Ur. 40 1903. M-rÜÄK -e» 16, Mär: j« ID! WEM ;■■’•■ .L e-^.-.z.rrgsenry endloses Jahrhundert vor, dis der Schlüssel endlich im Schloß steckte. Dann knackte die Feder, unb mir stand das: jgglJg, j’H.OL „Himmel Donnerwetter!" rief ich! im nächsten Augen-, blick. — Die Leinwand war an ihrem Platze Mischen den %drtcti l „Dachte mir, daß Sie das über den Haufen werfen würde!" sagte Craggs, indem er das Bild Herausnahmund vor meinen Augen aufrollte. „Großartig, he? Würden Sie glauben, daß das vor zweihundertdreißig Jahren, gemalt wäre? Aber so ist es, mein Wort zum Pfandei Was für ein Gesicht der alte Johnson schneiden wird, wenn er das sieht — das wird ein Hauptspaß werden. Er wirst wohl aufhören müssen, mit seinen Bildern zu prahlen! Dieses eine ist mehr wert, als alle Bilder in der Kolonie Queensland zusammengenommen. Fünsziglauseud Pfund, mein Junge — und ich habe es für fünftausend bekommen!" Bei diesen Worten stieß er mich in die Rippen und schien in der Stimmung zu weiteren Vertraulichkeiten zu sein, allein mein Aussehen ließ ihn innehalten, und er rieb sich! die Hände. „Wenn es Ihnen so auf die Nerven fällt", kicherte er) „wie wird es da erst dem alten Johnson gehen? Wirst sich, hoffentlich an einem seiner eigenen Widerhaken auf» hängen!" . Der Himmel weiß, was hervorzustottern mir endlich gelang. Zuerst hatte mich das Gefühl der Erleichterung sprachlos gemacht, dann aber schwieg ich aus einem ganz anderen Grunde. Ein neues Wirrsal von Erregungen lähmte meine Zunge. Raffles war der Streich miß- langen — Raffles! Konnte er mir gelingen? War es zu spät? Gab es kein Mittel? „Leb' wohl!" sagte Craggs mit einem letzten Bück auf das Bild, bevor er es aufrollte, „leb' ivohl, bis wir in Brisbane sind!" Die Aufregung, worin ich war, als er das Futteral schloß, spottet jeder Beschreibung. „Zum letztenmal", fuhr er fort, als er bte schlüssel wieder klirrend in die Tasche steckte, „es wird an Bord sofort in den Geldschrank des Zahlmeisters geschlossen. Zum letztenmal! O, wenn ich ihn nur nach Australien hinausschicken tonnte, mit weiter nichts in seinem tost- baren Kartenfutteral, als was hineingehörte — wenn ich doch erfolgreich auszuführen vermöchte, was Raffles mißlungen war! x , Wir kehrten ins andere Zimmer zuruck, aber lute lange wir noch da saßen, und worüber wir sprachen, weiß ich nicht mehr. Jetzt kam Whisky und Sodawasser an die Reihe. Während ich kaum daran nippte, trank er sehr viel, und als ich ihn vor elf verließ, sprach er lnsm Und der letzte Zug nach Esher fuhr um 11,50 Uhr vom Waterloo-Bahnhof ab! (Nachdruck verboten.) Ein Einbrecher aus Passion. Von E. W. Horrrrmg. Autorisierte Nebersetzung aus dem Englischen bo,i F. Mangold. (Fortsetzung.) ,Lch glaubte, ich hätte eine Tür gehen hören", sagte ec, „muß mich geirrt haben. . . Einbildung ... ist mir aber filrchtbar in die Mieder gefahren .... Hat Raffles Ihnen erzählt, was für einen kostbaren Schatz ich dort He?" Da waren wir denn endlich an dem Gemälde angelangt, nachdem es ,nir bis jetzt gelungen war, ihn bei Queensland nnb der Art, wie er sein Vermögen erworben hatte, ftstzuhalten. Alle meine Versuche, das Gespräch wieder darauf zu lenken, waren vergeblich, nachdem die Erinnerung an seinen auf so schlechtem Wege gewonnenen Schatz in ihni erwacht war. Als ich sagte, Raffles habe ihn beiläufig erwähnt, legte er los. Mit der vertraulichen Schwatzhaftigkeit eines Menschen, der §u gut gegessen hat, vertiefte er sich in sein Lieblingsthema, und ich sah an ihm vorbei nach der Uhr, die erst dreiviertel Zehn zeigte. Der gewöhnlichste Anstand verbot mir, schon zu gehe,:, und ich mußte mit anhören (wir