Nr. 8. 1903. fl W v4 MW festste -... 8 (Nachdruck verboten.) Eine verhängnisvolle Fahrt. Roman von B. M. Croker. Autorisierte Uebersetzuug aus dem Englischen von Alwina Vischer. (Fortsetzung.) „Sie glauben nicht, was für einen herrlichen Mick man von der Brücke aus hat!" „Ich höre so viel von der Brücke sprechen, hat sie irgend etwas Bemerkenswertes?" „Das nicht, sie überspannt nur das Flüßchen, das den Veranesee mit der Bucht verbindet. Es ist ein reizendes Plätzchen, und nicht, wie Sie vielleicht denken, einsam und abseits, sondern an der großen Landstraße gelegen, wo der regste Fremdenverkehr herrscht." Die Brücke war in der Tat ein höchst malerischer Punkt. Geschäftig plätschernd eilte das krystallklare, seichte Flüßchen, von dem imposanten Veranesee kommend, unter den Brückenpfeilern dem unendlichen Ozean zu. Das eine Ufer wurde von prächtigen Bäumen beschattet, unter denen eine Menge kleinerer und größerer Boote angelegt lagen, während das entgegengesetzte User flach und sandig war. Ms sich Maureen über die Brücke beugte, bemerkte sie itoei mit Wasserschöpfen beschäftigte Mädchen und einen kleinen Jungen, der geduldig mit einer umgebogenen Stecknadel fischte. Auf der Brücke selbst befanden sich zu dieser Stunde nur etwa ein halbes Dutzend Menschen, die sich mit aufgestützten Ellbogen über das Geländer neigten. Dicht neben Mrs. Duckitt stand ein großer, alter Mann mit einem braunen Schnurrbart, dessen Brust mit drei Medaillen geschmückt war. „Das ist der Invalide Pat", sagte sie. „Mit dem muß ich Sie bekannt machen, er ist ein Original. Nuri, Pat, wie geht's?" „Vortrefflich, gnädige Frau", antwortete er, militärisch grüßend. „Dies ist Sir Grevilles Schwägerin, die Ballhbay gerne kennen lernen möchte." „Sein Sie herzlich willkommerr, mein liebes Fräulein! Einen gesünderen Ort konnten Sie gar nicht finden. Wer verzeihen Sie, ist das nicht etwas Indisches?" fragte er, auf die gemalte, in Filigran gefaßte Brosche zeigend- die sie trug. „Doch, eine Schulfreundin schickte sie mir aus Delhi." „Ans Delhi!" ries er, und seine Augen leuchteten, »das kenn ich." „So?" „Natürlich, ich war während des großen Militär-Aufstands dort." „Wirklich? Da haben Sie ja drei Medaillen, darf ich fragen, bei welcher Veranlassung Sie diese Auszeich- »mngen erhielten?" „Gewiß, aber das muß er Ihnen ein andermal erzählen", fiel ihr Mrs. Duckitt ins Wort, indem sie Maureen hastig beim Arm nahm. „Wir müssen jetzt um- kehren, Pat." Dann fuhr sie, zu ihrer Begleiterin ge- wandt, fort: „Es soll nämlich heute abend musiziert werden, das dürfen wir nicht versäumen." „Ich würde lieber hier draußen bleiben, und die See- und Berglust genießen, von der Mondscheinbeleuchtung gar nicht zu reden." „Wir haben Zeit in Hülle und Fülle zu all dem. Mer hat der alte Pat Sie erst einmal in Beschlag genommen, so werden Sie ihn vor einer Stunde nicht wieder los, und Mrs. Borlase hat eine himmlische Stimme — erinnern Sie sich der großen Dame im hellgrünen Kleid, die auf der Veranda saß?" „Ja, fischt sie auch?" „O nein, mein liebes Kind. Wir Fremde werden nämlich hier in dreierlei Klassen eingeteilt: erstens die wirklichen, echten Angler, die Tag für Tag gewissenhaft auf den Fischfang gehen, wie z. B ich, Sir Greville und die drei Brüder aus Leeds; zweitens in die Gelegenheitsfischer, die sich den Anschein geben, als fischten sie, sich aber mehr mst Picknicks an den See- und Flußufern oder Spaziergängen in der Umgegend abgeben, und endlich die Kurgäste, die nur baden, Ausflüge machen, Tennis und Golf spielen und tanzen, wenn ihnen die Gelegenheit dazu geboten wird. Ich bin neugierig, in welche Rubrik Cie und Ihre Schwester eingereiht