Nr. 55. 1903. Mittwoch den 15. AM. iQM M^W TW (Nachdruck verboten.) Das Gasthaus am Strande. Boman in zwei Bänden von Florence Warden, .Autorisierte Ueversetzung aus dem Englischen. (Fortsetzung.) 7. Kapitel. Ein enttäuschter Verschwörer. Wenn jemals Schuld auf einem menschlichen Gesichte zu lesen war, so war es sicher auf dem Nells, als sie, heftig von ihrem Onkel ergriffen, zitternd und stammelnd in seiner Gewalt, dicht an der Innenseite der Hintertür des Gasthofs stand. So dachte Jack Lowndes, der Freund, den Otto Conhbeare in der Eigenschaft eines Amateurdetektivs hergeschickt hatte, als er fröstelnd und triefend, mit klap- pernden Zähnen und starren Augen vor ihr stand. „Was hattest Du da draußen zu tun, Mädchen? Was hattest Du da draußen zu dieser Nachtzeit zu tun?" schrie der Onkel mit einem Ernste, der Lowndes von seiner Unschuld an dem Diebstahlsanschlage überzeugte. „Ich — kam heraus — zu sehen — was es hier gab", stamnrelte das Mädchen, dessen Stimme schwach und bebend war. Der Onkel starrte sie fast an, als ob ein Zweifel an ihr selbst seine Seele zu verdüstern begonnen hätte. war in einem andern, säst sie verteidigendem Tone, in dem er sich dann an den Fremden wendete. „9hnt, und das ist eine Antwort, die sicher verständig genug ist, denn ich bin überzeugt, daß nach dem Lärmen, was Sie gemacht haben, die Pfarrkirche hätte in Flammen stehen können." Doch der fröstelnde Mann fing an zu fühlen, daß trockene Kleider und ein wärmendes Feuer alles andere in seinem Geist überwogen. „Lassen Sie mich hinein", stammelte er, und wenn ich wieder trocken bin, will ich weiter mit Ihnen reden." „Hier. bedarf's einer Aufklärung", rief Claris mit sich plötzlich regendem Verdachte. „Sie sind nicht zu Bette gegangen. Wer sind Sie?" fragte er in verändertem Ton, den Eintritt ins Haus mit seiner dicken Figur versperrend. „Wer sind Sie? Und weshalb kamen Sie her? Nun, heraus mit der.Sprache! Wurden Sie hergeschickt, ehrlichen Leuten Fallen zu stellen? Reden Sie, Mann, oder man wird mit Ihnen zurück in den Nuß gehen." , Und Claris packte mit kräftigem Griffe den unglück- ltchen Lowndes, und drängte ihn ein paar Schritte zurück «ach dem kleinen Flusse hin. Indessen hatte Nell zum Teil ihre Fassung zurück- Alangt. Sre sprach jetzt mit ruhigerer Stimme zu ihrem „Laß ihn herein, Onkel George", sagte sie, „laß ihn herein, damit er die nassen Kleider wechsle und dann mag er über sich selbst Rechenschaft ablegen, wenn er es kann." Mit anscheinendem Widerstreben folgte der Wirt dem Rat seiner Nichte, führte Lowndes zu seinem Zimmer hinauf, als ob er ein Gefangener wäre, schloß ihn dann ein und hielt vor der Türe draußen Wache, bis er fertig mit Umkleiden wäre. Jack Lowndes konnte hören, wie Onkel und Nichte auf dem Treppenabsatz flüsternd Beratung Pflogen und murmelte einige Flüche gegen die „verschmitzte kleine Dirne", als er an dem wachsenden Zorn in den Reden des Wirts entdeckte, daß das Mädchen ihn immer wütender machte. Ein donnernder Schlag an seine Tür, der sie ebenso schnell einzuschlagen drohte, wie Lowndes selbst die Türe des oberen Zimmers eingeschlagen hatte, mahnte ihn daran, daß es Zeit für ihn wäre, hinauszukommen und dem entrüsteten Paare gegenüberzutreten. „Nun, Sir", brüllte Claris, Lowndes kaum Zeit lassend, die Treppe hinunterzugehen, ehe er seinen Angriff begann, „was haben Sie zu Ihrer Rechtfertigung zu sagen? Es scheint, daß Sie die — Frechheit hatten, die des Zimmers meiner Nichte einzuschlagen, und daß Sie dann wie ein Verrückter