MU '/gmttäcH'* MM •woi-öCr-.au»«C..H-,-NoH.i.fe)V>.«aU. M MIM N KZW B et 1903. •— Rk. 137. Monksg den 14. September. / InlechültMKsblMM lEiLßmLrAnzeiget Aensml-AnMk) (Nachdruck verboten.) N NHemüße» m her Bretape. Von B. W. Howard. (Fortsetzung.) Nach zwei Bildungsjahren in Paris war er jedoch noch Nicht ganz so berühmt und bekannt, als er erwartet hatte, und hielt es für angemessen, sich einige Zeit , nach dem kleinen Fischerdorf in der Bretagne zurückzuziehen, um hier in ungestörter Ruhe Farben- und Landschaftsstudien zu machen. Wie die meisten wirklichen und mutmaßlichen Genies, besaß auch Hamor ein gntes Teil innerer Widersprüche. Gute spießbürgerliche Reminiscenzen aus der Heimat und leichtlebige Künstlerauschauungen suchten sich in ihm aufs seltsamste zu vereinigen. Bald war er rauh- und unsreund- lich, bald heiter und liebenswürdig, abwechselnd ein gebildet und bescheiden, .hartherzig-und weich mutig; zu Zeiten selbstsüchtig und leichtlebig, dann wieder tief und groß denkend. Jedenfalls zog er es stets vor, die Dinge nur vom malerischen Standpunkt aus zu betrachten und jeder Anspruch aus seine Teilnahme war ihm unbequem. So entsprang auch seine wirklich große Leutseligkeit den ärmeren'Klassen gegenüber weniger seiner Güte als dem Wunsche, sich diesen Menschen, die ihm irr künstlerischer Beziehung zu so reichen Fundgruben wurden, auf irgend welche Art erkenntlich zu erweisen. Den Anschauungen und Liebhabereien seiner Freunde gegenüber zeigte Hamor nicht allzuviel Rücksicht. Er war ein schlechter Zuhörer, da es ihn meist sehr wenig interessierte, was andere Leute zu sageu hatten; jede irgendwie ernsthafte Verhandlung langweilte ihn und er hatte nicht immer genug guten Willen, sich zu freundlichem Interesse zu zwinge«. Auch besaß er die etwas phantastische Schwäche, seine eigene Persönlichkeit von verschiedenartigem Hintergrund in den möglichst malerischen Stellungen abzuheben; es war dies ein kleiner Kunstgriff, den er allerdings nur sehr jungen Mädchen gegenüber ausführte und dessen er sich in den freilich seltenen Momenten von Selbstbeschauung aufrichtig schämte. Im großen und ganzen hatte er viele Eigentümlichkeiten , die ihm als „genial" verziehen werden mochten, falls es ihm gelang, ein berühmter Mann zu werden, die aber, im Falle ihm dies nicht glückte, mit einem weniger schmeichelhaften Namen belehnt worden wären. War aber Hamor in Nebendingen leichtsinnig und oberflächlich, so war er doch auch ein Mann von Grundsätzen, sobald es sich um wirklich ernste Lebensführung handelte. Seine Taten waren fast immer besser als seine Worte. Sein Aeußeres machte ihn zu einer anziehenden Er- schernung. Die überschlanke, echt amerikanische Figur schien ihm bei seiner Gewandtheit und Meisterschaft in allen körperlichen Uebungen niemals hinderlich zu sein. Ein« gewisse künstlerische Nachlässigkeit im Tragen seiner Kleidungsstücke fiel nicht unangenehm auf. Sein stolzer Kopf und selten reines Profil erregten allein schon Bewunderung und sein charaktervoller Mund, um dessen Winkel es oftmals spöttisch zuckte, verstand "ein so sonniges, warmes Lächeln hervorzuzaubern, daß die wilden kleinen Bretagnerinnen gar bald ihre Scheu vor dem Fremdling verloren und ihm unter ihren weißen Häubchen freundlich zulächelten. Sehr eng zusammenstehende Augen von eigentümlich veränderlicher Farbe schauten unter einer schmalen feierlichen Predigerstirn hervor, sodaß er einem reizenden Faun hinter der Maske eines ernsten Puritaners glich. Hamors Wesen war vieldeutig und schwankend-, niemand wußte so recht, wie er mit ihm daran war, 3. Kapitel. Einige Tage nach den: großen Sardinenfang ging Guenn Rodellec zum Fluß