Nr. 85. Freitag den 12. Juni. ■inn «‘jKS ■Äsa KWWMD M SSSMW Meine Maifeier 1903. Von Janus. (Nachdruck verboten.) Ich bin von jeher ein außergewöhnlich regelmäßiger Mensch gewesen. Bereits in der Schule hatte ich regelmäßig einen ganz bestimmten Platz, den ich aus Bescheidenheit ziffernniäßig nicht benennen will, wurde regelmäßig auf- aerufen, wenn ich nichts wußte, und ebenso regelmäßig beim Abfragen übergangen, wenn ich ausnahmsweise präpariert war. Infolgedessen blieb ich denn auch regelmäßig sitzen und regelmäßig sagte mein guter Vater ganz genau dasselbe dazu. Tas ist nun allerdings schon recht lange her, allem mein mir angeborener und anerzogener Sinn für Regelmäßigkeit ist mir auch bis heute treu geblieben und läßt sich überall in meinem Dun und Lassen Nachweisen. So feiere ich seit Jahr und Dag trotz aller gegenteiligen gelehrten Feststellungen Frühjahrsanfang regelmäßig am 1. Mai. Tas hat den großen Vorzug, daß man die Feier nicht so leicht vergißt, als wenn das Datum wechselt, und außerdem ist es seither auch immer so gewesen, daß es tatsächlich Frühling war, wenn man feierte. Auch diesmal bin ich meiner Gewohnheit nicht untreu geworden nnb habe , pünktlich am 1. Mai gefeiert. Regelmäßig beginnt bei mir die Feier damit, daß ich mein körperliches Ich einer Verjüngerungsprozedur unterziehe dergestalt, daß ich mir die Haare schneiden lasse und mir einen neuen Strohhut kaufe. Tas ist mir seither immer gut bekommen und genügt, um mich in festliche-Stimmung zu versetzen, das weitere findet sich dann voll selbst. So geschah's auch dieses Jahr, nur wich der Verlauf diesmal wesentlich von dem früherer Feiern ab. Früher hatte der Herr Rasrerrat eigentlich nie etwas anderes gesagt als „Kurz Herr Doktor?" und hatte mich dann ohne weiteres meiner awcken Pracht entledigt, sodaß es selbst meinem früherem Mathematrklehrer, der darin zuzugreifen verstand, schwer gefallen wäre, die Hauptpunkte seiner Beweisführung durch angeblich leichtes Zupfen an meinem Schopfveutel markieren. Diesmal war's anders. Der Herr Rasierrat yielt es für angebracht, eine längere Einleitung zu machen; er sprach von „hinten halb kurz" und „vornen lang", er sprach von, Erkältung, Husten und Schnupfen, von lauter Dangen, dre gar nicht mit auf das Programm der Feier gehörten. Ich habe mm zwar einen heillosen Respekt vor allen Erkältungskrankheiten, allein mein Sinn für Regelmäßigkeit siegte, und fünf Minuten darauf verließ ich festlich kahl geschoren den Laden und — fror. Tas war auffallend, es war mir noch bei keiner meiner Feiern passiert, allein es hielt mich natürlich nicht ab, zum zweiten Punkt meiner Frühjahrsfeier überzngehen und mir den obligaten Strohhut zu kaufen. Auch das war seither stets ohne nennenswerte Störung verlaufen, allein diesmal betrat ich schon nicht mit dem gewöhnlichen gehobenen Gefühl den Laden, ich fror nämlich wirklich. Tas wirkte störend. Ich fand keinen richtigen Strohhut, obwohl merkwürdigerweise noch viel mehr Stroh- hüte auf Lager waren als früher. Endlich hatte ich denn einen gefunden,, der meines Erachtens dem Nachteil mit allen übrigen nicht teilte, daß er mein Gesicht so blau erscheinen ließ. „Tas kommt von der Kälte", sagte der bedienende Jüngling und lächelte. Mir war es gar nicht zum Lachen, denn ich glaube, er hatte recht. Allein das durfte mich selbstverständlich