Nr. 138 Mtf WWMW M i MW W MM _v - (Nachdruck verboten.) Das NsHemNHe« m der VretWt. Kber warte nur. Du wirst schon noch zu Kreuze kriechen. Wte heißt er denn, der schöne Mann, und wo wohnt er?" geurs " ^widerte der C'hvr, „er wohnt in den Voya- „Da kann er froh sein!" rief Guenn zuversichtlich. „Was für eine wackere Frau ist Madame!" «y. ,'??unz ist auch kein Kunststück, wenn man so ein Wtrtvhaus hat und weiter nichts tut, als die Fremden anlacheln, das kann jedes." ihr dummen Leute", rief Guenn verächtlich, „was nrr?en? l$r Madames kleiner Finger ist ja klüger als r sanft ist und bei allen so beliebt, würde dch Mädchen in Ordnung halten und beit Herren freundlich zulächeln. Dann wäre es aber schön in den Voyageurs'? Ein Sturm der Entrüstung erhob sich bei diesen' Worten, den Guenn geschickt mit dem Ausruf: „Dort kommt Morots Boot!" zu unterbrechen wußte. „Das ist auch so einer", knurrte Madame Nives auf thre angenehme Art, „er tut den ganzen Tag weiter nichts als segeln und sich amüsieren, während wir uns abrackern müssen. Essen, trinken, schlafen und segeln — ein faules Leben! Sein Vater war auch so, und sein Großvater hat stch gar auf seinem eigenen Speicher erhängt." Sie bekreuzigte sich furchtsam. Aber auch auf bliesen Angriff hatte Guenn eine Er- wtderung. „Antwortet mir alle, die ihr hier seid : Wer ist der beste Seemann in ganz Mouvenee? Monsieur Louis. Wer tst s-o freigebig und so gütig wie er? wie Viech Menschen hat er| schon mit eigener Lebensgefahr dem sicheren Tode entrissen? wer hat für Lote Nives gesorgt, als ev setn Betn gebrochen hatte? Monsieurs Louis. Ich würde' doch nichts schlechtes hinter seinem Rücken sagen, selbst wenn ich Madame Nives wäre." „Das ist wahr, Guenn", rief der Chor bet Weiber, „fte darf gerade gar nichts über Monsieur Louis sagen."- oUnb was tut er jetzt?" fuhr Guenn mit steigendem! Etfer fort, „Jetzt bringt er uns den becteur des Lannions herüber. Ich sehe ihn ivohl, der gute Monsieur Louis! was konnte er wohl mehr für uns tun als uns einen Engel vom Himmel bringen, denn wohin der becteur kommt, folgt ihm Segen und Freude, das weiß jeder, der kein Schurke oder Dummkopf ist, Schande über Euch, wenn ihr's wagt, etwas gegen Monsieur Louis zu sagen. Guenn Rodellec wtrd's mit Euch allen aufnehmen!" „lind ich sage trotzdem, daß er ein Tagedieb ist", rief Madame Nives aufs äußerste gereizt, „wenn er eines schonen Tages ertrinken sollte, würde ich lachend dabei stehen. Ich hasse ihn, wie seinen Vater. Wäs aber Deinen vtelgerühmten Priester anbelangt — bah, es giebt so viele Priester, viel M viele. Hohoh! Du wirst mir mit Deinen großen Augen nicht bange machen, Guenn Rodellec — sieh mich nur wütend an! Bildest Du Dir denn wirklich ein,' daß ihm außer Dir irgend jemand im geringsten Dank wüßte, weil er Deinen Nannte vom Fieber geheilt hat? Tas häßliche, kleine Ungetüm, das allen nur int Wege ist!" „O seid still, seid still!" suchten die Weiber zu begütigen. Sogar die Roheit von Plouvenee hatte ihr« Grenzen. Aus Guenns Gesicht war jeder Schimmer von Frohsinn gewichen. Geisterbleich, von Leidenschaft förmliche berge er t, starrte sie auf das böse alte Weib. „Ihr alter Satan!" stieß sie toutbebend hervor; Hätz- 550 liche Linien legte« sich Um. den jungen Mund, als er so böse Worte sprach. „Sage noch ein einziges Wort über Thymert oder über meinen Bruder Nannic", die Worch kamen nur mühsam, mit sichtlicher Anstrengung über ihre