hinab. Die Wäsche am Fluß war ein Ereignis, das sich, drei- bis viermal wöchentlich in Plouvenec abspielte, aber das verminderte nicht den Reiz, den es für Guenn hatte. Wie hätte sie es aber auch nicht genießen sollen? Alle Frauen beisammen am Ufer mit dem Waschen ihrer Linnen beschäftigt nut dazu die allerspannendsten Berichte über sämtliche Vorkommnisse der verflossenen Woche! Guenn war früher als andere Mädchen mit hinab an den Fluß gegangen, sie war auch sehr stolz, so jung schon ein Mitglied der großen Schwesternschaft zu sein, die dort eifrig ihre Wäsche säuberte, aber noch weit eifriger den guten Ruf ihrer Mitmenschen befleckte. Mädchen, die noch eine Mütter besaßen, wurden selten so jung mitgenommen, denn hier, wo man gewiß kein allzu wachsames Auge auf die Jugend hatte, herrschte doch die Ansicht, daß es ein entscheidender Wendepunkt im Leben eines Mädchens sei, wenn sie zuerst mit an den Fluß ging, ein ebenso wichtiges Ereignis, wie der erste Ball einer jungen Weltdame. Guenn aber, die keine Mutter mehr hatte, begann schon in ihrem neunten Jahre ihre Familie bei den großen Waschfesten zu vertreten. Sie war jetzt imstande, ihren Part im allgemeinen Gespräch tapfer zu sichren, ja es darin mit dem boshaftesten alten Fischweibe aufzunehmen. Zu Hause war es jedenfalls trüber und langweiliger. Nanuic, ihr kleiner verkrüppelter Bruder, war fast nie daheim, sondern lungerte auf den Werften umher, den Erzählungen der Seeleute zu lauschen, oder in den Wirtshäusern, um von den Fremden Sous und Zuckerstückchen zu erbetteln. Wenn ihr Vater die Folgen einer durchtrunkenen Nacht ausschlief, hütete sich Guenn, ihm beim Erwachen in den Weg zu kommen, wozu sie ihre guten Gründe hatte. Sie sowohl als Rodellec und der kleine Rannic betrachteten ihr Heim nur als Schlasstätte. Auch war sie häufig in Louis Morots Fischversandgeschäft zu finden, wo sie zu den besten Arbeiterinnen zählte und durch ihre Gewandtheit und Klugheit oftmals die vorteilhaftesten Einkäufe vermittelte. 646 An diesem Spätseptembermorgen waren die Fischer- boote alle weit draußen hinter den Lannois „au large", wie die Fischer zu sagen pflegten. Die warme Sonne suchte die frische Herbstluft zu erwärmen und sandte ihre Strahlen auf ganze Strecken purpurroter Heide uud blühenden Ginsters, auf wogende Buchweizenfelder, auf die granitenen Felsen, die reich mit Moos, Farnkräutern, Epheu und wildem Wein bewachsen waren und die alten Eichstämme auf der Mauer, die ihrer Kronen und kräftigen Aeste beraubt, doch ihr spärliches Laubwerk gen Himmel streckten. Uno der Sonnenschein fand auch den Weg in Guenn Ro- dellecs düsteres, seltsames, kleines Bretagner Heim, aus uralten, dunklen Felsblöckeu errichtet. Ein einziges schmales Fensterchen ließ nur spärliche Strahlen des goldenen Him- melslrchtes eindringen, sodaß nian den Lehmboden, den geräumigen Herd, unb fast verborgen in der Ecke die große, ehrwürdige Walnußbettstatt mit ihren hochaufgetürmten Betten entdecken konnte, in der Hervs Rodellec soeben seinen Rausch ausschlief. — In der einen Ecke sah man einen alten eichenen Schrank mit silbernen Beschlägen rind Verzierungen, in der anderen stand- der schwere Eichentisch Mit einer Bank auf jeder Seite. Auch neben dem Bett befaiid fta) die rn jedem Hause der Bretagiie übliche Bank, mit der ein so wesentlicher Teil der einfachen Vorgänge des Bretagner Familienlebens verknüpft ist. Die Gediegenheit dieser wenigen schweren Holzgerätschaften mit den einfachen aber- guten Schnitzereien stach auffällig von der sonstigen ärm-' lichen Einrichtung des ungastlichen Raumes ab. So öde das Haus aber auch war, doch boten seine dicken, festen Mauern mit den winzigen