Wit Ihnen gesprochen zu haben; Sie mögen überzeugt seich daß ich es nicht vergessen hätte, wenn es der Fall gewesen wäre." „Ich wohne in der Nachbarschaft Strvans", sagte MU Lansdowne. Clifford fuhr heftig zusammen und sein Gesicht bewölkte sich „Ich habe Sie oft dort gesehen", fuhr das Mädchen! fort, „und ich kenne mehr als einen! Ihrer dortigen Freunde sehr genau." „Ich habe jetzt keine Freunde bort", sagte Clifford mit einem plötzlichen Uebergang zu Ernst, und Bitterkeit in Do«! und Wesen. „Nun, Sie hatten aber dort einmal Freunde, wie ich glaube. Miß Bostal und ihr Water, der Oberst, würden sich wohl verletzt fühlen, zu hören, daß Sie sie nicht mehr? zu Ihren Freunden zählen." „Die Bostals — o ja", antwortete Clifford aleichgiltig. „Ich! kenne sie; doch, würde Miß Theodora mich schwerlich zu ihren Freunden rechnen. Jch> verlor meinen Platz in chrer Schätzung, wenn ich darin überhaupt je einen gehabt, als sie mich eines Sonntags im Anzug eines Touristen von Eourtstairs nach Stroan spazieren gehen sah." Miß Lansdowne lächelte. „Sie ist ein seltsames kleines Geschöpf", sagte sie- „Sie hat aber ein sehr gutes Herz, Wenn man sie das Berschwinden eines jungen Mädchens beklagen hört, das sie sehr gern hatte und gegen das sie sehr gütig war" — und Miß Lansdowne blickte, während sie sprach unverwandt von Clifford weg —, so kann man nicht an der Tiefe ihrer Gefühle zweifeln." Clifford schwieg einige Augenblicke. Dann ioarf er einen Blick auf das Gesicht des Mädchens, sah, daß es Vertrauen verlangte, und erriet, daß ihre letzten Worte sorgfältig erwogen waren. „Sie meinen, daß Miß Claris verschwunden ist?" „Ja. Sie haben, wie ich vermute, davon schon gehört?"- fragte sie mit scheinbarer Gleichgiltigkeit. „Natürlich," „Und daß niemand etwas weiteres weiß, als daß ft? und ihr Onkel den Ort verlassen haben?" Clifford antwortete, indem er dabei kaum seine Gemütsbewegung zu verbergen suchte: „Ich ging selbst an den Ort hinunter, fand das Haus verschlossen und leer- und niemand konnte mir etwas weiter sagen, als daß George Claris irrsinnig geworden wäre, sich in einer Irrenanstalt befände und seine Nichte den Ort gleichzeitig verlassen hätte. Wenn Sie mir etwas mehr sagen könnten^ würde ich Ihnen sehr dankbar sein." „Ich weiß nicht mehr als Sie. Man kann nur vermuten oder nur die Vermutungen anderer wiederholen."- „Nun, lassen Sie mich diese Vermutungen hören." „Man sagt — die Leute glauben, daß das MädcheU ebenfalls eingesperrt sei." Rr. 69, 1903 H.'Noll. Gl'g-s'sep! MorttÄg den 11. Mai. (Nachdruck verboten.) Das Gasthaus am Strande. Roman in zwei Bänden von Florence Warden. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen. (Fortsetzung.) 19. Kapitel. Die Polizei kommt, Nell zu holen. Es war ungefähr ein Monat nach dem Schiffbruche, der so ungewöhnliche Folgen für den „Blauen Löwen" und seine Bewohner gehabt hatte, daß Clifford King, sehr wider Willen, sich zum erstenmale in diesem Jahre auf einem Balle befand. Das Tanzen war ihm verhaßt, er nahm, wenn er irgend konnte, nie eine Einladung zu einem Balle an, und wenn er sich auch! dazu gezwungen sah, so leistete er ihr doch keine Folge. Allein diese Festlichkeit war eine ganz außergewöhnliche, da sie zu Ehren der jüngsten Schwester Otto Conybeares staitfand, die dabei zum erstenmale in die Gesellschaft eingeführt wurde, daher die nach ihm ausgeworfenen Netze ihrem Zwecke entsprochen hatten. Als er jedoch einmal da war, fand er den sich ihm barbietenden Anblick so schön, daß er es nicht für ein Märtyrertum halten konnte, gekommen zu sein. Die Bäume waren , groß und herrlich'mit Farnkraut und Maiglöckchen geschmückt, „ganz wie am Ostersonntag eine Kirche", wie Otto Conybeare sagte. Clifsords Aufmerksamkeit wurde früh am Abend von