Mittwoch den 18. Februar. Rr. 26 1903 MU dW WWV VMM (Nachdruck verboten.) Ein Einbrecher aus Passion. Bon E. W. Hornung. Autorisierte ttebersetzung aus beut Englischen von F. Mangold. (Fortsetzung.) 0, seine Schlauheit, seine satanische Schlauheit! Hätte er Drohungen, Zwang und Hohn angewandt, wäre vielleicht alles anders gekommen, aber er stellte es mir anheim, ihn im Stiche zu lassen. Selbst zur Verschwiegenheit suchte er mich nicht zu verpflichten: er traute mir einfach. Meine schwachen, wie meine starken Seiten kannte er ganz genau und wußte sich ihrer mit Meisterhand zu bedienen. „Nicht so hitzig", sagte ich. „Habe ich Sie aus diesen Gedanken gebracht', oder würden Sie es auf jeden Fall getan haben?" „Nicht auf jcbeit Fall", antwortete Raffles. „Den Schlüssel habe ich allerdings seit einigen Tagen, allein als ich heute abend gewann, gedachte ich die Sache aufzugeben, denn, um die Wahrheit zu sagen, es ist ein Unternehmen, zu dessen Ausführung mehr als einer gehört." „Tas entscheidet die Frage — ich bin der Ihre." „Im Ernst?" „Ja — für diese Nacht." „Guter alter Bunny", murmelte er, mir die Laterne einen Augenblick vors Gesicht haltend. Darauf setzte er mir seinen Plan auseinander, und ich nickte, als ob wir unser ganzes Leben lang Einbrüche miteinander begangen hätten. „Ich kenne den Laden, denn ich habe ein paar Sachen dort gekauft", flüsterte er, „und ich kenne auch den oberen Teil des Hauses. Er ist seit einem Monat zu vermieten, und ich habe mir eine Anweisung zur Besichtigung der Wohnung verschafft und einen Abdruck des Schlüssels genommen, ehe ich davon Gebrauch machte. Tas einzige, was ich noch nicht weiß, ist, wie man von oben in den Laden gelangt; gegenwärtig besteht keine Verbindung. Vielleicht könnten wir sie von hier aus herstellen, aber ich würde dem Kellergeschoß den Vorzug geben. Wenn Sie einen Augenblick warten wollen, kann ich mich bestimmt aussprechen." Bei diesen Worten stellte er die Laterne auf den Fußboden und schlich an eins der Hinterfenster, das er fast geräuschlos öffnete, aber nur um kopfschüttelnd zurückzukehren, nachdem er es mit derselben Vorsicht geschlossen hatte. „Tas war unsere einzige Möglichkeit", sagte er. „Hinterfenster über Hinterfenster, aber es ist so dunkel, daß man nichts sehen kann, und draußen Acht zu zeigen, dürfen wir nicht wagen. Folgen Sie mir nach dem Kellergeschoß und vergessen Sie nicht, daß wir so wenig Geräusch als möglich machen dürfen, obgleich keine Menschenseele im Hause ist. Ta — da — hören Sie wohl?" Es war derselbe taktmäßige Schritt, den wir vorhin auf den Platten des Bürgersteigs vernommen hatten. Raffles verdunkelte seine Laterne, und wieder blieben wir regungslos stehen, bis der Schritt vorbei war. „Entweder ein Schutzmann", murmelte er, „oder ein Privatwächter, den sich diese Juweliere zusammen halten. Ter Wächter ist der Mann, den wir beobachten müssen, denn er wird dafür bezahlt, solche Unternehmungen zu verhindern." Leise schlichen wir die Treppe hinab, die trotz aller Vorsicht etwas knarrte. Nachdem wir im Flur unsere Schuhe aufgenommen hatten, stiegen wir einige schmale Stufen hinunter, an deren Fuß Raffles seine Laterne öffnete, seine Schuhe wieder anzog und mich aufforderte, dasselbe zu tun, wobei er lauter sprach) als er es sich oben gestattet hatte. Wir waren jetzt ziemlich tief unter dem Niveau der Straße in einem kleinen Raume, der ebenso viele Türen als Wände hatte. Tret von diesen