Lippen, „noch ein Wort nnd —" „Bo—v—o!" rief hier eine schrille Stimme. „Da bin ich!" und das bleiche Gesicht des buckligen Nannie, dessen große Augen denen seiner Schwester glichen, schaute mit unheimlichem, schlauem Lächeln aus den Büschen an der Urner hervor. Tie Frauen bekreuzten sich hastig. Neben manchen: anderen alten Aberglauben aus der Truidenzeit, hatte sich bei den Frauen in Plouvenee die feste Ueberzeugung erhalten, daß Zwerge und Kobolde in der Nähe von Eichen und fließendem Wasser jederzeit erscheinen können. Ter Knabe setzte sich, das bleiche Gesicht auf die Hände gestützt, regungslos, mit stierem Blick, den Frauen gegen«: über. „Wer hat Nannic gerufen? Ich war viele Meilen entfernt und hier bin ich." Er gab diese Erklärung in einem feierlichen, fast singenden Tone, der seinen Eindruck nicht verfehlte. — Madame Nives fuhr mit schuldbewußter Miene fort, eifrigst zu waschen. Es war ihr unter diesen durchdringenden Augen entschieden unbehaglich zu Mute. Tie anderen Frauen starrten wie gebannt auf die plötzliche Erscheinung. „Madame Nives", rief der Krüppel, „ihr wäret es, die Nannie gerufen hat. Ich kam. Ich werde auch wieder zu Euch kommen, um Mitternacht, wenn alle Toten äuserstehen." Endlich kehrte wieder Farbe in Guenns bleiches Antlitz zurück, ihre krampfhaft erhobenen Arme sanken herab. Mit herzigem Lächeln wandte er sich zu Nanic, ihr Gesichts- ausdruck ward weich und ihre großen blauen Augen glänzten hell. „Gleich komme ich, lieber Junge!" sagte sie zärtlich, -„warte auf mich!" „Ich warte auf Jeanne", versetzte der Kleine eigensinnig. „Meine chose", lachte Guenn; dann packte sie ihre Häb- seligkeiten zusammen und schritt, von Jeanne und Ninnic begleitet, leichtfüßig die Bucht entlang, „Ah mon den, que la Vie est amere", hörte man noch aus weiter Ferne die frischen, jugendlichen Stimmen singen. 4. Kapitel. Tev Pfarrer der Lannions stand vor der halboffenen Tür von Rodellees Hütte und klopfte. Ta er keine Antwort erhielt, und außer dem leisen Rasseln herabfallender Blätter kein Laut vernehmbar war, bückte er sich, um in die Niedere Behausung einzutreten. Es war noch alles so, wie es Guenn vor Stunden verlassen hatte. Der kleine Suppentopf stand unberührt auf dem erkalteten Herd und der Haus- herr schlief noch immer in seinem turmhohen Bette. Ter Priester setzte sich auf die Bank am Tisch, warf einen prüfenden Blick in dem unfreundlichen Raume umher und seufzte tief. Thhmert sah ganz aus wie ein Manu aus dem Volke, seine gebräunten, starkknochigen, wetter- durchfurchten Züge gaben Zeugnis von einer mehr tatkräftigen, als beschaulichen Natur. Mit der Würde seines priesterlichen Amtes vereinte er die Sorglosigkeit des Seemanns, auf Uer einen Seite besaß er ein starkes Bewußtsein seiner persönlichen Kraft und unbegrenzten Autorität über die Glieder seiner Jnselgemeind'e, auf der anderen kennzeichnete ihn noch dieselbe schüchterne Einfachheit, wie dereinst den achtjährigen Knaben, den der gute Pfarrer von Beuzec sich zum Gehilfen herangebildet hatte, bis er ihn aus die Priesterschule schickte. Auf den Lannions angei- stellt, war er dort verblieben, iveil seine Vorgesetzten wohl kaum einen zweiten gefunden hätten, der tote er für die Stelle paßte. Ein Ehrgeiziger würde sich schwerlich begnügt haben mit dem bescheidenen Posten eines Seelsorgers von etwa hundert armen Fischern, deren rohe Hütten hier und da auf den neun öden Inseln verstreut