1903. — Nr. 121 s Lira MoiUag den 17. August. / - ' 3 »■SBÄKSaJii'. MW (Nachdruck verboten.) Schloß Osterno. Roman von S. M e r r i m a n. (Fortsetzung.) Katharina antwortete nicht. Erst nach einer langen Panse fragte sie in ihrer seltsamen, abgebrochenen Weise: „Was werden Sie dadurch gewinnen?" Ter Baron zuckte die Achseln. „Wer kann das wissen? Ls gibt vieles, was ich erfahren möchte, viele Fragen, deren Beantwortung man nur durch, eigene Beobachtung finden kann. Ich möchte die beiden beisammen sehen. Sind sie glücklich?" Katharinas Gesicht wurde wieder hart. „Wenn es einen Gott im Hiinmel gibt, der unsere Gebete hört, dürfen sie es nicht sein", antwortete sie schneidend. „Sie haben in Petersburg ziemlicki glücklich ausgesehen", meinte der Franzose, der auf die Wahrheit keine großen Stücke hielt. So oft er der Meinung war, daß Katharina einer Anfeuerung bedurfte, erwähnte er Ettas Namen. „Ich hätte noch andere Fragen zu stellen, von denen Sw einige beantworten könnten, wenn Sie Lust hätten, gnädiges Fräulein." Katharinas Gesicht drückte kein besonderes Entgegenkommen aus. „Man spricht so viel von der Armenliga", sagte er, indem er sie scharf beobachtete. „Tie Sache macht mich neugierig. War vielleicht auch unser Freund, Fürst Pawel in die unselige Affäre verwickelt?" Katharina errötete plötzlich. Sie hielt die Augen auf ihre Ponnys gerichtet, war sich aber der ungewohnten Farbe ihrer Wangen bewußt, die unter den erbarmungslosen Blicken ihres Gefährten langsam wieder erbleichten. „Sie können sich die Antwort sparen, gnädiges Fräulein", sagte der Baron, mit einem finsteren Lächeln. „Ich habe sie bereits." Katharina brachte die Ponnys mit einem Ruck zum Stehen, wandte den Schlitten um und fuhr heimwärts. Sie war unruhig und verstört; denn vor der Neugierde dieses Mannes schien nichts sicher zu sein, und Vorsichtsmaßregeln, Ausflüchte hatten nicht den geringsten Nutzen. „Ich hätte noch andere Fragen zu stellen, aber nicht jetzt", sagte der Baron ruhig. „Gnädiges Fräulein sind ohne Zweifel etwas ermüdet." Er lehnte sich in die Kissen zurück und fing an, über- alltägliche Dinge zu sprechen. In dieser Kunst war er Meister, 26. Kapitel. Auf Schloß Thors. Eiue Woche später sah Katharina vom Fenster ihres kleinen Zimmers aus, tote Paul Etta aus dem Schlitten hob, und der Anblick ließ sie die Fäuste ballen, bis ihre Knöchel tote poliertes Elfenbein glänzten. Sie wandte sich um und betrachtete sich im Spiegel. Kein Mensch wußte, daß sie sich nach dem Frühstück in ihrem Zimmer eingeschlosseit und ein Kleid nach dem anderen probiert hatte; kein Mensch hatte eine Ahnung von der Bitterkeit int Herzen dieses Mädchens, während es. sein Spiegelbild betrachtete. Als sie in den langen, trübe erleuchteten Salon trat, hörte sie die Stimme ihrer Mutter. „Ja, Fürstin", sagte die Gräfin eben, „es ist ein wunderliches altes Haus, nicht viel mehr als ein befestigtes Banernhaus. Aber die Vorfahren meines Mannes waren seltsame Lente, die sich um die kleinen Bequemlichkeiten nud Behaglichkeiten des Lebens nie gekümmert zu haben scheinen." „Es ist höchst interessant", antwortete die Stimme Ettas, nnd Katharina trat näher. Eine förmliche Begrüßnng fand statt, wobei Katharina! bemerkte, daß Etta ängstlich nach der Tür