ivOB. — Nr. 54 Samstag dm 11. April. äKpTy aSÄ-Jpl WM&O l,ll®® il’EEEüi Gstern. (Nachdruck verboten.) Sei mir gegrüßt, du gold'ner Ostertag, Der du erschienst, das Tote zu beleben,!! Dein Morgen weckt, was tief im Schlummer lag, WaA u.nZ entschwand, willst du uns wiedergeben. Die Sonne strahlt, die Frühlingswinde weh'n Und seine Schrecken hat der Tod verloren. Es welkt und cs zerfällt, was staubgeboren. Doch über Gräbern braust es: „Aufersteh'n!" Dunkel war es und still. Kein Vogel sang mehr in den entlaubten Zweigen und kein Mensch- betrat das schwarze, tote Land der verödeten Fluren. Wie ein schmerzliches Seufzen klang es, wenn der Wind darüber hinfuhr. Es war aber ein kalter, schneidender Wind, und unter seinem Hauche erstarrte die schwarze Erde, daß sie hart wurde wie Stein. Früh sank die Nacht hernieder auf Dorf und Stadt, die -lange Nacht, der spät der trübe Morgen folgte. Und wieder -lag der Tag kurz und dunkel, und wieder dunkel war die lange Nacht. Den Himmel bedeckten schwere Wolken und die Sterne erloschen, wie ausgeblasen von dem Sturm, der über die Gefilde jagte. Der Sturm aber war angetan mit einem weißen Gewände. Das legte er über die schlummernde Erde, bevor er weiterzog. Und als er vorüber war, da wagten sich die Sterne wieder hervor, einzeln, schüchtern und immer mutiger dann, bis sie freudig leuchtend flimmerten und tröstlich- verkündeten einen hellen, sonnigen Tag. — Der Tag kam auch, sonnig und schön. Doch er war kalt und keine Blüte lächelte ihm entgegen. Nein, die Strahlen der Sonne weckten die schlummernden Halme nicht zu neuem Leben. Sie erfreuten das Herz, aber sie erwärmten es nicht. Das ist der Winter. Wohl spendet er seine Freuden und Genüsse. Hallten nicht die Nächte von den Klangen der Freude? Traten sich nicht, die Menschen näher, sich vereinend zu den Festen fröhlicher Geselligkeit? O, wohl erträgt der Beglückte des Winters Last, die ihm des Winters Lust versüßt. Aber jene, die in Entbehrung und Sorge sich beugen unter ihrer Last, sie freuen sich nicht des tiefen Schnees und der spiegelnden Eisbahn, sondern sie ersehnen den Tag, der sie befreien soll von des Winters Not. Und abermals brauste der Sturm daher. Nicht weiß war sein Gewand, sondern dunkel, wie die Wolke des Himmels. Doch sein Odem wehte lind und lau, daß der Schnee hinwegschmolz in einer Nacht. Da brachen berstend auch die Spiegel der erstarrten Seen und Flüsse, und die befreiten Bäche stürzten mit brausendem Gesang hernieder i«S Tal. Wieder leuchteten die Sterne in der milderen Nacht, und -am Tage spielten die Sonnenstrahlen kosend! mit den Wellen. Der Wind aber flüsterte leise zu den Knospen an Strauch und Baum, daß die jungen Blättchen sich reckten und dehnten in ihren Hüllen, wie die Kinder/ wenn sie am Morgen erwachen nach erquickendem Schilast Nun aber ist es Ostern geworden! Der Lenz ist erwacht und mit ihm die Natur, die ihn grüßt mit der stillen Freud«' des neuen Lebens. Ach, es ist doch etwas Schönes und Großes, dieses Erwachen! Wie ein Heiligtum umfängt uns der stille, sprießende Wald, und so schön und fromm dünkt uns die Welt, wenn wir die weite Flur durchwandern und wenn aus blauer Höhe dann das jubelnde Lied der ersten Lerch« zu uns herniedertönt. — Es ist ja Ostern! — Auf den Feldern grünt das junge Korn freudig der Sonne entgegen, und die ganze weite Welt atmet Hoffnung und Frieden. —i Ostern! Ist es denn nicht, als müßte in jedem Herzen dies Wort ein jubelndes Echo wecken? Wird denn nicht