waren noch beim Portwein), auf welche Weise meines Wirts Verlangen nach dem Besitz eines, wie er es nannte, „kupferbeschlagenen, mit Zwillmgsschraubeu nnb Doppelschornstein versehenen, richtigen alten Meisterwerks" erwacht war: er wollte einen Nebenbuhler unter den Gesetzgebern, der eine Vorliebe für Bilder hatte, „um eins über" fein. Aber selbst ein Auszug aus seinem Monolog würde von der ödesten Langweiligkeit sein, weshalb ich mich damit, begnüge, zu sagen, daß es mit der unvermeidlichen, den ganzen dlbend gefürchteten Aufforderung endete. „Aber Sie müssen es sehen. Ist hier nebenan. Hierher." „Ist es nicht schon eingepackt?" „Einfach eingeschlossen." „O, bitte, bemühen Sie sich nicht." „Ach was, zum Henker mit der Mühe", sagte er. „Kommen Sie nut." Nun wurde es mir plöülich klar, daß weiteres Widerstreben seinen Verdacht nur auf mich lenken föintte, wenn er das Fehlen des Bildes entdeckte. Deshalb folgte ich ihm ohne weitere Einwendung in sein Schlafzimmer unb ließ mir zuerst das eiserne Kartenfutteral zeigen, das in einer Ecke stand. Er beschrieb es mit solchem Stolz aus seine Pfiffigkeit, daß ich glaubte, er werde mit dem Loblied aus sei:: unschuldiges Aussehen mid sein Klubschloß gar nicht fertig werden, und es kam mir wie ein — 158 — Eine Droschke brachte mich nach meiner Wohnung, aber dreizehn Minuten später war ich wieder im Hotel Metropole. Ich stieg die Treppe hinan, ohne jemand zu begegnen. Einen Augenblick blieb ich an der Schwelle des Wohnzimmers stehen, lautes Schnarchen schlug von innen an mein Ohr, und ich trat leise ein. Craggs rührte sich nicht, er lag in tiefem Schlafe ruf dem Sofa, aber der Schlaf war nicht tief genug. Ich tränkte mein Taschentuch mit dem Chloroform, das ich von Hause geholt hatte, und legte es ihm vorsichtig auf den Mund. Noch zwei oder drei rasselnde Atemzuge, und dann nun- der Mann ein Klotz. Als ich das Taschentuch entfernt hatte, zog ich die Schlüssel aus seiner Tasche. In weniger als fünf Minuten fchob ich sie wieder hinein, nachdem ich mir das Bild unter meinem Ueberrock um die Brust gewickelt hatte, aber ehe ich mich entfernte, trank ich einen Schluck Whisky und Soda. . „ Den Zug erreichte ich ohne Mühe — so zeitig, daß ich noch zehn Minuten, bei jedem Schritte zitternd, der sich auf dem Bahnstieg nahte, in meinem Rauchabteil erster Klasse saß, eine ganz unverständige Angst, deren ich bis zum letzten Augenblick nicht Herr werden konnte. Dann lehnte ich mich endlich zurück, zündete mir eine Zigarette an und sah die Lichter des Bahnhofs verschwinden. Einige Herren, die aus dem Theater kamen, fuhren mit, und ich entsinne mich noch jetzt ihrer Unterhaltung. Sie waren von dem Stück, das sie gesehen hatten, nicht befriedigt, und sprachen wehmütig von den Tagen des „Mikado" und der „Zigeunerin". Einer summte einen Takt, und sie stritten darüber, ob er aus „Mikado" oder der „Zigeunerin" sei. In Surbiton stiegen sie alle aus, und ich blieb einige berauschende Augenblicke mit meiner Siegesbeute allein. Mir war gelungen, was Raffkes mißglückt war, ein großartiger Gedanke! Von allen unseren Abenteuern war dieses das erste, worin ich eine führende Rolle gespielt hatte, und dabei war es von ihnen allen das am wenigsten schimpfliche. Es rief keine Gewissensbedenken in mir wach, denn bei Lichte betrachtet, hatte ich nur einen Dieb bestohlen, und ich hatte es allein getan, ohne Hilfe — ipso egomet! Während der Fahrt malte ich mir Raffles' Ueber- raschung, seine Freude aus. In Zukunft würde er besser von mir denken, und diese Zukunft sollte anders werden. Wir hatten jeder zweitausend Pfund — entschieden genug, ein neues