nicht vom regelrechten Begehen meiner Frühfahrsfeier abhalten, und so stülpte ich mir denn den frischerstandenen Strohhut auf das kahl- geschorene Haupt und bat, meinen schönen, warmen Filzhut gelegentlich in meiner Wohnung abgeben lassen zu wollen. So hatte ich das regelmäßig alle Jahre gemacht und war noch nie auf Widerstand gestoßen. Diesmal aber ging's auch hierin wider das Programm, der Jüngling fuhr sich durch die Locken, sah zum Himmel und dann wieder mtf den neuerworbenen Strohhut und sagte: „Ich glaube, Herr Doktor, es regnet bald, es wäre doch schade für den neuen Strohhut." Tarin hatte der Jüngling entschieden unrecht, denn die Sonne schien ja jetzt and Wolken waren ja allerdings da, aber wo blieben vorübergehende Wolken einmal ans? Zudem war das Begehren des Jünglings, zum eigentlichen Frühjahranfangsfest ohne den Schmuck eines neuerstandenen Strohhntes zu erscheinen, einfach mit meiner Prinzipientreue nicht zu vereinbaren und es blieb deshalb auch bei meinem Begehren, und ich war auch vollauf im Recht damit, deim als ich den Laden verließ, lachte hell die schönste Maiensonne vom Himmel. So war ich's seit Jahren gewöhnt, und ich wäre sicher in die beste Feststimmung geraten, wenn — mich's nicht so gefroren hätte. Ich hatte es stets so gehalten, daß ich nach dem Einkauf des Strohhutes mein neues Aussehen in den Scheiben einer naheliegenden Schühwarenhandlung einer kurzen Besichtigung unterworfen hatte, und ich war mit dem Resultat eigentlich immer mehr oder minder zufrieden gewesen. So wanderte ich also zum Schuhwarenladen und betrachtete! anscheinend angelegentlich die Auslagen. So ein Strohhut kann etwas impertinent „Neugekauftes" an sich haben. Tas war mir noch nie so aufgefallen wie heute, und das mußte, auch den vorübergehenden Leuten auffallen, denn ich meine, die hätten mich alle so — so — sagen wir eigentümlich —: angesehen. Dazu gab eigentlich mein Bild im Spiegel keinen Anlaß. Ich kam mir ja allerdings etwas blau im Gesicht vor und der Rasierrat war sehr gründlich zu Werke gegangen. Anch der Strohhut war noch so neu und — es zog auch so ... . Ich hätte am liebsten den Kragen gestellt/ allein das paßte doch gar nicht zu dem gewünschten Gesamtbild und so fror ich lieber weiter. Auch die Sonne schien nicht mehr und so beschloß ich denn, diesmal etwas früher als sonst und unter Aufgabe des Bummels auf dem Seltersweg den Frühschoppen unds 338 int Anschluß daran das um einen Gang gegen gewöhnlich verstärkte Festmahl aufznsnchen. Es war zudem höchste Zeit, beim es fing leise, leise an zu regnen, und es kostete einen gelinden Tauerlauf, um deu frischerworbcnen Strohhut in Sicherheit zu bringen. Tas war noch niemals nötig gewesen und brachte mich fast um alle Feststimmuug. Allein vor allem hieß es, Gleichmut bewahren, und so setzte ich mir den neuen Strohhut so, wie's Mode ist, etwas vorn iu die Stirn und betrat siegesgewiß die Gaststube. Eiu brüllendes Halloh empfing mich. Es hatte draußen unterdessen angefangen zu schütten, was vom Himmel herunter wollte, und der dicke Müller, der mir etluaS an- zuhüugen hatte, rief: „Hurra, da haben wir ja den mit seinem Strohhut, der das Wetter verdirbt!" Ehe ich mich von meiner Entrüstung einigermaßen erholt hatte und ehe ich Gelegenheit fand, auseinanderzusetzen, aus welchem Anlaß ich einen Strohhut