Montsg den 15. Juni «r. 87. 1903. mW ^^WWU üjqn h WWs Lich. Von Tr. Karl Ebel. (Nachdruck verboten.) Vom Fremdenstrome so gut tote gar nicht, von den Bewohnern der Nachbarstädte nur gelegentlich eines Ausfluges nach Kloster Arnsburg oder Münzenberg berührt, liegt 15 Klm. südöstlich von Gießet: das Städtchen Lich. Wer einen Blick für das Malerische und Sinn für das Altertümliche hat, dem wird sich ein Besuch des Ortes reichlich lohnen. Schon die Landstraße von Gießen dorthin bietet wechselnde Reize. Zuerst durch herrliche:: Hochwald, dann über die freie Höhe mit weiter Ausschau in das fruchtbare Land- und wieder hinab durch das langgestreckte Torf Steinbach, endlich, vorbei an waldigem Bergeshang, an Mühlen, Höfen und träumerischem Weiher, an dem der Sage nach zu nächtlicher Weile eine Jungfrau ihr und ihres untreuen Geliebten gemordetes Kind sucht. Die gut gehaltene'Straße und ihre Einfassung verraten, daß wir uns einer fürstlichen Residenz nähert:, und bald finden wir uns neben dem stattlichen Prinzen Haus, dem Eingang zum S ch l o ß p a r k gegenüber. Nicht groß an Umfang, aber vortrefflich gehalten, tnit einer prächtigen Kastanienallee und malerischen Partien dehnt er sich zwischen Straße und Wetter nach dem Schlosse hin. Ernst, von dunklem Epheu übersponnen, begrenzt ihn an einer Seite eine alte hohe Befestigungsmauer, aber heiter zeigt sich dem Blick der Teich mit seinen stolzen Schwänen und dahinter das fürstliche Schloß, dessen Helle Sonnendächer tote bunte Fahnen herüberwinken. Auf zierlichen Stegen überschreiten totr das Wetteir- slüßchen und gelangen jenseits der Bahn auf den waldigen Haardtberg, von dessen Höhe wir eine wundervolle Aussicht auf das Städtchen unten im Wettertale und die jenseitigen Hügelzüge genießen. Tann geht's. hinab und zwischen den alten Wällen hindurch mitten hinein in die gewundenen Gassen und Gäßchen. Ta liegt zu unserer Linken an freiem Platz das Schloß, ein später veränderter Bau aus dem Jahve 1770, der seine heutige Gestalt durch Moller in den Jahren 1822—1842 erhielt. Ohne besonders reiche Architektur gibt es mit seinen starken Türmen das Gefühl ruhiger Sicherheit. Aehnlich mag! sein Vorgänger gewirkt haben, eine feste Wasserburg mit vier Türmen und Zugbrücken. Tie Befestigungen sind verschwunden, an ihrer Stelle dehnt sich, heute der Park. Jeder Schritt, den wir weiter tun, zeigt, daß wir uns in einer Jahrhunderte alten Residenz befinden. Ueberall erblicken wir alte Wohnhäuser in Stein oder Fachwerk erbaut, bereit reichere Architektur oder Schnitzerei sie als ehemaliges Besitztum adliger Familien, der Burgmannen des alten Dynasten- und Fürstengeschlechts, kennzeichnen. Tie Schloßgasse weist mehrere solcher Häuser auf, von denen das von Rehesche Eckhaus mit seinem schönen Erker noch heute im Besitz dieser, jetzt freilich nicht mehr dcA Adel führenden Familie ist. Hier soll einmal Martin Luther gewohnt haben, aber Sicheres weiß man nicht über diesen Aufenthalt. Dagegen bewahrt uns eine oft falsch gelesene Inschrift das Andenken an den Erbauer des Hauses. Sin lautet: „Non ost, crede mihi, insignes qui possidet aedes, „Dives: Sed dives, cui satis una domus. „J. T. Sprenger aedificator.