ein paar Augenblicke die glühenden Kohlen. Offenbar wog sie etwas oder jemanden im> Geiste ab. „Nein, mein Freund", antwortete sie endlich auf Französisch. Das Gesicht des Barons wurde blaß und verzerrt. Unter seinem zierlichen schwarzen Schnurrbart blitzten, während er sich in die Lippen biß, einen Augenblick die scharfen weißen Zähne auf. Er trat näher an sie heran, legte seine Hand auf die Rücklehne des Stuhles und blickte aus sie hinab. Er vermochte nur das schön geordnete Haar und das rein geschnittene Profil zu sehen, denn, obwohl sie die Hand dicht neben ihrer Schulter fühlte, fuhr fie fort, ins Feuer zu blicken. „Nein, mein Freund", wiederholte sie. „Wir kennen einander zu genau; es würde zu nichts Gutem führen." „Aber ich sage Ihnen ja, daß ich Sie liebe", antwortete er ruhig, mit vollkommen beherrschter Stimme. „Ich wußte nicht, daß das Wort sich in Ihrem Wörterbuch befindet. Sie — ein Diplomat!" „Und ein Mann — Etta!" Der Fächer wurde euren Augenblick abwehrend erhoben; wahrscheinlich, um gegen die Anwendung ihres Vornamens zu protestieren. Er wartete, — Passivität war eine seiner stärksten Seiten. Er hatte damit schon viele eingeschüchtert. Plötzlich drehte sie sich mit einer arrmutigen Bewegung im Sessel um, schaute zu ihm auf und brach in ein fröhliches Gelächter aus. „Mir scheint. Sie nehmen es wirklich ernst?" rief sre. Er blickte ruhig auf ihr Gesicht hinab, ohne daß ihr Stimmungswechsel einen Muskel an ihm zucken ließ. „Sehr klug", sagte er. „Was?" fragte sie, noch immer lachend. „Die Haltung, die Stimme, alles. Sie wußten me ganze Zeit über, daß ich es ernst meinte, Sie wußten es seit dem letzten halben Jahre. Haben Sie mich,doch osr genug gesehen, wenn ich — nun, wenn ich es nicht ernit meinte." Etta erhob sich rasch. Irgend ein Blitz weiblichen Instinkts bewog sie dazu. In aufrechter Stellung war sre größer als Herr von Chauxville. 419 „Wir werden doch nicht tragisch werden", sagte sie kalt. „Sie baten mich, Ihre Frau zu werden, — warum —> das weiß ich nicht. Der Grund wird wahrscheinlich später zutage treten. Ich weiß diese Ehre zu schätzen, aber ich lehne sie dankend ab. Et voila tout." „Verzeihen Sie, das ist noch nicht alles", verbessert« er mit gefährlicher Sanftmut. „Ich erkenne das Vorrecht Ihres Geschlechtes an, das letzte Wort bei allem zu behalten; in dieser Angelegenheit bin ich jedoch geneigt, es dem Individuum abzusprechen." Etta Beaumont lächelte. Sie lehnte, das Kinn auf die zierlichen Finger gestützt, am Kamm, zuckte die Achseln und wartete. Herr von Chauxville war eitel, aber klug genug, seine Eitelkeit zu verbergen; er war verletzt, aber Mann genug, das nicht sehen zu lassen. Unter der Passivität, die ihm von Natur aus und durch lange Uebung eigen war, hatte er gelernt, rasch zu denken. Nun aber befand er sich im Nachteile. Seine Liebe für Etta, der Anblick Ettas, wie sie so kühn, so verwegen schön vor ihm stand, der Gedanke, daß sie nie sein werden würde, entnervte ihn. (Fortsetzung folgt.) Mutterauge und Mutterliebe. Kennst Du jenes Ange, das gleich einem ztveiten Schuhgeiste mit wachsamen Blicken das Kind vor vielen Fährnissen hütet, dessen seelenvolle Teilnahme all Würden und Bürden unseres Erdendaseins gleich einem lieblichen Stern verklärt, und das noch nach seinem Erlöschen tvie ein sanftes Abendrot hineinstrahlt in das Dunkel des Lebens — das Mutterauge? Es übertrifft an Milde und Schärfe alle übrigen und dringt bis in die tiefsten Tiefen der Seele, sodaß, wenn alle irren, das Mutterauge sich so leicht nicht irrt. Schauen wir hinein in unsere deutsche Literatur. Der Wanderbursche, der mit bestaubtem Haar und sonnverbranntem Antlitz aus der Fremde und Ferne