mit der Natur auch unsere Seele wieder erweckt zu einem neuen. Leben nach tiefem Schlafe? Oder sind wir so ganz in Anspruch genommen von dem schweren Kampf um daS Dasein, von der Jagd nach Gewinn, von den materielle» Interessen der Zeit, daß wir keinen Augenblick mehr übrig haben für das, was unsere Herzen erheben sollte liier dch Mühsal des Tages und die selbstgeschaffene Not? Auch unsere Zeit wird durchtost von den Stürmen, die an Fenstern und Türen rütteln. Sind es die Stürme des Winters, von denen wir nichts Gutes zu erwarte» haben? Oder sind es die Frühlingsstürme, die eine neue, schönere Zeit verkünden wollen? Die Wirrnis ist groU denn die Elemente messen ihre Kräfte im heißen Kampf. Noch fern scheint der Morgen zu sein, der Ostermorgen, der uns enthüllen soll, was verb-orgen ist, der uns durch den Glauben zum Wissen führt. Ja, durch den Glauben zum Wissen! — Das Osterfest ist ja das Fest des Glaubens, des triumphierenden Glaubens, der Auferstehung und des Lebens. Nicht die Vernichtung ist Ziel und Zweck des Lebens, das Ende aller Dinge. Wenn schon der Stoff nur der Umwandlung unterworfen ist, dann sollte der so viel höhere Geist vergehen und verwesen wie ein Glockenschlag in stiller Nacht? „Sein oder Nichtsein — das ist hier die Frage", die große Frage, die an jeden herantritt und an die jeder herantreten muß, er mag wollen oder nicht. Und über des Rätsels Lösung ist ein dunkler Schleier gebreitet/ so dunkel, wie die Winternacht. Und weil niemand ihn lüften kann, kommen die klugen Leute und sagen: „Es ist nichts darunter." Sie glauben es selber nicht, aber sie hoffen ,daß es andere glauben werden, die dann stolz darauf sind, daß sie nicht glauben. Wie viele brüsten sich mit ihrem Unglauben, als wenn es eine Großtat wäre oder eine besondere Kunst. — Und sie wissen nicht, daß es gar keinen Unglauben giebt, sondern nur den rechten oder den falschen 214 Wauden. — „MW sind uns Moses und bie Propheten und einen Gott brauchen wir nicht!" — Aber sie haben nur einen andern Moses, andere Propheten, und eine» andern Gott. — Wer kennt nicht das häßliche Wort von dem „Autoritäten-Schwindel", und doch sieht man die Massen, die es anwenden, ihren Autoritäten blindlings folgen. — Auf den Geistern lag lange die kalte, finstere Winternacht. Wohl ging die Sonne der Wissenschaft strahlend auf und ihr weißes Licht beleuchtete die Art der Dinge. Es leuchtet hinein in das Gehirn, und unter ihrem Strahl wächst und blüht der Baum der Erkenntnis. Wohin dies Licht aber nicht dringt, das sind die verschleierten Rätsel vom Anfang und Ende — vom Leben und Sterben. Sie erhellt den Verstand, aber sie erwärmt nicht das Herz, weil sie sich nicht an das Gemüt wendet und wenden kann. Und da das Herz in seiner Zweifel Not keine befriedigende Antwort von ihr auf seine bangen Fragen erhält, so blickt das Auge hilfesuchend umher, bis es, vielleicht von Wolken verhüllt, den Stern erspäht, der ihm den Trost giebt, der nirgend sonst zu finden war: den Trost des Glaubens, der uns erhebt über die Zweifel des grübelnden Verstandes, heraus aus der Oede einer toten, winterlichen Flur. Denn, „der Glaube ist die gewisse Zuversicht dessen, das man hofft und nicht zweifelt an dem, das man nicht sieht." Wenn |eiS: nun aber keinen Unglauben, sondern nur rechten und falschen Glauben giebt — welches ist dann der rechte? Das ist der Glaube, der der Wahrheit am nächsten kommt. Und was ist Wahrheit? Nun, das ist das, was dich innerlich still und zufrieden