“ Zn Deutsch: „Glaube nur, nicht der ist reich, der herrliche Paläste besitzt, sondern reich ist der, der sich genüget:' läßt an einem Haus. I. T. Sprenger, Erbauer." Ein anderes interessantes Haus ist der Gasth o f zum Löwen. Ter stattliche Steinbau, dessen wappengeschmückter Torbogen die Jahreszahl 1596 trägt, soll von Reinhard von Uhrhat: errichtet sein, von dein noch heute Nachkommen in Lich leben. Jetzt findet der Wanderer gastliche Ausnahme und treffliche Unterkunft in den kühlen Räumen. Wenige Schritte weiter führen uns am Rathaus vorbei zu einem der Kirche gegenüber stehenden .Haus, dessen wunderschöne Holzschnitzereien auf den Anfang des 17. Jahrhunderts Hinweisen. Lange waren diese die ganze Front bedeckenden Schnitzereien unter der — freilich auch schützenden —Tünche verborgen, bis sie vor kurzem, nachdem das Haus in deü Besitz der Stadt übergegangen war, wieder in alter Frische zum Vorschein kamen. Hier finden totr auch, die Marien- sti f ts kir ch e. Ein Werk der Spätgotik, wurde sie 1510 bis 1517 an Stelle ihrer baufällig gewordenen Vorgängerin nach dem Muster der Kirche in Eisenach errichtet. Aber die Geldmittel reichten nicht aus zur Vollendung des Baues, daher erhielt das Mittelschiff ein einfaches Tonnengewölbe aus Holz. Ihr jetziges Aussehen im Innern erhielt die Kirche im Jahre 1864 nach Plänen H. von Ritgens. Von den Kunstwerken, die sie birgt, sprechen an: meisten die alten Grabsteine an, die iin Umgang des Chors aufgestellt sind, als letzte Zeugen. Wei: das erste und älteste Denkmal darstellt, ist bis jetzt nicht ermittelt; vielleicht dürfen wir in ihm den frommen Stifter der Kollegiatkirche, Philipp III. von Falkensteii: (f 1322), erblicken. Ter zweite und dritte Grabstein stellen Grafen von Solms dar, während der vierte wiederum einem Falkensteiner, dem Sohne jenes Philipp, Cuno II. (t 1333), und seiner Gemahlin Anna Gräfin von Nassau gewidmet ist. Tiefe Denkmäler, wie auch die übrigen Solmsischen Steine, sind hervorragende Kunstwerke ihrer Zeit und zeichnen sich teils durch Strenge des Stils (Nr. 1 und 4), teils durch Anmut ihrer Linien (Nr. 3) aus. Was den: Beschauer aber am meisten in die Augen fällt, ist die herrliche holzgeschnitzte Kanzel mit den vier Evangelisten, die der Klosterkirche in Arnsburg entstammt. Auch "her Grabstein eines Arusburger Abtes, Kaspar Geißels (f 1553), hat am Westportal der Kirche einet: Platz gesundem Neben der Kirche erhebt sich der mächtige Glockeniurtn; aber er ist eit: profanes Bauwerk, denn ehedem war er 346 einer der stärksten Türme der Stadtbefestigung, die dicht hinter der Kirche Herzog. Noch kann man auf lange Strecken im Norden und Osten der Stadt den nkächtigen Wüllen und der alten Stadtmauer mit ihrem Wehrgang.folgen. Aber idyllisch und friedlich ist heute das Bild, das uns jene ferne kriegerische Zeit wie einen halbvergessenen Traum erscheinen läßt. Lich hat dank feiner Eigenschaft als Sitz eines Herren- gcsch lech ts eine reiche Geschichte. Schon zu Karls deß Großen Zeiten taucht sein Name auf in Lorscher und Fuldaer Schenkungsregistern. Tann aber hören wir jahrhundertelang so gut tvie nichts von dem Ort, denn daß im Licher Markwald eine Schottenkirche gestanden hat, ist unbewiesen. Wir wissen nur, daß er mit der ganzen Gegend zu dein Besitze des Cuno von Arnsburg (t vor 1093) gehört hat, der durch die Vermählung seiner Tochter Gertrud mit Eberhard von Hagen seinem absterbenden Stamme ein neues Reis anf- pfrvpfte. Ter Sohn Eberhards und der Arnsburger Erbtochter, Conrad (1093—1152), nannte sich Herr von Hagen und Arnsburg und wurde durch seinen Sohn Cuno, der sich auf dem Müuzenberg ein stolzes Schloß erbaute, der Stammvater der Herren von Münzenberg. Cuno I., der Stifter des Klosters Arnsburg, ivar ein mächtiger Mann. Im Besitze der Würde eines Reichserbkämmerers vereinigte er die Herrschaft über große Gebiete in seiner Hand. Aber schon mit seinem Enkel Ulrich II. erlosch sein Geschlecht im Mannesstamm 1255. Den größten Teil der münzenberaischen Erbschaft und darunter das Licher Gebiet brachte durch Kauf oder Tausch mit den miterbeuden Schwägern Ulrichs der Gemahl von dessen Schwester Jsengard, Philipp I. von Falkenstein, an sich, der auch 1257 die Reichserbkämmerer- Wüvde erhielt. Zwar hatte Philipp von seinen beiden