heimkehstt, von wem wird er zuerst erkannt? Nicht von dem Zöllner, feinem Jugendfreunde, bei dem er so manche frohe Stunde bei Sang und Becherklang verlebte, selbst nicht von seiner Braut, mit der er doch früher so manchen Augengruß gewechselt, die vor seiner Wanderung so oft durch die beiden Hevzensfenster seiner froh leuchtenden Augen in seiner Seele gelesen hatte: Ich bin dir gut, ich bleib' dir treu, sondern: Wie sehr auch die Sonne sein Antlitz verbrannt, Das Mutter äug' hat ihn doch gleich erkannt. Selbst die entstellenden Spuren des Todes vermögen das Mutterauge nicht zu täuschen. Dieses bezeugt uns im Liede Meißners jene böhmische Mutter, die nach der Schlacht an der Moldau in den Hussitenkriegen am User dieses Flusses harrt und die dichte Schar der Leichen an ihrem suchenden Auge vorbeitreiben läßt. Als in diesem dichten Knäuel auch ihr Sohn naht, da ist sie keinen Augenblick im Zweifel. Mit einem den Tod verachtenden Mute sucht sie die teuere Leiche den Fluten zu entreißen; aber vergebens : Die böhmische Mutter, der böhmische Sohn, Sie treiben auf jagenden Wellen davon, Im Krampfe verflochten die Hände. Eine ähnliche Schilderung von der physischen und psychologischen Schärfe des Mntterblickes gibt uns Robert Prutz in dem Gedichte: Die Mutter des Kosaken. Auch hier kauert m dunkeler Nacht eilte Mutter am Ufer des reißenden Stromes, der das Schlachtfeld bespült, und läßt das Auge schweifen, „das heller flammt, als aller Sterne Glut!". Auch hier irrt das MNtterauge sich nicht, denn: Dort, plötzlich dort! Ihr Herz hat nicht gelogen. Dorthin, o schau'! Ihr Auge kennt ihn schon: ~^r s.chchs ^ k°rt, das Haupt zurückgebogen, Allmacht'ger Himmel, ja, es ist ihr Sohn! Sehr schön ist auch in der h. Schrift die Schilderung von der Heimkehr des jungen Dobias. Die Eltern hatten iWn einzigen Sohn, den Stab ihres Alters, in die Fremde geschickt, und da er länger ausblieb, fingen sie über die Maßen zu trauern an. Jeden Dag saß feine Mutter am Wege auf dem Gipfel eines Berges und ließ den Blick schweifen, da sie vermeinte, ihn gleichsam herbeischauen zu müssen. Endlich sah sie den geliebten Sohn von ferne und erkannte ihn augenblicklich. Und ihr von der Fülle der Jahre wohl schon getrübtes Ange hat sie in diesem Falle, wo es sich um die Erkennung ihres Kindes handelte, nicht getäuscht, denn nach einer kurzen Weile traf er ein. Und was ist es, was das Mutterauge so hell und klar, so sicher macht? Es ist die Mutterliebe, jene starke Macht, die, stärker als der Tod, um des Kindes willen alles wagt, alles duldet, alles trägt. Sie ist jene belebende Sonne, unter deren warmem Strahle die junge Menschenknospe sich entfaltet wie eine Mairose im Lenze. Darum werden auch ihre Spenden an das kindliche Gemüt am längsten und vollkommensten bewahrt, „denn alles, was bekränzt von den Blumen der Liebe auf den Altar des Herzens niedergelegt wird, besitzt eine wunderbare Zauberkraft, das Böse fernzuhalten". Aus diesem Grunde erblicken wir auch in unseren von Sturm und Drang durchwehten Zeitverhältnissen in den christlichen Müttern die vorzüglichen Pioniere, welche mit dazu berufen sind, dem verderblichen Strome unserer vielen Zeitiibel einen festen Damm entgegenzufetzen. Sie können wirksam dazu beitragen, manche brennende Zeitfrage auf friedliche Weise ohne Schwert und Blut lösen zu helfen- indem sie als Hüterinnen der Religion, guter Sitte und praktischer Tüchtigkeit vor den gähnenden Abgrund treten, der sich vor uns aufgetau. Dieses Ziel können sie dadurch erreichen, daß sie hie Familie wieder zu einem Heiligtum machen, indem die heiligsten Güter der Menschheit ihre Altäre haben, ferner daß sie der Erziehung der ihnen von Gott