Freitag den 13. Februar. AM J TT-ofner.aufls. H.NOII. ü 1903. — Nr. 23 W I I A W v ' 7 1 t ij»* K-LLy-MM WWKV MW schicklichkeit eines erfahrenen Kriegers um sich hieb, obwohl seine Waffe nur aus Holz war. Da sieh nur einer den Kutscher, tvas gehen denn den"unsere Fische an?" schrie eine Stimme. „Kümmere Du Dich doch lieber um Deine Gäule!" „Her müssen sie, Deine Fische", rief Terence, indem er auf den Wagen sprang und einen Dieb am Kragen packte. Sir Greville, nicht minder mutig- hatte sich inzwischen eines andern Mannes bemächtigt, als das laute Geschrei beim plötzlichen Kuall eines Schusses verstummte. Einer der Kerls hatte eine Pistole auf Greville gerichtet, Terence aber, der dies bemerkte, war rasch besonnen, dazwischen gefahren und hatte den Arm des Schützen heruntergeschla- gen, wodurch die Kugel ihm selbst in die Seite drang. „Die Polizei kommt!" rief eine Stimme, und wie der Blitz, als ob die Erde sie verschlungen hätte, waren die Diebe verschwunden, denn das Flußufer bot eine Menge verborgener Schlupfwinkel. Die Kämpfer der Angriffspartei aber hatten sich um den Verwundeten geschart. „Es ist nichts, nur ein Streifschuß", sagte Terence, schwer atmend. „Sie sehen, ich kann ganz gut stehen und gehen. — Nehmen Sie rasch die Strickleitern, Fackeln und Salme an sich", fuhr er auf die Brücke zeigend fort, wir dürfen doch unsere Siegesbeute nicht zurucklassen. In diesem Augenblick aber wurden die Schmerzen unerträglich — er wankte und stürzte zu Boden. stwei dlbende später trat Ladh Fanshawe, einen Brief tn der Hand, mit tiefbesorgter Miene ins Ammer ihrer Schwester. „Da höre nur, was Greville schreibt , sagte I sie und begann zu lesen: „Am Mittwoch abend machten I wir, verschiedene Herren und einige Schiffer, emen Angriff aus die Fischdiebe des Leamflusses. Auch Terence hatte ich zum Mitkommen aufgefordert, da ich weiß, tote erwünscht federn Irländer alle Arten kriegerischer Unternehmungen I sind. Wir überrumpelten die mit Fackeln, Speeren und Heugabeln ausgerüsteten Kerls mitten m der Arbeit. Sie flohen auf die Brücke und besetzten sie wa ste indes m I bedeutender Ueberzahl waren, so wurde der Kampf, den Terence, mit einem festen Stock versehen, leitete immer wilder und heftiger. Plötzlich zielte einer der Schurken I mit einer Pistole auf mich, Terence aber, der es bemerkte^ wandte dZ Schuß von mir ab und bekam ihn dadurch ^lbit in die Rivpen Zuerst schien ihm die Verwundung aanz leicht zu sein bald aber mußte er doch nachgeben I und setzt ist sein Zustand recht bedenklich, ^er Arzt be- I fürchtet einen innerlichen Blutsturz, und wenn das em- trifft, so sind seine Tage gezählt, ^ch kann wohl sagen, LJ' kaum jemals in meinem Leben eine Sache so nabe aeaanae^ ist Ich habe selbst eine kleine Schmarre am Kopß aber das hat nichts zu bedeuten. Aengstige Dich I Eo nicht, liebes Weibchen, ich werde Dir telegraphische (Nachdruck verboten.) , Eine verhängnisvolle Fahrt. Roman von B. M. Croker. Autorisierte Ucbersetzung aus dem Englischen von Altoina B i s ch e r. (Schluß.) 