Söhnen, Philipp II. und Werner L, Enkel, allein nur der Stamm Werners blühte weiter und aus ihm entsproß in Werners Sohn Philipp III. der Stadt Lich ein Herr, der sozusagen ihre eigentliche Geschichte beginnt. Philipp hatte mit seinem Bruder Cuno I. die väterliche Erbschaft so geteilt, daß ihm u. a. Torf und Schloß Lich zufielen. Im Schlosse wohnte er, wenn nicht ständig, so doch sehr häufig, mit seiner zweiten Gemahlin Mechtild, einer geborenen Landgräsin von Hessen, verwitweten Gräfin von Ziegenhain. Ein Sohn dieser Mechtild aus ihrer ersten Ehe, Graf Otto von Ziegenhain, war Pfarrer der Kirche in Lich, bis er um 1316 ein Kanonikat in Mainz erhielt. Er starb 1364 als Probst des Stiftes Fritzlar. Schon Philipps Vater hatte Lich im Jahre 1290 eine „Stadt" genannt, aber erst 10 Jahre später, am 10. März 1300, erteilte Kaiser Albrecht seinem Getreuen Philipp von Falkenstein für sein „Dorf" Lich Stadtrechte. Um seiner Residenz Ansehen weiter zu erhöhen, errichtete Philipp 1316 eine Kollegtatkirche für zehn Kanoniker, von denen drei Prälaten sein sollten. Im nächsten Jahre erfolgte die Bestätigung durch den Erzbischof Peter Aspekt von Mainz, der zugleich die Grundzüge der Verfassung des Stiftes festlegte. Der neuen Kirche wurden die Pfarrkirchen in Lich, Ober-Ohmen, Münster bei Bessingen und Bellersheim inkorporiert, d. i. ihre Einkünfte flössen dem Stift zu, das daraus die von ihm zu ernennenden Geistlichen bezahlte. Da die Besoldung der Geistlichen in solchen Fällen stets geringer als der Ertrag der Einkünfte war, so bedeutete eine Inkorporation immer eine Vermehrung der Mittel der Mutterkirche. Das neue Stift war der heiligen Jungfrau geweiht und heißt daher bis auf den heutigen Tag Marienstift, wie auch der erste Pfarrer in Lich heute noch den Amtstitel „Stistsdechant", der zweite den Titel „Stiftspfarrer" führt. Ebenso besteht noch eine Stiftsschule. Der Dechant war der Vorsteher des Stiftes. Die beiden anderen Prälaten waren der Scholcister, der die Domicellaren in die Schule aufzunehmen und zu unterrichten hatte, und der Cantor, dem die Schulung der Geistlichen int Kirchengesang oblag. Die übrigen sieben Mitglieder des Kapitels waren die Kanoniker oder Chorherren, die ursprünglich nach geistlicher Regel ein gemeinsames Lehen führen sollten. Ob das in Lich jemals der Fall war, läßt sich nicht nachweisen. Sicher ist, daß sie nur zu gemeinsamem Chorgang verbunden waren, wie denn überhaupt das Leben nach klösterlicher Art nur von den regulierten Chorherren durchgeführt wurde. Tas Licher Stift aber bestand aus Weltgeistsichen. Scbante die Stadt in ihrem Stift ein Werk des Friedens, so sollte sie noch in demselben Jahrhundert stürmische Zeiten erleben. Philipp VI. von Falkenstein, ein Enkel Philipps III., war aus nicht aufgeklärten Ursachen mit Ulrich III. von Hanau, den vier wetterauischen Reichsstädten: Frankfurt, Friedberg, Wetzlar und Gelnhausen, dann aber auch mit seinen Vettern Cuno III., Erzbischof von Trier, Johann und Philipp VII., sämtlich Falken steinern, in eine schwere Fehde geraten. Ihm zur Seite standen nur Graf Johann von Dietz utti) einige Kämpen aus dem niederen Adel. Dagegen verhielten sich der Kaiser und Landgraf Heinrich von Hessen feindselig gegen ihn, indem ihn der erstere in die Reichsacht tat, der letztere aber seinen Untertan en verbot, Philipp ourch den Verkauf von Lebensmitteln oder sonstwie zu unterstützen. Die Fehde dauerte von 1364 bis 1366 und wurde erbittert geführt. Von den Gegnern Phi- as, betten sich der Dynast Konrad von Trimperg ange- isseit hatte, eroberten dieser, Ulrich von Hanau, Johann von Falkenstein und die vier Reichsstädte Burg und Stadt Lich und die Veste Wamsberg (auf dem heutigen Breuerberg bei Lich) „von des Reiches