S'amLtsg den 18. April. WAMU WWW isÄiÄ O|SuHj SW ."asm «nnS WWW (Nachdruck verboten.) Das Gasthaus am Strande. Roman in zwei Bänden von F lvr e n c e W ard en. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen. (Fortsetzung.) Clifford, der natürlich weniger Zartgefühl in Betreff Nanmes und Megs hatte, hegte aber noch heimlich die Hoffnung, daß eine oder die andere dieser schätzenswerten Personen sie noch alle auf eine überraschende Weise aus chrer mißlichen Lage befreien würde, indem sie sich schließlich zu den Diebereien bekannte. Doch sah er sich vor, Nell twu dieser Hoffnung etwas merken zu lassen. Elifford trug zwar kein .Verlangen danach, George Claris zu sehen, er fühlte sich aber doch, es zu tun, verbunden. Der Gastwirt war, wie er sich vvrgestellt hatte L^^ sl-n von sehr mürrischem Wesen und vereitelte Cliffords Absicht, ihm sein .herz in Bezug auf Nell zu entdecken, rndem er, als der junge Mann eintrat, sofovt aus der Schenfftu.be verschwand. ... Glissord sah Nell nicht wieder. Sie war durch die Hintertür ins Haus getreten, während er durch die Border- tür hineinging und, obgleich er fast bis zum Dunkelwerden U $er Ho^'unng, daß sie erweicht werden und herausSommen und von ihm Abschied nehmen würde wai er genötigt, ohne diesen Trost nach Courtstairs und von dort nach London znrückzukehreu. , dteell, auf der Hut vor dem angekündiaten Besuch, krauchte nicht lange, bis sie ihn entdeckt hatte, zu warten. Er kam nur wenige Tage vor Cliffords Besuch in Gestalt ernes gutmütig aussehenden Mannes mit rötlichem Haar und bleichen, matten Augen, einer von den Leuten, deren Alter schwer zu erraten ist, bis man durch genaue Besichtigung der Falten unter den Augen erkennt, daß der scheinbare junge Mensch gut über vierzig ist. -. „George Claris hatte hinsichtlich des Berufes seines Gastes kemen Verdacht. Trotz der über das Haus verbreiteten Gerüchte gab es Reisende, die bis zu fünf Nächten darin verweilten. Doch gehörten diese meist der niederen Klasse an, deren Taschen zu leeren, nicht der Mühe ver- wynte. . Geheimpolizist selbst, denn ein solcher war es, bezeichnete sich als Geschäftsreisenden und gab, während der ersten vier Tage, die er unter dem Dache des „Blauen Löwen" verbrachte, vor, rundum in den Städten der Nachrarschaft, Geschäftsvesuche zu machen, wonach er gegen abend in den Gasthof, heute aus dieser, morgen aus einer anderen Richtung in durchaus unauffälliger und geschäftsmäßiger Weise zurückkehrte. Am zweiten Tage kündigte er an, daß er am vierten Gelder zu erwarten hätte, und er besprach dies vor so vielen Leuten er konnte. Jem Stickels, der sich noch immer mit boshaft auf Nell gerichteten Blicken um den „Blauen Löwen" herumttieb, zwei oder drei andere Fischer und ein paar Feldarbeiter waren zurzeit in der Schenfftube. Jem stieß einen seiner Begleiter mit bedeutsamem Winke an. Der Geheimpolizist bemerkte den Wink, ohne davon den Anschein zu haben, und notierte sich Jem. Als der letzte Säumige hinaus war und der „Blaue Lowe" die Tür für die Nacht geschlossen hatte, schrieb der Kundschafter, ehe er schlafen ging, auf seinem eigenen Zimmer noch einige Bemerkungen in sein Buch. In der vierten Nacht, da er vermeintlich in den Besitz der „Gelder gekommen war, ging der Geheimpolizist wie gewöhnlich hinauf in fein Zimmer, doch nicht um zu schlafen. borge6eugt>er ®er*'u‘$|Un3 dazu durch ein Mittagsschläfchen Völlig Betreibet legte er sich unter die Bettdecke nieder und wartete so durch drei Stunden. Und jetzt, ungefähr zwei Stunden vor der Dämmerung, erschien der erwartete Besuch. Ganz leise, mit den raschen, leichten Bewegungen eines Sacherfahrenen kroch die Gestalt rings an den Wänden hin, tastend und suchend. Der Mann int Bett fuhr auf, sprang heraus und pflanzte sich, mit dem Rücken gegen die Tür, vor dieser auf. Fünf Minuten lang wartete er hier vergeblich Kern