blickte, durch! die sie eben gekommen war. Sie glaubte, daß sie ihren Gatten suchte, alleiit Etta wartete auf das Erscheinen Claude von Chauxvilles. Paul und Steinmetz traten gleichzeitig durch eine anders Tür ein, nnd Katharina, die in einem Winkel des Zimmers, mit Nelly sprach, verstummte plötzlich. „Ah, Katharina, wie geht es?" sagte Paul. „Wir haben Ihnen einen neuen Weg gebahnt. Von hier nach Osterno führte keine fahrbare Straße durch den Wald, aber heute nachmittag habe ich Ihnen eine gemacht, so daß Sie also keinen Vorwand haben, uns nicht zu besuchen." „Ich danke Ihnen", antwortete Katharina, indem sitz ihre kalten Finger hastig seinem freundschaftlichen Händen druck entzog. „Fräulein Nelly bewundert unser Land gerade so wie Sie." „Das habe ich Fräulein von Lanowitsch eben gesagt"^ meinte Nelly. Paul nickte und ließ die jungen Mädchen allein. Die kurze Dämmerung senkte sich bereits herab, uttbi das nur von kleinen, viereckigen Fenstern erhellte Zimmer wurde immer dunkler, so daß Katharina um die Lampen klingelte. „Ich hasse ein dunkles Zimmer", sagte sie kurz zN Nelly. Als Herr von Chauxville ein paar Minuten später eintrat, saß Katharina am Klavier. Das Zimmer war jetzt glänzend erleuchtet, und auf dem Tische funkelten unft glitzerten die silbernen Teegeräte; beim die Tee stunde war 482 Wohl vorüber, aber der Samovar summte, wie es in Rußland Brauch ist, noch immer. Katharina blickte empor, als der Baron eintrat, hörte aber nicht aus zu spielen. Herr von Chauxville begrüßte die neuen Gäste und ließ sich, während die Gräfin ihm eine Tasse Tee Anrecht machte, in eine lange Beschreibung der Vorbereitungen für die morgige Bärenjagd ein. Er richtete seine Bemerkungen ausschließlich an Paul, der als begeisterter Sportsmauu bekannt war, und dieser taute allmählich ein wenig auf, gab sogar ein paar Ratschläge, die tiefes Verständnis und anfkeimendes Interesse verrieten. „Wir sind unser nur drei, Steiumetz, Sie und ich", sagte der Baron. „Ich bitte Sie jedoch, int Auge zu behalten, lieber Fürst, daß ich kein Jäger bin, sondern ein bloßer Amateur. Die Gräfin war trotzdem so liebeuswürig, das Ganze in meine Hände zu legen; ich habe mit den Treibern gesprochen und mit ihnen abgemacht, daß sie heute nacht um elf Uhr Herkommen sollen, um uns Bericht zir erstatten. Sie haben voll drei Bären gehört nnb versprochen, sie aufzutreiben." Er war wirklich voll Eifer nild Begeisterung, nnb ba es viele Einzelheiten gab, für bte er Pauls Rat beburste, so sprachen die beiden Winner weniger gezwungen miteinander, als es bisher geschehen war. Chanxville hatte sich eine Menge technischer Ausdrücke angeeignet, nnb verwertete seine geringen Kenntnisse mit einet verblüfseuden Gesichlichkeit. Bald darauf begannen Steinmetz unb Panl eine Beratnug mit ber Gräfin über bett Frühstücksplatz, unb er verlieh sie. Nelly unb Katharina befanden sich beim Klavier; Etta blätterte ein Album mit Photographien durch. „Eiu entzückendes Hans, nicht wahr, Fürstin?" sagte Herr von Chauxville so laut, daß alle es hören konnten, wenn Katharina zufällig leiser spielte; aber ihr Spiel zeichnete sich stets mehr durch Kraft, als durch Weich!