wegen", d. h. in Ausführung des bei Verhängung der Acht ergangenen kaiserlichen Befehls, Philipp mit allen Mitteln zu bekämpfen. Am 25. April 1365 trafen die Genannten eine Uebereinkunft wegen gemeinsamer Verwaltung von Lich und Wamsberg. Darnach war jeder Teil nach Abzug der Verwaltungskosten mit einem Siebentel an den Einkünften, aber auch an etwaigen Verlusten beteiligt. Die Leitung hatten Ulrich von Hanau, zugleich für Konrad von Trimperg und die Reichsstädte, und Johann von Falkenstein. Beiden mußte die Stadt Lich huldigen, erhielt aber dafür die Zusicherung, daß ihr wegen dieses Krieges kein Leid geschehen, sie vielmehr den Schutz und Schirm der Verbündeten genießen solle. Offenbar hatten die Bürger tapferen Widerstand bei der Belagerung geleistet. Philipp VI. ließ sich durch das Mißgeschick nicht entmutigen, es' gelang ihm vielmehr, sich gegen seine Feinde, denen er auch eine Niederlage beigebracht hatte, zu behaupten, sodaß sie mit Einwilligung des Kaisers im Juli 1366 zum Frieden schritten. Der war für den tapferen Falkensteiner nicht ungünstig, denn dieser erhielt alle ihm abgenommenen Schlösser, Städte, Burgen, Land und Leute, unentgeltlich zurück mit Ausnahme der Wamsburg utib der beiden Dörfer Bessingen, der beiden Ettingshausen und Münster, die er mit 1000 schweren kleinen Gulden lösen mußte. So war Lich wieder in die Hände seines Herrn zurück- gelangt. Zwei Menschenalter nach den geschilderten Ereignissen starb das Falkensteinische Haus mit Erzbischof Werner von Trier 1418 im Mannesstamm ans und vererbte, wie es selber einst das Erbe gewonnen hatte, auf die Gcitten der Töchter. Die Verlassenschaft wurde zunächst in drei Teile geteilt, von denen einer das sog. Licher Drittel bildete. Dieses enthielt u. a. Burg und Stadt Lich, die Losung am Wams- berg, Laubach, Hungen, Wölfersheim, fünf Zwölftel von Münzenberg usw. und gelangte nach einem weiteren Teilungsvorgang in den Besitz der Brüder Bernhard und Johann, Grafen von Solms. Die beiden Brüder verwalteten ihre Besitzungen anfänglich in Gemeinschaft, dann begannen auch sie zu teilen und wir finden Lich endlich tut Alleinbesitz des jüngeren Bruders Johann, der der Stifter der Linie Solins-Lich wurde. Johann starb! 1457 und liegt in der Stiftskirche in Lich begraben, wo sich auch sein Grabdenkmal findet. Von den Nachfolgern Johanns gewannen für Lich die Grafen Philipp und dessen Sohn Reinhard besondere Bedeutung. Ter erstere begann 1510 den Umbau der Marien- stiftskirche, der erst 1594 vollendet wurde, der letztere machte Lich zur Festung. Einer der hervorragendsten Regenten des ganzen Hauses Solms war Reinhard,, gleich seinem Vater ein gewaltiger Kriegssttann. Als Anhänger und Feldherr Kaiser Karls V. gehörte er zu den erbittertsten Feinden Landgraf Philipps des Großmütigen, dessen FestungenKassel und Gießen er auf Befehl des Kaisers schleifte. Bet Meßen erfüllte er seinen Auftrag mit besonderer Gründlichwsi. Dieser Feindschaft mit Hessen verdankt Lich seine starken Befestigungen) die Reinhard zum eigenen Schutze anzulegen gezwungen war. Bis zu seinem am 23. September 1562 erfolgten Tode hatte Reinhard der Reformatton den Etn- gang in sein Haus und fein Land verwehrt, aber ferne 347 Söhne meldeten doch dem Landgrafen Philipp Lei Ueber- fendung der Todesnachricht, daß ihr Vater vor seinem Hinscheiden das Abendmahl in beiderlei Gestalt empfangen habe. Das Modell eines Reiterstandbildes des reisigen Grasen schmückt die Portalhalle des Schlosses in Lich, das Denkmal selbst wurde ihm von Ludwig I. von Bayern über dem Kreuztor in Ingolstadt errichtet. Was Lich in den folgenden stürnrischeu Zelten, nm dreißigjährigen und später im siebenjährigen Krieg und den Revolutionskriegen erfuhr, hat jich nicht