Laut verriet die Anwesenheit noch einer anderen Person in der Stube. Er zog jetzt eine Büchse mit Streichhölzchen aus der Tasche und machte Licht. Er konnte den größeren Teil der kleineren Stube übersehen, doch keine Spur eines menschlichen Wesens außer ihm war bemerkbar. Nach Verlauf einiger Minuten fiel es ihm bei, daß der Eindringling sich in einen Schrank versteckt haben konnte, der eine Vertiefung zwischen der Wand und dem Kamin ans der anderen Seite des Bettes ausfüllte. Seiner eigenen Gewandtheit vertrauend, um der Flucht des Diebes zuvorzukommen, kletterte er rasch über das Bett und hatte die Hand schon am Schranke, als ein Geräusch hinter ihm ihn veranlaßte, den Kopf gerade noch zeitig genug um-« zuwenden, um zu sehen, wie die Tür des Zimmers von der schattenhaften Gestalt, die sich unter dem Bett versteckt haben mußte, aufgerissen wurde. Ter Geheimpolizist sprang an die Tür und faßte die Verschwindelide Person am Arme. Augenblicklich wurde die weibliche Gestalt — denn es war eine Frau — so unbeweglich wie eine Bildsäule, 'vnn hupe tcki Dich!" hur tote der Detektiv. ..Laß sehen,, wie Du ausliebst." lind den Arm noch fester umickloffeit haltend, zündete er ein Streichholz aus einem Futterale, das er in feiner handlichen Tasche fand, an. Bevor er iedoch irgend etwas unterscheiden konnte, wurde ihm unverzüglich von feiner Gefangenen das Licht ausgeblasen, die nun heftig mit ihm zu ringen begann. Da er den glühenden Zünder noch in der Hand hielt, so fuchte er die Gesichtszüge der Fran, die es 226 ftßöcn konnte. „Nu, nein, gewiß nicht", sagte sie mit Hellem Erstaunen und Heftigkeit. „Die Sachen sind 'runtergerissen worden und man hat drauf 'rumgetrampelt und alle meine Kleider durcheinander geworfen. Ei, glauben Sie denn, Srr ,_ fuhr sie mit großen Augen fort, , daß der Dieb selbst da drinnen gewesen ist?" Und sie blickte wieder auf chre Besen, chre Eimer und Kleider mit einer Mischung von Bestürzung, Furcht und Ehrerbietung. , .„ „Nun, jemand ist jedenfalls drrn gewesen, das ist et-, sichtlich, nicht?" sagte er gutgelaunt. Und er entschied bet sich selbst, daß der gewandte Dieb die Hintertür nur zum Schein laut geöffnet und wieder zugeschlagen und sich in dem Schranke versteckt hatte, bis er sicher entwischen konnte. „Vermutlich haben Sie ihn nicht zufällig heute morgen gesehen?" fuhr er in scherzendem Tone fort. 8 ,Gesehen? Den Dieb? Gott, nem, Sir. Wenn er int Lause gewesen ist, muß er sich rasch aus dem Staube gemacht haben, denn ich kam fast so früh wie der Herr herunter. Und 'gewiß war da hier niemand werter zu sehen, als er Unb Zie"ärmI1u^e"Dame war, wie ich fürchte, über den ^^Jenun^wi^Md nun schon an diese Geschichten gewöhnt", antwortete Meg philosophisch. „Miß Nell sah sehr blaß und wie ohnmächtig aus, und das arme Ding zitterte über und über, als sie von dem Tumulte horte. Da hieß sie der Herr sich zu Oberstens aufmachen, um dort, bis er nach ihr schickte, zu bleiben." Zum Oberst? Und wer ist denn der Oberst?' „O, ein alter Herr, der hier m der Nahe an der Courtsstairsstraße wohnt. Miß Nell tragt ihnen die Milch, frisch von der Kuh, jeden Morgen uno Abend hrnuber O", bemerkte der Detektiv höchst befriedigt, die Quelle von Megs Geschwätzigkeit angezapst zu haben. »Jchhatte gedacht, daß sie dazu eine zu ferne Dame wäre, Errre Miß I Wpff " ■ Nun, sie würde es auch für niemand sonst tun", erwiderte Meg im Eifer, ihre Gebieterin zu verteidigen „Der Oberst und seine Tochter sind aber wirklich von Adel, nur daß sie arm, ja sehr arm sind. Und sie halten sich keme Dien tboteu, und Miß Theodora versieht selbst alle Arbeit Und dann ist sie, sehen Sie wohl, gegen Miß Nell auch ehr gütig gewesen und hat ihr Lehrer für eine feine Erziehung verschafft und fürs Französische und fürs Klavier und darum scheint nun Miß Nell nicht genug für sie tun zu können. Und daher, Sir, kommt