Gucklöchern, Schutz gegen jeden Feind von außen, gegen Hitze, Kälte oder menschlichen Angriff. In demselben Land, in dem einst Druidenpriester dem Sonnengott opferten, wurden später zur Zeit der Seigneurs die Abgaben der Bauern nach der Zahl und Größe ihrer Fenster bemessen — eine rechte Ironie des Schicksals. . Nachdem Guenn an diesem Morgen einen kleinen Topf piit Grütze näher ans Feuer geschobeu, beendete sie ihren Anzug durch Anlegen ihres verschossenen roten Halstuchs, ihrer blauen Schürze und der schneeigen Kopfbinde mit dem Unterbau von kleinen Mützchen, zwischen welche sie geschickt dre Flechten ihres reichen Haares zu verteilen wußte, ohne jede Hilfe einer Haarnadel oder des Spiegels, die Guenn weder besaß noch brauchte. Den Refrain eines leichtfertigen, verliebten Liedchens trällernd, dessen Bedeutung sie ebenso wenig kümmerte als die Trunkenheit ihres Vaters, nahm sie ihren Korb mit Wäsche auf den Kopf und sprang leichtfüßig hinaus in den Sonnenschein. Mit flüchtigen Schritten eilte sie über den holperigen Weg, auf verborgenen Waldpfaden ihrem Ziele, dem Flusse, zu. Während des ganzen Weges erscholl ihre helle, unschuldige Stimme, das gottlose Liedchen singend. Schon waren Guenns Gefährtinnen eifrig bei der Arbeit; auf kleinen Flößen, die auf flachen Steinen im Wasser ruhten, knieten fte und klopften ihr Weißzeug mit schweren hölzernen Schlägeln; ebenso eifrig rührten sie ihre Zungen, ohne deren Hilfe die Arbeit schwerlich befriedigend ausgefallen wäre. Neben dem Ufer breiteten sich grüne Wiesen aus, die von steilen Felskämmen begrenzt wurden. Es war ein schön gelegener Platz, den frische Seelüfte frei umspielten. Guenn kam fröhlich dahergesprungen und sah mit Vergnügen, daß die alte Mutter Nives und andere Veteraninnen des Dorfes anwesend waren, was ihr einen genußreichen Morgen versprach; auch Jeanne Ronan, Guenns Busenfreundin, war zugegen. „Da kommt Guenn!" riefen einige der jüngeren Mädchen. „Ihr seid eine nette Gesellschaft, das muß ich sagen!" war Mademoiselle Guenns nicht sehr höflicher Morgengruß. Dre Hände in die Hüften gestemmt, ein siegesgewisses Lächeln auf den Lippen, betrat sie mit der Miene eines Gladiators die Arena. „Könnt Ihr nicht noch etwas mehr Platz wegnehmen? Mach Dich nicht so breit, Marie, ich komme hier neben Jeanne." Trotz Maries widerwilligem Gebrumm verschaffte sich Guenn ohne weitere Umstände den gewünschten Platz, breitete ihre Wäsche aus, machte sich an die Arbeit und fragte dann halblaut: „Woher weht der Wind heute? Was aibts neues?" „Mutter Nives' Rheumatismus ist fort, sie muß ftck letzt den Zorn von fünf Wochen von der Leber weg reden " „Mir war's doch gleich, als ob ich Feuer und Schwefel röche!" lacyte Guenn. „Schwätzt Ihr beDen jungen Grasaffen etwa von mir?" kullrrte ein ackes häßliches Weib in dunkelrotem Unterrock von der anderen Seite des Waschplatzes herüber. „O bewahre, Madame Nives", erwiderte Jeanne mit heuw^so^faul'^seE^"^ fra9*e ®uctnt nur, warum sie r, „Mutter Nives, warf einen mißtrauischen Blick auf die schelmischen Gesichter ihr gegenüber. . ^eu, qne la vie est amere!" sang Guenn und bückte ihrer Gegnerin dreist in die Augen 9 ?