durchs Fenster hinausstürzten! Nun, was haben Sie zu Ihrer Rechtfertigung zu sagen? Erinnern Sie sich dessen oder nicht?" Und George Claris, der ein Licht angezündet hatte, dessen blasser Schein in dem damit ringenden Lichte der Dämmerung nicht zu leuchten schien, spähte neugierig in das verstörte Gesicht des Fremdem „Erinnern? Natürlich erinnere ich mich. Wie sollte ich wissen, daß es das Zimmer Ihrer Nichte war? Kam ich doch nur vor zwei Tagen zum ersten Male hier ins Haus. Ich folgte der Frauensperson und sie ging da hinein. Sie schloß von innen die Tür zu, so mujfte ich sie denn aufbrechen." Als er der Frauensperson gedachte, brach aus Nells Lippen ein so kläglicher Schrei hervor, daß Lowndes sich narf), ihr umwandte und mit Bestürzung erfüllt wurde. Völlig durchdrungen vom Glauben an ihre Schuld, wie er war, nur tu der Absicht hierhergekommen, sie zu entlarven, wurde er in diesem Augenblicke zu einem unbedingten Glattben an ihre Unschuld bekehrt. Und doch würde er nicht zu erklären vermocht haben, wie es kam, daß der Anblick ihres Gesichts, daß der Klang ihrer Stimme, als sie den Schrei ausstieß, diese augenblickliche und entschiedene Wirkung auf ihn ausübten. So tief war er in die Betrachtung dieser neuen Auffassung der Sache versunken, daß er anfangs die nächsten Worte des Wirts nicht hörte oder nicht beachtete. „Frauensperson? Was für eine Frauensperson? Sie haben noch nichts von einer Frau gesagt." „Ich weiß selbst nicht, was für eine Frau es war". 218 — erwiderte Lowndes in einem Tone, in dem eine Umkehr i zu Zweifel und Unschlüssigkeit entdeckt werden konnte. „(Sine Frau aber kam während der Nacht in mein < Zimmer" George Claris machte eine Bewegung der Ungeduld. „Ich sage nicht, daß ich es nicht erwartet hatte, ich kann aber schwören: sie kam. Sie hob merne Kleider auf und ich hörte den Klang des einzelnen Geldes in meinen Taschen. Ich fuhr auf und sie lief aus dem Zimmer. Ich war nicht unvorbereitet, tote ich schon sagte, und ich rannte ihr nach, sah fte rn das Hinterzimmer ganz oben gehen, und hörte sie es verschließen; ich sprengte die Tür auf und sah sie gerade, als ich ins Zimmer trat, durch das Fenster hrnaus- schlüpfen. Ich eilte ihr nach, sah sie noch ernmal, als ich am Boden lag; und das Nächste, dessen ich mrch bewußt ward, war, daß ich mich im Wasser befand." „Nun, es ernüchterte Sie jedenfalls", sagte George Claris kurz. „Und jetzt bleibt nichts weiter übrig zu tun, als uns zu sagen, wieviel Geld sie genommen hat. Seien Sie nicht schüchtern, lassen Sie's hundert fern, oder sagen Sie zweihundert. Wir haben schon bluten müssen, wir können ohne Zweifel noch mehr aushalten." Dem jungen Manne schien etwas Rührendes im Tone der rohen Ironie des Mannes zu liegen; er fing an, inniges Leidwesen und Scham darüber zu fühlen, daß er sich zu diesem Abenteuer hatte bereden lassen. Das schöne blasse Mädchen, das stumm hinter dem Onkel stand, der Onkel selbst mit der trübseligen Verwirrung in den Augen, schienen ihm in dem gespenstigen Lichte des frühen Morgens so völlig gebrochen, so verstört und so elend, daß er sich gern davongeschlichen hätte, ohne ein Wort mit ihnen weiter zu wechseln. Doch konnte davon nicht die Rede sein. „Es ist mir nichts entwendet worden", sagte er rasch, „nicht das Geringste." „Sie glauben also, die Frau möge sich nur zum Zeitvertreib etwas umgesehen haben?" warf Claris nocy in demselben, beißenden Tone hier ein. Lowndes schwieg. , „Und bitte, wenn ich so srer sein darf", fuhr der Gastwirt nach