macht, was dir die Kraft giebt, trotz des Dunkels und der Länge des Winters geduldig und ergeben des Frühlings zu harren, das Leid zu ertragen und selbst den: Ende freudig entgegenzusehen. Das ist die Gewißheit des hoffenden Glaubens, den man deshalb nicht gering achten soll. Denn er ist eine Macht, die Berge versetzt, die „nie das Böse will und stets das Gute schafft". Eine solche Macht kann nur dem Guten entstammen. Und da das Gute auch das Wahre sein muß, so kann dieser Glaube auch der Wahrheit nicht fernstehen. So ist denn Ostern das Fest des überwindenden, siegenden Glaubens, der tröstlichsten Hoffnung. „Ich bin die Auferstehung und das Leben!" Dies Osterwort klingt wie eine Siegessanfare hinaus in die Welt, wie einst die Botschaft der Engel zur Weihnachtszeit. Gegenüber diesem verheißungsvollen Anfänge: „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren soll", folgte als letztes — und doch nicht als letztes — das Wort der Erlösung: „Es ist vollbracht", — das Opfer des Sterbens; vollbracht ist aber erst am Tage der Auferstehung der Sieg des Lebens über den Tod und seine Schrecken. Darum wollen wir uns freuen des wiederkehrenden Lebens. Und wir werden es können, wenn wir wieder lernen, den Blick mehr nach oben als nach unten zu richten, uns frei zu machen von den Beschwerden der Erde, ihre Güter nach ihrem Werte zu taxieren und den Geist über die Materie zu stellen. Heute ist ja Ostern! Der fiische Odem dieses Tages weht uns an mit belebender, heiligender Kraft, lieber grünenden Gräbern trillert die Lerche ihr jubelndes Lied und die Glocken läuten: „Auferstehen!" Heiliges Ostermorgenrot, Scheuche du die Schatten, Die uns in des Muters Not Ganz umsponnen hatten! Laß' uns Lenzesblüten schau'n. Mach das Herz uns offen: Gieb uns wieder das Vertrau'« Und ein gläubig Hoffen! — > : Erich zu Schirfelhl. (Nachdruck verboten.) Das Gasthaus am Strande. Roman in zwei Bänden von Florence Warden- Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen- (Fortsetzung.) Willie, aus der Pfeife, die er eben angezündet hatten paffend, war der erste, der sprach- indem er Otto anblickte. „Nun, und was ist jetzt Deine Meinung von nuferer: schönen Freundin?" fragte er. „Meine Meinung ist, daß sie eine Diebin und einet sehr verwegene, wenn nickt eine höchst, geriebene ist. Jene Ohrringe enthielten echte Perlen und Rubinen- sehr altmodisch gefaßt, doch nicht ohne Wert." „Und Du glaubst nicht, daß sie ihr geschenkt worden fein könnten?" „Lieber Freund, so überlege doch nur! Hat man wohl über die Tatsache zu erröten, ein Geschenk von einem alten Manu und seiner alten Tochter erhalten zu haben? Und doch wurde sie zweifellos rot. Sodann ziehe die Unwahrscheinlichkeit der Sache noch in Betracht. Die Bostals sind arm wie Kirchenmäuse. Werden sie da wohl Dinge wie diese Ohrringe haben? Nun, und wenn sie sie haben — werden sie sie dann wohl verschenken? Der alte Mann könnte von ihrem schönen Gesicht verblendet, es vielleicht tun, doch nicht die knauserige ält-, liche Dame." „Es wird besser sein, wenn Du Clisford von dem- was Du denkst, nichts sagst." „Das will ich auch nicht. Wohl aber beabsichtig«: ich-, zu versuchen, ihn aus dieser Umgarnung zu befreien; und um meinen Plan zur Ausführung bringen zu können, darf er nichts davon argwöhnen. Er wird- Du kannst daraus wetten, nicht viel von ihr sprechen. Er wird unsere Spottreden fürchten. Und wir werden so schweigsam wie er sein. Und wenn er mich nach meiner Meinung über die Ohrringe fragt, so werd' ich natürlich sagen, daß sie wertlos sind. Verstehst Dn?'