dem Anblick eines Mädchens auf sich! gezogen, dessen Gesicht ihm bekannt war und das ihn wieder und wieder ansah, als ob sie erwartete, von ihm erkannt zu werden, obschon er sich ihres Namens nicht erinnern konnte. In der Tat, je öfter er ihren Augen begegnete, desto sichrerer fühlte er sich, ihn gar nicht zu kennen. Es währte nicht lange, so sah er sie mit Otto sprechen und einen Seitenblick nach ihm hin werfen. „Nun", dachte er, „werde ich auf den Grund des Geheimnisses! kommen." Tenn er hatte bisher keine Gelegenheit gefunden, seines Freundes oder irgend eines anderen habhaft zu werden, der ihm sagen konnte, !ver sie wäre. Otto kam geradeswegs auf ihn zu. „Ich wünsche, Dich Miß Lansdowne vorzustellen", sagte er. Lansdowne! Der Name war ihm ganz unbekannt. Doch sobald er vvrgestellt worden war, löste sich das Rätsel. „Ich wünsche so sehr. Sie kennen zu lernen, Mr. King", sagte das Mädchen, das angenehm, ungezwungen und liebenswürdig war. „Ich kann sehen, daß Sie mich nicht kennen, und doch kenne ich Sie sehr gut." „Tas, ist nicht ganz richtig", sagte Clifford. „Ich erinnere mich Ihres Gesichts vollkommen; es ist nur Ihr Name, der mir unbekannt ist. Ich bin gewiß, nie zuvor — 274 „In einer Anstalt?" fragte Clifford, kaum fettig, seine Stimme zu beherrschen. „Ja." „Ich kann es nicht glauben", sagte er heiser. „Run, ist das nicht besser, als — als irgend etwas Anderes anzunehimen?" Clifford konnte nicht sprechen. „Wissen Sie, was sich an dem Morgen ereignete, an oem George Claris wahnsinnig gefunden wurde?" fragte Miß Lansdowne jetzt. „Tie Frau in der nächsten Hütte erzählte mir die Geschichte", antwortete er. „Sagte sie Ihnen auch", fuhr Miß Lansdowne zögernd fort, „daß Miß Claris in Ohnmacht fiel, als man ihr sagte, was ihren Onkel betroffen hätte? Und daß man unter ihrem Kopfkissen einen Beutel fand, der das am Abend vorher für die schiffbrüchigen Matrosen gesammelte Geld enthielt. Cliffords Gesicht verwandelte sich, „Nein", sagte er rasch in dein Tone eines Mannes, der seiner! Entschluß über einen wichtigen Punkt gefaßt hat, „das hat man mir nicht gesagt." „Gleichwohl ist's wahr. Wer könnte hiernach an der Schuld des Mädchens noch zweifeln?" „Ich" sagte Clifford ruhig. „Und noch eine andere Person--Miß Bostal. Sie sind beide gleich hartnäckig und unbesonnen." „Miß Bostal nimmt ihr Partie? Ich hätte das nicht in der vertrockneten kleinen Person zu finden geglaubt", rief Clifford erstaunt. „Ich wrll zu ihr hin, sie besuchen." „Tas ist gerade, wonach sie verlangt", erwiderte Miß Lansdowne rasch, „Sie hat es mir so oft gesagt, daß, als ich jetzt Gelegenheit fand, Sie zu sprechen, ich sie ergreifen zu sotten glaubte." Clifford blickte dankbar zu ihr herab. „Es ist sehr gütig von Ihnen, vielleicht gütiger Noch M Sie glauben." Er war so tief bewegt, daß er sich nicht getraute, mehr Si sagen. Doch Miß Lansdowne, die eine teilnehmende eele war, verstand ihn, und lächelte. „Vielleicht kann ich mehr erraten, als Sie sich! Vörstetten", sagte sie freundlich „J!ch muß bekennen, daß ich etwas über Sie und die kleine Nell Claris gehört und daran viel Anteil genommen habe. Sie wissen, daß sie da unten viel in jedermanns Munde war, weil sie schön und wirklich so viel schöner als irgend eine von uns war." „Ich hätte gedacht, es wäre unter der Würde der Graf- schäftsdamen", sagte Clifford mit einem verächtlichen Rümpfen der Lippen unter dem Schnurrbarte, „das Dasein einer Schönheit anzuerkennen, die Mr die Nichte eines Gastwirts ist." „Nun, es war auch ein wenig danach!. Man sprach! von ihr, wissen Sie, wie vdn einer Wunderlichkeit der Natur, besonders geschah es von feiten der alten Damen. Sie nahmen immer die Mienen an, zu glauben, daß sie gar nicht wirklich lebendig, sondern nur eine