- heit aus. „Entzückend!" antwortete Etta. Die harmonischen Akkorde schwollen lauter an. „Ich muß mit Ihnen sprechen, Fürstin", sagte Herr von Chanxville. Etta warf einen Blick auf ihren Gatten und auf Steinmetz. „Allein", fügte der Baron kaltblütig hinzu. Er blätterte eine Seite im Album um und betrachtete aufmerksam eine Photographie. „Sie müssen?" fragte sie, indem sie die Stirn ein wenig runzelte. „Ich muß", wiederholte Chauxville. „Das ist ein Wort, das ich nicht liebe", sagte Etta mit emporgezogeuen Augenbrauen. „Nichtsdestoweniger bin ich so kühn, dies Wort zu gebrauchen, Fürstin", sagte Chauxville. „Sie {ernten mich vielleicht gut genug, um zu wissen, daß ich selten kühn bin, außer toenit ich auf sicherem Grund und Boden stehe." „Dessen würde ich mich nicht rühmen", antwortete Etta. „Es ist sehr leicht, kühn zu fein, wenn man des Sieges sicher ist." „Selbst ein sicherer Sieg erfordert Vorsicht." „Ich möchte wissen," sagte die Fürstin nach einer Heinen Pause, „mit welcher Berechtigung Sie ein Wort gebrauchen, das mich nicht ost belästigt." „Fürstin, ich habe ein gutes Gedächtnis, und außerdem —" er hielt inne und blickte im Zimmer umher, „außerdem giebt es in diesen vier Wänden Jdeenassocia- tionen, die das Gedächtnis reizen." „Was meinen .Sie damit?" fragte Etta mit harter Stimme, und die Hand, die das Album hielt, bebte plötzlich wie eiu Blatt im Winde. Herr von Chauxville stand da und drehte an seinem Schnurrbarte, tote Männer zu tun pflegen, wenn ihr Gesprächsthema erschöpft ist. Er sah aus, als denke er nach, auf welche Weise er die Fürstin mit Anstand verlassen könne, um seinen Pslichten gegen die übrigen uach- zukommen. „Das kann ich Ihnen jetzt nicht sagen, denn Katharina beobachtet uns vom Klavier aus", antwortete er. „Hüten Sie sich vor diesen kalten, blauen Augen, Fürstin." Er ging auf das Klavier zu, wo Nelly hinter Katharinas Stuhl stand. „Sind Sie eine Fortschrittlerin, gnädiges Fräulein?" fragte er mit einer feiner ehrerbietigen Verbeugungen. „Sind Sie modern?" „Keins von beiden; aber warum fragen Sie?" antwortete Nelly. „Ich möchte nur wissen, ob Sie morgen mit uns auf die Jagd gehen werden. Man weiß ja nie, was die Damen tun werden — Pardon! Nicht Damen, ich meine Frauen. Die moderne Fran ist keine Dame, nicht wahr?" „Sie kümmert sich um Ihre Beleidigung nicht, Herr Baron," lachte Nelly. „Solange Sie sie nur beachten, ist sie glücklich, Was jedoch morgen Betrifft, so können Sie sich beruhigen. Ich habe nie in meinem Leben einen Schuß getan, unb bin vernünftig genug, nicht mit Bären ben Anfang zu machen." Herr von Chauxville gab eine passende Antwort und plauderte weiter mit den beiden jungen Damen beim Klavier, bis Etta sich erhob unb auf sie zutrat. Dann ging er auf bie anbere Seite bes Zimmers unb verwickelte Paul in eine Diskussion über bte morgigen Pläne. Die Dinerstunde rückte heran, unb Etta mußte darauf verzichten, mit Chauxville allein zu sprechen. Der kluge Baron vermied es sorgfältig, ihr bazu Gelegenheit zu bieten; er kannte den Wert eines kurzen Wartens. Während des Diners und später, als die Herren endlich in den Salon traten, bewegte sich bie Konversation auf sportlichem Gebiete. Bären, Bärenjagben unb Bärengeschichten bildeten das Thenta. Zuletzt wurde abgemacht, daß die drei jungen Damen zusammen nach einer Holzhauerhütte am äußersten Ende des