lagen, denen bei der Geburt, bei Leben und Tod, Krankheit und Gesund^ heit immer und ewig das Rauschen des mächtigen Ozeans ertönte, zu denen Jahre hindurch kein Klang der aufgeregten Zeit drang, mochten auch Reiche erstehen und untergehen! — Aber Thymert war nicht ehrgeizig. Er stellte nie Beträchtungen Wer seine Lage an. Er war der Recteur des Lannions, — das sagte alles. Arzt, Seelsorger und Tröster der Frauen, Freund Und Gesährte der Männer, stark genug, um wenn's Not tat, ein paar zänkische Trunkenbolde zur Vernunft zu bringen, nie zu vertieft in sein Gebet, um nicht sofort gewahr zu werden/ wo sich ein Streit ßu erheben drohte — war Thymert König aus seinen wilden Eilanden. Sein Boot ankerte vor seiner Tür, und zu jeder Stunde des Tags oder der Nacht — ob die Wogen noch so ungestüm an das felsige Gestade anprallten, ob der Sturm brüllte und menschlicher Anstrengl- ititg zu spotten schien — er war bereit, auf den ersten Ruf seinen Pfarrkiudern zu Hilfe zu eilen. Einfältigen, treuen, tapferen Mutes, übte der junge Seemannspriester aufs sorgsamste die Pflichten seines Berufes aus. In der ärmlichen kleinen Kapelle zur heiligen Jungfrau auf dem! Loch, bereit rohe Wände mit Abbildungen der dem Schutz der Madonna befohlenen Schiffe bedeckt waren, ward die heilige Messe freilich oft mit eigentümlicher Hast gelesen/ wenn der Pfarrer soeben erfahren hatte, daß einem Glied seiner Gemeinde ein Unfall zugestoßen sei; ja einmal, als der lähme Jean so schwer am Fieber darniederlag und ihn rief, ist es den beiden alten Betbrüdern, die wie immer, ihren Rosenkranz hersagten, noch bis zum heutigen Tage unklar geblieben, ob der Pfarrer die Wesse, die Vesper ober! gar nichts gelesen habe, so hastig war er auf die Kanzel! geeilt nnd wieder herunter. Aber sie liebten ihn trotzdem, ihren heißblütigen, warmherzigen jungen Pfarrer; und was! die heilige Schutzpatronin der Inseln anbelangte, so legte sich Thymert gar nicht erst die Frage vor, ob ihr eine; eintönige Liturgie ihr zu Ehren, ober eine männliche, hilfreiche Tat zu Gunsten der armen Menschenkinder lieber! wäre. Ter Pfarrer saß ruhig wartend in Rodellees dunklem' Zimmer. Unwillkürlich bebte er etwas zurück vor der Aufgabe, die er sich gestellt hatte. Für gewöhnlich toar-er kein sehr beredter Mann; bei ruhigem Blut standen ihm die Worte nicht zu Gebote, wie er gewünscht hätte, auch setzte er selbst kein rechtes Zutrauen in seine Beredsamkeit. Nachdem er eine halbe Stunde regungslos gesessen, erhob er sich nach der Uhr sehend plötzlich rasch und trat an Rodellecs Bett. 1 ■ ! H „Herds, wache auf!" rief er und schüttelte den Schläfer mit kräftiger Hand; „steh' auf, ich habe mit Dir zu. reden." Hervö fuhr empor, öffnete die Augen nnd erblickte! die schwarze Gestalt; nachdem er sich mehrfach bekreuzt hatte, begann er verworrene, hastige Gebete zu Saint HervS von Plouvenee, seinem Schutzpatron, und zu Saint Jean be la Roche zu stottern. „Ich bin nicht ber Teufel", sagte der Priester ernsthaft.. „Er ist nicht gekommen, um Dich zu holen — noch nicht/ Hervs. J'ch bin nur Thhmert und will mit Dir sprechen. Willst Du'nun aufstehen?" Rodellec kroch, halb angekleidet, wie er sich hingewvrfen, aus feinem Bett heraus und ließ sich stumpf und schwerfällig aus die nächste Bank fallen. Vor ihm stand der 'Geistliche und betrachtete ihn mit unzufriedenen Blicken. „So kannst Du mir nicht zuhören. Trinke erst einmal/ essen wirst Du