Leben als ehrlicher Mensch zu beginnen — und mir verdankten wir das! Glühend vor freudiger Erregung sprang ich in Esher aus dem Wagen und nahm die einzige verspätete Droschke, die noch wartete, und als ich Broom Hall erreichte, dessen Erdgeschoß noch erleuchtet ivar, und dessen Tür sich öffnete, als ich die Stufen hinanstieg, war ich tote im Fieber. „Ich dachte mir, daß Du es seist", sagte Raffles lustig. „Alles in Ordnung! Ein Bett ist für Dich vorbereitet, und Sir Bernard erwartet Dich, um Dich zu begrüßen." Seine gute Saune wirkte wie ein kalter Wasserstrahl auf mich, aber ich kannte ihn: er war einer von den Leuten, die in der düstersten Stunde ihr hellstes Lächeln zur Schau tragen, aber ntir konnte er nichts vormachen. „Ich hab's!" schrie ich ihm ins Ohr, „ich hab's erwischt!" „Was erwischt?" fragte er, einen Schritt zurücktretend. „Das Bild!" „Was?" „Das Bild. Er zeigte es mir; Du hattest Dich ohne es entfernen müssen, das sah ich. Deshalb entschloß ich mich, es zu nehmen, und hier ist es." „Laß mal sehen", entgegnete er grimmig. Mährend ich meinen Ueberrock auszog und die Leinwand abtoickelte, erschien ein alter Herr im Flur und betrachtete mich mit gerunzelter Stirn. „Für einen alten Meister sieht das ziemlich frisch aus, meinst Du nicht?" fragte Raffles. Sein Ton berührte mich seltsam, und ich konnte nur annehmen, daß er eifersüchtig auf meinen Erfolg fei. „Craggs sagte das auch. Ich selbst habe es kaum angesehen." „Nun sieh hin — sieh's Dir genau an. Bei Gott, ich muß es besser zurecht gestutzt haben, als ich dachte!" „Eine Kopie!" rief ich. „Die Kopie", antwortete er. „Es ist die Kopie, zu deren Herbeischaffung ich wie verrückt umhergejagt bin, die Kopie, die ich auf der Vorder- und Rückseite so zurechtgestutzt habe, daß sie nach Deiner eigenen Aussage Craggs getäuscht hat, und sie hätte ihn für den Rest seines Lebens glücklich machen können. Nun kommst Du her und beraubst ihn dieses Glücks!" Mir war die Zunge wie gelähmt. „Wie haben Sie's denn angestellt?" erkundigte sich Sir Bernard Debenham. „Hast Du ihn umgebracht?" fragte Raffles höhnisch. Ohne ihn eines Blickes zu würdigen, wandte ich mich Sir Bernard Debenham zu und erzählte ihm meine Geschichte, heiser, aufgeregt, denn es kostete mich die größte Anstrengung, mich zu fassen. Aber während des Sprechens wurde ich ruhiger, sodaß am Schlüsse meiner Erzählung nur noch Bitterkeit in meinem Tone lag, als ich Raffles sagte, er wolle mir ein andermal mitteilen, was er vorhabe. „Ein andermal!" rief er sofort. „Mein lieber Bunny, Du sprichst ja gerade so, als ob wir uns von jetzt an unser täglich Brot mit Einbrüchen verdienen wollten!" „Das will ich nicht hoffen!" sagte Sir Bernard lächelnd, „denn Sie sind entschieden zwei sehr wagehalsige junge Herrn. Wir wollen wünschen, daß unser Freund aus Queensland tut, was er gesagt hat, und sein Kartenfutteral nicht mehr öffnet, ehe er nach Hause kommt. Dort wartet mein Scheck auf ihn, und es sollte mich sehr überraschen, wenn er uns noch einmal belästigte." Raffles und ich sprachen nicht mehr, bis ich in dem für mich hergerichteten Zimmer war. Auch dort fühlte ich keine große Neigung dazu, allein er folgte mir und ergriff meine Hand. ~, „Bunny", sagte er, „sei mir nicht böse! ^ch war verflucht abgehetzt und wußte nicht, ob ich das, was ich nötig hatte, zur rechten Zeit erhalten würde; das kannst Du mir glauben. Aber es geschieht mir ganz recht, daß Du einen der schönsten Streiche, die ich jemals ausgeführt habe, verdorben hast. Und was Deine Arbeit anlangt, mein alter Junge, so darfst Du mir nicht Übelnehmen, wenn ich sage, daß ich Dir das nicht zugetraut