einer Pause mit drohender Stimme fort, „wie sah dieses Frauenzimmer aus?" „Ich könnt' es nicht sehen. Es war, wie Sie wissen, finftcT. „Sie sind aber natürlich ganz sicher, daß es eine Frau war?" ~ ,r . . Diesmal war vielleicht etwas von Interesse in der Ironie des Onkels. m , ,, „Ja", antwortete Lowndes mit größerer Bestimmtheit, „dessen bin ich gewiß. Sie bewegte sich wie eine Frau und hatte den Kopf einer Frau und den Rock einer Frau. Ich sah ihre Röcke vor mir fliegen, als ich draußen unten am Boden lag." „Und das ist alles, was Sie zu sagen haben? Nun, Nell, sage Du uns jetzt, was Du geseheu hast." Und er wendete sich zu seiner Nichte. Nell stand dem Fenster gegenüber und das graue Licht des Morgens kam über den Rand der Läden ihr voll ins Gesicht. Es war weiß, abgespannt, mit dunklen Ringen unter den Augen, die niedergeschlagen und glanzlos aussahen. Ides Wort, das sie sprach, trug, wie der junge Mann dachte, in ungewöhnlicher Weise den Stempel der Wahrheit und Aufrichtigkeit. „Ich wachte plötzlich über einen lauten Lärm, den ich hörte, auf. Ich sah die Tür zusammenbrechen, und jemand vorüberhuschen, und durch das Fenster hinaussteigen. Ich sprang auf und blickte hinaus, und sah diesen Herrn vom Dache des Hinterhauses hinabgleiten." „Ich sah Sie nicht", unterbrach Lowndes sie scharf mit wieder erwachendem Zweifel. „Sie sahen sich nicht um", erwiderte das Mädchen gefaßt. „Sie liefen nach rechts durch den Garten. Ich zog mich rasch an, lief die Treppe hinab, und durch Die tzintertüre hinaus, um zu sehen, was es denn gäbe. Als ich hinauskam, waren Sie aufs Ufer heraufgekletter^ und sprachen mit meinem Onkel." Lowndes sagte nichts; es war nichts zu sagen. Obwohl es aber wahr war, daß er, als er ins Zimnier oben hereinbrach, auf nichts anderes besonders Achtung gegeben hatte, als auf das Fenster und die entschlüpfende Gestalt, so war er doch überzeugt, daß wenn im Zimmer noch jemand im Bette gelegen hätte, er hin gesehen oder einen Schrei, ein Wort, die dessen Gegenwart angezeigt hätten, gehört haben würde. „Nun haben Sie eine andere Geschichte gehört, und mit Ihrer Erlaubnis halte ich mich lieber an das Wort meiner Nichte, als an das Ihre." „Widersprechen sich denn aber", warf Lowndes rn versöhnlichem Tone ein, „die beiden Berichte? Aus allem, was die junge Dame sagt, geht doch nur so viel hervor, daß sie die Frau nicht durchs Zimmer hat gehen sehen " Nein, noch sonst jemand anderen", brach George Claris los, als ob seine Geduld endlich erschöpft wäre. , „Und Sie hören .cki jetzt an, ich iverde bei mir niemanden dulden, der zu spioniereu hierher kommt und Wahngebilde im Kopfe hat, und in die Zimmer des Hauses einbricht, nein, niemanden, Sir, und damit mögen Sie nur gleich hinausgehen und Ihren Reise;ack packen und sich zwischen je-t und der Frühstückszeit aus dem Staube machen. Kein weiterer Bissen oder tropfen wird Ihnen unter meinem Dache gereicht werden. Und Sie mögen den drei jungen Taugenichtsen, die Sie hier- hergesandt haben, sagen, daß was sie sich auch zu nennen belieben, keine Gentlemen sind. Ich 1$ Jciinc sie, wie Sie sehen, ich weiß, Sie weiß, Sie sind hiezu von Jordan, King und Kompanie augeftellt worden." ,Onkel! Onkel! Nein, Mr. King hat ihn sicher nicht abgeschickt, das will ich verbürgen !" Und Nells Gesicht wurde plötzlich hochrot, einem Not, das ihr Geheimnis verriet. Lowndes wurde gerührt. . „Sie haben recht", sagte er ganz einfach zu iyr, „Mr. Kiug weih nichts von meinem Hiersein. Ich will sogleich gehen." , , , Und der junge Mann, der seiner Handlung sich schämte und um so verwirrter wurde, je länger er von edem Gesichtspunkt aus sein seltsames Abenteuer betrachtete, verließ innerhalb der nächsten zivanzig Minuten, den „Blauen Löwen" und kehrte, seine Erfahrungen feinen Freunden Otto Conybeare und Willie Jordan zu berichten, uach London zurück. 