28. Kapitel. Die nächtlichen Fischdiebe. Wie verabredet, trafen Sir Greville, Terence, Mr. I Preston, General Armstrong und noch verschiedene andere Herrn am Mittwoch abend leise und vorsichtig auf dem I verabredeten Versammlungsort ein. Die Ankunft zu Wagen, I sowie lautes Sprechen war streng untersagt, und so konnte I man durch die stille Nachtluft deutlich hören, tote bte mit Fackeln ausgerüsteten Wilderer den Salm vermittels Schleudern von Steinen nach den niedrigsten Tümpeln des Flusses trieben. £ , „Sie haben Netze gespannt", sagte der Schtffer Judge, der gelegentlich selbst ein erfahrener Wilddieb war. „Horen die Herren das Hämmern? Wenigstens fünfzig Stück zogen die Kerle letzte Woche in einer einzigen Nacht aus lenen I Löchern heraus. Sehen Sie, da flammen die Fackeln schon auf!" Dank dieser an verschiedenen Stellen aufflackernden Lichter konnte die Gesellschaft eine ganz beträchtliche Anzahl eifrig beschäftigter Männer bemerken und daneben eine große Menge frisch aufgespiehter, glitzernder und schillernder, auf dem Gras ausgebreiteter Salme. Den vorsichtig, näher schleichenden Herren gelang ech die Diebe zu überraschen, die sich nun in wilder Flucht auf bt Brücke stürzten und sich dort mit Speeren, Heugabeln und andern ähnlichen, im Fackelschein glanzenden Waffen zum Kampf bereit aufstellten. Ihr Hauptzweck war, die hinter ihnen aufgespeicherten Fische U oerteidigen. „Wir müssen ihnen die Fische und die Netze ab nehmen", rief Dir Greville voll Zorn seinen Gefährten zu. „Kommen Sie hierher!" Die Schar der Wilddiebe nnt den grimmigen, wettergebräunten Gesichtern sah m n- gestens ebenso wild und kamvfeslustig aus, als irgendern fe* r— """ „Verfluchte Feiglinge I" schrie ein alter Kerl aus ihren Reihen heraus, „ihr fürchtet euch 1«, keiner hat den Mnt, doch sehen", erwiderte Terence, sogleich vorwärts stürzend. Seine einzige Waffe war em fester Schlehdornstock, und damit schlug er sofort einem der Wilddiebe den Speer und einem anderen di« Heugabel aus der Faust. Ein allgemeines, heftiges Handaemenge entspann sich, bei dem Terence wütend und mit der Ge 90 Wieder Nachricht über den Stand der Dinge geben. Also nur ja keine Sorge nm mich!" „Aengstige Dich nicht! Das ist leicht gesagt", fuhr Nita, den Brief zusammenfaltend fort. „Greville gesteht so wie so immer nur die Hälfte von dem, was ihm fehlt. Ach, und fast wäre er an stelle des armen Terence getroffen, worden! Schrecklich! Ich werde morgen mit dem Einuhrzug abreisen. Du wirst natürlich nicht mitkommen wollen?" „Doch, selbstverständlich!" „Um Gottes Willen, Maureen, was ist Dir? Du siehst ja aus wie der Tod. Du wirst mir doch nicht in Ohnmacht fallen?" „Nein — nein", antwortete sie, auf einen Stuhl taumelnd. „Ach ja, richtig, die Geschichte muß auch Dir nahe gehen — der arme Kerl war ja sterblich in Dich verliebt. — Hier, trinke einen Schluck Wasser." „Was willst Du damit sagen?" rief Maureen, das Glas so heftig fortstoßend, daß die Hälfte seines Inhalts herausspritzte. „Ach Moll, ich hätte es Dir ja nicht sagen sollen — es entfuhr mir nur so." „Sage mir sofort alles, aber schnell, schnell!" „Nun also, Greville schrieb es mir. Als er Terence neulich noch einmal für alle seine Güte dankte und seine Verwunderung darüber aussprach, wie er für zwei Fremde solch große Opfer habe bringen können, gestand ihm Terence, daß er alles um Deinetwillen getan habe, daß er Dich liebe und es für seine Pflicht halte, Greville als Deinem nächsten Verwandten, die Sache anzuvertrauen. Greville habe ihn nun nach besten Kräften ermutigt, aber umsonst. Terence sagte, Du machest Dir nichts aus ihm und sollest auch von seiner Liebe niemals etwas erfahren. Einst habe er sich wohl Mit der Hoffnung getragen. Dich zu seinem Weibe machen zu können, die Kenntnis von Deinem Reichtum aber habe ihn abgehalten." Atemlos hielt sie inne. „Und was weiter?" „Er sagte, Tu dürfest niemals etwas von seinen Gefühlen erfahren, er aber -werde Dich niemals vergessen." „O, Nita, Nita, warum hast Du mir das nicht früher gesagt?" „Aber mein liebes Kind, ich weiß es ja selbst