Wachsfigur wäre, um angegafft uit'b ins Gesicht hinein bewundert zu werden. Einige von uns — ich gehörte dazu — aber glaubten, es wäre eine große Schande, daß ein fo liebliches und feines Mädchen an solchem Platze verkümmern sollte, und wir freuten uns sehr, als sie eine Aussicht zu haben schien, dahin zu gelangen, wo man sie für das halten würde, toaS sie zu fein verdiente." Clifford schenkte ihr einen neuen, dankbaren Blick. Miß Lansdowne fuhr fort: „Und ds war eben dieses Interesse, das wir an ihr nahmen, und die Sorge, die wir empfanden, als dieses schreckliche Unglück über sie hereinbrach, was mich fo seht wünschen ließ, Sie kennen zu lernen; Mr. King, und Sie genau wissen zu lassen, was man darüber dächte." „Sie sind sehr gütig. Ich kann es Ihnen nicht genug banken", sagte Clifford. Er konnte kaum sprechen, und als er diese Worte gestammelt hatte, entstand eine kurze Stille. Dann sagte er mit seiner gewöhnlichen Stimmer „Welchen Danz, sagten Sie, könnte ich haben?" Und 'der Gegenstand vom „Blauen Löwen" und seiner Geschichte wurde fallen gelassen. Nächsten Morgen aber, vor dem zweiten Frühstück, war Clifford in Srroan. Es war ein ttarer Dag und es gab nur gerade so viel Wind; um die Luft auf seinem Wege durch die Marsch angenehm zu bewegen. Die Sonne Wen Ms den weißen kreidigen Boden und die Stelle, wo der Leichnam Jems gefunden worden war, war nicht mehr durch ein äußeres Merkmal von dem übrigen grasAberwachsenen Rande der Straße zu unterscheiden. Man hatte angefangen, die Tragödie zu vergessen und selbst das frischere Interesse, das die neuerlichen Ereignisse im „Blauen Löwen" erregt hatten, war in den Gemütern der Leute verblaßt durch den Eindruck irgend eines zwar minder bedeutenden, aber neueren! Vorfalls in den Hintergrund gerückt worden. Ter „Blaue Löwe" sah trübselig genug aus, da er schon seit einem Monat unbewohnt war. Mit seinen geschlossenen Türen, seinen gesperrten Fensterläden und den zerbrochenen Scheiben in feinen oberen Fenstern bildete er einen traurigen Gegensatz zu dem heiteren kleinen Gasthofs den er gekannt hatte. Keine Marktwagen hielten jetzt vor der Tür; die Enten und Hühner wanderten nicht mehr über die Straße hin; der Schuppen, in dem sonst das Wägelchen stand, war leer und in vernachlässigtem Stande. Nachdem Clifford einmal um den Keinen Garten und zu dem Kuhstall hinabgegangen war, wo er Nell zum erstenmale begegnet war, eilte er fort von dem trostlosen Orte und suchte so schnell wie möglich Shingle End zu erreichen. Doch auß dieser Ort war wie verändert. Zunächst hatten die Stürme des Winters dem alten Hause arg mitgespielt. Einige Schieferplatten waren fortgetrieben und nicht wieder ersetzt worden. Und ein Baum, der von einer Südwestkühlte niedergeworfen worden war, verrammelte jetzt das Keine bischen Raum, das den Bordergarten gebildet hatte. Er hatte beim Fallen die Ecke des Hauses beschädigt, hatte einen der Außenläden eines Fensters des Besuchszimmers tu eggeriff en und ein halbes Dutzend der kleinen Glasscheiben zerschmettert, welche zerbrochen geblieben waren. Bogen von braunem Papier waren von innen vorgeklebt worden, den trostlosen Anblick des alten Hauses vervollständigend. Als Clifford sich dem Tvre näherte, fand er, daß der Baum in einer Weife gefallen war, die es ihm unmöglich machte, hineinzukommen. Indem er zweifelhaft zu den oberen Fenstern emporsah, bemerkte er ein Keines verwelktes, graues, gespensteryastes Gesicht, das hinter dem! dürftigen MusseliMorhang nach ihm hinspähte. War es Miß Bostal oder war sie es nicht? Denn einen Augenblick blieb er ungewiß, die Hände am Tore, stehen. War irgend ein schreckliches Unglück, der Tod des Obersten! oder ein Krankheit der Tochter, auf den Matz wie ein Meltau gefallen? Sollte