werden." „Meine Schwester kommt wahrscheinlich in die Klasse der Kurgäste", erwiderte Maureen lächelnd, „während man mich doch vielleicht unter die Gelegenheitsfischer zählen wird, obwohl ich mir bis jetzt nicht viel aus dem Fischen mache, und vor allem daraus brenne, diese wildromantische Gegend recht gründlich kennen zu lernen." „Wer weiß, vielleicht wird doch eine ernstliche Fischerin aus Ihnen." „Das glaube ich kaum. Die selbst aber betreiben wohl die Sache sehr eifrig?" „Ja, mein Mann war ein leidenschaftlicher Angler und steckte mich mit seiner Liebhaberei an. Meistens gingen wir nach Schweden oder Norwegen, aber für eine allcin- stchcnde Frau ist das zu weit, und so begnüge ich mich eben mit Irland. Ihr Schwager und ich verstehen uns vortrefflich, er ist wirklich ein sehr netter und liebenswürdiger Mann." „Ach, wie mich das freut! Ucbrigens können die meisten Menschen Greville sehr gut leiden." „Wir haben eben auch ganz dieselben Ansichten über die Äugelfliegen, machen uns beide nichts aus schlechtem Wetter und haben ungefähr gleich viel Geduld. Und da ich weiß, daß er es gerne sehen würde, wenn Sie auch tischen lernten, so werde ich Ihnen, wenn eS Ihnen recht ist, einige Winke geben." Maureen nahm dieses freundliche Anerbieten mtt 30 Dank an, und Miß Duckitt erging sich sofort in einer ausführlichen Rede über die Kunst des Fischens, der Miß D'Arcy mit etwas erheuchelter Aufmerksamkeit zuhörte. Auf dem Rückweg schloß sich Sir Greville den beiden Damen an, und als sich das Trio dem Hotel näherte, klangen ihnen die begleitenden Töne eines Klaviers und eine schöne, voll Altstimme entgegen. „Sehen Sie, dort drüben auf der Mauer sitzt der Kutscher Terence mit seinem Weißen Hunde!" rief Mrs. Duckitt. „Das ist ein englischer junger Mann, dabei so still und bescheiden, gar nicht wie sonst Leute seines Standes. Da er sich von den hiesigen Eingeborenen fern» hält, steht er zwar im Rufe, etwas stolz und unnahbar zu sein, einem geborenen Pferdekenner aber wird in Irland bekanntlich alles vergeben." „Ja, er scheint mir ein famoser Bursch zu sein", stimmte ihr Greville bei. „Seine körperliche Kraft und Ausdauer, sein Mut und seine Energie sind gerade die Eigenschaften, womit man sich in erster Linie Hochachtung und Bewunderung des Volkes erringt." „Mir ist es schon häufig ausgefallen", fuhr Mrs. Duckitt fort, „daß er jedesmal hier in der Nähe auftaucht, wenn aus den offenen Hotelsenstern Musik ertönt." Freundlich nickte sie ihm bei Vorübergehen zu, und auch Maureen neigte grüßend den Kopf, wofür der Empfänger, den Strohhut abnehmend, mit ernster Miene dankte. Siebentes Kapitel. Eifersucht. sxi5 Wetter war herrlich. In vollen Zügen genoß Sir Greville seinen Lieblingssport, und selbst seine Gattin hatte sich entschlossen, ihn einmal mit Maureen auf einer Fahrt nach dem Veranesee zu begleiten. Sie machte dabei aber so schmerzliche Erfahrungen mit ihrer Toilette und ihren zierlichen Schuhen in dem nassen Boot und auf den felsigen Wegen, daß sie für die Zukunft auf immer darauf verzichtete. Und doch i .m sich kaum etwas Schöneres denken, als den grc-w -> «-innenfee mit seinen zerklüfteten, ruinengeschmückten Inseln und der klaren Wasserfläche, in der sich die purpur- und violettschimmernden Berge spiegelten. Sumpfiges Moorland, aus dem bunt blühende Binsenkräuter in üppiger Fülle emporsproßten, und schroffe Felsen mit Heidekraut, Stechginster und wilden Fuchsien bewachsen, umschlossen die Ufer, während in der Ferne, auf den sanft abfallenden Hügeln, schmucke Rinder- und Schacherden weideten. Mer selbst dieses entzückende Landschaftsbild mit seinen weltabgeschiedenen, poetischen Zauber konnte Lady