trage, war bereits eiu Biergericht zusammeugetreten und ich war zu einer Ruude „Echtes" verurteilt, weil ich, wie es in der Urteilsbegründung hieß, „durch unmotiviertes Tragen eines Strohhutes und Skalpierung des Schädels das Wetter verdorben habe". Unmotiviertes? Wie das? Wie, am Tage meiner Frühjahrsanfangsfeier? Das tvar mir noch nie passiert, und zudem fing die Sache an, teuer zu werden. Tas mußte aber ertragen werden. Bisher gehörten der Frühschoppen und das Mittagsmahl stets zn Haupt- uummern meines Festprogrammes, und das sollte und mußte so bleiben. Also machte ich gute Miene zum bösen Spiel, und bald war's wie früher gemütlich. Allerdings konnte ich nicht umhin festzustellen, daß zur Gemütlichkeit wesentlich der Umstand beitrug, daß das Gastzimmer so wunderschön geheizt war. Diese Erkenntnis stimmte mich vorübergehend traurig, beim sie stand gar nicht im Programm; aber auch darüber setzte ich mich mit Hülfe eines größeren Frühschoppens hinweg, zumal ich jetzt gar nicht mehr fror, was ja an sich auch nicht ins Programm gehörte. Tas Mittagsmahl war eingenommen, eine gute, extragute Zigarre znm Kaffee war geraucht, und nun konnte es zum Nachmittagsteil des Festprogramms gehen. Es ist eigentümlich und auch ein Zeichen für meine außerordentliche Veranlagung zur Regelmäßigkeit, daß jedesmal im Frühling bei mir die Liebe angeflogen kommt. Merkwürdig ist auch, daß ich jedesmal glaube, versichere und verschwöre, daß ich nunmehr die „Einzige" gefunden habe. Allerdings bin ich mit dem „Verschwören" jetzt etwas vorsichtiger geworden, denn — regelmäßig habe ich mich getäuscht. „Im wunderschönen Monat Mai, als" re.! Damit tröste ich mich immer und habe auch das mit in das Festprogramm aufgenommen. Es wird so zur Ansführuug gebracht, daß mittags ein Ausflug, am besten auf den Schiffenberg, arrangiert wird. Regelmäßig war dann am Weiher unterhalb der Burg die erste Explosion, die eigentliche Liebeserklärung erfolgt, beim Kaffee bei Lynker ist dann Gelegenheit, sich in der Stärke der Bewältigung seiner Gefühle in Gegenwart der Mama zu üben und dann der Heimweg durch den schweigenden Wald! Und wie erst, wenn heimgekehrt in aas Getriebe der Stadt dis Lippen sich finden in den verschwiegenen Gängen der Anlagen zum letzten und allerletzten Abschiedskuß! Es ist regelmäßig sehr schön und sehr poetisch gewesen. Diesmal, meine ich, müßte ich die einzig Richtige gefunden haben und es wird wohl das letztemal sein, daß ich mein Frühjahranfangfest als Junggeselle feiere. Das habe ich zwar seither noch jedesmal geglaubt und schließlich war es regelmäßig offenbar doch nicht die Richtige gewesen,, diesmal aber ist es mir bitter ernst damit. Sie heißt Mariechen und ist wirklich hübsch, ja schön, ehr schön sogar. Ihre Mutter geht mit und eine Freundin, >ie Gretchen, damit für die Mutter jemand da ist. Papa i iarf's vorderhand noch nicht wissen und das hat ja schließlich auch sein angenehmes. Ganz wie in früheren Jahren war Rendezvous auf dem Ludwigsplatz und es sollte also wirklich auf den Schiffenberg gehen. Wie ich mich freute, auf deu Weiher, deu Kaffee mit seiner Gelegenheit zu ver- stohleueu Händedrücken, den Heimweg durch den schweigenden Walv und Küß in den Anlagen. Auch Mariechen freute sich auf den Nachmittag. Tas hatte sie mir neulich gesagt, allerdings kannte sie ja das Programm