erst seit drei Tagen und hatte überhaupt nicht einmal das Recht, es Dir zu sagen." „Und ich werde ihn vielleicht nicht mehr am Leben treffen!" „So ist er Dir also nicht gleichgiltig, Maureen? Wie entsetzlich, wenn der einzige Mann, der sich Deine Neigung zu erringen wußte, sterben würde!" Maureen antwortete nicht. Hastig wandte sie die Blätter eines Kursbuchs um, auf das unaufhaltsam ihre Tranen niederströmten. „Um sieben Uhr morgens geht auch schon ein Zug, mit dem wollen wir doch fahren." „Gut, je früher, desto Lesser. Ich werde Tante Lizzie und den Mädchen sagen, daß ich wegen Greville abzureisen gezwungen sei, was ja auch wahr ist, und daß Du mir Gesellschaft leisten wollest. So kann niemand ahnen, daß Deine Sorge um den Enkel der alten Madame Dir fast das Herz bricht. Bleib inzwischen hier, meine arme liebe, liebe Moll, ich werde alles in Ordnung bringen", fügte sie, ihr einen herzlichen Kuß gebend, hinzu. „Ueberlasse nur ruhig alles mir." Nita kam ihrem Versprechen getreulich nach; sie tras alle Vorbereitungen, telegraphierte an ihren Gatten um Quartier für sich und Maureen, kündigte ihre Abreise der schmerzlich enttäuschten Familie D'Arcy an, und schon am Abend des folgenden Tages hatten die beiden Schwestern die Station Carra erreicht. Es war beinahe dunkel, als das Fuhrwerk die wohlbekannte Ballybayer Straße entlang rasselte. Vor dem Hotel hatten sich eine Menge Menschen versammelt, die sich leise und mit ernster Miene unterhielten, und auf Nachricht von Terences Befinden warteten. Unter dem Torweg empfing sie Greville mit verbundenem Kopf. „Wie geht es ihm?" fragte Nita nach der ersten hastigen Begrüßung. „Noch lebt er, aber sein Zustand ist sehr ernst; er phantasiert und hat hohes Fieber. Mr brachten ihn sogleich hierher in ein Zimmer au ebener Erde: seine alte Kinderfrau und sein Hund sind bei ihm und bewachen ihn eifersüchtig." „So werden wir wohl kaum zu ihm gelassen werdend sagte Nita. „Nein, nein, es hat keinen Wert. Um des Himmels Willen, Maureen, was hast Du? Was ist geschehen?" „Ich möchte zu ihm gehen", antwortete sie mit leiser Stimme. „Du? Ach so, ich verstehe. Ja, Du sollst ihn sehen. Komm nur mit." Leise schritt er ihr voran einer entlegenen Türe zu. Wenige Augenblicke später hatte Maureen die Schwelle überschritten. Zuerst starrte Frau O'Hara sie Verständnis-- los an, dann aber ivinkte sie ihr, näher zu kommen. „Also so steht es mit Ihnen, mein liebes Fräulein. Gott helfe Ihnen!" flüsterte sie. „Niemand soll es Ihnen wehren, noch einen letzten Blick auf ihn — ach, auf den Letzten der Familie Desmond zu werfen." Terence lag auf einem schmalen Feldbett. Sein Gesicht war schon ganz entstellt, die fiebrisch glänzenden Augen tief eingesunken. Mit leiser, hastiger Stimme sprach, er halbverständliche, unzusammenhängende Worte vor sich hin. Cudlich trat eine Pause ein, erschöpft schloß er die Augen. „Sehen Sie, so geht es die ganze Zeit", sagte Frau O'Hara. „Manchmal sinds die Pferde, die ihn beschäftigen, manchmal Miß Konstanze oder auch seine Soldaten, am meisten aber eine junge Dame, die, wie ich vermute, Sie selbst sind." „Frau O'Hara, hier ist der Doktor", unterbrach sie Sir Greville, den Kvpf zur Türe hereinsteckend. „Komm inzwischen mit mir, Maureen." Maureen schloß während der langen Oktobernacht kein Auge; immer wieder schlich sie an die Türe des Krankenzimmers, um sich Nachricht zu holen. Bei Tagesanbruch vernahm sie, daß der Verwundete eingeschlafen, daß Eis eingetroffen und ein zweiter Arzt unterwegs sei. Am späten Nachmittag trat Frau O'Hara