< Willie nickte. Er trug es Clisford nicht länger nach, ihn ausgestochen zu haben, er war nur zu froh, selbst vor einem Sturz in dieselbe Fallgrube bewahrt geblieben zu sein. Doch war nicht zu erwarten, daß Nell, als Gesprächsgegenstand, unter den drei Freunden ganz zu vermeiden war. Als Clisford wieder zu den beiden andern stieß, forderte er sie sofort kühn zur Aussprache über di« Ohrringe heraus. Er ging jedoch nicht von dem Gesichtspunkte aus, wie es Otto erwartet hatte. „Arme, kleine Nell!" rief er scheinbar unbefangen, was die beiden anderen aber nicht täuschte. „Sie ist in sehr aufgeregter Gemütsverfassung wegen dieser Ohrringsgeschichte." „Weshalb sollte sie's fein? Warum so viel Wesen um eines Tands willen machen, der letzte Weihnachten aus. einem Knallbonbon gefallen sein könnte." „O nein!" sagte Clifford. „Sie sind nicht salsch, diese Ohrringe, sie sind echt, nicht eben viel wert, aber in ihrer Art gut. Sie wurden ihr von den Bostals zum Geburtstag geschenkt." „Was war dann dabei rot zu werden", führ der leicht erregbare Willie heraus. „Es ist ja nichts Schlimmes dabei, ein Geburtstagsgeschenk von einem alten Fräulein und einem alten Mann zu erhalten. Wie?" „Gewiß nicht. Der Grund ihres Errötens lag darin- daß sie von ihrem Onkel darüber so angelafsen wurde- und ihr beiden Kerle sie sofort mit verdächtigen Augen anblicktet, als ob ihr glaubtet, sie habe die elenden Dinger gestohlen." „Und Dn glaubst nickt, daß sie's tat?" platzte der. Unbesonnene heraus. 3ord wendete sich mit Wut gegen ihn. glaube es so wenig, daß ich — ich — ich —" Hier aber brach er kurz ab und konnte durch keine Kunst der Ueberredung von seinen Freunden bewogen werden, zu gestehen, was zu tun er beabsichtigt hatte. Conybeare und Jordan kamen aber, als sie wieder gsammen allein waren, zu einem Beschlüsse, der sie de« ahrheit sehr nahe brachte. A 2i6 Ungefähr Vierzen Tage nach Rückkehr der drei Freunde in die Stadt fuhr an einem rauhen Abend vor dem „Mauen Löwen" ein in Stroan gemietetes Jagd- Gig vor, worin ein Herr saß, der dem Wirte mitteilte, auf dem Wege nach Courtstairs zu sein, aber das Meter zu rauh befunden habe, um weiter zu fahren und sehr erfreut sein würde, Unterkunft bis zum nächsten Morgen im Gasthof zu finden. Es war em angenehmer, gesprächiger junger Mann, und George Claris, der in letzter Zeit etwas verdrießlich und zurückhaltend geworden war, taute unter dem Einfluß des heiteren Wesens des Fremden aus und verbrachte den Abend rauchend und schwatzend am Feuer der kleinen Schenkstube. Nur einmal im Laufe des Abends bekam der Fremde Nell zu Gesicht. Sie war in« Begriff über den Gang nach oben zu gehen, und erschien nur für einen Augenblick in der Tür des Zimmers, um ihrem Onkel etwas auszurichten. Als sie hier stand, fand der junge Mann gerade Gelegenheit zu erwähnen, daß er morgeu suchen müßte, weiterzukommen, da er für eine Firma, in deren Diensten er stände, Wertgegenstände mit sich sühre, die von einer andern Firma, an die er gesendet worden wäre, erwartet würden. Als er dieses sagte, bemerkte er, daß die erst lebhafte Farbe aus den Wangen des Mädchens entwich. „Warum reisen Sie dann nicht heute abend noch fort?" sagte sie kurzweg, indem sie einen Schritt weiter rns Zimmer trat und die Augen ernst auf ihn richtete. >,Das Wetter kann morgen noch schlechter sein, und wenn Sw sich vor etwas Wind fürchten, so hätten Sie mit der