geschenkten Kindern jene Sorgfalt und Pflichttreue zuwenden, welche diesem wichtigen Geschäfte gebührt. Auf der Stirne der Jugend dämmert nämlich die Morgenröte einer besseren Zukunft. Die Mütter aber — nicht di« Schule — ist die erste Lehrerin und Erzieherin des Kindes und dieses in einer Zeit, wo die Herzen am empfänglichsten, die Eindrücke am wirksamsten und dauerhaftesten sind. Und wenn daher auch später das eine oder andere Schäslein im Strudel des Lebens vom rechten Pfade abirren und in den Wogen der Versuchungen Schiffbruch leiden sollte, so ist doch seine Rückkehr nicht ausgeschlossen, denn die Saatkörner, die üt der Jugendzeit in die sruchjtver- heißendeu Herzensfurchen ausgestreut werden, verlieren sobald ihre Keimkraft nicht, und gerade in den Stunden der Gefahr reifen sie die schönsten Früchte. Wie oft hören und lesen wir, daß Menschen, die schon vollständig Sklaven der Sünde waren, in denen jeder Funke edler Gefühl« vollständig erloschen schien, durch den Hinweis ans ihre schuldlose Jugendzeit und das Wort und Beispiel ihrer vielleicht schon längst verklärten Mütter wieder höheren Regungen zugänglich wurden, wie in ihnen ein sehnsuchtsvolles Heimweh erwachte nach den Stunden, wo Unschuld, Glaube und Gottesfrieden nocyZin ihren Herzen wohnten. Wie ein schöner Frühling dem Jahr ein freundliches Gepräge, ein sonniger Morgen dem Tage seinen Eindruck gibt, so wirkt auch eine gute Erziehung durch eine innig fromme Mutter durchs ganze Leben hindurch, und die Rückerinnerung an ihr verklärtes Bild wird dem Schwankenden ein Stab, dem Gefallenen aber zum Rettungsanker. „Die Kraft edler Jugendeindrücke", sagt K. Stoy, „wie sie ein christliches Mutterherz geben kann, überwindet vieles Böse, und nach vielen Jahren strahlt mitten aus dem Dunkel der erste Schein der Liebe wieder und nur herrlicher hervor. Oder hat jemals ein edler Sohn der edlen Mutter vergessen? Wie oft mag schon an dem Hügel, unter dem ein treues Mutterherz schlummert, die Träne der Reue geflossen und der Schwur der Besserung erneut worden sein. Und so, wie die Mutter unter Tränen und Augst den mit den Wogen des Lebens kämpfenden Jüngling voin Ufer aus mit dem sehnenden Auge ohne Unterlaß sucht, so verliert das Kindesauge der Mutter Antlitz aus allen seinen Wanderungen durchs Leben nimmer atiS dem Gesichte. Ja, am Mend des Lebens, wenn das matte Auge sich zu den blauen Bergen der Kinderzeit zurückwendet, da steigt hernieder von den Höhen die verklärte Gestalt dep Mutter ihm entgegen, und es labt sich an den lieben, teuren Zügen!" 420 Gemsinnütziges. * Zigarrenasche gegen Insektenstiche. Von dem Salmiakgeist, dessen günstige Wirkung aus frische Insektenstiche allgemein bekannt ist, kann man auf Wander- ungen vielfach keinen Gebrauch machen aus dem einfachen Grunde, weil derselbe nicht Kur Hand ist. Gin einfacheres Mittel, um die infolge eines Insektenstiches auftretenden Schmerzen und die Schwellung zu verhüten oder zu be- seitigeu, bietet die Zigarrenasche, die meist eher zur Hand ist. Man bringt etwas Asche von einer Zigarre, Zigarette oder aus einer Pfeife auf dre Stichstelle, fügt einen Tropfen Wasser hinzu (im Notfall auch Bier, Wein, Kaffe) und reibt den entstandenen Brei tüchtig aus die Stelle ein. Am besten ist es natürlich, frische Asche zu verwenden, da dieselbe infolge des vorher erfolgten Ausglühens am besten Garantie dafür bietet, daß eine Verunreinigung ausgeschlossen ist. Die Wirkung der Dabaksasche beruht auf dem Gehalt an Kaliumkarbonat, welches die von dem Insekt beim Stechen in die kleine Wunde beförderte Säure ab- stumpst und wirkungslos macht. * Gewittersurcht. Die Gewittersurcht macht sich allsommerlich bei