Waldes führen, wo das Frühstück stattsinden sollte. Während dieser Teil des Programms erledigt tourt)e, blickte Herr von Chanxville Etta über den Tisch hinweg fest an. Jetzt endlich bot er ihr nach reiflicher Ueberlegung Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. „Was meinten Sie vorhin?" fragte sie sofort. „Ich habe eine Nachricht erhalten, die, hätte td) fte drei Monate früher bekommen, Ihr ganzes Leben verändert hätte." Wieso?" "Ich wäre Ihr Gatte geworden und nicht der dickköpfige Riese da drüben." . Etta lachte, aber ihre Lippen waren einen Augenblick farblos. , ... „Wann kann ich Sie allein sprechen?" Etta zuckte die Achseln; sie besah viel Mut. „Seien Sie gesälligft nicht so dramatisch und mysteriös, ich bin müde — gute Nacht!" Sie erhob sich und verbarg em erkünsteltes Gähnen. Herr von Chauxville blickte sie mit seinem finsteren Lächeln an, und Etta sah plötzlich die Aehnlichkeit, die Paul zwischen diesem Manne und kern’ grinsenden Luchskopf im Rauchzimmer von Osterno bemerkt hatte. „Wann?" wiederholte er. Etta zuckte die Achseln. r r „ „Ich hätte mit Ihnen über die Armenliga zu sprechen , faate Herr von Chauxville. Ettas Pupillen erweiterten sich;, sie gmg em paar Schritte von ihm fort, kam aber wieder zurück. Ich werde morgen nicht mit zum Frühstück gehen. Wenn Sie Lust haben, die Jagd früher zu verlassen ; ■ Ter Baron verbeugte sich. 27. Kapitel. Ein Gespräch. Vor dem Schlasengehen ging Katharina mit Nelly auf ihr Zimmer, um nachzusehen, ob auch alles m Ord- ttUn Gin großes Holzfeuer brannte hell in dem offenen, französischen Ösen; das warme, trauliche Gemach war nut mehreren Lampen beleuchtet. Eine zweite Tur führte tn bas kleine Klavierzimmer, bas Katharina gehörte,, nno dahinter lag ihr Schlafzimmer. , Nelly versicherte ihrer Gastgeberin, daß sie alles habe, was sie brauchte, und der Dienste von Katharinas ^ungfer nicht bedürfte. .,, Aber die junge Gräfin ging trotzdem noch nicht, ©te machte nicht schnell Bekanntschaften, — nicht aus Schüchternheit, fonbern weil sie mißtrauisch unb cirgwoy- nisch war; aber ihre Freundschaft war, einmal geschenkt, ein wertvoller Besitz. 483 „Versteht die Fürstin russisch?" fragte Katharina plötzlich. Sie stand neben denk Toilettetisch, wo sie sich bisher zerstreut mit den Kerzen beschäftigt hatte: jetzt wandte sie sich um und blickte Nelly an, die auf einem niedrigen Stuhl neben dem Feuer satz. Nelly tat die Einsamkeit dieses Mädchenlebens leid; sie hatte nicht das Herz, sie hinauszuschicken, und sah mit einem Lächeln zu ihr auf, das langsam wieder von ihrem Munde verschwand. „Nein", antwortete Nelly. Katharina trat näher und beugte sich über ihre Gefährtin, indem sie ihr voll ins Gesicht blickte. „Verzeihen Sie; ich sah, daß sie eine Bemerkung verstand, die ich zu einem der Diener machte. Sie nahm sich nicht genug in acht. Ich sah es deutlich" „Sie müssen sich irren", antwortete Nelly ruhig, „sie war wohl schon einmal in Rußland, aber nur auf ein Paar Wochen, und erlernte die Sprache nicht. Sie hat es mir selbst gesagt. Warum sollte sie leugnen, russisch zu können, wenn sie es doch kann?" Katharina antwortete nicht, sondern ließ sich schwer auf einen Stuhl sinken. Ihre Bewegungen/waren plump und kraftvoll, ein Anlaß fortwährenden