hätte. In Zu- „Schweig mir von der Zukunft!" rief ich. „Die ganze Geschichte ist mir verhaßt, und ich hänge sie an den Haken! „Ich auch", antwortete Rassles, „wenn ich genug habe." VII. Ein gefährlicher Besucher. An einem nebeligen Abend im nächsten November war ich in Piccadilly eingebogen, als beim plötzlichen Griff einer 5>and auf meinen Arn: mein schuldbewußtes Herz still stand. Ich glaubte, was ich immer fürchtete, — mente unvermeidliche Stunde habe endlich geschlagen, allein es war nur Raffles, der mich durch den Nebel anlächelte. „Ein glückliches Zusammentreffen", sagte er. ,,^ch habe Dich im Klub gesucht." . Ich bin gerade auf dem Wege dahin", entgegnete ich, mit einem Versuche, meinen Schreck zu verbergen. Dieser Versuch fiel ziemlich kläglich aus, wie ich an seinem heiteren Lächeln und einem nachsichtigen Kopfschütteln sah. „Geh statt dessen mit mir in meine Wohnung", sagte er, „ich habe Dir etwas amüsantes zu erzählen." Zwar versuchte ich einige Ausreden, denn sein Ton verriet mir, welcher Art die amüsanten Mitteilungen sein würden, eine Art, denen ich während der letzten Monate mit Erfolg ein taubes Ohr geliehen hatte, allein, wie ich schon früher ausgeführt habe, und hier nur wiederholen kann, war kein Mensch in der Welt, für mich wenigstens, so unwiderstehlich, als Raffles, wenn er zu etwas fest entschlossen war. Daß wir uns beide seit unserer kleinen Gefälligkeit gegen Sir Bernard Debenham von Verbrechen frei gehalten hatten, daß dieser herrische Geist seit längerer Zeit ' keine Gelegenheit gefunden hatte, einen Entschluß in der bewußten Richtung zu fassen, war für mich die unleugbare Veranlassung zu einem längeren Zeitraum der Ehrlichkeit geworden, als ich ihn bis jetzt seit dem Beginn unserer geheimen Beziehungen genossen hakte. Wenn ich könnte, würde ick es entschieden leugnen, aber das, was zu erzählen ich im Begriffe bin, würde diese Ruhmredigkeit Lügen strafen. Wie gesagt, machte ich Ausreden, allein sein Arm glitt mit dem leisen Lachen leichtherzigen Machtbewußtseins durch den meinen, und Mw IdS waren schon auf feiner Treppe, während ich mich noch immer zu wehren versuchte. Sein Feuer war beinahe erloschen; er stocherte es und warf Kohlen darauf, nachdem er das Gas angezündet hatte, während ich verdrießlich in meinem Ueberrock dabeistand, bis er ihn mir vom Rücken zog. „Was für ein Kind Du bist!" sagte Raffles scherzend. „Man sollte wahrhaftig meinen, ich wollte für diese Nacht einen «Anbruch Vorschlägen! Nein, Bunny, darum handelt es sich nicht, also setze Dich dahin, nimm Dir eine von diesen Sullivans und verhalte Dich still." Nach diesen Worten hielt er ein Streichholz an meine Zigarette und stellte Whisky und Soda vor mich hin. Darauf ging er ins Vorzimmer, und gerade als ich anfing, mich zu beruhigen, hörte ich, wie er den Riegel vorschob, sodaß es mich einige Ueberwindung kostete, sitzen zu bleiben. Im nächsten Augenblick setzte er sich rittlings auf einen Stuhl, und beobachtete über seine auf der Lehne liegenden Arm hinweg mit boshafter Freude mein Unbehagen. „Du hast doch Milchester noch nicht vergessen, Bunny, alter Junge." War Raffles' Ton milde, so war der meine verdrießlich, als ich antwortete, daß ich mich dessen erinnere. „Wir hatten dort einen kleinen Wettkampf, der nicht im Programm stand. Herrn- und Berufsspieler, wie Du Dich entsinnen wirst?" „Den werde ich sobald nicht vergessen." „Da Du, so zu sagen, nichts damit zu tun hattest, fürchtete ich, Du könntest es vergessen. Also die Herrenspieler steckten den Gewinn in die Tasche, und die Berufsspieler wurden alle abgefaßt." „Die armen Teufel!" „Sei dessen nicht