es. Ich würde bie Milch gern selbst 'nüber tragen, oder wir könnten dazu auch einen Zungen dran kriegen. Miß Nell besteht aber drauf, es lieber selbst Mr Geheimpolizist war im Begriff, Meg weiter auszufragen, als die Stimme des Gastwirts ihn daran hm derte, der von ihr zu wissen verlangte, warum das Fruhswa . nicht fertig wäre. Und sehr zu seinem Leidwesen fand er beim nächsten Zusammentreffen mit ihr, daß das Gift des Verdachts von ihrem Herrn eingeflogt »voroen ; war und sie sich nicht länger mitteilsam zeigte. „. Als er daher diese Auskunftsquelle versiegt sah, schickte Als er durch die Tür, durch die er das Haus verlassen batte, in dieses wieder zurückkehrte, bemerkte er bei dem lebt lichteren Tage, daß unmittelbar gegenüber unter der Treppe ein großer Schrank stand. Er öffnete dessen Tur, die nicht verschlossen war, und fand, daß die darin besmd- lichen Gegenstände in einiger Unordnung waren. Er wartete hier, bis Meg, die Magd, ihre Besen daraus zu holen kam. Das Mädchen fuhr bei seinem Anblick mit einem verdrießlichen Ausruf zurück. i „Sie brauchen nicht über mich zu erschrecken",,sagte er ruhig. „Ich wünsche nichts weiter, als daß Sie mir, sagen, ob sich hier alles in demselben Zustande befindet, in dem Sie den Schrank zuletzt verlassen haben." Es hatte nur einiger Augenblicke bedurft, damit er sich überzeugte, daß dies nicht die Frau war, die er suchte. Stark, breit, plumper Bewegung und schweren Tritts, hatte die derbe Gestalt vor ihm nichts von der Geschwindigkeit der Diebin, die er verfolgte. Er besaß genug Erfahrung, um zu Wissen, daß man Leuten ihres Schlages gegenüber ein völlig vertrauenerweckendes Wesen anzunehmen habe, und es bedurfte nur weniger Minuten, damit sie ihre Selbstbeherrschung zurückgewonnen hatte und ihm verständig Rede noch immer in seiner Gewalt hatte, an der ro en Glut zu erkennen. Einen Augenblick in ihren rasenden Austreng- unaen, sich zu befreien, innehaltend, brachte sie es zu Wege, veii stund er mit der umklammerten Hand zu erfassen, ein schmerzliches Stöhnen ausstoßend, als die glühende Spitze ihr dabei in die innere Handfläche drang, nächsten Augenblick hatte sie sich mit einer geschickten Drehung los- Das'Nächste, dessen sich der Polizist bewußt wurde, war ein Schall, wie der eines Falles, am Fuße der Treppe, dann wurde die Hintertür des Hauses geöffnet und nut Hin em Puffe wieder geschlossen. Neuntes Kapitel. Tas Mal in der Hand. . Gut", sagte der andere in versöhnlichem Tone. „Ich wün'"ck>e sicherlich nicht, den Damen beschwerlich zu fallen. Wenn sie mir aber nur einige Fragen beantworten, werden sie und auch Sie mir behilflich sein. Denn ich bin überzeugt daß sich diese Gerüchte nicht auf Jhreii Wunsch verbreitet Haben, und Sie sehr froh sein werden, wenn Sie nichts tntI^,$em' fei? wie ihm wolle", sagte George. „Ich mag aber keine Kreuzverhöre hier haben, die sie alle Maisch machen. Und übrigens sind fie inzwischen auch alle aus und überden Platz hin zerstreut. Und wenn Sie sie sprechen wollen, so mögen Sie sie nur suchen/ rturiirrfHa Der Detektiv nahm die Unverschämtheit des Gastwirts sehr ruhig auf. Sich des Vorfalls mit dem Zündhölzchen erinnernd, konnte er heimlich bei dem Gedanken lachen, daß er den Leitfaden, von dem Claris nichts wußte, tu $änj?n%ret Hand muß ein Brandmal sein", dachte er bei sich selbst, „das noch lange zu sehen sem wird. Sein eigenes Mißgeschick und die Gewandtheit und Fuß- sämelliakttt seines Flüchtlings verfluchend,, eilte,der Detektiv die' Treppe hinab und stürzte zur Hintertür hinaus, I gerade als er die Stimme des Gastwirts horte, der von oben su wissen verlangte, was es denn gäbe. I Mm war -8 inzwischen h-ll ff/’Sb’efoc’ tune sich,'Lk « nn-İtk,m wLe.''L SS Ä pr verfolgte völlig verschwunden war, ohne irgend eine | enur su hinterlassen. Zwischen die Kohlstrunke hinfahrend, I Mtte er einen weiten Ausblick über die Felder und über e rfpinpn ft-üifi hinweg. Aber es war fein Geräusch, fein I Rascheln von Röcken, das ihm bei seiner Nachstellung be- Mng^vorsichtig um das Haus herum, ^nächst die Türen ^er^Nebenbaulichkeiten untersuchend und forschend „.a Winkeln und Ecken spähend, in denen der Dieb Der- I PtPrft Ueaen konnte. Was das Haus selbst betraf,,so waren die unteren Fenster durch Lüden geschützt und zeigten kein I IlÄW-t »" !'