MS l * i1 ’’ SWWMWMW KMM Montag den 16. Movtmöer. die Hausglocke laut und schallend; das junge M,ochen schrak jäh zusammen, dennoch trat sre selbst zur ^ur, um '' $ o/(&ix Harry, Sie sind schon zurück, fo zeitige?" rief sie erstaunt, Ite Augen aus ihn richtend. „ _ na sch wurde müde und kam ijctin rn der Hoffnung, daß "ich den Tee mit meiner Mutter und Jynen trunken toÜT^,gjZtt Ihrer Mutter? Haben Sie vergessen, daß Lady ^tes in Lmrdon^ist?"^ ^^ssen^ O, dies unleidlich« Fest,"warum gehen wir denn nur hm! Dieser Mr BrowN mit seinen häßlichen Manieren, ferner Eingebildetheit tjt mir unausstehlich! Warum besucht meine Mutter uberhatcht (Nachdruck verboten.) | Ein WädcheusKrchsak. Frei nach dem Englischen von A. W endt. (Fortsetzung.) 2. Kapitel. cvaite war nun bereits drei Wochen in Yates-Hall und "hatte sich in dieser Zeit vortrefflich in dre neuen alän^enden Verhältnisse hineingefunden. Zuerst etnpfand sie etwas Heimweh, schrieb täglich nach Hause und war glücklich, einen Brief aus der Heimat zu erhalten, doch kaum merklich, nach und nach verlor sich dres Interesse, wenigstens hatte sie die Entdeckung gemacht, daß mehrere Briefe von Robert und Willy sich uneroffnet auf ihrem Schreibtische befanden — bei all den Zerstreuungen und Abwechselungen in ihrem jetzigen Leben hatte sie nicht Zeit gefunden, dieselben zu lesen; auch jetzt noch hielt ein unbestimmtes Etwas sie davon zurück Trotz alledem hatte sie heute einen lustigen Brief an Willy geschrieben und ihm von all dem Schönen erzählt, das sie hier sah uno erlebte; aber niemals hatte sie bisher SirHarry m ihrem Schreiben erwähnt, obgleich dieser all ihr Demen beherrschte. Lady Yates war für em paar L.age nach London gereist, um Bestellungen und Einkäufe zu emer arvsieren"Festlichkeit zu machen, welche eine begüterte Familie der Nachbarschaft zur Eröffnung der Wlntersaison abhalten wollte und die natürlich mit entern Dalle endigen sollte. Jane hatte Kopfweh vorgeschützt und war froh, daheim bleiben zu dürfen; es tat ihr wohl, nach all dem Trubel ein paar Tage still und ruhig zu verbringen. T n gestrigen Tag hatte sie fast ausschließliche m.der Bibliothek zugebracht, ab und zu lesend, doch auch oft m tiefes Nachdenken versunken, den Kopf sinnend m die Hand gestuch. Heute hatte sie musiziert und ungestört und unbehelligt ihre einfachen, schottischen Balladen gesungen. Sm Am) war schon seit früh zur Jagd abwesend die Diener chaft war beschäftigt und Jane sich ^völlig allein aber „Wahrscheinlich denkt Lady Yales, mit den Nachbarn freundlich verkehren zu müssen. Sie nennen es em unlew- es Fest, und ich habe mich so auf den Back gefreut. Wissen Sie, daß ich noch nie auf einem Dall gewesen bm. „Noch tlie auf einem Dall gewesen? Armes kleines Mädchen!" sagte er mit einem fast, zärtlichen Eon; „hatte ich das gewußt, so hätten wer hier langst schon entert ^^Während dieses Gespräms hatten sie die Halle durchschritten und waren an den Tisch gemngt, auf welchen Jane ihren Brief neben die Posttascye gelegt hatte. „Ah, Sie haben Ihrem Bruder geschrieben", sagte der junge Mann, die Tasche ergreifend und sie Hane geosinet hinhaltend. Da entglitt der Brief den Händen des Mädchens und nel zur Erde, die Adresse nach oben. Sm HariY hob ihn auf, sah den fremden Herrennamen; eine lleje Blasse breitete sich über sein männlich-schönes Gesicht, und mm einem ernsten, vorwurfsvollen Mick gab er den Brref Jane, welche ihn mit einem leisen „Ich danke m dremasche ' Tas eingetretene, etwas verlegene Schweigen währte nicht lange,' der Diener kam und, meldete, daß der Tee im'Wohnzimmer serviert sei. Beide, gingen hmem, es ivar Ladv Dates Lieblingszimmer, dessen fchon Ü^chmtzte, dunlle Möbel und schwellende Polster in dem matten Licht der beiden Tischlampen