vielen, besonders bei nervösen .JeuteU geltend, und da mögen einige Winke nicht unwillkommen sein, wie man sich bei einem Gewitter am zweckmäßigsten zu verhalten hat, d. h. welche Vorsichtsmaßregeln mau gegen die Blitzgefahr zu treffen vermag. Vor allem hüte man sich, tvenn man von einem Gewitter auf freiem Felde überrascht wird, schnell zu laufen, da erfahrungsgemäß! der Luftzug und die verstärkte Ausdünstung der Haut eine Anziehungskraft auf den Blitz ausüben. Ebensowenig suche man, wenn man sich während eines Gewitters im Walde befindet, direkten Schutz unter einem Baum; die vielen Unglücksfälle, die aus dieser törichten Maßnahme entstanden sind, geben alljährlich in den Zeitungen zu den eindringlichsten Warnungen Anlaß. Gerade die entsprechende Entfernung von einem Baum macht es wahrscheinlich!, daß derselbe für uns zum Blitzableiter wird. Auf einer baumlosen Ebene vom Gewitter überrascht, tut man am besten, sich! auf den Erdboden zu fetzen oder zu legen. Lieber ein wenig naß, als vom Blitz getroffen werden. Heuhaufen oder Korngarben zum Schutz aufzusuchen- vermeide man, vor allem aber hüte man sich, den Schirm aufzuspannen, dieser würde eine große Gefahr mit sich bringen. Da der Blitz sich stets die höher auf der Erde gelegenen Punkte aussucht, darf man sich auch nicht allzu nah an einen Mastbaum, eine Fahnenstange, einen Eisen- oder Draht- zann begeben. Dies sind, die wesentlichsten Vorsichtsmaßregeln, deren man sich zu bedienen hat, wenn man sich bei einem Gewitter im Freien befindet. Für den Aufenthalt inr Hause ist jedoch folgendes zu beachten. Hier hat man sich zunächst von der Gaskrone, der Wasserleitung und dem Schornsteine fernzuhalten, speziell letzterer zieht als hervorragendster Punkt des Hauses leicht den Blitz an und führt ihn mit den Regentropfen, die bekanntlich ein guter Letter sind, ins Innere. Zug ist unter allen Umständen zu vermeiden, ebensowenig soll aber in den Zimmern, namentlich wenn sich viele Personen darin be- findeir, eine dumpfe, stickige Atmosphäre herrschen. Man lasse während eines Gewitters stets das Fenster offen, setz« sich aber nicht an dasselbe, sondern halte sich in einer gewissen Entfernung davon auf. Zum Schluß noch einige Worte über die sachgemäße Behandlung vom Blitz Getroffener. Man bringe den Verunglückten zunächst so rasch als möglich an einen kühlen Ort. Hier befreie man ihn von beengenden Kleidern, bespritze sein Gesicht mit frischem Wasser und nehme eilte kühle Abwaschung des Körpers vor, wobei man aber kein Tuch oder Schwamm gebraucht, sondern mit deß wärmen Händen die Haut reiht. Das wird bei Betäubung oder Ohnmacht genügen. Ist aber bereits Scheintod eingetreten, so versuche man in erster Linie und mit großer Beharrlichkeit mittelst künstlicher Atmung die Lungen- und Herztätigkeit wieder zu wecken, bürst« Handflächen und Fußsohlen; auch eine kräftige kühle Ganz- abreibung ist von großem Nutzen. Die Wiederbelebung erfolgt gewöhnlich unter Konvulsionen und heftiger Pulsation am Kvpfe und Halse. Etwa sich einstellender Schweiß tmd Schlaf müssen ungestört bleiben. * Sommerkleider zu reinigen. Bei Waschbären stoffen ist die Reinigung mit Wasser und Seife sehr einfach, nicht so bei hellest wollenen oder auch halbwollenen Kleidern und Blousen, die meist nur durch die chemische Waschanstalt wieder tadellos herzustellen sinh. Solche hellen Stoffe kann man indessen auf folgende Weise leicht und sicher sauber erhalten. Man kauft in der Drogenhandlung pulverisierten Gips, füllt ihn ist einen leinenen! Beutel und legt die zu reinigenden Sachen möglichst glatt aus ein Plättbrett. Mit dem mit Gips gefüllten Beutel reibt man den Stoff strichweise stark ab und schüttelt