8. Kapitel. Der Mann aus London. Nun war es die Absicht der beiden Verschwörer, Me sich ohne Cliffords Wissen verbündet hatten, um ihn von seiner Betörung zu heilen, dieses unglncUiche Abenteuer vor ihm zu verbergen. Ihnen zum Trotz drang es jedoch bis zu ihm, und eines Abends, als sie sich in i.;rem gemeinsamen Zimmer ihrer Pfeifen erfreuten, trat er ihnen in einem Zustand überwallender Entrüstung ent- ^Vergeblich suchten sie ihm zu beweisen, wie löblich ihre Absicht gewesen wäre, wie sehr es zum Wohle der -ungen Dame selbst geweseu sein wurde, wenn sie dieses häßliche Geheimnis hätten ausdecken können. , Wenn ihr es hattet aufklären können, wurde niemand dancharer und erkenntlicher als ich gewesen sein", entgegnete Clissord, dessen Gesicht Nells wegen von Sorge und Unglück ganz hager geworden war. „Doch eine« jungen Narrer?ohne Anstand und Zartgefühl, wie Lowndes, zum Spionieren auszusenden und einen ungeheuren "Schoten aus sich machen zu lassen — wahrhaftig, das wäre mebr von ein paar Schulbuben als von zwei völlig erwachsenen Männern außerhalb Hanwell*) zu erwarten ge- toLfett$8a§ das anbelangt", antwortete Conybeare mild, so weiß ich nicht, daß Lowndes weniger Anstandsgefiihl als sonst jemand hätte. Ich muß bekennen, daß unter gleichen Umständen ich fast ebenso gehandelt haben wurde wie er, wenigsteus soweit es das Verfolgen der Frau in die Stube und durch das Fenster betrifft. Man beobachtet bei einem Diebe, selbst einem weiblichen, nicht so streng die Höflichkeitsformell." . , „Nell Claris ist aber kein Dieb", schrie Elisiord aufgeregt. „Ich würde es nicht glauben, wenn alle Richter und Magistratspersonen Englands es sagten." , „Ah! Das ist es gerade. Du willst nicht glauben, aber, mein lieber Junge, glaubst Du, daß Lowndes irgen i etwas zu gewinnen hatte, wenn er eme Geschichte e - *) Berühmtes Irrenhaus in Middle-Essex. — LSS — zählte, die ihn in einem so lächerlichen und unwürdigen Siebte §eißt?/z „Ich denke, daß, wenn er ein Mann von mehr Urteil und Schicklichkeitsgefühl gewesen wäre, er etwas ausfindig gemacht haben würde, wert, ausfindig gemacht zu werden, statt im Laufe der Sache einen Narren aus sich zu machen." „Nun, mein lieber Clifford, Du bist unvernünftig, wie alle Leute, die an Deiner Krankheit leiden", sagte Conybeare, indem er sich erhob und eine richterliche Stellung vor dem Kaminfeuer annahm. „Weil Du dieses junge Mädchen bewunderst, hülst Du sie eines Verbrechens für unfähig, das, nach meiner Meinung, klar genug auf sie zurückgeführt worden ist. ^^Wenn die Frau, die Lowndes sah und der er folgte, nicht Miß Claris war, wie kam es dann, daß sie, als sie verfolgt wurde, sich geradeswegs in deren Zimmer geflüchtet hat? Konnte Miß Claris eine Schlafgenossin haben — es war nur ein Bett im Zimmer — ohne es selbst zu wissen? Und wenn sie eine Schlafgenossin gehabt hätte, würde nicht jemand im Hause von dieser Tatsache gewußt haben? Und würde nicht das plötzliche Verschwinden dieser Person, selbst in einem so unschuldigen Wesen wie Miß Claris, Verdacht erregt haben müssen?" „Aber ich glaube ja von der ganzen Geschichte kein Wort. Lowndes hatte vor Schlafengehen zu viel Whisky getrunken, und