Mittwoch den 12. August. Nr. 119. sLIMU MWLsMW iy । •j (Nachdruck verboten.) Schloß Osterno. Roman von S. M e r r i m a n. (Fortsetzung.) Etta betrachtete ihren Gatten mit einem sonderbaren Lächeln. Obwohl sie beständig das Bewußtsein hatte, daß sie geistig über ihm stand, war sie manchmal stolz auf ihn; dieser hünenhafte Manu hatte etwas Starkes, Einfaches nnd Männliches an sich, das ihr gefiel. „Wie bist Du mit ihm fertig geworden?" „Ich habe ihn erwürgt. Der Bär dort warf mich zu Boden, aber Steinmetz schoß ihn nieder. Hinter dem Elch dort waren wir vier Tage auf der Fährte; das dort ist ein Luchs, — ein wunderlicher Kops — er sieht Chauxville ähnlich." „Aber warum läßt Du dies düstere Getäfel nicht entfernen und das Zimmer tapezieren?" fragte Etta schaudernd. „Es sieht so geheimnisvoll nnd grausig aus. Mau muß unwillkürlich an geheime Korridore denken." „Geheime Korridore existieren nicht, aber hier nebenan befindet sich noch ein Zimmer; dies ist die Tür, ich werde Tir's gleich zeigen; es ist unser geheimes Laboratorium und Bureau, wo ich auch alle meine Arzneien und Instrumente aufbewahre. In diesem Zimmer wurde die Armenliga gegründet." Etta wandte sich plötzlich ab, trat an das schmale Fenster, setzte sich aus das niedere Fensterbrett und schaute in die schneebedeckte Tiefe hinab. „Ich wußte nicht, daß Du Arzt bist." „Ich habe meinen Doktor gemacht, um die Bauern zu behandeln, und tue es nun in sehr kategorischer Weise. Natürlich wissen sie nicht, daß ich es bin, sie halten mich für einen Moskauer Doktor. Ich ziehe einen alten Rock an und trage ein dickes Halstuch, so daß sie mein Gesicht nicht sehen; auch besuche ich sie nur bei Nacht. Es darf niemand erfahren, daß wir den Bauern Gutes tun, wir müssen es sogar vor den Leuten selbist geheim halten. Sie hassen uns, fluchen und schimpfen, wenn wir durchs Dorf fahren; aber sie wagen es nicht, uns Böses zu tun, denn sie fürchten sich vor uns." Als Etta sich erhob nnd wieder zu ihM trat, war ihr Gesicht ohne Farbe. „Zeige mir das Zimmer." Er öffnete ihr die Tür und folgte ihr in den kleinen Raum. Hier erzählte er ihr noch weitere Einzelheiten über das Werk, dem er sich gewidmet hatte, und Etta hörte mit unwillkürlichem Interesse zu. Sie saß in dem Stuhl, den gewöhnlich Steinmetz einnahm. Ein scharfer Geruch von Tabakrauch schwebte in der Luft, die ganze Atmosphäre des Zimmers war männlich und energisch. Paul zeigte ihr seinen einfachen Arzneivorrat und den alten, zerrissenen Rock, das Kostüm des Moskauer Doktors. „Machen auch andere Leilte, andere Gdelleute solche Versuche?" fragte Etta endlich. „Katharina Lanowitsch zum Beispiel." „Was, das Mädchen mit dem schönen Haar?" Paul hatte Katharinas Haar noch nie bemerkt; Ettas scharfe Augen sahen in einer Stunde mehr, als Paul in zwanzig Jahren. „Ja, aber natürlich wird sie von vielen Seiten gehemmt." „Durch ihr Aeußeres?" „Nein, durch die Verhältnisse. Ihr Name genügt, um sie in jeder ihrer Bewegungen zu hemmen; trotzdem tut sie sehr viel. Hol's der Kuckuck, sie hat mich erkannt." Etta hatte sich erhoben und betrachtete neugierig den Schrank, in dem Pauls infizierte Kleider hingen. Er hatte ihr verboten, sie anzurühren. Jetzt wandte sie sich um und blickte ihn an. „Erkannt?" Wieso?" fragte sie mit einem eigenen Lächeln. „Sie hat meine Verkleidung erkannt." „Ja, das ist sie im stände", sagte Etta laut vor sich hin. „Was für eilte Tür ist das?" fragte sie nach einer Weile. „Sie führt in ein kleines Zimmer, wo Steinmetz gewöhnlich arbeitet." Er ging ihr voran und öfsttete die Tür, während Etta ihre Gedanken laut weiterspann: „Katharina weiß es also?" „3a" „Sonst niemand?" Paul antwortete nicht, denn er war in das kleine Zimmer getreten, in dem Steinmetz am Schreibtisch saß. „Herrn Steinmetz natürlich ausgenommen?" fuhr Etta in fragendem Tone fort. „Frau Fürstin", sagte der Intendant, indem er mit seinem freundlichen Lächeln aufblickte, „ich weiß alles!" Und er fuhr fort zu schreiben. 