Bahn und nicht mit Wagen reisen sollen." Der junge Mann stand höflich! auf und sah sie aufmerksam an, als sie spracht Doch ehe er noch Zeit hatte, ein Wort in Antwort auf ihre Rede hervorzubringen, schickte der Onkel sie aus der Stube mit der keineswegs freundlichen Erinnerung, daß sie es nichts anginge. Trotz der Wichtigkeit seines Auftrags schien der Fremde in keiner großen Eile zu sein, seine Reise sortzusetzen, denn als am folgenden Tag der Wind noch kalt und der Himmel noch trübe war, blieb er wieder im „Blauen Löwen". George Claris hatte den schlimmen Verdacht, daß es die blauen Augen seiner schönen Mchte wären, die den Fremden so zaudern ließen, und er trug Sorge, daß das Mädchen während des ganzen Tages unsichtbar blieb. Wie er erwartet hatte, wurde es dem Manne sichtbar unbehaglich, und er fand bald Gelegenheit zu fragen, ob die junge Dame das Haus verlassen hätte. „Nein", antwortete George kurz, „sie ist ganz richtig zu Hause, Sie werden aber nichts mehr von ihr zu sehen bekommen. Meine Nichte ist eine Dame, Sir, obwohl sie nur meine Mchte ist, und sie hat nichts mit meinem Geschäfte zu tun." Der junge Mann schien, fast zum Erstaunen des Werts, ganz zufrieden mit dieser Auskunft zu sein. Auch hatte er dazu allen Grund, denn er war ein Freund Otto Conybeares, den dieser junge Herr ausgesandt hatte, im mutmaßlichen Interesse Clifford Kings den Amateurdetektiv hier zu spielen, natürlich, ohne Clifford von dieser wohlwollenden Absicht in Kenntnis zu setzen. Der junge Mann war sehr enttäuscht worden, daß dw erste Nacht seines Aufenthalts unter dem Dache des ^Blauen Löwen" ohne jedes Ereignis vorübergegangen war. Die zweite aber lieferte für diesen Mangel an Aufregung vollen Ersatz. Er fürchtete so sehr durch zu festen Schlaf einen möglichen Besucher zu verfehlen, daß «5 Mcht die Augen schloß; auch wurde er für seine Wachsamkeit belohnt, da er zwischen zwei und drei Uhr em. lerchtes Geräusch an der Tür hörte und einen Augenblick spater undeutlich bemerkte, daß eine Gestalt ftch im Zimmer herumbewegte. t.v den Atem an, während der Eindringling Kopfende des Bettes näherte, geräuschlos nra sich bückend und suchend. Endlich, die jetzt als die einer Frau erkannt werden Jenter Kleider habhaft wurde, und sie zu durchk- suchen begann, setzte sich der Amateurdetektiv, der über *entc Erregung nicht mehr Herr Werden konnte, tzn Bette' empor, wobei er gerade so viel Geräusch niachte, um die Aufmerksamkeit des achtsamen Diebs zu erregen. Blitzschnell war dieser darauf durch das Zimmer und zur Tür hinausgeschossen. Der junge Mann, der auf diesen Fall vorbereitet war, sprang halb angezogen aus dem Bett und sttirzte zur Verfolgung der Flüchtigen aus den Absatz der Treppe hinaus. Die Frau hatte ihm den Vorsprung abgewonnen, und inzwischen die Hälfte der zu den Dachstuben führenden Treppe erreicht. Er lief ihr nach, sah sie die Tür zur Rechten öffnen, und sie hinter sich schließen. Er hörte im Schlosse den Schlüssel sich drehen. Ohne einen Augenblick zu zögern, warf er sich mit aller Kraft gegen die Tür. Sie wankte, krachte, noch ein solcher Stoß und das alte morsche Fachwerk würde nachgegeben haben. Doch gerade als er mit voller Gewalt zum zweiten Male gegen die Tür stemmte, vernahm er das unverkennbare Geräusch vom Oeffnen des Stubenfensters. Im nächsten Augenblick brach die Türe unter der Kraft seiner Stöße zusammen, und er stürzte gerade noch zeitig genug ins Zimmer, um hinter dem unteren Pfosten des offenen