klafften, und wir sahen durch sie in leere Keller, allein die vierte war verschlossen und verriegelt. Durch diese gelangten wir sehr bald auf den Boden eines tiefen viereckigen mit Netzet gefüllten Schachtes. Eine ähnliche Tür lag in der entgegengesetzten Wand des kleinen Höfchens vor uns. Raffles hielt die Laterne, sie mit seinem Körper beschattend, dicht daran, und dann brachte ein kurzes plötzliches Krachen meinen Herzschlag znm Stocken. Im nächsten Augenblick stand die Tür weit offen, und Raffles winkte mir mit einem Brecheisen. „Tür Nr. 1", flüsterte er. „Ter Teufel weiß, wie viele es noch sein mögen, aber mindestens zwei sind mir bekannt. Viel Lärm wird's dabei auch nicht geben, und hier unten hat das weniger zu bedeuten." Jetzt standen wir am Fuße einer schmalen Steintreppe, dem genauen Gegenstück derjenigen, welche wir eben herab- gekommen waren. Tas Höfchen oder der Schacht bildete das Bindeglied zwischen den Wohn- und den Geschäftsräumen, allein diese Treppe führte nicht in einen offenen Gang, sondern wir sahen uns auf der obersten Stufe einer sehr starken Mahagonitür gegenüber. „Das dachte ich mir", murmelte Raffles, mir die Laterne reichend und einen Ring mit Dietrichen in die Tasche steckend, nachdem er sie eine Weile am Schlosse versucht hatte. „Hier durchzukommen, wird uns eine Stunde Arbeit kosten." Es kostete uns siebenundvierzig Minuten nach seiner Uhr, oder vielmehr, es kostete Raffles so viel, und nie im Leben habe ich etivas mit mehr Ueberlegung tun sehen. Meine Teilnahme beschränkte sich darauf, mit der Blendlaterne in der einen und einem kleinen Fläschchen mit Petroleum in der anderen Hand dabeizustehen. Raffles hatte ein gesticktes Etui hervorgezogen, das dem Anschein nach für seine Rasiermesser bestimmt, in Wahrheit aber 102 machte. „Ich werde ihn mit diesem Gelenkbrecheisen in die Höhe heben. Me schwache Seite dieser eisernen Rollläden ist die, daß sie der Hebelkraft unten einen guten Angriffspunkt bieten. Aber ohne Lärm geht es nicht ab, und jetzt kommt Ihre Aufgabe, Bunny, denn damit kann ich nicht ohne Sie fertig werden. Sie müssen oben Schmiere stehen und klopfen, wenn die Lust rein ist. Ich will Ihnen hin- Vesichtigung. „— .— — .... „ . aber dahinter ist eine Tür, die uns vielleicht Schwierigkeiten machen wird." „Noch eine Tür!" stöhnte ich. „Me wollen Sie dann aber mit diesem Ding da fertig werdend aufleuchten." _ . . . , Wie wenig mir die Aussicht aus meine ernsame Wache gefiel, kann man sich vorstellen, und doch lag etwas ungemein prickelndes in der gewaltigen Verantwortlichkeit, die damit verbunden war. Bis jetzt war ich nur ein einfacher Zuschauer gewesen; nun sollte ich tätigen Anteil an dem Spiele nehmen, und die neue Aufregung stumpfte mich vollends ab gegen die Sprache meines Gewissens und die Rücksicht auf meine Sicherheit. So bezog ich denn ohne Murren meinen Posten im Vorderzimmer über dem Laden. Manche Zubehörstücke waren zur Verfügung des zukünftigen Mieters in der Wohnung geblieben, und dazu gehörten zu unserem Muck auch Jalousien, die schon herabgelassen waren. Zwischen deren Latten hindurch die Straße zu beobachten, zweimal mit dem Fuße anzuklopfen, wenn sich jemand näherte, und einmal, wenn wieder alles sicher war, das war die einsachste Ausgabe von der Welt. Mit Ausnahme eines einmaligen Krachs im Anfang waren die Geräusche, die bis zu mir drangen, ganz unglaublich schwach, aber auch sie verstummten bei jedem doppelten