sehr behaglich und einladend aus- iabeii Ta waren an den Wänden Paneele mit schonet.!, altem Porzellan, zierlichen Vasen "«d wertvollenl Anzen; ein Strauß von duftenden Heliotrop» verbreitete emen leichten Wohlgeruch im Zimmer,, welcher sich nnt oem Aroma des Tees angenehm vermt siche. . Sir Harry, blaß und müde, hatte sich tit emen Arm stuhl nahe dem Katnin gefetzt und sah ernst cm, oas ickone Mädchen in dem dunklen Sommer neide, sah aus m/"s ck ön geformten, weißen Hände, welche das wertvolle Geschirr so sicher und, geräuschlos handhabten, ,ah aus süße Gesicht, die herrlichen, abgriindtie;en Bugen. ' ,Ie schön sie ist! wie sehr ich sie liebe!" dacht« er, „aber wenn —" 1903. — Mr. 171. «SU . , ______rt Xt____ Die Dämmerung war hereingebrochen, das junge Vtäd- chen schloß den Deckel des Instrumentes und trat an das Fenster, das bekannte „Wohin des Wegs geliebte Maw^ leise vor sich hinsummend. Lange stand sie dort, das Gesicht gegen die Scheiben gelehnt und beobachtend, wre am dunklen Firmament immer klarer und deutlicher Stern um Stern erschien, bis der ganze Himmel wie besäet war von diesen milden, freundlichen Lichtern, unfern steten Begleitern in Leid und Freud'. Ein Frösteln überkam sie; beim Umwenden bemerkte sie, daß das Feuer tut ffiantitt fast erloschen war; sie entzündete eine Kerze und begab sich nach ihrem Zimmer. Dort nahm sie den an Willy geschriebenen Brief, um ihn in dre m der Vorhalle befindliche Posttasche zu tun. In diesem Moment ertönte 682 ■ccrne Ijatte ihren Pias nicht wieder eingenommen, sie war zum Teetisch getreten und machte sich an dem Geschirr zu schäften, aber die Finger waren unsicher und die Spitzen an ihrer Taille hoben und senkten sich heftig. Was hatte sie getan! Sie, Jane, die trotz all ihrer Fehler stets offen und wahr gewesen war, sie, welche die Luge als eine große Schlechtigkeit verabscheute, hatte den guten, treuen Willy „nur emen Freund" genannt. Selbst der Jubel in ihrem Herzen, als sie den innigen, zärtlichen Mick der auf sie gehefteten grauen Augen gewahrte, konnte die Scham, welche sie über ihre Lüge empfand, nicht ganz verdrängen. „.^ane!" sagte Sir Harry innig. Sie gab keine Antwort, sie konnte jetzt nicht reden, konnte seinem leidenschaftlichen Mick nicht begegnen. „Jane, bist Du mir sehr böse?" fragte der junge Arttu rnti- i m.v.- je ’c r-° >,Jch bitte, Sir", sagte Jane, ihm eine Tasse bringend. „Sie Armer, wie erschöpft und müde Sie find! Es ist schade, daß ich allein bin und keine von den schönen Jungen Damen hier ist, Sie ein wenig aufzuheitern", fügte sie mit einem leichten Lächeln hinzu. „Ja, sehr schade", meinte er trocken. Doch plötzlich seine Tasse zur Seite schiebend, erfaßte er ihre Hand und diese fest in der seinen haltend, sagte er mit vor Erregung bebender Stimme: „Jane, haben mich diese süß lächelnden Lippen, diese glänzenden Augen die ganze Zeit hindurch getäuscht und betrogen? Sind Sie auch wie all die andern, gefallsüchtig und flatterhaft, Sie, die ich für so wahr, so treu und keusch hielt? — Nein, ich kann diesen Gedanken nicht fassen, nicht ausdenken!" „Was ist geschehen, was meinen Sie?" ftagte sie zaghaft und tief errötend, vergeblich bemüht, ihre Hand zu befreien. „Habe ich Dich erschreckt, Mädchen? wie Du zitterst", sagte er mit innigem Ton, „vergib, o vergib mir, Jane! Wenn Du wüßtest, welche Angst, welche Qual ich die letzte Viertelstunde erlitten habe!" Erregt stand er auf, ließ ihre Hand fallen und sich an den Kaminsims lehnend, sprach er: „Ich sah vorher die Adresse des Briefes, ich konnte es nicht verhindern, wer ist der Mann, an den Du schriebst, wer ist Willy Smith?" Nach einer kleinen Pause antwortete Jane, stolz den Köpf erhebend: „Es ist ein Freund Roberts." „Roberts? Deines