verstohlen in Mau- reens Zimmer und sagte: „Er weiß, daß Sie hier sind; er muß Ihre Stimme gehört haben, obwohl Sie doch immer nur flüsterten, und das sogar außerhalb der Türe der Krankenstube." „Darf ich zu ihni gehen?" „Wie Sie wollen, aber ich glaube, er würde seinen letzten Atemzug um Ihren Anblick geben." Terence hatte jetzt das Bewußtsein wiedererlangt. Von Kissen unterstützt, lag er halb ausgerichtet da, seinen Hund neben sich. Der jammervolle Ausdruck des Tieres hätte selbst ein steinernes Herz zu rühren vermocht. Als Mau- reen eintrat, lächelte Terence nmtt und sagte: „Wie gut von Ihnen! Sie sehen, wir sind zugerichtet, wie nach einer Schlacht. Die Pflege Ihres Schwagers rief Sie wohl hierher. Er wird aber gewiß bald wieder ganz hergestellt sein." „Und — Sie selbst?" stammelte sie mit weißen Lippen. „Auch mir wird es hoffentlich bald gut gehen. Ich habe eine große Bitte an Sie, Miß D'Arcy. Wollen Sie Lost zu sich nehmen?" „O, wie können Sie so reden!" „Der arme Kerl wird mich am meisten vermissen, und ich weiß, daß Sie Hunde gern haben. Sehen Sie nicht so traurig aus, ich fürchte mich nicht vor dem Tode. Die wenigen Verwandten, die ich habe —" „O Terence", rief sie, „Sie zerreißen mir das Herzk Und ich — wollen Sie nicht um meinetwillen leben?" Er wandte den Kopf und sah sie ungläubig an. „Ja, um meinetwillen", wiederholte sie, indem sie auf die Kuiee niedersank, und seine brennende Hand in die ihrigen nahm. „Ich weiß, es ist kühn, es ist nicht mädchenhaft, was ich jetzt tue, aber in diesem wichtigsten Augenblick meines Lebens muß ich sprechen. Wenn Sie fort in eine andere Welt gehen, mein lieber Terence, so nehmen Sie wenigstens den 'Gedanken mit, daß ich Sie liebe!" „Daß Sie mich lieben?" wiederholte er mit heiserer, fast schluchzender Stimme. Die Worte waren so unerwartet gekommen, daß sie ihn wie ein Schlag trafen. Ein Schauer durchlief seinen! Körver — etwas Warmes, Beseligendes schien sein 91 schwaches Herz mit neuem Leben zu füttert. „Sterben ist kein zu hoher Preis für solche Worte!" flüsterte er, indem er ihre Finger an seine Lippen führte und sie küßte. Terences wunderbare Genesung wurde teils seiner eisernen Gesundheit, teils Frau O'Haras aufopfernder Pflege zugeschrieben — niemand aber kant es in den Sinn, an Miß D'Arcy zu denken! 29. Kapitel. Beim Einkauf der Brautausstattung. Noch einmal verwandelt sich der Schauplatz unserer Erzählung in Madame Desirtzs "Ausstellungsräume, wo ioir tote damals Lady Flashe und Lady Fanshawe finden. Die Damen sind zwar anscheinend in die Betrachtung von Modellhüten versunken, tatsächlich aber mustert jede verstohlenerweise mit kritischen Blicken die Frühlingstoilette der andern. „Maureen wird also nun doch einen Irländer heiraten", sagte Lady Flashe, „und wenn auch keinen Kaminfeger, so doch einen Kutscher!" „Wer sagte Ihnen, er sei ein Kutscher?" fragte Lady Fanshawe, indem sie ein duftiges.Hutgebilde auf ihr rotes Haar drückte. „Mr. Foulcher." „Mr. Foulcher? — Die alte Schmeißfliege! Es ivundert mich, daß Sie überhaupt mit ihm Verkehren." „Ich weiß wohl, daß er eine scharfe Zunge hat und eine unverschämte Schwatzbase ist, aber trotzdem mag ich ihn nicht ganz vernachlässigen." „Das heißt. Sie fürchten sich etwas vor ihm. Na, jedenfalls geht er mir aus die Nerven. Daß Maureen einen Irländer heiratet, das ist wahr, und zwar einen, der von der ältesten Familie des Königsreichs abstammt." „Erzählen. Sie mir doch mehr von ihm. Was für eine Art Mann ist er?" „Ein ernster, gesetzter junger Mann von tadellosen Manieren und