er zurückgehen und in der nächsten! Behausung Erkundigungen einziehen, ehe er wagte, sich iN irgend etwas einzudrängen, was vielleicht ein großer Kummer war? , t ' ol Es stand ein altes kleines Gebäude dicht dabei, das einst ein Zollhaus gewesen war; er dachte dort an die Tür zu klopfen und zu versuchen, daselbst eine Auskunft zN erhalten und zog sich scheu zu diesem Zwecke zurück, als eüt hastiges Pochen an die Scheibe eines oberen Fensters, ihn veranlaßte, sich noch einmal umzusehen. Miß Theodora/ wenn sie es wirKich war, machte ihm ein Zeichen, rund herum nach der Rückseite des Hauses zu gehen. Ihrer stummen Weisung gehorchend, fand er sich nach dem kleinen Seitentore in dem Gartenzaune zurecht,, ging durch dieses in den Garten und gelangte so an die Hintertür Zu seiner Ueberraschung bemerkte er, als er an den beiden unteren Fenstern, dem an der Seite und dem andern an der Rückseite des Hauses, vorbeigiug, daß die Fensterrollen niedergezvgen waren. Dann mußte der Oberst sicher tot sein, dachte er. Er hatte nicht Zeit, darüber nachzu- denken, warum dann in Den oberen Zimmern die Fensterrollen aufgezogen gewesen waren, da er schon jemand hörte, der im Innern einen Riegel wegschob, bann einen andern und noch einen andern. Woraus die Tür ton Miß Bostal geöffnet wurde, die ihren Kops heraussteckte, einen furchtsamen Blick über deN Garten warf und bann, seine ausgestreckte Hand ergreifend, ihn hastig hereinzog und unverzüglich die Riegel wieder Vorfmiob. Clifford konnte sich nicht enthalten, darüber zu lächeln/ obschon er sich Mühe gab, es nicht sehen zu lassen. Es toten ihm klar, daß die jüngsten Vorfälle in der Nachbarschaft ihr den Kopf wirr um» sie lächerlich ängstlich hiusickBto ihrer Keinen Person und ihres nicht eben wertvollen Eigentums gemacht hatten 276 Ariedrich ^echt u»d andere. tetne starrte ihn mit furchtbarem Ernst" durchdringend an, führte ihn an die Tür des Besuchszimmers, schloß sie art und schlug sie mit einer tragischen Gebärde weit auf. Clifford gehorchte und sah überhaupt nichts, weil es haften Farben, Schilderung herauszuheben. Pecht erzählt: i zemoen Juprr tnAhifnMinhrma raumem " ' , den ich gleich, nach meiner Ankunft, von seiner kurzen Beinen allerduigs, dem se« wohlgenährtes Vamp i , Reise durch Frankreich zurückgekehrt, getroffen, wollte nun, I wie sein behäbiges Auftreten das Ausseher r Sie haben sich gut gegen Einbrecher verwahrt, tote I voll Bewunderung französischer Kirnst und der Franzosen, ich sehe" sagte et, indem et darauf drang, das Verriegeln wie er es war, ja sie zu meinem nicht geringen Aerger bestatt ihrer zu übernehmen und mit Staunen gewahrte, wie ständig überschätzend, mit seiner Frau den Winter rn Parts fest und stark dieser Schutz war. zubringen. Er hatte sich zu dem Ende auf dem Boulevard Tie kleine Dame fuhr, ja sprang nahezu auf. des Italiens eingemteiet, wo ich beide oft besuchte Da O Mr. King", ächzte sie in einem Don des Entsetzens, sollte ich sie nun etnes Tages tm Louvre herumfuhren, .„-machen Sie sich darüber nicht lustig. Es ist zu schrecklich. Als ich kam, sagte er mir es würde etn junger Musiker Ich fühle mich nicht mehr sicher. Letzte Nacht - o !" und Schwager von Friedrich Brockhaus auch noch mit seiner y Sie hielt inne und schloß die Augen, als ob sie auf Frau erscheinen, und erzählte mtr einstweilen, daß derselbe dem Punkt stände, ohnmächtig zu werden. Und Clifford von Riga hierhergekommen set, um womöglich etne Oper sah bei dem schwachen Lichte, das durch die verstaubten hier zur Aufführung zu bringen und Richard Wagner heiße Fenster über der Vorder- und der Hintertür hereinfiel, daß I Bald kam denn auch der trotz ferner viel zu kurzen Berns ihr kleines, schmales Gesicht von irgend einem furchtbaren auffallend