Bruders? und auch Dein Freund?" „Natürlich auch ein Freund von mir", entgegnete sie so. ruhig, wie möglich, aber ihr Herz klopfte heftig, sie fühlte, tote alle Farbe aus ihrem Antlitz gewichen war. „Und nur ein Freund, Jane, nur ein Freund?" ftagte Harry mrt dringender Stimme. , Sie hob den Köpf, einen Augenblick sah sie ihm tief tu dte ernsten, ängstlich auf sie gerichteten Augen. „Nur ein Freund." . Ein tiefer Seufzer brack sich Bahn über Sir Harrys ^ppen, der ängstliche Blick erlosch und seine krampfhaft ge- ,. Iö]*ten sich. Nie in seinem Leben hatte er sich glücklicher gefühlt als nach diesen Worten, nie aber auch hatte er mehr gelitten, als in den letzten Minuten, das geigte noch jetzt die Blässe seiner Wangen, als er sich wieder nredersetzte. „Jane, bist Du mir sehr bösel UCi, 1UJWC Mann mit leidenschaftlichem Blick auf ihre schlanke, schmieg- ft Twgßtch blUtneTt ■ Kind, 1 M .trat an ihre Seite, ergriff ihre Hände » -cV? tn den feinigen. „Ahnst Du wohl, was e3 Heißt, wenn man all seine Hoffnungen auf Glück, sein ganzes Leben in die Hände eines zierlichen, kleinen Mädchens gelegt hat und es kommt dann ein Augenblick, wo m°n annehmen muß,, daß jedes Lächeln, welches die Liebe anfachte, ent Raub, ein Unrecht an einem andern war —? Wenn Du das verständest, ja, dann würdest Du wissen, welche Qual ich erduldete, während ich —. Ach, vergib intr, mein Liebling, vergib mir, daß ich zweifelte! Und dann, wenn man sich überzeugt" — er faßte sie zärtlicher, und der stolze, schöne Kopf neigte sich mehr zu dem ihrigen, „daß man im Unrecht war, daß man dem Mädchen wehe getan ,hat mit seinem Zweifel, daß es frei ist, un- gehmdert, die Liebe zu erwidern, die ihm dargebracht wird! j.elch berauschendes Glück! Aber, mein teures Kind, tote Du geworden! hab' ich Dich erschreckt mit meiner Heftigkeit?" setzte er ftaurig hinzu, als sie bei der Leidenschaft feiner Morte erbebte. Er drückte sie sanft in den Armstuhl, aus welchem er aufgestanden war, aber er schöpfte keinen Verdacht; seinem Vertrauen, seiner Liebe zu ihr lag der Gedanke, daß sie ihn betrügen könnte, weltenfern. Er sah sie aufgeregt und erschreckt, aber sein Herz war voll Zärtlichkeit für dies junge,; fchöne Mädchen, welches er so innig liebte und welches —i o, diese tiefen, herrlichen Augen sprachen die Wahrheit, sie konnten nicht lügen — ihn wieder liebte. „Kannst Tu mich anhören, Jane?" ftagte er sanft. „Kannst Du ein wenig meine große Liebe verstehen, kannst Tu erraten, wie grenzenlos dieselbe ist, wenn ick) Dir sage, daß, wenn dieser Willy Smith das wäre, was ich vor einigen Minuten fürchtete, mein ganzes ferneres Leben düster und fteudlos gewesen wäre? Jetzt, mein Liebling, selbst wenn Tu mich nicht wieder liebst, bist Du wenigstens nicht verhindert, mir anzugehören. Laß mir die Hoffnung, Jane, daß meine Liebe groß genug ist, einst die Deinige zu gewinnen!" Langsam kehrte die Farbe auf ihre Wangen, auf ihre Lippen, der Glanz in ihre Augen zurück. Er liebte sie, welch ein großes, unendliches Glück! Selbst ein ganzes Leben voll Kummer und Schmerz war kein zu hoher Preis dafür, gernii nd willig wollte sie diesen dafür zahlen. „Tu schweigst, Jane, hast Du kein Wort für mich?" fuhr Harrch fort, sich zärtlich zu ihr neigend. „Kannst Du mich lieben, mir vertrauen? O spricht mein Liebling, bestätige mir mit Worten das süße Geständnis, welches ich in Deinen schönen Augen las." Zitternd barg das junge Mädchen das Antlitz an seiner Brust, liebevoll legte er den Arm um die schlanke Gestalt und neigte das Gesichjt auf ihr duftendes Haar, es leise mit seinen Lippen berührend. „Und woher weißt Du", fragte Jane plötzlich, „daß es nicht zumeist Dein Reichtum ist, den ich liebe? Ich verabscheue die Armut, und das Leben hier ist schön." „Woher