Fanshawe nicht für die Un- beguemlichkeiten einer Fahrt im feuchten, schwankenden Boot und für das Klettern auf unwegsamen.Pfaden entschädigen. Maureen freilich schwelgte in der herrlichen Natur, wenn sie sich auch für den Fischereisport noch nicht zu begeistern vermochte. So begab sich Sir Greville jeden Morgen, nur von den beiden Schiffern Joe und Judge begleitet, mit seinen Fischereigeräten hinaus auf den See voer Fluß, während seine Gattin und Schwägerin, jede auf ihre Weise, die rasch dahineilenden Stunden verbrachten. Es dauerte nicht lange, so gehörte Lady Fanshawe zu einer der bekanntesten und gefeiertsten Erscheinungen unter den sogenannten Kurgästen. Voll Eifer schloß sie sich allen geselligen Vergnügungen, wie Picknicks- Tennis-, Golf- und andern Spielen an, befreundete sich sehr bald mit einer Mrs. Larkins, einer hübschen, jungen Frau, der das Fischen ebenfalls verhaßt war, schmückte ihren Privatsalon mit seidenen Kissen, Photographien, Dra- perien, mit Zweigen von wilden Fuchsien und Gebirgseschen und einer Menge anderer Blumen, mietete sich ein Klavier und machte ihr Boudoir zu einer Art Versammlungsort der auserlesensten Gäste des Hotels, ja, des ganzen Orts. Es galt als eine Vergünstigung, zu Fanshawes heiteren Teegesellschaften oder Spielabenden eingeladen zu werden, bei denen man sich herrlich unter» hielt und sich meist erst spät nach Mitternacht trennte. Rach und nach war die schöne, lebenslustige Frau von einem förmlichen Hofstaat umgeben. Ein irländischer Beamter und zwei Offiziere von Kork hatten sogar tatsächlich nur deshalb das Fischen aufgegeben, um sich der Schar von Verehrern „der Fischkönigin" anzuschließen, ein Titel, den man der schönen Frau beigelegt hatte, weil sie jeden Wend nach dem Essen, in einem hohen Lehnstuhl thronend, an die Herren und Damen, die in der Vorhalle ihre Fischeretergebnisse auf Heidekraut hübsch ausgebreitet hatten, entweder Tadel ober Lob und Preise — in Form von Blumen — auszuteilen pflegte. „Sie und Fischkönigin!" — wiederholte die sonst so fteundliche, neidlose Mrs. Duckitt, „eine Frau, die weder eine Forelle von einem Stockfisch, noch einen Salm von einem Haifisch unterscheiden kann! Wenn man Sie zur Königin der Fische ernennt, warum dann nicht mich, zur Königin der Schönheit?" Es war kein Wunder, daß Mrs. Duckitt und Lady Fanshawe durchaus nicht miteinander harmonierten, denn zwei verschiedenere Menschen als sie, konnte man nicht leicht finden. Wie würden die Leute gelacht haben, wenn jemand hätte behaupten wollen, daß die reizende Nita von glühender, wenn auch heimlicher Eifersucht auf die wetterharte kleine Witwe, für die Sir Greville ganz nn- verholen eine so große Vorliebe an den Tag legte, erfüllt fei! Sir Greville hatte niemals unter die Anbeter der Frauenwelt gehört, und Nita konnte deshalb ganz besonders stolz auf ihren Sieg über ihn sein. Sie hatte es immer als etwas ganz Selbstverständliches angesehen, daß er ihre gesellschaftlichen Triumphe mit Nachsicht aufnahm, dem Troß ihrer Bewunderer Beifall zollte und ihr gelegentlich selbsst Weihrauch streute. Und nun mußte sie es plötzlich erleben, daß er die Gesellschaft einer andern der ihrigen vorzog! Zorn und Schrecken erfüllten ihr Herz. Bei Tisch saßen er und die Witwe einander gegenüber, und nachher trafen die Beiden meistens auf der Veranda zusammen, um sich über Angelfliegen und dergleichen zu unterhalten, oder aber mit einander die Straße hinunter nach dem Laden zu schlendern, wo Fischgeräte zu kaufen waren. Kein Mensch hatte natürlich eine Ahnung, daß jeder Schritt und jede Bewegung der Beiden von der gefeierten Schönheit mit eifersüchtiger Angst beobachtet