doch nichts können. Ist kein Wasser ba?" „Das faule, nichtsnutzige Mädel", brummte Rodellec. Thymert entdeckte den Suppentopf, sowie einen großen Krug mit frischem Wässer. „Da sieh!" und seine Miene ward mild und weich; — „das kleine Mädchen hat Dich nicht vergessen. Wasche Dip jetzt die Schläfe damit"; er goß von dem Wasser in eine! Schüssel und sah mit Befriedigung, wie Rodellec sein! schweres Haupt mehrmals hineintauchte und dann an einer von Guenns umherhängenden Schürze trocknete. „Trinke etwas", wiederholte er, als er sah, daß Ro- dellec die Suppe mit Widerwillen von sich stieß. „BW Tu jetzt wieder vollkommen bei Dir?" „Gewiß, ich freue mich, den einzigen Freund bei mir zu sehen, den ein armer Teufel wie ich aus der Welt halt"/ vermochte Rodellec mit ziemlicher Herzlichkeit hervorziu» Bringen. Er war durchaus kein häßlicher Mann, wenn er nicht! gerade betrunken ober von brutalem Zorn befallen war, Sein rötlichbraunes Haar, schon ins Graue hinüberspielend/ fiel gleich dem Guenns, von einer offenen Stirn zurück. Seine Augen, vom reinsten keltischen Blau, die im stände waren, vor Zom und Haß zu sprühen, lächelten dem Pfarrer entgegen. „Ich möchte mft Dir über die Kinder sprechen", sagte — 551 — Thhmert ruhig und übersah dabei vollständig Rodellecs ihm entgegengestreckte Hand. „Meine lieben Kinder", begann Rodellec mit weinerlicher Stimme, „sie sind alles) war mir. armen, altem Manne geblieben ist, seitdem uns Barba verlassen hat und ein schöner Engel geworden ist." „Vergiß nicht, daß Du mit mir sprichst", sagte Thhmert kalt abweisend. „Verschwende Deine Worte nicht. Du änderst damit nichts an dem, was nur wir beide wissen. Tu bist kein alter Mann, sondern in Deinen besten Jahren. Barba ist freilich ein Engel geworden, der Herr erbarme sich ihres reinen Herzens — (dabei bekreuzte er sich inbrünstig), aber Guenn und Nannte leben noch und ich wünsche zu verhindern, daß sie durch die Brutalität eines Trunkenen vor der Zeit den Engeln zugesellt werden." „Hat nnch das unnütze Mädel bei Euch verklatscht?" rief Rodellec zornig, mit der Faust aus den Tisch schlagend. „Ich habe seit mehreren Tagen nicht mit Guenn gesprochen. Eine innere Stimme sagt mir, wann' ich zu kommen habe, Rodellec." Rodellec bekreuzte sich hastig. Es giebt wohl kaum einen bretagnischen Bauer, der nicht an das Wiederkehren der abgeschiedenen Geister glaubt, und Barba war Thy- merts Cousine! Dort zu Lande lebt ein Ueberrest der anbetenden Verehrung für die alten Druidenpriester und Barden heute noch unter dem abergläubischen Volke, trotz des vertraulichen Verkehrs, in dem es zur Geistlichkeit steht. „Ich habe sie neulich aus Versehen getroffen", brummte Herds unbehaglich. Des Pfarrers Antlitz verfinsterte sich merklich. i.. (Fortsetzung folgt.) Trunksucht und Geisteskrankheit der Frauen, Tie „Deutsche Medizinische Wochenschrift" berichtet: In einer der letzten Sitzungen des Psychiatrischen Vereins in Berlin sprach Sanitätsrat Tr. Reip aus Arendsee über die Trunksucht und ihre Entstehung bei 74 geisteskranken Frauen (in einer öffentlichen Irrenanstalt) und kam zu dem Ergebnis, daß vorwiegend Schnaps getrunken würde, und daß diese Frauen nicht durch Gelegenheit zur Trunksucht gekommen wären, sondern dadurch, daß es entartete Personen überhaupt waren. Geheimrat Jolly äußerte Bedenken gegen diese Anschauung und meinte, daß nicht nur entartete Frauen trunksüchtig seien, während Reip bei der