^mmte Mutter Nives; „Dein Leben wird voraussichtlich bttter (genug werden, mach nur so weiter und ich 'onn -vir sagen, wohin Dich Deine durchtriebenen Streiche noch bringen werden." „Der Dorfrichter ist ein Herz und eine Seele mit den dummen fremden Malern, sie sind alle querköpfig und lassen ftch von ihm ilber den Löffel barbieren", begann Mutter Quaper, eine andere gewichtige Persönlichkeit, die Verhandlungen; zum Beispiel hier, der arme, liebe kleine Monsieur Staunton , dabei hielt sie ein Hemd zur allgemeinen Besichtigung in die Hohe, als sei es das auserwählte Schlachtopfer selbst, „er ist reich wie ein Fürst, gab erst gestern meinem Kadoc zehn sous. Ja, was ich sagen wollte- dem haben _ meine Nachbarsleute neulich ein paar alte Segel für sern Studio aufgeschwatzt - der Himmel mag wissen, wozu er fte haben will, er kann doch unmöglich mit seinem Atefter auf der Bucht herumsegeln —" --Zu Vorhängen und dergleichen", belehrte Jeanne uiu nun. „Meinetwegen — sie ließen sich zweimal so hoch bezahlen, als fnr die schönsten neuen. Nein, wie ich gelacht L-?/' wenn's nicht alte Freunde voii mir gewesen wären, r kwhl einen Wink geben mögen. Er ist ein so hübscher, braver Junge, ce cher Petit Staunton." Und klatsch! tauchte Mr. Stauntons Hemd ins Wasser hinab. . --W- was wisset denn ihr von den Herren Malern"' neß sich Jetzt die kleine Jeanne in wegwerfendem Tone vernehmen. Sie war ein gesuchtes Modell und wußte wovon sie sprach. „Er hat sich gewiß nicht betrügen lassen denn je älter und wüster die Segel aussehen, um so besser gefallen sie ihm. Er zahlt mehr dafür als für neue. Da seht mein Halstuch, ach es war eine wahre Pracht, wie es neu war, weißt Du noch Guepn? Die Punkte waren hellblau, die Streifen schön rot, von gelben und grünen durchkreuzt, aber glaubt Ihr wohl, Mr. Staunton habe es auch Nur angesehen? ich muß allemal mein ganz altes gntun, wenn ich ihm sitze. Die kleine Helene hatte ein ausgewaschenes gelbwollenes Kinderdeckchen, in das waren alle Maler verliebt und nannten es einen Glorienschein; sie sehen eben alles mit ganz anderen Augen an als wir übrigen." „Weil sie Narren sind", war Mutter Quapers Schlußbemerkung. ,-LH kann nur so viel sagen", ließ sich eine plumpe, bäuerisch anssehende Dirne vernehmen, „daß es für kein Mädchen gut ist, wem: ihr die Maler den Kopf verdrehen. Seht nur Nona Hsbin an, seitdem sie Modell steht, kommt kern vernünfttges Wort aus ihrem Munde. Denkt an Yvonne wie's der erging, das ivar doch auch nur die Schuld eines Malers. Und Nona, die jetzt so vornehm tut, wer weiß, was aus der werden wird!" Jeanne, warf unwillig den Kopf zurück, aber Guenn sprang heftig aus und begann mit zornsprühender Miene: „Warum hast Dudas rricht alles gesagt, als Nona noch hier war? Weil Tu es nicht gewagt hättest. Was weißt denn Tu von Malern und Modellen? höchstens soviel, daß keiner Jemals Tein wüstes Froschgesicht malen will, und deshalb sagst Tu allen hübschen Mädchen Böses nach. Nona ist ein so gutes Ding, wie mau nur eins in Plouvenee finden kann, ist die beste von uns allen. Sprich nicht mehr von Modellen, Du verstehst doch nichts davon!" „Tie heilige Jungfrau verhüte, daß ich je eins werde", beharrte Marie mit frommem Augenaufschlag, „meine Groß- mutter sagt, daß die Modelle tu Paris keine Kleider tragen — so, da hast Tu's, Guenn Rodellec!" Ausrufe des maßlosesten Schreckens und Erstaunens folgten dre; er Behauptung; auch Guenn teilte das allgemeine 547 Entsetzen, hütete sich aber wohlweislich, merken zu lassen, daß Marie Brenn in irgend etwas besser unterrichtet ser, als sie selbst. „Tas weiß ja jedes Kind!" sagte sie hochmütig, ihre Gegnerin mit den Blicken messend, „Du und Deine Großmutter, ihr werdet am Ende gar noch eine Abcschule für uns errichten? Du bist aber ein viel schlechteres Geschöpf, denn Tu sagst den Leuten hinter ihrem Rücken alles mög- liche Böse nach und schämst Dich nicht einmal, einem toten Mädchen noch im Grabe nachzulästern. Es war schon schlimm genug für die unglückliche Yvonne, sich zu ertränken ; nun sitzt obendrein ihre arme Seele jede Nacyt auf der Woge, die an hie Klippen schlägt!" Bei diesen Worten bekreuzten sich Guenn und dre übrigen