hübschem, elegantem Aeußern, dazu ein großartiger Sportsmann." „Wohl einer von Ihren einstigen Verehrern?" „O nein, im Gegenteil, er konnte mich anfangs gar nicht leiden. Ich aber beabsichtige, eine sehr liebenswürdige Schwägerin zu werden, denn ich habe ihn ungeheuer gern." „Es kommt nicht ost Vor, daß das Gernhaben nur auf Ihrer Seite ist. Nun möchte ich aber noch allerlei Gerüchte bestätigt haben. Ist es wahr, daß er keinen Pfennig hat?" „O nein. Seit seine Großmutter gestorben ist und einige Urkunden, die jenes abscheuliche alte Frauenzimmer versteckt hat, zum Vorschein gekommen sind, hat er etwa dreitausend Pfund im Jahr, außerdem große, allerdings mit Hypotheken belastete Besitzuttgen und entzückende alte Familienkostbar- keiten, darunter prächtige Diamanten." „Ist es wahr, daß die Beiden einen Fluchtversuch machten, weil Sie und Sir Greville die Heirat nicht zugeben wollten, daß sie dann aber eingeholt und zurückgebracht wurden?" „Auch das ist nicht richtig", erwiderte Lady Fanshawe, sich abwendend, um ihr dunkelrot gewordenes Gesicht zu verbergen. „Das wissen Sie natürlich auch wieder von dem abscheulichen alten Foulcher. Es ist alles nicht wahr. Tie jungen Leute haben sich stets tadellos betragen, und ich verdanke meinem künftigen Schwager mehr, als ich ihm jemals vergelten kann." „Vergelten? Sie gaben ihm ja Ihre Schwester, mehr kamt man doch nicht verlangen! Ist das Brautpaar sehr verliebt?" „Ja, obwohl sie ihre Liebe nicht vor den Leuten zur Schau tragen." „Und wann soll die Hochzeit sein?" „Im nächsten Monat. Ich bin eben im Begriff, einen Teil der Ausstattung zu bestellen. Maureen hat mir freie Hand gelassen, und manche von den Kleidern, die ich aussuchte, siud wahre Kunstwerke. Was halten Sie von gelbem Sammet mit Zobelpelz?" „Das wird sie ja niemals tragen. Nita, ich muß gestehen, daß ich diesen wunderbaren Irländer sehr gerne kennen lernen möchte, der Maureens kaltes Herz und großes Vermögen errungen hat, und für den Sie schwärmen, trotzdem Sie ihm gleichgiltig sind. Wann bekommt man ihn denn einmal zu sehen, meine Liebe?" „Er ist gegenwärtig in London." „So ist es am Ende der Herr, der gestern abend im Theater neben Maureen saß?" fragte sie ungewöhnlich lebhaft. „Ja, natürlich", erwiderte Nita mit triumphierender Miene. „Ah so!" „Sieht er nicht elegant und hübsch aus?" fragte sie lächelnd. „Mit einem irländischen Bauern hat er freilich keine Ähnlichkeit. Mein Mann sagte mir, er habe bei den schwarzen Ulanen gestanden, allein der alte Foulcher erzählte —" „Liebe Dulcie, ich sage Ihnen, wenn Sie mir gegenüber noch einmal den Namen des alten Schwätzers in den Mund nehmen, so sind wir geschiedene Leute. Wissen Sie luas, schicken Sie Ihren Biktoriawageu nach Hause und kommen Sie mit mir zum Gabelstühstück. Ich hoffe bestimmt, Ihnen dann meinen Schwager Terence vorführen zu können." Zum Kriegs) chre 1762 Herzog Ferdin uü von Braunschweig gegen die Franzosen in Hessen. (Nachdruck verboten.) Das Kriegsjahr 1761 hatte ohne besondere Ergebnisse auf dem westlichen Kriegsschauplätze in Deutschland geendet. Die französische Armee lehnte mit dem rechten Flügel ihrer Winterquartiere an Mühlhausen, während sie sich auf der linken Flanke an die Eder und in die Gegend von Marburg ausdehnte. In der Umgegend von Frankfurt kantonnierten 21 Eskadrons und 15 Bataillone; ein anderes Korps stand 'atm Rhein bei Wesel und Düsseldorf. Die Armee des Herzogs von Braunschweig lag in ihren Winterquartieren im Münsterschen, im Bistume Paderborn und an der Weser bei Holzminden. Auf beiden ©eiten