da er den Kopf voller Geschichten hatte, die ihr ihm erzählt habt, so träumte er, daß er eine Frau in seinem Zimmer sah, und schickte sich zur Verfolgung einer nur eingebildeten Person an. Ihr wißt, er gießt zu, daß ihm garnichts gestohlen wurde. Der einzige Teil der Geschichte, den ich glaube, ist seine idiotische Jagd durch die Tür, iwd das Fenster und das Bad in dem Fluß, das ihn ernüchterte." „Schon gut", sagte Conybeare. „Es geht mich nichts an, ob Du Lowndes glaubst oder nicht. Wir wollen den Gegenstand fallen lassen." (Fortsetzung folgt.) Handtvebereien skandinavischer Frauen. Von M. Kossak. (Nachdruck verboten.) Von jeher waren die kunstgewerblichen Frauenarbeiten in skandinavischen Landen hochberühmt. Leider gerieten sie im Laufe der letzten Jahrzehnte sowohl bei der Außenwelt, wie bei den nordischen Frauen selbst etwas in Vergessenheit; die letzteren stellten zwar ihre Kleidung und den Schmuck ihres Hauses her, ihre Erzeugnisse gelangten aber in verhältnismäßig nur geringer Menge auf den Markt. Heute jedoch genießt die „Heimatkunst" allenthalben großes Ansehen. Auf Anregung kunstverständiger Männer und Frauen und unter dem Protektorat allerhöchster Persönlichkeiten haben sich Vereine gebildet, die den Zweck haben, die schönen, alten Techniken wieder zu neuer Blüte zu bringen. Die „Norske Husflids forenings" erstrecken, wie ich bei meiner kürzlichen Bereisung dieses Landes konstatieren konnte, ihre Tätigkeit über ganz Skandinavien. In Kunstgewerbe-, Volks- und Mädchenschulen werden Frauen, Mädchen und Kinder in den betreffenden Techniken unterrichtet, und in den meisten Städten giebt es Spezialgeschäfte oder doch zum mindesten Verkaufsstellen, in denen die fertigen Arbeiten ausliegen. Vorzüglich fallen uns beim Besichtigen derselben die prächtigen Webereien und Stickereien auf. Gerade in der Textilindustrie leisten die skandinavischen Frauen vorzügliches. Ihre Arbeiten auf diesem Gebiete besitzen eine Eigenart, welche deren Nachahmungen in anderen Ländern nicht annähernd erreichen. Die von ihnen benutzten Muster sind teilweise den Bauernstuben und Nationalkostümen entnommen, welche man in einzelnen großen Städten, z. B. in den Museen von Gothenburg und Christiania, findet. Der nordische Stil ist jedoch in allen Arbeiten in verblüffender Reinheit vorhanden. Dadurch wird den Gegenständen ein so ausgesprochener Charakter ausgeprägt. Ms- weilen sieht man ausnahmsweise ein in irgend einer der nordischen Techniken gearbeitetes Stück, für das ein modernes, wenn auch selbst beträchtlich umgestaltetes Muster verwertet worden ist. Weitaus die meisten Muster zeigen Flächenornamente geometrischer Art; solche mit Mnutz- ung figürlicher Motive trifft man eigentlich nur bei einem bestimmten Genre von Lederapplikation, doch ist auch hier der Charakter der Flächenmusterung streng gewahrt. Bild- webereien, gleich denen der Scherrebecker Wandteppiche, werden in Skandinavien nicht ausgeführt; zum mindesten sind es nicht Gegenstände der Hausindustrie. Es kann ja sein, daß man sie versuchsweise hier oder dort einmal her- gestellt hat; jedenfalls habe ich kein einziges Stück der Art gesehen, noch von einem solchen gehört. Der altmodische Stil für Textilwaren ist dem maurischen überaus ähnlich; manche Motive findet man in dem Filigranwer! der Alhambra wieder. Wohl die am häufigsten geübte Webetechnik der nordischen Frauen ist eine Art Gobelintechnik. Sie verfertigen in dieser hauptsächlich Streifen von verschiedener Breite, die mannigfachste