Frauen mit einem scheuen Blick auf die hochragenden Klippen. Selbst Marie wagte nur noch den schüchternen Einwurf: „Aber Du stehst ja selber niemals Modell, Guenn Rodellec!" „Nein, weil ich nicht mag", gab Guenn trotzig zu. „Aber sie wollen Dich alle haben", rief Jeanne ecsrcg. „Mr. Staunton, Mr. Douglas, die französischen Maler und die anderen alle. Aber Du willst ja nicht kommen!" Guenn warf ihren hübschen Kohf zurück: „Ich möchte wissen, warum ich mich acht langweilige Stunden mit einem Wasserkrug hinstellen sollte, ich würde höchstens den Krug nach dem Dummkopf werfen und davonlaufen! Wie oft habe ich zugesehen, wie Jeanne Mr. Douglas gestanden hat, so —" sie ahmte Mr. Douglas' Haltung und gebrochenes Französisch täuschend nach: „Zieh Deinen Fuß etwas zurück, Jeanne, atme ruhiger, Kops rechts, Augen links; so ist's recht, nun wollen wir anfangen — und so geht's den ganzen aTg. Glaubt ihr, daß ich das aushielte? Bin ich denn ein Stock, ein Stein oder ein dressierter Pudel? Gieb Pfötchen, Guenn, mach fchön, Guenn! Nein, nein und tausendmal nein." Und mit einer unnachahmlich übermütigen Geberde warf sie die Arme in die Luft, im Vollgenuß ihrer herrlichen Freiheit. Fröhlich ihre Arbeit wieder aufnehmend, sang sie dazu mit Heller, munterer Stimme: „Ah mon dien, que la Vie est amöre!" Alle lachten, nur Mutter Nives bemerkte in verweisendem Tone: „Guenn ist freilich jetzt ausgelassen genug, aber wer weiß, ob der junge Mann, der sie neulich mit ihrem offenen Haar sah, sie nicht doch zum Modellstehen bringt. Sainte Anne d'Auray! Wie sah das Mädel aus, als der Herr Maler sie betrachtete." (Fortsetzung folgt.) Die Unfälle in den Alpen. Tie stetig zunehmende Zahl der schweren Unfälle in den Alpen veranlaßt einen erfahrenen Alpinisten, ihre Ursachen im Pariser Newyork-Herald eingehend darzustellen. Tas Bergsteigen, schreibt er, gehört zu den gesundesten und fesselndsten Sports und wird deshalb ständig neue Rekruten finden. Während aber die Alpinisten früher sich sorgfältig trainierten, ehe sie einen Aufstieg machten, wimmelt es jetzt an .den Hauptplätzen für Bergtouren von abenteuerlichen Touristen, welche die Fundamentalgrundsätze des Albinismus nicht kennen und in die Schweiz reisen, um oie schwierigsten Gipfel in einer beschränkten Zeit zu ersteigen und „Rekords zu brechen". IM Verhältnis zur Zahl seiner Anhänger fordert das Bergsteigen wenig Opfer, und wenn die Unfälle in den Alpen sich in den letzten Jahren mehrten, so ist das eine Folge der absichtlicken Vernachlässigung der gewöhnlichen Vorsichtsmaßregeln oder die unbewußte Verletzung der feststehenden Regeln. Tie folgende Statistik des Schweizer Alpenklubs über tödliche Unglücksfälle in den Bergen zeigt eine beunruhigende Zunahme der jährlichen Anzahl der Opfer. Tie Zahlen für die Jahre 1895 bis 1901 sind: 19, 24, 34, 37, 47, 48, 63. In den Schweizer Alpen verloren also in dieser Zeit 276 Personen ihr Leben. Nach einer Londoner Zeitung sollen im vorigen Jahre bereits 119 Unfälle in den Bergen vorgekommen fein. Ta die Unfälle ohne tödlichen Ausgang in der Liste nicht enthalten sind, 'ist es wohl keine Uebertreibung, wenn man sagt, daß in den letzten zehn Jahren in den Schweizer Alpen allein 500 Personen getötet und verletzt wurden. Tie Mehrzahl der Unfälle sind zwar die Folge der Zusammenwirkung mehrerer Faktoren, aber in der Hauptsache kann man vermeidliche und unvermeidliche Ursachen der Unfälle anführen. Vermeidliche Ursachen sind: Ausgleiten (auf Eis, Schnee oder Felsen), Unfähigkeit, Mangel an Trainierung, Steigen ohne Führer, Steigen bei schlechtem, ungewissen Wetter, schlechte Führung, die gewöhnlich verantwortlich ist für Unfälle infolge