wurden, obgleich es manchem der Gäste vielleicht auffallen! mochte, daß Mrs. Duckitt niemals bei Lady Fanshawes reizenden kleinen Gesellschaften eintraf. Maureen aber kümmerte sich um all das nicht, sondern durchstreifte voll Entzücken die Umgegend von Ballybay. Dabei besuchte sie manche abgelegene Orte, einsame, mit Wasserrosen fast ganz bedeckte Bergseen, seltsame, aus der Dänenzeit stammende alte Ueberreste von Festungswerken, wo jetzt Schafe hausen, und verödete Dörfer, deren halb zerfallene Häusermauern von üppigen Ranken der wilden Fuchsia beinahe, erdrückt wurden, während Johannisbeersträucher und alte, moosbewaschene Apfelbäume die Stellen anzeigten, wo früher Gärten gewesen waren. Auch die einstigen Bebauer und Besitzer dieser Gärten waren tot, oder hatten sich in schlimmen Zeiten übers Meer geflüchtet. „Weißt Du schon die neueste tragische Begebenheit?" fragte Maureen, eilig in den hübsch ausgestatteten Salon ihrer Schwester eintretend. „Was ist geschehen? Hat der alte Foulcher Mrs. Duckitt einen Heiratsantrag gemacht?" „Nein, das nicht", antwortete Maureen lachend, „aber Du erinnerst Dich doch, daß der junge Noris endlich gestern nach vielen Mißerfolgen seinen ersten Salm mit nach Hause brachte, und Du ihm als Preis eine Blume gabst?" „Natürlich; er konnte ja vor Erregung kaum sprechen, telegraphierte die großartige Neuigkeit an alle seine Verwandten und wollte den Fisch feinem „Erbonkel" schicken." ,La, und nun denke Dir, als er ihn einpacken lassen wollte, stellte sich heraus, daß wir alle ihn durch ein entsetzliches Versehen heute zum Frühstück gegessen hatten. Vorzüglich war er, das muß man sagen! Der arme Junge, er war nahe am Weinen." „Er hätte ihn eben in Staniol wickeln und in sein eigenes Zimmer tragen sollen", spottete Lady Fanshawe. „Doch höre mal, Moll, wo kommst Du nun eigentlich wieder her? Ich versichere Dir, Deine Haut ist nächstens ebenso braun, wie die jener Person. (Unter „jener Person" verstand nämlich Lady Fanshawe stets Mrs. Duckitt.) „Warum kannst Du nicht ruhig hier bleiben und Tennis spielen, anstatt Dich Tag für Tag wie eine Wilde in den Wäldern und Schluchten herumzutreiben?" „Tennis kann ich in London zur Genüge spielen, wilde Schluchten und Seen aber giebts dort nicht. Ich, genieße eben mein Dasein auf meine Art, Du auf die Deinige. Mir macht es Spaß, die Bauernmädchen beim Tanze zu beobachten oder auf Entdeckungsreisen in den Bergen auszu- gehen. Dabei habe ich allerlei kleine, heitere Erlebnisse 31 rnid erfahre viel freundliches Entgegenkommen von den schlichten, gutmütigen Landbewohnern. Du glaubst gar nicht, mit welcher Herzlichkeit man mich überall mit süßer Milch und frischem Brot bewirtet, und was für interessante Dinge ich dabei. erzählt bekomme!" „2BoS denn für Dinge?" fragte Nita mit gerunzelter Stirne. „Geschichten von Verzauberungen, Schmugglern, alten Familien und vergrabenen Schätzen." „Sonderbares Mädchen! Doch sage, was hast Du für heute nachmittag vor? Komm doch mit uns zum Golf- Mel." „Nein, ich möchte den alten Invaliden besuchen." „28-ie kann Dich ein solcher Mann interessieren? Spiele doch lieber mit uns, und mit dem hübschen, eleganten Lord Fitz Lofty Golf, anstatt Deine Zeit in der Einsamkeit oder mit alten Invaliden zu verbringen!" „Wenn mir der alte Soldat nun aber lieber ist, als Lord Fitz Lofty mit seinem gigerlhaften Wesen." „Du drängst Dich selbst zu sehr in den Hintergrund, Neidest Dich diel zu einfach und bist so still und zurückhaltend, daß Dich sicherlich jedermann für eine arme Verwandte hält, die bei mir das Gnadenbrot ißt." „Um so besser, denn wenn es sich verbreitet, daß ich „ein Goldfisch" — eine reiche Erbin bin, so