Ansicht festhielt, daß bei Frauen, welche der Trunksucht verfielen, die Gelegenheit zum Trinken immer nur als auslösendes Moment wirke. Bei 28 Patientinnen sei die erbliche Belastung festgestellt, bei den übrigen spreche ihre Lebensführung für eine degenerative Abstammung. Geheimrat Guttstadt hob hervor, daß die Trunksucht unter geisteskranken Frauen überhaupt nicht häufig vor- komme, und machte folgende Mitteilungen: 1901 find in sämtlichen Irrenanstalten Preußens 36 358 Frauen Und 43 669 Männer, zusammen 80027 Personen verpflegt worden; unter den Frauen befanden sich 769 gleich 2,37 v. H. Trunksüchtige, von den Männern waren dagegen 6247 gleich 17,47 v. H. als Trinker bezeichnet. Außerdem befanden sich 1381 Männer und 91 Frauen wegen Delirium in den Anstalten. Diese Zahlen sind für diese Frage nicht vollständig genug, da die Personen mit Delirium zum kleinsten Teil den Irrenanstalten zugehen. An „einfacher Seelenstörung" litten mehr Frauen als Männer, nämlich 25119 gegen 23 881 Männer, von diesen waren 4482 gleich 18,77 v. H. Trinker, während von den Fs-En nur 574 gleich 2,29 v. H. trunksüchtig waren. Den höchsten Prozentsatz von trunksüchtigen Frauen lieferte die paralytische „Seelenstörung", an welcher 1536 litten, von denen 541 gleich 13 v. H. trunksüchtig waren. Die „Seelenstorung mrt Epilepsie" hatte für die Männer wieder einen ungünstigeren Prozentsatz) für die Frauen einen günstigeren «ufzuwersen, es waren nämlich von 5602 Männern 951 gleich 17 v. H. Trinker, während unter 3867 behandelten Frauen nur 90 gleich 2,83 v. H. als trunksüchtig bezeichnet worden k ..Am günstigsten verhalten sich die „Imbezillität"! dw „Jdrotie". Wegen dieser Krankheit befanden sich 7^.^Juamiliche Personen in den Anstalten, von denen 187 gleich 2,36 v. H., und 5522 weibliche Personen, von denen 20 gleich 0,36 v. H. trunksüchtig waren. Unter 550 nicht geisteskranken Männern waren 86 gleich' 16 v. Hi, und von 223 nicht geisteskranken Frauen waren 9 gleich 4 v. Hi zu den Trinkern gerechnet worden. Aus diesem Material ließen sich für die Frage, die der Vortragende behandelt hat, ebenfalls wertvolle Gesichtspunkte bearbeiten. Auffallend ist z. B., daß in sämtlichen Irrenanstalten 1900 behandelt sind: 240 Lehrerinnen, 98 Erzieherinnen und 192 weibliche Personen, welche auf dem Gebiete der Gesundheitspflege tätig ivaren, darunter 59 Krankenwärterinnen, 102 Ordensschwestern und Diakonissinnen und 29 Hebammen. 120 weibliche Personen waren vor ihrer Ausnahme der Prostitution ergeben; davon litten 53 an „einfacher Seelenströung", 29 an „paralytischer Seelenstörung", 23 au „Seelenstörung mit Epilepsie", 12 waren als Idioten und Imbezille und 3 wegen Säuferwahnsinneingeliefert worden. Diese Zahlen lassen den Schluß zu, daß das Studium der Frage, üt welcher Beziehung Airols olismus und Geisteskrankheit der weiblichen Personen stehen, für die Berufstätigkeit und ihren angeblichen Einfluß auf die Entstehung von Geisteskrankheit der Frauen beachtenswerte Fingerzeige liefern würde. Ob z. B. Pflegerinnen und Wärterinnen in Krankenhäusern und Irrenanstalten Gelegenheit erhalten, innerhalb oder außerhalb der Anstalten der Trunksucht zu fröhnen, die zum Ausbruch der Geisteskrankheit führe, oder ob dies bei degenerierten) erblich belasteten Personen allein vorkomme usw., diese Frage ließe sich gewiß aus den wertvollen Angaben, dre in dem Zählkartenmaterial der Irrenanstalten enthalten sind, und