von Erfrieren, fallenden Lawinen und Firnblöcken. Unvermeidliche Ursachen sind fallende Steine und plötzliches Unwetter. Tas Ausgleiten ist sehr leicht zu vermeiden, wenn der Neuling sich daran gewöhnt, einen Fuß fest auf den Boden zu stellen, ehe er den anderen hochhebt und auf die Stelle zu achten, auf welcher der Fuß ruhen soll. Man lernt das am besten, wenn man beobachtet, wie ein guter Führer „seine Füße' setzt". Dann versuche man nie eine Besteigung, wenn man fühlt, daß sie über die Körperkräfte geht, oder daß man zur Zeit körperlich unfähig ist; denn auch der beste Alpinist hat seine schlechten Tage. Durch tollkühne Versuche gefährdet der Anfänger sein und seiner Gefährten Leben. Vor zwei Jahren hatte ein junger Mann aus Manchester, der nie vorher eine Bergbesteigung unternommen hatte, gewettet, er würde den Montblanc in einer bestimmten Zeit besteigen. Er war wunderbarerweise bis zu dem Grands Mulets gekommen, war aber völlig erschöpft, und eine gerade zurückkehrende Gesellschaft von Alpinisten und Führern brachte ihn dann auf einer Bahre nach Cha- mounix herunter. Solche Fälle, oft mit tödlichen: Ausgang, sind durchaus nicht selten. Man kann während der Saison tollkühne junge Männer nnd Mädchen in „chikem" Alpenkostüm treffen, die ihre „Zeiten" für verschiedene Aufstiege vergleichen. So sagte eine hübsche Amerikanerin einst zu einem Steife ihrer Bewunderer: „Wenn ich bei einem Unfall getötet werde, will ich „chic" aussehen, wenn man mich ins Hotel trägt." Bekanntlich sind Juli, August und September die üblichen Monate zum Bergsteigen, aber da in allen dreien das Wetter nicht immer zuverlässig ist, bleibt im Durchschnitt nur etwa ein Monat während des Sommers. Das Bergsteigen erfordert nicht nur schönes Wetter an: Tage des Aufbruchs, sondern schon einige Tage vorher, denn der Regen in den Tälern bedeutet Schnee auf den Bergen, und ein Wind unten kann sich höher oben zum Föhn entwickeln. Manchmal jedoch ist früher Morgennebel oder selbst Sprühregen im Tale lokaler Natur und kann einem schönen Tag vorangehen. Dann kann die Besteigung unternommen werden, muß aber, falls das schlechte Wetter fortdauert, aufgegeben werden. Nach heftigem Schneefall kommen die Lawinen von allen Richtungen herunter, und Berge, die wegen ihrer Lawinen berüchtigt sind, dürfen nur bestiegen werden, wenn das Wetter mehrere Tage hintereinander gut war. Wenn man von einer Lawine überrascht wird, kann man sich nur retten, indem man an der Oberfläche der rutschenden Schneemasse bleibt, was man durch Schwimmbewegungen der Hände erreicht. Auch die Gefahren des Erfrierens oder sich im Nebel zu verlieren, sind eine Folge der Besteigungen bei schlechten: Wetter. Tie Frage, ob man mit oder ohne Führer gehen soll, soll hier nicht erörtert werden. Für Anfänger aber ist eine berufsmäßige Hilfe unerläßlich. „Ein Viertel der Unglücksfälle zwischen 1882 und 1892 sind gekommen, weil mehr oder weniger unerfahrene Bergsteiger ohne Führer gegangen sind", schreibt das alpine Journal, und ein Schweizer Statistiker sagt, daß 45 Prozent der Unfälle in den letzten acht Jahren diesem Umstände zuzuschreiben sind. Ter Anfänger sollte nicht vergessen, daß die Kunst des Bergsteigens von Leuten gelernt werden muß, die es erst zur Kunst gemacht haben. Einige der erfahrensten Alpinisten haben ihr Leben dadurch verloren, daß sie durch vorspringende Schneeleisten gefallen sind, die durch die Tätigkeit des Windes verursacht sind. Wenn man im Zweifel ist, ob irgendwo eine solche vorspringende Leiste ist, n:acht man am besten einen Umweg, da man nie- ihre Tragfähigkeit kennt. Bei Südwind ist die Gefahr größer, auch nachnüttags ist sie größer als