wesentlich von den Schicksalen anderer Orte unserer Gegend unterschieden. Diese schlimmen Epochen der deutschen Geschichte können deshalb hier übergangen werden. . Erwähnt sei nur, daß sich nach Lnch, weil es eme Ostung war, des öfteren das Landvolk der Umgegend flüchtete. Ta hatte denn, als die Pest einbrach, der Tod eine gute Ernte. In den Monaten Januar bis August des Jahres 1635, in dem die ganze Gegend- entsetzlich unter dieser verheerenden Krankheit zu leiden hatte, starben in Lich zusaminen 1225 Personen. Die Truppendurchzuge nahmen während des ganzen Krieges kein Ende, was natürlich von Übeln Folgen für die Bewohner war. Eine Erinnerung an diese Zeit, die die Stadt heute noch bewahrt, ist eine Urkunde vom Jahre 1644, durch die Graf Ludwig Christoph der Stadt einen Weg durch seinen Garten auf Wiederkauf verkauft, um die Truppendurchzüge an der Stadt vorbei zu lenken. Aus diesem Kaufbrief leitete die Stadt bis in die neueste Zeit hinein ihr Recht ab, den fürstlichen Park als Durchgang zu benutzen. Der Rückkauf soll aber längst schon stattgefunden haben und tatsächlich wird der Park alljährlich auf ein paar Tage für den Verkehr ge- Noch einmal sollte das alte Schloß in Lich eine neue Herrschaft einziehen sehen. Im Jahre 1718 starb! die regierende Linie aus und die von ihr äbgezweigte jüngere Linie Hohensolms wurde ihre Erbin. Ihr war es Vorbehalten, den Glanz des Hauses durch Erwerbung des Fürstenhutes zu erhöhen. Ben der letzten deutschen Kanser- krönung am 14. Juli 1792 wurde der regierende Graf Karl Christian von Kaiser Franz II. in den Reichsfürstenstand erhoben. In seiner Jugend hatte seine Mutter als Vormünderin für ihn diese Standeserhöhung abgelehnt, als sie 1744 von der Braunfelser Linie angenommen wurde. Nicht lange konnte sich das Fürstentum seiner Unmittelbarkeit freuen. Napoleons I. Gewalttätigkeit strich es 1806, zur Rheinbundszeit, mit so vielen anderen aus der Liste der deutschen Staaten. Seine Aemter Lich und Niederweisel fielen an das Großherzogtum Hessen. Seitdem ist Lich eine Großherzoglich Hessische Stadt, aber es verdankt dennoch Wohlstaiid und Anseheii seiner Standesherrschast, die dort ihren dauernden Wohnsitz und den Mittelpunkt der Verwaltung ihrer ausgedehnten Besitzungen beibehalten hat- Dem Kündigen wird der Zweck dieser Zeilen sofort klar werden. Sie sollen nicht eine erschöpfende und bis in die Einzelheiten genaue Geschichte -der Stadt Lich darstellen, sondern sie beabsichtigen lediglich, die Aufmerksamkeit auf unser liebliches Nachbarstädtchen zu lenken und Verständnis für seine reiche Vergangenheit zu wecken- Gemeinnütziges. * Das Streichen der Fußböden. Der zu streichende Boden muß, nach dem „Praktischen Wegweiser", Würzburg, vor allem rein, glatt und trocken sein. Tie Farbe ist am besten auf einem Stück von dem Holze zu erproben, woraus der Boden hergestellt ist, da die verschiedenen Holzarten die Farbe mehr oder weniger! beeinflussen. Tie Farbe ist mit einem Pinsel aufzutragen, das erstmalige Vorbereiten des Bodens , mit einer dünnen Farbe oder richtiger einem nur mäßig gefärbten Firnis geschieht, besser mit einem Lappen, weil die Farbe damit gut in den Boden gerieben werden kann. Jeden Anstrich muß man gut trocknen lassen, und zwar mindestms 24 Stunden. Tann wird der Boden mit einem wollenen Lappen mit Leinöl gut eingerieben. Nach abermals 24 Stunden erfolgt ein Nachpolieren mit einem trockenen wollenen Lappen. Soll der Boden gewichst oder lackiert werden, so muß dies nach dem Glätten geschehen. Beim Mischen der Farben darf nicht vergessen werden, daß die Farben nach dem Trocknen sehr verschieden ausfallen und deshalb muß man sie vor dem Gebrauche immer erst probieren in der Eingangs er- wühnten Weise. Ein Anstrich, hergestellt