24. Kapitel. Bluthund e. Die Table d'höte im ,Hotel de Moscou' in Twer hatte soeben begonnen. Unter den zehn oder elf Herren, die um die lange Tafel saßen, befand sich auch ein Mann mit diner breiten Stirn, farblosen Augen und einem maskenähnlichen Gesichte; was ihm vorgesetzt wurde, verzehrte er so geräuschlos als möglich. Dieser Reisende war in Paris als ,Ce bon Wassili' bekannt, hier aber tat er sein möglichstes, wie ein harmloser Handlungsreisender in Knopf- oder Posamentierwaren auszusehen. Er wünschte offenbar so wenig Anfmerksam- keit zu erregen, als es die Umstände gestatteten. Als Herr von Chauxville in den Speisesaal trat, verbarg er jedwede Ueberraschung, die er fühlen mochte, hinter einer Wolke 474 — Von Zigarettenrauch- und einen Augenblick später begegnete sein Blick dern des Franzosen ohne den leisesten Blitz des Erkennens. Die beiden Herren absolvierten das ganze lange Diner, ohne von einander Notiz zu nehmen. Als das Mahl vorüber war, schrieb Wassili seine Zimmernummer in großen Ziffern auf die Etiquette seiner Flasche St. Emilien, wie sparsame Geschäftsreisende im Hotel zu tun pflegen. Bald daranf drehte er die Flasche um, so daß Herr von Chaux- ville nicht umhin konnte, die Ziffer zu lesen, und verließ miit einer Verbeugung den Saal. In seinem Zimmer angelangt, warf der geniale Wassili mehr Holz in den Ofen, zog die zwei stereotypen Fauteuils an den Tisch und zündete alle Kerzen an. Dann klingelte er und ließ verschiedene Liqueurs bringen. Auf dem Zimmer Nr. 44 im Hotel de Moscou' sollte offenbar etwas wie eine Bewirtung stattfiirden. Es dauerte nicht lange, so kündigte ein diskretes Klopfen die Ankunft des erwarteten Gastes cm. „Herein !" rief Wassili, und Herr von Chauxville stand vor ihm mit einem Lächeln, das die Franzosen ,cräne' nennen. „Das ist ein Vergnügen, das ich in Twer nicht erwartete", sagte Wassili mit seiner hölzernen Stimnre. „Ein unerwartetes Vergnügen, lieber Freund, kommt nie gelegerr. Ich zweifle nicht, daß mein Anblick Sie nicht erfreut." „Im Gegenteil; wollen Sie Platz nehmen?" „Ich glaube schwerlich, daß mein Erscheinen Ihnen gelegen kam", fuhr der Barou fort, indem er sich auf den angebotenen Stuhl niederließ. „Herren von der — hm! — vom Inneren Amte ziehen es vor, wie ich weiß, in aller Ruhe zu reisen — inkognito", fügte er harmlos hinzu. „Man pflegt seinen Namen nicht über die Dächer zu schreien, besonders, wenn er nicht ganz unbekannt ist", antwortete der Russe mit einem Aufblitzen des Stolzes in seinen Augen. „Aber zwischen Freunden, lieber Baron, zwischen Freunden —" „Ja, was machen Sie also in Twer?" fragte Chaux- ville mit erniunternder Offenheit. O, das ist eine lange Geschichte, aber ich will sie Ihnen erzählen — unter der gewöhnlichen Bedingung." „Nämlich?" fragte der Baron, indem er sich eine Zigarette anzündete. Wassili aeceptierte das Zündhölzchen mit einer Verbeugung und folgte dem Beispiel des Barons. Dann sandte er ein harmloses Rauchwölkchen §it dem schmutzigen Plafond empor. „Tauschgeschäft, mein lieber Baron, Tauschgeschäft!" „O, gewiß, gewiß!" antwortete Chauxville, der wußte, daß Wassili höchst wahrscheiulich über seine vergangenen und künftigen Bewegungen vollständig unterrichtet war. „Ich