ich's weiß, Jane? Deine Augen haben es gesagt. Du hast die treuesten Augen, sie können nicht lügen, nicht trügen. Nun laß auch Deinen Mund es sprechen, was jene verraten. Sage nur drei kleine Worte, Jane, die mich zum glücklichsten Menschen machen!" Seife und zögernd kam's von ihren Lippen: „Ich liebe Dich!" dann die Arme um seinen Hals schlingend: „O, ich liebe Dich so innig, Harry!" „Ob Tu wohl ahnen kannst, wie glücklich Du mich machst mit Deinen Worten?" sagte er zärtlich. „Seit dem ersten Tage Deines Hierseins habe ich Dich geliebt, habe zwischen Furcht und Hoffnung geschwebt. O, Kleine, Du weißt nicht, welch schreckliche Qual die Eifersucht ist! Aber tote blaß Du wieder bist, mein Lieb! Ich habe Dich erschreckt und ermüdet. Geh' zur Ruhe, meine Jane, schlafe süß! Auf ein seliges Wiedersehen morgen!" Sie gingen miteinander durch die Halle, da kam ein Diener mit den etngcgangeneit Abendbriefen und gab sie an Sir Harry. „Hier ist einer für Dich Jane", sagte er leicht, ihr denselben überreichend. „Robert ist ein unermüdlicher Korrespondent." Er blickte ihr nach bis die schlanke, graziöse Gestalt auf der breiten Treppe verschwunden war, dann kehrte er ins Wohnzimmer zurück. Als Jane ihr Zimmer betrat, ging sie sofort an den Schreibtisch, schloß das Brieffach auf und legte auch den eben erhaltenen Brief uueröfsnet zu zwei ebensolchen, die sich schon daselbst befanden. Mit einem unbeschreibliches Gefühl von Beschämung verschloß sie das Pult wieder.. Sie konnte Willys Briefe nicht lesen, seine freundlichen, treuen Worte würden ihrem Herzen bitteres Weh ver-i Ursachen. Brigthfield, tote Mr. Brown sein Gut genannt hatte, bestand ans einem großen, modern gebauten, schloß ähnlichen Hause mit einem verhältnismäßig kleinen Park.. Der Name war sehr passend gewählt für die Besitzung^ es war alles neu und glänzend, beinahe aufdringlich! neu. Das Haus, von roten Steinen erbaut, leuchtete förmlich; und der weiße dement blendete die Augen im Sonneinschein ; im Innern wirkten die lebendigen Farben, die Vieleck Vergoldungen und die großen blitzenden Spiegel fast beleidigend. Man sah, es war das Besitztum eines reichen Emporkömmlings, der durch seinen Reichtum imponieren, durch ihn sich Eickgang in die auserlesenen Zirkel der Vornehmen 683 Kunst. Dates erfreute sich an ihrem kindlichen Entzücken, und technischer und künstlerischer Bezieh Sir Harry wurde nicht müde, das liebliche Gesicht ihm großen Gediegenheit der Kenntnisse, hin, als ihr Geliebter mit ihr im Walzer dahinschw»bte. Ein schönes Paar, welches aller Augen bewundernd auf sich lenkte. Brightsield lag sechzehn Meilen von Dates-Hall, aber es war eine klare, mondhelle ruhige Nacht, und die Fahrt daher schön. Sie erschien Jane gar nicht lang in der Erwartung all der Herrlichkeit eines ersten Balles. Lady stellt, so sind die Deutschen doch, gerade durch ihre ernste Hingabe an die Kunstleistung auf der Bühne selbst im letzten Menschenalter dazu -gekommen, eine selbständige und neue Form des Theaterbaues anzubahnen, die noch eine große Zukunft vor sich, hat. Das ist die Form des Wagnertheaters, wie sie durchs Richard Wägner und Gottfried Semper gemeinsam entworfen und bisher im Bayreuther Festspielhause sowie in dem neuen Prinz-Regenten-Theater in München verwirklicht worden ist, Hier tritt die schöne und wjrkungs!