elegant, ja vornehm erscheinende junge Mann mit Gedanken ganz entstellt worden war. I einer so wunderhübschen Frau am Arm, daß sre altern schon Nun, und was ereignete sich denn letzte Nacht — o!" ausgereicht hätte, das Ehepaar interessant zu machen, auch R' er in einem so heiteren Tone als ihm möglich war, wenn Wagner selber nrcht einen so bedeutenden Kopf gehabt er Hoffnung, ihre Nerven damit zu beruhigen. I hatte, daß er unwillkürlich fesselte. Vor den Blldern war Doch anstatt ihm ohne weiteres zu antworten, öffnete I er erst zerstreut und offenb ar abwesend, entwrckecke aber, die Keine Miß Theodora ihre matten lichten Augen und I sich Susammennehmend, bald eure so gerstrerche Lebendrg- starrts ihn mit furchtbarem Ernst" durchdringend an, I fett, daß wir rasch um so eher bekannt wurden, als er, der WW <•» » - «- ** W* li- “f I giT'ÄTrfÄ fteaSfitai« »niivw uiu, ,uu ™,, ------ V. , der Bilderschau speisten wir gemeinsam in einem Restaiirant, ganz finster war. Als seine Augen nach einigen in fast I und hier erzählte er uns>rn ferner dte Worte^wte^etn Schnee- unheimlicher Stille verbrachten Minuten sich! an das Dunkel gestober heruntersprudelnden Art nun ferne Abenteuer auf gewöhnt hatten, sah er, daß die Fenster von innen auf der Reise hierher wo er, rn etner kletnen Barke abgefahren die gründlichste und durchdachteste Weise mit Geräten und vom Sturm nach Norwegen verschlagen worden war Nicht querüber zu beiden Seiten der Fenster festgenagelten Pfosten I minder, wie ihm dort das Pferfen des „Windes rn dem ge- verrammelt waren. frorenen Takelwerk einen so seltsam dämonischen Eindruck „Aber", sagte er ganz erstaunt, „Sie scheinen sich ja gemacht, ja wie die reinste Musrk gellungen habe sodaß thm, auf eine Belagerung vorzubereiten!" I als einmal noch rm Sturm plotzlrch ern Schiff vmihnen Er hatte bei sich schon entschieden, daß die überspannte ausgetaucht, aber ebenso rasch wieder rm Dunkel der Nacht Keine Dame infolge der Auftegungen der letzten Monate verschwunden sei, alsbald, drrfliegendeHollan^ W-» den Verstand hoffnungslos verloren hätte. fallen Ware, und er jetzt rn Gedanken rmmer erne Musrk „Wir sind auch belagert", flüsterte sie mit einem dazu komponiere. Da rch, angezogen ?vn dem unwrdersteh- Blicke, der diese Vermutung bestätigte. „Ich sehe Wohl, lichen Rerz dieses Umgangs, bald' daß Sie meinen Worten nicht glauben, daß Sre denken, und ohnehin, wie er mern Gluck rn Parrs suchend, gernerm es sei nichts als Einbildung von mir. Mer fragen Sie fame Interessen aller Art mit ihm so besuchte rch nur meinen Vater." ihn öfters in der Keinen Wohnung, dre er rn der Rue M>e Clifford hieraus etwas erwidern konnte, war sie I du Helder vier Treppen hoch gemietetund auch gwtch rasch über den mit Steinen belegten Gang gegangen, hatte I natürlich auf Kredit — mvblrert hatte. Derrn.auch zum die Tür des Speisezimmers aufgerissen und forderte ihren I Schuldenmachen hatte er mit fernem alten Schauspielerblut Besuch mit einer Bewegung auf, einzutteten. I offenbar eine angeborene Begabung. Da horte und sah Als! der junge Mann, der sich schon vor der Unter- ich nun die Oper allmählich Gestalt gewinnen, die uitfere Haltung fürchtete, der er hier mit ihr Stand zu heilten I nähere Bekanntschaft vermittelt hatte. Lerder war er ern haben wurde, es tat, fühlte er sich sehr erleichtert, den viel zu fchlechterKlavrerspieler und Wem schlechter Obersten hier zu finden, der am Kamin, mit der Brille eine I Musikkenner, um je wit Gewißheit unterscheiden zu lonnen, Zeitung lesend, saß. ob er eine WirKich geniale Schöpferkraft besetze. Umso snyerer Zu Cliffords Erstaunen und Beunruhigung war aber I war feine magische Anziehungskraft uno ferne frühe liebet« die Veränderung des alten Mannes so groß wie die