kann ich Dir im Voraus sagen, daß ich dann entweder davonlaufe oder mich in mein Zimmer einschließe. Denk an Dein Versprechen." „Gewiß. Zum Glück ist niemand von unseren Londoner Bekannten hier, um Dir den Zettel „Wertgegenstand" anzuhängen." „Nein, sie haben diese paradiesische Gegend noch nicht unsicher gemacht, aber auch ohne sie ist es schon mehr als voll genug hier. Was ich noch sagen wollte, denke Dir, es herrscht eine solche Nachfrage nach Schiffen, daß Greville und Mrs. Ducritt sich jetzt in eines teilen müssen. Sagte er es Dir schon?" Lady Fanshawe, die, in die wohlgefällige Betrachtung ihrer eleganten Schuhe versunken, der Länge nach ausgestreckt, aus dem Sofa lag, schnellte plötzlich mit einem Satz und mit feuerrotem Gesicht in die Höhe. „Unerhört!" schrie sie auf, „das dulde ich nicht, und ich werde es ihr auch sicherlich noch unter die Nase reiben!" „Mer meine liebe Nita, die Sache ist bereits fest- gemacht. Greville ahnt natürlich gar nicht, daß Du etwas dagegen haben könntest. Du fischst ja selbst nicht, und kannst unmöglich so neidisch sein. Deinen Platz im Schiff nicht jemand anderem zu gönnen." „Es ist geradezu abgeschmackt, wie er mit dieser Person herumscharmuziert. Ich bin überzeugt, daß es den Leuten längst ausgefallen ist. Sie ist ein freches, burschikoses Frauenzimmer und ich kann wirklich nicht begreifen, was Greville an ihr findet." „Sie hat die besten Angelfliegen mrd ist ebenso begeistert für die Fischerei als er. Gleich und gleich gesellt sich gern", erwiderte Maureen. ^Jch verabscheue sie; sie raubt mir meine Ruhe." „Aber meine liebe Nita", fuhr Maureen, ihre Schwester mit ernsten Blicken betrachtend, fort, „was für einen Unsinn hast Du Dir da in den Kopf gesetzt? Mrs. Duckitt ist meiner Ansicht nach eine äußerst liebenswürdige, offene und heitere Gesellschafterin, voll Unternehmungslust und Tatkraft. Ich persönlich habe sie sogar sehr gern und bedaure nur, daß ich sie nicht häufiger zu sehen bekomme." „Ein Mannweib ist sie, die ich ins Pfefferland wünsche! Doch lassen wir das. Wenn Du Mch also ohnedies durchaus wieder in der Umgegend Herumtreiben willst, so könntest Du wenigstens Taffy mitnehmen, er ist ein entsetzliche Plage beim Golffpiel, da er entweder die Bälle sängt,, oder sich derart ut Kaninchenlöcher verbohrt, daß man ihn nur mit Mühe und Not wieder herausbringt." „Meiner Ansicht nach ist er eigentlich überall eine Plage. Zwei Katzen und vier Hühner hat er schon während meiner Streifzüge gemordet und mich dadurch in die größte Verlegenheit gebracht. Wer es ist doch wohl besser, ich uehme ihn mit", sagte Maureen, die Tür öffnend. „Vor Wend darfst Du uns nicht zurückerwarten. Komm mit, Taffy." Achtes Kapitel. Ein Plauderstündchen. Der alte Invalide Patrick Ryan, gewöhnlich nur Pat genannt, wohnte nicht weit von der Brücke, dicht neben einer, in einer malerischen Schlucht gelegenen Mühle. An schönen Tagen konnte man ihn häufig auf einem, bei seiner Wohnung gelegenen Neinen Hügel sich sonnen sehen. Mch als Miß D'Arcy sich zu ihm gesettte, saß er dort in Gesellschaft eines weißen Hundes. „Sie brauchen sich vor Lost nicht zu fürchten, er ist kein gemeiner Köter", sagte Ryan, indem er aufstand und seinen jugendlichen Gast mflitärisch begrüßte. „Er läßt sich niemals in einen Kampf mit jemand ein, der schwächer, ist als er, auch wenn er noch so sehr gequält wird." „Er ist also ein Tier mit einem hohen Ehrgefühl. Gehört er Ihnen?" fragte sie. „Nein, Fräulein; er gehört dem Kutscher Terence; da der aber die meiste Zeit mit den Postkutschen unterwegs ist, so muß der arme Hund mit der fortgesetzten Sehnsucht nach seinem Herrn zu Hause bleiben. Es ist merkwürdig, brs