zu sicher! Entsinnst Du Dich noch des Kerls, den wir im Wirtshaus sahen? Des geschmacklos gekleideten Menschen, mit dem roten Gesicht, von dem ich Dir sagte, er sei einer der gewandtesten Diebe in London?" „Ja, auch dessen entsinne ich mich. Sein Name war Crawshay, wie sich herausstellte." „Das war jedenfalls der Name, worunter er verurteilt wurde, also mag er Crawshay heißen. An den brauchst Du kein Mitleid zu verschwenden, alter Junge; er ist gestern nachmittag aus Dartmoor ausgebrochen." „Gut gemacht!" Raffles lächelte, allein er hatte die Augenbrauen in die Höhe gezogen und die Schultern folgten. „Du hast ganz recht; er hat's wirklich gut gemacht, und es wundert mich, daß Du es nicht in der Zeitung gelesen hast. Gestern ist der gute alte Crawshay bei einem dichten Nebel auf dem Moor ausgekniffen und trotz zahlreicher hinter ihm her gefeuerter Schüsse unversehrt entkommen. Das macht ihm-Ehre, wie ich zugebe; ein Kerl mit so viel Schneid verdient seine Freiheit. Aber Crawshay hat noch mehr Schneid. Sie haben ihn die ganze Nacht verfolgt, ohne ihn zu finden, und das hast Du alles in den Morgenzeitungen übersehen." Bei diesen Worten schlug er eine Pall Mall aus, die er mitgebracht hatte. „Hör' mal zu. Hier ist ein Bericht über die Flucht mit einem Zusatz, der die Geschichte auf ein höheres Niveau hebt. ,Die Spuren des Flüchtlings sind bis nach Totner verfolgt worden, wo er in den frühen Morgenstunden eine ganz besonders steche Untat begangen zu haben scheint. Er soll in die Wohnung des Rev. A. H. Ellingworth, des Pfarrers der Gemeinde, eingedrungen sein, denn dieser vermißte beim Aufstehen zur gewöhnlichen Zeit seine Kleider. Etwas später am Tage wurde in einer Schieb- lade ein sauber zusammengefalteter Sträflingsanzug gefunden. Inzwischen war es Crawshay gelungen, zum zweitenmal zu entkommen, allein man hoffte, daß eine so ausfallende Verkleidung im Laufe des Tages zu seiner Wiederergreifung führen werde'. Was sagst Du dazu, Bunny?" „Er ist jedenfalls ein Sportsman", entgegnete ich, die Hand nach dem Blatte ausstreckend. /Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Wie sie Feinde wurden. „Ja," sagte der alte Man», „Schmidt war mein Busenfreund, als wir noch Schuljungen waren, aber später wurde er mein schlimmster Feind. Wir saßen auf derselben Bank, lernten zusammen, spielten zu-x> sammen und teilten Freud und Leid. Als wir älter wurden, schickten uns unsere Eltern zusammen auf die Universität, wo unsere Freundschaft sich, wenn möglich, noch mehr befestigte. Wir bestanden unsere Examina zusammen, kamen gleichzeitig nach Hause, und um die Freundschaft unserer Kinderjahre zu erhalten, wurden wir Kompagnons. Wir lebten herzlicher als Brüder zusammen, und stets sah man uns bei einander. Da verliebten wir uns — in einer Gesellschaft — in dasselbe Mädchen. Unsere Nebenbuhlerschaft tat unserer Freundschaft keinen Abbruch, und eine Zeit lang konnte niemand von uns sagen, wer der Begünstigte war. Eines Abends kam mein Freund in seiner alten herzlichen Art zu mir und sagte: „Ich weiß, daß Du leiden würdest, wenn ich das Mäd-, chen gewänne. Ich habe mich deshalb entschlossen, Dir meinen Anteil am Geschäft zu übertragen und die Heimat zu verlassen." Natürlich versuchte ich, ihn zum Bleiben zu bewegen, doch er führte seinen Plan aus und ging nach Australien. Nach drei Monaten heiratete ich das Mädchen" „Aber wie wurde Schmidt denn Ihr Feind?" fragte einer der Zuhörer. „Weil er mich nicht statt seiner nach Australien gehen ließ!" rief der alte Mann heftig aus — alle verstanden ihn, Tit-Bits. Bilderrätsel. (Nachbildung »erboten.) ow.a (Auflösung in nächster Nummer., Auflösung des Ergänzungsrätsels in vor. Nr.: Der beste Mensch wird manchmal zornig, Kein Liebespaar kann immer kosen; Die schönsten Rosen selbst sind dornig, Doch schlimm sind Dornen ohne Rosen. (Mirza Gchaffy.) Modenbericht über Frühjahrsüberkleider. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnitt- Manufaktur Dresden-?!. — Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich. Die große Frühjahrsparade der Mode nimmt jetzt ihren Anfang, und überall zeigen sich die ersten neuen Modelle. Schon seit Wochen, ja seit Monaten regen sich hinter den Koulissen tausende von fleißigen Händen, und erfinderische Köpfe waren eifrig bemüht, nm unter Berücksichtigung der ausgegebenen Parole neues und eigenartiges zu schaffen; und jetzt, in Zeit von wenigen Wochen, ja Tagen kommt alles dies ans Tageslicht, um unsere Frauenwelt neuartig und reizvoll zu schmücken. So verschieden und reichhaltig die neuen Formen auch sein mögen, so wird mau ihnen doch einen gewissen einheitlichen Zug nicht absprechen können, und zwar ist es die durchgreifende Neigung zum Losen nnb Bequemen. Daß dieselbe durch die deutsche Reformbewegung beeinflußt ist, glauben wir ja weniger; denn gerade die weitesten und faltigsten Paletots kommeir uns aus Paris, wo noch nichts von Reformbewegung in unserem Sinne zu spüren ist, aber jedenfalls kommt diese Neigung der deutschen Reformbeweg°t ung außerordentlich zu statten; denn unter den modernen Sackpaletots und Faltenboleros kann man ebenso gut anliegende Taille als ein loses Reformkleid tragen. — £60 •-< Hiermit hätte» wir eigetttlich schott eilten Teil der aus- aegebene» Parole verraten, denn Sackformen in allen Varia- ttvnen sind die Mode des Tages. Kurze, lange, halblange, wette und mittelweite, offene und geschlossene, einfache tailor-Made und reich garnierte, alle diese sind modern '> und bieten eine reiche Auswahl. Ganz auffallend ist jedoch die Einheitlichkeit der Halsausschnitte, denn alle, fast ohne Ausnahme, sind ohne Kragen, nur hinten hoch an den Hals reichend und vorn abgerundet geschnitten. Diese in der Schneidersprache „Stehbrustform", in der Konfektionssprache „Geishaform" genannte Fa?on ist außerordentlich kleidsam und findet sich, wie gesagt, überall, besonders an den Sackpaletots. Wird der Paletot nur geschlossen getragen, so verläuft der Halsausschnitt abgerundet in die vordere Kante; wird er dagegen offen getragen, so geht er in ein Revers über, wie es an unserem Modell Nr. 838 zu ersehen ist. Diese Revers rolle» stets nur lose nach außen und sind nie in einen festen Bruch gebügelt; denn derartige Paletots «-erden fast ausnahmslos auch zum Geschlossentragen ein- . »erichtet und wird dann der Schluß durch am Rande angebrachte, unsichtbare Schnurösen bewerkstelligt. Die Jnueu- Z *lte dieser Revers dient dem reichen Schmuck, welcher jetzt so allgemein beliebt ist, und werden sie mit türkischen Mrd en, hellen Seide», Brokat, Spitzenstoss, Sammtband »na anderen eleganten Zusammenstellungen besetzt. Die Außenseite dagegen zeigt fast ausnahmslos schlichte Stepp- reihen, welche oft einen Besatz von Tuch oder Tafftseide fest- halten; denn die Geishaform macht die dichte Stepperei gewissermaßen zur Bedingung, da nur durch die Stepplinieu, verbunden mit gutem Bügeln, die ihnen eigene gefällige Form vollkommen erreicht werden kann. Dieser Besatz bietet gleichfalls willkommene Gelegenheit zu allerhand Ver- zierungen; denn man gibt ihm die verschiedensten Formen, tvelche sich dann als gleiche Stepperei mit unteren Rande, am Rande des wetten, offenen Aermels und öfters auch aus den Nähten wiederholen. Eine weitere, sehr