vormittags. Man vermeide es auch möglichst, unter einem Firnblock durchzugehen; nötigenfalls laufe man hindurch. Die großen Lawinen, die Wälder und ganze Dörfer begraben, findet mau im Sommer niemals. Gewöhnlich findet man auf dem harten Eis eine Schneeschicht, die, wenn sie sich mit der darunterliegenden Eisschicht nicht verbindet, durch die leichteste Berührung ins Gleiten kommt und eine darauf befindliche Gesellschaft von Bergsteigern mit sich reißt. Wenn der 548 Ciieradfebes. Gib acht auf die Gassen! )t £ S^eh nach den Sternen! &»n r- b'^m Titel sind neue Gedichte von Therese; K o st lrn erschienen (Stuttgart, Verlag von Mar Kiel- mann).^ Ae Verfasserin hat das Büchlein ihren ^liebest , gewidmet, und ihr Vater, Geh. Kirchenrat D. Köst-, ty|m Poetstches Geleitwort gegeben, indem b^Trchterm und ihres Büchleins Eigenart fein und sinnig b^irldert wird. Die Bitte, mit der er schließt: „Nehmt's freundlich auf, wenn es geglückt", darf auf reiche Cwfüll- und zwar nicht bloß um des persönlichen Interesses willen, das unter uns der Verfasserin entaeaml- gebracht wird, sondern wegen des inneren Wertes und Gehalts ihrer Dichtungen. Wir stehen indertat Ä MÄ L' L IWL ifl ’itt w°" der Schnee viele Fuß tief, z. B. in einem Couloir, so mache Volk kennt Äe^^utsche man einen Zickzackweg und schlinge womöglich das Seil I erst wearäumen miü( , m uni einen vorspringenden festen Felsen Vlotstubes lnf- I r^hn a£TeZL£lU' ett/ b?1Tt würdigen Fremden nahe snH^^erg vor hundert Jahren. Aus dem 8 * 1 noch_als_Mreffend gelten, nnerschopslichen Briefschatze, den Professor Reinhold Steig der fleißige und geschmackvolle Literaturhistoriker der "manischen Schule, als Hermann Grimms Testamentsvollstrecker zu verwalteik hat, gibt er ab und- zu, außer in femen gekehrten Buchern, hübsche kleine Kostproben. So L . " soeben zwei Briefe des Heidelberger Professors Friedrich Creuzer an Clemens Brentano mit, die ein an- mutendes Bild von der Musenstgdt am Neckar aus dem «r^)L'eJ^)4 6\eten' Briefe, die das „Heidelb. Tagbl." zum bringt. Creuzer, der ein berühmtes, vielumstrit- tenes Werk geschnoben hat, „Symbolik und Mythologie der alten Volker war mit seiner jungeil Frau von Marburg nach Heidelberg ubergesiedelt, und berichtet: „Lassen Sie sich von mir erzählen, daß erstens die Menschen (soweit ich kenne) gut sind, das heißt vorerst froh aus dem bni? (tuSßofitfclitt nicbt, ftutrctulidi mtb i -n 1 /. •— ututn invertctr kräftig. Dabei hat Heidelberg insofern etwas grosstädtisches I v^r- te« ^sten unserer modernen Achtung an als hier Jeder leben kann wie er will. Das scheinen auch b'^Seite zu stellen. Vor allem unter der modernen rel" viele Fremde gefühlt zu haben, die sich seit dem Kriege I £-fJen Dichtung wußten wir nur weniges, was sich mit hier häuslich niederließen. Dazu gehören reiche pensionierte I un?Mrwfi und Ggenart des religiösen Empfindens Offiziere und vorzüglich einige Russische Familien Die I AA- Erlebens, an Klarheit und Kraft des Ausdrucks, an Preise der Lebensmittel sind, tote ich aus dem Münde I £ f Mannigfaltigkeit der poetischen Form messen Elner Frau versichern kann, im Ganzen wohlfeiler noch I JA und zart alles empfunden ist, so fällt als mMarbiwg und diese letzteren dabei fast durchaus besser . süßen weichen Don, an dem man sich als dorten. Bisher aßen wir Mittags aus einem Speise- ^h°rt „hat. Eher trägt ihr Denken manchmal Hause a 40 Kreuzer täglich für vier Personen. Dafür hatten I xät nSfi ? E urannllche Art an sich. Ihr religiöses Leben mehrere Schüsseln und so viel, daß es für uns zu 3L"% "k den überkommenen Bahnen. Mit völlig reichlich war. Bon den Wohnungen kann ich noch mehr I E®et|ten steht sie den großen Fragen als rühmen, sie wissen, Heidelberg ist im Ganzen viel besser I suchende gegenüber, und was sie bekennt, ist selbstempfun- n?