Äufklopsen meiner Fußspitze. Während der Stunde, die ich an dem Fenster verblieb, ging ein Schutzmann gewiß ein halbes Dutzend Mal unter meinen Augen vorüber, und der Mann, den ich für den Wächter des Juweliers hielt, noch häufiger. Einmal stockte mir freilich der Herzschlag, aber nur einmal. Das war, als der Wächter stehen blieb und durch mit den Werkzeugen seines gehelmen Handwerks, wozu i auch Petroleum gehörte, gefüllt war. . Diesem Etm ent- nahin er einen Zentrumsbohrer, der ein Loch von einem | Zoll Durchmesser herstellte, und befestigte ihn in einer kleinen, aber sehr starken Bohrwinde. Hierauf entledigte er sich seines Ueberrocks und seiner bunten Hausjacke, breitete sie sauber auf der ersten Stufe aus — miete daraus — schlug seine Manschetten zurück — und begann seine Arbeit mit dem Bohrer in der Nähe des Schlüssellochs. Um jedoch das Geräusch so gering als möglich zu machen, ölte er den Bohrer, und das wiederholte er unabänderlich jedesmal, wenn er ein neues Loch in Angriff nahm, und häufig auch noch zwischendurch. Als das erste kreisförmige Loch fertig war, steckte Rassles, wie ich bemerkte, einen Zeigefinger hindurch, und als aus dem Kreise allmählich ein langgezogenes, schmales Oval geworden war, schob er die Hand bis zum Daumen hinein, und ich hörte, wie er leise sliichte: „Das befürchtete ich!" „Was giebt's denn?" „Eine eiserne Tür dahinter." „Wie in aller Welt wollen wir aber durch die hin- durchkommen?" fragte ich erschreckt. „Wir müssen das Schloß mit dem Dietrich anfsperren. Vielleicht hat sie aber zwei Schlösser. In diesem Falle wird eins oben, das andere unten angebracht fein, und wir müssen zwei frische Löcher machen, da die Tür nach innen schlägt. Sie läßt fick keine zwei Zoll öffnen." Angesichts des Umstandes, daß ein Schloß schon unsere Mühe zu schänden gemacht hatte, muß ich gestehen, daß ich keine große Hossnung aus das Oeffnen mit dem Dietrich setzte, und meine Enntäuschung und Ungeduld würden mir einen seltsamen Seelenzustand osfenbart haben, wenn ich mir die Zeit genommen hätte, nachzudenken, denn ich I den erleuchteten" Laden'sah." Ich wartete war jetzt unwillkürlich mit einem Eifer bei unserem„ver- das Guckwch m den ^erteuGtewn 1 oder brecherischen Unternehmen, von dem mir im Augenblick | oesaüt ' Allein meine Zeichen waren gewissen- nicht b«8 geriete ,um Bewußt,-in tarn. Dw Ram-ittil dl? Wauu Mg in „Wiler und Gefahr des ganzen Vorgangs hielten Mich Mit ihrem ch/inütsruhe weiter. Endlich erhielt auch ich ein Zeichen Zauber gefangen und versetzten mich in eine Art von I g^im Lichte angezündeter Streichhölzer erst die Rausch. Mein sittliches Bewußtsein und der Trwb der I fl b swmale Treppe hinab, über das Höfchen Selbsterhaltung waren wie gewhmt. Da stand ich? und ' hinter dem Laden gelegene Zimmer, wo mich Rass- hielt mit einem lebendigeren Interesse, als ich es jemals ™ .»fing. einer ehrenhaften Beschäftigung entgegengebracht hatte, das I - „ gemacht mein Zunge'" sagte er. „Sie sind richt Md iiä Mschch-U mit Petroleum, Md vor mir ■-®“" N°", Md' sollen Aren S*. kniete Raffles mit seinem wirren schwarzen Haar und b"ben Für müidestens tausend Pfund stecken in meinen demselben entschlossenen, tvachsamen, ruhigen Aicheln, wo- I ^er m etlüa§, das ich in diesem Schrank mit ich ihn bei so manchem Grasschastswettkampf habe I ent^dt' ba6e, ^et)r anständiger Portwein und ein paar ^EnV war die Reihe der Löcher fertig, das Schloß sinken ©Tei^^ÄWuTunb