wurde die Ruhe während des Winters benutzt, die Truppen zu ergänzen und sie kriegstüchtig zu machen. Die Lage des Herzogs von Braunschweig >var mit Beginn des Jahres 1762 durch den Sturz des englischen Ministeriums Pitt und den Eintritt des Lords Büte in dasselbe schwieriger geworden. Die Einflüsse einer Friedenspartei drohten, die Tätigkeit des Herzogs lahm zu legen; spärlich und widerwillig bewilligte man die versprochenen Hilfstruppen und Hilfsgelder. Man war dort geneigt, einem vorteilhaften Frieden mit Frankreich das Bündnis mit dem Preußenkönig Friedrich II. zu opfern. Begreiflich wird es daher, wenn der Herzog an seinen Freund Westphal schreibt: „Ich wünschte, daß ich endlich aus dieser verwünschten Galeere befreit werde." Trotzdem erfüllte der Herzog treu seine Pflicht, wenn sich auch für ihn bei dem zweideutigen und widerwilligen Verhalten Englands trübe Aussichten für das kommende Jahr eröffneten. Durch die Kriegserklärung Englands au das mit Frankreich Verbündete Spanien im Januar 1762 wurden die feindseligen Bewegungen der beiderseitigen Truppen in Deutschland fortgesetzt. Wäre jetzt dem Herzoge die nötige Unterstützung seitens Englands zu teil geworden, so mußte es ihm gelingen, die Franzosen über den Rhein zu werfen und damit einen vorteilhaften Frieden nicht nur für England, sondern auch für die beteiligten deutschen Kontingente zu erlangen, zumal ein günstiger Moment für die Kriegführung der Alliierten eintrat. Durch die Jntriguen am französischen Hofe war der tüchtige Herzog von Brvglio des Oberkommandos enthoben und an seine Stelle der unfähige Günstling der Marquise von Pompadour, Prinz Soubise, berufen worden, der neben dem Marschall d'Eströes und mit Unterstützung des Prinzen Coudo die französische Heeresleitung in Deutschland übernehmen sollte. Die französische Hauptarmee in Hessen zählte 80 000 Mann; Prinz Conde vereinigte am Rhein 40 Ö00 Mann, während dem Herzoge von Braunschweig nur 70 000 Mann zu Gebote standen. Der Plan der Franzosen ging dahin, ben Herzog bis Minden und Bielefeld zurückzutreiben und ihm dort eine Schlacht zu liefern. Nachdem am 29. April Soubise und am 17. Mai d'Eströes bei Kassel eingetroffen waren, wurden die französischen Truppen bei Göttingen und Kassel enger herangezogen. Der HerÄoa, dem die Absicht des Feindes YZ Nicht entging, entschloß sich, einen Osfensivstoß gegen die Franzosen vom linken Weseruser zu unternehmen. Ms zum 20. Juni waren die Truppen der Verbündeten bis Grebenstein und Geismar, nördlich von Kassel, vorgerückt. Am 24. Juni wurden die Franzosen bei Wilhelmsthal mit einem Verluste von 1800 Mann an Toten und Verwundeten und 3000 Mann Gefangenen in die Defensive geworfen. Dieser Tag kostete der verbündeten Armee 700 Mann. Dem französischen Heere drohte ein zweiter Tag von Roßbach, wenn der hannöversche General Kielmannsegge, vereint mit General Luckner, auch wenn für ihn kein Befehl vorlag, zeitig in der Flanke und dem Rücken des französischen HeereS angegriffen und nicht durch sein zögerndes Verhalten dem Feinde den Rückzug aus Kassel möglich gemacht hätte. Der Plan der Franzosen, den Herzog nach Norden zu drängen, war vollständig gescheitert, und auch die ferneren Bewegungen des Herzogs mußten ihnen die Unausführbar- keit ihres Planes^ klar machen. In und bei Kassel wurde die französische Armee über die Fulda geführt. Die weiteren Maßnahmen des Herzogs ließen die Marschälle besorgt machen wegen ihrer Verbindung mit dem Main, und so erbaten sie" sich denn von ihrem Hofe die Erlaubnis, sich rückwärts nach dem