Verwendung finden. Man befestigt sie quer über Sopha und Ruhebänke, benutzt sie zu Läufern für Schaukel- und Klappstühle, wie in Verbindung mit einfarbigem Stoff zum Bezug von Polstermöbeln, oder näht sie auch zu Vorhängen, Portieren und Draperien aller Art zusammen. Besonders schöne Streifen werden sogar einfach an die Wand gehängt und zwar so, daß sie von der Decke bis zum Fußboden reichen. Zu Teppichen fügt man sie fast nie zusammen, höchstens, daß sie gelegentlich dazu dienen, ein Tierfell einzurahmen. Schmale Streifen werden auch als Randeinfassung schwerer Plüschportieren benutzt. Man verfertigt diese Webereien auf einem verhältnismäßig einfachen Apparat für tiefschüftige Arbeit. Bekanntlich zerfällt die gesamte Gobelinweberei in Baste- lisse (kiefschäftige) und Hautelisse (hochschäftige) Arbeit. Bei der ersteren sind die Flächen der Kette wagerecht gespannt, während bei der letzteren die Wirkerei mit aufrecht stehender Kette ausgeführt wird. Was nun die Herstellung der nordischen Gobelinstreifen anbetrifft, so ist die Arbeit einer mühevollen, kunstreichen Stickerei vergleichbar, da das Ein- ziehen des Schusses aus freiet Hand geschieht und sich allemal nur auf wenige Kettfäden beschränkt, welche die Arbeiterin aus dem Obersache herausbebt, um die Schlug spule unten durchzustecken. Selbstredend wird der Schuß mit Spulen eingezogen. Für jede zu bearbeitende Partie benutzt man zur Herstellung des Ober- und Untersaches besondere Schäfte. Auch werden alle Farben für sich gewebt und die angrenzenden vorläufig außer acht gelassen. Im Gegensatz zu der Gobelinwirkerei wird eine andere, deren Erzeugnisse bedeutend billiger sind, auf einem Wcb- stuhle mit senkrecht geordneter Kette ausgeführt. Hier sind die einzelnen Kettfäden unten durch Gewichte beschwert und die fertige Ware wird oben auf eine Rolle gewickelt, Kettfäden sind mehrfach um die Gewichte gewickelt und gut befestigt, können jedoch nach Erfordern leicht gelöst werden Man hat derartige Webeapparate schon ganz klein und leicht transportabel konstruiert, sodaß man sie auf jeden Lisch stellen kann. Kinder weben darauf vornehmlich bunt gestreifte Bänder für Schürzen und andere Kleidungsstücke Recht lose und grob gewebte Bänder werden auch mit wollenen Durchbruchstreifen oder Häkeleinsätzen zu Schlafdecken und Draperien verarbeitet. Auf den großen Webstühlen verfertigen die Frauen dagegen entzückende, leicht durchscheinende Gardinen aus cremefarbener Baumwolle mck blatzarünen, hellroten und blauen Borten und Plenimustern. Ganz besonders schön fallen diese Gewebe aus, wenn durch Einschiebung verschiedener kleiner Vorrichtungen, wie sw modifiziert auch bei der Weberei von Spitzenstosfen üblich sind, ein gobelinartiges Muster auf einfachem Taftetgrund erzeugt wird. Die an sich sehr lockeren Gewebe gewinnen durch die Tasfetbindung eine Haltbarkeit, die ihnen sonst nicht eigen sein würde. Das Charakteristische derselben ist, daß sich die Kette für jeden Schußfaden in zwei gleiche Teile spaltet, sodaß die aufeinander folgenden Kettfaden einmal über und einmal unter jedem Schußfaden liegen. Kein anderes Gewebe besitzt so viele Kreuzungs- und Verbindungsstellen, wie die mit Taffetbmdung, was selbstverständlich ihre Festigkeit wesentlich erhöht. Ferner sind unter den nordischen Webereien die bunt» gestreiften wollenen Schürzenstoffe zu erwähnen, die in der Regel auf dem gewöhnlichen Handwebstuhl, der in vielen Gegenden Deutschlands von den Landfrauen benutzt wird, verfertigt werden. Sie