bin im Begriff, ein paar alte Freunde in diesem Gou- vernement zu besuchen, die Lanowitsch in Thors." „Ah!" „Sie kennen sie?" Wassili zog die Schultern empor und machte eine leichte Gebärde mit seiner Zigarette, als wollte er sagen: „Was soll diese Frage?" Der Baron warf einen scharfen Blick auf ihn. Wußte dieser Manu, daß er, Claude von Chauxville, Etta Alexis liebte und folglich ihren Gatten haßte? Wie viel oder wie wenig wußte oder ahnte dieses undurchdringliche Individuum? Ein kurzes Schweigen herrschte, während jeder der beiden Männer sich seinen Gedanken hingab. Plötzlich klopfte sich Wassili mit dem Zeigefinger auf die Brust. „Ich, ich war es, der jene gefährliche Bewegung — die Armenliga — im Keim erstickte", sagte er. „Tas weiß ich." „Hören Sie, lieber Baron!" Der geniale Wassili beugte sich vor und klopfte mit einem Finger auf das Knie Chauxvilles, als klopfe er an die Tür seiner Aufmerksamkeit. „Ich bin ganz Ohr, mein lieber Herr", antwortete der Franzose etwas kühl; denn er erinnerte sich, daß er von Wassili augenblicklich keiner Gefälligkeit bedurfte, und fand dessen Benehmen etwas zu vertraulich. „Das Weib — das mir — die Papiere der Armenliga verkaufte, — dinierte vor vierzehn Tagen — bei mir in Paris", sagte Wassili, indem er, um jedem Worte Nachdruck zu verleihen. Staccato auf das Knie seines Gegenübers klopfte. „Tann, lieber Freund — kann ich Ihnen — zu der Gesellschaft, in der Sie sich bewegen — nicht gratulieren", antwortete Chauxville, ihn nachäffend. „Bah! Sie ist eine Fürstin." „Eine Fürstin?" „Ja, und Sie kennen sie, Herr Baron! Sie war bei mir in Begleitung ihres — hm! — ihres Gatten, des Fiirsten Pawel Alexis." In der Tat, das war eine Neuigkeit. Ter Baron lehnte sich im Stuhl zurück und fuhr sich mit der schmalen, weißen Hand langsam über die Stirn, als wische er etwas Geschriebenes von einer Tafel, als seien seine Gedanken ans seiner Stirn ausgeschrieben, und er wische *fie fort Mer kann die Gedanken zählen, die er aus solche Art verschwinden ließ? Sein erster Gedanke war, daß er Etta gezwungen hätte, ihn zu heiraten, wenn er dies drei Monate srüher gewußt hätte. Tiefer Gedanke bekam noch tausend Abzweigungen. Mit Etta als Frau wäre er gewiß ein anderer geworden. Man weiß nie, welche Wirkung ein unerfüllter Wunsch haben kann; man kann nur uach Analogien urteilen, und vereitelte Wünsche scheinen die Menschen ost zu Schurken zu machen. Tiefe verspätete Nachricht führte jedoch nur zu Bösem. Im Nu sah Claude von Chauxville Pauls Geheimnisse sich ausgeliesert, Paul in seinen Händen. Paul in der Verbannung, in Sibirien, wo der Tod so leicht kommt, und Pauls Witwe als feilte, Chauxvilles Gattin. Er wischte alle diese Gedanken fort und zeigte Wassili ein Gesicht, das so ruhig und impertinent wie gewöhnlich aussah. „Sie sagten: ,Hm, ihr Gatte'. Was bedeutete dieses kleine ,Hm', lieber Freund?" Wassili erhob sich und schritt zur Tür, die von dem Salon, in dem sie saßen, ins Schlafzimmer führte. Man konnte dieses Schlafzimmer auch durch eine zweite Tür betreten und jedes Gespräch hören, das im Wohnzimmer stattfand. . Tie Nachforschung war offenbar befriedigend, denn Wassili kehrte zurück; aber er setzte sich nicht wieder, sondern lehnte sich au den großen Porzellanosen. „Ich habe wohl nicht nötig, Ihnen die Antecedentien der Fürstin zu erzählen", Hub er an. 9Zcitt.z/ "(sie verheiratete sich vor sieben Jahren mit Robert Beaumont." Ter Baron nickte. „Wo ist Robert Beaumont?" fragte Wassil: mit seinem maskenähnlichen Lächeln. „Tot", antwortete der andere ruhig. „Beweisen Sie es." Herr von Chauxville