herausgebrochen, und ein prachtvoller nackter Arm fuhr stmmt stnd. Tri^m Sw einen ^zyan bis öur Schulter durch die Oeffnung und die Stangen Waschraum habe ich gefunden, denn wir müssen uns etwas - Är mm. Äjy. * wir K M. SÄWäW« N'« WM Satorn ffÄK *” Sorten »=g « die Hand zurück ,«»- W«. M ich durch di- «Er »n, ^dln^ewuLn MMEMMW WUWWMM re„d die Laterne „eben ihm -i»-u ruhigen Licht,treistu LZ-N waren nicht bau R°i,l in -ii,-m kahlen, geräumige,, »immer 1=8 geteert warben; ihr Inhalt i" -wem Sinter dem Laden, aber von diesem durch eine eiserne feuerfesten Schrank, allem, die Unmöglichkeit, diesen zu Rolljalousie getrennt, deren Anblick genügte, mein Herz erbrechen, war ihm beim ersten Blick ^gewordn, mit Vei-iweislung ?,u erfüllen. Raffles schien wdoch durch- ebensowenig hatte er das Silber 1 einer ^acyrung » S TS. lanürii htm g'-nz g-,a„-n würbigl. -bg-izeu von ? Ä su?« sä ys s Ä? ä SA“«» FW&SS& ® -b'-babiMer « -i„- Tür. bie uns vielleicht Schwierig. I W -ü. IJ- elektrische Licht auf die kahle Rückseite der Wellblechjalousie wie auf die Rippen eines leeren Skeletts. Von der einzigen 103 Stelle, die man dort dem kleinen Guck'loche in der Ladentür nicht übersehen konnte, waren sämtliche Wertgegenstände verschwunden, überall sonst befand sich alles in dem Zustande, worin es vorher gelassen worden war, und, abgesehen von einer Reihe von beschädigten Türen hinter dem eisernen Rollladen, einer Flasche Wein und einem Kistchen Zigarren, die von unbefugten Händen berührt worden waren, einem sehr schwarzen Handtuch im Maschraume, hier und da einem halbverbrannten Streichholz und unseren Fingerspuren auf dem staubigen Treppengeländer, ließen wir kein Zeichen unseres Besuches zurück. — „Ob ich mich schon lange mit diesem Plane beschäftigt habe?" fragte Rafsles, als wir beim ersten Morgengrauen wie zwei von einem Balle Heimkehrende durch die Straßen schlenderten. „Nein, Bunny; ich habe nie daran gedacht, bis ich vor etwa einem Monat sah, daß der obere Teil des Hauses leer stand, was mich veranlaßte, einige Kleinigkeiten im Laden zu kaufen und die Ortsgelegenheit auszubaldowern. Darüber fällt mir ein, daß ich die Sachen noch nicht bezahlt habe, aber, bei Gott, das werde ich morgen tun, und wenn das nicht Spitzbuben-Gerechtigkeit ist, so möchte ich wissen, ob es überhaupt welche giebt. Mein erster Besuch zeigte mir, daß etwas zu machen sei, aber bei meinem zweiten überzeugte ich mich, daß es ohne Helfershelfer nicht gehen würde. Deshalb hatte ich den Gedanken eigentlich schon wieder aufgegeben, als Sie mir gerade am rechten Abend und in der rechten Stimmung in den Weg liefen! Aber hier sind wir am Albany! Hoffentlich brennt das Feuer noch, denn — wie Ihnen zu Mute ist, Bunny, lveiß ich nicht — ich friere wie ein Schneider." Nachdem er eben ein Verbrechen begangen hatte, sehnte sich dieser Mensch nach einem behaglichen Stündchen an seinem Kaminfeuer, wie ein gewöhnlicher Sterblicher! In mir aber tobte eine Flut von Empfindungen, und wenn ich unserem Abenteuer seinen richtigen nüchternen Namen gab, hatte ich das Gefühl, als ob ich mit einem Strome eiskalten Wassers übergossen würde. Rafsles war ein Einbrecher, und ich hatte ihm geholfen, ein Verbrechen auszuführen, folglich war auch ich ein Einbrecher. Und doch konnte ich es über mich gewinnen, an seinem Feuer zu stehen, mich zu wärmen itnb zuzusehen, wie er seine Taschen leerte, als ob wir nichts außergewöhnliches und sündhaftes