zu welchem Grad sich solch stummes Tier in ein menschliches Wesen vernarren kann. Um einen Blick seines Herrn zu erhaschen, ist er im stände, ohne Nahrung meilenweit zu laufen; und mit was für sehnsüchtigen Augen er ihm immer nachsieht, es ist wahrhaft rührend! Und doch kann ein Hund, der sein kurzes Leben an einen Menschen hängt, nicht schlimmer dran sein, als ein Mann, der seine Liebe an eine Frau verschwendet", schloß Ryan, mit nachdenklichem Ernst den Kops wiegend und mit einem Msdruck, der eine traurige Erfahrung verriet. „Aber die Hunde, ja, bei Gott, die haben ein gutes Herz, das dürfen Sie mir glauben", stieß er plötzlich hervor, „so gut wie nur irgend ein Christenmensch." „Die meisten ohne Zweifel", stimmte die junge Dame bei. „Dieser aber", fügt« sie auf Taffy zeigend, hinzu, „kennt nur die Liebe für seine eigene Keine Person." „Bei solchen neumodischen Schoßhündchen mag das der Fall sein, bei Lost aber nicht", antwortete er, düsen streichelnd. „Er kann einen ganzen Tag auf Terences Rock liegen und stundenlang am Kreuzweg sitzen und der Postkutsche auflauern. Manchmal nehme ich ihn zu mir, was ihm auch ganz recht ist, da er weiß, daß Terence und ich gute Freunde sind, und das ist auch wirklich wahr. Manches Päckchen Tabak bringt er mir oder hin und wieder eine Zigarre, die ihm wahrscheinlich irgend ein Herr im Postwagen schenkte." „Er besucht Sie also häufig?" „Mindestens einmal in der Woche. Wir haben eben beide etwas von der Welt gesehen, obwohl ich vierzig Jahre älter bin als er. Mit den anderen Leuten in Bally- bay giebt er sich nicht viel ab, er tut eben seine Arbea und damit basta." „Das kann ich mir denken. Verheiratet ist er wohl nicht?" , '» „Nein, keine Rede. Drei oder vier Madels, die Töchte» reicher Farmer, haben zwar ein Auge auf ihn geworfen, weil er ja so ein hübscher Kerl ist, aber er will ni<**" von den Frauenzimmern wissen." (Fortsetzung folgt.) Schätze der Wilden. Nachdruck verboten. Die Schätze der Wilden sind meist von recht zweifeb» haftem Wert. Dinge, die wir für besonders kostbar ansehen, genießen nur in seltenen Fällen auch in ihren Augen dieselbe Wertschätzung. Gold und Silber speichern sie wohl auch in Form von Schmuckgegenständen auf, aber nicht ih'-s Metallwerts wegen. Den Wert der Edelmetalle richtig schätzen, lernen nur diejenigen Wilden, welche mit Kaufleuten zivilisierter Völker in Berührung kommen. Ter Reichtum des afrikanischen Königs von Momotopata war Generationen hindurch in Europa sprichwörtlich. Zwe- Jahrhunderte hindurch zweifelte niemand daran, daß in Ost- Afrika hinter den portugiesischen Ansiedlungen ein König wohne, dessen Reichtümer unermeßlich seien, und der ein weites Reich, Namens Momotopata, beherrsche. In unferm prosaischen Zeitalter jedoch ist nachgewiesen worden, daß der Name des Königreiches auf einem Mißverständnis 32 seitens oer ersten Afrikareisenoen beruhte, ba die Eingeborenen weder von einem König noch von seinen fabelhaften Schätzen etwas wußten. In der Regel haben diese Schätze tatsächlich keinen Marktwert — bisweilen sind es europäische Waren, an denen die Wilden Gefallen fanden, gewöhnlich aber sind es alte Gegenstände, an welche sich abergläubische Vorstellungen knüpften. Ms Bickrnore vor 30 Jahren Sumatra bereiste, fand er ein merkwürdiges Beispiel der ersten Art. Seine wiener Erzählten ihm beständig von wundervollen Ringen, welche man in Schlangenköpfen gefunden und für welche die Rafahs ungeheure Preise gezahlt hatten. Manche sagten, diese Ringe seien Tiamanten von abnormer Gestalt. Schließlich fand Bickmore einen freundlichen Rafah, der ihm seine Raritäten zeigte. Er bekam auch einen der berühmten Ringe