blickte rasch in die Höhe, und die Zigarette fiel ihm aus der Hand. Sein Gesicht war gelb und verzerrt, seine Lippen zitterten sonderbar. „Großer Gott!" flüsterte er heiser. In seinem Kopse lebte nur noch ein einziger Gedanke, — der plötzliche, wilde Wunsch, Etta gegen eine ganze Welt zu verteidigen. . Wassili lehnte ruhig au dem Ofen und erzählte seine „Vor mehr als einem Jahre wurden mir Papiere angeboten, die von einer großen Verschwörung n: diesem Lande handelten", sing er an. „Nachdem ich gewiße Erkundigungen eingezogen hatte, nahm ich das Anerbieten an und bezahlte für die Dokumente einen fabelhaften Preis. Eine dicht verschleierte Dame --- ich, hatte sie me vorher gesehen — brachte sie mir; ich stellte keine Fragen, sondern zahlte ihr einfach die bedungene Summe. Spater stellte sich heraus, daß die Papiere, wie Sie vielleicht wissen, dem Grafen Stephan Lanowitfch gestohlen worden waren, — demselben Grafen Lanowitsch, dessen Familie Sie jetzt in Thors besuchen wollen. Nun, das smd lauter alte Geschichten. Es ist anzunehmen, daß Robert Beaumont der Dieb der Papiere war uyd _ daß er fte hierher brachte, — höchstwahrscheinlich sogar in dieses Hotel, wo seine Frau wohnte. Er übergab ihr die Papiere, und fte brachte sie mir nach Paris. Ehe sie jedoch mit ihnen nach Petersburg kam, mußte Graf Lanowitsch sie vermißen und 475 natürlich zuerst gegen Beaumont Verdacht fassen, der bei ihm wohnte, — er besaß in der Diplomatenwelt einen zweifelhaften Ruf und hatte viel häßliche Geschichten hinter sich. In dieser Voraussicht und wohl wissend, daß die Liga ein paar gewalttätige Mitglieder besaß, versuchte Robert Beaumont gar nicht, Rußland in der Richtung nach Westen zu verlassen. Er entschloß sich wahrscheinlich über Nischni- Nowgorod, die Wolga entlang und über das kaspische Meer weiter nach Persien und Indien zu reisen . . . Sie folgen mir doch?" „Vollkommen", antwortete Chauxville kalt. „Ich bin seit einer Woche hier, um Erkundigungen einzuziehen", fuhr der Spiou fort. „Die ganze Angelegenheit liegt nun Glied für Glied vor mir bis zu dem Abend, an dem Mann und Frau sich trennten. Sie fuhr mit den Papieren nach Paris. Wohin wandte er sich?" Sgerr von Chauxville hob die Zigarette auf, betrachtete sie einen Augenblick aufmerksarn wie eine Reliquie — die Reliquie der stärksteu Erregung, die er je empfunden hatte — und warf sie dann in die Aschenschale, um sich eine neue anzuzünden. (Fortsetzung folgt.) Sportpflege auf amerikanischen Universitäten. Man hat das sieghafte Vorgehen und die Erfolge, die Bruder Jonathan auf fast allen Gebieten erzielt, auf welchen sich die United States betätigen, einer Reihe von Ursachen zugeschrieben. Man hat die Vereinigten Staaten als den Sammelplatz der von Europa innerhalb des letzten Säku- lums der von Europa exportierten Energie bezeichnet, hat klimatische Einflüsse in den Vordergrund gestellt. Welchen Ursachen der eminente Erfolg in Sonderheit zuzuschreiben ist, lassen wir dahingestellt; sicher ist es, daß die Liebe zum Sport und die Pflege desselben an der Erziehung der Nation wesentlichen Anteil haben. Was Deutschlands Studenten im Pauk- und Duellwesen erblicken, erblicken ihre Kollegen jenseits des Atlantic im Sport. Von frühester Jugend an zum Sportsmann und Kraftmenschen erzogen, übt dieses Training seinen Einfluß auf den heranreifenden Jüngling, dem es als Mann nicht an den Eigenschaften gebricht, die jenes gefördert, an Promptheit, Mut und Entschlossenheit. Der Schreiber dieses war selbst als aktiver Amateur am Kontinent sportlich tätig und siegte im Wettschwimmen bei den Olympischen