ihn dann gut aus, damit der Gipsstaub entfernt wird. Wenst man schwerere Helle Stoffe, wie z. B. die unteren Kantest Heller Regenmäntel, auf diese Weise reinigt, muß mast außerdem die Sachen gut nachbürsten, wozu man eine! vorher sorgsam gereinigte Kleiderbürste nimmt. Diese Bürste taucht man zum Reinigen vorher in erhitztes Kartoffelmehl und streicht sie auf weißem Papier aus, bis dieses kein« Spur von Schmutz mehr nach dem Mstreichen zeigt. Vermachtes« * Aus dem Tagebuch von Leo Tolstoi, das seit mehreren Jahren angefaitgen ist und später in chronologischer Ordnung herausgegeben wird, teilt uns zum ersten Male „La Revue Parisienne" einige Bruchstücke mit. Daraus ist äußerst interessant folgendes aus einem Briefe Tolstois Vom März 1903, an eine Dame gerichtet: „Seit mehr als 20 Jahren habe ich mein Vertrauen auf Gott gelegt. Und je länger ich lebe, desto fester wird! dieses Vertrauen und während ich mich meinem Ende nähere und täglich daraus warte, bin ich völlig ruhig und ebenso froh zu leben wie zu sterben. Mein Glaube stimmt mit dem Ihrigen nicht überein, aber ich vermahne Sie nicht und bitte Sie nicht, dep Ihrigen aufzugeben, um den meinigen anzunehmen; ich weiß, daß dies für Sie ebenso unmöglich wäre, wie Ihre physiologische Natur zu ändern, wie das zu lieben, was Ihnen zuwider ist, und umgekehrt. Infolgedessen, rate ich Ihnen nicht, Aehnliches zu tun, sondern ermahne Sie, an Ihrem Glauben festzuhalten und ihn stets weiter zu entwickeln. Der Mensch kann nur das glauben, wozu er geführt wird durch das Zusammenwirken aller Kräfte seiner Seele. Ein jeder von uns sieht die Welt und ihre Grundsätze durch das kleine Fenster, das er nach freier Wahl für sich selbst aufmacht. Deshalb kann es auch, vorkommen, daß ein Mensch, welcher nicht klar sieht und dessen Fenster verdunkelt ist, sich aus eigenem Antrieb dem Fenster eines anderen nähert. Wer einen Menschen, der zufrieden ist mit dem, was er durch sein eigenes Fenster sieht, zu einem anderen Fenster zu rufen, ist unvernünftig und, gelind« gesagt, unhöflich. — Wir suchen alle denselben Gott. — Wir leben alle durch seinen Willen, und wenn wir ihn von verschiedenen Seiten sehen, können wir seine allge- meinen Gebote erfüllen und einander lieben, trotz der verschiedenen Verhältnisse, in welchen wir zu ihm stehen. Literarisches. Das Preisausschreiben zur Erlangung eines modernen, künstlerisch aufgefaßten Frauenkostüms mit Silberschmuck, ausgeschrieben von der „Deutschen Goldschmiede-Ztg." und des Blattes „Schmuck Und Mode", war zum Teil mit ganz prächtigen Entwürfen von 139 Künstlern und Künstlerinnen, beschickt und gelangten drei Preise in Höhe von 400, 250 und 150 Mk. für die besten Arbeiten zur Verteilung. Außerdem wurden 13 Entwürfe lobend erwähnt und zum Ankauf empfohlen. Das Preisausschreiben hat den Beweis erbracht, daß unsere deutschen Künstler an der künstlerischen Ausgestaltung des Frauenkostüms lebhaften Anteil nehmen. Es berechtigt dies zu der Hoffnung, daß mit der Zeit doch ein spezifisch deutscher Geschmack sich einbürgern und für die elegante deutsche Fran bestimmend sein wird. Auch die Verbindung der Mode mit passendem künstlerischen Schmuck bleibt eine ^weitere vornehme Aufgabe. . Kapselrätsel. Fliedertee, Arbeit, Kohlrübe, Kanone, Schachtel, Verwaltung, Geist, Vernichtung, Landauer, Sterndeuter. Es ist ein Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Mtye nach versteckt sind in vorstehenden Wörtern ohne Rücksicht auf deren Suven- teilung. _____(Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Lachtaube. „ Redaktion: Auaust Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universttiits-Buch« und Stcindrnckerei. R. Lange, Gießen.