begangen hätten! Das Blut erstarrte in meinem Adern, mir wurde übel, und alles ging mir wie ein Mühlrad im Kopf herum. Wie gern hatte ich diesen Schurken gehabt, wie hatte ich ihn bewundert! Jetzt mußte sich jedoch meine Neigung und Bewunderung in Abscheu und Verachtung verwandeln. Ich wartete auf diesen Umschwung meiner Empfindungen, ich sehnte mich danach, ihn im Herzen zu fühlen, aber ich wartete und sehnte mich vergebens. (Fortsetzung folgt.) Die Geschichte des Koh i noor. Aus Harpers Monthly Magazine übersetzt. (Nachdruck verboten.) Wenn die Geschichte Indiens in Tränen geschrieben ist, so ist die Geschichte des Koh—i—noor in Blut geschrieben. Alte Geschlechter sind verschwunden und mächtige Reiche sind untergegangen in dem langen Kumpfe, diesen Edelstein aller Edelsteine zu besitzen; in seiner Erbeutung ober zu seiner Verteidigung sinb Söhne gegen ihre Väter auf- gestanden und Väter haben ihre eigenen Nachkommen vernichtet. Nach ber Meinung des Volkes ist bieser Schatz von jeher als bie Insignien des Indischen Reiches und sein Aefltz als der unverletzliche Bürge der Oberherrschaft über dseses Land angesehen worden. Diese Tatsache allein macht E^sschlchte, des Koh—i—noor zu einer Sache von größter Wrchtrgkett für die Engländer und vielleicht von höchstem Interesse für die ganze gebildete Welt, besonders weil auf Befehl König Eduards VII. bei seiner Thronbesteigung der berühmte Juwel in die Krone der Königin Alexandra gefugt werden sollte. Die Geschichte des Koh—i—noor liegt tief in der Ber- gangenhert begraben, als Dichter von Göttern und Helden erzählten und Barden und Minnesänger von kühnen Kriegern und schönen Frauen sangen. Es wird erzählt, daß um vas Jahr 1500 v. Ehr. durch die Kämpfe von zwei nebenbuhlerischen Dynastien, die sich um die Oberherrschaft des Landes stritten, Indien in Blut getränkt war. Die Götter selbst fochten, wie behauptet wird, aus der einen oder der anderen Seite — möglicherweise als Vorwand, um ihre eigenen persönlichen Eifersüchteleien abzumachen — und das Kriegsglück schwankte mehrere Generationen lang von Seite zu Seite. Es wird auch behauptet, daß einer der kämpfenden Helden, Namens Kvrna, einen Stein von strahlendem Glanze besaß, der ihm von einem der oberen Götter auf seiner Seite als ein llnterpfand seines Schutzes gegeben wurde. Unglücklicherweise verlor Karna, wie erzählt wird, bie Gunst bes Gottes durch irgend eilte Missetat und wurde durch den obersteu Krieger der Gegner getötet, der nach ber Gewohnheit bes Zeitalters sein Opfer sogleich seiner Rüstung und seines Schmuckes beraubte — und so in den Besitz des kostbaren Juweles kam. Der Sieger erschlug bann alle feine Gegner unb machte sich hierauf selbst zum obersten Herrscher von Indien. Der Edelstein blieb in Indien im Besitz der Nachfolger jener Dynastie. Bon der Zeit an versinkt feine Geschichte in das tiefste Dunkel. Die Tatsache, daß nach mehrfachem Wechsel er in den Besitz ber mächtigen Rajput--Dynastie von Malwah gelangte, scheint zugegeben. Dort blieb er bis zum Jahre 1304 A. D., als Alla—ub—bin, der mächtigste muhammedanische Herrscher von Delhi, bei seiner Eroberung von Indien den Raja von Malwah unterjochte unb ihm den ®b elftem entriß. Aber nach ber Ermordung von Alla—ub—bin verfiel fein Reich; nach einem zweifelhaftem Kampfe warfen bie Hinbu-Rajahs von Agra bas muhammedanische Joch ab und tarnen in den lÄsitz des Edelsteines. Sie behielten ihn jedoch auch nicht