Fensters einen Kopf verschwinden zu sehen. Ohne Zögern fuhr der junge Mann ans Fenster und blickte hinaus. Unter ihm befand sich das abfallende Dach des Hinterhauses, und obschon er niemand sehen konnte, schwang er sich doch hinauch glitt auf den Ziegeln herab und fiel dann jäh, wenn auch nicht sanft, aus den Boden, von wo er vor sich zwisch!en den Bäumen sich etwas Dunfles bewegen sah, dem er folgte. Das schattenhafte Ding stand still. Ein Schrei entführ ihm, ein gedämpfter Schrei des Triumphs, als er erkannte, daß er den Gegenstand seiner Verfolgung einholen würde. Im nächsten Augenblick jedoch stieß er einen Schrei ganz anderer Art aus, und zwar einen viel lauteren, weil er sich ganz plötzlich in einem Bade eiskalten Wassers befand. Da er durchaus keine Ortskenntnis besaß, war er geradeswegs in Den kleinen Fluß geraten. Sein Aufschrei und seine Rufe zogen rasch Hilfe herbei, denn der Wirt, der schon durch das Einbrechen der Treppentür oben geweckt worden war, stürzte halbangezogen heraus und zog ihn mit einem Boothaken wieder aufs Land. „Der Dieb!" sprudelte der Amateurdetektiv aus klappernden Zähnen hervor. „Der Dieb! Ich hab' sie ertappt. Ich hab' sie ertappt." „Welcher Dieb?" sagte Claris barsch, indem er den zitternden Mann mit nickt eben sanfter Hand nach der Hintertür des Gasthofs sckleppte. „Wen verstehen Sie unter dem Dieb, Sie einfältiger Mensch?" „Sie werden — Sie werden es morgen schon sehen", erwiderte unerschrocken der andere, der in der Erregung seine eigene mißliche Lage gar nicht bemerkte. „Wem gehört das Schlafzimmer hinten ganz oben rechts an der Treppe?" „Das ist das Zimmer meiner Nichte", sagte Claris finster. „Und wenn Sie anzudeuten wagen, daß sie mit chrem tollen nächlichen Ausflug etwas zu tun habe, so werde ich Ihnen das bischen Verstand, das Sie haben, aus dem Leibe herausschüttelu." „Das mögen Sie herzlich gern tun, wenn Sie nicht finden, daß sie ihr Zimmer verlassen und sich durchs Fenster fortgemacht hat. — Ah!" Plötzlich blieb er mitten im Kohlgarten, durch den sie gingen, stehen und wies auf eine weiße Gestalt, die sich ins Haus zurückstahl. „Ist das Ihre Nichte — oder ist sie es nicht?" brüllte der junge Mann aufgeregt, indem er mit zitterndem Finger nach! der verschwindenden weiblichen Gestalt zeigte. Statt zu antworten, sprang George Claris auf sie los und erfaßte das Mädchen beim Handgelenk, gerade als sie den Schutz des Hauses erreichte. „Nell!" schrie der Mann in einem so rauhen, so schrecklichen Tone, daß er wie der eines Fremden klang. Das Mädchen aber stammelte nur und zitterte und er wartete vergeblich aus Antwort. (Fortsetzung folgt.) 216 tt gehört der :r, Berlin SW. 13, Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brüdl'schen UniversitSts-Vuch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen, Gleichung. Nachdruck verboten. einen an Men Komfort gewöhnten Bewohner des Himmlischen Reiches nicht leicht ist, sich an die Unbequemlichkeiten in Paris, die steife Kleidung, das schlechte Essen, den Mangel an aromatischen Getränken, an gutem Tabak, an beschulter kaum sichtbares I Dienerschaft zu gewöhnen. Nein, am unangenehmsten w en afrikanischen | mir die Häßlichkeit der Europäer, deren rohe Gesichtsz g ‘ Lll . * " „' „ Auge beleidigte, sowie der üble Geruch, den selbst die hübschesten, frischgewaschenen .Frauenzimmer ausströmten. Es hat ein Jahr gedauert, bis ich,mich so der Verfertigung der Fernrohre selbstverständlich noch nicht so weit vorgeschritten