Spielen in Athen im Jahre 1896. An den amerikanischen Hochschulen überwiegt das Interesse am Sport zu Zeiten jenes am ernsten Studium. An den Tagen, an welchen die großen Fußballwettkämpfe stattfindcn, entfallen die Vorlesungen. Die ganze Stadt (Philadelphia) bespricht durch Wochen die bevorstehenden events, den Match Havard-Pennsylvania. In allen Schaufenstern befinden sich die Bilder der Teilnehmer. Wo immer sich einer derselben zeigt, wird er mit enthusiastischem Jubel empfangen. Jung und Alt ist am Sport interessiert, . und es ist nicht nur die Jugend, der es als höchstes Ideal vorschchebt, dereinst Kapitän einer Fußballmannschaft zu werden. Dem Europäer kommen die Einrichtungen der anrerikanischen Hochschulen anfangs merkwürdig vor. Nimmt er die Hochschule in Augenschein, so wird ihm in dem Häuserreihen umfassenden Komplex weder Bibliothek noch Archiv gezeigt. Zuerst und in allererster Linie das Fußballfeld, die Laufbahnen, die Turnhallen, Billardzimmer, Kegelbahnen und die Schwimmschule. Nur in einem gesunden Körper kann eine gesunde Seele wohnen. Die Amerikaner betrachten den ersteren als des letzteren wichtigste; Vorbedingung und weisen mit Stolz auf ihre sportlichen Einrichtungen hin, mit weit mehr Stolz, als sie sich über die Pracht der Prunkgemächer, die auf keiner Hochschule fehlen, verbreiten könnetn. Fußball ist wie in England das Hauptspiel der akademischen Jugend; doch wird allen Gebieten des Sports große Aufmerksamkeit gewidmet. Eine siegreiche Fußballmannschaft bildet für die betreffende Hochschule die beste Attraktion, um neue Studenten (Freshmen) anzuziehen. Das Gebiet der leichten Athletik wird durch Wettkämpfe zwischen zwei Hochschulen, nach dem Muster Oxford-Cambridge, gefördert, sowie durch die am letzten Samstag im Mai stattfindenden Universitätsmeisterschaften. Dasselbe gilt von der Pflege der Gymnastik, welche jedoch, oftmals in Akrobatik ausartet. Im Rudern haben die amerikanischen Studenten noch nicht bewiesen, was sie zu leisten vermögen. Zwar haben Ed. Ten Eyk und F. Howell die Diamand Sculls bei der Henley Regatta gewonnen und die Mannschaft der University of Pennsilvania hat in Irland gesiegt, doch leidet der Rudersport zu sehr unter klimatischen Einflüssen wie unter der Unkenntnis der Lokalität. Den Einfluß des Klimas beleuchtet der Umstand zur Genüge, daß in jedem Match Thale-Howard kontra Oxford-Cambridge jenes team Sieger blieb, in dessen Lande die Konkurrenz abgehalten wurde. Neben Baseball als Hauptsport, werden Wettschießen, Kegelschieben, Billard-, Schach- und Damenbrett-Spiel eifrig betrieben. Als Wintersport erfreut sich Schwimmeu und Waterpolo der größten Beliebtheit. Während der kurzen der bloß einige Tage währenden „Sportsmenshow" werden in großen Gebäuden riesige Bassins errichtet. Im Jahre 1899 wies der Madison-Square-Garten in Newyork eine Besucherzahl von 26 372 zahlenden Personen auf, welche der Entscheidung der zehn Tage währenden Kämpfe beiwohnten. Die Leiter der amerikanischen Hochschulen verlieren die Direktive nie aus den Augen, daß das positive Können, welches ihre Universitäten den Schülern zu erwerben Gelegenheit geben, bloß ein Teil des für das praktische Leben notwendigen Rüstzeuges ist, bloß die Substanz, die, so wichtig sie auch sein mag, erst in der Handhabung ihren reellen Wert findet. Zum erfolgreichen Wettbewerb in den Jahren, die auf das Studium folgen, bringt der amerikanische Student nicht nur seinen Schulsack mit, sondern einen durch Sport und Training gestählten Körper, einen klaren Blick, Entschlossenheit und Beharrlichkeit, und diesem