Aergers für die Gräfin. Sie stützte den Ellenbogen aufs Knie und starrte ins Feuer. „Ich wollte sie nicht hassen, ich wollte es nicht", murmelte sie vor sich hin. „Wären Sie es gewesen, Sie hätte ich nicht gehaßt." Nellys klare Augen trübten sich für einen Augenblick, eine schwache Röte stieg in ihr Gesicht, und sie lehnte sich zurück, so daß der Schein des Feuers sie nicht traf. (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. „Tapezierte Zimmer vor Ungeziefer zu schützen. In tapezierten Simmern kommt es häufig vor, daß sich besonders wenn die Tapeten etwas schadhaft, werden oder losgesprungen sind, Ungeziefer, Wanzen, Ameiseil nsw. hinter den Tapeten etnntften. Um diesem Uebelstande vorzubeugen, setzt man dem beim Tapezieren verwendeten Kleister etwas Koloquintenpulver zu und zwar ungefähr auf 3 Kilogramm 50 bis 60 Gramm. Vermischres. * Ungalante Sprichwörter. Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, schreibt die „Modern Society", daß gerade tn den Ländern, wo man den Frauen am meisten Galanterie^ bezeugt, in Frankreich Italien und Spaiiien, dosten Sprichwörter gegen sie geprägt sind. Viel- lercht. das Schlimmste, was überhaupt von Frauen qe- ch, hat der Franzose erfunben: „Eine Frau au§ Gold ist ebenso viel wert, wie ein Mann aus Stroh." Daun heißt es, auch nicht liebenswürdig: „Eine schöne Frau — ein schwacher Verstand." Gelinder verfährt man schon in den Sprichwörtern: „J-rauen, Wind und Glück wechseln stets" oder „Schwiegermutter und Schwiegertochter sind ein Sturm und Hagelwetter." Die Italiener sind sehr klug in ihren Misogynen Sprichwörtern. So ist z. B. viel Weitsichtigkeit in dem Sprichwort: „Ein Mädchen heiraten und ein Pferd kaufen soll man von seinem Nachbar." Oder es heißt: „Eine Frau, die gern am Fenster steht, ist wie eine Traube und „Wer Schererei in seinem Leben Kr Eß sich ein Schiff oder ein Weib nehmen." Ni unzweideutige Bosheit liegt in folgenden beiden T M°un eine Frau und einen Cen- £ ~irb er den Centesimo vermissen", und: ^^^atur hat die Frauen und die Kirsche zu deren eigenen rn", s gemacht. Wie Frauen sein sollten, ist schwer r n V Flauen des „duftenden Paradieses" bei den Türken bestehen nur aus Moschus und Rosenduftessenz- "brr selbst dort ist es fraglich, ob die Männer nicht irgend L°s a sf'ndig machen worüber sie brummen können. Der Schotte legt sein Bekenntnis nieder in dem Sprichwort: „Mädchen sollen sanft und bescheiden sein, schnell zum Horen, langsam zum Redeu." Im selben Sinne heißt es. „Traurig ist die Frau, die keine Zunge hat- aber wohl dem Mann, der sie bekommen hat." Doch die Schotten urteilen nicht so streng über Frauen, tote viele andere Nationen. Sie erkennen zwar, daß Mädchen und Gläser spröde Ware sind; daß es „Besser ist, halb gehängt, als unglücklich verheiratet zu sein"; aber sie sagen wenigstens nicht so viel Über die Falschheit der Frauen. Die Spanier sind am sarkastischsten in ihren Sprichwörtern: „Es ist wahr, es giebt viele gute Frauen; aber sie sind alle schon unter der Erde." Eine Frau soll nur dreimal im Leben das Haus verlassen: wenn sie getauft, verheiratet und begraben wird." „Wer einen Aal beim Schwanz und eine Frau beim Wort nimmt, kann wohl sagen, daß er nichts hat." Besonders die Witwen kommen schlecht weg. „Eine