^i!i-?M^urburg, itnb in der Tat ist ein Ueberfluß EveiterE mm« ^ben zum Beleg aus den sn? r:.■h v, Vs eis, der dem I P711 p Gobiefit 1 , 7/ 7,.. .. 1 _____ . ) bst. ) nur das Marburger ziemlich gleich steht. Und nun will ich Fhnen q' s ®erc^t fern" hervor. Aber auch die weltlichen auch sagen, tote das gute Glück Ihre und nteine Wunsche Abteilung („Gib acht auf die Gassen") zu begünstigen scheint. Gestern machte ich einen Besuch bei I wahre Perlen moderner Lyrik. Wie farbenprächtig °m°„ RussM-n WM* ItaM b« Ä’S SÄ3*” * » » bas Keine MW.’ „De? stabt (bei weitem dem angenehytsten Teile der Stadt, ein I Sommer starb. • • Haus gekauft hat. Ich traf den Mann in seinem an das Haus ! Sommer starb... anstoßenden Garten, und von der Fülle der mannigfaltigsten I ^on Abendlicht, (Mandel-, Pfirschen-, Apricosen-, Birnen-, Blütben übe? Dem Kinde gleich, des klares Auge bricht, rascht dachte ich und wünschte ich Sie und Ihre Frau I • r ?unb uoch lächelt, schlief es ein. als Bewohner dieses Hauses (das noch einen schönen Ga?^ Nach einem warmen, sonnengoldnen Tag. saal mit einem Altan hat, das den kleinen aber schönett I buftger Schleier auf den Bergen lag, aorr fcyonen | Und purpurn leuchtete der wilde Wein. . Wir müssen uns versagen, andere gleich gehaltvolle hprt fitor ttn^uteilen, und erwähnen nur z. B. das >en", „Geh vorüber, ftage nicht!" Wir Garten beherrscht) — und heute gehe ich zu Kirchenrath hi 9, sehr unterrichteten tind kräftigen Manne ! $robett f)icr"mif, B 'K s ,« »«»er, w „Wr «, au/h dieser Plan mißlingen, so hoffe ich doch bis zum I Enkelm Karl Geroks nur beglückwünschen, daß Juni, wo Sie mich besuchen wollen^— ein gutes Sorti- I Lv 6a“f eigenen Wegen des Großvaters so würdig er* ment von empfehlenswerten Logis ausgespäht zu haben I wollen allen Liebhabern guter Lyrik — Kommen Sie nur. Vor den rauhen Bünden wollen wir I .£eren Sa0[ rst ja ttt erfreulicher Weise int Wachsen Ihre gute Frau und Sie schon schützen. Von Ihren Meubles I ■t>or ernster suchenden Seelen dies rathe ich nichts mitzunehmen. Sie können sich?hier und /refe Buchlem aufs wärmste empfohlen haben. Möge tn Mannhetm in einer Stunde alles aussuchen was Sie; s?1 J??, namentlich m der allmählich herannahen* der Art bedürfen und das alles um den billigsten Preis I" Weihnachtszeit erinnern! Gg. Schlosser. So hat zum Beispiel meine Frau eine sehr nett gearbeitete I , .... , Commode mit dem Schloß für 13 Gulden sich hier machen Telegraphenratsel. nJs ” UnE itoa£ b0JI. Kirschbaumholz und wohlgefirnißt). I ' " tob nun bedenken Sie die angenehme Nähe von Mann- - '' . Nalmmqsmitt°l Sw/- Stunden ist man dorten. So hörte ich am - . - Haustür onntag erst hter et ne gute Predigt. Um 12 Uhr reißten wir | --.... Verstandsspiel. QO uno kamen noch zeitig genug, um Spaziergänge zu i — .--Pflanzenteil, machen, emzukaufen, die Stadt zu sehen — und nachdem I «v m — 1 — •--männlicher Vorname, tote noch zuletzt im Schauspiel gewesen waren — konnten I r„x Striche entsprechen den einzelnen Buchstaben der zu wir noch bei Mondschein zurückkehren nneft I ao^etnbcn , £tcr' ?eren Bedmtnng oben angegeben ist. Sind die richtigen mehr, sogar Ihre übr gen Fragen nacb der ui tniinfrfiPS 9cf*lnbm- ° "geben die ans die Punkte treffenden Buchstaben im WA-Mu.,g b,r *** in -or. Nr.- Kreist noch keine großen Bekanntschaften gemackit aber I 7 11 6 10 5 tch mußte^ nnch sehr irren^ioenn Sie es selbst nicht so ' 14 g 9iebart,°n: StnfiUft ®H'- - Rotationsdruck und Verlag d^LUhl'schen Univerfitäts-Buch. und Steindruckerei.^R?Lange, Gießen!------