Training haben es die States zu danken, wenn ihre Sölme Sieg auf Sieg erringen. Unser Garten im August. Neben der Ernte, die im August schon immer mehr Zeit in Anspruch nimmt, neben der Bereitung von Obstweinen aus Johannisbeeren, Stachelbeeren, neben der Bereitung von alkoholfreien Säften und neben der Herstellung, von Gelees und Janis müssen wir nicht vergessen, die leerwerdenden Beete des Gemüsegartens sofort wieder zn bepflanzen. Es wird .achsgesät: Spinat, Feldsalat, Schwarzwurzel, Herbstrübe, Kerbelrübe, Teltower Rübe, auch noch Radies. Es werden ferner die Erdbeerbeete angelegt; Nobel, Kaisers Sämling, König Albert, Lucida perfecta, Kerrs Prolific sind Sorten, die in erster Linie in Betracht kommen. Da, wo man das Beet nicht mehr mit Gemüsen besäen oder mit Grünkohl und Endivien bepflanzen will, soll man wenigstens durch Aussaat von Gründüngungspflauzen und durch vorherige Düngung mit künstlichen Düngern die Vorbereitung des Beetes für das nächste Jahr beginnen. Als Gründüngungspflanzen lassen sich aussüen: Senf, Phazelie, Zottelwicke, Erbse und Pferdebohne. Aus den Himbeersträuchern müssen wir die abgetragenen Ruten herausschneiden, von den neuen Schossen nur fünf bis sechD stehen lassen. Auch die Triebe der Johannis- und Stachelbeeren sind etwas zu entspitzen. Eine Hauptarbeit nimmt bu3 Okulieren der Rosen in Anspruch, ebenso von Birnen, Aepfeln. Wer auf Weißdorn Birnen setzen möchte, muh jetzt daran gehen. Wvr seine Linden, Flieder, Ahorn, Liguster veredeln will, hat jetzt noch Zeit dazu. Auf Liguster läßt sich bekanntlich der Flieder veredeln. Wir können Kirschen kopulieren und jetzt durch Ver- edelu bei denjenigen Formbüumen Fruchtholz einsetzen, die an den Aesten kahle Stellen haben. Der Grünschnitt ist bei allen Formobstbäumen noch durchzuführen und ist dabei das kleine Werk von A. Pekrun, welches I Mk. kostet und in jeder Buchhandlung käuflich ist, unentbehrlich. Der August ist die Hauptzeit, Stauden zu teilen und Stecklinge zu machen. Im August soll schon die nächstjährige Bepflanzung der Blumenbeete ins Auge gefaßt werden, damit wir Mutterpflanzen von Begonien, Pelargonien, Gnaphalien, Heliotrops und Fuchsien in genügender Menge heranziebcn. Das Verpflanzen von Lilien, Narzissen, Tazetten ist vorzunehmeu. Auf den Blumenbeeten, deren Blumen verblüht sind, pflanzen wir Tagetes, Begonien, Astern. Den Raupen des Kohlweißlings ist durch Zerdrücken der Eier auf der Unterseite der Blätter vorzubeugen. So lange die Raupen noch klein sind, kann man durch Spritzen mit einer Mischung aus 5 Gr. Schivefelkalium, 100 Gr. 476 Schmierseife und 10 Liter Wasser die Tiere töten. Wir pflanzen noch Aurikeln, Primeln und säen noch Stief- mütterchen und Vergißmeinnicht aus. Wir hacken den Boden unter den Stachelbeeren, damit die Puppen der Stachelbeerblattwespenlarven, die unsere Stachelbeersträucher faljl gefressen haben, zerstört und von den Hühnern gefressen werden. I. C. Schmidt, Erfurt. Gemeinnütziges. * Das „Bild der Gesundheit" bei unseren Babies. Es ist das Streben aller jungen Mütter ihre Sprösslinge im Säuglingsalter den lieben Angehörigen und Gevattern in rechet wohlgenährtem oder vielmehr, was sie dafür halten, fettem Zustande zu präsentieren. Ganz allgemein ist der Glaube verbreitet, daß das Körpergewicht eines Säuglings einen geraden und zuverlässigen Maßstab für seine Gesundheit abgebe. Bei den berüchtigten Babte-- Ausstellungen bekommt auch stets das fetteste Kind den Preis. Mit launigen Worten hat neulich ein Arzt irrt Journal der Amerikanischen Medizinischen Vereinigung die Sachlage gekennzeichnet: „Die