wie heute, und daher hielt es Roberts für möglich, daß sich Herschel zuweilen getäuscht haben könnte, zumal begreiflicherweise über das Vorhandensein einer Nebelmasse am ehesten durch irgend eine Trübung „ * der Himmel" 52 HimmeWegivnen beschrieben hat. Herschel F jl P A H U lt d. | arbeitete mit seinem großen Spiegelteleskop, vrelleicht dem Sparsam 6«»6 ff rannenHimmels ebenso viele aus- einer jeden Hausfrau. Als eme Zeitschrift, dies srch Mr Aus- I I & Nebelmassen, die der Himmelforschung bisher un- gabe geste t bat, m diesem Anne ihren^LeMnE auf 8^ sieben w«en. Vor 100 Jahren war mau in dem umfassenden Gebrete häuslichen Lebens und Wirkens | k», r »rn h+uw o ««h h rfi, rtnA nlrüt ein Führer und Ratgeber zu sein, empfehlen wir vor allen ähnlichen Wochenschriften „Dies Blatt „ Hausfrau !" (Verlag Friedrich Schirmer, Berk.. Neuenburg erste. 14a). Diese Zeitschrift.ist^fur die An- . ^^lmässV mir'''e^steil' durch irgend eine'Trübung gelegenheiten des Haushaltes, sowie für Mode, Kinder- I Blickes ein Irrtum entstehen kann. Roberts benutzte ein garderobe, Wäsche und Hondarbetten (vrele tausend Ori- | Soieaelfernrokr von 20 Zoll Weite und eine fünfzöllige ginal-Modelle und Zeichnungen jährlich) nebst reichhaltigen I Herstellung von Photographien und erreichte auf Schnittmusterbogen von einer Vielseitigkeit und Gediegen- M Aise MLer dle mindestens so scharf sein mußten wie heit, die unübertrefflich genannt werden kann. Awei I Herschel durch sein Riesenteleskop hatte beobachten illustrierte Jugendzeitschriften als Gratisbeilagen v er voll- I L ' A rtettte sich nun heraus, daß ut 48 von den 52 ständigen den Inhalt dieses wertvollen Familienblattes | et««?« ferne Svur einer Nebelmasse auf den Photographien und dürste unfern Leserinnen dieser Hinweis bet dem Mgmn Mlen k^ne Spur Bilder war eins des Quartals gewiß Veranlassung geben, sich ein Probe- W entdecken war^ uno n T faum ti!£)fIftonbig ge, abonnement auf „Dies Blatt gehört der Hausfrau! zum l 1 J v konnte wie sie auf den Photographien erschien. Preise von 1.75, Mk. vierteljährlich oder 15 Pfg für ein V^-^Lerä Nun hat aber weiterhin der Leiter der Heft, bet der nächsten Postanstalt ober Buchhandlung zu ! - „ Aerkes-Sternwarte, Professor Bernard, das Wort bestellen oder vom Verlage gratis und franko eme Probe- 8 b, A Verteidigung Herschels M übernehmen, nummer zu verlangen. Das uns vorliegende Heft 27 ent- I ^.8 Astronom hält es von vornherein für unwahrscheinhält außer vierzehn Seiten praktischen und belehrenden I ' . e-n r0 g^Mer und ausgezeichneter Beobachter wie Inhaltes, zehn Seiten illustrierten Unterhaltungsteil, neben I 'm;„<■ 40 ^on 52 Fällen geirrt haben sollte, und für b« s--t,-tzung°n ber beiten Romme .Mnsame Seelen» M He-ltzel vermnM« =t^Ä"e“”Ä“bS Wfi BS“"“ * —Ä“ »*• “»* Babylon" und „Ein Streifzug durch das Berliner Studenten- I Qnonnevei.. viertel", welche durch fünfzehn Illustrationen veranschau- | Menschengeruch. Daß Neger und Chinesen für licht werden. I e(tte europäische Nase „unangenehm riechen", rat einen I stärkeren Ausdruck M vermeiden, ist bekannt. Daß aber I auch umgekehrt das gleiche der Fall ist, lehren uns ver- Verrnrf«)ter. I schiedene Auslassungen von Asiaten. Im „Globus schreibt Pariser Ostereier. Man schreibt dem „N. W. Tgblck I ein Japaner, Dr. Buntarv Adachi: „Der Europäergeruch aus Paris: Noch in keinem Jahre haben die Confiseure | ist in Japan allgemein bekannt. Für die Japaner rst der und Chokolüdefabrikanten einen solchen