- volle amphitheatralische Anordnung der Zuschauerreihen in ihr Recht und zwar aus dem idealen Gesichtspunkte, die Zuschauer als geschlossene Masse dem idealen Reiche der haben wir keine Form der Theater-Architektur gefunden) die uns ebenso deutlich und machtvoll zu erkennen gißt; dies ist ein Theater, wie uns andere erkennen lassen: dies ist ein Fürstenschloß, oder: dies ist eine wehrhafte Burg. Ja, es fehlt selbst nicht an argen Berirrungen. Wenn man Theater in den Stilen einer Epoche baut, die, wie die Zeit der romanischen Architektur oder die Periode Alt- Nürnbergs, noch gar kein Theater in unserem Sinne gekannt hat, so muß man in solcher Stilfexerei einen vollkommenen Mißgriff erkennen. Auch macht Mi gerade in neuester Zeit wieder vielfach das Bestreben geltend, in der Architektur der Theater mehr den Glanz eines eleganten Gesellschaftshauses, als, ibte Weihe eines Kunsttempels zum Ausdruck zu bringen. So bleiben dem Theaterbau noch große Aufgaben zu Men; allein die gewaltigen Fortschritte, die er in manchen Beziehungen im letzten Menschenalter gemacht hat, berechtigen zu der Hoffnung, daß er auch seine ferneren Ziele erreichen wird. verschaffen wollte. In Mi:. Browns Augen wär Brigthi- field das vollkommenste, was es gab; er war nicht sehr begeistert von der etwas erloschenen Pracht des naheliegenden Schlosses Bavasour, von der stattlichen, aber etwas büsteren Erhabenheit von Dates- Hall, er zog seine eigene glanzvolle Umgebung von Vergoldungen und Spiegelglas vor. Sein Haus war von der neuesten Architektur, mit den neuesten Bequemlichkeiten versehen, mit verschwenderischer Pracht ausgestattet. Ta konnte man alte, eichene Treppen, alte Bilder, Familien- erbstücke von altem Silber, wenn auch noch so schwer und kostbar, eigentlich nicht vermissen. Es war massenhaft Silbergerät in den elegantesten, neuesten Entwürfen vorhanden und die Diamanten der jungen Mrs. Brown erglänzten im reinsten Wasser. Der Eröffnungsball in Brightfield war großartig, keine Kosten waren gescheut, das Fest zu einem glänzenden zu machen; ein berühmtes MusikLorps war angenommen und spielte seine auserlesenen Weisen. Mr. Brown war sehr I Liebesblick aus seinen schönen, grauen Augen. All ihr Eigennutz, ihre Ehrbegierde waren fort, hinweggenommen durch ihre große Liebe. Wie schön und stattlich war ihr Geliebter! Wie klein und unbedeutend waren alle andern im Vergleich mit ihm! Und er — o Glück, er liebte sie! Wie könnte sie jetzt noch leben ohne ihn! Ja, wie hatte sie bisher nur leben können? Ohne ihn! Welch ein Glend in diesen zwei kleinen Worten! Sir Harry, der sie eben zu einem Walzer holen wollte, sah den Farbenwechsel in ihrem Antlitz, sah aber auch, wie ihre Augen Heller strahlten, sobald sie den seinen? begegneten, und heiter und glücklich schwebten sie dahin, gleich tun getragen von den sanften Tönen der schönen Fortsetzung folgt. gegenüber, welches in der mit weißem Pelz verbrämten Kapuze unbeschreiblich reizend aussah!, zu betrachten. Die ganze reiche Toilette von gelbem Atlas mit zarten Spitzen, Bald war Jane umringt von jungen Herren, welche alle sich bemühten, von dem schönen Mädchen einen Tanz zu erhalten. Sir Harry, welcher sich mehrere Tänze gesichert hatte, amüsierte sicu, sie zu beobachten, zu denken, daß dieses junge Mädchen, so unvergleichlich schön in dem hellen, fast farblosen Kleide, ohne jeglichen Schmuck, nur mit der mattgelben Rose tot dunklen Haar, sein eigen sei, seine süße Geliebte, bald seine Braut. Sie selbst war ausgelassen glückliche hatte alle Ge- ___ banken an ihre Lüge, an den armen, betrogenen Willy Bühne gegenüberzustellen. Es ist interessant, daß Semper Erjagt. Ste dachte nur an Harrys Liebe ihr gegen- auf Grund der Aufzeichnungen seines Vaters mitteilt, daß wartrges Gluck, an dte Bewunderung, dte ihr von allen I auch die berühmte Tieferlegung des Orchesters nicht, wie Setten zutetl wurde. Ste hatte stch die Angelegenheit in man im allgemeinen annimmt, aus rein musikalischen ber Einsamkeit ihres Ztmmers reiflich überdacht und war Gründen, sondern in erster Linie aus optischen Gründen zu dem Entschluß gekommen, Sir Harry niemals etwas von erfolgt ist, um tot Theaterraume