Main hin zu bewegen und die Verbindung mit Conds bei Gießen zu erstreben. Trotz, der für die Franzosen ungünstig verlaufenen Gefechte bei Lutterberg uud am heiligen Berge nordöstlich von Kassel am 23. und 25. Juli hatten die Marschälle die Weisung, sich bei Kassel zu halten. Prinz Coudö wurde der Befehl, vom Rhein aus vorzugehen. Durch glückliche Gefechte war es bis Mitte August dem Herzoge gelungen, die Franzosen von Kassel wegzutreiben und sie in die Richtung Melsungen-Spangenberg zu drängen. Ihre Absicht war, Rothenburg zu halten, Hersfeld zu erreichen und sich dann mit Conds zu vereinigen. Des Herzogs Plan ging dahin, dem Feinde zuvorzukommen, sich immer mehr südlich zwischen die Heere der Marschälle und des Prinzen einzuschicken, während der Erbprinz die Weisung hatte, Conds nach dem Main hin zu werfen. Beim Anmärsche der Verbündeten räumte der Feind am 22. Hcrsfeld und setzte dann seinen Marsch die folgenden Tage nach Fulda, Schlüchtern, Freiensteinau fort, um die alte Heerstraße nach der Wetterau einzuschlagen. Am 24. und -5. August finden wir die Hauptarmee der Verbündeten im Lager bei Mahr, nördlich bei Lauterbach. Prinz Conds war unterdessen von Düsseldorf ausgebrochen und hatte über den Westerwald und Hachenburg am 4. August Hohensolms erreicht, woselbst er ein Lager bezog. Am 6. brach er auf, ging bei Gießen über die Lahn und kantonnierte bei Alten-Buseck. Der Erbprinz von Braunschweig war in der Nacht auf den 22. August von Homberg aus über die Ohm gegangen und hatte seinen Marsch gegen die Vortruppen Condes, gegen das Levi'sche Korps bei Bernsfeld, in der Nähe von Nieder-Ohmen gerichtet. Des schlechten Wetters wegen konnten die Kolonnen des Erbprinzen nicht zeitig eintreffen, sodaß er nur mit den Abteilungen der Generale v. Hardenburg und v. Bock das Lager des Feindes bei Bernsfeld überfallen konnte. Dieser zog sich mit Hinterlassung eines Teils seiner Bagage und seines Lagers nach Stangenrod bei Grünberg zurück, wo Conds sich in Schlachtordnung aufgestellt hatte. Die Verbündeten nahmen dem Feinde einige Hundert Mann ab. General Luckner berichtet dem Herzoge: „Der liebe Gott hat uns das Wetter so verkehrt gesondert, daß es fast nit menschlich auszustehen gewest; ich vor meine Person allein mußte wegen angeloffenen Wasser 6 Stund zubringen, um nur eine Stund zu machen. ... 3 Kolonnen haben gar nit auf ihrigen angewiesenen Blatz debouchieren können. Und doch ist es so gegangen, daß wir alle dem Erbprinzen gratulieren, daß die Feinde trntz ihme vor deme den nemb- lichen Blatz haben flüchten müssen." Ter Erbprinz stellte sein Heer bei Atzenhain auf, nachdem der feindliche General Levy geschlagen, mußte aber, da seine Kolonnen noch nicht alle eingetroffen waren, von einem Angriff abstehen, ließ seine Truppen lagern und abkochen. Als man sich in der Nacht vom 22. zum 23. in Bewegung setzte, erfuhr man, daß der Feind sich gegen Gießen zurückziehe. Conds lagerte vom 23. zum 24. bei Steinbacy; das Lager des Erbprinzen befand sich bei Grünberg. Am 24. setzte sich Conds in der Richtung auf Grü- n in gen in Marsch. Da der Erbprinz befürchtete, daß der Feind rechts a'bmarschieren würde, um sich seiner Hauptarmee zu nähern, so ordnete er den General Luckner ab, um den Wald bei Kloster Arnsburg in der Nähe von Lich zu besetzen. Dies gelang ihm ohne Widerstand. Von der Höhe bei Arnsburg sah man, daß der Feind bei Holzheim Zelte für 10 Bataillone aufschlagen ließ, während das Gros des Heeres jenseits des Pfahlgraben lagerte. Der Erbprinz war bei Muschenheim in 3 Kolonnen über