Aufwand an Püan- | Geruch der Europäer sehr auffallend, besonders der) Eu tafie gezeigt, wie zur heurigen Saison. Als besonders I päerinnen. Er ist stechend und rimzig, nach Jndividu n pikante Novität nennen wir Osterhasen in den verschie- I verschieden, bald süßlich, bald bitter. Ost ist densten Größen, die statt der Hasenköpfe portraitähnliche I so stark, daß er das ganze Ztmmer erfüllt. De < >eruch f h Gesichter bekannter und berühmter Persönlichkeiten auf-I in engem Zusammenhang mit dem Alter. M weisen. Bai den Eiern selbst gibt es die allergrößten Kon- riechen nicht oder weniger „als Leute rm kräftigen Atler. traste: bald Riesenexemplare, bald ganz kleine Dingerchen, | Die meisten Japaner, die längere ^"t in Eu op ' und das merkwürdigste dabei ist, daß, je Keiner bas Ei, I finden den Geruch der Europäer J 5 - um so kostbarer der Inhalt. Es ist ja auch selbstverständlich, nach Monaten aber nicht mehr. Der „Geruch soll vurcy daß ein Paar Bontons geringeren Raum einnimmt, als I Waschen niemals ganz zu entfernen sein, ^n h se, irgend ein noch so elegantes Toilette stück. Eine reizende I bekannte General Tschenkitong, vormals Milita t G Idee bilden Eier, auf welchen kleine Postillons reiten; der I der chinesischen Botschaft in Paris, letzt wede f Inhalt des Eies ist sehr häufig ein der Zeit angemessenes schreibt in seiner Vorrede seines Buches über die ^anzosen. Rundreisebillet zu einem Osterausflug. Wunderhübsch und I „Am unangenehmsten war nur, als ich m pa 1 t, zierlich präsentieren sich, auf einem Tablett aufgestellt, eine | nicht die Veränderung in ^r^Lebenswerse,^ov ^^h Henne mit ihren Küchlein. Jedes der Tierchen trägt im Innern ein Ei und dieses wieder birgt je ein den Dimensionen angemessenes Geschenk. Mr. Marquis hat Chokolade- eier ausgestellt, die kleinere und immer kleiner werdende Eier enthalten, bis dann Nummer Zwölf ein k 7"/) “ , , , „ Dingelchen herauskommt. Als Hinweis auf den afrikanischen I mir die Häßlichkeit Krieg sieht man Neger, die auf dem Kopfe wahre Rocheier I mein künstlerisches^ aus Chokolade tragen. Netzend sind die für Herren be- ! s s 7 stimmten Eier in Form von Billardkugeln. Dieselben ruhen I ausströmten, w.» yui cm .x aus einem kleinen Billard, dessen Laden Zigarren und I daran gewöhnte, daß meine Nase mch>t mehr fortway Zigaretten enthalten. Für reiche Leute kamen Eier auf den | beleidigt wurde." Markt, die mit prächtig imitierten Roentgenstrahlen ver- | ----------- sehen sind. Zündet man diese an, so verschiebt sich ein Teil, und der Inhalt des Eies wird sichtbar. (Sin kühner Zuckerbäcker im Palais Royal ist mit einer neuen Idee in den Vordergrund gekommen. Er hat Riesenhennen ausgestellt, die, wenn man den Mechanismus in Bewegung setzt, eine . .. Menge Figürchen schöner Theaterprinzessinnen ans Licht | a wichtiaer Teil des Körpers, b männlicher Vorname. 0 europäische befördern; doch diese letztere Neuheit findet bei den Pa- | Hauptstadt, d schmackhafter Fisch, x Landschaft in Europa, riserinnen absolut keinen Anklang. j (Auflösung in nächster Nummer.) Astronomische Irrtümer. Dr. Isaak Roberts, | , ein Astronom, der namentlich durch seine wundervollen | Austösung des Kapselrätsels tn vor. vcr.r Himmelphotographien bekannt geworden ist, hat sich in letzter I Em jeder ist seines Glückes Schmied. Zeit eine eigenartige Ausgabe gestellt. Er wollte nämlich I mit Hilse der Photographie den alten William Herschel I nachprüfen, der in einem berühmten Aufsatz über den „Bau |