nicht, sonst hätte sie sich wohl noch mehr gefreut. Tie Sonne schien so hell, id> fror nicht mehr und mir war so leicht zu Mut und doch wieder so schwer, als ob heute wirklich ein Wendepunkt in meinem Leben ein treten sollte. Wir trafen nns bereits in der Schulstraße. Mariechen trug ihr blaues Kleid und sah entzückend ans. Tas sagten ihr auch meine Augen und auch sie sah mich an, sah mich, wieder au und sagte: „Ach Gott, Sie haben ja heute, einen neuen Strohhut auf!" Tas stand nicht im Programm und ich war sehr enttäuscht, zumal Mama die Idee mit dem Strohhut sofort aufschnappte und mir des längeren auseinandersetzte, Mariechen habe doch das blaue Kleid an und das vertrage doch keinen Regen und ich habe doch einen neuen Strohhut auf, da sei es doch vielleicht besser, wir gingen nicht nach dem Schiffenberg, sondern mehr nach Annerod zu, man könne auf diesem Weg doch leichter unterstehen. Tas durfte nicht geschehen, das bedeutete ja eine völlige llmiuerfung meines altbewährten Programms. Und so stritt ich denn mit heißem Bemühen und in glühenden Farben für die Vorzüge meines Schisfenbergs, allein umsonst. Erst langsam, bann immer fester setzte er ein, der viel besprochene Regen und kreischenb und aufschreiend flüchte ten wir in eine schützende Torhalle und da standen wir, standen und sahen zu, !vie es regnete und wieder aufhören zu wollen schien und wieder regnete. Dazu zog es barbarisch und im Nacken spürte ich, daß der Rasierrat hinten „ganz kurz" seines Amtes gewaltet hatte. Mama wurde sehr verstimmt, und als es endlich anfhörte zu regnen, da war ich froh, als es mir endlich mit Aufbietung aller mir zu Gebote stehenden Liebenswürdigkeit gelang, Mama wenigstens einen Spaziergang in den PHUosvpheuwato abzupressen. So gingen wir denn los, Mariechen und ich voran, in entsprechender Entfernung Mama und Gretchen. Zum Philosophenwald sind viele Wege und es wird Wohl schon manchem jungen Pärchen außer uns passiert fein, daß es — natürlich unabsichtlich — die Fühlung mit der übrigen Gesellschaft verloren hat. -hmU- manufaktur DreSden-R. — «.-ichhaltigeL Mode,talbunt und s.-gmtkntu.ler, buch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich. Von allen Nationen gilt die englische aw, diejenige, die am meisten reist und das Reisen gewistermaßeu als «.Port betreibt. Wem wäre wohl nicht aus Lustspielen der karri- kierte reisende Engländer bekannt, der mit üäbefer und Plaid ausgerüstet den Typus des von der Reisemanie Befallenen verkörpert? So koniisch nun derartige Figuren auch wirken, eines läßt sich der eitglischen Nation nicht abstreiten, der Sinn für's Praktische, der sich unter tausenderlei anderen Dingen recht deutlich an ihrer Reise- kleiduna zeigt. Man denke hierbei nur an die unverwüst. licken englischen Stoffe und den uns überlieferten tcnwr- made-Sftl, der die Damen trotz aller Einfachheit immer ladt; like erscheinen läßt. Und gerade für bie 9tei|e sollte eine Dame besonderes Gewicht ans korrekte, zweckent- sprechende Kleidung legen, die sie, losgelöst von Heim und gesellschaftlicher Stellung, schon durch die bloße Erscheinung als den gebildeten Ständen augehorig dokumeuhert. Es bewahrheitet sich das Sprichwort: „Kleider machen Leute" doch wohl nirgends mehr als auf der Reise, wo jeder geneigt ist, den lieben Nächsten nach seinem Aeuß er en zu taxieren. Wer darum