weisen, was zum Teck schon durch die Einrichtung des Webstuhls bedingt wird, Querstreifung auf und ähneln, abgesehen von der größeren Mecke, auf- Mlia den römischen ShawtS. Unter den Farben herrschen SchitAachrot, ein leuchtendes Grün und Gelb vor. Neuerdings verwendet man diese Stoffe auch als Dekorations- sbawls Lum Draperieren von Staffeleien, Spiegeln, Bildern und dergleichen mehr. Namentlich die Fremden kaufen sie viel für diesen Zweck. Seitdem dies geschieht, hat man Sorge getragen, die Farben mannigfaltiger zu Wahlen; mit Rücksicht auf den modernen Stil, der im ganzen gedampfte und gemischte Töne bevorzugt, verwebt man jetzt viel mattblaue Wolle — ähnlich wie türkisblau, nnt letch- tem, grauen Anflug — sowie resedagrüne und pastellrvsa. Die Stoffe verlieren dadurch aber viel von ihrer nationalen Eigenart.und werden von den Landfrauen in diesen matten Farben nie getragen. Im nördlichen Norwegen, besonders im Innern des Landes, findet man zuweilen auch noch die Damastwollenweberei Ihre Produkte sind unvergleichlich schön, aber da die Arbeit als'Hausindustrie sehr mühselig erscheint, so wird sie für Erwerbszwecke wenig geübt. Aehnlrche Sachen werden ja fabriksmäßig so sehr viel billiger hergestellt, und wenn sie auch nicht annähernd den ganz individuellen Reiz der Handwebereien besitzen, so wird dieser im allge- meilten doch nur von Kennern geschätzt. Die nordischen Frauen benutzen für die Arbeit immer noch den uralten Zampel- und Kegelstuhl. Daß sich vermöge desselben die herrlichsten Wirkungen erzielen lassen, beweist uns die Tatsache, daß vor einem halben Jahrtausend tn Spanien Stoffe von fast unerreichter künstlerischer Schönheit darauf gewebt wurden. Diese meist für kirchliche Zwecke bestimmten Gewebe mit ihren buntfarbigen Damastolumen in -sewe und Gold bilden heute noch bewunderte Schaustücke tn Museen. Die nordischen Stosse dieser Art sind durchtveg aus Wolle verfertigt, doch kommen für einzelne Stellen der Musterung ausnahmsweise auch Seidenfäden zur Benven^ una Der Name „Zampel"- oder Kegelstuhl schreibt sich daher, daß die Zugschnüre, welche die Bindungen emporheben, entweder mit hölzernen Kegeln versehen oder an einem Zampelstock befestigt siud, der sich hinter dem Stuhl am Boden befindet. Auch in ^apan sind solche B-ebstuhll. heute noch vielfach gebräuchlich. Hauptsächliche webt man in Norwegen in dieser Technik Brusttücher, welche die Frauen zu ihrem Festtagsputz tragen. In der Ausstellung des Hus- flidsforening in Christiania waren eine Anzahl le acht modifizierter" Nationaltrachten ausgestellt, die man zu Morgenkleidern für Damen bestimmt hatte. Da die meisten dieser Trachten einen schlafrockähnlichen Zuschnitt haben, so eignen sie sich sehr gut für diesen Zweck; es war eigentlich nur nötig, sie etwas zu verlängern. An diesen Kleidern, die ebenfalls vorwiegend von Reisenden gekauft wurden, kamen sämtliche nordische Webetechniken zur Verwendung; man hatte sie demnach auch mit den erwähnten Wollendamast- küchern ausgestattet. Ms vor kurzem wurden die kongreßstoffähnlichen Gewebe, auf denen die nordischen Frauen ihre schönen Handstickereien aussühren, aus den Fabriken gekauft, neuerdings verfertigen sie dieselben jedoch wieder häufig selbst, lieber die Beschaffenheit dieser Gewebe ist nur zu sagen, daß sie aus der gleichen Menge gleichstarker Ketten- und Einschlagfäden bestehen, die sich rechtwinklig kreuzen. Es ist das primitivste Webesystem, das es überhaupt giebt. Vereinzelt hat man in jüngster Zeit Versuche mit der