durch anschließende Rückfragen zur Entscheidung bringen. Daß in den sogenannten KUeipen mit Damenbedienung auch den Frauen Gelegenheit zur Trunksucht gegeben wird, geht aus der Tatsache hervor, daß z. B. in Berlin in gewissen Lokalen ftir icdes Glas Mer, das getrunken Wirch die Kellnerin 5 Pf. erhält; 3 bis 4 Mark soll auf diese Weise eine Kellnerin täglich verdienen. Das Radfahren der Frauen wird ebenfalls als Gelegenheit zum Trinken vielfach erwähnt. Das königlich Statistische Bureau würde gewiß zur Unterstützung solcher wichtigen Arbeiten gern das bezügliche Material zur Verfügung stellen. Vermischte». * Die „An d en ken" v o n un t e r w e gs. Im Kunst- Wart schreibt F. Avenarius: Etwas sehr Schönes, das es früher gab, waren die „Galanteriewaren"-Läden. Ta sah man z. B. die berühmten Glasthermometer in Form von Streitäxten, die Berliner Siegessäulen als Zigarrenständer und die Jockeymützen als Tintenfässer mit Hufeisen und Federhaltern. Diese Galanteriewaren, so sagen die Gelehrten, starben, als das Kunsthandwerk wieder auflebte. Sind sie aber auch wirklich tot? Lebt nicht wenigstens rhr Geist immer noch, auf die Gelegenheit lauernd, sich wreder in üppiger Formen-Mannigfaltigkeit zu verkörpern? Freilich lebt er noch und trotz aller modernen Kunstbeweg- ung unb, trotz aller tun st ge sch ichtlichen Totenscheine wandelt er noch in porzellanenen, gläsernen, blechernen und papier- nen Leibern umher. Ein Gebiet beherrscht er sogar noch, beherrscht er ganz und gar, beherrscht er als Tyrann: die Industrie der „Reiseandenken". Wäre ich ein Spötter, ich wagte die Frage: hat jemals ein Mensch ein geschmackvolles „Reiseandenken" gesehen? In dem besuchtesten Reiseartikelladen eines unserer besuchtesten Badeorte fand ich neulich in einem Schaufenster: 1. Einen Schwimmgürtel aus Stoff, der als „Rahmen" einen Kalender umgab; 2. Blumenvasen aus Porzellan in Form von Gießkannen, aus die je ein Leuchtturm gemalt war; 3. Krawattennadeln mit Fahnen, auf welchen sich je eine Ansicht befand; 4. eine Perlmuttermuschel als Schiff, eine ebensolche als Segel dazu, auf ihr darauf der ortsübliche Leuchtturm als Ansicht; 5. einen plastisch nachgemachten Seehundskopf, dem aus der Stirne ein Uhrhalter entwuchs; 6. —100. ohne Ausnahme gleichwertiges. Und solcher Läden giebt es an dem einen Orte ein halbes Dutzend. Alle die stein- uiid beinerweichenden Nou- veautes von ehedem sind da noch. Und sie finden ausnahmslos ihr dankbares Publikum. Der Wunsch, Reise- andenken sich selbst mitzunehmen und seinen Lieben mit-. 552 zubrinaen, liegt so nah, daß es sich auch geschäftlich. verlohnen würde, auf seine vernünftige Befriedigung mehr als bisher zu achten. Selbstverständlich wird jeder nach Charakteristischem fahnden, nach Sachen, die für das besuchte Stückchen Welt bezeichnend find. Man ist, sagen wir, in den Alpen, und wünscht also Erzeugnisse etwa der alten Alpenländerkultur, sie selbst ist aus den Modeorten ja meistens zum Teufel verjagt, aber eine sentimentältuende Industrie irgendwo anders verschleißt Hierher allerhand Kindischkeiten, die deshalb „gehen", weil sie mit dieser alten Kultur kokettieren. Man sucht Sachen, die von Sinn und Geschmack der Einwohner zeugen, und was man erhält, ist allerbilltgster und allerunsolidester Allerweltströdel, dem ein „Andenken an. . ." mit den tausend verschiedenen Namen der „Absatzplätze" gleich in der Fabrik ausgedruckt wird. . . . Vielleicht