feiner I legenheit in allen anderen Dingen, sowie der angeborene Tochter. Adel einer Natur, die ihn ber aller Leidenschaftlichkeit und Oberst Bostal, obschon seine Kleidung abgetragen und I allem sprudelnden Witz niemals gemein oder trivial aus- altmodisch war, hatte sich immer noch eine Art soldatischer sehen ließ. Erst sechsund^zwanzig! Nettigkeit erhalten, er trug das Haar immer noch kurz I eine Weltgewandthert und Unerschöpflichkeit der Hilfsmittel, geschnitten und den schneeweißen Schnurrbart gut gepflegt, I die mir sicherlich nie wieder so erschienen sind. sodaß er sich eine gewisse Schmuckheit und vornehme Halt- I lieber seine erste Zusammenkunft mit Heinrich Heine ung bewahrt hatte. Jetzt hatte er jede Spur davon ver- erzählt Pecht, wie folgt: koren. Seine Schaltern waren gebeugt, das Haar hatte tiefer ersten Pariser Zeit war es auch, wo mir lang werden können, der Schnurrbart hing zottig und lose £au-ße nach der Wagners zugleich die lang ersehiite Be- über einen rauhen, verwilderten Backenbart. Und mehr xanntschaft Heinrich Heines vermittelte, indem er, mit ihm noch als das, war in feinen Augen ein Blick, der in seiner rcf)on Migst näher befreundet, uns beide zu einem Keinen Ruhelosigkeit ebenso jämmerlich war, wie der gespenstige gemeinsamen Diner bei dem der Oper gegenüber besind- Ausdruck, den Clifford in den Augen Miß Theodoras be- I Restaurant Brocci einlud, wohin auch Heine samt merkt hatte. | seiner Frau kommen wollte. Diese bildschöne Französin Der alte Mann fuhr empor, als er den Besucher ge- |Tltq nun zunächst allerdings einen glänzenden Sieg über wahrte, stand auf und hielt ihm die Hand mit mechanischer I beiben deutschen Frauen davon. Doll, naiv-anmutig altmodisch^er Höflichkeit entgegen; es war über zweifelhaft, I un^ unwissend wie ein Kind, verdunkelte sie sowohl die ob er ihn wirKich erkannte. I unendlich geistvolle, aber ziemlich verblühte Frau Laube, (Fortsetzung folgt.) I M die seelengute, aber etwas hausbackene Frau Wagner. Allerdings blieb sie mit ihrer üppigen Figur und dem wundervoll matten, samtartigen Teint etn bloßes Schaugericht, aber ein entzückendes, obwohl sie schwerlich rn tWm Leben über das gefährliche Kind hinausgekommen ist, dessen ------- ' i einen aber schon froh machen konnte. Heute, uvu vtin ... nur ungefähr wußte, daß er ein poete alle- titanb sei, behandelte sie denn auch kaum viel anders wie einen Kanarienvogel, liebte sie aber trotzdem offenbar zart- ’ mir niemals so sehr.als blln- Friedrich Pecht, der Nestor der deutschen Kunstschrift- steiler, ist dieser Tage in München im Alter von 89 Jahren I bloßes Lachen gestorben. In feinen Lebenserinnerungen „Aus meiner j von dem fie^ Zeit", die er in München hat erscheinen lassen, schildert er I 1 , t"1"* erste Begegnung mit Richard Wagner in so leb- I einen Kanarienvogel, liebte > garten, latz »-4 Wjgm >-»»-», H* '•*.«»» f> w .eW-„ .. .. I 6enwenm^.aneri)^^/ dem fein wohlgenährtes Bäuchlein Laube 276 as- willst Du wer- Rrdaltronr Auauk Gök. — Rotationsdruck und Verlaa der Brüll'scheu UuiversttötS-Buch» und Eteindruckerti (Pietsch Erbens in Gießen. Scherzrätsel. (Nachdruck verboten.) Kommt ein Bogel, wohlbekannt^ Ohne Schwanz zu einem Land, Wird ein deutscher Poet genannt. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Charade in vor. Nk.r Lustspiel. Cornelius Nepos auch eine gewisse literarische Unsterblichkeit im Kreise der hessischen Schuljugend erworben hat. Der mit dem Titel „Schafskops" Beehrte war Justus Liebig zu Darmstadt. Liebig saß! mit noch zwei Unglucksgefährten untenan. Der Konrektor Storck hatte tat Tag, denn ebenso unbe" ' " " „ rade einen schlechten Tag, denn ebenso unbefriedigt schied er von dem noch „unter Liebig" sitzenden Jungen Georg Gervinus, dem dreizehnjährigen Sohne des Gerbers Gervinus. Nun drohte sich das Unheil über dem Haupte desjenigen, der zu aller- Unterst saß, dem eigentlichen Nltimus, dem vierzehnjährigen Johann Jakob Kaup, gleichfalls einem Darmstädter Bürgersohn zu entladen. Mein der Gestrenge zog es! vor, statt diesen auf die Folter zu spannen, wieder zu dem jungen Stang zurückzukehren. „Was willst Du werden?" — „Chemiker!" — „Dummkops, was ist denn das?!" entgegnete Herr Storck mit verächtlichem Achselzucken. „Seht Außerordentlich beliebt und dieses Beifalls vollkommen w-urdig ist die „Jugendgartenlaube", farbig illustrierte Zeitschrift für die Jugend, Verlag von G. Kempe in Leipzig, vierteljährlich nur 1 Mark. Die „Jugend garten- laube" ist wohl einzig in ihrer Art durch die Fülle von Stoff zur Unterhaltung und Belehrung, gediegen, vornehm, billig. Cotta'sche Handbibliothek. Hauptwerke der deutschen und ausländischen schönen Literatur in billigen Einzelausgaben. Stuttgart und Berlin, Verlag der I. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger G m. b. H. — Den! ersten Nummern ihres neuen Unternehmens „Cotta'sche Handbibliothek", das mit dem Zwecke ins Leben gerufen wurde, die Verbreitung der Hauptwerke der deutschen und ausländischen schonen Literatur durch billige Einzelausgaben zu fördern, läßt die Cotta'sche Verlagshandlung schon nach! kurzer Pause weitere Nummern folgen. Dank der vielen Vorzüge: sorgfältige Auswahl der auszunehmenden Werke, solide Ausstattung durch großen- scharfen Druck, holzfreies Papier und gute Heftung habest sich die Bändchen rasch eingebürgert und einmütigen Beifall gefunden. Brachte die erste Reihe u. a. zum erstenmal Werke von Grillparzer in billigen Einzelausgaben, so verdient auch die zweite Reihe besondere Aufmerksamkeit, weil neben weiteren Werken der Klassiker auch Gott fried Keller, und Heinrich Seidel, durch billige Einzelausgaben von Schriften vertreten sind, deren ausschließliches Verlagsrecht der Cotta'schen Buchhandlung zusteht. Von Gottfried Keller wird die köstliche Humoristische Erzählung „Die drei gerechten Kammmacher" geboten, während Heinrrch Seidels Eigenart durch das liebliche Idyll „Der Rosenkönig" und dir prächtigen „Weihnachtsgeschichten" gekennzeichnet wird. Die Namen Goethe, Heine, Kleist, welche, außerdem vertreten sind, beweisen, daß tste Verlagshandlung bemüht bleibt, den verschiedensten Ansprüchen Rechnung zu tragen. ihr", fuhr er fort, „ihr drei seid unwürdig, in dir Hallen der Wissenschaft einzutreten. Köpfe habt ihr zwar zrößer und dicker, wie alle anderen, aber der Spiritus ehlt darin. Spart euch die Mühe und euren Eltern das chöne Geld ! Liebig, Dein Latein reicht gerade aus zum Apotheker; Du, Gervinus, kannst weder Latein noch Deutschs und Du, Kaup, kannst überhaupt gar nichts !" — Liebig kam, so erzählt Dieffenbach- in der Tat bald zu einem Apotheker in die Lehre, Gervinus wurde Lehrling in einem Manufakturwarengeschäft, Kaup blieb etwas länger auf dem Gymnasum. Ltobia wurde der berühmte Bahnbrecher, auf dem Gebiete der Chemie, Gervinus wurde dem Kaufmannsstande untreu und ein berühmter Geschichtsprofessor, Kaup Naturforscher, der sich, durch seinen Versuche den „Darwinismus zu widerlegen"- bekannt machte. vants gab. Er war damals in seiner vollen Kraft — schrieb er doch gerade an seinem Wintermärchen — aber trotz seines herrlichen Dichterkopfes mit der mächtigen Stirn, der Adlernase und dem sinnlichen, aber sehr anmutig zuckenden Mund machte er keinen eigentlich imponierenden Eindruck, weil er, sehr kurzsichtig, seine an sich! schönen Augen immer unangenehm zusammenknisf, sie nur selten aufschlug, und weil er seine jüdische Abstammung, von der in seinem blonden und blauäugigen, ganz germanischen Kops keine Spur zu entdecken