häufig wiederkehrende Ausstattung der Paletots bildet die kleine Schulterpelerine, welche einfach, aber auch zwei- und dreifach unter dem Besatz der Geishaform hervortritt. Dieselbe ist für normale und schlanke Figuren außerordentlich kleidsam, während starke vorsichtig bei der Wahl derselben sein müssen, da sie leicht noch stärker und hochschultriger erscheinen lasse». , , . Sehr beliebt sind diese Schulterpelerinen auch bei den Blusenboleros (siehe Modell (839), welche eigentlich noch öfter mit als ohne Pelerine gesehen werden. Diese Blusen-, boleros werden nächst den Sackpaletots die beliebteste lieber-, kleidform sein, hauptsächlich in Zusammenstellung mit einem; Rock aus gleichem Stoff, womit sie in die Abteilung der Jackenkostünte rangieren. Sie bilden de» Ersatz für die so lange Zeit für unentbehrlich geltenden Bolerojäckchen, die sich aber jetzt ganz überlebt haben dürften. Auch bei den Blusenboleros spielt die Geisyaform eine große Rolle, tote schon aus unserem Modell zu ersehen ist. Dasselbe zeigt Modell Mo. 834. Modell No. 838. Mode« No. 839. W im übrigen offen und geschlossen zu tragende Revers, deren Innenseite mit weißer Seide und türkischer Borde gar-« Wichtig bei diesen Btusenbolevos ist der rund geschnittene Gürtel mit seiner stark nach vorn ausgeschweiften Form; denn derselbe gibt erst der Figur den richtigen, modernen Chick. Ein starker Rivale entsteht den Blusenboteros in den modernen kurzen Faltenjäckcheu (siehe Modell 834), welche eine durchaus neue Erscheinung auf dem Gebiete der Mode sind. Für den erste» Augenblick ist man leicht geneigt, dieselben unschön zu finden. Bei näherer Betrachtung kann man ihnen jedoch gewisse Vorzüge nicht absprechen. Bor allem sind sie außerordentlich bequem, und da sie ganz frei und ohne Zwang falle», kommen sie nicht leicht aus ihrer Form. Auch ist man überrascht, wie nett und kleidsam sie an der Figur selbst aussehen. Mau arbeitet sie vorzugsweise mit einer Passe, welche ihre Herstellung im Schnitt sowohl als in der Bearbeitung wesentlich erleichtert und überdies eine hübsche Grundlage für die Garnituren akgibt. Auch hierfür ist die Getshaform als die allein gütige Halsausschnittform fast durchweg angenommen. Im übrigen bringt man durch verschiedene Anorduungen der Falten und verschiedene Garnituren des Kollers (Steppereien, Bortenbesatz re.) auch in diche Faltenboleros mannigfache Abwechslung. Das Herstellungsmaterial dieser Jäckchen besteht entweder aus schwarzer Taffetseide und schwarzem Tuch ober aus Wollstoff, und zwar je nachdem sie als Einzeljäckcheii oder Kostümjackcheil getragen werden. W ist ivohl kaum nötig, zu erlvähnen, daß auch die Sackpoletots sehr gern für Jackenkostüme verwendet werden. So verschiedenartig nach all diesen Ausführungen die schnitte formen der diesjährigen Frühjahrsüberkleider sind, so überraschend einheitlich ist das Herstellungsinaterial, denn wohin man blickt, sieht man alles grau in grau, oder genau ge-. nommen grau mit schwarz garniert. Hoffentlich bringt die fortschreitende Saison noch einigen Wandel in dieses graue Einerlei. ■ Wer aus den Tagesmoden moderiier Frauen kleid«»« die für de» eigene» Geschmack und die verfügbaren Mittet beste Auswahl treffen will, findet in dem im Verlag der Internationalen Schnittmaiiufaktur, Dresden-N. 8, soeben erschienenen Reichhalt. Modeitalbum und Schnitiniusterbuch (Preis nur 50 Pfg.) den allerbesten Ratgeber. Auf 80 Großquartseiten sind darin ea. 400 Modelle, welche alle» Bei dürsnissen und Geschmacksrichtungen Rechnung tragen (darunter viele Reformkleider), enthalten. 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