Witwe mit drei Kindern heiraten heißt vier Diebe heiraten", oder: „Eine muntere Witwe mutz entweder verheiratet, begraben oder in ein Kloster gesperrt werden." Silbenversteckrätfel. (Nachdruck verboten.) Niedergang, Spitzwegerich, Zurichtung, Schöllkraut, Leim, Baumeister, Geheinimittel, Gutzkow, Stendal, Vorwitz, Nachsätze, Katzen, Geist, Pflaume, Geistertanz. Es ist ein bekanntes Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Reihe nach versteckt sind in vorstehenden Wörtern ohne Rücksicht ans deren Silbenteilung. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Gleichung in vor. Nr.: Armbrust, (a Astern, b Stern, c Neun, d Ei, e Brust.) Modenbericht über Sportkostüme. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnitt- Manufaktur Dresden-N. — Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmuster- buch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich. Nicht ohne Berechtigung ergreift die Vorliebe für die verschiedenen Sportarten immer weitere Meise, ist doch jeder Sport, der die Ausbildung der Glieder zu Gewandtheit und Mast zum Zwecke hat, ein Ansporn zu größerer Energieentfaltung, gesteigerter Leistungsfähigkeit und zur Entwickelung der vollsten Körperkraft. Sucht der Sport beim Manne die Muskelkraft zu steigern, so ist es beim weiblichen Geschlechte neben der Leibesübung die Grazie und Anmut des Körpers, welche einzelne Sportarten fördern sollen. Dazu gehört aber vor allem eine zweckmäßige Kleidung, die vollste Bewegungs- und Atmungsfreiheit gestattet, bequem, praktisch, und nicht in letzter Reihe kleidsam ist. Wie das ResormÜeid, so erfordert auch das Sport- kostüm eine andere Art Unterkleidung. Statt des Korsetts diene ein Sportgürtel aus durchlässigem Stofs; ferner erweist sich für Rad- und Bergpartien das mit ober ohne Unterrock zu trageube Reformbeinkleid als gerabezu unentbehrlich; soll es die Stelle des Rockes mit ersetzen, so empfiehlt es sich, einknöpfbare, waschbare Beinkleider darunter zu tragen. Für die Touristik muß die Kleidung, soll sie sich zweckdienlich und brauchbar erweisen, ganz besonders praktisch sein, da die Temperaturen im Gebirge oft schroff wechseln. Ter Anzug hat in Berücksichtigung dessen am besten aus drei Teilen zu bestehen, der leichten Hemdbluse aus Flanell oder Waschstoff, dem fugfreien Rock, der innen statt des Rockschweifes einen Lederstreifen erhält, und der halb-ober ganz anliegenbeu Jacke, bie wärmer hält als bie lose Sack- fa?on. Vorsorgliche Leute führen int Rucksack außerdem noch ein imprägniertes Cape oder ein wärmendes Plaid mit sich, das der Kälte und dem Regen Widerstand leistet. Zweckmäßig und praktisch für derartige Kostüme sind vor allem bie bauerhaften groben Loben. Seit jedoch jene Aeußerung eines losen Spötters, baß bie beutschen Tarnen sowohl int Gebirge, wie überhaupt auf der Reise nichts anderes zu tragen wüßten, als jene monotonen graugrünen und graubraunen Töne, wie sie zu den Hauptfarben des Loden gehören, die Runde durch die Presse machte, scheint man zu der Einsicht gekommen zu sein, daß es außer dem geschmähten Loden noch andere Farben und Stoffe giebt, in denen man sich sehen lassen kann. Da sind in erster Linie starkfädige karrierte Herrenstoffe, die mit abgesteppten Tuchblenden und -Patten