mit 1 Liter gekochtem Leinöl, drei Achtel Liter Terpentinöl und dem nötigen Farbstoff, reicht für 60 Quadratmeter. Vermischte». Ausgrabungen römischer Geschosse. In der letzten Zeit hat man bei Haltern eine große Menge von A u s r ü st u n g s st ü ck e n der R ö m e r h e e r e zu tage gebracht. Am meisten fesseln uns in dieser reichlichen Ausbeute die Reste der römischen Wurfgeschosse, die erkennen lassen, daß auch die Römer bereits eine nicht zu verachtende Artillerie besessen haben, welche allerdings nicht mit der Artillerie im heutigen Sinne zu vergleichen ist. Immerhin waren die Kriegsmaschinen des Varns, mit denen der unglückliche Feldherr sich gegen den Ansturm der Germanen wehrte, ganz gewaltige und für die Angreifer recht gefährliche Waffen. Au einer Stelle wurden an den Ufern der Lippe gegen 2000 Stück zur Munition dieser Kriegsmaschinen gehörende Geschosse, nämlich große Pfeile und faustdicke, aus gebackenem Ton bestehende Kugeln gesunden. lieber die Einrichtung dieser Kriegs-Maschinen sind wir ziemlich gut unterrichtet. Der Katapult, der zum Schleudern von Pfeilen diente, war ein arm- brnstähnliches Torsiousgeschütz, bei welchem zwei Bündel von starken Sehnen in mäßiger Entfernung von einander in einem aufrechtstehenden Rahmen von festem Holz so eingespannt waren, daß sie durch Oeffnungen in den beiden horizontalen Leisten Hindurchgingen und oberhalb und unterhalb derselben durch mitten hindurch gesteckten Buchsen und eiserne Spannbolzen gehalten und durch Kreisung derselben in starke Torsion gebracht werden konnten. Aus der Mitte jedes Bündels ragte seitwärts tote bei einer Armbrust ein starker Balken, der durch den straffen Zug jener Sehnen in wagerechter Stellung gehalten wurde. Die freien Enden dieser Holzarme waren durch eine starke Sehne miteinander verbunden. Beim Gebrauch der Wurfmaschine wurden zunächst durch die Spannbolzen die Sehnenbündel angezogen und dann mittels Winde oder eines Flaschenzuges die Schlußsehne nach hinten gezogen; beim Losrassen derselben schnellten die vorher gespannten Sehnenbündel die Arme der Maschine vorwärts und trieben mittels der Sehne das Geschütz fort. Hinsichtlich der Geschosse und der hiernach eingerichteten Bauart der Geschütze unterschied man zwei Arten von Katapulten, entweder wurden 0,5 bis 1,5 Meter lange eisen- beschlagene Pfeile geschossen, wobei diese in einer zwischen den beiden Sehnenbündeln liegenden Rinne liefen und von runden Sehnen getrieben wurden, oder man schleuderte, wie die Funde bei Haltern zeigen, Kugeln, mitunter auch Balken, wobei die Sehnen, ihrem Zweck entsprechend, handforung waren. In jedem Falle war die Richtung der Spannungen eine horizontale, die nur wenig durch die Elevationsvorrichtung reguliert werden konnte. Im anderen Falle geschah die Spannung in einem Winkel von 45 Grad. Die Einrichtung dieser letzteren ist auf unserer Zeichnung klar ersichtlich. Ter mit einer Winde niedergehaltene Schleuder- arm, der in seinem oberen Ende in einem pfannenartigen Behälter das Wurfgeschoß aufnahm, prallte beim Ausschalten der Spannungen gegen den mit einem Polsterkissen versehenen Rahmen, und ließ das Geschoß infolge des Trägheitsgesetzes nunmehr weiterfliegen. Tie Wirkung dieser Torrnentum, Skorpion und Onager genannten Katapinten toar recht beträchtlich, und die klassischen Schriftsteller berichten von manchen Triumphen, die die Römer mit diesen Apparaten zu verzeichnen gehabt hätten. Es wird berichtet, daß die Pfeilkatapulten einen Pfeil bis 600 Meter weil schleuderten und ihn alsdann noch einige Zoll tief m eine Holztoand einbohrten. Achünedes scheint allerdings ctMK- zu übertreiben, wenn er erzählt, daß er bei der Belagerung von Syrakus auf die römische Flotte Felsstücke von