lange. Am Anfänge des sechzehnten Jahrhunderts machte Babur, der sechste Nachkomme des großen Tameruan, einen Einfall in Indien und ward Gründer des Großmogulischen Reiches in Delhi. Während er den ohnmächtigen Herrscher jener Stadt besiegte, schlug sein Sohn Humas an Wirza den Rajah von Agra im Jahre 1526 unb bemächtigte sich des Edelsteines im Namen seines Vaters. So ereignete es sich, daß gleichzeitig mit der Errichtung ihrer Dynastie bie Großmoguln von Delhi, die mächtigsten Herrscher Indiens, vor ber Ankunft der Briten den Juwel in ihren Besitz brachten, ber für sie Insignien unb Krebitiv zugleich war. Der Juwel blieb zwei Jahrhunberte lang im Besitze der Großmogul, gerade so lang, als ihre Herrschaft im Aufschwünge war. So weit war seine Abstammung in einem Geschlechte aussindig gemacht worden. So weit war der alte Hindu-Fluch erfüllt worden, daß, wer ihn je dem Besitze des alten, berühmten Hauses Vikramadiiya entzöge, eines elenden Todes sterben solle. Der große Alla— ud—bin, ber erste Thronräuber, starb vergiftet von seinem Lieblittgs-Gencral Kafur, ben er aus ber Sklaverei bis zur Macht erhoben hatte. Sein Sohn Abbar der Große, ber eigentliche Gründer des Großmogulischen Reiches, war eine Zeit lang ein toleranter und aufgeklärter Herrscher, er saß aus dem Throne mit einem muhammedanischeu Priester zur Rechten, einem Bramahnen zur Linken unb einem Jesuiten vor sich. Er nahm sich bas Leben durch Gift. Abbars ältester Sohn unb Nachfolger, Dschchanghir, wurde von seinem eigenen Sohne Schah Dschihan abgesetzt und starb in dem Kerker des Palastes. Schah Dschihan, ber sich seiner Schuld bewußt war, verbrachte sein Leben in Angst und Schrecken, unb wie er feinen Vater behandelt hatte, so würbe er auch abgesetzt, geblcnbet, von feinem Sohne Aurenzeyb lang in Gefangenschaft gehalten und schließlich von ihm im Gefängnisse ermorbet Aurengzeyb, ber Vatermörber unb ber Mörber seiner vier Brüber, lebte neunnnbvierzig Jahre in sortwährenber Qual. Es war nicht nur bie Furcht vor Ermorbuug, bie ihm bas Herz zerriß. Es war bie Qual eines schuldigen Gewissens, die ihn Tag und Nacht verfolgte und ihm bas Leben zur Hölle auf Erben machte. Als sich fein Ende näherte, würbe er, her mächtigste Großmogul, von feinen Soldaten verlassen unb von seinen Freunden vergessen. Dies war noch nicht alles. In jener siebenden Massevon Verrat und Verschwörung, die durch feine eigene Grausamkeit verursacht worden war, befand sich einer, dem er blindlings getraut hatte, sein Lieblingssohn Morad. Jenes arme Herz^ das einer menschlichen Zuneigung bar war, hatte eine wahnsinnige, übermenschliche Liebe zu diesem Kinde seines Alters 104 Gemeinnütziges. Er verlangte nur einen Tribut von der Stadt für die Der erbärmliche indische Kaiser zog seinem furchtbaren Besucher bis vor die Mauer,l Delhis entgegen, um ihn willkommen zu heißen. Durch eine sorgfältig ins Werk gesetzte Verschwörung unter seinen Adeligen wurde ein Mißverständnis zustande gebracht, eine Schlacht geliefert und der Kaiser vollständig besiegt. Da er sich lieber der Großmut seines Siegers als der Treue seiner Untertanen anvertraute, unterwarf er sich dem Eiudringling auf Gnade Unterstützung seiner Armee. Die Beute, die von Nadir Schah aus Indien svrt- aeschafft wurde, ist verschieden geschätzt worden. Ein Bericht giebt sie an zu Lstr. 90000 000, ausschließlich des Psauenthvones und des Koh—i—noor. Was den Koh—i—„vor betrisst, der einer der