die Wetter gegangen, um die Höhen von Eberstadt zu gewinnen, von wo aus man den Feind bei Holzheim vertreiben wollte. Tie Nacht brach ein, und man beschränkte sich auf Plänkeleien. Prinz Conds ließ noch in der Nacht die Zelte ab- brechen und lagerte vorivärts Grüningen im Walde beim Pfahl grab en. Ter Erbprinz blieb eine halbe Stunde von Grüningen imPfaffenfelde bei Eberstadt stehen. Als der Erbprinz am 25. gegen Grüningen vorging, fand er das Lager des Feindes verlassen. Man erfuhr, dach derselbe die Straße nach Wetzlar eingeschlagen habe. Tie auf die Höhe hin jenseits des Städtchens Grüningen nach Gießen hin vorgeschickten leichten Truppen meldeten daß noch etwa von der Arriöregarde des Feindes im Walde 6eint Pfahlgraben stehe. Als der Erbprinz seine Truppen auf die Höhen Vorgehen ließ, wurden diese von einer heftigen Kanonade des Feindes empfangen. Der Prinz merkte, daß er es mit der ganzen Armee Condss zu tun haltender dort in der Nacht biwackiert hatte. Alle Versuche des Erbprinzen, den Feind aüs seiner vorteilhaften Stellung zu vertreiben, blieben erfolglos. Nach zweistündigem Gefecht sah sich der Erbprinz genötigt, in das Lager bet Musch en- heim und Kloster Arnsburg zurückzukehren Die Kanonade war so heftig, daß sie von dem Herzog bei Ulmcysteirr wahrgenommen wurde. Das Gefecht kostete die Verbündeten 50 bis 60 Mann an Toten und Verwundeten. Der Feind zog sich am 25. nach Gießen zurück und marschierte von da nach Pohlgöns, wo er am 26. einte af. An gleichem Tage verlegte der Erbprinz sein Lager nach Grunberg. °Die Hauptarmee des Herzogs stand um diese Zeit ber Ulrichstein. Am 28. rückte sie nach Schotten und erreichte am 29. Nidda. Die feindliche Armee unter Soubise und d'Estrses war über Freien stein an, Birstein nach Undingen marschiert, von wo sie der alten „hohen Straße über Marköbel nach Win decken folgte, das am 29. erreicht toUr«rim CondS war am 27. von Pohlgöns aus in die Gegend von Friedberg und Nauheim vorgegangen, um sich mit der im Anmarsch befindenden Hauptarmee zu ver- einiaen. Der Erbprinz war nach Wolfersheim nn Kreise Friedberg vorgerückt, um womöglich noch tut letzten Augenblick der Vereinigung der Condsschen Armee zu ver- etteIUnt einem Stoße des Erbprinzen auszuweichen, war Cnndö am 29 Auaust von Nauheim nach Rodheim aus- aebrochen um fick? dem bei Vilbel stehenden französischen General Stainville zu nähern. An demselben Tage erging an den Erbprinzen von dem Herzog die Weisung,« ss en beim am 30. zu besetzen und den General Luckner nach Friedberg vorgehen zu lassen, um Conds zu beobachten. Das Zurückweichen des Letzteren nach RodheiM entsprach den Wünschen der Marschälle nicht, daher an ihn der^Befehl ging, am 30. nach dem Gehöfte Hasselhecke■ bannisberq wieder vorzugehen. Wahrend ein Teil des Condsschen Korps unter dem General ^evi den Wünschen der obersten Heeresleitung nachkam, folgte Conds- selbst mit den übrigen Truppen bis Oberroßbach, um dort die versprochenen Hilfstruppen der Marschalle abzuwarten. (Schluß folgt.) Scherzrätsel. Ich habe viele Kehlen und alle trinken gern, Tu manche Menschen quälen und blieb kaum einem fern. Ich bin an feuchtem Orte, im Keller tote tm va“s- . Man ißt mich auch; doch Worte, die drücken mich nicht aus. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Zifferblatttätsels in voriger Nummer r i n in iv v vi vn vm ix x xi xn BANDEN T E S h aj A Ban, Band, Bande, Banden, Anden, Ente, Esel, Sela, Laban. Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitöts-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.