- «'“»* ““'Vl ”ä“- Ä™ bie W-id-ltü- sich-- «« “'1,' £ S hnnn nnef. einer Gruppe von Hutten, die in oer ocui-e Men und ragte einen Arbeiter, der eben eine verlassen wollte 'um an die Arbeit zu gehen ob er innerhalb der letzten' Minuten jemand in der Nahe gesehen hatt . | MN befestigt gewesen n>ar, sich jetzt an einem Pfahl des jenseitigen Ufers gebunden zeigte. Er hatte dieses gerade bemerkt, als der Gastwirt h-rauskam. Er sah 'sehr mürrisch aus und ging auf den angeblichen Geschäftsreisenden in "S'N Aber hi-- «11,8 zu »,st uu-, E-st gekehrt hat, wie? Und weshalb dieses alles? Das ist, was icb wissen möchte. Warum dieses alles? „ Sie werden es zu rechter Zeit schon erfahren sagte' der Geheimpolizist trocken. „Ich wünsche, wenn es gefällig ist, das Weibsvolk in Ihrem Hause zu sehen-Damen und alles Ich glaube doch, daß Sie wissen, weshalb ich gäinS bUi/ Ich möchte mcht. mehr Unruhe ^«eu, •» ÄT. SÄ* Claris trotzig. „Ich will aber niemand durch Sie in seiner 227 der Detektiv, der scharfsinnig schloß, daß Nell nicht eher zurückkehren würde, als bis er abgereist wäre, einen Knaben mit seinem Gepäck aus einem Karren nach Stroan, bezahlte seine Rechnung und reiste ab. Er ging aber nicht allzuweit. Er holte den Knaben ein, hieß ihn sein Gepäck im Bahnhof zu Strvan abgeben und sobald der Bursche ihm dort aus dem Gesichte war, ließ er es nach einem der Gasthöfe des Orts bringen. Nachdem dies geschehen war, nahm er sein Gabelfrühstück ein und kehrte nach dem „Blauen Löwen" zurück. Er wünschte aber nicht, sich dort eher sehen zu lassen, als bis er wußte, daß Miß Nell von ihrem Besuche bei ihren Freunden zurückgekehrt wäre. Es war jedoch für den Gasthof eine tote Tageszeit und niemand zeigte sich, den er hätte befragen können. Es gelang ihm, im Vorübergehen einen Blick in die Schenkstube zu werfen; es war aber niemand vor oder hinter dem Schenktisch darin. Als er sich einige Zeit so Herumgetrieben, sich dabei so viel wie möglich hütend, gesehen zu werden, wurde er die vierschrötige Gestalt Megs an der Seitentür gewahr. Sie schüttelte ein Kleid aus und fuhr bei seinem Anblick mit einem kleinen Aufschrei zurück. „Ei", sagte er, indem er durch eine geschickte Bewegung zwischen sie und die Tür gelangte, „was ist denn geschehen? Eie sind ja ganz erschrocken bei meinem Anblick." „Nun, ich verlange auch nicht danach. Ihnen weiter Rede zu stehen, das ist ein Faktotum —" erwiderte Meg entschieden, die Hände in die Hüften gestemmt. „Mir scheint, daß Sie nichts weiter als so 'n Detektiv sind, der hierhergekommen ist, uns auszuhorchen und üns alle ins Verderben zu bringen. Hu! Ich schäme mich, daß man mich mit Ihnen sprechen sieht." „Aber sehen Sie denn nicht ein, daß die Aufklärung dieser Sache zu Ihrer aller Besten ist und daß es ans Licht kommen sollte, wer es denn ist, der dieses Haus in Verruf gebracht?" sagte er überredend. „Ich bin überzeugt, daß Ihr Damen zum Tode erschrecken würdet, wenn Ihr die Tinge hörtet, die man sich sagt. Es wird damit enden, daß Ihr noch alle den Ort verlaßt, wie Miß Nell schon getan hat." „O, die ist längst wieder da!" platzte Meg in der Meinung heraus, daß die Behauptung, ihre junge Herrin sei von hier verscheucht worden, einen Tadel gegen diese enthielte. „Sie brauchte, das kann ich Ihnen sagen, nicht lange zu warten, bis der Herr nach ihr schickte." „Und sie ist jetzt im Hause?" fragte der Detektiv begierig. „Ja, doch nicht sichtbar für