Hauptzwecke seines räuberischen Einfalles war, so stellten sich ihm Schwierigkeiten entgegen, denselben in seinen Besitz । zu bringen. Er war so wertvoll, daß er für „die Hälfte dertäglichenAusgabederganzenWelt" geschätzt wurde. Der Herrscher von Delhi trug ihn deswegen immer auf seiner Person, in diesem Falle in seinem Turban. Da nun Nadir Schah offen als Gast gekommen war und Freundschaft für den ohnmächtigen indischen Kaiser bekannte, so stellte er sich, als wenn er Gewissensbisse hätte, dessen Person zu berauben. . Wie sollte er denn den Juwel, den Hauptterl fernes unersättlichen Verlangens, in seinen Besitz bringen? Mit großer Schlauheit schlug er als letzten Abschied ein Zu- sammentrefsen vor den Mauern Delhis vor. Es war ein großartiger Auszug von Glanz und Pracht, gegen den das „Feld d es goldenen Tuches" wie eine flimmernde Straßenlampe gegen die Mittagssonne war. Die Fürsten trafen sich zwischen ihren Heeren, umarmten sich wie geliebte Brüder und schwuren sich ewige Freundschaft. Dann schlug Nadir Schah als Unterpfand ihrer Liebe einen Austausch der Turbane vor, wie die Ritter vor alten Zeiten die Schwerter zum Zeichen der Kameradschaft vertauschten. Der unglückliche Kaiser erkannte nun die List, war aber machtlos, sie zu vereiteln. Mit großer Seelenstärke gab er nach und entsagte für immer den letzten Zeichen der höchsten Gewalt. Redaktion: Curt Plat..- Rotationsdruck und ln!oa der krübl'ülen llmversEs-Swct. und Eteindruckkrei (Putsch Crbrnf in Gießen, Ergänzungsrätsel. (Nachdruck verboten.) -fer, — id. G-d, Vu-, 8-, Mie-, SB—b, Fe—, Sch—. Man such« ein Sprichwort, dessen einzelne Silben an Stelle dec Striche gesetzt, die vorstehend angegebenen Wortteile zn bekannten Hauptwörtern ergänzen. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Bilderrätsels in vor, Nr.r Jedem das Seine. gefaßt. Aber selbst der Trost war ihm versagt; auf Anstiftung seiner Feinde erhob Morad die Fahne der Empörung gegen seinen Vater. Als Aurengzeyb dies hörte, erhob er sich von seinem Krankenlager, schwur einen furchtbaren Eid und machte eine letzte Anstrengung, die seiner besseren Tage würdig gewesen wäre; wenn er das Verlorene nicht wieder gewinnen könne, so wolle er sich mit furchtbarer Grausamkeit rächen. Dann sank Aurengzeyb von diesem Schlage erschöpft nieder, um sich nicht wieder 5,1t erheben. Das Schicksal seiner Nachfolger war dein seinigen sehr ähnlich. Die nächsten 30 Jahre kamen Herrscher auf den Thron, die einen Tag regierten und durch die Hand eines Meuchelmörders fielen. Nadir Schah, der Herrscher Persiens, hatte von dem Reichtum Indiens gehört. Ferdouse, ein Dichter seines Landes, hatte die Taten Mahmuds, des ersten Plünderers voll Indien, besnngeu. Der Einfall Tannolans, der Indien verwüstet hatte, lvar mit barbarischen Verschönerungen von persischen Historikern uieder- geschrieben worden. Und Nadir Schah hatte von dem Pfauenthron von Delhi, dem Koh—i—noor, dem unschätz- bareil Edelsteine der schwache,l indischen Kaiser, und von einem Lande gehört, in dem Milch und Honig fließe. Er kan, mit einem mächtigen Heere, dem eine wilde Horde folgte, die nur auf Plünderung und Mutvergießen bedacht war. , „ Literarisches. Eine Fülle «euer Anregungen bietet dem Industriellen, dem Kaufmann, dem Gewerbetreibenden, welcher die Zei- tungsannonee, dieses bewährte Hilfsmittel geschäftlichen Erfolges, in seinen Dienst zu stellen pflegt, der foeoen in 36. Auflage erschienene