zu sehen, und dieser erwies sich als ein einfacher Glasring, der in Europa im günstigsten Falle etwa 10 Pfennig wert gewesen wäre. Wie diese Ringe nach Sumatra gelangt waren, ließ sich nicht feststellen. Alle Eingeborenen des fernen Ostens glauben, wie der „Loudon Standard" im Anschluß an diese Mitteilung aus- kührt, daß Steine und Juwelen sich bisweilen in den Köpfen der Schlangen finden, und der glückliche Sterbliche, der einen reichen Mann zu überzeugen weiß, daß das von ihm angebotene Exemplar echt ist, kann jeden Preis für ziemlich wertlose Objekte fordern. Denn diese Steine gelten als zauberkräftige Amulette, zumal bei Frauen. Noch kostbarer ist ein Horn des Moschustieres; kein Wunder, da das Tier hornlos ist. Viele Wilden glauben jedoch, daß in sehr seltenen Fällen gehörnte Moschustiere gefunden werden, und zwar sollen ihre Hörner aus Bronze bestehen. Ein Exemplar wurde einmal dem Rajah Brooke angeboten. Der VerNufer muß einen seltenen Grad von Unverschämtheit besessen haben, wenn er nicht in gutem Glauben handelte. Der Gegenstand stellte ursprünglich eine aus Bronze gebildete menschliche Figur von IV2 Zoll Höhe dar, vielleicht einen Hindu oder Mrmanen, doch war das kleine Bildwerk so abgenutzt, daß kaum noch eine Form zu erkennen war. Die Zeichen der königlichen Würde der malaischen Herrscher bilden nach dem „London Standard" unschätzbare geheiligte Nationalschätze. Die Gegenstände dürfen nur tion den Angehörigen eines gewissen Stammes, oder einer gewissen Familie berührt werden und selbst von diesen nur bei bestimmten Gelegenheiten. Skeat erhielt die Erlaubnis, sich die Kostbarkeiten Selangor's anzusehen — sie bestanden in drei Trommeln verschiedener Größe, zwei Kesselpauken, einer Trompete, einer Flöte, acht mit Kuhschwänzen geschmückten Lanzen, einem Dreizack, einem Götzenbild,'einem Betelkastcn, dem Staatsfchwert, zwei anderen Schwertern, dem königlichen Schirm und der Tabaksdose. Das Volk im allgemeinen und die Bewohner des Palastes betrachten diese Gegenstände mit außerordentlicher Ehrfurcht. Auch haben sie eine tödliche Furcht vor denselben, die sehr begründet zu sein scheint. Mr. Skeat fand die Kleinodien in einer großen, mit Zinn ausgeschlagenen Kiste aus'bewahrt, welche auf hohen Pfosten mitten auf einem freien Rasenplatze aufgestellt war. Der Sultan erklärte, daß er sie der Sicherheit wegen dorthin gestellt habe, um seine Kinder, Freunde und Diener vor Lebensgefahr zu schützen. Ja viele seien schon getötet worden. Skeat nahm die als besonders gefährlich bezeichnete Trompete in die Hand, obwohl der Sultan ihn warnte. Am nächsten Tage aber geschah es, daß sein Arm so ernstlich anschwoll, daß er den Distrikt verlassen mußte, um ärztlichen Rat zu suchen. So wurde die Ehrfurcht vor den Kleinodien Selangors gerechtfertigt. Es soll aber in jener Weltgegend noch weit merkwürdigere Insignien der Köuigswürde geben. Die bemerkenswertesten Wildenschätze sind vielleicht die von den Dyaks Borneos so hoch geschätzten Tonkrüge. Sie sind sehr alt und zweifellos von den Chinesen angefertigt worden. Es giebt drei Arten von Krügen: Der ziemlich häufig vorkommende ca. 12 Zoll hohe „Rusa", mit glatter, brauner Oberfläche und eingekratzten Tierfiguren ist 120 bis 160 Mark wert. Dann kommt der gelbe, mit Drachen geschmückte „Naga", im Werte von 300 bis 2000 Mark, der zwei bis dreimal so groß als der vorige ist. Der grüne, mit Figuren geschmückte Gusi ist 18 Zoll bis zwei Fuß hoch, und so selten und kostbar, daß sich kein Preis für denselben angeben läßt. Es ist bekannt, daß ein Häuptling 14 000 Mark für einen solchen Krug zahlte rmd ihn um keinen Preis wieder verkaufen wollte. Ter Sultan