die beiden hier einander ihrem Betrug zu sagen. Nie sollte er erfahren, daß sie ! begegnenden Welten sichtbar gegeneinander zu kontrastieren, beretts einem anderen sich verlobt hatte. Willy ivav So stellt stch das Wagnertheater als echte Frucht jenes gut und großmütig, er würde sie fteigeben, wenn sie ihn deutschen Geistes dar, der im Theater einen Kunsttempel darum bäte, wenn auch betrübten Herzens, aber er würde und nicht einen gesellschaftlichen Schauplatz sieht. Gelöst .sicher ihrem G uck nicht hinderlich sein, würde auch auf ist das Problem des Dheaterbaues heute noch nicht. Noch ihren Wunsch über die ganze Sache schweigen. Und Ro-' -------- ~ -• - - ' 6ert? — — nun, wenn dieser auch zuerst ein wenig böse wäre, er würde wieder gut werden, er hatte ja no.ch immer ihre Wünsche und Bitten schließlich doch erfüllt. Nur Willys nächste Verwandte wußten von der Verlobung, und sie würden gewiß zuftieden sein über ore Auflösung derselben; war sie doch nie so recht nach ihrem Wunsche gewesen. So hatte sie ihren Plan entworfen und war mit ihrer Handlungsweise ganz zuftieden, genoß ihr Glück in vollen Zügen und freute sich in Gedanken schon über die Stellung, welche sie als Sir Harrys Gattin einnehmen würde. Welch eine Zukunft lag vor ihr! Dock)! nicht Harrys Rang und Reichtum war es, was sie zum Mortbruch gegen Willy veranlaßte, diese hatten sie zgierst wohl gefesselt, geblendet, aber jetzt liebte sie ihn Mit der ganzen Kraft und Innigkeit ihres Herzens. Wenn arm fteundlos und verlassen wäre, sie würde gern und willig ihm bis ans Ende der Welt folgen für einen — In dieser Jahreszeit, da sich allwöchentlich mehrmals unsere Theaterfreunde im Theater versammeln, um die ge- sälligen Gaben der Musen zu genießen, dürfte es am Platze feto, aufmerksam zu machen auf ein compendiös vorzügliches Werk üß-'e.r chen Theaterbau, das der Hamburger Baurat M. Semper, d er Sohn Gottfried Sempers, veröffentlicht hat und das das ganze Gebiet des Theaterbaues in geschichtlicher, technischer und künstlerischer Beziehung mit einer ebenso c 1 •" , wie Klarheit der Darstellung und Besonnenheit des Urteils behandelt. Es betitelt sich „T h e a t e r" und ist des „Handbuchs der Archi- w*»« hh* au».»« । tektor" 4. Teil, 6. Halbband, Heft 5 (Stuttgart, Arnold der weiche, warme Pelz waren Geschenke von Lady Dates I Bergsträßer). Wertvoll ist angesichts des Gießener Theater- an ihre Patin. , I bauprojektes eine Reihe von Betrachtungen, die Semper Als unsere Keine Gesellschaft ankam, war das Fest I in aller Herren Länder angestellt hat. Das nennt er das bereits in vollem Gange, und Janks erstauntem Blick Charakteristische des deutschen Theaters, daß bei uns der erjchten alles wie ein wundervolles Märchen; das viele! Theaterbesucher sich mit der größten Andacht der Vorstellung Licht, die glänzenden Toiletten, die Blumen, die sanften selbst widmet. Daher muß der deutsche Theaterbaumeister Tone der Musik, der leimte Wohlgeruch, all dies vereinigt, I mit größerer Sorgsamkeit sein Augenmerk darauf richten, wirkte fast berauschend auf sie, ihre dunllen Augen blitzten daß man von jedem Platze des Theaters aus einen guten wie Sterne, ihre Wangen schimmerten in lieblichem Rot, I Blick aus die Bühne hat. Und wenn das Theater wie es und mit Entzücken gab sie sich dem Vergnügen des Tanzes heute ist, in seinem Kern einen italienischen Gedanken dar- — 684 —' Spemanns Kunst-Kalender für 1904, Verlag von W. Spemann, Berlin, Stuttgart und Wien. — Wohlbekannt und sehr beliebt ist dieser künstlerische Blätterblock )er in der Form eines Abreißkalenders ein ganze Mu- eum van Abbildungen hervorragender Werke der maler- schen und plastischen Kunst gibt. Die Absicht des Verlegers, eben Tag einen andern künstlerischen Eindruck, eine andere künstlerische Erinnerung zu bringen, einen anderen künstlerischen Nachweis zu geben, ist glänzend erreicht. Eine Fülle künstlerischer Belehrung sowie eine wvhlausgewähke Anzahl von Sprüchen der Lebensweisheit begleitet die tadellos wiedergegebenen Meisterwerke der Kunst, die hier dein deutschen Hause täglich nahegebracht wird. Tie Kun st. Monatshefte für freie und angewandte Kunst. (Verlagsanstatt I. Bruckmann A.