Zeitungs-Katalogsder^Ann v n- ee «--Expedition Rudolf M o s s e für das Jahr 1 JOa. Was gerade diesen Katalog schon immer p einem wertvollen und für jeden Interessenten^ unentbehrlichen^ Ratgeber machte, ist neben seiner Ausführlichkeit, Zuverlässigkeit und übersichtlichen Anordnung seine SStcIJeittgteti. Einen erhöhten praktischen Wert erhält der Katalog durch, seine Ausstattung als Schreibmappe mit Notizkalender. Neu ist die Beigabe von wichtigem Nachschlagematerial, wie Bestimmungen über Arbeiterversicherung, über Anmeldung von Patenten und Gebrauchsmustern, Emtretben von Forderungen usw. . Aber obgleich Nadir Schah ein großer Eroberer war, so fiel er doch dem verhängnisvollen Fluch zum Opfer, der dem Juwel noch wie ein verborgenes Gift anhaftete. Nachdem er ihn nur wenige Jahre im Besitz gehabt hatte, wurde er in seinem Zelte von seinen aufrührerischen Soldaten ermordet. Der Koh—i—noor ging mit seinem Throne auf seinen Enkel.Schah Rukh über, der selbst von einem seiner Vasallen verhaftet und in enger Gefangenschaft gehalten wurde. Sein Besieger folterte ihn wiederholt, den Edelstein von ihm zu erpressen, aber ohne Erfolg. Zuletzt kani Achmed Schah, ein früherer Offizier Nadirs, der sich nun zum unabhängigen Herrscher in Afghanistan gemacht hatte, dem Schah Rukh zu Hilfe, setzte ihn wieder auf seinen Thron und nahm den Edelstein als den Preis seines Beistandes. Dieser ging durch Erbschaft auf seinen Enkel Schah Zamau» über, der ihn jedoch trotz seines Traumes an einen glorreichen Einfall in Indien nur kurze Zeit behielt. In • der Schlacht von seinem aufrührerischen Bruder Mohammed Schah besiegt, floh er mit dem Koh—i—noor, um sich das Leben zu retten. Von Ort zu Ort verfolgt, gänzlich erschöpft und völlig mutlos, nahm er das Anerbieten seines Vasallen, des Mullah Auschick, an und kam in seine Festung int Jellalabad-Tal. Aber der Mullah war ein Verräter. Er behielt seinen Fürsten in deut Kerker des Schlosses und sandte dem Mohammed Schah eine geheime Botschaft, der sogleich eine Wache absandte, um ihn nach Kabul zu bringen. Schah Zamaun, der die Gefahr ahnte, brachte es fertig, gerade ehe er fortgesüyrt wurde, in einer dunkeln Ecke des Kerkers ein kleines Loch zwischen zwei Steine zu scharren und den kostbaren Edelstein darin zu verbergen. Während er noch auf seinem Wege nach Kabul war, hörte Mohamnted, daß der Juwel nicht zu finden sei; in großer Wut sandte er einen Arzt nach, der seinen Bruder blenden sollte. Der Arzt traf Schah Zamaun auf dem Wege nach Kabul, warf ihn zugleich zu. Boden und durchbohrte ihm die Augen mit einer Lanzette. (Schluß folgt.) Als et« vortreffliches Borbeugu«gs- und Lindc- ruusSttrittel der Zahnschmerzen wird die Kalmuswurzel Ä’SS.ai;r »* «M umarmt, «er mit er. I wird rüntlettev Großmut und «er,Mach ihm seme tzreuudschast I” derselben imgesM wird. Dann werden .........—-------- ...... h" ' die i-Eeinchen »ur,eln mit s-inst-n, Schritnz wer. gossen. Nachdem diese Mischung verkorkt 2 bis 3 Tage gestanden, wird so viel reines Wasser zugegossen, daß die Mischung dem Zahnfleisch nur noch etn letchtet, Brennen verursacht. Wenn man mit dieser Flusttgterr morgens und mittags naa> dem Essen und abeuos vor dem'Schlafengehen sich den Mund ausspült, wird man seine gesunden Zähne bis ins Alter konservieren. Bet Zahn- chmerz ist es gut, den Mund je öfter, desto besser damit zn reinigen. Diese Behandlung konserviert namentlich schadhafte Zähne ganz vorzüglich.