darf man ein altes Wort in gewissem Sinne auch so -abwandeln: zeige mir, was du von der Reise mitbringst, und ich will dir sagen, was in dir steckt. — Diese sehr richtigen Betrachtungen gelten auch für unsere bayerischen alpinen Sommerfrischen, wo man mit geringen Ausnahmen überall dieselbe städtische Bazarware zu kaufen bekommt. * Knusperchen heißen jetzt, wie wir kürzlich mitteilten, die Cakes der Bielefelder Fabrik mit ihrem amtlichen preisgekrönten deutschen Namen. Vielleicht findet mancher auch diesen aus Tausenden auserkorenen Namen minder geschmackvoll als die Ware selbst, aber diese Kritiker sind schließlich wohl bereit, ihm zuzustimmen, wenn sie hören, was alles für ungeheuerliche Bezeichnungen die Cakes hätten bekommen können, wenn die Preisrichter bei anderer Laune gewesen wären. Einer aus dem Preisgerichtshof, O. v. Leixner, verrät uns darüber einiges in einem Aufsatz der „Täglichen Rundschau" und verhehlt auch nicht, welche Höllenqualen ihm die Prüfung und Auswahl der 6500 verschiedenen Namensvorschläge bereitet hat. Man kann sich ungefähr eine Vorstellung davon machen, wenn man nur folgende Blumenlese überfliegt. Ungetüme nennt sie Leixner, es ist kein hartes Wort, aber es trifft doch den Nagel auf den Kops. Man stelle sich vor, daß man beim Konditor verlangen soll: Ein halbes Kilo Appetittäfelchen, Allerweltslteblingskuchen, Augustaviktoriaküch- lein, Albionszwieback, Merweltsbreitlinge, AufVewahrungs- gebück, Amorlymphe, Alltischgesundheitsdauerbackwerk, All- zeitwohlbekommsgebäck, Ankeglums, Backtarincheu, Barba- rossatörtchen, Bekömmlichkeitsplätzchen, Billus-Bullus, Buttereiermehlgebäck, Brillengläser, Bruchtafelbrötchen, Be- kömmling, Doppelglutnährformdauerkunstkuchenback, Dauerstaubkuchenplättchen, Dreifachhochplätzchen, Eiermulsivns- brot, Englischweib, Englische Begriffskuchen, Feinsüßröstmehlgebäck, Fleischbruchmehlplätzchen, Fruchterfüllung, Formenspielbissen, Fürjedverdauli, Kinderaltkrankundgesundheitsabfall, Liebfrauenmilchkuchen, Leichtverdaulichkeits- kuchen, Landfrauentrostgebäck, Mondscheinpastet, Noahs- kastenplätzchen, Protzstückchen, Schaumteiagekräusel, Trunk- zubeißchen, Tausendmarkstücke, Universaldauergebäck, Vielgestaltskleingebäck, Zartelfenbeingebäck, Zwischenaktsmusik, Stratmannmeyergut, Stratmeyerle usw. Da ist es denn doch gewiß besser, daß man einfach ein halbes Kilo Küus- fnrh^rt * „E Hi mm e l ohne Eppelwei..." In der „J u g e n d" lesen wir ein Gedicht „Hibb un dribbi der Bach", das jetzt, wo der Aepfelwein in Frankfurt und Sachsenhausen allabendlich mannigfache Verheerungen anrichtet, aus besonderes Verständnis rechnen darf: Der Heiner hockt beim Eppelwei Un fiehlt sich net ganz munner. Do kämmt der Aans der Dhier erei, Uit redt von blaae Wunner. „Kimm Heiner", sägt der Sensemann, „Mer fahre jetzt in Himmel. Ich spann die flottste Gäulcher an, Zwaa Rappe und zwaa Schimmel. Mer fahre", sägt der das Geripp Uff Hochdeutsch, „kimm, mer fahre Vierspännig, weil mer hibb un dribb Der Bach net. schuftig' spare." Der Heiner hört's und zuckelt still Am Stöffche unbeschriee. 