--G, München, vierteljährlich 6 Mk.) Tas soeben erschienene Novemberheft enthält den Schluß des Artikels „Das,Wie' und das,Was' in der Kunst" von Dr. H. Eckener; Hermann Eßwein gibt eine interessante Untersuchung über „Bild und Bildgröße"; Hans Rosenhagen plaudert über „Deutsche Kunstzustände" (Affäre St. Louis) sowie „Berliner Kunstsalons". Illustrativ sind zunächst in zwangloser Zusammenstellung einige Wiener Künstler besonders berücksichtigt, z. B Moll, Engelhart, Tichy, Nowak, Mehner, Rößler, der mit einer farbigen Sonderbeilage vertreten ist, dann folgen Proben „moderner Präraffaeliten", wie de Morgan, Bell, Brickdale, Gvtch, Linton, Stillman, Shaw, Southall, Waierhouse, zu denen Jarno Jessen den Text geschrieben hat, in dem nach kurzem historischem Ueberblick jeder einzelne der Neueren kurz und treffend gezeichnet wird. Im Teil „Dekorative Kunst" ist Wilhelm Kreis, dem Schöpfer zahlreicher Bismarck- säulen und des Eisenacher Burschenschaftsdenkmals, ein besonderer reich illustrierter Aufsatz gewidmet; R. von Schneider bringt die Fortsetzung von „Zuerst der Hof und dann das Haus", worin er diesmal an Beispielen, die er den Bebauungsplänen von München, Köln und Dresden entnimmt, die Nachteile der jetzt üblichen Bauweise nachweist, und an Gegenbeispielen zeigt, wie leicht sich diese hätten vermeiden lassen. Den übrigen Inhalt des umfangreichen Heftes bilden viele, teils farbige Abbildungen von Jnnenräumen, Beleuchtungskörpern, Vorsatzpapieren, Stickereien und ein ebenfalls reich illustrierter Aufsatz über die „Gesellschaft für dekorative Kunst" in Kopenhagen, sowie eine Fülle kleiner Notizen und Mrtteilungen. Vermischtes. * Hebet Petropolis, die deutsche Kolonie in Brasilien, plaudert Ernst v. Hesse-Wartegg in der „Voss. Ztg." Er erzählt u. a. folgendes: Was Petropolis so entzückend macht, ist nicht nur seine Lage und sein das ganze Jahr über mildes angenehmes Klima, sondern vor allem die Umgebung. Schon deshalb, weil ihr ganzer Charakter an unsere schönen Thüringer und Schwarzwaldtäler erinnert, mit ihren deutschen Bauernhäusern, ihren Blumen- und Gemüsegärten und saftig grünen von klaren Bächen durchrauschten Matten, und dem darauf weidenden Vieh. Auf den Straßen deutscher Verkehr, deutsches Wesen; blond gelockte Knaben, die mir „Grüß Gott" zuriefen und pralle deutsche Schulmädchen, ihre Zöpfe nach Gretchenart geflochten. Wären die vereinzelten Palmen, die Bananenstauden und dunkelgrünen mit goldgrünen Früchten bedeckten Orangenhaine nicht gewesen, ich hätte mich in Deutschland wähnen können. Sogar die Namen der Straßen und Täler sind großenteils deutsch geblieben, und entsprechend der Heimat der Ansiedler, hauptsächlich Preußen und Hessen, deren es schon im Jahre 1851 unter 2750 Seelen 1300 bezw. 900 gab. Tantals war die Kolonie in zwölf Bezirke abgeteilt mit den bezeichnenden Namen: Bingen, Ingelheim, Moseltal, Nassau, Westfalen, Niederrhein, Mittelrhein, Worms, Darmstadt, Castell, Untere Pfalz, Obere Pfalz. 