zwölf Zentner schleuderte. Philipp von Makedonien soll ev-m- falls bei der Belagerung von Aegina Katapulten (Palm- toneii) angewendet haben, welche Steine von 1—8 Zentner schleuderten. Zuerst jedoch finden wir diese Wurfmaschinen erwähnt 400 v. Ehr. in dem Kriege Dionysius gegen die Kathager. Auch die macedonischeN Könige Philipp und Alexander sollen sich ihrer bedient haben. Philipp hatte, der Ueberlieferung nach, 25 Geschütze in seinem Heere. Tie Römer lernten diese Waffen zu ihrem großen Schaden bei der Belagerung von Syrakus kennen und bedienten sich 348 Literarisches. derselben, sie immer mehr vervollkommnend, mir Erfolg ini punischen Kriege. Tas einarmige Tormentum, Skorpion und Onager ist erst in der späteren Kaiserzeit aufgekommen und wurden von Cäsar bereits in dem gallischen Krtege bei jeder Legion eine Abteilung der Soldaten an den Katapulten ausgebildet. Mit dem Verfall des römischen Reiches verschwand auch allmählich Hand in Hand wieder mit der Auflösung der stattlichen Armeen diese älteste Artillerre, und einer späteren Zeit blieb es Vorbehalten, dieselbe mit der Erfindung des Pulvers weiter auszugestalten und zu verbessern. Hände uhu Gesicht reinigen. Das Gesicht beim Essen arg zu beschmieren, gilt durchaus nicht für lächerlich oder gar für eine Schande; die Hauptsache bleibt es für den Gast, soviel als möglich in sich hineinzupacken, um den Gastgeber zu ehren. Das Tafelgeschirr besteht lediglich aus einer Anzahl von Schalen verschiedener Größe, irdenen kleinen Löffeln und den Eßstäben, die in vornehmen Häusern aus Silber oder Elfenbein, sonst aber aus Holz an- qefertigt sind. Man hält sie mit der rechten Hand, etwa wie einen Bleistift. Eine Tasse oder vielmehr ein Täßchen Tee beschließt jede Mahlzeit. Dem verdorbenen europäischen Geschmacke würde weder die Größe der Gefäße noch die Qualität der Getränke zusagen. Die letztere ist von wunderbarer Feinheit und entzückendem Aroina. Man trinkt den Tee, der durch bloßes Aufgießen von kochendem Wasser bereitet wird, aus sehr kleinen Schalen, dre kaum viel größer als Fingerhüte sind. Auch das Teetrmken | hat seine bestimmten Formalitäten. „M e t st e r b i l d e r fürs dentscheHa u s", herans- qegeben vom Kunstwart. 13. Folge, Blatt 73—78. Verlag von Georg D. W. Callwey, München. Preis jedes Mattes 25 Pfq. — Der „Kunstwart" hat diese ausgezeichneten „Meisterbilder" gesammelt und zu spottbilligem Preise herausgegeben, so daß selbst arme, von jedem Luxus sonst ausgeschlossene Leute, das ganze naive und empfängliche Publikum, wirklich das Volk, die großen Meister der Künst. kennen lernen, ihre Werke in trefflichen Reproduktionen nicht nur sehen, sondern besitzen, die Wohnung damit als mit dem erlesensten Schmuck zieren kann. Rembrandt, Dürer, die großen Italiener, sind mit ihren bedeutendsten Schöpfungen vertreten. Auf dem Umschläge jedes Blattes ist in kurzen, verständigen und innigen Worten über den betreffenden Meister, über sein äußeres Leben, fern Wesen, seine Stellung in der Kunst seiner Zeit und der allgemeinen Kunstentwickelung das Wichtigste gesagt. Damit tmrd eme praktische Kunsterziehung in den: Sinne einer beständigen Anschauung und Schärfung der betrachtenden Fähigkeit wie Lichtwark sie seit Jahren lehrt und ut semem Kreise übt, mit weiter und breiter Wirkung geleistet. Die.13. Folge enthält Blatt 73. Raffael, Johanna von Aragonien. 74. Constable, Das Kornfeld. 75. Rembrandt, Die Anatomie. 76. Dürer Heilige Familie in Nazareth. 77. Kranach, Ruhe auf der Flucht. 78. Altdorfer, Ruhe auf der Flucht. Zweite Schwind-Mappe. Herausgegeben vom Kunstwart. 