von Borneo besitzt natürlich die schönsten Exemplare, die er jedoch als Geschenk erhielt. Spencer St. John fragte den verstorbenen Sultan in geschäftlichem Ton, vb er einen dieser Krüge für 40 000 Mark verkaufen wollte. Seine Ma- jestät aber verneinte ohne Zögern. In der Tat verbient er in Zeiten der Krankheit oder Not hübsche Summen durch, den Verkauf von Wasser aus seinen kostbaren Krügen. In Sarawak und auch in dem holländischen Territo- rium wird die außerordentliche Ehrfurcht für diese Krüge von der Regierung in sehr raffinierter Weise ausgenutzt. Jeder größere Stamm besitzt eine Anzahl solcher Krüge, aus welchen zurzeit der Aussaat und Ernte heiliges Wasser auf die Felder gesprengt wird. Wenn Verbrecher nicht ausgeliefert werden, oder junge Krieger Unruhen verursachen, so werden die Krüge zum Pfand genommen. Ein rebellischer Stamm wird zu so und so viel Rusas oder Nagas verurteil^ oder auch wohl zu einem Gusi, wenn man weiß, daß ein solcher sich in seinem Besitz befindet. Es ist merkwürdig, daß die kannibalischen Battacken Sumatras ebenfalls kostbare irdene Krüge besitzen, welche für dieselben feierlichen Bräuche benutzt werden. F. Hd. , Literarisches. Das altbewährte Familienblatt Daheim steht jetzt int 39. Jahrgang; aber man merkt ihm nichts an vom Mer; es ist vielmehr jung geblieben, wie ein Blick auf eine beliebige Nummer zeigt. Nehmen wir die in den ersten Tagen des Januar erschienene Nummer zur Hand. Der jetzt dem Schluß zustrebende Roman „Kr a ch" von Hanns von Zobeltitz schildert in ergreifender Weise die Geschichte eines Bankkraches, wie sie in den letzten Jahren Deutschland mehrfach erschüttert haben; ein anderer neu beginnender Roman von Paul Oskar Höcker, der in dieser Nummer angefangen wird, führt den Titel „Der Taugenichts". Tie handelnden Personen auch dieses Romans sind mit solcher Frische und Meisterschaft eingeführt, daß man auf den Fortgang der Erzählung gespannt ist. Die Aufsätze, welche diese Nummer des Dahmm bringt, knüpfen fast durchgängig an die Gegenwart an, sind also aktuell. Der vielgewanderte Weltreisende Dr. Georg Wegener führt uns nach „Delhi", der alten indischen Fürstenstadt, und schildert ihre wunderbaren Bauwerke. W. v. Bremen belehrt uns über „Seekriegs- recht und Piraterie", doppelt interessant bei den Verwickelungen in Venezuela, und Professor Eduard Heyck plaudert in anregender Weise über „Die Zwölften, indem er das Leben und Treiben unserer germanischen Urväter um die Zeit der Wintersonnenwende schildert. Aktuell ist aber das Daheim noch in anderer Weise, indem es „Aus der Zeit — für die Zeit" zahlreiche von gut geschriebenen Texten begleitete Abbildungen von Tagesereignissen bringt. Ter häuslichen Kunst dient das Daheim durch Wiedergabe von wahrhaft künstlerischen Holzschnitten, besonders auch durch Kunstbeilagen in T o n d r u ck auf feinem Papier. Eine Besonderheit des Daheim, die kein anderes Familienblatt bietet, sind die Beilagen „Fr au en d ah e im", „Hausgarten", „Kinderdaheim", „H ausmu sik" und „Sam m l er- dahei m", die den Liebhabern eine Fülle interessanten Lesestoffes bieten. Charade. Nachdruck verboten. Das Erste bient uns, zeigt sich's kalt und hart, Man ißt es gern, wenn eS von and'rer Art. Das Zweite ist beim Reh und beim Gewehr. Das Ganze ist im Winter mein Begehr. (Aufiösung in nächster Nummer.) Auflösung der Schachaufgabe in vor. Nr.: W. Kgl, De3, Tc7, 64, La2, h2, 867, Bc5, d2. Schw. Kb4, 15c4, a3, a4, a5, g2, h3. 1. 8ä7-b8, Dd4: 2. Tb7, Kc5: 8. d3. — L . . ., Kb6 2L Dc8 •f,i 3. Dc6. Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Lerlaa der Brübl'sche« UniversitütS.Buch- und Etrindruckerri (Pietsch Erbe«) in Dießen.