1857 wurde Petropolis zur Stadt erhoben. Ein Deutscher, G. F. Busche pries damals den mächtigen Gönner der Stadt, den Kaiser, in schwungvollen deutschen Versen, die in der portugiesischen Hauptzeitung, dem „Mereantil" veröffentlicht wurden, und an deren Schluß er sich zu folgender Prophezeiung versteigt: Redaktion: August Wie schön sind Deine grünen Talesäründe, Wie blüht die Jugend voller Lust und Leben Der nächsten Zukunft frischen Mut zu geben. Damit sich Kraft an eig"ner Kraft entzünde; Die Ahnung sagt's und sicher wird's geschehn Petropolis wird einst Brasil-Athen! Vorläufig hat es damit noch sein gut Bewenden und die deutschen Franziskaner, die Hauptträger der Wissen- schaft und Künste, werden recht fleißig sein müssen, soll die Prophezeiung von Brasil-Athen erfüllt werden. Dafür blüht auch, heute noch „die Jugend voller Lust und Leben", im Moseltal liefen die Jungen hinter meinem Wagen her und bettelten um ein paar Münzen, und was die „Schönheit der grünen Talesgründe" betrifft, so ist sie womöglich nod) gewachsen. Noch mehr als die Fahrt durch das Mosel- und das Biugertal fesselte mich der Ausflug den rauschenden Piabanha entlang durch das von zwölf- bis fünfzehnhundert Meter hohen Bergen eingeschlosfeue Tal nach Caseatinha. Der Fluß bildet dort einen romantischen Wasserfall, und die ganze Gegend ist ein Stückchen Berner Oberland, statt von Schweizern von H e s s e n b e v ö l k e r t. Literarisches. In manchem Naturfreund regt sich der Wunsch, auf Reisen eine anziehende Landschaft in einfacher Farbenskizze- festzuhalten. Diesem Bedürfnis kommt Hattons „Skizzierende Aquarellmalerei", die im Verlage von Otto Maier in Ravensburg zum Preise von 1.50 Mk. in deutscher Ausgabe erschienen ist, entgegen. Für eine flüchtige Skizze ist es doppelt notwendig, das charakteristische einer Szenerie rasch und bestimmt zu erfassen und eine Methode des Malens anzuwenden, welche es ermöglicht, den empfundenen Eindruck erschöpfend und wahr wiederzugeben. Darin liegt aber die Hauptschwierigkeit für den Anfänger, der nur schwer vermag, wesentliches und unwesentliches zu scheiden und deshalb leider gar oft nach entmutigenden Mißerfolgen den Pinsel wieder zur Seite legt. Hattons Buch wird den Lernenden vor Mißerfolgen bewahren, denn es birgt in knappeb Fassung eine Fülle klarer und gründlicher Belehrung. Unter stetem Hinblick auf echt künstlerische Auffassung wird das technisch notwendige und methodische klargelegt. Vom Verlage wurde dem Buch ein praktischer Anhang beigegeben mit einer Beschreibung der Farben und Winke zu geeigneten Mischungen für allerlei Darstellungen, ferner allerhand „Kunstgriffe" und technische Vorteile, die dem Anfänger wichtig sind. Außerdem führen 6 farbige Tafeln die Entstehung einer Skizze vom ersten Pinselstrich bis zur Vollendung in 6 Stufen vor Augen, eine Beigabe, welche mehr nützt als viele weitschweifige Darlegungen. — Jungmuttersorgen. Eine Anleitung zur Pflege des gesunden S ä u g l i n g s für Mütter und Pflegerinnen. Von Tr. med. Wilhelm Fischer. Schwabacher Verlag in Stuttgart. — Durch „Jungmuttersorgen" soll jede junge Mutter zum Wohle des Kindes wissenschaftlich und praktisch auf richtige Wege gebracht werden, um darauf selbständig ihren Säugling gesund erhalten und gesund heranziehen zu können. Tie Anordnung nach Zeiträumen ergibt sich aus folgenden Kapitel-Ueberschriften: In Erwartung. — Die Säuglingskleidung. — Die Ernährung. Tie Ankunft. — Der erste Tag. — Ter zweite Tag. — Der dritte Tag. — Ter vierte Tag. — Vom fünften bis vierzehnten Tage. — Tie dritte und vierte Woche. — Der zweite Monat. — Tas zwette halbe Jahr. Buchstabenrätsel. Nachdruck verboten. Mit ü zeigt,s Glanz und Macht, Mit i hat's Berg und Haus Mit o zeigt's grüne Pracht. Und lockt uns ost hinaus. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Wortspieles in vor. Nr.r a. Notar, Eros, Selma, Noten, Torte, Eris, Rain, Launen, Siam. b. Ornat, Rose, Amsel, Tonne, Otter, Reis, Iran. Ulanen, Mars. R. Lange, Gießen. Göb. — Rotationsdruck und T erlag der Brübl'schen Universitäts-Buch« und Cteindruckerei.