aus Sparsamkeitsrucksichteu halbverbrauchte Kleider durch die Strapazen einer längeren Reise völlig aufzubrauchen gedenkt, dürfte wenig ftreude an dieser ökonomischen Anwandlung erleben, da diese, abgesehen davon, daß sie die Trägerin manchmal tu peinliche Situationen bringt, stets auf Kosten des guten Geschmackes 9 Vom praktischen Standpunkt aus darf ein aus fuß- freiem Rock, leichter Bluse und kurzem Sachacket Mit oder ohne Schulterpelerine bestehendes Kostüm als der empfehlenswerteste Anzug für kürzere oder längere Reisen gelten. Will man ihn besonders elegant gestalten, so kann für jüngere Damen die Jacke durch em kurzes Falteii- äckchen, die Flanell- oder Waschstoffbluse durch eine Bluse aus getupftem Foulard oder weicher Liberty-Seide ersetzt werden, zu der man für Rock und Jäckchen statt des kras- 340 tigen Panamagewebes oder starren Cheviots Etaminc wählt. Dieses in den verschiedensten Farbtönen erhältliche Gewebe eignet sich ebenfalls sehr gut für Promenadenzwecke, sodaß ein derartiges Reisekleid mit offener, innen besetzter Sack- iacke auch für die Straße als „fair" gelten darf. Junge Mädchen entledigen sich selbst für die Reise des klerd- samen Blusenboleros nicht gern, das statt der Bluse zuweilen nur eine Weste ergänzt. Fiir den Rock des Reiseanzuges gilt die fußfreie runde Fayon als völlig modegerecht und zweckentsprechend; der Vorliebe für Faltenröcke folgend, ordnet man denselben vielfach in breite, nach innen oder außen gelegte Quetschfalten, die entweder bis in Kniehöhe abgesteppt werden oder von oben ungezwungen herabfallen. Daß zu einem derartigen Anzug gutes Schuhwerk, tadellose Handschuhe und ein flotter Bolero- oder Matrosenhut mit einfacher Garnierung unerläßlich sind, braucht wohl nicht erst betont zu werden. t. ,.. .. Aeußerst zweckmäßig und dabei für die Reise tote für tue Straße gleich elegant sind die langen losen Mantel, die je nach Materral als Regen- oder Staubinäntel getragen werden können. In ihrer alles verhüllenden Eigenschaft decken sie liebevoll alle etwaigen Mängel des Anzuges oder der Figur und tragen doch dabei, wie Modell Nr. 846 erkennen läßt, den Anforderungen der Mode vollkommen Rechnung. Der im Riicken durch sich kreuzende Patten mäßig lose fallende Mantel ist mit einer vierfachen, aus Menden gebildeten Pelerine ausgestattet und wird außerdem durch aufgesteppte Stoffstreifen mit Vorstoß bereichert. Gin eleganter großer Hut wirkt zu diesem Ueberkleid besonders hübsch. Ist das Reiseziel eine ländliche Sommerfrische, ein elegantes See- oder sonstiges Modebad, so machen sich je nach den Ansprüchen des Ortes neue Anschaffungen notwendig, Praktisch und elegant ist auch hier die Devise, und das Bemühen wird ein um so heißeres werden, wenn es sich um einen jener internationalen Kurorte handelt, an denen die deutsche Frau gegenüber den Frauen anderer Nationalitäten sich völlig des Vorivurfes bewußt wird, daß sie in der KNnst, sich zu kleiden, hinter jenen zurücksteht. Und doch, welch' reiches Material bietet ihr die Mode! Welche Fülle schon allein in den sommerlich duftigen Gewändern! Da sehen wir aus Voile, Organdy, getupftem Mull, Foulard und wie all' jene weich fließenden Stoffe heißen mögen, die zur hochmodernen Sommertoilette unerläßlich sind, in Verbindung mit farbigen Unterkleidern, Einsätzen und Spitzengarnituren wahre