Mütter sind besonders stolz auf ihre jungen, hoffnungsvollen Kleinen, wenn sie eine Masse von Wülsten und Fettpolstern, unterbrochen durch Grübchen und Falten, darstellen, die die eigentliche Anatomie des Körpers gänzlich zum Verschwinden bringen und die Kinder zu formlosen kleinen Massen von Menschlichkeit machen." Es entsteht nun für jeden nachdenkenden Menschen die Frage, ob wirklich für ein Kind dieselbe Körperbeschaffenheit ein Zeichen von Gesundheit sein sollte, die beim elv- Vachsenen Menschen zweifellos einen unerwünschten, wenn nicht geradezu krankhaften Zustand bedeutet. Die Fettleibigkeit gilt in den orientalischen Harems für das notwendigste Tribut weiblicher Schönheit. Doch bleibt uns Europäern dieser muselmanische Geschmack ganz unverständliche wie schon die vielen Entfettungskuren, der hohe Ruf von Marienbad usw. genügsam zeigen. Verständige Aerzte sind längst dahin gelangt, auch den jungen Müttern die Augen darüber zu öffnen, baß sie sich über einen übermäßigen Fettansatz an ihren Babies durchaus nicht zu freuen haben. Bei einer fieberhaften Erkrankung ist das Fett, das alle Organe des Kindes einschließt, stets ein ivesentliches Hindernis für eine schnelle Heilung. Außer- bent sind fette Kinder, wenn nicht Ansteckungen, so doch sicher Erkältungen und den gewöhnlichen Kinderkrankheiten stärker ausgesetzt als andere von mehr menschlicher Gestalt. Namentlich int Sommer zeigt sich die Wahrheit dieser Tatsache mit aller wünschenswerten Schärfe. Die fetten Kinder schwitzen in dieser Jahreszeit mehr, sie werden leichter wund, sie schlafen schlechter und sind bei irgend welcher ernsten Erkrankung Nervenzufällen mehr ausgesetzt. Es kann leider nicht bezweifelt werden, daß die Aerzte an den bei den Müttern eingewurzelten falschen Vorstellungen insofern eine Mitschuld tragen, als sie sie entweder gefördert oder wenigstens nicht bekätnpft haben. Das muß anders werden, und es ist eine Pflicht weitester Kreise;, ganz besonders aber jedes Hausarztes, unter seinen Pflegebefohlenen die Aufklärung zu verbreiten, daß ein Kind von geringerem Gewicht, aber festem Körperbau gesünder und widerstandsfähiger ist als ein kleiner Fettklumpen. VeNmrschtes, * Eine Künstlerehe. Wie der jüngst verstorbene englische Maler Whistler zu seiner Frau kam, erzählt La- bouchsre, der mit dem Maler eng befreundet war, in der „Truth": „Ich glaube, daß ich verantwortlich war für die Heirat meines Freundes mit der Witwe des Architekten Godwin. Sie ivar eine außerordentlich hübsche Frau und hatte. angenehme Manieren. Ich dinierte mit beiden einmal in Earls Court. Sie schienen sich sehr zugetan, aber keines hatte den Mut, dem anderen Teile seine Zuneigung zu gestehen. Da faßte ich mir eines Tages ein Herz. „Jemmh" frug ich meinen Freund, willst Du Mrs. Godwin heiraten?" „Gewiß!" antwortete er. „Mrs. Godwin", fragte ich diese, „wollen Sie Jemmh heiraten?" „Sehr gern", war ihre Antwort. So wandte ich mich wieder an Whistler. „Wann willst Du heiraten?" fragte ich. „O, eines Tages." „Das will nichts besagen; ich muß den Tag wissen!" Whistler und Mrs. Godwin überließen es mir, den Tag festzusetzen, die Kirche auszuwählen und als Trauzeuge zu fungieren. Ich tat, wie mir geheißen. Nach der Trauung begaben wir uns in das Atelier meines Freundes. Er hatte dort den Tisch decken lassen. Stühle besaß er indessen nicht, und wir mußten auf alten Kisten Platz nehmen. Die Neuvermählten schienen sehr glücklich- waren aber, (als ich sie verließ, noch nicht darüber einig- ob sie an demselben Wend nazch Paris fahren oder im Atelier bleiben sollten. Wie unpraktisch beide