war, umso deutlicher durch seine schlechte Haltung aussprach da er, obwohl von Hause aus breit und gut gebaut, doch! den schleppenden, nachlässigen Gang seiner Rasse hatte. Er sprach fast nie zusammenhängendsondern machte nur immer Ausfälle und unendlich drollige Bemerkungen, besonders' wenn er durch Widerspruch gereizt ward. Auch brachte er offenbar immer schon einige kostbare Witze fertig mit und leitete die Unterhaltung dann so, daß er sie wirksam anbringen konnte. Da Laube auch Meister in scharf zugespitzter Sprechweise war, Wagner aber im sprudelnden Erzählen seinesgleichen suchte, so war das Gespräch dieser durch die schönen Frauen uitb den guten Wein ohnehin animierten Männer allerdings wohl eines der glänzendsten, die ich je gehört. Interessant ist die Charakteristik, die Pecht von Gottfried Keller entwirft Pecht entzählt das Folgende: Klein und untersetzt von Statur, aber fest und breitbeinig auftretend, gliche die nervige Gestalt mit den kurzen Beinen eigentlich nur einem etwas verkürzt ausgefallenen Gestell für den herrlich mächtigen Dichterkopf mit der hohen Jupiterstirne. Mer auch, ihm hatte die immerhin ein wenig kleinliche und enge Welt um ihn herum, die er so unübertrefflich mit ihren Vorzügen und Mängeln wiedergegeben, doch eine Menge Falten angeärgert, die nur verschwanden, wenn er etwa einmal nach! langem Schweigen warm wurde. Der unglückliche Stauffer-Bern, der ein so vortrefflicher Stecher war, hat ihn zehn Jahre später in ganzer Figur wunderbar ähnlich gestochen. Wenn er nichts gemacht hätte als dies Porträt und die beiden womöglich noch, besseren Bildnisse Gustav- Freytags, so würden diese Meisterwerke genügen, seinen Namen trotz seines häßlichen Endes zu erhalten. Hatte nun Keller während des Diners mit noch mehreren ihm wie ich unbekannten Personen sich sehr reserviert verhalten, so wurde er doch viel ergiebiger, als wir Herren nachmittags gemeinsam einen großen Spaziergang den Berg hinauf machten, obwohl er auch da bas ihn wie die meisten Schweizer charakterisierende herbe Wesen nie ganz verlor. Findet man dasselbe doch leicht selbst in den Werken heraus, wenn man z. B. die „Leute ton Seldwyla" oder den „Martin Salander" mit ähnlichen von Fritz Reuter vergleicht- Aber gerade dieser starke, ja oft ganz berauschende Erdgeschmack derselben ist es, der uns so unwiderstehlich fesselt! Die stolze und oft rauhe Mannhaftigkeit, die daraus spricht, besaß nun Keller ganz und gar auch im Verkehr, das sich beugen und gefällig sein hatte er nie gelernt, ja der Widerspruch lag ihm immer am nächsten, und dennoch gewann er durch, seine Biederkeit rasch, das Vertrauen. Etwa sechs, acht Iahte später habe ich Keller dann noch einmal in Zürich wieder besucht. Da glich er, auf dem Stuhle sitzend, Stauffers' Porträt ganz frappant. Ter ewige Aerger, in Deutschland- besser verstanden und gewürdigt zu werden als in der Schweiz selber, hatte ihn allmählich ganz in dies verdrießliche Gesicht hineinwachsen lassen. Tenn für Deutschland hatte er eigentlich wenig Verständnis und noch weniger Liebe. Sein echt republikanrsch kurz angebundenes, von aller Sentimentalität himmelweit entferntes!, anscheinend trockenes und hartes Wesen mag ihm als einmal anerzogener Don wohl oft selbst beschwerlich geworden sein. vermischter. * Das Genie auf der Schulbank. Aus der Jugendzeit des Chemikers Justus v. Liebig, dessen tM. Geburtstag am 12. Mai stattfindet, erzählte Ferdinand Diefenbach! in dem Lebensbilde eines Schulkameraden Liebigs eine bemerkenswerte Episode. Es heißt da: „Setz' Dich, Liebig! Du bist ein Schafskopf!" Der so sprach, war Herr Johann Justus Storch, Konrektor am Gymnasium zu Darmstadt, ein gefürchteter Schulmonarch, der sich durch seine Ausgaben der Fabeln des Phaedrus und des