Keine Kunstwerke von entzückender Wirkung ausgebaut! Als typische Form des heurigen Sommerkleides kann Modell Nr. 278 gelten, das in hem leicht eingereihten 5 Bahnen-Rock und der breiten Spitzenpelerine mit stolaähnlichem Mschluß die markantesten Züge der jetzigen Mode zum Ausdruck bringt. Modell Nr. 846. Modell Nr. 1270. Modell Nr. 278. Nedaktton: August Götz. — Notgtivnsdruck und Verlag der Brühl'fchm Universitäts-Buch- und Stemdruckere, (Pietsch Erben) .n Gieß Aber auch die Bluse läßt , sich durch die Forderungen der Eleganz ihre Rechte nicht schmälern, läßt sie doch gerade durch den Gebrauch rnehrerer Blusen ein Wechsel der Toiletten schaffen, wie er in so einfacher Weise nicht gleich wieder zu erreichen ist. ?lls Bluse für Reunions oder sonstige festliche Gelegenheiten ist Modell Nr. 1270 gedacht. Reiche Spitzeninkrustationen, die den viereckigen Ausschnitt umgeben und streisenartig zwischen der Fältchen- aarnitur sichtbar werden, vereinen sich mit den breiten Bolai! t der Stüfchenärmel zu reizvoller Wirkung, die auch bei der am Halse geschlossenen Form die gleiche bleibt. Für mit praktische Zwecke, wie Kostüme für den Landaufenthalt, Brunnenkostüme rc. gelten die derben Lemen- stoffe in den verschiedensten Farben als haute nouveauts. In diesem Gewebe gefällt sich die Mode ganz besonders im Extr°men: Je gröber und packlcinwandartiger der Stoff ist, für desto eleganter gilt er. Welche Kunstfertigkeit gehört aber dazu, aus solchem ungefügen Material eine bei aller Einfachheit elegant wirkende Toilette zu schaffen! In dieser Beziehung sind all die anderen , Waschstoffe, darunter solche mit Seideneffekten, wie die, mercerisierten Baumwollgewebe und die glänzenden Satins, ferner die ein'armgen Batiste, welche man so gern durch buntgestickte Borten bereichert, bedeutend dankbarer, da sie erstens weniger große Ansprüche an den Geldbeutel stellen und bei Verwendung guter Schnitte auch von weniger des Schneiderns kundigen Damen mit Erfolg verarbeitet werden können. Mchk genug kann dabei jedoch betont werden, daß zur Erreichung der wohltuenden Harmonie, welche nun einmal der Grundzug aller, Eleganz ist, bei vollster Berücksichtigung der Persönlichkeit stets zuerst der Zweck ins Auge zu fassen ist, dem sich dann Form, Stoff und Farbe untevzuordnen haben. Darin liegt das Geheimnis des Erfolges, den wohl jede Evastochter mehr oder minder zu erringen bestrebt ist.___. Wie fertige ich ein elegantes Re form kl erd an? Diese sür die mit der Reformbewegung Schritt haltende Damenwelt brennend gewordene Frage beani- wortet die soeben erschienene Broschüre: „Die Reform- Schneiderei", ein Leitfaden für praktische .Herstellung, gut passender Reformkostüme, auf das Eingehendste und Sachgemäßeste, sodaß jede Dame durch Benutzung derselben in den Stand gesetzt ist, sich mit wenig Muhe nach dm beigegebenen Normalschnitten em gut!itzendesReformlleM selbst lamzufertigen. Mit zahlreichen geschmackvollen Vorlagen fiir Kostüme und Unterkleidung ausgestattefi bret das Merkchen jedem Geschmack, Zweck und Wer entsprechen des und wird dadurch für jede Dame zum p^Msche« .Ratgeber und eine Quelle der Anregung, und mit 3 Normalschnitten versehen, ist die Broschüre von dem Verlag der Europäiischen Modenzeitung, MesdrN^ zum Preise von 2.50 Mk., ohne Schnitte, zum Preise oon 1 Mk. zu beziehen. ___