waren, ersah ich an einer Begegnung mit der Braut am Tage vor der Hochzeit. „Vergessen Sie nicht den morgigen Tag", sagte ich zu Mrs. Godwin. „O nein", war die Erwiderung, „ich bin gerade im Begriffe, mein Trousseau zusammenzustellen".. „Ist das heute nicht etwas zu fpät?" warf ich ein. „O nein", sagte Mrs. Godwin lächelnd, „ich kaufe ja nur eine Zahnbürste und einen Schwamm, beides Dinge, die man sich doch vor dem Heiraten neu kauft". Die Gatten liebten sich innig, und als Mrs. Whistler starb, erlitt mein Freund einen herben Verlust, von dem er sich in der Tat niemals erholte. * Eine Tolstoi-Anedote. Durch die russischen Blätter inacht jetzt eine noch unbekannte Tolstoi-Anekdote die Runde. Tolstoi empfängt bekanntlich, sehr oft Besuch und opfert der Unterhaltung mit allen möglichen Leuten, die zu ihm kommen, einen großen Teil seiner kostbaren Zeit. Als vor einer Reihe von Jahren ein Lustspiel „Die Früchte der Aufklärung" seine Uraufführung erlebt hatte, kam ein reicher Moskauer Kaufmann zmn Grafen. Dieser Mann spielte gern den Mäcen, seine Mittel erlaubten ihm das. Auch hielt er sich für einen Schriftsteller, obwohl seine literarische Tätigkeit nur daritt bestand, daß er kurze Zeit für ein Moskauer Boulevardblatt Kunst- und Ball- krittken schrieb. In Moskau wurde er allgemein für den Helden des in Rußland viel aufgeführten Dramas aus dem modernen Leben der alten Siebenhügelstadt „Ein Gentleman" g ehalten, dessen Verfasser der Hof schauspieler Jushin (Fürst Ssumbatow) ist. Tolstoi empfing feinen Gast mit gewohnter Liebenswürdigkeit und hörte gelassen das Urteil des Schriftstellers an. Der Besucher sprach eingehend und lange über das Stück. Er fühlte sich als berufener Kritiker, gestikulierte eifrig und sprach wohl eine Stunde lang. Der Graf hörte das lobende Urteil seines Gastes schweigend an. Endlich machte jener eine Pause in seinem Redeschwall, dtg Tolstoi sofort benutzte, um ihn sehr höflich, zu fragen: „Entschuldigen Sie, bitte, aber- vielleicht nehme ich Ihnen bte Zeit weg? Sie sagten ja selbst, Sie seien Schriftsteller. Folglich, gehört Ihre Zeit nicht Ihnen allein, sondern auch Ihren Lesern." — „Ach nein, Lew Nikolajewitsch, tch bm ganz frei. Ich schreibe nur dann, wenn ich will. Ich bin gar nicht gebunden, denn ich arbeite nicht um des Geldes willen." — „Ja, gewiß", erwiderte Tolstoi, „aber m; beneide Sie doch" — „Warum können Sie es nicht ebenso machen, wie ich?" fragte der Kaufmann. —„Jetzt eben kann ich es nicht. Sehen Sie, wenn Sie z. B. meine Unterhaltung langweilen sollte, so würden Sie Ihre Mütze nehmen und nach Hause gehen. Aber ich kann nirgendhin gehen." — „Warum denn nicht?" fragte erstaunt der Kritiker uni> Mäcen. — ,/Einfach deshalb, weil ich zu Haufe bin. Ich kann doch nicht gut mein Haus verlassen." — Run erst verstand der redselige Gast den Wink des Grafen und beeilte! sich zu verabschieden. Wortspiel, a. b. 1. Himmelskörper Blumen 2. Getränk altgcrmanischer Volksstamm 3. Metall Verkehrsmittel 4. Erdschicht • altes Heldengedicht 5. Vogel alte Waffe 6. schmackhafter Fisch symbolischer Schmuck 7. Nahrungsmittel Musikinstrument. Von den Wörtern unter a sind durch Voransetzung eines passenden Buchstabens die Wörter unter b zu bilden (z. B. a Angel — b Wiangel). Sind die richtigen Wörter gefunden, so bezeichnen die Anfangsbuchs.aven der Wörter unter b eine bekannte Blume. «Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Logogriphs in vor. Nr.: Wolga — Olga. Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Bei lag der Brnhl'scken tlnirersitäts-Buck- und Ctcindrnckerci. R. Lange, Gießen.