besetzt io erb en, kräftige Panamas unb Cheviots, sowie berbe Homespüns, bie Passe- poiles oder Streifen von farbigem Leder oder Tuch erhalten unb außerbem für Touren, bie nicht bis ins Gletschergebiet führen, bie beliebten groben Leinen- unb starken Drellstoffe. Sehr gediegen unb korrekt wirkt ein solcher Anzug aus einem! ber w&engenannteu Wollstoffe, zu dem ein Ledergürtel, Panama- oder Tirolerhut und Nagelschuhe unerläßlich find, tvenn er int Jacket etwas herrenmäßig gehalten ist. Ein hübsches und praktisches Tourenkleid aus kräftigem Drell, 484 dessen Ausstattung rote oder blaue Satinblenden bilden, veranschaulicht Modell 275. Dasselbe zeigt die kleidsame Bolerobluse mit Geishaform und doppelter Schulterpelerine, vereinigt also die Neuheiten der Saison in sich, Der Rock ist mit abzuknöpfendem Volant ausgestattet, sodaß er entweder ganz fußfrei oder in Länge eines Promenadenrockes getragen werden kann. Ten Volantansatz deckt ein breiter durchsteppter Satinstreifen, der nur an seinem oberen Rande dem Rocke aufgesteppt, die Knöpfe verdeckt und beim fußfreien Tragen als Abschlußstreifen wirkt. Verhältnismäßig wenig Neues bietet die Mode den Radfahrerinnen. Dies mag Wohl daran liegen, daß auf diesem Gebiete mit dein geteilten Rock und der als weite Pluderhose -oder geteilter Rock zu tragenden Rockhose bereits der Höhepunkt der Zweckmäßigkeit erreicht ist. Einigen Anspruch auf Neuheit dürften nur die Reform-Miederröcke machen, die samt einem kurzen Bolerojäckchen dem Radfahrsport dienstbar geinacht worden sind. Zu diesem Zwecke muß den Hinterbahnen die für den Sitz im Sattel erforderliche Weite angeschnitten werden. Ein einfaches, hübsches Radfahrkostüm stellt Modell dir. 1003 dar. Die beliebte Dreisaltenbluse ist an demselben nur mit Stepperei verziert, während der fußsreie geteilte Rock ganz schlicht gehalten ist und durch Patten hochge- knöpst iverden kann. Eine flotte Sportmütze oder kleiner Strohhut, Leinenkragen und Manschetten, farbige Kravatte Modell Nr. 275. Modell und Ledecgurtel geben dem Anzug etwas chikes, flottes, das durch Helle Leder- oder Tuchgamaschen noch erhöht werden kann. Für kühle Tage läßt sich das Bolerojäckchen mit Herrenfayon oder Schulterkragen seine Rechte nicht schmälern, sieht es doch mit Heller Bluse darunter stets hübsch und jugendlich ans. Zu den Sportarten, denen die Jugend am liebsten huldigt, gehört unstreitig das Lawn-tennis-Spiel. Dies schnelle Wenden, Dehnen, Biegen der jugendlichen Spieler, deren ganze Elastizität in den raschen Bewegungen beim Spiel zum Ausdruck kommt, wird zum fesselnden Bilde, wenn schlanke Mädchengestalten in Weißen und farbigen Kostümen die Szene beleben. Da sehen wir graue und farbige Leinenkleider reich mit Patten und abstechendem Vorstoß garniert, weiße Piquoanzüge mit buntgestickten Kreuzstichborten, bastfarbene Panamakostüme mit farbigem Stosfbesatz, praktische Blusen aus Packleinen mit Schößchen- und Goldknöpfchen-Ausstattung, die alle jugendlich und reizvoll genannt werden müssen. Typisch für die Tenniskostüme ist die rnehr oder minder lose Blnse, deren Vorderteile öfters kleine aufgesetzte Täschchen zieren und der fußfreie Glockenoder Volantrock. In den Ruhepausen erweisen sich die kurzen ärmellosen Jäckchen mit breitem