Quästchenweberei gemacht. Man benutzt dazu den kleinen Handapparat, der in Deutschland zur Herstellung der sogenannten Polenteppiche erfunden ist. Die Technik kann daher auch kaum als eilte nordische bezeichnet werden. Ich sah darin auch nur einen einzigen, für den Langstuhl besti-mm- ten Läufer, den eine Bauernfrau aus der Nähe von Gothenburg verfertigt hatte. Die zu den.Webereien benutzte Wolle färben die Frauen sich in der Regel selbst. Sie verwenden dazu vorzugsweise Indigo, Campecheholz, Rotholz, Curcuma, Krapp, Cochenille und Kermes; doch besitzt wohl so ziemlich jede Bauernfrau ihre eigenen ererbten oder selbst ausprobierten Rezepte zur Mischung von Färbeflüssigkeiten. . Anilinfarben verwerten sie nie, da sie aus absolute Echtheit der Farben den höchsten Wert legen. Für die Frauen! „Wiener Mode", XVI. Jahrgang, Heft 14, Ausgabe vom 15. April 1903. Jede Nummer dieses in Mode- und Toilettedingen maßgebenden Damenjournals beweist tüchtiges Können und auserlesenen Geschmack. 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Zu diesem Zwecke entfernten sie zunächst mit Hilfe eines Haarentfernungsmittels Bart und Schnurrbart, legten Frauenkleider an und übten die Kunst, tn Blick und Geberdeu Frauen nachzuahmen. Hierauf erlernten sie das Frisieren und suchten nun mit gefälschten oder erborgten Zeugnissen Stellen als Kammermädchen in reichen Häusern. Hier und da nahm man an der tiefen Stimme der Kammerzofe Anstoß, zumeist aber setzte man sich angesichts der vorzüglichen Zeugnisse über diesen unsympathischen Punkt hinweg „Die Neun" scheinen in ihrem Dienst sehr tüchtig gewesen zu sein; sie waren für ihre Gebieterinnen voller Aufmerksamkeiten, und es wurde festgestellt, da!ß sie sich nie unpassend benahmen. Nach einigen Monaten, wenn das neue „Kammermädchen" mit dem Inhalt aller Kasten, Schubfächer usw. genau vertraut war, pflegte eine gründliche Leerung aller Behältnisse zu erfolgen, welche wirklich Wertvolles bargen, während andere Fächer ganz unberührt blieben. Dieser Umstand, welcher darauf htntoies, daß nur eine int Hause gut Bescheid wissende Person den Diebstahl verübt haben konnte, lenkte in einem Falle den Verdacht auf die Kammerfrau. Eine nähere Untersuchung ergab, daß die tiefe Stimme der niedlichen Zofe ihre physiologische Begründung hatte, was die bestohlene Dame noch mehr entsetzte, als der Verlust ihrer Kostbarkeiten. Hast gleichzeitig verließ in einem anderen Hause eine Kammerfrau, die ebenfalls eine männliche Stimme hatte, aber sonst als vorzüglich gerühmt wurde, den Dienst ganz plötzlich, ohne daß Verluste bemerkt worden wären. Sie oder vielmehr er hatte noch nickt Gelegenheit gehabt, die Plünderung durchzuführen und „drückte sich" aus Furcht, entdeckt zu werden. Die Polizei kam jedoch auch der Nummer zwei auf die Spur. Zur Ergänzung der „Neun" fehlen allerdings noch einige Nummern, und zwar, tote es schemi, gerade die interessantesten. Der Pariser Polizeipräfekt gievt jedoch die Hoffnung nicht aus, in seinem Depot „alle neune zu versammeln. Charade. Ich wollte heut das Ganze spielen, Doch leider soll cs wohl nicht sein. Ein Freund hat sich verletzt das Erste, Den andern lud für heut man ein Zum Zweiten, dort muß flott er tanzen; Da kommt er lieber nicht zum Ganzen. (Auflösung tu nächster Rümmer.) Auflösung der Gleichung in vor. Nr.r a Herz, b Egon, c Wien, cl Aal; x Herzegowina. Reaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Rcrlag der Br« bl'scke« llniv«stäts-stnU. und Cteindrnckeret (lfietsä Erben» m Gießen.