7 Blatt nebst Bildnis des Künstlers von F. von Lenb a cki Mit Tert von Ferdinand Avenarms. (München, Kunstwiirtverlag Georg D. W. Callwey). Preis Mk. 1.50. Die Hoffnung des Kunstwarts, daß die von ihm herans- aeaebene Schwind-Mappe als die Erschließung eines Schatzes begrüßt werden würde, scheint sich schnell ver- 1 wirklicht zu haben: es ist noch fern Jahr seitdem per- ' Hup ^hielte Scbwmd-' Nedaktwn: August Göb. — Rotationsdruck uud Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Er ) ' * Bon den Tafelgewoh'nheiten der Chine s e n plaudert ein amerikanisches Blatt allerlei Interessantes aus: „Man sägt, daß man die Chinesen mit noch n'öüerem Rechte, als man sie ,das Volk der Spieler nennt', F v- Volk der Köche' nennen könnte. Es giebt nämlich kaum ciren Eingeborenen im Reiche der Mitte, der nicht eine -"elr oder minder starke Neigung zum Kochen, Backen und Brajen besäße. Vom Mandarin ersten Ranges abwärts liu zum Kuli, von der rechtmäßigen Gattin des Groß- auimanns bis zur heimatlosen Bettlerin nimmt alles an ü. ; Zubereitung der Speisen das größte Interesse. Die Zahl der regelrechten Speisen in China ist Legion, aber U-re Zubereitung ist, vom Standpunkt eines europarschen Magens abscheulich. Dem Fremden, der durch die Straßen einer chiuesischen Stadt hinschreitet, fällen zuerst die mehr als zahlreichen Küchen (zugleich Eßhäuser) auf, deren ^ttfte die Straßen oftmals weithin geradezu tu etnen Rebel einhüllen. Da die Kochherde aller dieser offent- lichen Küchen entweder vor dem offenen Fenster oder direkt vor der Tür aufgestellt sind, so ist es dem Vorübergehenden leicht, einen Mick auf die Speisen und die Art ihrer Zubereitung zu tun. Dem Koch selbst ist es sehr erwünscht, wenn er durch seine Kocherei Neugierige anzulocken ver- mag, denn die öffentliche Zubereitung der Speisen tst selbstverständlich nichts als ein Reklamemittel., Die Rerchhaltig- 1 CltlC iirt UUL ,5LU4l ,1- |VUltV ^rden als diese. Auf sieben Blättern, deren befreunden zu können'. Bei Tische essen dte Manner be- I i ) 3 t Wandschmuck geeignet machen umrbc, deckten Hauptes und bemühen stch, wenn ste wohlerzogen die Mappe die „Rose" ans der Berliner Nattonal- siud, die Arbeit des Kauens, Verschluckens und Verdauens enthalt dre^app ^^^^alerie in München: „Elfen, der Speisen mit größtmöglichem Geräusch auszufuhren. Dav I S . Erlkönig" „Ritter im Kahn bet Mondnacht , Schmatzen der Lippen,, Zähneknirschen, Zungenschnalzen und rm^n , „Mtromg , „ Agende von St. Wolfgang" und lautes gedehntes Ausstößen benn Essen, das tst dte Hochflut I " Zunafrau". Auf einem achten Folioblatt fmden der Höflichkeit gegen den Gastgeber, der sich bet besonders I » Sch Winds Bildnis von Lenbach und den Begletttext lautem Ausstößen lächelnd und hocherfreut gegen ferne totr einen besonders dazu Gäste verneigt. Wegen der unvollkommenen Tafelmftru- von avenarms ^^»ck. mente in China erscheinen alle Gertchte ttt beretts zer- i gesttmmrett suev y ____________ kleinerter Form auf dem Tische: das Fleisch in Würfeln 1 und ohne Knochen, die Früchte zerschnitten, das Gemüse ml Scherzratsei. kleinen Häuschen. Man speist nicht mit Messer und Gabel, I (Nachdruck verboten.) sondern bedient sich, wie bekannt, der Eßstäbchen, mtt i Hast du's zu wenig, wirst du klagen, welchen die Bewohner des Reiches der Mitte äußerst I Hast du's zu viel, schafft's auch dw Plagen, geschickt umzugehen verstehen. Beim Essen von Reis, Ge- I Wenn du darin, bringtes dich wen, rnüse und sonstigen halbflüssigen Dingen dienen die Stäbe I Und helft btr tragen Muh und Lew. nur zum schieben: man setzt nämlich den Rand der Schale | (Auflösung in nächster Nummer.) an den Mund und schiebt den Inhalt langsam auf die I Sp8 Bilderrätsels in vor. Nr.: Zunge. Zwischen den einzelnen Gängen werden Schalen Auflösung dev M derratsets^n^ mit Wasser und Hauotücher hernmgeretcht, damtt dte Gaste > Wer i tz ,—--------