Kragen als sehr praktisch. Ein jugendlich ansprechendes Tenniskleid zeigt Modell Nr. 288. Gestickter ecru-Batist bildet das Material, mit dem der weiße Spitzenkragen, Latz, und Stehbündchen der Bluft % 'M 'M •ti i \ i Nr. 228. Modell Nr. 1003. vortrefflich harmonieren. Der dem Rock angesetzte Volant ist durch Stüfchengruppen und Säumchen bereichert, den Volantansatz deckt Spitzeneinsatz und statt des üblichen Ledergürtels umspannt weiches Seidenband die Taille. Für Sportzwecke scheint Leder überhaupt ein immer beliebteres Material zu werden. Taucht es an einzelnen Wollstoffkostümen vorläufig auch nur als Besatzstreifen auf, so hat es bereits bei Automobilfahrten seine Zweckmäßigkeit als Material für die verschiedenen Hüllen aufs beste bewiesen. Das in den verschiedensten dunklen Tönen gefärbte Wildleder läßt besonders die langen, losen Mäntel der Automobilistinnen in Verbindung mit matten Bronze- knöpfen als höchst aparte Modeschöpfungen erscheinen, in welche Klasse a.uch die in zwei Schattierungen-gehaltenen Bolerokostüme aus dem gleichen Material gehören, die freilich ob ihres Preises nicht allen Kraftfahrerinnen erreichbar sein dürften. Für heiße Tage sind derartige Anzüge allerdings zu warm, da greift man lieber zu den Bastseiden- und Packleinen-Kostümen, deren Blusenausschnitt gewöhnlich ein weicher Stehkragen und Kravatte ans schmiegsamem Ziegenleder füllt. Die Mode der flotten Matrosenkleider, die die frische Jugend so anmutig kleiden, wird von dem überaus gefunden Ruder- nnd Segelsport besonders begünstigt. Zu der vielfach ringsum überhängenden Bluse mit freibleibendem Halsausschnitt und dem obligaten Matrosenkragen erweisen sich die fußfreien Tollfaltenröcke als besonders hübsch. Die glatten Glockenröcke werden, um das Monotone zu vermeiden, vielfach mit farbigen Blenden ausgestattet, mit denen dann der Besatz des Kragens zu harmonieren hat. In Bezug auf das Material sind grobe Canevasleinen in weißen oder gelblichen Tönen mit buntgestickten Borten besetzt das Eleganteste, was es für derartige Fahrten gibt, weniger hohen Ansprüchen dürften die getupften oder feingestreiften Flanelle, die einfarbigen Drelle, bunten L-einen- und sonstigen Waschstoffe entsprechen. Zeit und Geld kann jede Dame sparen, wenn sie, bevor sie zur Anschaffung neuer Garderobe schreitet, das Modenalbum und Schnittmusterbuch der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden-N., zu Rate zieht. In der Mitte August erschienenen neuen Ausgabe findet sie alle Neuheiten auf dem Gebiete der Damenkleidung für die kommende Herbst- und Wintersaison vertreten, sodaß es nur der Wahl eines Modelles und Bestellung des dazu in verschiedenen Größen erhältlichen Schnittes bedarf, um eine zuverlässig^ Grundlage für das neue Kleid oder Zacket rc. zu gewinnen. Tie bei eleganter Fayon äußerst sorgfältige Ausführung bet Schnitte macht das Schneidern geradezu zu einem Vergnügen und gestattet durch den billigen Preis derselben einen öfteren Wechsel in der Garderobe. Zu beziehen ist das Modenalbum zum Preise von 50 Pfg. durch die Internationale Schnittmanusaktur, Tresden-N., oder deren Agenturen. Redaktion: August Götz. — 9iofalioii?-britd und 9.'erlag der 9?rül;l’fd:ai Univcrf.tät8»8'ndi= und Cteindruderci. R. Lange, Giesten.