1 „Was dhut mer", fragt er, „wann mer will, Denn dort zu drinke kriee?" „No Nektar!" sägt des Steuweoos, „Sonst nix? Kan gute Droppe?" Kreischt Heiner laut und steckt die Noos Vor Schrecke in de Schoppe. Er streicht saan graue Zwickelbart Un stärkt saan schwache Mage: ,,'Sis nix mit dere Himmelfahrt, ( Des kann ich net vertrage. Laß norz bei schlecht Gebabbel sei Und spar dei Rapp un SchimMel. E Himmel ohne Eppelwei Js — krieh de Kränk! — kaa Himmel!" Ein alter lieber Haus- und Familieu- freund hat seine Rundreise durch die Welt wieder ange- treten, nämlich der Lahrer Hinkende Bote. Der alttz Biedermann wird auch in diesem Jahre wieder die gewohnte freundliche Aufltahme finden, denn sein Ränzlein ist wieder gespickt mit populären Beiträgen erzählenden und belehrenden Inhalts, Ernstem und Heiterem in Hülle und Fülle. Auch eine Preisnovelle von Karl Weitbrecht bringt der Kalender unter dem Titel „Herr im Hause"/ eine Erzählung, volkstümlich und von echtem Kalendergeist.. Die Preisrichter krönten sie mit dem ausgesetzten Preise von tausend Mark. Das Kapitel „Weltbegebenheiten" erzählt uns in volkstümlicher Sprache, was in der Welt passiert ist. — Mi Ullstein u. Co. in Berlin SW. 12, erschien soeben ein „Häuslicher Ratgeber", 400 erprobte Hausmittel für Kleidung, Wohnung und Gesundheitspflege von F r a u F a n n y R. F e l d. (132 Seiten, elegant in Leinwand gebunden, Preis 1 Mark). Aus dem Vorwort de« Verfasserin: „Guter Rat ist teuer! Diesem, ach so oft gehörten Ausspruch der geplagten Hausfrau, die alles, wissen, alles können soll, will mein Büchlein abhelfen. Sein Rat soll immer gut und niemals teuer sein. — IN den 26 Jahren meiner Hausftauentätigkeit, haben sich eine ganze Reihe Rezepte angesammelt, die sich ohne Apotheke und ohne Präcisionswage mit einfachsten Mitteln, höchstens durch Inanspruchnahme des nächsten Drogengeschäfts/ ausführen lassen. Sie sind sämtlich erprobt und für gut befunden worden." — An die durch ihre sa genumwobenen Ruinen, ihre sanftansteigenden Hügel ausge- zeichneteBergstraße führt uns ein reich illustrierter^ interessante geschichtliche nnd naturbeschreibende Ausblicke gewährender Aufsatz von Albert Wohlgast, den das 25 Heft der illustrierten Zeitschrift Zur Guten Stunde (Preis des Vierzehntagheftes 40 Pf. Deutsches Verlagshaus Bong, u. Co., Berlin W. 57) neben seinem erzählenden Detl: Johanna Klemms Roman Eva König, Adolf Otts Geschichte aus dem bayrischen Hochlande „In den Abgrund bringst Neber Schlaflosigkeit und ihre Bekämpfung spricht Dr. med. Lewinski in der bei diesem Autor bekannten meisterhaft klaren und allgemein verständlichen Weise. Künstlerisches Schmuck umrahmt auch diesmal wieder den literarischen Inhalt des Heftes. M. Ränikes amüsantes Genrebildchen „Malhühnchen", F. Simons Bild „Brautschuhe", das interessante historische Gemälde „Friedrich Friesens Dod von G. Sturtevant und I. Miralles Tierszene „Die Stunde des Frühstücks" seien hier erwähnt. Ein den Zeitereignissen in Wort und Bild Rechnung tragender besonderer Teil, dm illustrierte Abteilung, „Für unsere Frauen" und die Beilage „Klassischer Humor der Weltliteratur" ergänzen auch, diesmal wieder den vielseitigen Inhalt der Zeitschrift. Arithmogriph. (Nachdruck verboten.) 123456578 Land in Anuxika. 2 8 17 Vogel. 3 2 3 1 7 2 orientalischer BolkSstamm. 4 5 7 1 Hausgerät. 5 6 6 7 2 Nebenfluß der Donau. 6 5 6 5 7 Blume. 5 2 7 8 7 weiblicher Vorname. 7 4 7 6 Haustier. 8 3 4 7 Teil des Gesichts. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Telegraphenrätsels in vor. Nr.r Kü-el, Arm, Butter, Kuh, Rätsel, Steugel, Gustav. Uebermut tut selten gut.__________ ... Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Setlaa der Brühl'schen UniversitätS-Buck- und Steindruckerei. R. Longe, Gießen.